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13.5.1933 Erstes Blatt
 
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Samstag, 13. Mai 1933

183. Jahrgang

Nr. 111 Erstes Blatt

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Metzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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3m Trommelfeuer.

Der Kamps auf der Genfer Abrüstungs- konserenz hat eine Schärfe angenommen, die schwerwiegende Entscheidungen nach der einen oder der anderen Seite hin ankündigt. Die beiden angel­sächsischen Mächte suchen ein irgendwie geartetes Ergebnis binnen kürzester Frist zu erzwingen, weil die Eröffnung der Weltwirtschaftskonferenz vor der Tür steht und sie von ihr nur dann irgendwelche Erfolge erhoffen, wenn an ihrem Anfang das gute Omen einer politischen Entspannuno nach Abschluß einer Abrüftungskonvention steht. In diesem Ziel sind sich die Staatsmänner Amerikas und Englands mit der deutschen Regierung durchaus einig. Kein Geringerer als Reichskanzler Adolf Hitler hat vom ersten Tage der Machtübernahme durch die nationalsozialistische Bewegung an in allen seinen programmatischen KunDgebungen mit größter Auf­richtigkeit und hohem sittlichen Ernst wieder und wieder erklärt, daß das nationale Deutschland den Frieden mit jedermann wolle, der ihn selber wolle, und in der Sicherung des europäischen Friedens die wichtigste Voraussetzung für einen Wiederaufbau tzer Weltwirtschaft erblicke. Aber das sollte nicht und kann niemals heißen, daß man nun diese sowohl von den angelsächsischen Mächten wie von Deutsch­land angestrebte politische Entspannung durch einen einseitigen Druck auf Deutschland und ein rücksichtsloses Beiseiteschieben seiner gründ- sätzlich als berechtigt anerkannten Forderungen zu er­reichen trachtet. Das wäre niemals eine wahre Entspannung, niemals eine wirksame Entgiftung der unheilschwangeren politischen Atmosphäre Euro­pas aus lange Sicht, die, ohne dem entwaffneten Deutschland das Gefühl nationaler Sicherheit zu geben, sich auch in Zukunst auf die Kanonen, Bom­benflugzeuge und Tanks der hochgerüsteten Mächte stützt. Deutschland kann sich mit theoretischen An- erkennungen seiner Gleichberechtigung, mit fragwur- digen Versprechungen für die Zukunft und einem ganz nach den Bedürfnissen Frankreichs aufgeführ­ten Gebäude neuer Sichcrheitsoerträge nicht länger begnügen. Es muß erwarten, daß in Genf klare Bahn geschaffen wird, damit es erkennen kann, wo­hin der Weg gehen sott.

Reichsaußenminister Freiherr von Neu­rath hat in einem gerade eben in derLeipziger Illustrierten" erschienenen Aufsatz zur Abrüstungs- -frage in sehr klaren und entschiedenen Sätzen die deutsche These über die Möglichkeiten dieses Weges noch einmal aufgestellt und erhärtet:Rüstungs- a u 5 g l e i d) zwischen den abgerüsteten und den nicht abgerüsteten Staaten, wobei Deutschland die­sen Ausgleich möglichst durch Verminde­rung der st ungen der anderenMächte herbeigeführt sehen will, um der Notwendigkeit der eigenen Rüstungsvermehrung soweit wie irgend möglich zu entgehen." Nicht stärker konnte der ab­solute Friedenswille der nationalen deutschen Re­gierung unterstrichen und die jetzt überall in der Welt zu sehr durchsichtigen Zwecken verbreiteten (9e; rüchte von deutschen Aufrüstungsbestrebungen als Lügen gebranbmarft werden, als durch diese offene Erklärung des verantwortlichen Leiters der deut­schen Außenpolitik, der damit nur die von den deut­schen Regierungen in den Abrüstungsverhandlungen von Anbeginn an eingenommene Haltung erneut bekräftigte, weil sie eben die für unsere Lage einzig angemessene ist. Aber der Reichsaußenminister hat allerdings auch nicht den geringsten Zweifel darüber gelassen, daß, sollte der von Deutschland bevorzugte Weg der Abrüstung der hochgerüsteten Staaten nicht eingeschlagen werden, das Reich seinerseits alle die Ergänzungen seiner Rüstung für sich in Anspruch nehmen müßte, die die anderen Mächte bisher schon für ihre nationale Sicherung für unentbehrlich hiel­ten und auf die sie auch in Zukunft nicht verzichten wollen. Also gleiche Sicherheit für alle, gleiches Maß für alle, die praktische Verwirklichung der deutschen Gleichberechtigung, die durch das Fünf-Mächte-Abkommen vom 11. Dezember vorigen Jahres in aller Form anerkannt wurde

Wie unendlich weit wir von diesem Ziel in Wirk­lichkeit entfernt sind, haben uns und aller Welt die letzten Verhandlungstage in Genf wieder einmal m ganz krasser Form zu Geinüte geführt Man will Deutschland zwingen, den englischen Abruskungsplan, dem es trotz schwerer Bedenken im Einzelnen doch als Derhandlungsgrundlage zugeftimmt hat, als Ganzes unverändert anzunehmen. Das wurde vor allem den Verzicht auf die Reichswehr unD D.e Einführung des Milizfystems bedeuten. Unser bester Sachverständiger, der ReichswehrmiNi- ster v o n B l o m b e r g, hat sich über diese nament­lich von den Franzosen hartnäckig vertretene Forde­rung, die als ..Heeresvereinheitlichung für öie tontp nentaleuropäischen Mächte" firmiert, ausführlich ausgelassen. Er hat erklärt, daß wir keineswegs au das uns im Versailler Diktat aufgezwungene eny- lische System des langdienenden Berufsheeres wie es unsere Reichswehr in ihrer heutigen Gestalt dar- ftellt, eingefchworen feien, daß wir vielmehr durch­aus bereit wären, durch eine erhebliche Kürzung der Dienstzeit den Absichten des englischen Abrustungs- plans entgegenzukommen. Aber Herr von Blomberg hat auch mit Recht betont, daß dieser Uebergang e t nur ganz allmählicher fein könne und daß das neue Heeresfyftem unseren eigenen sozialen und politischen Bedürfnissen Rechnung tragen müsse. Man denke nur an die 14 Jahrgänge ausgebildeter Reser­ven, über die Frankreich und seine östlichen Vasallen verfügen, die man mit läMillivnenMann nicht zu hoch gegriffen haben dürfte. Ihnen hätten wir nichts ent­gegenzustellen, als die uns inj englischen Plan zuge- biUigten 200 000 Mann kurz ausgebildeter und da­her für den modernen technischen Krieg kaum ver­wendbarer Truppen, wenn uns nicht in der Reichs­wehr ein Stamm wohldisziplinierter und vorzüglich geschulter Offiziere und Mannschaften bleibt Für

Das Danziger Gewerkschafiöhaus auf Gerichtsbeschluß durch die RGBO. besetzt. Sozialdemokratischer Widerstand. - Der Völkerbund wird zum Eingreifen in innerdeutsche Angelegenheiten aufgefordert.

Danzig, 12. Mai. (TU.) Arn Freitagnachmittag um 14 Uhr wurde in Danzig durch Gerichtsvoll­ziehungsbeamte und ein großes Aufgebot von Schutzpolizei das Haus der Freien Ge­werkschaften besetzt. Die Besetzung geschah auf Grund eines Gerichtsbeschlusses, der von der Leitung der deutschen Gewerkschaften, der die Danziger Gewerkschaften bekanntlich ange« chlossen sind, erwirkt worden war. Der sozialdemo- ratische Abgeordnete Brill, unterstützt von dem Führer der Freien Eisenbahnergewerkschaft, Key - er, und dem Redakteur der sozialdemokratischen Danziger Bolksstimme", T h o m a t, leisteten den Polizeibeamten Widerstand. Brill wurde ver­haftet.

In der Linie dieses unglaublichen an Landes­verrat grenzenden Verhaltens liegen auch die Lügen- und Hehmeldungen der polnischen Presse. Die Fabrikanten sind polnische Korrespondenten in Danzig und Warschau. Weder befindet sich auswärtige bzw. rcichsdeutsche 6QI. oder SS. in Danzig, noch find irgendwelche polnische oder jüdische Mitbürger irgendwie bedroht oder be­lästigt. Zwischenfälle versuchen außer den Sozial­demokraten nur polnische Diplomaten Hervorzu­rusen. Alle diese Versuche, die öffentliche Ruhe und Ordnung in Danzig zu stören, sind aber an dem außerordentlich disziplinierten 'Verhalten der Nationalsozialisten und an dem musterhaften Ver­halten der Danziger Schutzpolizei gescheitert.

Sozialdemokratische Generalstreik« parole in Oanzig.

Danzig, 13. Mai. (WTB.-Funkspruch.) Wegen der Besetzung des Gewerkschaftshauses im Sinne der Gleichschaltung mit dem Reich, hat die Sozialdemo­kratische Partei die General st reikparol« ausgegeben. Die Schriftsetzer der .^Danziger Neuesten Nachrichten" und derDanziger Allgemeine Zeitung" sind in den Streik getreten, während dis sozialdemokratischeDolksstimme" und das Zen­trumsorgan dieDanziger Landeszeitung" erfchei- nen werden. In den übrigen Betrieben wurde, so­weit sich bisher übersehen läßt, der Streikparols zum größten Teil nicht nachgekommen.

Beschlagnahme des Vermögens der Freien Gewerkschaften.

Das Gewerkschaftshaus, das fest verschlossen war, war von einer großen Anzahl vonSozialdemokraten beseht, die auf mehrfache Qlufforderung der Polizei nicht öffneten. Erst als ein Schlosser herbeigeholt war und das Schloß schon halb erbrochen hatte, bequemten sie sich, die Tür zu öffnen. Von den Gerichtsvoll­ziehern wurde sodann das Haus dem Leiter der Vctricbszellenorganisation in Danzig, Sen« dzia, übergeben. Doch stieß auch diese lleber- gabe zunächst auf starke Schwierigkeiten, da alle Räume fest verschlossen waren und nacheinander von einem Schlosser geöffnet werden mußten. Die Oefen des Hauses waren angefüllt mit Resten verbrannter Qlkten. Geld wurde m den Kassen nicht vorgefunden. Oluf dem Dach des Hauses, auf dem vor wenigen Tagen noch die rote Flagge wehte, wurde das Hakenkreuz - bannet gehißt. Die einzelnen Gewerkschaf­ten wurden von Vertrauensleuten der Detriebs- zellenorganisation übernommen.

Am Abend formierten Mitglieder der SPD. trotz des Umzugsverbots einen Zug, dem sie ein Transparent vorantrugen:Völkerbund schütze unsere Verfassung!" Mit diesem Transparent gelang es den Sozialdemokraten, vor das Gebäude des Danziger Völkerbundskommifsars Rosting zu ziehen. Die Danziger Schutzpolizei schritt sofort gegen die Demonstranten ein und nahm die Hauptanführer und die Träger des Transparents fest.

Berlin, 12. Mai. (OB.) Der Generalstaats- anroalt des Landgerichts I Berlin hat folgende An­ordnung erlaffen: Die am 9. Mai 1933 angeordnete Beschlagnahme des f o z i a l d e m o k r a t i- fchen parteioermögens wird dahin ergänzt, daß auch das vermögen der Freien Ge­werkschaften, des Allgemeinen Deutschen Ge­werkschafts-Bundes, des Allgemeinen Freien Ange- stettten-Bundes, aller ihnen angefchloffenen Gewerk­schaften sowie aller ihnen angeschloffenen vermögens- oerroalfungen beschlagnahmt wird. Als ver­fügungsberechtigter Pfleger des be­schlagnahmten vermögens wird der Führer der Deutschen Arbeitsfront pg. Dr. Ley bestimmt, der auch berechtigt ist, Bevollmächtigte zu ernennen. Die getroffenen Maßnahmen erscheinen geboten, um eine geordnete Verwendung des deutschen Arbeiteroer- mögens zu gewährleisten.

Dr. Ley hat folgende öffentliche Ausfoe- derung erlassen:Die Revision der Kassen und Bücher der Gewerkschaften hat zu der Feststellung

geführt, daß große Summen der den G e- werkschasten gehörigen Gelder auf Pri­vatkonten, teilweise sogar im Auslande, umge­schrieben worden sind, verschiedene dieser Konten wurden ja bereits beschlagnahmt. Ich richte hiermit die öfsenttiche Aufforderung an alle, die an derartig en Ueberfdjreibungen betei­ligt sind, sich bis zum 1. Juni spätestens ; n mel­den. 3m Falle der freiwilligen Meldung wird die Deutsche Arbeitsfront eine Anzeige unter­lassen. Die Beteiligten an diesen gesetzwidrigen Schiebungen, die bis zum 1. 3uni keine Meldun­gen abgegeben haben, werden rücksichtslos der schärfsten Bestrafung zugeführt wer­den."

Oie Konsumvereine.

Berlin, 12. Mai. (CNB.) Der Leiter der Wirt­schaftsbetriebe der Gesamtverbände der Arbeiter unfy Angestellten Müller gibt folgendes bekannt: Es ist selbstverständlich, daß die Deutsche Arbeitsfront nicht Einrichtungen zerschlagen wird.

diese deutschen Einwendungen hat die Gegenseite einschließlich Englands, das sich wieder ganz m das Schlepptau der Franzosen begeben hat nicht das geringste Verständnis aufgebracht. Man ist vielmehr draus und dran, die deutsche Delegation vor die Al­ternative zu stellen, entweder der im englischen Plan vorgesehenen Vereinheitlichung der Heerestypen zu­zustimmen wobei England selber fern auf seine eigenen Bedürfnisse zugeschnittenes System des langdienenden Berufsheeres neben einer Miliz b e i b e h ä l t oder die Verantwortung für Das Scheitern der Konferenz auf sich zu nehmen, obwohl die deutsche Pchitik in Gens mit ihrer Fülle von Anträgen, Vorschlägen und Anregungen eine niemals unterbrochene Linie entschiedensten Abrüstungswil­lens und weitesten Eingehens auf die nach der Taktik des Hinhaltens und Verschleppens immer wieder wechselnden Wünsche der Gegenseite darstellt.

Auch im Effektivausschuß Der Abrüstungskonferenz wiederholt sich Das gleiche Spiel. Auch hier ist Deutschland bei der A n r e ch n u n g D e r P o l, z e i- k r ä f t e auf die Heeresstärken bis an die Grenze des Tragbaren entgegengekommen. Aber das genügt nicht. Man will eben die Gleichberechtigung Deutsch­lands in der Praxis illusorisch machen. Dazu muffen die geflissentlich alsWehrverbä^e ange- sprochenen Organisationen der SA., öö. unD Des Stahlhelm herhallen, denen die Mehrheit des Aus­schusses, also England und der gesamte französische Block militärische Verwendbarkeit andichtet, obwohl für keine Der genannten Gruppen auch nur irgend­ein für einen militärischen Verband typisches Kenn­zeichen zutrifft. Warum ist keine Rede von den mili­tärischen Jugendoraanifationen Frankreichs, Amerikas und Englands, von den sokol- und Schützenverbänden der Tschechen, Polen und Serben, die sämtlich vom Staat organisiert, bewaffnet und ausgebilDet werden, so daß ihre Mit­glieder, wenn sie in das aktive Heer eintreten, nur noch einer Ausbildung in den Spezialwasten des modernen technischen Krieges bedürfen? In diesem ganz willkürlichen Messen mit zweierlei Maß kommt die bodenlose Heuchelei, mit deren Hilfe man Deutsch­land vor Der Welt ins Unrecht setzen möchte, nackt und kraß zum Vorschein. Deutschland soll sich also Polizei und wehrsportliche Verbände, für die gerade­zu phantastische Ziffern in Genf kursieren, ^uf seine 200OOO Mann anrechnen lasten. Aber Frank­reichs Kolonialarmee bleibt bei dem ihm zugebilligten 400 000-Mann-Heer außer Ansatz, ob­wohl gut zwei Drittel davon in kürzester Frist an der französischen Ostgrenze aufmarschieren könnten. Wir haben im Weltkriege ja selber zu unserem Schaden erfahren müssen, welch unerschöpfliches Menschen- reserooir gerade die überseeischen Besitzungen für Frankreich sowohl wie für England darstellten. Aber davon will in Genf die Gegenseite nichts hören. Deutsche Anttäge, die darauf abzielen, die Verwen­dung dieser Kolönialtruppen auf europäischen Kriegs­

schauplätzen unmöglich zu machen, werden mit Ent­rüstung zurückgewiesen.

Nicht besser ist es mit den deutschen Anträgen zur Frage Des Kriegsmaterials. Hier liegt ja m Wahrheit Der f pr ingende Punkt für die ganze Abrüstungskonvention. Denn im Zeitalter Der Technik entfcheiDet natürlich schon Besitz oDer Nichtbesitz moDerner Kriegswaffen über Die Mög­lichkeit Der Kriegführung. DeutschlanD, Das aller moDernen schweren Angriffswaffen bar ist, sogar Den nötigsten Luftschutz für seine Bevölkerung entbehren muß, weil ihm moderne Fliegerabwehrgeschütze ver­boten sind, muß inmitten bis an die Zähne bewaff­neter Mächte felbstverständlich in erster Linie sein Augenmerk auf die Beseitigung der ausge­sprochenen Angriffswaffen richten, die eine stete Bedrohung seiner nationalen Sicherheit darstellen. Aber Die hochgerüsteten Staaten haben sich bis heute jeDer Diskussion Dieser geradezu ent- scheiDenDen Frage entzogen. Nun enDlich soll nach Dem Vermittlungsvorschlag HenDersons in der kom­menden Woche wenigstens eine Generalaussprache über diese für Deutschland wichtigste Frage im ganzen Fragenkomplex der Abrüstung stattfinden. Reichsaußenminister Freiherr von Neurath hat in dem schon erwähnten Aufsatz die Gegenseite nicht darüber in Zweifel gelassen, daß wir sehr gegen unseren Willen durch Den mangelnDen Ab- rüf' ngswillen Der anDern gezwungen fein roerDen, zu unserer eigenen Sicherheit unsere Rüstung auch Durch Die moDernen Kampfwaffen zu ergänzen, zu Deren Abschaffung sich unsere Nachbarn nicht ent­schließen können.

Frankreich treibt ein ebenso gefährliches wie ver­brecherisches Spiel, wenn es Die ontiDeutsche Ver­stimmung, Die man kann es nicht leugnen gegenwärtig besvnDers in Der öffentlichen Meinung EnglanDs herrscht, mit phantastischen Lügenmärchen systematisch nährt, um sich EnglanDs blinDe Gefolg­schaft Die Haltung Der Bereinigten Staaten ist noch nicht Durchsichtig bei Der Sabotage Der Deut­schen GleichberechtigungssorDerung in Gens zu sichern. Welche Früchte Diese Hetze bereits getragen hat, haben wir eben bei Dem BesuchAlfreDRosen- b e r g 5, Des außenpolitischen Vertrauensmannes Des Reichskanzlers, in ßonDon erleben müssen. Fast beleiDigenDer noch für das ganze deutsche Volk als die Schändung des im Auftrage des deutschen Re­gierungschefs am Gefallenendenkmal von Whitehall niedergelegten Kranzes ist Die unerhört milDe Be­strafung Des Täters. Wir möchten wissen, welch Sturm Der Entrüstung in Der britischen Oefsentlich- keit losgebrochen wäre unD welche politischen Folgen es für das Verhältnis beider Länder gehabt hätte, wenn bei dem Besuch Macdonalds in Berlin der Kranz des britischen Premiers vom Ehrenmal in der Schinkel-Wache entwendet worden und in Die Spree geworfen wäre und man Den Täter Dann mit

30 Mark GelDftrafe laufen gelassen hätte. Das Deut­sche Volk muß erwarten, daß ihm für diesen Affront volle Genugtuung gegeben wird.

Der unerhörte Vorfall verdeutlicht Die überaus gereizte Stimmung, die in gewissen Kreisen Eng­lands, nicht nur der Arbeiterschaft und der Libe­ralen, sondern mindestens ebenso sehr der von jeher frankophilen Hochtories gegen das natio­nale Deutschland herrscht. 3m Ton der Hetzreden Chamberlains, Cecils und Churchills holte nun auch das für das Abrüstungsproblem in erster Linie zuständige Mitglied des Kabinetts, der Staats­sekretär des Kriegsamts, Lord H a i l s h a m , im britischen Oberhaus zu ebenso heftigen wie un­begründeten Angriffen gegen Deutschland aus. Er griff kühn den Entschlüssen der Reichsregierung vor und scheute sich nicht, Deutschland unverhüllt mit den im Versailler Diktat für den Fall eines Vruchs der Entwaffnungsbestimmungen vorgese­henen Sanktionsmahnahmen zu drohen, wenn die deutsche Delegation nach Ablehnung des Mac- donald-Planes Genf verlassen und von seiner Rü­stungsfreiheit Gebrauch machen sollte. Das ist ein Ton, mit dem man dem Deutschland der natio­nalen Erhebung nicht mehr imponieren kann. Reichs- wehrminister von Blomberg hat bereits allen. Die es hören wollten, zu verstehen gegeben, Daß Die Zeit Der Ultimaten unD Diktate endgültig vorüber fei. DeutschlanD will nichts als gleiches Recht unD gleiche Sicherheit, es ist, wie Die Deutsche Politik in Genf täglich neu erhärtet, zu weitgehenDem Entgegen- fommen bereit, bis an die Grenze dessen, was die Sicherheit Der Nation verlangt. Es ist ganz ein­gestellt auf Die großen Aufgaben Der inneren Neu- orDnung unD sittlichen Erneuerung, es will ehrlich FrieDen unD FreunDfchast mit jeDermann, Der bereit ist, Deutsche Lebensrechte zu achten. Aber Diese Le­bensrechte wirD es auch bis zum Aeußersten zu Der- teiDigen wissen, wenn man in Genf weiterhin ge­sonnen fein sollte, ihm Die Erfüllung feiner natür­lichsten Ansprüche auf gleiche nationale Sicherheit vorzuenthalten. Das sollten sich namentlich Die Staatsmänner Amerikas unD EnglanDs gesagt sein lassen, Die Durch so plumpe Einschüchterungsversuche wie Die Des LorD Heilsham, DeutschlanD einseitig unter Druck setzen, statt auf Frankreich als Dera wahren Hemmnis eines jeDen Fortschritts in Der 2lbrüftungsfrage einzuwirken. DeutfchlanDs Nerven sinD heute stark genug, Das Genfer Trommelfeuer Durchzuhalten. Einen ersten Erfolg Dieser Nerven- probe kann es ja bereits mit Dem Bermittlungs» Vorschlag HenDersons unD Dem Einlenken Des anglo» französischen Mächteblocks auf Den ihm vom Präsi- Deuten gewiesenen Weg zur BermeiDung eines offe­nen Bruches mit DeutschlanD unD Damit eines Schei­terns Der Abrüstungskonferenz überhaupt buchen. So muß also auch für Die künftigen Wochen Diplo» malischen Trommelfeuers in Genf Die Parole für Das deutsche Volk heißen: Nerven behaltenj