Ausgabe 
13.4.1933 Zweites Blatt
 
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16 Fortsetzung.

Nachdruck verboten!

Geschäfisübernahme!

Hiermit zeige ich meinen geehrten Kunden ergebens! an. daß

ich mein Zigarrengeschäft auf gebe

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E. Völk! Wwe.. Neuen Säue Nr. 22

Es könntegamichtbesser sein!

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Ich danke bestens für das mir geschenkte Vertrauen und bitte, dasselbe auch auf meinen Nachfolger übertragen zu wollen

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Wilhelm Weber - Neuen Baue Nr. 22 a.d. Stadt-Postamt. Früherer Leiter der Eil. Moeser-Mäusburg ........... ........... ............... .

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21. April

Beginn der neuen Klaffenlottene

Die stummen Gäste von Zweilinden Roman von Anny vonpanhuys.

Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold.

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NeueröShung!

Samstag, den 15. April 1933, übernehme ich das von Frau * Völkl Wwe. seit 21 Jahren betriebene Zigarrengeschäft. Auf Grund meiner jahrzehntenlangen Branchekenntnisse bin ich in der Lage, meine Kunden auf das Beste zu bedienen und bitte um geneigten Zuspruch. Reiche Auswahl in Zigarren, Zigaretten und Tabake. (Niederlage von Moeser-Zigarren)

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London, Unterhaus l bewegten ve Dicrmächteyc Washington Deutschland, der frühere b e r l a i n Ausfälle gierung. patt wurden geordneten Mussolinis ( wohn erregt, revidiert we durch Staaten günstigeren nahm dann f orderun Er forderte möge ertläre rung des Dl werde, was Zur Begrün tung verbrei Handlung di Deutschland, daß Englan Staaten infc land für di zehn Jahre zu machen s<

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Ipdruck, ein böser, böfer Traum mar alles gewesen, und doch die Wieoerholung eines weit zurückliegenden wirklichen Erlebnisses.

Wulf Speerau hatte sich im Bett aufgerichtet und atmete schwer wie ein Sterbender, dem der Atem müde geworden. Erinnerungen wurden wach in dieser Nacht, die ihm keinen Schlaf mehr gönnten, und er sann und grübelte, wie konnte er fid) Nuhe verschaffen. Er war nie ein gläubiger Mensch ge­wesen: seit feiner Konfirmation hatte er nur die Kirche betreten, wenn er zu Hochzeiten etngeladen war: aber in dieser Nacht rang sich der Gedanke in ihm durch, daß Menschen, die an Gott glaubten, doch recht glücklick sein müßten. Sie wußten stets, an wen sie sich in Angst und Not wenden, sie wußten stets, wen sie um Erfüllung ihrer Wünsche bitten konnten.

In dieser schlaflosen Nacht ward plötzlich der Wunsch in ihm wach, einmal in eine der vielen Kirchen zu gehen, die es hier in der großen Stadt gab und die offenstanden für jeden Menschen.

13.

Die gute Stimmung ad der Tafel stieg von Minute zu Minute. Frau Bettina überlegte, mochte ihr Mann heute ruhig des Guten etwas zuviel tun, es war ja ein so seltener Festtag, den man heute feierte: die silberne Hochzeit.

Ottfried von Zweilinden sah schon sehr rot im Gesicht aus, und seine Augen glitzerten verdächtig. Aber er rief, als Frau Bettina eben die Tafel auf­heben wollte, noch einmal nach Sekt. Da blieb sie sitzen und blickte zu chrem Sohn hinüber. Er schien Feuer gefangen zu haben bei der kleinen Baronesie.

Molly Rückert war nicht übel, sie würde wahr­scheinlich ein liebes, nettes Frauchen werden, ging es Frau Bettina durch den Sinn.

Ihr Mann lärmte vergnügt:Bringen Sie doch den Sektkübel hierher, Anton, der auf Dem Fenster­brett steht, und lallen sie hie zwei Flaschen darin. Die beiden Buddelchen packen wir noch, was, Baro­nesse, was, Junge?" Er nickte dem ihm gegenüber- sitzenden Paar zu.

(Fortsetzung folgt.)

1. Qual. langes Kuhfleisch vro Pfd. 48 4

1. Qual. Kalbfleisch vro Pfd. 60 4

Prima Rindswütstchen . vro Pfd. 58 <5

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neues Kleid. Ihre Mutter war nun gerade ein Jahr tot, und Angela durfte das alte schwarze Kleid, das schon ihre Mutter getragen und das ein bißchen paß­recht für sie gemacht worden war, ausziehen.

Das neue Kleid war dunkelblau und hatte kleine weiße Blümchen als Muster, ein weißer Kragen lag rund um den Hals, und die Halbärmel hatten weiße Leinenmanfchetten. Angela trug dazu eine der bun­ten Ketten aus Glasperlen um den Hals, die noch von der Heimarbeit zurückgeblieben, und ihr Haar war nach Pagenart geschnitten, lag in natürlichen Locken über der schmalen Stirn und den kleinen Ohren.

Wulf Speerau starrte Angela, als sie chm so zum erstenmal entgegentrat, betroffen an. Er sah jetzt erst, wie wunderhübsch und anmutig sein Kind war. Er dachte, es dauerte bestimmt nicht lange, dann tauchten die Freier auf. In Spanien heiraten die Mädchen oft sehr rung.

Er hätte ihr so gern eine gute, sorglose Zukunft verschafft. Aber er war völlig machtlos, er lebte ja nur durch sie bester als früher.

Um ihr aber wenigstens etwas zu geben, muhte er sich immer mehr, ihren geistigen Horizont zu er­weitern. ...

Manchmal huschte Miguela, die Zigeunerin, für ein paar Plauderminuten an Angelas Kiosk heran. Sie brachte ihr letzthin die Neuigkeit mit, sie würde Hochzeit machen mit einem Maultierhändler ihres Stammes, und sie brauche dann nicht mehr um die Markthalle herumzuflitzen, immer halb auf der Flucht vor dem Polizisten. Dann erschien sie längere Zeit nicht mehr, und da wußte Angela, Miguela hatte geheiratet.

Ein Jahr später kam der Polizist an Angelas Kiosk heran. Er ging oft an ihr vorbei, und sie empfand dann immer ein leichtes Schamgefühl, weil sie ihn so oft in Harnisch gebracht.

Er drohte ihr scherzhaft mit dem Zeigefinger der Rechten:Senorita, Sie haben mir manchmal den Dienst tüchtig erschwert, ich verdiene dafür eine Entschädigung. Sie sind schön, Sellorita, und ich bin erst funfunddreißig Jahre. Ich möchte heiraten, aber keine gefällt mir so gut wie Sie! Darf ich bald ein­mal zu Ihrem Haler kommen?"

Angela dachte, wie drollig war das, nun wollte er sie heiraten, der Ordnungspolizist, der jahrelang ein Schreckgespenst für sie gewesen. Er sah sauber und adrett aus, aber heiraten hätte sie ihn nicht mögen, obwohl er ein sicheres Beamtenbrot hatte.

Sie reichte ihm ein paar rote Nelken.Nehmen Sie das, Sellor, ich möchte nicht heiraten, ich bleibe beim Vater."

Er seufzte:Ich bin nur nicht der Rechte, aber ohne Liebe soll man sich nicht zusammentun." Er sah die Nelken an.Ich nehme die Blumen zum Andenken, Senorita, zum Andenken an das Mäd­chen, das mich am meisten im Leben geärgert hat, und das ich nun doch liebhaben muß. Er lächelte

Eine Bäckersfrau mit verweinten Augen rief sie an.Mache mir einen Kranz von weißen Rosen. Angela, die Kleine von meiner Schwester ist vorhin gestorben. Aber heute abend um sechs muß ich den Kranz haben, morgen früh kommt die Kleine aus dem Haus. Kanntest sie ja, Angela, sie spielte oft hier vor unserer Tienba." *

Ja, die Kleine hatte oft hier vor dem Laden gespielt, erinnerte sich Angela, und unwillkürlich feuchteten sich ihre Augen.

Die Bäckersfrau war angenehm berichrk von Angelas Mitgefühl. Sie fragte freundlich:Wo willst du denn jetzt noch hin?"

Angela erzählte, daß sie gerne in einem der Haus­eingänge der Nachbarschaft einen Blumenkiosk auf­machen würde.

Gut, daß ich gefragt habe", nickte die Frau.Am ersten geht der Schuhmacher hier aus unserem Hause fort, an den wir vermietet haben, kannst den Platz bekommen, wenn du glaubst, so viel zu verdienen, daß du uns keine Miete schuldig bleibst. Wir fordern zwanzig Peseten im Monat, das ist gewiß nicht teuer. Ein Bonbonhändler wollte den Kiosk haben, aber dir gebe ich ihn lieber, wenn du ihn willst. Du mußt dann mit deinem Vater Herkommen, damit wir es abmachen."

Angela schrie vor Freude laut auf. Das ging alles so herrlich glatt, daß es förmlich ein Wunder war.

Vierzehn Tage später saß Angela schon des Dor­mittaas in dem Kiosk des Hauses gerade gegenüber dem Haupteingang der Markthalle, und vor ihr, auf dem dunkelrot gestrichenen Brett, standen in hohen Gläsern Lilien und Rosen, Nelken und noch manche andere Blumen, die alle so frisch und natürlich wirk­ten, daß immer wieder Irrtümer vorkamen und Käufer die Hände nach lebenden Blumen auszu­strecken glaubten und verblüfft guckten, wenn sie dann hörten, es handele sich um künstliche.

Nachmittags arbeiteten Vater und Tochter und abends guch, oft sogar bis tief in die Nacht. Es mußte jetzt viel Vorrat geschafft werden. Zu den Namenstagen war am meisten Nachfrage, und immer gab es Begräbnisse und Feste.

Angelas Mutter hatte nicht recht gehabt, als sie geglaubt, die Käufer zögen große Form und grelle Farben bei den künstlichen Blumen vor.

Nach einem Vierteljahr konnte sich Wulf Speerau einen neuen Anzug machen lassen und Angela ein

sich zwei (H)auffeen trafen, ein schlichtes, graues Steinkreuz, trotz aller Schlichtheit doch künstlerisch gefügt, und darauf las man:

Hier starb von verruchter Mörderhand Konrad von Zweilinden

Wanderer bete für feine Seele!

Dieses Kreuz sah er jetzt so oft, so oft vor sich, und wider Willen muhte er immer von neuem die Inschrift lesen, diese schreckliche Inschrift.

So fuhr er eines Nachts hoch, ein Alpdruck hatte ihn gequäU. Er hatte geträumt, er war gejagt wor­den von dem Sohn des Ermordeten, hatte am Kreuze vor Erschöpfung haltgemacht und sich darauf gestützt, bis ihm die Eiseskälte ins Blut drang von dem schneeüberstäubten Stein und er erkannte, auf

dabei, aber es war ein erzwungenes, trauriges Lächeln. Er hotte tief Wem.Ich beneide den Mann, um den 3br Herz einmal schneller schlagen wird." Er bot ihr die Hand.Adios, Senorita, viele oute Wünsche! Ich lasse mich in einen anderen Stadtteil versetzen. Ich habe mir zu sehr eingeredet, ich dürfte vielleicht hoffen."

Fort war er, und Angela ging diesen Mittag zu ihrem Vater nach Hause mit der Neuigkeit, den ersten Heiratsantrag erhalten und abgeschlagen zu haben. Ganz wichtig kam sie sich vor

Wulf Speerau nickte vor sich hin. Also fing es schon an mit den Heiratsanträgen! Er sagte:Du bist erst sechzehn Jahre!" Sie lachte:Conchita nebenan hat schon mit sechzehn Jahren geheiratet, und ihre Schwester Encarna war noch gar nicht sechzehn. Es heiraten ja so viele früh."

In Deutschland heiraten die Mädchen nicht so jung", antwortete er,meist fangen nach der Heirat die Sorgen an."

Er wollte nicht, daß sie früh heiratete, es verirrte sich doch kein Mann zu ihr, der ihr ein sorgenfreies Leben bieten konnte. Es wäre tausendmal besser für sie, wenn sie ledig blieb, sie verdiente sich ja ihr reichliches Brot allein.

Sie blickte sehr ernst.

Vater, ich weiß manchmal nicht, ob es gut war, daß du mir so viel von allerlei Dingen erzählt hast, wovon die Mädchen und Frauen, die ick) kenne, keine Ahnung haben. Es ist da zuweilen etwas in mir, das drangt hier heraus aus der Umgebung, in der wir leben und leben müssen. Nicht Gier nach Reich­tum und Luxus ist es, aber das Verlangen, mich mit Menschen zu unterhalten, die anders sind als alle, die id; kenne, außer dir. Und bann lockt mich die weite Well! Ich kann mich nicht so ausdrücken, wie ich möchte, und ich weiß nicht, ob du mich ver­stehst, Vater, wenn ich sage: Ich habe Fernenweh! Das ist das Gegenteil von Heimweh. Ich möchte hier heraus, möchte ein Stück von der Wett kennenlernen, und deine Heimat, vor allem deine Heimat. Wenn ich den Fuß auch nicht über die Schwelle deines früheren Schlosses setzen dürfte, wäre es doch schön, es von weitem zu sehen. Begreifst du das, Vater?"

Er neigte den Kopf. Sein Haar war fast völlig weih geworden in den letzten Jahren, obwohl es ihm jetzt besser ging. Aber das Haar ward weißer von Tag zu Tag, weil Gewissensqualen ihm oft so zusetzten, daß er vor Angst nicht wußte, wie er ihnen entfliehen konnte.

Früher war er leichter damit fertiggeworden, aber seit Angela heranwuchs, feit er ihr so oft von seiner Vergangenheit in Deutschland sprach, ward alles unendlich lebendig, und es stand mit auf aus Gräbern, die sich nie geschlossen hatten, was er nicht sehen wollte und was doch jetzt so oft neben ihm herlief durch feine Tage und ihm den Schlaf der Nacht oftmals raubte.

Da stand in der Heimat an einer Waldecke, wo

Am Donnerstag, dem 13., und Samstag« dem

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