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13/04/1933 Zweites Blatt
 
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Nr. 88 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Donnerstag, fZ. April 19ZZ

Bonifica Integrale: das zweite Italien.

Von Dr. Paul Rohrbach.

.... aprirne Io spazio a mille a mille, non sol per abitarvi in sicurezza: ma in operosa libertä!

Es waren die Verse aus dem Schluß von Faust, 2. Teil.

Eröffn' ich Räume vielen Millionen.

Richt sicher zwar, doch tätig frei zu wohnen!"

Wir standen, ein Deutscher und ein Italiener, auf dem hohen Damm mitten in den Valli di Comachio bei Ravenna, und unsere (Blidc gingen über eine unabsehbare Fläche von grauem Schlick, den noch blank Wasserfäden durchzogen. Sie dehnte sich weit landeinwärts, bis an den Rand eines grünen Deichs, hinter dem die roten Dächer ganz neuer Bauernhäuschen hervorschau- ten. Cs war ein Stück mitten aus der Arbeit der Bonifica Integrale, der großen Landbesse­rung in Italien. Ihre Anfänge sind nicht von heute, aber sie hat durch Mussolini einen mächtigen Antrieb bekommen.

Aus dem Maschinenhaus dicht neben uns klang im Takt das Arbeiten der ungeheuren Pumpen, die in zwei Wochen aus der eingedeichten Fläche schon das meiste Wasser fortgesaugt hatten. Mein Rachbar, der eben aus Italienisch den Faust zi­tiert hatte, fuhr fort:CSenn ich heute gefragt würde, ob für uns Italiener Goethe oder der Dieselmotor das wichtigere Importstück aus Deutschland ist ich wüßte es wirklich nicht zu. sagen, Hnferc Pumpen arbeiten mit Diesel­motoren. die in Deutschland gekauft sind, und sie machen mir eine technische Begleitmusik zu Goethe:

Solch ein Gewimmel möcht ich sehn.

Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.

Zum Augenblicke dürft ich sagen:

Derweile doch, du bist so schön!

Es kann die Spur von meinen Erdentagen Richt in Aeonen untergehn!"

Wir hatten über d e n D u c e gesprochen, und der italienische Gastfreund hatte versucht, mir die Seele des Mannes mit dem tiefen Wort des alten Revolutionärs M a z z i n i zu erklären: Ideal, du große Realität! Da? Ideal und die Verwirklichung es sei eins und dasselbe für den Duce. Wie zum Beweis streckte er beide Hände gegen das vom Wasser befreite Land aus, aus dem nun doch der Regen die Salze herauswaschen mußte, die von der einstigen Meeresbedeckung her­rührten. Hatten erst die Raturkräfte auch diese Arbeit vollführt, dann mochten Hunderte und aber Hunderte von Bauernfamilien kommen, um auf dem neugewonnenen Boden zu leben.

Bonifica Integrale Im Grunde ist es ein selt­sames Gefühl, nachdem man Italien von Venedig bis Syrakus gesehen hat, von Bodenmelio­ration sprechen zu sollen. Unwillkürlich möchten sich doch zuerst die großen alten Dinge erheben, das Historische, Heroische, die Basiliken von Ra­venna, das Kolosseum in Rom, die Hohenstaufen­gräber in Palermo, der Rormannendom von Monreale, die Burg des Tionysius über dem alten Syrakus wie in Empörung dagegen, daß vor ihnen die S ch ö p f m a s ch i n e n im Haff von

Comachio und die Meliorierung des Agro Romano bewundert werden sollen.

Für den Besucher Italiens, der historisch und politisch zu fühlen weiß und zugleich doch auch den wirtschaftlichen Fragen zugewandt ist, liegen diese Dinge auch wirklich in stetem Kampf. Aber wo find heute Dionysius und wo sind die Ror- mannenkönige von Sizilien? Was blieb von ihren Reichen, außer den Ruinen einer Festung und einer Kirche, wie es sic nur einmal auf der Welt gibt? Lind was wird bleiben, wenn nach Jahr­zehnten durch ganz Italien das nüchterne Werk der Bonilica Integrale getan ist und für fünf oder zehn Millionen Italiener mehr eine Heimaterde im Vaterlande geschaffen wurde?

Ideal du große Realität! Eine Paradoxie für den oberflächlichen, ein Herztreffer für den nachdenklichen Hörer. Gibt es eine stärkere aktive Kraft, als den Mann, der von einem großen Ideal besessen ist, und den sein Glaube unaufhaltsam treibt, eine Wirklichkeit aus ihm zu machen? Der italienische Faschist glaubt an sei­nen Duce als an eine solche Krast, und auch der Fremde spürt, welch ein unerbittlich treibender Wille die große Melioration Italiens vom Fuß der Alpen bis an die Küsten, die nach Afrika hinübersehen, im Gange hält.

Aber es gilt nicht nur die Landgewinnung in den Sümpfen und Haffs an der Pomündung, in Toscana, in Latium, auf Sizilien. Cs gilt auch die Battagha del Grano, d i c Kornschlacht, die jedes Iahr wiederkehrt, die darum geschlagen wird, Italiens ganzes Brot vom italienischen Acker zu gewinnen.

Bonifica und Battaglia! Ich habe gesehen, wie ein versumpftes Stüd der römischen Campagna, 4000 Hektar groß, man nennt es die Maccarcse, wo vor wenigen Jahren nur ein einziges, von Mala­ria verseuchtes Dorf lag, inKulturland um­gewandelt ist. Hier leben und nähren sich jetzt 4000 Menschen, und 60 000 Liter Milch wer­den täglich nach Rom geliefert. Drei verschie­dene Kanalsysteme arbeiten. Das eine führt die Frühjahrshochwasser unschädlich ab; das zweite sammelt das Grundwasser und führt es zu den Pumpen, die es ins Meer heben; mit dem dritten werden vom Tiber her die Felder bewässert, auf denen das Futter für die Tausende von Kühen wächst. Roch viel großartiger wird der Land­gewinn in den Valli di Comachio fein, wenn in Iahr und Tag die Dieselmotoren dort ihr ganzes Werk getan, alle Eindeichungen leer gepumpt ha­ben werden. Lind zwischen diesen Arbeiten sieht man die Riesenmotorwagen fahren, in denen ganze landwirtschaftliche Wanderschulen durchs Land reisen. Gebt mir ein paar Qua­dratmeter von eurem Older, sagt der Wanderleh­rer zu den Bauern in. einem Dors, ich will sie auf meine Art düngen und will meine Saat ein* fäen; wenn sie reif ist, komme ich wieder. Dann wollen wir vergleichen, welches Korn besser steht, eures oder meines!

Lind hinter alle dem steht Mussolinis größte Bonifica, die Erziehung des italienischen Vol­kes zu stärkerer nationalerCinheit und stärkerem Willen.

Aus der provinzialhaupistadi.

Rektor Reul t

Nach kurzem, schwerem Krankenlager ist gestern der Leiter der Goetheschulc Rektor Reul verstorben, ein Mann, dem seine Schüler und Schülerinnen, seine Kollegen und seine Mitarbeiter im öffentlichen Leben Freund waren.

Geboren am 4. März 1878 in Vadenrod (Kreis Alsfeld) trat er 1894 aus der Volksschule seines Hei­matdorfs ins Lehrerseminar zu Friedberg ein. Er verließ es 1897, um Schulverwaltcr in Engelrod (Kreis Lauterbach) zu werden; 1900 bis 1902 wirkte er als Lehrer an der Taubstummenanstalt in Fried­berg, 1902 bis 1906 als Schulverwaltcr in Gießen, 1906 bis 1911 war er Lehrer tm benachbarten Anne­rod, von 1911 an war er wieder in Gießen und wurde 1922 Rektor an der Goetheschulc. Als solcher war er Mitglied des Schulvorstandes und des Stadt- schulamts Gießen.

Schüler und Schülerinnen, Kollegen und FrSunde, sowie viele Bürger der Stadt betrauern in dem Da- hmgeschiedenen einen Mann von hohen seelischen Qualitäten, der wie wenige von Natur zum Erzieher, zum Jugendbildner berufen war. Er besaß das Ver­trauen jinb die Liebe der ihm anvertrauten Jugend, weil seine Herzensgüte, seine Ausgeglichenheit, seine Feinheit in der Behandlung der jungen Seelen, die Fähigkeit zwischen den jugendlichen Charakteren zu differenzieren, ihn wie einen Vater erscheinen ließ. Die Autorität, die er der ihm anvertrauten Jugend gegenüber besaß, war die feinste und vornehmste, die ein Schulmann besitzen kann, es war die des gütigen und verstehenden Herzens. Zu sehen, wie die Kindlein zu ihm kamen, ihm die Hand zu rei­chen und ihn zu begleiten, das war schon eine Freude.

Vornehm und fein war auch die Art, wie er mit den Eltern und Kollegen verkehrte. Mancher Vater, manche Mutter hat sich schweren Herzens bei ihm Rat geholt und ging dann getröstet nach Hause. Das Kollegium der Goetheschulc verliert ihn ihm einen Rektor, der die Schule mit außerordentlichem Takte zu leiden verstand, der immer das rechte Wort fand, immer das Ausgleichende, gerecht Abwägende, Hilfs­bereite war. Erschüttert steht es an seiner Bahre; es ist so, als ob die Seele herausgebrochen wäre, die das Ganze zusammenhielt.

Sein Leben und fein Wirken fiel in eine schwere Zeit. Er hat sie mit allen Fasern seines Herzens miterlebt, die Zeit des Ringens im Kriege, die Zeit des Dingens in der Rachkriegs­zeit bis zum heutigen Tage. So wie er die Kinder liebte, die ihm anvertraut waren, so liebte er sein Volk. Er schaute auf das Ganze der Volk- beit; er war einer von denen, die grohdeutsch, gesamtdeutsch empfanden und die Aufgabe, die Deutschen zu gesamtdeutschem Denken zu erziehen, als die Aufgabe der Zeit innerlich erfühlte. Da­her hak er sich schon bald nach dem Kriege der Volkstumsarbeit im Verein für das Deutschtum im Ausland zugewandt. Als Kassenwart der Ortsgruppe Gießen des VDA. und als Mit­glied des Vorstandes des Landesverbandes hat er in vorbildlicher Treue und Gewissenhaftigkeit

dieser Aufgabe gedient: er war ein volkdeutfcher Mann im besten Sinne des Wortes.

Hauptversammlung der Freiwilligen Gailschen Feuerwehr Gießen.

Die Freiwillige GailscheFeuerwehr hielt dieser Tage ihre ordentliche Iahreshauptver- fammlung unter der Leitung des 1. Kommandanten Münch ab. Der Schriftführer, Kamerad Otto Wahl, erstattete den Iahresbericht, dem die Begebenheiten des abgelaufenen Jahres inner­halb der Wehr zu entnehmen waren. Insbeson­dere berichtete er als Teilnehmer an dem Lehr­gang der Feuerwehrschule über die neu errichtete Hessische Feuerwehr-Fachschule in Friedberg. Die Schule soll in erster Linie dazu dienen, die Fort­schritte in der Technik der Feuerbekämpfung den Wehren zu vermitteln.

Insgesamt wurden im verflossenen Jahre inner­halb der Freiwilligen Gailschen Feuerwehr neun Borstandssihungen abgehalten. Ferner sanden sechsHauptübungenundeineSchluß- Übung statt. An den Hebungen nahmen im Durchschnitt 55 Kameraden der Wehr teil. Er­freulich ist, daß sich der Mitgliederbestand erhöht hat. Die Monatsversammlungen, die tm Winter­halbjahr regelmäßig ftattfanben, wurden durch lehrreiche Vorträge über neuzeitliches Feuerlösch­wesen und einen Filmvortrag überDrandtaktik" vertieft. Der Bericht schloß mit dem Dank an alle Kameraden der Wehr für ihre treue Mitarbeit und der Aufforderung, sich auch fernerhin zum Ruhen der Stadt und feiner Mitbürger zu betätigen.

An den Jahresbericht schloß sich der Kassen­bericht durch Kamerad Rechner S ch m ü cf an. Die Einnahmen und Ausgaben wurden durch ge­wählte Rechnungsprüfer kontrolliert und in bester Ordnung befunden. Dem Rechner wurde Entla­stung erteilt.

Die fahungsgemäß ausgcschiedencn Vor - st ands Mitglieder wurden wie folgt wie­dergewählt: 2. Kommandant Bouffier, Rech­ner S ch m ü d, 2. Obmann der Leitermannschaft Willy Wadcr, 2. Obmann der Steigermannschaft Hermann Goß, 2. Obmann der Hydrantenmann­schaft Feuerbach, sowie die Beisitzer Drei- t h e r und Karl Linden st ruth. Für den ver­storbenen 1. Spritzenobmann Heinrich Enders wurde der bisherige 2. Epritzenobmann Fied - l e r und an dessen Stelle Kamerad Karl Lehr neu in den Vorstand gewählt.

Auszeichnungen für langjährige aktive Dienstzeiten wurden verliehen: für 50 Jahre dem Kameraden Wilhelm Wader, für 25 Jahre dem Kameraden Hermann Goß, für 20 Jahre den Kameraden Willl; Wader, Georg Linden- struth und Robert Bouffier, für 15 Jahre dem Kameraden Walter Wahl, für 10 Jahre den Kameraden Peter Brauer, Heinrich De - w a l d, Walter LI m b e e r und Ed. Batten­berg und für 5 Jahre dem Kameraden Theo Rohrbach jun.

Lim nach außen hin mehr als seither propa­

gandistisch in Erscheinung treten zu können, mel­deten sich einige jüngere Kameraden dem bereits bestehenden Spielmannszuge an.

Rach Erledigung einiger interner Angelegenhei­ten wurde die Jahreshauptversammlung durch den 1. Kommandanten geschlossen.

Gictzcricr Wochen Marktpreise.

Gießen, 13 April. Es kosteten auf dem heutigen Wochcnmarkt Süßrahmbutter 110 Pf., Landbutter 110, Kochbuttcr 90, Matte 20 bis 25, Weißkraut 8 bis 10. Rotkraut 15 bis 25. Rüben (gelbe) 10 bis 12, (rote) 10. Zwiebeln 10, Spinat 15 bis 20, Llnterkohlrabi 6 bis 8, Tomaten 50 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Meerrettich 30 bis 50, Acpfel 20 bis 30, Kartoffeln 3 (pro Ztr. 2,50 Mk), Rhabarber 25, Dörrobst 35 bis 40, Obstmus 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Supvcnhühner 70 bis 80 Pfennig pro Pfd ; Tauben <0 bis 60, Eier(inl.)8, Blumenkohl 30 bis 60, Salatgurkcn 50 bis 60. Salat 20 bis 25, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stüd; Radieschen 10 bis 15. Rettich (neue) 25 bis 30 Pf. pro Bund.

** Der Obcrhcssische Bicnenzüchter- verein hält feine diesjährige Vertreterversamm­lung am dritten Oftcrfciertag, 9.30 Llhr beginnend, in H u n g e n imcolmfcr Hof" ab. Lim 15 Llhr schließt sich die 50-Iahrfcier des Zweigvercins Hungen imDarmstädter Hof" daselbst an. Außer einem Theaterstück werden zwei Vorträge gehalten, einer von Pfarrer Dock (Hungen) überDie Ge­schichte des Zweigvercins", einer von Direktor Hille überDie Ideale in der Bienenzucht".

** I m Omnibus zum Schiffender g. Ucberall hat sich in Wald und Feld die Natur mit frischem, zartem Grün geschmückt. Die Osterfeier- tagc werden dazu benützt werden, Ausflüge nach den schönsten Punkten der Heimat zu machen. Ein immer reizvolles Ziel ist der Schiffenberg, der an den bevorstehenden Feiertagen das Ziel vieler Spa­ziergänger fein wird. Der Wirt hat alle Vorberei­tungen getroffen, um den Gästen den Aufenchall angenehm zu gestalten. Dom morgigen Karfreitag ab verkehrt auch wieder täglich ein Omnibus nach dem Schiffenberg, der bei jeder Persvnenzahl um 15.30 Uhr vom Ludwigsplotz ab- und um 18 Uhr vorn Schiffenberg zurückfährt. Aus die heutige An- zeige sei besonders aufmerksam gemacht.

** Bauerfcher Gesangverein. Man berichtet uns: Am Samstag fand im Aguarium ein Herrenkommcrs aus Anlaß des 69. Stiftungs­festes des Daucrschen Gesangvereins c. V. statt, mit dem die üblichen Auszeichnungen für lang­jährige aktive Sängertätigkeit, sowie für fleißi­gen Singstundenbesuch verbunden waren. Unter

Lleberreichung einer Ehrenurkunde und der filber- nen Dereinsnadel wurden zu Ehrenmitgliedern er­nannt die Herren: I. Ausdermauer, I. La­be r c n z und Hans H o r st. Damit hat sich die Zahl der Ehrenmitglieder von 28 auf 31 erhöht. Ausgezeichnet wurden weiter: für 35jährige ak­tive Mitgliedschaft die Herren Wilh. Waden- Pfuhl, Rob. Gärtner, Fr. Loh, L. Schneider, E. Dorr mann und Karl Hexamcr; für 20jährige Mitgliedschaft die Herren: Hch. R e i»ch e l und Hch. Ger­des; für 10jährige aktive Mitgliedschaft die Herren: Hans Dill, Kurt Richter,W. Da­niel. Wilh. Hahn, H. Althaus, Wilh. W a 11 b o t t und Wilh. S ch o m b e r. Im Ver­einsjahr 1932 33 haben 31 Mitglieder keine Sing­stunde gefehlt; sic wurden mit der goldenen Sän- §ernadel ausgezeichnet. Von diesen erhielten fünf, ie in fünf Jahren hintereinander keine Sing­stunde fehlten, die höchste Auszeichnung, den gol­denen Sänacrring. Dies find die Herren: W. Wadenpfuhl, G. Götz, H. Ley, E. Jä­ger und Hch. Schneider. Weitere 14 Mit­glieder, die bis zu 2 Singstunden gefehlt haben, erhielten die silberne Sängemadel. Don diesen haben bereits 10 in den Vorjahren die goldene Radel erworben. Aus diesen zahlreichen Aus­zeichnungen kann man ersehen, daß in dem Ver­ein ein recht guter Sängcrgeist herrscht.

** Einbruch in ei n e Lehrerwohnung. Der Polizeibericht meldet: In der Nacht zum Diens­tag wurde in Metzlos-Gchaag (Kreis Büdin­gen) in eine Lehrerwohnung eingebrochen. Die Täter entwendeten zwei Damenkleider, einen Herrenanzug, einen Lodenmantel, Herren- und Damenstiefel und «ftrümpfe sowie ein Herren- und ein Damenfahrrad. Die Einbrecher haben in der Wohnung sämtliche ver­schlossenen Behältnisse und Schränke mit einem Stemmeisen erbrochen. Die Ermitllungen des San- des'Kriminalamtes sind im Gange.

* Einbruch in Ober-Mörlen. In der vergangenen Rächt wurde, wie der Polizcibericht meldet, in einer Metzgerei zu Ober-Mörlen (Kreis Friedberg) ein Einbruch verübt. Gestohlen wur­den ein halbes Schwein, Fleisch- und Wurst- waren, sowie die Geldkassette. Rach den vorge­fundenen Spuren haben die Täter (vermutlich zwei Mann) ihre Beute mit dem Motorrad fort­geschafft. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.

Vierpfennig st üde werden einge - zogen. Die seinerzeit zur Ankurbelung der Pfennigrechnung im Geschäftsverkehr geschaffenen vier Reichspfennigstüdc werden bis zum 15. Okto­ber 1933 außer Kurs gesetzt. Sie haben sich im Verkehr nicht bewährt.

Wirtschaft.

Frankfurt unverändert fest.

Frankfurt a. M.. 13. April. (WTB. Draht­meldung.) Die letzte Börse vor der viertägigen Unterbrechung durch die Feiertage eröffnete wider Erwarten in fester Tendenz, nachdem man im Vormittagsbureauverkehr noch mit Geschäftslosig­keit und eher nachgebenden Kursen gerechnet hatte. Die um 20 Prozent ermäßigte Fracht der Deut­schen Reichsbahn zur Förderung des Arbeitsbe­schaffungsprogramms fand starke Beachtung und löste bei der Spekulation Deckungen und kleine Meinungskäusc aus, zumal auch von der Kund­schaft zahlreiche kleine Kauforders Vorgelegen ha­ben sollen. Die Llmsatztätigkeit war relativ leb» hast und gegen die Abendbörse ergaben sich meist Besserungen von 0,50 bis 1 Prozent. Lebhaftes Geschäft verzeichneten J.-G.-Farben. die 1,89 Pro­zent gewannen, wobei auch die Bilanzziffern gün­stig nachwirkten. Deutsche Erdöl zogen 1 Prozent an, Scheidcanstalt und. Goldschmidt waren behaup­tet. Am Elcktromarkt lagen besonders Licht & Kraft mit plus 1,65 Prozent fester, Siemens er­öffneten 0,89 Prozent höher, wogegen AEG., De- kula und Lechwerke-Augsburg nur knapp gehalten waren. Montanwerte erhöhten sich durchweg um 0,50 bis 0,75 Prozent, und von Kaliwerten setzten Aschersleben ihre Aufwärtsbewegung um 2,50 Prozent fort. Salzdetfurth lagen 0,50 Prozent höher. Recht fest lagen ferner Zement Heidelberg mit plus 1,25 Prozent und Akkumulator en-Ber­lin mit plus 2,75 Prozent. Bis zu 0,50 Prozent freundlicher eröffneten Deutsche Linoleum, Aku, Daimler und Hapag. Reichsbank blieben behaup­tet. Ziemlich lebhaftes Geschäft hatten amRen- tenmarft späte Rcichsschuldbuchforster ungen mit plus 0,50 Prozent. Deutsche Anleihen eröff­neten 0,25 Prozent höher. Altbesitz konnten sich im Verlasse um weitere 1 Prozent befestigen. Don Jndustrieobligationen zogen Stahlvereinsbonds 1 Prozent, und Mittelstayl 1,75 Prozent an.

Der festverzinsliche Markt hatte zwar nur kleinen Umsatz, doch blieben die Kurse auf fast allen Markt gebieten voll behauptet. Auslandrenten lagen sehr still. Im Verlaufe erfuhren die Kurse meist weitere Besserungen von etwa 0,25 bis 0,5 o. H.

Frankfurter Lchlachtvichrnarkt.

Frankfurt a. M., 13. April. Auftrieb: 44 Rin­der, 1075 Kälber, 92 Schafe, 580 Schweine. Es wur­den notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 44 bis 48 Mark, mittlere Mast- und Saugkälber 39 bis 43, geringe Kälber 32 bis 38. Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weide­mast) 25 bis 29, mittlere Mastlämmer, ältere Mast- härnmel und gut genährte Schafe 20 bis 24. Schweine: vollfleifchige von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 39 bis 42, von etwa 200 bis 240 Pfund 39 bis 42, von etwa 160 bis 200 Pfund 38 bis 41 Mart. Marktverlauf: Kälber und Schafe rege, geräumt, sog. Osterlämmer über Notiz, Schweine mittelmäßig, ousverkaust.

Der nächste Frankfurter Schlacht­viehmarkt findet am 2 0. April statt.

G. A.-Sport.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

Dutenhofen I 1900 III 0:3 (0:2).

Ein vom Verband cmgesetztes Wiederholungs­spiel. da beim ersten der Schiedsrichter aus- geblieben war. Auch diesmal fehlte er. Die Lei­tung übernahm Schiri Becker vom Plahverein Dutenhofen. Er hatte einen schweren Stand, denn die Gastgeber spielten sehr hart. Das Fazit tont eine Anzahl Verletzte bei den Gießenern. 1900 führte bereits beim Seitenwechsel mit 2:0, denen Wilhelmi nach der Pause einen Tritt»" emrechte. Das bessere Können entschied.

ftrofborf 1 1900 IV 1:10 (0:8).

Auch diese Begegnung war ein Wiederholungs­spiel. Der Bombenficg der Dlauweißen doku­mentierte Klassenunterschied. Die Giehew-r waren jederzeit klar überlegen. Beim Seitenwechsel hieß cs schon 8:0. Punkte aus diesem Spiel wird keine, der beiden Parteien erhalten, da jede nichtspielberechtigten Ersah in ihren Reihen hatte.

Wettervoraussage.

Ein Tiefausläufer, der sich gestern abend über ganz Deutschland bis zu den Alpen erstreckte und durch seine Rückseite kühle Lust heranbeför­derte, ist wieder mehr nordöstlich abgedrängt worden, denn mit dem Zustrom Der Kaltluft hat gleichzeitig Barometeranstieg eingesetzt. Da vor­erst noch meist nördliche Winde herrschen uni) somit weiterhin kühle Luft zufließt, bleiben die Temperaturen zunächst noch verhältnismäßig Niedrig, und vorübergehend tommt es zu stär­kerer Haufenwolkenbildung, wobei leichte Schauer nicht ausgeschlossen sind- Der hohe Druck über den britischen Inseln scheint sich jedoch schneit ostwärts zu bewegen, so daß bei seinem Vor­dringen nach Deutschland wieder Beruhigung und mehr Aufheiterung eintritt. Mit zunehmender Sonnenstrahlung werden späterhin am Tage die Temperaturen wieder anfteigen.

Aussichten für Freitag: Wolkig mit Auf­heiterung, noch mäßig warm und meist trocken.

kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Gründonnerstag, den 13. April

kleiN'Linden. 20 Uhr: Gottesdienst und hl. Abend­mahl.

Karfreitag, den 14. April.

Sladkkirche. 9.30 Uhr: Psr. Becker; Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeindc; 11.15: Kinderkirche für die Markusgemeindc; Pfr. Becker; 18: Pfarraffistent Knell. Iohanneskirche. 9.30: Pfr. Ausfeld; Beichte und hl. Abeirdmahl für Lukas- und Johannesgemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Johannesgemeinde; Pfr. Ausfeld; 18: Pfr. Bechtolsheimer; Liturgischer Gottesdienst. Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz, 11: Kinder- kirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz; 15: Kar- sreitagsoesper; Pfr. Lenz und Ausfeld. Petrns- kapelle. 9.45: Pfarraffistent Knell; Beichte und hl. Abendmahl für die Petrusgemeinde; 11.15: Kinder- kirche für die Petrusgemeinde; Pfarraffistent Knell. Klein-Linden. 10: Gottesdienst; 13.30: hl. Abend­mahl der Alten. wiefeck. 9.30: Hauptgottesdicnst; im Anschluß Feier des l)L Abendmahls; Kollekte; 19:Matlhäuspassion" von Bach (Uebertragung); Kollekte. Alten-Lnseck. 10: Gottesdienst; hl. Abendmahl; Kollekte; 13: Gottesdienst. Großen- Duseck. 10.30: Gottesdienst; anschließend hl. Abend­mahl; Kollekte. Oppenrod. 8.30: Beichte; Gottes­dienst; hl. Abendmahl; Kollekte

katholische Gemeinden.

Freitag, den 14. April. Karfreitag.

Gießen. Don 7.30 Uhr an: Betstunden; 9: Ver­störte Messe mit Predigt; 18: Andacht.

Oefsenklicher Sonntagsdienst.

Polizei: Telefon 2751, nur in dringenden Notfällen Telefon 01.

Feuerwache: Telefon 2244 45, Notruf Tele­fon 02.

Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr.

Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 7 bis 13 Uhr.

Sanitätskolonne: Telefon 2500.

Aerzte: Dr. Geyer, 2r. Steinreich.

Zahnarzt: Dr. Hinrichs.

Apotheke; Hirschapotheke.