Ausgabe 
13.4.1933 Erstes Blatt
 
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jetzt erst. Es ist -er feste Wille nicht nur un­serer Führer, auch der Führer der NSDAP., Hitlers. Fricks und Görings, mit Hugenberg und Seldte so fest zusammenzuarbeiten, als es nur möglich ist. Die Führer oben find sich einig, also seien wir es hier untenanch. Jetzt allein ist Deutschlands Schicksal bestimmt durch den allseitigen außenpolitischen Druck. Wenn diesem Druck nicht vollste Einigkeit in Deutsch­land im nationalen Lager gegenübersteht, so wer­den wir dem Druck nicht begegnen können, und daS Ende ist der Bolschewismus. Das sollte sich jeder klarmachen, der an verantwortlicher Stelle steht.

Stahlhelm und ASDA)).

Verhandlungen mit der Reichsregierung.

Berlin, 12. April. (TA.) Die Derhandlun- oen zwischen der Reichsregierung und der Stahl­helmführung sind bis nach Ostern verscho­ben worden. Es handelt sich u. a. um eine gleichmäßige Handhabung der Neu­aufnahmen beim Stahlhelm und der SA., Aufhebung der gegenseitigen Mit­gliedersperre (gleichzeitige Zugehörigkeit zur NSDAP, und Stahlhelm, die bisher verboten war) um die Ausschaltung des in einzelnen Teilen des Reiches aufgetretenen unsachlichen Wettbewerbs, sowie um eine nach außen in Erscheinung tretende Betonung des Zu­sammen st ehens im Kamps für die nationale Revolution. Einzelne nationalsozialistische Mit­glieder der Reichsregierung haben sich zu den Vor­schlägen des Stahlhelm wohlwollend geäußert. Der Stahlhelm scheint nicht abgeneigt zu sein, das Hakenkreuzsymbol in irgendeiner Form, etwa auf schwarzweißroter Armbinde, aufzuneh- men. Er lehnt es aber ab, den Po st en des zweiten Bundesführers mit einem Na­tionalsozialisten zu besetzen.

Die Gruppe Sachsen der SA. und der Stahlhelm haben eine gemeinsame Verfü­gung erlassen, in der es u. a. heißt:Der Kampf gegen den äußeren und inneren Feind erfordert unbedingte Einigkeit zwischen SA. undSS. einerseitsunddemStahlhelm andererseits. Wir bringen deshalb gemein­schaftlich allen unseren Nachgeordneten Dienst­stellen den Befehl in Erinnerung, daß a l l e g e g e n» jeitigen Angriffe und Uebergriffe jeder Art unbedingt zu unterlassen sind. Meinungsverschiedenheiten sind zwischen den zuständigen örtlichen Führern beizulegen. Im Nichteiniaungsfalle hat Meldung auf dem Dienst­wege an die zuständigen obersten Landesleitungen zu erfolgen. Zuwiderhandlungen gegen diesen Befehl werden unnachsichtlich bestraft werden.

Numerus clausus an den deutschen Hochschulen.

Berlin, 13. April. (BDZ.) Das Reichskabinetl wird bereits am Mittwoch kommender Woche eine im Reichsinnenministerium ausgearbeitete Vorlage verabschieden, die den numerus clausus für die Zulassung jüdischer Studenten zu den deutschen Universitäten und Hoch­schulen festsetzt. Es ist daran gedacht, in Zukunft jüdische Studenten nurnochinnerhalbeiner bestimmten Quote zu den Hochschulen zuzu- lassen, entsprechend dem prozentualen Anteil der Juden in der Gesamtbevölkerung. Die Quote wird zahlenmäßig wahrscheinlich in einer Ausführungs­verordnung festgesetzt. In der Ausführungsverord­nung dürfen auch Auslassungen darüber enthalten fein, ob und welche Maßnahmen gegenüber den jetzt bereits bei den deutschen Hochschule^ e i n- geschriebenen jüdischen Studenten unternom­men werden sollen. Weiter wird das Reichskabinett durch ein ganz kurzes Rahmengesetz, das nur aus wenigen Paragraphen besteht, das neue preu­ßische Studenten recht für das ganze Reichsgebiet verfügen.

Aufklärungsfeldzug

-er Deutschen Studentenschaft.

Berlin, 12. April. (TU.) Die Deutsche Stu­dentenschaft veranstaltet vom 12. April bis zum 10. Mai einenAufklärungsfeldzug wider den undeutschen Gei st". In 12 Sätzen, die am 13. April zum öffentlichen An­schlag gelangen, bringt die deutsche Studenten­schaft zum Ausdruck, was geschehen soll, um Sprache und Schrifttum zum unver­fälschten Ausdruck des deutschen Volkstums zu machen, und den undeutschen Geist und die damit verbundenen liberalen Zer­fallserscheinungen aus dem deutschen Geistesle­ben zu verbanneir. Es soll das Ziel erreicht wer­den, die deutsche Hochschule wieder zum Hort des deutschenVolkstumszu machen. Zersetzendes Schrifttum soll gesammelt und am 10. Mai in allen Hochschulen den Flammen überantwortet werden. Jeder Student soll seine eigene Bücherei von allem Un­deutschen säubern und zur Säuberung der öffentlichen Büchereien beitragen.

Der Sabotageprozeß gegen die englischen Ingenieure in Moskau

Moskau, 12. April. (WTB.) (Reuter.) Der Prozeß gegen die Ingenieure der Metropolitan Vickers Electrica! Co. Ltd. hat heute mittag mit der Verlesung der Anklageschrift be­gonnen. Die Hauptschrift der Anklage wirft den Beschuldigten die Schädigung von Kraft­werken mit dem Ziele der Sabotage der Sowjetindustrie und der Schwächung des Staatsapparates vor. Weiter sollen die Angeklagten Geheiminformationen, die von militärischer und politischer Wichtigkeit für die Sowjetunion waren, gesammelt und zum Scha­den der Sowjetunion verwendet haben. Schließlich wird den Ingenieuren vorgeworfen, Ange- stellte der Kraftwerke bestochen unb sie so zur Ausübung konterrevolu­tionärer Sabotageakte veranlaßt zu haben. Mac Donald, einer der britischen Ingenieure, und sämtliche russischen Angeklagten bekannten sich schuldig Die übrigen britischen Angeklagten erklärten, sie seren nicht schuldig. Mac Donald soll erklärt haben, mit dem russischen Bürger Gusew in Verbindung getreten zu sein, den er aufgefor- oert habe, ihm wirtschaftliche, poli­tische und militärische Nachrichten aus dem Uralgebiet zu besorgen. Er habe Gusew dafür mit Geld und Lebensmit­teln belohnt.

Es ist ein eigenartiges Zusammentreffen, daß der sensationell aufgezogene Moskauer Sabotage»

Am Todestage der Kaiserin Auguste Moria.

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Links: Am Portal des Antiken Tempels beim Reuen Palais in Potsdam, der Ruhestätte der Kaiserin. Rechts: Der Kronprinz betritt den Antiken Tempel.

Prozeß in die Tage des christlichen Osterfestes fällt, das bekanntlich im alten Rußland mit besonderer Innigkeit gefeiert wurde. Der Prozeß, der ohne Rücksicht auf diese alten Traditionen durchgeführt wird, wirkt auch in dieser Beziehung als eine Demonstration für das In- und Ausland.

Der erste Tag gab das charakteristische Bild, das man aus früheren Veranstaltungen dieser Art gewohnt ist. Die Anklageschrift war weniger an das Gericht als an die Oeffe ntlichkeit gerichtet und sollte offenbar das russische Volk davon überzeugen, daß die unleugbaren Schwierigkeiten des im Gewalttempo durchgeführ- ten industriellen Aufbaues durch die verräterische Handlungsweise einheimischer und ausländischer Klassenfeinde verschuldet feien. Wie immer er­gaben die Aussagen der Angeklagten eine völ­lige Uebereinstimmung auch mit den schwersten und kompromittierend st en Vorwürfen der Anklageschrift, ohne den schüchternen Versuch einer wenigstens subjektiven Rechtfertigung. Eine Ausnahme machten bisher nur diejenigen englischenIngenieure, die schon vor einiger Zeit wieder aus der Unter­suchungshaft entlassen worden toaren.

Wie man in England über den Prozeß und seine Hintergründe denkt, ist durch das Weiß­buch des Foreign Office und die Unterhaus­verhandlungen über das Ermächtigungsgesetz ge­gen die russische Einfuhr hinreichend bekannt ge­worden.

Meine politische Nachrichten.

Reichsminister Dr. Hugenberg begibt sich zu einem kurzen Erholungsurlaub auf sein Gut Robraken. Der Minister wird voraussichtlich bis zum Dienstag nach Ostern von Berlin ab­wesend sein. Reichsminister Dr. Goebbels wird heute vormittag Berlin verlassen, um sich für einige Tage in Osterurlaub zu begeben.

Laut Mitteilung der Polizeipressestelle wurde der auf Veranlassung des Staatskommissars gestern abend in Polizeigewahrsam genommene Beigeordnete der Stadt Düsseldorf, Dr. Oden­kirchen, heute früh in seiner Zelle er­hängt aufgefunden.

weit Erlaß des Anti-Korruptionsgefeges und Ein­richtung des Anti-Korruptionsdezernates des preu­ßischen Innenministeriums wurden insgesamt 2 2 Fälle schwerer Korruption aufge­deckt und die entsprechenden' Verfahren eingeleitet.

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Der langjährige Präsident der I n d u st r i e - u n d Handelskammer Kassel-Mühlhausen, Dr h. c. Karl Ludwig P s e i f f e r, hat seinen Rück­tritt von der Leitung der Kammer erklärt. Als Nachfolger wird der Fabrikant Dr. Rudolf Braun- Melsunaen (NSDAP.) den Vorsitz des Handelskam- merprasidiums übernehmen

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Polizeipräsident Dr. Suermondt (Wupper­tal) hat aus Gesundheitsrücksichten seine Ver­setzung in den Ruj>estand beantragt.

2n Berlin wurde nach längeren Vorbesprechungen der Reichsverbano des Deutschen Ein­zelhandels mit Tabakwaren gegründet. In ihm gehen sämtliche anderen Verbände de-, Ta- :n£-cn)anbeIs auf. Er ist die alleinige etwa 15 000 Tabak-Einzelhändler umfassende Spitzenver- tretung, die ihrerseits nur noch der Hau ptge- mein schäft des Deutschen Einzelhan- d e l s untersteht.

Die neuernannten Militär- und Flot­te n at t a ch e s an der deutschen Botschaft in London, Oberst Freiherr Geher v. Schweppenburg, und Kapitän zur See, ' ^gten Mittwochmittag am Kc- notaph-Knegerdenkmal in Whitehall einen X r a n 5 im Namen des deutschen Heeres und der deutschen Flotte zu Ehren der britischen Gefalle­nen im Weltkriege nieder.

Die Wirtschaftsverhandlungen 5 tt> i- Idjen der deutschen und derenglischen

® r u *1^ bflben zu einem Abkommen ge» luhrt, das für einige der Schwierigkeiten, die in letzter Zeit im deutsch-englischen Warenaustausch auf ge treten sind, einen Ausgleich herstellt. Die englische Regierung verpflichtet sich, eine Anzahl fron Zollen, die bisher für die deutsche Ausfuhr nach England als besonders abträglich empfunden worden sind, herabzusetzen. Die deutsche Regierung sagt zu, das Kontingent für die AussuhrenglischerKohlen nach Deutsch­land, das vor etwa einem Jahre beträchtlich her­abgesetzt worden war, in gewissem Umfange wie­der zu erhöhen.

Der österreichische Bundeskanzler Dollfuß ist auf dem Flugplatz Centocelle bei Rom eingetroffen. Er wurde von den diplomatischen Vertretern sei­nes Landes sowie von einem hohen Beamten des italienischen Außenministeriums empfangen.

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Präsident Roosevelt hat Frau Ruth Bryan Owen zum Gesandten in Ko­penhagen ernannt. Frau Owen ist der erste weibliche Gesandte der Vereinig­ten Staaten. Zum amerikanischen Gesandten in Warschau wurde der Bostoner Bürgermeister James MCurley ernannt.

Mit der Besetzung Lengkaus durch die Japaner haben die Chines en ihren letzten Stütz­punkt an der Chinesischen Mauer ver­loren. Auf die Seite Mandschukuos übergetretene Freiwillige unter der Führung eines Enkels von Lihungtschang rücken gegen den Seebadeplatz Pei- taho vor.

Oer Kommissar für die Hessische Anwaltskammer.

WSN. Darmstadt, 12. April. Rechtsanwalt Meifel (Darmstadt) wurde zum Kommissar des hessischen I u st i z m i n i st e r s für die Auflösung und Neuwahl des Vorstandes der Hes­sischen Anwaltskammer bestellt.

Gleichschaltung bei der Mainzer Handelskammer.

WEN. Mainz, 12. April. An die Stelle der ausgeschiedenen Mitglieder der 2 ndustrie - und Handelskammer Mainz sind fol­gende Herren getreten. Dankdirektor Dusch, Di­rektor Dr. Deininger, Diplom-Ddlkswirt Ge­org K ö b l e r, Fabrikant Ehr. Adt Kupfer- berg, Carl Erich Schmitz, Franz S t a b e l. A S t e 11 n e r, Oskar Wiederhold. Der Vorstand besteht aus den Herren Kommerzienrat Dr. Otto Jung, Vorsitzender; Rudolf Scholz, erster stellvertretender Vorsitzender; Diplomvolks­wirt Georg K ö b l e r, zweiter stellvertretender Vorsitzender

Qchispieltheaterbesitzer für Gleichschaltung.

WSN. Frankfurt a. M.» 12. April. Am Dienstag tagte hier der Landesverband Hessen und Hessen - Nassau der Lichtspieltheaterbesitzer. Einberusen war die Versammlung gleichzeitig von der natio- nalsozialistischen Derbandszelle deutscher Licht- spieltheaterbesiher. 2n seinem Referat erklärte der Vorsitzende Matter, daß die in Stuttgart ge­gründete Notgemeinschast jetzt 80 Prozent der deutschen Kinotheaterbesitzer ersaßt hat. Ein neuer G e i st mühte im Kinogewerbe Eingang finden. 2n der Klangfilmfrage gehe es jetzt mit Hochdruck weiter. Da der Film dem Staat in weitgehendem Maße diene, sei damit zu rechnen, daß die Lustbarkeitssteuer ermäßigt werde. Mie­ten und Pachten sollten überprüft werden. Der Referent glaubt auch, daß jetzt endlich die Kino­konzession komme, die eine Gesundung des gan­zen Gewerbes bringen werde. In seinen weiteren Ausführungen wandte sich Matter gegen die jüdischen Kmobesitzer und Filmvertreter. Den jü­dischen Kinobesitzern sollte anheimgestellt werden, ihr Theater in christliche Hände überzusühren. Außerdem dürften im deutschen Kinogewerbe nur noch christliche Filmvertreter empfangen werden. Die Versammlung nahm bann einen Antrag an, der die Gleichschaltung des Landes­verbandes mit demReichsverband und der Reichsleitung verlangt. Der Reichszellenleiter 2 o h l s e n sprach ebenfalls zur Frage der Kmokonzession und der Konzerngefah- ren. Eine genaue Prüfung der Dedürfnisfrage werde zweifellos einer Stabilisierung des Lichtspielgewerbes suhren.

Kunst unö Wissenschaft.

Die neue deutsche Theaterbewegung.

Zwischen dem Vorstand des Bühnenvolksbundes und dem Vertreter des Kampfbundes für deutsche Kultur, Staatskommissar Hinkel, ist eine getroffen worden, in der es Duhnenvolksbund und Kampsbund schlie- ven sich auf der Grundlage und in Anerkennung der blsher vom Duhnenvolksbund geleisteten Thea­ter- und Volksbildungsarbeit und der vom Kamps- vertretenen Theaterbestrebungen zu einer einheitlichen n a t i o n a l e n und christlichen L, h e a t e r b e w e g u n g zusammen. Der neue Ard gemeinsam vom Dühnenvolksbund und Kampfbund gebildet. Hans Hinkel, Kom- zur besonderen VerwenkUlng im preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volks- büdung, wurde der Vorsitz angeboten. _

Kammersängerin Lola Mrföt de Padilla f.

Die Kammersängerin Lola Artöt de Pa­tz illa ist nach längerer Krankheit im Alter von 48 2ahren im Berliner Westendkrantenhaus ver­schieden. Lola Artöt de Padilla entstammte einer alten belgischen Musikersamllie, studierte Gesang bei ihrer Mutter, debütierte 1903 in Pa­ris und wurde 1905 an die Berliner Komische Oper, 1909 unter Hülsen an die Königliche Oper engagiert und dort 1913 zur Kgl. preußischen Kammersängerin ernannt. Die Artöt war ein Liebling des Berliner Publikums; ihre Haupt­rollen waren Cherubim, Zerline, die Gräfin im Figaro" und Margarete. Die Künstlerin war seit 1927 nicht mehr an der Bühne tätig und wirkte zuletzt in Berlin als Gesangspädagogin.

Aus der provtnzialhauptsta0t,

Karfreitag.

Auf hochragenden Dergesgipfeln sieht man vielfach das Kreuz aufgerichtet. Wo sich das Errette Gebirgsmassiv des Harzes erhebt, wo die Tannen rauschen, die Bäche aus den Tälern hin­unter in die Ebene fließen, kahle Felsen aufrägen und knorrige Bäume, vom Wii de niedergebeugt, auf dem Erdboden liegen, auf dem 2lsenstein, steht ein Kreuz. Der 2lsenstein ist nicht die höchste Erhebung des norddeutschen Gebirges, aber er wird doch von weitem gesehen, und das Kreuz, das seinen Gipfel krönt, weist den Wanderer, der aus den Tälern aufsteigt, den Weg. So ragt das Kreuz Christi hinein in das Leben der Menschheit, wie sie unter allen Zonen und in allen Zeiten sich zusammenfindet, ihr tiefstes Sehnen sindet hier Erfüllung. Trost, Krasi unb Frieden spendet das Kreuz, spenden die Tatsachen und Gedanken, die in diesem Zeichen begriffen sind, denen, deren Sinn für Jesu Wirken, Lei­den und Sterben aufgeschlossen ist.

Ein Vorgang von erschütternder Gewall ist der, der sich zwischen dem sterbenden Erlöser und dem reumütigen Manne, der neben ihm sein Leben aushaucht, abspielt. Ein Theologe der Gegenwart hat gesagt:Wenn wir aus der Passionsgeschichte nur das eine wüßten, daß 2esus dem neben ihm sterbenden Aebeltäter feine Sünden vergeben und ihm den Eingang in den Himmel ermöglicht hat. so wüßten wir schon genug zu unserer Seligkeit." Ein verruchtes, wildes Leben hat dieser Mann ge­führt, vielleicht war er ein Straßenränder und Mordgeselle. 2n seiner Kindheit hat er nichts Gutes gesehen, weder Eltern noch Geschwister ha­ben ihm den Weg zum Guten gewiesen, nie hat er die Sünde gefürchtet, nun empfängt er, was seine Taten wert waren. Da tritt ihm 2esus in den Weg, er sieht in ihm, in seinem geduldigen Leiden, in seiner Milde und Ruhe den Bringer des ewigen Heils, da wendet er sich Trost verlan­gend an ihn. Es gibt nirgendwo in der Welt ein so erhabenes Zwiegespräch, als das, das hier geführt wird.Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!" sagt der Mann, der im Ster­ben den Unwert seines vergangenen Lebens er­kennt, und ihm wird die Antwort:Heute wirst du mit mir im Paradiese sein." Das ist eine Zu­sage, an die sich feit dem Tage von Golgatha Millionen reumütiger, verzagter, sterbender Men­schen geklammert haben, Menschen, die erfuhren, was der Dichter Eichendorfs ausspricht:Vergeht mir der Himmel im Staube schier, Herr, im Ge­tümmel sei du mein Panier. Wie schwank' ich sündlich, läßt du von mir, unüberwindlich bin ich mit dir."

Heber 2esu Kreuz sollte man das Wort schreiben, das er zu Petrus gesprochen hat: Folge mir nach!" Jesu nachfolgen heißt so ge­sinnt fein, wie er gesinnt war, s- handeln, wie er gehandelt hat. Die hervorragendsten unter den Christen aller Zeiten, Augustin, Franz von Assisi, Luther, Spener, Zinzendorf sind einig gewesen in der tleberzeugung, daß Jesus für sie gestorben sei, daß er sich für sie hingegeben habe. Seinem geduldigen Leiden, seinem Sterben verdankten sie den Frieden ihrer Seele. Man nennt Menschen dieser Art Zeugen 2esu. Unter einem Zeugen 2esu versteht man zunächst einen Menschen, der für ihn redet, sein Geltungs­gebiet ausbreitet. 2n noch höherem Maße ist der ein Zeuge 2esu, der sein Leben nach seinem Beispiel gestaltet, der sein Herz rein erhält, den anderen mit Güte und Verständnis für ihre Eigenart entgegenkommt, in Pflicht und Treue nicht wankt.

Don Paulus stammt das Wort:Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen". Der Apostel hätte dieses Wort nicht formen können, wenn er von 2esu Opfer­tod nichts gewußt hätte. Furchtbar ist der Kreuzestod gewesen. Der Verurteilte mußte sein Kreuz selbst tragen, mit dem oberen Ende wurde ihm der Pfahl auf die Schulter gelegt, die Hände wurden an das Querholz gebunden, das untere Ende schleifte auf der Erde nach. Der an das Kreuz Geheftete muhte stundenlang Schmerzen, Sonnenhitze, Insektenstiche aushalten, bis der Tod seinem Leiden ein Ende machte. Das alles hat Jesus tragen müssen, aber sein Kreuzesleiden ist der Menschheit zum Segen geworden. Der Christ bezeichnet sein eigenes Leiden als feinKreuz", und lernt kennen, daß alle Hemmungen des Lebens, Krankheit, Todesleid, Armut, Enttäu­schung, Mißerfolg ihm zum besten dienen, seine Seele reifer, tüchtiger, besser, ruhiger, stärker machen. Der schlesische Dichter Benjamin Schmolck bringt diese Glaubensüberzeugung in Öen etwas verschnörkelten, aber eindringlichen Worten zum Ausdruck:Kronen sollen tragen, die des Kreu­zes Plagen in Geduld besiegt; fröhlich auszuhal­ten und Gott lassen walten, das macht recht ver­gnügt; drum nimm dir, Seele, für, stets zu beten und zu wachen: Gott wirds doch wohl machen." H. -3.

Bornotizen.

Tagesk^alender für Donnerstag. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße:Jonny stiehtt Euro- pa Astoria-Lichtspiele, Sellersweq:Der aol- bene Gletscher".

Tageskalender für Karfreitag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Rebell" Astoria-Lichtspiele, Seltersweg:Der goldene Glet­scher".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Karfreitag, bleiben das Theater und die Kasse geschlossen. Am ersten Osterfeiertag, Sonntag, 16. April, letzte Aufführung des GrenzlandschauspielsAndreas Hollmann" von Kaergel (Spielleitung: Wolfgang Kühne) mit Frau Auguste Drasch-Gre­ve n b e r g, Ehrenmitglied des Meininger Lan­destheaters, in der Rolle der Frau Hollmann. Außer Abonnement, Fremdenvorstellung, kleine Preise. Spielzeit 19 bis 21 Ahr. Das Dolks- MckDie vier Musketiere" von Sigmund Graff,