für andere nützlich Ift, sich mlf ihm zu verständigen.
(Stürmischer Beifall.) Und dann sagt man: Er will keine internationale Solidarität. Oh, doch. Aber ich glaube, wenn die Welt nicht einmal so beschaffen sein soll, daß in einem Volk eine Solidarität gebildet werden kann, wie soll dann zwischen so verschiedenen Völkern eine Solidarität stattfinden? Ich will die Solidarität im deutschen Volke Herstellen, und ich glaube, es ist immer noch leichter, die Differenz zwischen unseren Klassen zu überwinden, als die zwischen Kontinenten. Ich glaube, daß wir aber die Kraft zur Ueber- windung so großer Differenzen überhaupt nur dann bekommen können, wenn wir die inneren Differenzen erst beseitigt haben. (Lebhafter Beifall.)
Wenn das deutsche Volk in Stadt und Land und in jedem Beruf sich wieder zusammengefunden hat, dann wird daraus eine so unerhörte Kraft kommen, daß dieser Volk dann auch anderen Völkern die Hand reichen kann.
Heute will niemand von uns die Hand, sondern sie wollen von uns das Geld. Sie wollen die Ware. Sie sagen: „Ihr wollt mit Blut alles ausrotten." Wenn wir rachsüchtig^ wären, dann ja. Aber ich kann nicht rachsüchtig sein, wenn ich diese große Massen sehe, die ja nichts anderes sind als das Produkt einer jahrzehntelang betriebenen Verführung. Wir sehen in ihnen die Opfer. Ich will sie nicht vernichten, ich will keine Rache. Aber etwas will ich: daß diejenigen, die verantwortlich sind für diese Schäden, endlich in Deutschland verschwinden (Stürmischer Beifall). Wenn man im internationalen marxistischen Lager heute vielleicht glaubt, wir würden eines Tages nachlassen, dann kann ich nur sagen: Täuscht euch hier nicht. (Beifall.) Hier ist mein Entschluß unerschütterlich. Ich werde niemals und zu keiner Stunde und unter keinen Umständen den Kampf gegen diejenigen ein stellen, die schuldig daran sind, daß unser Volk so tief gefallen ist.
Sechs Wochen sind wir in der Regierung tätig und in diesen sechs Wochen haben wir das deutsche Tolk zu einer unerhörten Kraftäußerung emporgerissen. Wir haben Millionen den Glauben eingepflanzt, daß Deutschland nicht verloren ist, daß wir der Schwierigkeiten Herr werden, daß wir das Reich wieder herausreißen aus dem Verfall des Volkes und der Wirtschaft und daß wir damit auch die Gemeinden retten. So stehen wir vor einer neuen Wahl. Sie wird die letzte sein für viele Iahre.
Ls ist kein Zufall, daß in diesen wenigen Wochen zum erstenmal die Arbeitslosigkeit wirklich zurückgegangeu ist. Ls ist das das wunder des kommenden vertrauens.
(stürm. Beifall). Es wird die Kraft wiederkommen, die Deutschland braucht, um seinen Lebenskampf bestehen zu können. Unb aus der Kraft kommt auch wieder Recht und Ehre und daraus dereinst die Freiheit. Die deutsche Ration wird sich wiederfinden in gemeinschaftlicher Arbeit. Aber das eine wollen wir uns gesagt sein lassen, geschenkt wird nichts auf dieser Welt. Also wollen wir kämpfen und arbeiten (stürmischer langanhaltender Beifall).
Die Kundgebung schloß mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschland- und des Horst-Wessel- Liedes.
Ein Aufruf der Slahlhelmfiihrer.
Berlin, Il.März. (TU.) Die Bundes- führer des Stahlhelms erlassen folgende Kundgebung zur politischen Lage:
„Die nationale Erhebung, für die der Stahlhelm seit der Rovemberrevolte gearbeitet und die deutschen Menschen innerlich reif gemacht hat, ist im Gange. .Durch die Erringung der nationalen Mehrheit bei den letzten Wahlen ist eine wesentliche Stufe dazu erreicht. Sie kann die Weiterführung der nationalen Gesundung erleichtern. Die nationale Regierung wird aber trotzdem nie vergessen dürfen, daß ihre Autorität nicht auf Masse und Mehrheit, sondern in erster Linie aus dem Ansehen des Reichspräsidenten Generalfeldmarschals v.Hindenburg beruht und daß sie im Vertrauen, in der Kraft und Entschlossenheit der Heeressäulen der nativ-
Stimme in der Dämmerung.
Eine Erinnerung an Gabriele d'Annunzio.
In diesen Tagen wurde der italienische Dichter, Aesthet und Politiker d' A n n u n - z i o siebzig Iahre alt. Der englische Schriftsteller Harold R i c o l s o n erzählt hier die Geschichte seiner ersten Begegnung mit dem Italiener.
Cs war an einem Sommernachmittag in einem der letzten Iahre vor dem Krieg. Den ganzen Tag über hatte drückende Hitze auf der Stadt Mailand gelegen. Ietzt sogar, am späten Nachmittag, traute man sich noch immer nicht, die Fensterläden, die man zum Schuh gegen die lästigen Sonnenstrahlen dicht verschlossen hatte, wie- der zu offnen. Die massiven Steinquadern des Palais Visconti hatten sich mit der Wärme des Sommertages so gesättigt, doh man noch zur Zeit des Sonnenuntergangs in einem Backofen zu sitzen vermeinte. Das hatte aber die buntzusammengewürfelte internationale Gesellschaft von Diplomaten, Kunftfachleuten, Damen und Herren der Gesellschaft nicht daran gehindert, bei Visconti zum Tee zu erscheinen. Denn diese Stunde des Donnerstag, an der der liebenswürdigste und weltgewandteste aller italienischen Edelleute seine Freunde zum Tee zu bitten pflegte, war ihnen allen höheres Gesetz geworden, als die Rücksicht auf ihren eigenen, durch die Hitze ermüdeten Körper.
Kein Wunder also, daß man den ganzen Rachmittag über plaudernd zusammensaß — in völliger Finsternis, da durch die Ialousien kein Lichtstrahl zu bringen vermochte. Man hatte anfangs angeregt, einige Wachskerzen anzuzünden, fand es aber bald romantischer und interessanter im Dunkeln zu verharren, in angeregte iln» terhaltung mit irgendeinem Nebenmann, irgendeiner männlichen ober weiblichen Stimme, deren Besitzer man nicht sehen konnte.
Der Abend war hereingebrochen. Man zögerte, sich zu trennen. Lind es läßt sich nachträglich schwer feststellen, wer zuerst auf den Gedanken gekommen war, Gedichte herzusagen. Vielleicht war es ein Gespräch über Wesen, Glanz und Zerfall der Renaissance gewesen, das eine anwesende Schauspielerin veranlaßt hatte, eines der schönen und schwermütigen Sonette Michelangelos vor sich hinzuflüstern. Diese Verse paßten seltsam
nalen Bewegung die starke Stühe für die Fortführung ihres Kampfes findet.
Die gewaltige Auflehnung gegen Weimar und Versailles, gegen alles, was uns im Innern und von außen her überfremden und vernichten will, muß klug, zäh und geschickt weitergeführt werden.
Gerade gegenüber der nationalen Regierung werden die vorhandenen Schwierigkeiten vom ?e f a m t e n deutschfeindlichen Aus - and mit allen Mitteln gesteigert werden. Deshalb ist eisenharter Zusammenschluß aller derer, die sich zur Nation bekennen, notwendiger als je. Stahlhclmaufgabe ist es, von unserem unverrückbaren nationalistischen Standpunkt aus tief in das Volk hineinzugreifen und allen die Bruderhand zu bieten, die sich soldatisch mit uns in eine Front stellen wollen.
Niemals war der Stahlhelm notwendiger als heute. Ie stärker her Stahlhelm, desto größer Deutschlands Sicherheit. Die uns übertragenen Aufgaben des Freiwilligen Arbeitsdienstes und der Iugendertüchtigung werden wir unter (Sin*
zu dem Dunkel ringsum — und so war es kein Wunder, daß man in weitem Bogen über vier Iahrhunderte hin zu den unendlich llangschönen Gebilden der Poesie überging, die vor Iahres- frift damals aus d'Annunzios Feder geflossen waren.
Ein Sonett verhallte in den dunklen Räumen, ein zweites folgte — beide waren stimmungsvoll, wenn auch nicht mit Meisterschaft von einem anwesenden Kunstfreund vorgetragen worden. Vollkommene Stille hatte sich indessen über den Raum gebreitet. Die letzten Worte des Sonettes, abgefaßt In der musikalischsten Sprache der Welt, klangen lange in uns nach. Da erhob sich auf einmal — woher kam sie? Don rechts? Von links? Aus einem Nebenzimmer? — eine andere Stimme, man wußte nicht recht, ob es die Stimme eines Mannes oder einer Frau war. Diese Stimme wiederholte das eben rezitierte Gedicht. Ein Schmelz war in ihr, ein Glanz und eine versteckte Trauer, daß es uns alle glühend durchs fuhr. Mit Gewalt überkam uns der Unter- schied zwischen dem Vortrag vorhin und dem jetzigen Vortrag. Als die Stimme geendet hatte, saßen wir alle ergriffen mehrere Minuten lang, ohne uns zu rühren, unfähig, ein Wort über die Lippen zu bringen- Der vollendete Vortrag des edelsten Musikstückes hätte kaum auf uns alle, die wir ohne Ausnahme etwas von Kunst verstanden, eine gleiche zauberische Wirkung üben können.
Im tiefen Dunkel war inzwischen der Hausherr zu mir getreten. Er berührte mich leise am Aermel. „Wissen Sie, wer das war?" fragte er mich. Der Vortrag des Gedichtes hatte mich so gepackt, daß ich mir diese an sich selbstverständliche Frage selbst noch gar nicht vorgelegt hatte. Ohne mich einen Augenblick zu besinnen, antwortete ich: „Wenn das nicht d'Annunzio selbst gewesen ist, kann es nur der größte lebende Sänger oder der liebe Gott gewesen sein." Ich spürte, wie Visconti neben mir im Dunkeln lächelte. Er sagte: „Das war in der Tat d'Annunzio. Wollen wir ihn bitten, daß er noch mehr von seinen Gedichten vorträgt?"
Was soll man weiter erzählen? Andere hatten schon vorher sich zum Dichter begeben, hatten ihn bestürmt, nur ein Gedicht, ein einziges, mehr vorzutragen. _ Im Taumel der Begeisterung hatte einer der Gäste sich nicht beherrschen können — er war zur Wand geeilt, hatte den Lichtschalter gesucht und gefunden. Fast schmerzlich über
sah des ganzen idealen Schwunges aller unserer Führerschichten und unserer Iungmannschaft anfassen und in Zusammenarbeit mit allen auf- bautoilligen Kräften lösen. Die große soziale Frage wollen wir so angesaßt wissen, daß an die Stelle des Klassenkampfes die Berufsverbundenheit tritt und daß jeder Deutsche allmählich wieder zu Eigentum und Erbe kommt.
Die Sicherung des nationalen Staates erfordert eine grundlegende Aenderung unserer staatsrechtlichen Verhältnisse. Deshalb kämpfen wir für einen Neubau unserer Verfassung.
Wir wollen Anteil haben am Leben und Wachsen der Nation. Noch ist der deutsche Staat durch die Verträge gefesselt. Don der ganz zusammengeballten und ungebrochenen Kraft der Nation her muß die Freiheit nach außen und innen erzwungen werden. Die Wahlkämpfe sind hoffentlich für lange Zeit beendet, und unabhängig von jeder Parteirichtung tritt der Stahlhelm in seine neue Kampfperiode. Der rücksichtslose Kampf geht weiter. Vorwärts Kameraden!"
schwemmte Helles elektrisches Licht den Raum. Im Nebenzimmer saß ein kleiner, kahler, zierlich gebauter Mann in einem Sessel, der viel zu groß für ihn schien. An seinen Fingern glänzten große Ringe. Als ich in die Tür getreten war, um ihm mit irgendwelchen Worten zu danken, war er gerade im Begriff, gegen die Zumutung zu protestieren, noch eines von seinen Gedichten zu rezitieren. Seine Stimme klang ermüdet, ein wenig gereizt. Sie hatte allen Glanz verloren, klang ein wenig fettig, gepreßt, selbstbewußt. Er war durch unser vereintes Bitten nicht umzustimmen und verlieh bald daraus die Gesellschaft.
Ich sah auf die Uhr, als ich das Palais Disconti verließ. Es war schon nach zehn. Eine Trauer hatte von mir Besitz ergriffen, die ich mir selbst im Augenblick kaum erklären konnte. Und doch — wie selbstverständlich! Ich hatte im Laufe weniger Minuten die beiden Charaktere kennengelernt, die in einmaliger Mischung in diesem seltsamen Mann Gabriele d'Annunzio vereinigt sind: Eitelkeit und Genie, strahlende Begabung und weltabgewandter Hochmut ...
Kunst und Wissenschaft.
Frühjahrs-Neuerscheinungen der Deutschen Verlags- Anstalt.
In den nächsten Wochen und Monaten wird die Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart und Berlin, auf dem Gebiete der Schönen Literatur folgende Werke veröffentlichen: Waldemar Bon* s e l s „Die Nachtwache", Roman: Iochen Klepper „Der Kahn der Fröhlichen", Roman: Erika Mitterer „Höhensonne", Roman: Charles Morgan „Der Quell", Roman, aus dem Englischen von Herbert Herlitschka: Clara Nord- ström „Kajsa Lejondahl", Roman: Rudolf Presber „Cagliostro in Altenbühl", mit Federzeichnungen von F. Christrophe: Marianne Tanner „Begegnung im Spiegel", Roman. Don Ernst Zahn erscheint ein Gedichtband »Die letzten Glocken". Ferner vom gleichen Der- fasfer ein Band Erzählungen für die Iugend ..Die guten Kameraden". Auswahl und Nachwort von W. Fronemann. — In billigen Volks- ausgahen werden neu herausgegeben Rudolf PreSber „Mein Bruder Benjamm" und Iosef Winckler „Pumpernickel. Menschen und Geschichten um Haus Nhland". Aus anderen Ge-
Entweder - oder...
Eine Erklärung des deutschen ReichSaußenministers.
Hamburg, 11. März. (WTB.) Der Ost- afiat'.sche (Herein Hamburg-Bremen veranstaltete heute abend nach dreijähriger, durch die allgemeine Wirtschaftslage bedingter Unterbrechung in den Räumen des Uhlenhorster Fährhauses wieder sein traditionelles Liebesmahl, an dem führende Vertreter des wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Lebens teilnahmen. •
Reichsauhenminister Freiherr v. Neurath, der ursprünglich die Absicht halte, auf der Veranstaltung zu sprechen, war am Erscheinen verhindert. An seiner Stelle verlas, nachdem der Hamburger Erste Bürgermeister Krogmann über das Wesen des Nationalsozialismus und die Notwendigkeit eines starken Außenhandels und einer starken Schifffahrt gesprochen hatte, der Leiter der Ost- abteilung des Auswärtigen Amts, Ministerialdirektor Dr. Mayer, die nachstehende Erklärung des Reichsaußenministers:
„Wir stehen im schwersten Ringen um Deutschlands Geltung in der Welt. Kurzsichtige Staatsmänner haben in dem sogenannten Friedensvertrag von Versailles einem 60-Millionen-Volk unerhörte Fesseln für Generationen auferlegen zu können geglaubt, ohne zu bedenken, daß es unmöglich ist, ein Volk, das noch einen Funken von Ehre und Selbstachtung besitzt, dauernd als Paria behandeln zu können.
Durch Liebäugeln mlf international eingestellten Kreisen des Auslandes kann das Ver
ständnis für unser Streben nach Freiheit und Gleichberechtigung im Auslande nicht erweckt werden. Ls ist ein Glück, daß das deutsche Volk sich wieder auf sich selbst besinnt und sich frei macht von dem vielfach beobachteten Minderwertigkeitskomplex der Nachkriegszeit.
Wir sind gezwungen, den Kampf gegen ungerechte, weil unnatürliche Verträge zu führen. Die gesättigten Länder wenden sich stets gegen denjenigen, der eine Aenderung der bestehenden Verhältnisse herbeizuführen wünscht. Unsere außenpolitische Stellung ist deshalb so schwer, weil wir dauernd gezwungen sind, als Fordernde aufzutreten. Es wäre eine Verkennung unserer Lage, wollten wir bestreiten, daß noch immer die Neigung zu einer antideutschen Einheitsfront vorhanden ist. Meine Herren, es war noch immer schwer, eine innerlich unruhige Welt mit friedlichen Mitteln grundsätzlich zu verändern. Was uns aber den Mut zu dieser schweren Auseinandersetzung geben muh, das ist dec tiefe, unerschütterliche Glaube an die Lebenskraft unseres Volkes.
Die wett hat keine andere Wahl: Entweder Deutschland geht diesen Weg zu Gerechtigkeit und Freiheit und wird dadurch wieder der hort des Friedens im Herzen Europas oder Europa taumelt dem Abgrund zu."
Danzig, ein deutsches Schanghai?
Oie polnische Provokation auf der Westerplatte. — Höchste Gefahr für Danzig.
Von unserem V-Korrespondenten.
Danzig, 12. März 1933.
Danzig steht heute auf äußerstem Vorposten. Cs gehört seit dem Diktat von Versailles zwar nicht mehr zum Reich, aber es kennzeichnet die ganze Verruchtheit des Friedensdiktates, daß vielleicht die deutscheste Stadt vom Mutter- und Daterlande losgetrennt und dem polnischen Zugriff ausgesetzt wurde. Denn über eines war sich die deutschbewußte Bevölkerung Danzigs von Anbeginn an klar: die Errichtung des „Freistaates Danzig" war bewußt als eine Aufforderung an d i e Polen gedacht, bei erster Gelegenheit unsere Heimats- stadt dem polnischen Staate einzuverleiben. Im Reich hat man allzu lange das „Ausland Danzig" stiefmütterlich bedacht. Wie oft mußten wir geradezu mit Entsetzen fejtftellen,
wie man in Berlin über die Interessen Danzigs hinwegging. Danzig hat sich in der ganzen Zeit nicht beirren lassen, und der laute Iubel, der jetzt über den Sieg der nationalen Regierung durch Deutschland schallt, wird vielleicht nirgendwo inniger mitempfunden, als bei uns. Reben der berechtigten Sorge über die Zukunft ist der Stolz lebendig, daß Deutschland jetzt wieder zu sich selber zurückgefunden hat.
Wir geben uns keinen Täuschungen hin, daß der Kampf Danzigs um seine Wiedervereinigung mit dem Reich kein Kinderspiel sein werde. Polen, und hinter Polen Frankreich sind zum Aeußersten entschlossene Gegner. Polnische Zeitungen haben in den letzten Wochen uns mehr als einmal das Schick» sal Schanghais angekündigt. Demgegenüber darf man weder hier in Danzig noch im Reiche
die Nerven verlieren. Gewiß hat Polen seine Ab» sichten nicht aufgegeben. Gdingen ist ein erstklassiger Kriegshafen, und die strategische Bahn von Gdingen durch den Korridor bis nach Oberschlesien ist entgegen mancherlei Behauptungen in der deutschen Presse seit einigen Monaten tatsächlich in Betrieb genommen. Polen nutzt seine Lage aus, es ist vielleicht gut, wenn man sich im Reiche der Feststellung nicht länger verschließt, daß Polen seit Wochen ost galizische Spezialformationen im Korridor und im Raume Thorn — Graudenz aufmar- schieren läßt.
Was wir angesichts der offenkundigen Bedrohung durch Polen von Deutschland erwarten, ist eine rücksichtslose Sprache in Genf und eine beschleunigte Wiederherstellung einer wirklichen deutschen Wehrmacht. Wer wie wir Danziger am unmittelbarsten bedroht ist, der denkt mit Schaudern an einen Krieg. Deshalb muß Deutschland so stark sein, daß es die Polen ganz von selb st abschreckt, das Beispiel Schanghais zu wiederholen. Die pazifistischen Ideologien sind zerstoben, der' alte Satz der Weltgeschichte ist wieder in sein Recht eingesetzt, wonach nämlich die eigene Stärke den Frieden viel mehr garantiert, als die eigenen Schwächen. Pazifismus ist eine Aufforderung der Schwachen an die Starken, aus dem Allas der Weltgeschichte wegradiert zu werden.
Die neueste Herausforderung Polens an Danzig ist die militärische Besetzung desMu- nitionsbeckens auf der Wefterplatte, Hundert Mann polnischer Soldaten sind in voller Kriegsausrüstung auf der Westerplatte gelandet und haben die zugelassene Gesamtstärke von 86 Mann um mehr als auf das Doppelte verstärkt. Der Senat der Freien Stadt hat sich beschwerdeführend an den Völkerbundskvm- mtffar gewandt, die Polen haben jedoch die lächerliche Ausrede gebraucht, der Truppentransportdampfer könne einstweilen die Westerplatte nicht verlassen, da er Maschinendefekt habe. Die Westerplatte selbst ist entgegen allen bisherigen Gepflogenheiten durch Doppelposten abgesperrt, so daß die Polen jede Rachprüfung ihrer Angaben mühelos verhindern können. Darüber hinaus aber hat es die Warschauer Regierung für notwendig gehalten, der Danziger Regierung mitzuteilen, daß die polnische Heeresleitung in den nächsten Tagen einen neuen großen Kriegs- materialtransport über die Wefterplatte folgen lassen werde. Die Danziger Bevölkerung weiß bis zum letzten Kind, welches Spiel Polen jetzt spielt. Man möchte durch sinnlose Provokationen Danzig oder irgendwelche Danziger Verbände zu Unbesonnenheiten verleiten, um den äußeren Anlaß zum Eingreifen zu haben. Die Disziplin der Danziger Bevölkerung ist trotz der einmütigen Empörung über die Verletzung der Verträge vorbildlich. Niemand aber kann für die im Grunde belanglosen Aktionen einzelner garantieren. Polen aber wartet nur darauf, daß aus nichtigem Anlaß uns tatsächlich das Schicksal Schanghais beschert wird.
Noch niemals hat Danzig so seine Verbundenheit mit dem Reiche empfunden, Wir werden auch weiterhin unsere Pflicht tun, und wir werden uns nicht kampflos zu Polen machen lassen. Wir erwarten jedoch auch vom Deich, daß es alles tut, um uns zu helfen., Dazu gehört einmal die rücksichtslose Unterstützung der Danziger Forderungen auf Maßregelung Polens vor dem Völkerbund, dazu gehört ferner eine deutsche Außenpolitik, die sich nicht grundlos mit den Staaten verfeindet, die in einem deutfch-polnifchen Konflikt Deutschlands Verbündete sein könnten. Solange Polen seine Ostgrenze gegen Rußland schützen muh, wird es nicht an einen im japanischen Stil durchgeführten Beutezug denken können. Wie aber auch die Zukunft verlaufen möge, Deutschland soll wissen: wir Danziger sind keine Chinesen, die sich überrennen lassen! Und die Polen sollen dies nicht minder wissen.
Das große Los.
In der jüngsten Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie wurde ein Haupttreffer mit 100000 Reichsmark auf die Nummer 31 4 4 4 8 gezogen. Das Los wird in Achteln in Berlin und in Schaumburg-Lippe gespielt.
bieten: R. H. Bruce Lockhart „Vom Wirbel erfaßt, Bekenntnisse eines britischen Diplomaten"; Maria Iosepha Krück v. Poturzyn „Kaiser Ioseph der Deutsche"; Sir Arthur Cddington „Dehnt sich das Weltall aus?" (The Expanding Universe) überseht von Helene Weyl: Ernst Robert C u r t i u s „Elemente der Bildung". D i e Britischen Amtlichen Dokumente über den Ursprung des Weltkrieges Band 8 (Haager Schiedsgericht, die kleinen Mächte, Rußland, Deutschland und Englands deutsch herausgegeben von H. Lutz.
Das Frühjahrsprogramm des Universitas-Verlages,
Das Frühjahrsprogramm des Verlages Universitas, Berlin, bringt einige wichtige Veröffentlichungen zur Zeitgeschichte. Don Balder Olden erscheint unter dem Titel „Paradiese des Teufels" eine Biographie des irischen Freiheitskämpfers Roger Casement: es bringt zum erstenmal authentisches Material über die wichtige Rolle Casements im Weltkrieg, die in Deutschland so gut wie unbekannt ist. Hans Roger Madol bringt in seinem Buch „Gespräche mit Verantwortlichen" z. T. sensationelle Interviews mit den entscheidenden europäischen Staatsmännern der Kriegs- und Nachkriegszeit. Ferner macht der Verlag die Biographie der letzten Zarin von Maurice P a l e o l o g ü e die in Frankreich Aufsehen erregt hat, Deutschland zugänglich. Eine interessante historische Parallele zum gegenwärtigen Geschehen bringt der Oliver Cromwell-Roman von Iohannes Tralow „Gewalt aus der Erde". Die Romanproduktion wird eröffnet mit dem neuen Iack London „An der Weißen Grenze", einem der besten Romane auS dem Nachlaß des großen Amerikaners. Georg Elert „Ein Mann, ein Schiss und eine spate Liebe" ist ein Seefahrtsroman, der sich Iack London würdig an die Seite stellt. Rudolf Schneider-Schelde gestaltet in seinem Roman „Wie es ist" den Zusammenstoß des geistigen Menschen mit der heutigen materialistischen Wirklichkeit, der er nicht gewachsen ist. Iosef Maria: Frank versucht in dem Roman „Keine Angst vor morgen" zu zeigen, wie die Arbeitslosen ihr Leben gestalten: und schließlich erscheint noch vor dem Sommer der Roman „Der hungrige Ernährer" von Irmgard Kenn, diesmal ein Männerbuch, in dessen Mittelpunkt die Gestalt eines selbständigen Kaufmannes steht.


