Ausgabe 
13.2.1933 Frühausgabe
 
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Neunkirchen, der Bremer Senat an den Ma­gistrat von Neunkirchen unter Lieberweisung von 5000 Mk., der bayerische Ministerpräsident Dr. Held. Reichswirtschaftsminister Dr. Hugen- berg, der württembergische Staatspräsident Dr. Bolz, dec badische Staatspräsident, der Evangelische Oberkirche nra t, der Re­gierungspräsident der Pfalz und der Bischof von Trier.

Spende des Papstes.

Berlin, 12. Febr (TU.) Der Heilige Vater hat über den Bischof von Trier eine Spende von 5 0 0 0 Mark für die durch das Neunkirche­ner Unglück schwer betroffenen Familien zur Ver­fügung gestellt

Die Anteilnahme des Auslandes.

S a a r b r ü ck e n. 11. Febr. (WTB.) Anläßlich des Explosionsunglücks in Neunkirchen haben der Generalsekretär des Völkerbundes, die französische Regierung, der Staatsminister und Präsident der luxemburgischen Regierung B e ch. der frühere Präsideni- der Regierungskommission des Saor- gcbiets, Sir Ernest Wilton, sowie der interi­mistische Oberkommissar des Völkerbundes für die freie Eladt Danzig, R o st i n g, der Regierungs­kommission ihr Veileid übermittelt. Ferner gingen

Beileidstelegramme ein von dem britischen Außenmin.ster Simon im Namen der englischen Regierung, dem österreichischen Bundeskanzler im Namen der österreichischen Regierung, sowie vom Pariser Stadtrat.

Das Hilfswerk.

Saarbrücken, 11. Febr. (WTB.) Die Regie­rungskommission, die staatlichen und kommunalen Körperschaften des Saargebiets, die politischen Par­teien des Landesrats, die Organisationen der Un­ternehmer und Arbeitnehmer, die Bergwerkdirektion Saarbrücken, die Beamten- und Angestelltenver­bände und die charitativen Verbände des Saar- aebiets haben einen Aufruf zur Nothilfe für Neunkirchen erlassen. Alle eingehenden Spenden werden von einem Ausschuß, an dessen Spitze der Landrat von Ottweiler steht, verteilt werden.

Die Verwaltung der französischen Saargruben hat für die Opfer der Katastrophe 100 000 Franken gespendet. Das Stahlwerk Röchling in Voelklingen hat 50 000 Franken und die Bank und Kohlen­handlung Röchling 30 000 Franken für den gleichen Zweck zur Verfügung gestellt. Die Regierungskom­mission des Saargebiet'es hat 500 000 Franken für die Linderung der ersten Not zur Verfügung ge­stellt

Oer Reichskanzler eröffnet die Berliner Auiomobilausstellung.

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Berlin, 11. Febr. (WTB.) Die Interna, tionale Automobil- und Motorrad­au s st e l I u n g in den großen Ausstellungshal­len am Kaiserdamm, auf der 350 Kraftwagen und etwa 100 Motorräder gezeigt werden, ist heute vormittag feierlich eröffnet worden. Der Reichs­kanzler war in Begleitung des Reichsinnen­ministers Dr. Frick und des Reichsministers Gö­ring erschienen. Sn Vertretung des Herrn Reichspräsidenten erschien Staatssekretär Dr. Meißner! unter den Anwesenden bemerkte man ferner die Reichsminister Dr. Hugenberg, Freiherr Elh von Rübenach, Seld te, General Freiherr von Hammer st ein, Staatssekretär Dr. Saut ter, an ausländischen Gästen den Prinzgemahl der Nieder- lande, sowie zahlreiche Vertreter des diploma­tischen Eorps. Der Reichskanzler wurde bei seiner Qlnhmft von zahlreichen Zuschauern, die sich vor dem Hauptportal angesammelt hatten, lebhaft be­grüßt Vor der Halle hatten mehrere Formatio­nen der SS. und SA. Spalier gebildet.

Die Eröffnungsansprache hielt Geheimrat Dr. A l l m e r s , der Präsident des Reichsverbandes der Automobilindustrie.

Reichskanzler Hitler

führte dann u. a. aus: Sm Namen des Protek­tors der Automobilausstellung, des Herrn Reichspräsidenten, und in seinem Auf­trage möchte ich Shnen, meine Herren von der deutschen Automobilindustrie, dessen aufrich­tige Glückwünsche zum heutigen Tage aus­sprechen. Als ein Mann, der selbst seit vielen Sahren im Kraftwagen ein unentbehrliches Der- kehrsinstrument kennen und schätzen gelernt hat, freue ich mich über die Ehre, diesen Auftrag ihnen übermitteln zu dürfen.

Der Reichskanzler gab dann einen Ueberblick über die Entwicklung des Kraftverkehrs in den letzten Jahrzehnten und erklärte weiter, bürokratische Un­vernunft und nicht immer groß gesehene eigene Interessenvertretung, haben dem jüngsten Verkehrs- inftrument jahrzehntelang das Leben verbittert und vergällt. Das Automobil hat sich aber trotzdem durchgesetzt. Heute können wir mit Stolz feft- fteUen:

Die deutsche Automobilindustrie hat ihren alten Rang in der Welt wieder eingenommen.

Die aus der Not der Zeit und unserer Gesetzgebung geborenen Kleinwagen sind heute unerreicht. Dasselbe gilt von unserer Kraftwagenindu- ftrie, die sich mit der Erbauung der schweren

Oberhessischer Kunstverem.

Gedächtnisausstellung Walter Gramatte.

Gestern wurde eine große Gedächtnisausstellung für den in Berlin geborenen, 1929 in Hamburg ver­storbenen Maler und Graphiker Walter G r a - matte eröffnet, lieber seinen Lebensgang, seine menschliche und künstlerische Persönlichkeit ist bereits vor mehreren Tagen an dieser stelle einiges gesagt worden; es darf auch daran erinnert werden, daß eine Anzahl von Gramattös Bildern schon einmal im Rahmen einer Wanderkollektion bei uns gezeigt wurden.

Die gegenwärtige Ausstellung die neben einer größeren Auswahl von Oelgemälden einige dreißig Aquarelle, über 70 Radierungen und etwa 60 an­dere graphische Arbeiten oorführt ist so um­fassend, daß sie wohl ein vorsichtiges Urteil über das Gesamtwert des im Alter von erst 32 Jahren Dahingegangenen erlaubt. Stellen wir die Oelbilder voran, so ist gerade in ihnen die Herkunft Gra- mattLS vom Expressionismus kaum zu verkennen. Das äußert sich weniger in einer gewissen, typischen Auflösung der Form als in einer zunächst nicht näher bestimmbaren Ekstatik im geistigen Habitus seiner Bilder.

Vor allem in den Köpfen und Gesichtern (auch in den Aquarellstudien und Skizzen) ist das zu erkennen. Seine Porträts sind fast durchweg von vorn gemalt, en (ace gesehen dergestalt, daß im­mer die Augen qls zwingendes und beherrschendes Bildzentrum wirken und all den Gesichtern in ihrem durchdringenden Ernst und ihrer oft schmerzlichen Gespanntheit einen irgendwie verwandten Zug geben. Das wird hier und da auch durch eine ge­wisse realistische Akzentuierung des körperlichen De- tails verstärkt, durch die Rötung der Lider und die Erweiterung der Pupille, durch eine Stilisierung des Blicks in schattenhaft angebeuteten Augenhöhlen ober in der oergrößemben Spiegelung von Brillenglä­sern. Auch hierin ein Nachklang ber sogenannten affektiven Umbilbung, die der Expressionismus von viel älteren Stilarten übernommen und manchmal ins Extrem gesteigert hat.

Von den Porträts machen uns den stärksten Ein­druck dasSelbstbildnis als Soldat" mit seiner einbringenben, Öen Beschauer festhaltenden Blick- schärfe und dasHullele-Bild", in dem die streu­

Transport- unt) Lastwagen beschäftigt. Diese staunenswerte Entwicklung verdanken wir das muß neidlos anerkannt werden nicht nur keiner staatlichen Förderung, sondern im Gegenteil: gegen alle erdenklichen Widerstände hat die private Initiative unserer Automobilwirt­schaft sich durchgesetzt. Jahrelang hat die Art unserer Steuergesetzgebung dem deutschen Automobilbau ohne Zweifel schwer st en Schaden zugefügt. Die Höhe der öffentlichen Lasten ist geeignet, den Verkehr langsam abzudrosseln, statt zu fördern. Kleinliche Ueberwachungs- und Kontrollmaßnahmen versuchten sich an der Niederhaltung des neuen Verkehrsinstrumentes.

Was in ber Zukunft zur Förderung dieser heule wohl wichtigsten Industrie zu geschehen hat, möchte ich kur; folgendermaßen kennzeichnen:

1. Herausnahme der staatlichen Interessenvertre­tung des Kraftwagenverkehrs aus dem Rahmen des bisherigen Verkehrs.

2. Allmähliche steuerliche Entlastung.

3. Inangriffnahme und Durchführung eines groß­zügigen Strahenbauplanes.

1 Förderung der f p o r k l i ch e n Veranstaltungen.

Wenn man früher die Lebenshöhe eines Volkes oft nach der Kilometerzahl der Eisenbahnen zu messen suchte, wird man in der Zukunft die Kilometerzahl der für den Kraftverkehr geeig­neten Straßen anzulegen haben, große Aufgaben, die auch mit dem Aufbauprogramm der deutschen Wirtschaft gehören.

Wenn wir heute diese schöne Schau vor und sehen, so ist dies das Verdienst von drei Fak­toren: Unternehmer,.3 nbu ft rielle und Kaufleute haben den Wagemut besessen, in so trauriger und verlustreicher Zeit die Flinte trotzdem nicht ins Korn zu werfen, sondern den Kampf gegen die zum Teil viel besser gestellte Kraftwagenindustrie des Auslandes aufzunehmen. Danken möchte ich aber weiter den unzähligen deutschen Konstrukteuren und Tech­nikern, deren Genialität diese Wunderwerke menschlicher Erfindung schaffen. Es ist traurig, daß unser Volk diese namenlosen Männer kaum jemals kennen lernt. Erinnern möchte ich auch an dieser Stelle an die große Armee un­serer deutschen Arbeiter, deren Fleiß und Zähigkeit und unerhörtes Können es ermög­lichen, technische Geanken in solche Maschinen umzuformen, die man als wahre Meisterwerke von Präzision und ästethischer Schönheit be­zeichnen kann.

Reichskanzler Hitler bei ber Eröffnungsansprache.

Zum letzten will ich nun des deutschen Volkes gedenken. Möge es die Arbeit, den Fleiß und die Genialität so vieler Kräfte auch seinerseits würdigen. Möge es auch hier seine deutschen Mei st er der Stirn und der Faust ehren und möge es nicht vergessen, daß viele Hunderttausende unserer Volksgenossen arbeitslos sind und erwarten dürfen, daß das ganze Volk sich ihrer erinnert und daß Soli­darität mit ihrer Not den deutschen Ar­beitern die Hände reicht. Denn erst, wenn die nationale Wirtschaft zur Genesung gebracht ist, kann ein Aufblühen der Weltwirt­schaft erfolgen. Mit dieser Hoffnung erkläre ich namens des Herrn Reichspräsidenten mit zuver- sichtlichem Stolz die Automobilausstellung für eröffnet.

Geheimrat Allmers dankte dem Reichs­kanzler persönlich und als Vertreter des Reichspräsidenten für das warme Eintreten für die Interessen der Automobilindustrie. Er schloß mit dem begeistert aufgenommenen Ruf: Möge Gott der Herr Shnen noch lange Mut und Kraft geben! Es lebe Vater Hindenburg!

Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutsch­landliedes schloß die Eröffnungsfeier. Es schloß sich ein Rundgang durch die Ausstellung an.

Nie Liquidierung derSieben- provinzen"-Meuterei.

Amsterdam, 11. Febr. (WTB.) Meldungen aus Batavia zufolge hat sich herausgestellt, daß die Beschädigungen, die der Panzerkreu­zerSieben Provinzen" durch den Bom­benabwurf erlitten hat, nicht allzu schwer sind. Der Kreuzer fährt zur Zeit mit eigener Kraft nach Tandjung Priock. Von der Besatzung des Schif­fes sind 28 Europäer verhaftet und mit dem RegierungsdampferOrion nach Batavia gebracht worden. 184 eingeborene Mit­glieder der Besatzung wurden mit dem Kreu­zerSava" nach der Snsel Onrust gebracht, wo sie vorläufig unter strenger militärischer Bewa­chung interniert werden. Lieber das Schick­sal der Meuterer wird erst eine Entscheidung ge­troffen werden, nachdem an Bord derSieben Provinzen die aus Marineoffizieren bestehende Llntersuchungskommission ihre Arbei­ten beendet hat. Diese Kommission steht unter dem Vorsitz des Kapitäns zur See ©öfter, der gleich­

zeitig mit der Wahrnehmung des Kommandos des PanzerkreuzersSieben Provinzen" betraut wurde. Der von seinem Poften abberufene frü­here Kommandant des Panzerkreuzers, Kapitän­leutnant E i k e b o o m , dem bekanntlich der Vor­wurf gemacht wurde, daß er den ihm zugegange­nen Berichten über drohende Zwischenfälle auf seinem Schiff keine Beachtung geschenkt habe, hat Weisung, sich bis auf weiteres zur Verfügung des Kommandanten des KreuzersSava zu halten.

Erdbeben-Katastrophe im Innern Chinas.

70 000 Menschen «ms Leben gekommen?

Paris, 13. Feb5. (WTB. Funkspruch.) Rach einer imEcho oe Paris" veröffentlichten Agentur- melbung aus Peking sollen aus dem Landes- innern kommende Kamelreiter mitgeteilt haben, daß sich am 26. Dezember im westlichen Teile der Provinz Kansu ein heftiges Erdbeben er­eignet habe. Mehrere Städte seien ; e r ft ö r f worden. Man schätzt, daß 7 0 0 0 0 Personen ums Leben gekommen seien.

Zeldmarschall JRoberffott f.

London, 12. Febr. (TLl.) Feldmarschall Sir William Robertson ist am Sonntagmorgen im Alter von 75 Sahren in London gestorben. Robertson war zu Beginn des Krieges General- quartiermeister und anschließend Ches des Generalstabes der englischen Streitträste in Frankreich. 1915 wurde er zum Chef des Großen Generalstabes ernannt, welchen Posten er bis 1918 inne hatte. 1918 wurde er Oberbefehlshaber des Ostkommandos und 1919 Oberbefehlshaber der englischen Besatzungsarmee im Rheinlande.

Auflösung aller kommunistischen Organisationen in Rumänien.

Bukarest, 11. Febr. (WTB.) Die Militär­behörden haben die Auflösung aller kom­muni stischen Organisationen verfügt, die unter verschiedenen Namen bestehen. Im ganzen werden von der Verfügung 12 Organisationen be­troffen.

gen und angespannten Züge eines geliebten Ant- litzes unbestechlich herausmodelliert sind

Bei dem Bild ,,La quasi Diog6ne muß man unwillkürlich an dieGespenstersonate" von Strinb- berg denken, hier findet sich schon dieser merkwürdig literarische Einschlag, den dann die Buchillustratio­nen bestätigen und vertiefen.

Uebrigens auch die Kreuzung der expressionisti­schen Grundlinien mit gewissen romantischen Ele­menten (die ja überhaupt aus der Gesamthaltung dieses Stils nicht weggedacht werden können). Sie finden sich am ausgeprägtesten in den Landschaften wieder: |omol)l in ber Motiv-Wahl (Aufgehender Mond".Träumender Knabe") wie in der koloristi­schen Mischung (Sterbender Wald" u. a.)

Sdjon bei ber ersten Ausstellung war festzustellen, daß GramattS in feinen großen farbigen Kompo­sitionen immer wieder auf einen aus Bla» und Örün zusammenstießenben Grunbton zurückkommt: er wanbeit ihn ab, nuanciert ihn, gibt ihn ganz auf (in einigen (üblichen Lanbschaften) ober ergänzt ihn durch verschiebenartige, tontraftierenbe Valeurs. Uebrigens führt diese ausgesprochene Vorliebe ge­legentlich zu einer Verschwommenheit in der Fak­tur, einer gewissen trüben Verwaschenheit dieses dusteren und schwerflüsstgen Kolorits in einer oer Mondlandschaften z. B. und in dem schon früher hier ausgestelltenWeihnachtsbild", die der Ge­lamtwirkung nicht zum Vorteil gereicht

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Die Aquarelle geben sich im Landschaftlichen hei­terer, Heller und minder beschwert, nicht so unbe­dingt auf tiefe und kühle Lokaltöne festgelegt. In der. Porträts, die teilweise außerordentlich fein und lebendig erscheinen, wiederholen sich einzelne, bevor- ^ringlichkesttst^pen mit einer oft schmerzhaften Ein- Das gleiche gilt von den graphischen Blättern, die übrigens eine bemerkenswerte Wandlungsfähigkeit und Vielseitigkeit in ber Behandlung ber Techniken erweisen. Die oben angebeutete Stilmischunq, bie uns für bas Gesamtwerk (Bramattds charakteristisch erscheint, kennzeichnet auch seine illustrativen Är- beiten, wie bie Radierungen zumMantel" von Gogol und zu den FragmentenLenz" und Woy- zeck" vom hessischen Georg Büchner.

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Die Gedächtnisausstellung wurde gestern vor- mittag mit einem Einführungsvortrag non Gra- mattes Biographen. Dr. Ferdinand Eckhardt,

Berlin, der Oeffentlichkeit übergeben. Der Vor­tragende gab zunächst einige Lebensdaten des früh verstorbenen 'Dialers und schilderte bann seine fünft lerifche Entwicklung im Aufriß und Ueberblick an Hand des hier vorgesührten reichhaltigen Materials. Dr. Eckhardt betonte, daß drei einschneidende Erleb­nisse die menschliche und geistige Persönlichkeit Gra- mattes entscheidend beeinflußt haben: der Krieg, dessen Erschütterungen sich vor allem in seinen frühen Arbeiten ganz unverkennbar ausprägen; die Ver­bindung und die wechselseitig ausstrahlende Zusam­menarbeit mit seiner Frau, einer jungen russischen Musikerin, deren Züge auf vielen seiner Bildnisse wiederkehren; und endlich die Begegnung mit ber spanischen Landschaft, die namentlich in den letzten Arbeiten Gramattös ihren Niederschlag gefunden hat. Die hervorstechenden Wesenszüge seines künstlerischen Schassens und Ausdrucksvermögens wurden an einer Reihe von typischen Arbeiten im einzelnen auf­gezeigty

Zeitschriften.

Berliner Monatsheft e", heraus» gegeben von Dr. Alfred von Wegerer, 11. Sahr- gang 1933, Februarheft. (Quaderverlag, Ber­lin w 15, Preis des Heftes 1,20 Mk.) Für die Beurteilung der Genfer Abrüstungsverhand- lungen ist es erforderlich, über zwei Punkte im klaren zu sein: Was hat die Abrüstungskonferenz im Sahre 1932 ergeben? Worauf gründet sich Deutschlands Anspruch auf Gleichberechtigung? Den ersten Punkt behandelt Generalleutnant a.D. von Metzsch in seinem Aufsatz:Sahres- bilanz der Abrüstungskonferenz". Don der Ge­neraldebatte und den Verhandlungen in den Kommissionen führt der Verfasser den Leser über den Hoover-Plan zur Schlußresolution vom 23. Suh 1932 und schildert anschließend den Gang der Verhandlungen, die Deutschlands Rückkehr zur Konferenz bewirkten. Die Beantwortung der zweiten Frage bildet den Snhalt des Aufsatzes Deutschlands Anspruch auf gleiche Rechte und Snvasionen von Generalleutnant a- . ?lus dem übrigen Snhalt sei auf

zwei bisher unbekannte Telegramme Wilhelms II. t>om 30. und 31. Suli 1914 hingewiesen. Die Doku­mente zeigen, daß der Kaiser noch um die Mit­tagsstunde des 3i. Suli die Hoffnung hatte, daß es der gemeinfamen deutsch-englischen Vermitt» luug gelingen würde, den europäischen Krieg zu vermeiden.

Auch Kainz ist einmal durchgefallen.

Für den jungen Schauspieler erscheint es als fein größtes Unglück, wenn er gleich bei seinem ersten Debüt vom Publikum abgelehnt wirb. Dabei kann diese erste Entscheidung der Theaterbesucher eine ganz zufällige sein, durch Tatsachen entstanden, bie gar nicht mit dem Können bes jungen Künstlers Zusammenhängen. Auch unsere ganz großen Schau­spieler berichten von mißglückten Austritten. So ' sand man jetzt einen unbekannten Bries von Kainz, in bem er über seinen Durchfall im Leipziger Schauspielhause berichtet:Förster hatte die Ab­sicht, mich in der Eröffnungsvorstellung den Ferdi- nanb inKabale und Liebe" spielen zu lassen, aber er nahm mir die Rolle schon nach der dritten Probe ab. Dafür gab er mir bas Versprechen, mich an einer weniger exponierten Stelle zum ersten Male dem Leipziger Publikum zu präsentieren. Der Ed- inond von Varennes, ein junger Advokat in einem sunsaktigen Lustspiel, das er aus bem Französischen übersetzt hatte, sollte mir Gelegenheit geben, vor dem Feind zu erscheinen. Das war ein schwerer strate­gischer Fehler. Schiller trägt, Scribe will getragen werden. Perücke, Feberhut, Uniform, Segen und Reitstiefel machen Figur. Der Gehrock und'der Zy­linder find für einen jungen Anfänger immer ge­fährliche Requisiten. Besagter Rock war noch dazu nach dem neuesten Wiener Schnitt, nach einer Mode, die in Leipzig noch völlig unbekannt war. Ich hatte zwei solcher Röcke, einen gelben und einen schwar­zen. Mit dem gelben machte ich schon aus der Straße tatsächlich Fiasko. Studenten und Spießer blieben stehen, und der anmutige sächsische Volkswitz übte sich täglich an demlangschwänzigen Kanarien­vogel" Der schwarze Rock war vom selben Schnitt, und mit ihm bekleide!, betrat ich bie Bretter auf dem Augustusplatz. Weil nun ber junge Advokat, den ich spielte, das für mich damals noch unerreich­bare Alter von achtundzwanzig Jahren hatte, so ließ ich mir einen dichten, schwarzen Vollbart ins Gesicht kleben und betrat, so ausgestattet, den Sa­lon. Meeresbrandung! Funken und Flocken tanzten vor den Augen! Trockene Zunge; dann plötzlich durch bie Meeresbranbung und das Ohrensausen ein Gelächter, jedenfalls aus bem Zufchauerraum. Dann ein Gefühl völliger Blutleere und eine un­heimliche Stimme aus den ersten Parkettreihen: Der Kanarienvogel ist in bie Tinte gefallen!" Ich war in ber Tinte. Wie bie fünf Akte zu Ende gin- tzen, weiß ich nicht. Aber bas weiß ich, ich habe in jener VorstellungHaare gelaßen", ich werk/ es nie oergeffen."