Wunder des Schneeschuhs.
Von Georg Müh!en-Schulte.
sie waren Freunde, und sie bewohnten zwei nebeneinanderliegende Zimmer bei der Witwe schlauch. lobbt) war der Fleißigere von ihnen: er batte seine Skier auf dem Tisch liegen und bearbeitete sie aus Leibeskräften mit Sandpapier. Fred saß auf der Kommode. Zwischen einer Porzellangruppe Amor und Psyche darstellend, und einer großen Muschel mit der Aufschrift „Andenken an Sprottbeck". Er hatte die Hände in den Taschen und eine Pfeife zwischen den Zähnen: er sah phlegmatisch und gleichgültig aus.
„Dolle Wirtschaft da oben auf Mutter Schlauchs Boden!" sagte Tobby. „Stell' dir vor, auf den skihölzern stand eine Kiste. In der Kiste waren leere Kognakflaschen. Als ich sie beiseite schieben wollte, fiel sie um und alle Flaschen raus. Mindestens dreißig Stück. Der alte Schlauch muß ein Preissäufer gewesen sein. Hast du mal sein Bild gesehen?"
„Nein."
„Es hängt in der guten Stube über dem Sofa. Eine vergrößerte Photographie. Guck sie dir mal an. Sie steckt schief im Rahmen: entweder hat der Glasermeister schlechte Arbeit geliefert, oder der alte Schlauch hatte einen sitzen, als er sich knipsen ließ. — So, die Laufflächen sind glatt. Besser könnten sie auch nicht aussehen, wenn sie der Tischler abgehobelt hätte. Gib doch mal die Petroleumkanne rüber."
Die Kanne stand auf dem Fußboden. Fred gab ihr einen Stoß mit der Fußspitze Die Kanne fiel um.
„Na, paß doch auf!" brummte Tobbn und griff rasch zu. „Beinahe wäre alles ausgelaufen. Eigentlich müßte ich ja die Skier teeren, aber wir fahren ja schon morgen früh ... Einen Schuß Leinöl in das Petroleum rein! So, jetzt die Mischung ein bißchen anwärmen.... Wo ist denn der Spirituskocher? ... Da, steck mal die Flamme an!"
„Nee, laß man! Ich spiele nicht gern mit Feuer." „Du tust überhaupt nicht gern was, das ist es. Saul wie ein Kistenei. Mich wundert's bloß, daß du dir noch immer selber deine Pfeife stopfst. Mit meinem Tabak natürlich. Nächstens gibt's was auf die Finger ... Au!"
„Hast du was auf die Finger gekriegt?"
„Derbrannt habe ich sie mir. Sowas nennt sich
Spirituskocher! Ist gefährlicher als ein Minenwerfer."
„Ich habe es dir ja gleich gesagt."
„Ach was, halt die Klappe! Die Mischung ist warm genug. Rauf damit auf die Laufflächen ... So und nun feste gewienert! ... Fein werden die, sage ich dir, aalglatt! Damit springe ich gut meine sechzig, siebzig Meter ... Donnerwetter!!!"
„Hast du dir was verknackst bei deinem Sprung?"
„Du bist ein Idiot, verstanden? Einen Splitter habe ich mir in den rechten Handballen eingerissen. Uebrigens hinten piekt es auch. Ich bin doch da oben auf dem Boden über die Flaschen gestolpert. Im letzten Moment kam noch von irgendwo ein Schaukelstuhl runter und traf mich vor den Magen. Ich habe mich hingesetzt, verstehst du, und direkt rein!4
„In den Schaukelstuhl?"
„Unsinn! In die Flaschenscherben ... So, jetzt noch ein bißchen Lack auf die Oberseiten pinseln! Man muß sich spiegeln können in den Hölzern. Ich möchte bloß wissen, 'wozu es Schaukelstühle gibt. Höchstens als Trockenkursgerät für Seekrankheits-Aspiranten laß ich son Ding gelten .. Was meinst du, ob ich das Riemenzeug einfette?"
„Wenn es dir Spaß macht, Tobby."
„Wenn es mir Spaß macht! Wenn es mir Spaß macht! Es handelt sich doch nicht darum, ob es mir Spaß macht, es handelt sich darum, ein sportgerechtes Laufgerät herzustellen."
„Tu noch ein übriges, Tobby, und schleife die Hohlkehle aus."
„Und wenn duzerspringst, — ich tu es ... So!... Nun guck her! Was waren diese Skier, bevor ich sie in die Hand kriegte? Ein paar dreckige Latten, kaum gut genug, um beim Bau eines Karnickelstalls Verwendung zu finden. Und jetzt? Zwei Damaszener-Klingen. Wenn die Louis Iren ter zu Gesicht bekommt, dann steckt er feine eigenen Hölzer in den Ofen und geht in ein Kloster. Uebrigens du, Fred!"
„Was?"
„Du willst doch morgen früh mit nach Garmisch, nicht wahr?"
„Ja."
„Na, und denkst du gar nicht daran, deine Skier auch ein bißchen zu präparieren?"
„Nee, ich hab's nicht nötig."
„Du hast es nicht nötig? Und warum nicht, wenn ich bitten darf?"
„Die Hölzer, die du da zurechtgemacht hast, sind meine!"
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Nr.N Zweiter Blatt
Overheffen.
Gemeinderat in Grünberg.
+ Grünberg, 12. Ian. In der ersten Sitzung des Gemeinderates im neuen Jahre gab Bürgermeister Dr. Mildner einen kurzen Rückblick auf bas Jahr 1932. Er betonte, daß es sich als ein Kriseniahr erwiesen habe, trotzdem dürfe man aus gewissen Anzeichen auf einen langsamen Aufstieg in diesem Jahre hoffen. Weiter wies er auf die von gegenseitigen^ Vertrauen getragene gemeinsame Arbeit zwischen Stadtverwaltung und Gemeinderat hin und knüpfte daran die Hoffnung, daß sich das seither bestehende gute Verhältnis auch in diesem Jahre, dem letzten Amtsjahr des jetzigen Gemeinde- rotes, ,311m Wahle der Stadt auswirken möge.
Längere Zeit verhandelte man dann über eine Anzahl Gesuche wegen Erlaß van Kanalbenutzungsgebühren. Der Bürgermeister wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß nicht nur Kanalgebühren zu zahlen seien, wenn die Abwässer direkt ins Kanalnetz gingen, sondern auch dann, wenn sie erst nach einer Strecke oberirdischen Laufes in einen Kanal einmündeten. Ebenso seien neben den Anliegern an den neuen Kanälen auch die Besitzer heranzuziehen, deren Abwässer in die alten Kanäle flössen, denn die Kanalgebühren müßten auf alle Nutznießer der städtischen Kanäle umgelegt wer den, es sei also belanglos, ob man Anlieger bei alten, oder neuen Kanälen sei. Demgemäß verfielen die meisten Gesuche der Ablehnung, nur in einem Falle — in der verlängerten Schulstraße — wurde eine Ermäßigung auf die Hälfte des Satzes zuge- standen, da hier nur eine behelfsmäßige Ableitung der Abwässer besteht.
Dem Gesuch des ländlichen Reit- und Fahrvereins Grünberg um enentgeltliche Ueberlaffung eines Uedungsplatzes auf der Käswiese wurde in der Weise entsprochen, daß ihm ein Platz auf der etwas weiter gelegenen Lehmkaute überlassen werden soll. Den ersteren Platz will die Stadt wegen der Grasnutzung und auch als Platz für den Gallusmarkt nicht anderweitig in Benutzung geben.
Der Bürgermeister berichtete dann von dem Sofortprogramm der e i d) 5 regio- rung, wonach Gemeinden als Träger für Arbeiten, die sie aus eigenen Mitteln nicht zu finanzieren vermögen, Darlehen erhalten können, die zunächst zwei Jahre zins- und tilgungsfrei sind und bann zu dem mäßigen Satze von 6 v. H. Zinsen ein- schließlich Tilgung gewährt werden. In diesem Zusammenhänge wies er auf die Umpflasterung verschiedener Straßen hin, die im Hinblick auf den starken Autoverkehr unbedingt erforderlich sei und als nächste wichtigste Aufgabe der Stadt bezeichnet 'werden müsse, wobei ihm von verschiedenen Seiten zugestimmt wurde. Man ist der Meinung, daß die Stadt der Sache nähertreten solle, denn da sie aus eigenen Mitteln zunächst diese Arbeiten nicht in Angriff nehmen könne, biete sich hier ein Weg, mit Hilfe von Reichsmitteln zum Ziele zu gelangen.
Kreis Friedberg.
* Friedberg, 13.San. 3n der vergangenen Rächt wurden im hiesigen Warenhaus Meyer durch bisher noch nicht ermittelte Täter fünf große Schaufensterscheiben eingeworfen. D:r Schaden ist beträchtlich. Der gleiche Vorfall ereignete sich bereits am Heiligen Abend. «Seinerzeit wurden drei Schaufenster eingeworfen. Die Täter bedienten sich schwerer Backsteine.
Kreis Alsfeld.
ll. N i e d e r - O h m e n, 12. Jan. In der Nacht zum Dienstag drangen Diebe in die Filiale einer Grünberger Lebensmittelfirma ein und entwendeten eine größere Menge Waren. Hauptsächlich waren sie darauf bedacht, Kaffee, Rauchmaterial und Alkohol an sich zu nehmen. Sie drangen durch die durchschnittene Erkerscheibe ein und riegelten die Ladentüre von innen ab, so daß sie keine Störung zu erwarten hatten. Ein herbeigeholter Spürhund konnte keine Spur seststellen. Der Schaden, dessen Hohe noch nicht festgestellt ist, ist durch Versicherung gedeckt.
ll. Merlau, 12. Januar. Dieser Tage wurden die Feldbereinigungsarbeiten durch
Se l d st h i l f e wieder ausgenommen. Nach Fertigstellung des zweiten Projekts ist ein drittes Arbeitsprojett in Aussicht genommen, das je nach den Wilterungsverhältnissen in einigen Wochen in Angriff genommen werden dürfte. Bei der Ausführung von Wegeabfahrten kommt der vom freiwilligen Arbeitsdienst eröffnete Steinbruch durch kostenlose Lieferung von Steinen sehr zustatten.
Oer Frankfurter Geldbriefiräzerirord vor dem Schwurgericht.
Frankfurt a. M., 12. Ian. (WSN.) Lor dem Schwurgericht wird Freitag und voraussichtlich auch Samstag gegen den 19jährigen Autoschlosser Willi Knirsch wegen des am Mittag des 1. Dezember im Haufe Am Stiegelschlag 5 an dem Geldzufteller Johannes Hofmann begangenen Mordes verhandelt. Der 48jährige Geldzusteller Hofmann halle
der Großmutter des Knirsch an jenem Tage 19,60 Mark zuzustellen und war von Knirsch unter einem Vorwand in die Wohnung gelockt worden, wo der Täter den Beamten niederschoß und beraubte, die Blutspuren beseitigte, die Papiere des Beamten verbrannte und der aus der Dachkammer zurückkehrenden Großmutter, als sie des Vorgangs ansichtig wurde und schreien wollte, den Mund zuhielt und sie mit aller Kraft an sich preßte, daß sie ohnmächtig wurde. Der Täter begab sich nach Mainz, besuchte dort ein Kino und eilte bann zu seiner Freundin in Wiesbaden, wo er abends fesl- genommen wurde Er hatte die geladene und nicht entsicherte Pistole und 2564 Mark bei sich. Knirsch legte ein Geständnis ab. In der Verhandlung führt Landgerichtsdirektor Bitte! den Vorsitz, die Anklage vertritt Staatsanwaltschaftsrat Dr. N e e b, die Verteidigung übt Rechtsanwalt Dr. Elle aus.
Gefährliche Erlebnisse unter Wasser.
Die Taucher, die beim Hebungswerk des amerikanischen Unterseekreuzers „S. 4" beschäftigt waren, waren, wie Mr.D.Masters in fernem spannenden Buck; „Wenn Schiffe sinken" von gefahrvollen Bergungen berichtet, mehrmals in höchster Lebensgefahr. Der eine, der auf einer Plattform zwanzig Fuß unter der Wasseroberfläche arbeitete, merkte plötzlich, daß das Luftloch seines Helmes, durch das bei der Zu fuhr die Luft entweichen muß, verstopft war. Infolgedessen blies die überschüssige Luft seinen lau- cheranzug auf wie einen Ballon, seine Arme waren von der Lust wie eingemauert und standen unbeweglich nach oben. Glücklicherweise bemerkte einer der andern Taucher feine hilflose Lage, und auf Notsignale zogen ihn seine Kameraden in rasender Eile nach oben Ein anderer Taucher geriet beim Hinablassen anstatt auf das Deck des Wracks bis zu den Schultern in Morast, und ein Dutzend Männer zogen an feiner Rettungsleine, um ihn nach oben an die Luft zu bekommen. An hervorspringen- den Ecken des Wracks verwickelte sich dabei das Tau und der Luftschlauch und er blieb kopfüber gefangen hängen. Ein Kamerad fand ihn schließlich beim Licht seiner Laterne, und es gelang ihm, ihn unter eigener Lebensgefahr durch Absägen der Hemmnisje aus Metall und Eisen zu befreien. Er erhielt die Rettungsmedaille für feine Tat. Auch der Unfall eines andern, der durch mißverständliches Anstellen aller Pumpen an Bord beinah durch den furchtbaren Wasserdruck umgetommen wäre und den schon die Sinne verließen, als er gerade noch das Rettung heischende Signal, das jeder Taucher als erstes lernt, hinaufsenden konnte, wäre beinah tödlich verlaufen. Welchen verhängnisvollen Unfällen Taucher ausgesetzt sein können, beweist das Schicksal der bei Bergung der „Celtic" Tätigen, die 1928 bei Queenstown gescheitert war. Es war damals nach unbekannt, daß Getreide bei der Gärung im Wasser gefährliche Gase abgibt, und so mußten bei der He», bung des Schiffes, das eine solche Ladung barg, zwei Taucher ihr Leben lassen, während sechzehn andere schwer betäubt aus dem Laderaum gerettet werden konnten. Wohl zu den schwierigsten He» bungswerken gehörten die Bergungsarbeiten an den Schiffen der deutschen Flotte in Scapa Flow. Eines der größten Schiffe dort, die „Moltke, bot der He- bung außerordentliche Widerstände und Schwierigkeiten. Zuerst mußten Taucher jeden kleinsten spalt, jedes verborgene Loch oder Leck mit Zement vcr-
Wirtschaft.
Oie Deutsche Reichspost im Jahre 1932
Die Reichspost legt ihren Bericht über das Jahr 1932 vor, der eine Fortsetzung des seit 1929 anhaltenden Derkehrsrückganges während der ersten acht Monate des Jahres 1932 in fast allen Betriebszweigen verzeichnet. 3n den Monaten September, Oktober und Rovember hat sich indessen in einigen Dienstzweigen eine über das jahreszeitliche Maß hinausreichende geringe konjunkturelle Verkehrsbelebung bemerkbar gemacht. Die Der- kehrsrückgänge sind meist zum Stillstand gekommen und sogar zum Teil durch mäßige Derkehrs» zunahmen abgelöst worden. Der Weihnachtsund der Reujahrsverkehr ist gegenüber dem Vorjahr in beachtlicher Weise gestiegen.
Der Gesamtverkehr in der Zeit von 3a- nuar bis Rovember 1932 blieb gegenüber dem Verkehr im gleichen Zeitraum 1931 erheblich zurück. Vermindert hat sich u. a. die Zahl der Telegramme (minus 20,3 v. H). der Einschreibsendungen (minus 16,6 v. H.), der Gespräche (minus 10,4 v. H.), der gewöhnlichen Driefsendungcn (minus 6,8 v. H.), der Zahlkarten und Postanweisungen (Stückzahl minus 6,7 v. H., Betrag minus 17,2 v. H.) und der gewöhnlichen Pakete (minus 5,1 v. H.). Die Zahl der Sprechstellen ist um 5,9 v. H. gesunken.
Der Kraftpostreiseverkehr hat sich gegenüber 1931 verwindet. Gegenwärtig werden rund 130 Kraftpostlinien gemeinsam mit der Reichsbahn betrieben. Das Luftpostnetz umfaßte im Sommer 1932 92 Linien und verband Deutschland mit fast allen Ländern Europas. Im Postscheckver- k e h r ist die Zahl der Postscheckkvnten von 1 012 961 (Ende Dezember 1931) auf 1 021 409 (Ende November 1932) g e ft i e g e n. Auf diesen Konten wurde in den Monaten Januar bis November ein Gesamtumsatz von 94,2 Milliarden Mark erzielt. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich ein Verkehrsrückgang von 19,1 Milliarden Mark beim Umsatz. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer hat um eine Viertelmillion zugenommen. In den letzten drei Monaten des Jahres bat die Schrumpfung der Einnahmen keine Fortschritte mehr gemacht. Das vorläufige Ergebnis für Dezember kann im allgemeinen als befriedigend angesehen werden. Die Post hegt die Erwartung, daß die günstigere Verkehrsentwicklung der letzten Zeit sich in den kommenden Monaten fort- setzen wird.
Berlin überwiegend fester.
Berlin, 13. Ian. (WTB. Funkspruch.) Die Tendenz war im Hinblick auf die Ausführungen Prof. Warmbolds im Haushaltungsausschuß des Reichstages und auf die Rede Dr. L u - thers in Breslau ausgesprochen freundlich. Ein Vierteljahresbericht der Niederrheinischen Ruhrkammern hinterließ gleichfalls einen guten Eindruck. Im übrigen lagen kaum Anregungen vor. In Neu- york waren auch in Deutschen Bonds verschiedentlich Realisationen erfolgt. Das Geschäft in Aktien war im allgemeinen klein, doch nahm die Spekulation, die gestern etwas vorgegeben hatte, Deckungen vor.
Montane eröffneten unregelmäßig. Durch Festigkeil fielen Gelsenkirchen, Laurahütte und Maximi- lianshütte auf. Im Verlaufe erholten sich Harpener nach den Rückgängen der letzten Tage um 2 Prozent. Gelsenkirchen stiegen weiter bis auf 55 Proz. Von Braunkohlenwerten waren besonders Rheinische Braunkohlen anhaltend fest und 6‘A Prozent über Vortagsstand. Von Kaliwerten lagen Westeregeln insgesamt 2% Prozent höher. Am Markt der chemischen Werte waren Farben angeboten, doch fand das herauskommende Material Unterkunft, da Deckungen nötig wurden. Der Kurs blieb gut behauptet. Goldschmidt waren dagegen beinahe VA Prozent gedrückt. Linoleumwerte tendierten unregelmäßig, ebenso Elektroaktien, bei denen allerdings Besserungen überwogen. HEW. und RWE. waren bis zu 2% Prozent gesteigert. Gaswerke lagen uneinheitlich. Von Kabel- und Drahtwerten waren Deutsche Telephon und Kabel 1A Prozent gedrückt. Von Autoaktien gewannen BMW. etwa 2 Prozent. Maschinenfabriken lagen schwächer, Berlin Karlsruher verloren 2 Prozent. Metallwerte bröckelten ab. Bauwerte gewannen bis zu 1 Prozent. Kunstseideaktien tendierten schwächer, Bemberg verloren auf die Erhöhung des Verlustes im Jahre 1932 mehr als 3 Prozent. Bremer Wolle gewannen XXA Prozent. Zellstoff Waldhof VA Prozent. Braue- reien lagen schwächer, Dortmunder Union büßten 4'A Prozent ein. Von Wasserwerken waren Wasser Gelsenkirchen VA Prozent fester. Verkehrswerte lagen gut behauptet, Hamburg-Süd wurden 8 Prozent höher taxiert. Banken tendierten freundlicher, Reichsbank gewannen VA Prozent, sonst zogen Deutsche Atlanten um VA Prozent an, während Tietz schwächer lagen.
Von Anleihen waren Neubesitz und Schutzgebiete sehr fest, auch Altbesitz gewannen im Verlaufe 'A Prozent. Auch die übrigen Renten blieben gefragt und fest. Von Ausländern, die allgemein freundlich lagen, gewannen Lissabonner Stadtanleihen erneut 2 Prozent.
Am Geldmarkt blieb auch heute die Situation völlig unverändert. Tagesgeld stellte sich an der unteren Grenze auf 4% bzw. 4A Prozent. Die Nachfrage nach Privatdiskonten war angesichts des bevorstehenden Medios nicht so groß wie in der letzten Zeit. Reichswechsel per 10. April und Reichsschätze per 16. Juni blieben gefragt.
Frankfurt:
Renten fest, Aktien nachgebend.
Frankfurt, 13. Ian. (WTB. Drahtmeldung.) Auch an der heutigen Börse konzentrierte sich das Interesse der Spekulation wieder auf den Rente n m a r k t, an dem die Ausführungen des Reichswirtschaftsministers im gestrigen Haushaltsausschuß des Reichstages, daß am Rentenmarkt keine weiteren Zwangseingriffe zu erwarten seien, anregte. Bei relativ lebhaften Umsätzen waren besonders Schutzgebiete gesucht und 0,50 v. H. höher, die Alt- und Neubesitzanleihe setzten je 0,13 v. H. ein und zogen später weiter an.
Der Elektromarkt war dagegen vernachlässigt und im Verlaufe meist schwächer. Aku verloren 1,25
Freitag, l’Jümiar (935
v. H. und Bemberg wurden etwa 5 v. H. niedriger tariert An den übrigen Marktgebieten war die Kursgestaltung bei fast völliger Geschäftsstille zunächst uneinheitlich. Etwas Interesse zeigte sich für Elektrowerte. Gelsenkirchen gewannen 1,50 v. H., die übrigen Werte meist von 0,25 bis 0,50 v. H. Am Ehemiemarkt eröffneten IG. mit 102,090 v. H. gut behauptet, später ging der Kurs aber auf 102 v. H. zurück. Scheideanstalt gaben 2,50 v. H. nach, auch Goldschmidt bröckelten bis zu 0,65 v. H. ab. Deutsche Anleihen lagen unverändert. Etwas niedriger setzten ferner Schiffahrtsaktien, Daimler, Deutsche Atlanten, Telegraph (minus 1,50 v. H.) und Holz, mann ein, wogegen Süddeutsche Zucker und Zell, stoff Waldhof |e 1 v. H., Zement Heidelberg, AG. für Verkehr und Gebr. Junghans bis zu 0 50 v. H. höher lagen. Reichsbank blieben auf dem erhöhten Niveau von 158 v. H. unverändert.
Im Verlause stellten sich am Aktienmarkt auf Rückdeckungen meist Besserungen ein. Das Ansatzniveau wurde meist wieder erreicht. IG. lagen darüber hinaus % Prozent höher. Deutsche Anleihen tendierten unter leichten Schwankungen meist nochmals etwas höher, auch fuäte Reichsschuldbuchforderungen waren im Verlaufe etwas fester. Am Rente n m a r k t lagen Gold- und Liquidationspfand' briefe wider Erwarten bis zu % Prozent niedriger, Kommunalobligationen blieben etwa behauptet. Stadtanleihen lagen nicht ganz einheitlich, doch zunächst ohne größere Veränderungen. Von fremden Werten lagen Lissabonner Stadtanleihen gesucht und etwa 1 Prozent hoher. Rumänen und Zolltürken waren weiter befestigt. Der Geldmarkt war weiter leicht, Tagesgeld war zu 3 Prozent unverändert.
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Gemeinden.
Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 14. Januar. Vorabend 4.45 Uhr; morgens 9; abends 5 und 5.40 Uhr.
Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 14. Januar. Freitag abend 4.25 Uhr: Samstag vormittag 8.30; nachmittags 5; Sabbatausgang 5.40. — Wochengottesdienst morgens 7.10; abends 4.30 Uhr-
Gcwinnaoszug
4. Klasse 40. Preuß.-Siidbeulsche (266. Preuß.) Slaals-Lotlcrie
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1. Ziehungstag 11. Januar 1933
3n der heutigen Dormittagszlehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen
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8 ©etoinnezu 3000 M. 214242 240138 252299 278400
8 Ä-wtnn« 6a 2000 HL 37602 123533 200579 382486
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48 @etDtnne ,n 800 92t. 20712 22177 22981 26383 46392 61782 96132 115134 157097 163457 189207 202680 220654 225077 228754 242351 270081
289209 323352 324196 332216 337116 338139
364736
42 Qetoinne >n 600 OL 94975 108264 111816
144413 150529 176924 217393 224976 250561
276829 280637 295908 303989 307388 337801
346457 347632 362429 366300 378535 378887
In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen
2 »ctolnnt go 100000 M. 61485
2 Gewinn« 4n 5000 W. 344595
2 Gewinne zu 3000 DL 14366
10 Gewinne zu 2000 M. 129083 150806 197393 260094 399157
24 @«tomne zu 1000 -m. 22098 43633 82600 97723 107654 15713.3 194867 205252 290659 312211 322676 370425
46 Sew.nnc zu 800 DL 22104 25781 37183 42374 48217 53169 67375 7071I 96926 127092 142361 143848 153063 170130 181919 198073 203821
214899 250152 250403 353328 380904 387679
48 Grwinn, ,u 500 M. 17848 57139 66097 89167 105886 125280 125298 136477 146732 154737
191330 194223 200118 227081 244060 263185
316730 339154 341592 356119 363840 368506
378554 399364
mauern, da man beabsichtigte, das ganze Schiff mit Luft zu füllen, es gleichsam wie einen Ball aus zublasen, damit es dann an die Oberfläche stiege. Diese Methode war damals noch neu; immer neue Lecks tauchten auf. Knopp vor dem Ziele entkam die Mannschaft nur mit Mühe einem furchtbaren Unfall an der großen Forth-Brücke, wo durch ein Mißverständnis das Wrack den Südbogen passierte, während die Schlepper den Nordbogen durchfuhren.
„Bis in die puppen.*
Die uns heute noch geläufige Redensart „bt8 in die Puppen", mit der wir eine sehr weite Entfernung und im übertragenden Sinne überhaupt eine lieber schrei tung des normalen Maßes bezeichnen. ist in ihrem Ursprung vielen, die sie anwenden, völlig dunkel. Sie ist mit der Entstehung des Berliner Tiergartens und mit seinem eigentlichen Schöpfer Knobelsdorff, dem genialen Baumeister Friedrichs des Großen, eng verknüpft. Auf Befehl seines Königs schuf er aus dem Wildgehege des Tiergartens einen Lustpark nach französischem Muster. 3n Hellen Scharen zogen von nun an die Berliner in den früher ft> unwirtlichen Tiergarten, um die neu angepftanzten, ausländischen Akazien zu bewundern, oder bis zur „Fasanerie", dem heutigen Zoologischen Garten, zu pilgern, wo die seltenen vom Rittmeister Chasot besorgten böhmischen Fasanen allgemeines Entzücken erregten. Gewichtiges Kopfschütteln und so manchem Witz riefen aber die sechzehn „Puppen hervor, mythologische Figuren, die Knobelsdorff am sog. „Großen Stern" zwischen den nach französischer Art gestutzten Hecken hatte auf ft eßen lassen. Diese Bildwerke, deren gelehrten allegorischen Sinn man nicht verstand, wurden viel besprochen. Aber nur rüstigen Spaziergängern war es möglich, ihre Tiergartenpromenade „bis in die Puppen" auszudehnen, denn die Entfernung vom Mittelpunkt der Stadt war groß und der Fußweg so sandig, daß man nur langsam und mühsam vorwärts kam. So entstand denn für eine weite Entfernung der Ausdruck „bis in die Puppen", und er wurde bald in witziger Weise auch im anderen als räumlichen Sinne gebraucht und erhielt aUmählich jene Ausprägung, die et noch heute hat.


