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Vornan von Gert Gothberg.
(Llrheberschuh durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.)
1 ftortieftung Nachdruck verboten
Das Fräulein lächelte freundlich auf ihre Frage und gab keine Antwort, sondern suchte das Vertrauen des Kindes gleich in erster Stunde zu gewinnen, was ihr auch bald gelang. Als Herr von Achern heimkchrte, war schon alles in bester Ordnung, denn die Mamsell hatte seinen Befehl auSgeführt und das Kinderzimmer hergerichtet, wo auch das junge Mädchen mit wohnen sollte.
So hatte sich alles ohne jede Unruhe für Frau von Achern abgespielt, sie war nicht im geringsten gestört worden, und dennoch haßte sie das Kind. Als ihr Gatte ihr dann gegenübersah, forschte sie in seinem undurchdringlichen Gesicht. Schweigend starrte er vor sich nieder. Plötzlich faßte er ihre Hand.
.Brigitte, die kleine Pia bleibt bei uns. Die wird als unsere Pflegetochter aufgezogen. Ich muß das Geheimnis der toten Frau wahren, doch ich bitte dich, mir in dieser Angelegeichrit dein Vertrauen zu schenken, wie du es doch bisher auch getan hast. Ich habe schwerwiegende Gründe für meine Maßnahme, doch nachdem die Unterredung heute so ausfiel, wie ich nicht gehofft und doch gefürchtet hatte, bleibt Pia Eichendorfs in Achern. Tu wirst dich damit abfinden, liebe Brigitte: die Kleine ist ein süßes Geschöpf. Daß ich bei dir auf so viel Widerstand stoßen würde, hatte ich, offen gestanden, nicht erwartet. Doch es ändert nichts an meinem Entschluß. Vielleicht kommt noch einmal die Stunde, wo ich dir alles sagen kann. Bis dahin vertraue mir, Brigitte."
Lothar von Achern strich sich mit der Hand leicht über die Stirn. In den Augen seiner Frau war plötzlich eine empörte Frage. Frau von Achern kleidete diese nach einer Weile in Worte:
„Deine Fürsorge für das fremde Kind ist ausfällig. So auffällig, daß die Frage nahrliegt, ob dir dieses Kind nicht näher steht?"
Herr von Achern stand auf.
»Deine Frage, — zu deiner Entschuldigung will ich annehmen, daß es nur eine Frage und nicht ein Verdacht ist — ist zum mindesten naiv. Tu mühtest mich besser kennen, Brigitte. Und doch mutz ich dir die Frage mit einem .Jawohl, die kleine Pia steht mir nahe*, beantworten, ohne dir eine weitere Erklärung geben zu können. Ich sage dir nur so viel: die Kleine ist ein anvertrautes Gut, ist das Kind eines Mannes und einer Frau, die uns ebenbürtig find — vielleicht beruhigt dich das etwas?"
In seinen Worten war zuletzt ein leiser Spott gewesen. Brigitte von Olgern reichte ihrem Mann die Hand. Sie war tatsächlich beruhigt. Cs war ihr nur ein unerträgliches Gefühl gewesen, datz vielleicht gar das Kind einer Landstreicherin hier bei ihr aufwachsen sollte.
„5>airn also mag das Kind dableiben, Lothar. Schlietzlich mutzt du am besten wissen, warum du es tust."
Er küßte sie: trotzdem blieb die Falte auf seiner Stirn.
.Du wirst dich also ein bitzchen mit um das Kind kümmern? Fräulein Dehmann ist sehr zu
verlässig, wie mir die Vorsteherin deS Instituts versicherte. Trotzdem, schon der Leute und der Bekannten und auch Harrys wegen."
Brigitte von Achern lächelte ihm zu, dann sagte sie:
»Ich will mir die Kleine täglich ein Stündchen ins Zimmer bringen lassen, damit sie sich etwas an mich gewöhnt."
»Wie darf sie dich nennen?" fragte er.
Sie sann nach.
»Vielleicht ,Tante'?" fragte sie dann.
Gr schüttelte den Kopf.
„Du hast dir stets ein Mädelchen gewünscht. Tie schweren Folgen von Harrys Geburt haben uns die Erfüllung dieses Wunsches versagt. Wie wäre es nun?"
Sie zuckte zurück, konnte aber dennoch die ab- wehrenden Worte nicht über die Lippen bringen, die sich ihr aufdrängten. So sagte sie:
„Das wollen wir heute noch nicht endgültig festlegen, Lothar. Vielleicht sorgt die Kleine selbst für das Richtige."
Herr von Achern küßte seine Frau. Sie hatten sich wieder zueinander gefunden.
Nachdem sie noch ein Stündchen verplaudert hatten, stand Herr von Achern auf.
„Ich bitte dich, Brigitte, bringe Harry den Sachverhalt schonend bei. Die Wildheit des Jungen macht mir Sorge. Auch er mutz natürlich nachgeben — Aufsässigkeiten von seiner Seite dulde ich auf keinen Fall."
«Sei unbesorgt. Er wird sich fügen.“
*
Frau von Achern sah gebannt in die dunkel- blauen Augen des Kindes. Etwas zog sie plötzlich zu dem Kinde. Sie trat näher. Tie kleine Pia sah sie furchtsam an. Da nahm Frau von Achern die Kleine auf den Arm, kühte das zarte Gesicht und sagte:
„Willst du mich liebhaben?"
Ernsthaft nickte das Kind.
„Du bist auch eine Mama?"
„Ja, mein Kind, ich will auch deine Mama sein."
Pia sah zur Tür. Groß, fragend ruhten die wunderschönen, seltsamen Augen auf dem Gesicht der eleganten Frau.
„Meine Mama kommt nicht?" Ein Zittern lag in der weichen Kinderstimme.
„Mama ist fortg^gangen, zu den Engeln, kleine Pia. Ich will dir das erzählen", sagte Frau von Achern und nahm das Kind mit sich.
Lothar von Achern aber stand zu gleicher Zeit mit dem Gemeindevorsteher an dem Grab, in das man die fremde Frau gebettet hatte. Er hatte alles angeordnet, bezahlt und erläutert, so datz die Sache ziemlich schnell abgewickelt war. Zudem war er der hiesige PatronatSherr, und was er bestimmte, hatte sowieso Geltung.
Er warf noch einen Blick auf das Grab und ging dann mit dem Vorsteher dem Ausgang des Friedhofs zu. Der Himmel sah grau und verhangen aus — es war, als hielte er nur mühsam die Tränen zurück, dieser graue, traurige Himmel.
Zweites Kapitel.
Harry von Achern verblieb bei seiner Abwehr gegen das kleine, schone Mädel.
»Niemals werde ich diese fremde Gör meine Schwester nennenI Wie kann Papa mir das anmuten!“
Das hatte damals der Junge gesagt, unb keine Strafe, keine Ermahnung fruchtete, heilte ihn
von feinem Trotz. Schließlich gab man es auf. Er tat dem Kinde nichts, er beachtete es aber auch nicht. Er wußte es sogar so geschickt einzurichten, daß man ihn nicht einmal tadeln konnte, wenn er auch zuweilen die kleine Pia noch haßerfüllt musterte, sobald er sich unbeobachtet glaubte.
Pia war sonst der Liebling aller. Die gesamte Dienerschaft vergötterte das Kind, Frau von Achern verleugnete es auch nicht, wie sehr ihr die Kleine nach und nach ans Herz gewachsen war. Herr von Achern aber machte überhaupt keinen Unterschied zwischen Pia und dem Sohn. T ie Bekannten und Freunde fanden die Anwesenheit der kleinen Pslegetochter des Achernschen Paares ganz selbstverständlich. Warum sollten sich die reichen Achern keine solche Extravaganz leisten können? Man fand das geradezu in Ordnung. Nur Harry, der schlanke, große Junge haßte das Kind, und gerade um seine Liebe warb die Kleine immer wieder. Wenn er den Eltern nach Tisch vorlas, dann saß das Kind ganz still, war froh, datz man vergessen hatte, es hinauszubringen, und sah unentwegt auf Harry. Einmal hatte es einen großen Strauh Feldblumen gepflückt, fie war mit ihrem Fräulein auf den Wiesen drüben gewesen. Harry schlenderte durch den Park, als sie zurückkamen. Er sah sie nicht eher, als bis beide dicht vor ihm standen. Ta hielt ihm Pia die Blumen entgegen, schmiegte ihr heißes Gesichtchen an seine Hand und bat:
„Nimm doch die Blumen, Harry."
Er rieb seine Hand am Anzug ab, als hätte etwas Schmutziges ihn berührt: dann packte ihn die Wut. Er nahm die Blumen, warf sie zu Boden und trat darauf herum.
Mit angstvollen Augen sah das Kind zu ihm auf. Es weinte, doch in den dunkelblauen Augen war ein Vorwurf, der ihn irgendwie peinigte. Aber er wollte nicht schwach werden diesem Kinde ■gegenüber, das alle in seinen Bann gezogen hatte. Wegwerfend sagte er:
„Albernes Gör!" und ging davon.
Pia aber las die Blumen zusammen, streichelte sie und sah hilflos zu Fräulein Dehmann auf. Tie schüttelte nur den Kopf und nahm dann das Kind bei der Hand, um es nach dem Schlosse zu führen.--
Zu Harrys Geburtstag stand ein Zimmer voll Blumen: Frau von Achern aber beobachtete, datz er Pias Blumen in den Papierkorb geworfen hatte. So sehr Hatzte er das Kind. Das tat ihr weh. Sie liebte ihren schönen, trotzigen Jungen, doch sie liebte auch das kleine, blonde Mädel, das so zärtlich die Arme um den Hals der stolzen Frau legte und sagte:
„Liebe, liebe, gute Mutti!"
Ter Winter war vorüber, und im Park roch es nach frischer Erde. Die Anemonen blühten schon, und die gelben Primeln wagten sich auch schüchtern hervor. Die Stare standen im Park, hatten Insekten im Schnabel und schauten sich mit klugen Augen um. Harry hatte am letzten Weihnachtsfest ein kleines Jagdgewehr bekommen, und er schotz in einem Winkel, wo er niemanden verletzen konnte, auf eine Scheibe. Auf einmal stand, wie aus dem Boden gewachsen, die kleine Pia neben der Scheibe, hielt ein Taschenmesser hoch und sagte mit ihrem feinen Stimmchen:
„Lieber Harrt), ich hab' dir das mitgebracht." Drüben aber rief Fräulein Betzmann ängstlich: „Pia, Pia!"
Dor Harrys Augen wallten rote Schleier —
et schoß! Was er wollte, wußte er nicht. Aut jene Schleier wogten, aus denen heraus der Hatz sich schälte.
Von der Scheibe her erklang ein Wimmern — Pia lag am Boden! Da kam auch schon die Pflegerin gelaufen, sank neben dem Kind in die Knie.
„Allmächtiger Gott, Herr von Achern, Sie haben auf das Kind geschossen?"
Ein wilder Blick aus seinen Augen traf fie. Jetzt kam ihm erst alles wieder zum Bewußtsein. Trotzig trat er zurück.
„Reden Sie keinen llnfinn! Was kann ich dafür, wenn das Gör neben der Scheibe auf taucht. Ich werde selbst meine Eltern verständigen."
Ohne einen Blick auf die ohnmächtige Kleine zu Wersen, ging er davon.
Als er seinen Eltern Bericht erstattete, sah Herr von Achern in die Augen seines Sohnes. Dann stürmte er ohne jedes Wort in den Park hinaus: gleich darauf trug er das Kind ins Schloß. Er telephonierte selbst nach dem Arzt. Ter versprach, sofort zu kommen. Händerin^nd stand Frau von Achern am Bett der kleinen Pia. Sie sah in das versteinerte Gesicht ihres Mannes und fragte dann mit schneeweißen Lippen:
»Lothar, um Gottes willen, du glaubst doch nicht, datz Harry — daß Harry — absichtlich — ?"
Er sah sie an, und sein Blick zerriß ihr das Herz. Leise weinend saß sie da.
Ter Kreisarzt kam, untersuchte die Kleine. Das zerschossene Knie gab ihm zu denken. Auf jeden Fall mußte das Kind in eine Chirurgische Klinik. Ob man dort das Bein vollständig würde heilen können, bezweifelte er. Er lieh sich den Vorfall erklären und machte sich Notizen, um Herrn von Achern Weiterungen zu ersparen. Darrn empfahl er sich, nachdem er versichert hatte, daß ein Krankenauto die Kleine abholen werde, beim ein Transport im gewöhnlichen Wagen fei nicht ratsam.
Der kleine, bewegliche Arzt ging, begleitet von Herrn von Achern, der sich von ihm verabschiedete.
„Ich will von dir jetzt wissen, ob du ein echter Achern bist oder nicht. Die Achern haben nämlich stets die Lüge und die Feigheit verabscheut. Wirst du mir also antworten?"
„Ja, Vater."
Herr von Achern trat ganz dicht vor feinen Sohn hin:
„Hast du — hast du Pia bereits neben der Scheibe gesehen, ehe du den letzten Schutz ab- gabst?"
Harry zuckte zusammen, dachte aber daran, daß er ein Achern war, und sagte:
„3a!“
Totenstille war im Zimmer, Herr von Achern war zurückgetreten. Verächtlich ruhte fein Blick auf dem Sohn.
„Das hast du fertig gebracht, — du? An dem armen, wehrlosen Kind wolltest du dich also rächen?"
Harry wollte schreien:
»Nein, Vater, so war es nicht. Ich habe sie nicht treffen wollen. Vielleicht nur erschrecken, ich weih nicht, was ich wollte. Ich war ohne Besinnung."
Doch er schwieg. Er war ein Achern. und die waren nicht feig. Der Vater aber würde ihn jetzt als einen feigen Menschen bezeichnen, wenn er sich derart verteidigte.
(Fortsetzung folgt.)
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