»Obwohl der am In- und Exportverkehr beteiligte deutsche Groh- und Lleberseehandel in wiederholten Erklärungen sich zur engen Verbundenheit mit der Landwirtschaft bekannt und ihre dauernde Sanierung, allerdings mit erfolgverspre. enden Mahnahmen, als eine der wichtigsten staatspolilischen Forderungen dieser Zeit immer wieder gefordert hat, hält es der Landbund für richtig, in einer Erklärung, die nach Form und Inhalt einer fachlichen Behandlung der Fragen abträglich ist, gegen die in der Export- Wirtschaft tätigen Wirtschastskreise heftige Angriffe zu richten. Unter entschiedener Zurückweisung dieser Angriffe hat der Rcichsver- band des Deutschen Grosz- und äleberseehandels in einer Eingabe an die Aeichsregie- rung gegen die offenbar in Aussicht genommenen Sofort Maßnahmen, insbesondere auf dem Gebiete des Vollstreckungsschutzes für die Landwirtschaft entschiedenen Einspruch erhoben. Es wird daraus hinge- wiesen, daß nach den verhängnisvollen, mit dem Dollstreckungssckuh, insbesondere in der Osthilfe, gemachten Erfahrungen der Rot der Landwirtschaft mit einer solchen Maßnahme nicht gesteuert werden kann. Lahmlegung jeder Initiative, schwere Schädigungen des Kredites der noch ge
sunden Träger der Landwirtschaft sind mit Sicherheit zu erwarten. Die Regierung wird eindringlich davor gewarnt, sich ohne eingehende vorherige Fühlungnahme mit allen beteiligten Kreisen zu Maßnahmen dieser Art drängen zu lassen."
Unterredung Straßer-Brüning?
Berlin, 13. Jam (CRV-Funlspruch.) Laut „Vossischcr Zeitung" soll Gregor Straßer während der Wehnachtsfeiertage mit Dr. Brüning eine Unterredung in Trossingen bei Freudenstadt gehabt haben.
Hitler gegen Stegmann.
München, 12. Ian. (TU.) Wie die „RSK." mitteüt, hat Adolf H i t l e r an den seines Postens enthobenen fränkischen SA. - Führer Wilhelm S t e gm a n n - Schil ingsfürst felgendes Telegramm gesandt: „Da Sie trotz meiner Ihnen persönlich gemachten Verwarnung sich abermals in schwerster Weise gegen die Parteiinteressen vergangen haben, bestätige ich nicht nur die vom Stabschef Röhm bereits ausgesprochene Enthebung von ihrer Dienstste'lung, sondern erkenne Ihnen auch strafweise Ihren D i e n st r a n g ab. Adolf H i 11 e r.“
Die Obersten-Oikiaiur in Polen.
Kronprinzenprobleme. — Wer wird pilsudskiö Erbe antreten?
Von unserem l).-Korrespondenten.
Warschau, 5. Januar 1933.
Seit der Silvesternacht hat Polen seinen Sturm im Wasserglas. Ein englischer Rundfunkansager hat in der Jahresübersicht, die der großen „Ansprache an alle Völker des englischen Weltreichs" aus dem Munde des englischen Königs vorausging, festgestellt, daß der Frieden solange nicht einkehren könne, als z. B. Polen mehr als ein Drittel seines Staatshaushaltes für die Aufrüstung seiner Wehrmacht a u 5 g e b e. Die Wahrheit verletzt immer am meisten, wenn man etwas verheimlichen will, und so vermag man zwar die Richtigkeit der englischen Behauptung nicht zu leugnen, entrüstet sich jedoch umso mehr über die „britische Anmaßung", die „sich mit heuch'-^'der Moral über die Staatsnotwendigkeiten des von allen Seiten bedrohten Polen hinwegsetzt und dem Trommelfeuer der deutschen Revisionspolitik kostenlos vergiftete Munition liefert." Schöner kann man es gar nicht sagen, als mit diesen Sätzen des halbamtlichen polnischen Organs. Aber auch das ganzamtliche Polen fühlt sich scheinbar an seiner Achillesferse gekitzelt, denn mit Genugtuung verzeichnet man, daß der polnische Botschafter in London — seit einigen Jahren unterhalt man gegenseitig in London und Warschau Vollbotschasten — eine ernsthafte Demarche unternommen hat, und daß ihm alle notwendigen Garantien gegen die Wiederholung eines solch fluchwürdigen Vorgangs gegeben worden seien. Schade, die englischen Zeitungen, die soeben hier ankamen, wissen nichts von „Entschuldigungen" und „Garantien", sondern sie sind voll überlegenem Spott über das „bebende polnische Froschherz unter der klirrenden Ritterrüstung". So wird man denn in den nächsten Tagen wieder einmal, gesteigert durch die Vorliebe der Warschauer für Pose und Theatralik, die Platte vom „perfiden Albion" und dem „süßen Frankreich" vernehmen. Sturm im Wasserglas, weil einer dieWahrheit gesagt hat, und diese Wahrheit angesichts des Bauernelends und der Jndustrieverarmung wehe tut
Polen lebt seit 1926, seitdem Marschall Pil° s u d s k i, unterstützt von englischem Gelde, seine Legionäre gegen das „Belvedere" führte, unter der Diktatur. Jede Diktai • hat ihre Probleme eigener Art. Das wichtigste ist das des „Kronprin- zentums", also der Nachfolge. Von ihm sei heute einmal die Rede. Was weiß man in Westeuropa, aber auch in Deutschland viel von Pil- sudski. Die einen halten ihn für einen zweiten Mussolini oder Kemal Pascha, in London habe ich es dagegen erlebt, daß man ihn von einer durchaus
autoritativen Seite als einen „bösartigen Greis mit allen Anzeichen fortschreitender Paralyse" bezeichnete. Nun, das eine ist so falsch, wie das andere. Weder ist Pilsudski der große und überragende Staatsmann, zu dem man ihn gerne stempeln möchte, noch ist er ein vertrottelter Greis, der nicht mehr weiß, was er tut. Zwar liegen gewisse Zor- nesausbriiche gegen den Sejm und die Parlamentarier vor, die eine deutsche Zeitung nicht wiedergeben kann, will sie sich nicht Herrn Bracht wegen Verletzung der Moral auf den Hals ziehen. Aber hier bedient sich der Marschall nur der derbsaftigen Volkstümlichkeit der slawischen Sprachen, in denen man sich bekanntlich bei geringfügigen Anlässen Dinge an den Leib wünscht, vor denen man in Paris und Berlin, von London ganz zu schweigen, auch heute noch errötet.
Pilsudski ist „erst" 66 Jahre alt. Aber das war für Bismark immerhin das Alter feiner höchsten staatsmännischen Reife. Und seit der großen Madeirareise vor rund zwei Jahren ist Pilsudski kerngesund. Wenn er weniger an die Oeffent- lichkeit tritt, als früher, so liegt das wohl an der großen Menschenverachtung dieses Revolutionärs, dem alle Ideale seiner Jugend bis auf die Tatsache des unabhängigen polnischen Staates an der Unzulänglichkeit der menschlichen Charaktere gescheitert sind. Und doch bleibt die „Kronprinzen- fr a g e" der Diktatur das große Problem. Stalin, Mussolini, Kemal, sie stehen in der Vollkraft ihrer Jahre. Pilsudski mag noch ein Jahrzehnt leben, was aber dann? Der Bolschewismus, der Faschismus, selbst der Kemalismus, das sind Systeme und Ideen. Hinter Pilsudski aber steht nur der Wille eines einzigen Menschen, oder allenfalls der Wille einer kleinen politischen Gruppe.
Pilsudski hat das Kernproblem der polnischen Diktatur längst erkannt, und im „Regime der D b e r ft e u", wie die Opposition die derzeitige Regierung Polens nennt, zeigt es sich zur allgemeinen Ueberraschung, daß Polen ja gar nicht von „allen Männern mit Greisenbösartigkeit" beherrscht wird, sondern daß es wohl in der ganzen Welt nicht wieder so jugendliche Staatsführer gibt als gerade in Polen. Lediglich der Ministerpräsident P r g ft o r und sein Vorgänger, der Chef der Regierungspartei, Oberst S l a w e k, stammen noch aus der eigentlichen „Pilsudskizeit", das heißt, sie haben mit ihrem Herrn und Meister gegen den Zarismus gekämpft, sie haben den Strang gestreift oder den bitteren Gang nach Sibirien antreten müssen. Sie stammen aus der Arbeiterbewegung des Vorkriegs, und sie werden ein gewisses Einfühlungsvermögen in die Seele des einfachen Volkes besitzen. Es fei denn,
Die verzauberte Stadt.
33cn Kurt Henschel.
In vielen ehemaligen deutschen Städten hat sich mancherlei gewandelt feit dem Kriegsende, doch ihre Seele und Gestalt find im großen und ganzen unverändert geblieben; das Gesicht von Straßburg oder Bozen zeigt heute noch ebenso vertraute deutsche Züge wie das von Dirschau oder Swalop- mund 9tur eine macht eine Ausnahme und läuft Gefahr, von ihren Schröpfern vergessen zu werden.
Es war an der Chinaküste. Ich war ganz auf China eingestellt, und um so größer rouroe daher meine Ueberraschung, als am westlichen Horizont des Gelben Meeres statt der gewohnten baumlosen, melancholischen Ebenen oder nackten Felsen bewaldete Berge emportauchten. Ganz deutsch wurde der Eindruck, als uns in einer malerisch gelegenen Meeresbucht, auf einer schmalen Landzunge, ein Meer von roten Ziegeldächern entgegenleuchtete. Anmutige Villen deutschen Stils blickten von kiefern- bestandenen Hügeln auf den Ozean hinaus. In einem großen Hafenbecken mit gemauerten, sauberen Kaianlagen und Speichern, Ladekränen und Eisenbahnschienen machten wir fest. Ich schritt über tadelloses Straßenpflafter der Stadt zu. Eine alte preußische Krümperdroschke mit zwei ebenso alten schlanken Schimmeln, vermutlich ostpreußischen Geblüts, wackelte vorüber. Darin hockte zwischen Kisten und Kasten eine japanische Auswandererfamilie. Ich überquerte einen Bahndamm, der richtige Schranken hatte, und sogar die bekannte Tafel stand da, welche das Betreten des empfindlichen Bahnkörpers zu verbieten hat. Das vertraute Wort „Verboten" konnte ich aber nicht entziffern, denn die Schrift war chinesisch. Der Bahndamm (der Schantungbahn) sah gepflegt aus, wie nur ein deutscher Bahndamm aus- sehen kann, mit Rasen belegt und von Sträuchern umgeben. Dann kam ich an einem freundlichen Gasthof mit Ausspannung und Kegelbahn vorbei. Der sah feine frohen Gäste mehr; Rinderfelle waren dort aufgestapelt. An einem andern einladend und deutsch aussehenden Gasthause stand „International Bar" angeschrieben, und russische Mädchen sagten lächelnd „come in". Die Straßen dieser sonderbaren Stadt waren mit schlichten ein- und zweistöckigen Häuserreihen eingefaßt, wie sie in deutschen Kleinstädten üblich sind. So recht heimisch konnte ich mich ober hier nicht fühlen, überall störten die Menschen und manches andere das sonst so vertraute Bild. Nirgends lugte ein Blondkopf hinter sauberen Gardinen und Blumentöpfen neugierig auf die Straße,
sondern hinter kahlen Fensterscheiben häßliche gelbe Gesichter mit Schlitzaugen. Breite Torbögen führten zu geräumigen Hinterhöfen, die jetzt mit windschiefen Holzbuden verkleistert waren, zwischen denen es von schmutzigen Chinesen wimmelte. In den deutschen Wohnungen war es ihnen wohl zu hell und luftig, oder gibt es auch hier Wohnungsnot? Auch die Menschen auf der Strafte kontrastierten eigenartig zu der deutschen Kleinstadtumgebung. Mehr oder weniger zerlumpt aussehende Männer trugen lange Zöpfe. Frauen stelzten steif und unbeholfen auf faustgroßen spitzen Füßchen, ein Kind im Sacktuch auf dem Rücken und manchmal noch eins auf der Brust. Für ihre Armut sprach, daß sie sich nach jeder verlorenen Erbse oder Kohle bückten. Tiefes Mitleid erregten kleine Mädchen, welche mit schmerzverzogener Miene, auf den Hacken trippelnd zu spielen versuchten, die Füße waren ihnen jedenfalls erstmalig zu kleinen Klumpen verschnürt wor- oen. (Glücklicherweise macht das fortschrittliche, intelligentere Südchina die scheußlich? Mode der Fuß- verkrüppeluna und auch die des Zopftragens nicht mehr mit.) Weiterhin klapperten auch niedliche Japanerinnen in bequemen Pantoffeln und im ebenso bequemen Kimono daher. Wie diese verzauberte deutsche Kleinstadt im Fernen Osten, deren Anblick ich wie einen seltsamen Traum empfand, eigent ich beißt, brauche ich wohl nicht mehr zu verraten. Die langweiligen Kleinstadtstraßen von Tsingtau gönne ich den Chinesen und Japanern, nicht aber, was ich von dem dahinter liegenden Rücken der Bismarckberge aus erblickte; die sanft abfallenden Berghänge hinab bis zu der von hohen Bergen und grünen Inseln eingerahmten Arkona-Bai zwischen Kiefern- und Birkenwäldchen, inmitten schöner Gärten Villa an Villa, an einer eleganten Strandpromenade eine stolze Front von modernen Hotel- und anderen Bauten; bizarr geformte braune Felsen und Klippen am Ufer, aber auch ein breiter flacher Badestrand, dahinter bunte Badehäuschen, ein großes .Kurhaus und anschließend eine Pferderennbahn. Darüber leuchteten weite Schneeflächen vom nahen Lauschangebirge, dem beliebtesten Ausflugsziel der Tfingtauer. Erinnerungen an die letzten deutschen Tage Tsingtaus in Gestalt von zerschossenen Kasematten, ebensolchen Kanonen und einem großen, schönen, vortrefflich instandgehaltenen Heldenfried- hos dämpften die Freude an dem herrlichen Landschaftsbild. Auf dem Wasser schaukelten jetzt chinesische, japanische und amerikanische Kriegsschiffe. Vor einer Kaserne übten chinesische Soldaten.
Die gegenwärtige Besitzverteilung in Tsingtau zeigten mir die verschiedenen halbmast wehenden
auch ihnen hat die Menschenverachtung den Begriff des Staates über das Wohl des Volkes gefetzt. Sie sind zur unpersönlichen, staatlichen Härte ausgewachsen, die meist das Schicksal der Fürsten und Staatsmänner ist, deren Jugend reich war an volk- haftem Gefühlsüberschwang. Siehe Friedrich der Große, Metternich, Bismarck, Lenin.
Hinter den wenigen Säulen dieser revolutionären Generation aber ist Polen unmittelbar die „junge Generation" in die Verantwortung ausgerückt. Der Außenminister, Oberst Beck, ist 38 Jahre alt. D-r Innenminister, Oberst P i e r a rf n , ist ein halbes Jahr jünger. Aber auch der Pressechef, Oberst Matusczewski, wird erst 39, und die Zahl der einflußreichen und verantwortlichen Persönlichkeiten unter 40 ist Legion. Pilsudski hat Armee und Staatsverwaltung ganz außerordentlich verjüngt, und bis jetzt hat der Staat keineswegs darunter gelitten. Die meisten der heute Verantwortlichen waren 1914 noch junge Studenten, die keine Gelegenheit mehr hatten, die schwierigen sozialen Probleme des polnischen Volkes kennenzulernen, sondern die vom Hörsaal hinweg in die „Polnische Legion" eingetreten sind. Sie können führen, befehlen, Verantwortung tragen, solange Pilsudski lebt. Was aber wird sein, wenn er einmal ausgefallen ist. Polens Zukunft hängt von drei Grundbedingungen ab:
1. der Verständigung mit dem wiedererstarkenden Deutschland,
2. der gerechten Eingliederung der Minderheiten,
3. der Verschmelzung der sozialen Forderungen des verarmten Volkes mit den nationalen
Notwendigkeiten des Staates. Diese Probleme werden akut, wenn die Pilsudskische Zentralautorität fehlt. Werden die jungen Obersten, die bisher nur Gehorsam und Befehl kennengelernt haben, diese Probleme meistern? Wo sie Pilsudski bisher nicht einmal meisterte, ja kaum anzupacken wagte!
Einstweilen glaubt man, wie die Einleitung dieses Brieses bekundet, mit Bajonetten auskommen zu können. Zur Jahreswende, und damit die englische Feststellung unterstreichend, hat der Marschall den bisher privaten Schützenverband „Strzelec", ein Mittelding etwa zwischen Stahlhelm und SA., bedingungslos Pilsudski ergeben, beauftragt, d i e offizielle polnische Staatsmiliz zu organisieren. Der Oberkommandant des Strzelec ist gleichzeitig Heeresgeneral geworden und mit der stellvertretenden Leitung des Staatsamtes für Jugendertüchtigung betraut worden. Mit dieser Maßnahme aber scheidet bereits Pilsudski alle deutschen und ukrainischen Elemente aus der nationalen Verteidigung Polens aus. Dieser Neujahrserlaß wird sich noch als Sprengpulver erweisen und dem eigentlichen Zukunstsprvblem Polens, der Pilsudskischen Nachfolge und der Schaffung eines nationalsozialen, alle Minderheiten einbeziehenden polnischen Staats- aedankens, verbaut er geradezu jegliche Losung. Hat England wirklich recht, wenn es vom „bebenden Froschherz in klirrender Ritterrüstung" spricht? Nun, militärisch möge man um Gottes willen in Deutschland Polen nicht unterschätzen, politisch und wirtschaftlich aber liegt Polens Zukunft allzu sehr auf der Schneide des Schwertes, als daß diese Zukunft gesichert märe.
Aus aller Wett.
2 Jahre sechs Monate Gefängnis für Hummel.
Freiburg, 12. Ian. (TU.) Am Donnerstag gegen 21.30 Uhr verkündete der Vorsitzende im hummelprozeft folgendes Urteil: Der Angeklagte wird wegen zwei Verbrechen, des Betruges im Rückfall im rechtlichen Zusammentreffen mit einem verbrechen der Urkundenfälschung und einem verbrechen nach § 272 (vergehen wegen falscher Ramensannahme) zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Zwei Mo- nate Untersuchungshaft werden angerechnet. Gleichzeitig werden dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt.
Der Staatsanwalt hatte drei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust beantragt. In seinem Plädoyer hob er hervor, daß schon ein gutes Stück von Vertrauensseligkeit und Einfalt dazu gehört habe, das Unglaubwürdige der angeblichen Daubmann- schen Erlebnisse niederzuschreiben. Die Tat Hummels könne nur als niederträchtig gebrand- markt werden. Hummels Tat habe dazu geführt, daß bas Auswärtige Amt in sehr weitgehender Weise seine Entschuldigungen in Paris habe Vorbringen müssen.
Der Verteidiger bezweifelte überhaupt die Frage, ob Hummel sich bei seinem Auftreten in Deutschland eines Betruges schuldig gemacht habe. Die Dinge seien an Hummel herangetreten, und er habe schließlich so und nicht anders handeln können. Er bat für seinen Mandanten um eine milde Strafe. Das gleiche erbat S) u m m e 1 in seinem Schlußwort.
In seiner Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, daß die Handlungen des Angeklagten außerordentlich gemein gewesen seien. Das Gericht habe aber trotzdem st r a f m Lider n d e Umftänbe zugebilligt, weil dem Angeklagten eine moralische Minderwertigkeit zugesprochen werden müsse. Strafmildernd sei weiter gewesen, daß ihm verschiedene Personen kritiklos ihre Autorität zur Verfügung gestellt und ihn zum Verufsmärtyrer gestempelt hi tlen.
Die Abnahmefahrt des Panzerschiffes „Deutschland".
Die Abnahmefahrt des Panzerschiffes „Deutschland" wird am 27. Februar von Kiel aus beginnen und durch den Nordostsee-Kanal gehen, wonach das Panzerschiff dann in Cuxhafen ankern wird. Am
28. Februar wird die „Deutschland" mit einer Abnahmekommission an Bord nach Wilhelmshaven fahren. Während dieser Fahrt müssen die vertraglich vorgesehenen Bedingungen erfüllt werden. In Wilhelmshaven wird die „Deutschland" den Standproben unterzogen werden. Am 1. April um 10 Uhr werden Flaggen und Wimpel gehißt. Zwei Stunden später, um 12 Uhr, wird das Panzerschiff „B" von Stapel laufen.
Wieder drei Tote der „Niobe" geborgen.
Ron dänischen Schissern wurden in der Röhe der Anter.-an--stelle les Segels, u schisses „Riobr" wieder drei Tote geborgen, bei denen es sich um Opfer der „Riobe" handeln dürfte. Die Leichen wurden von den Fischern beim Feuerschiff „Fehmarn Belt" abgeliefcrt. Ron dort w-erden sie nach Kiel übergeführt.
Begrüßung der „Ruhr" im Hamburger Hafen.
QIn Bord dem im^Harnburger 5-a'en eingelau- fenen Hapag-Mo osichi'fes „Rühr' wurde die Remannung, die an der Rettung derSchi f f- b r ü ch i g e n d e r „A t l a n t i q u c' io tallräslig m7 gewirkt hat, von den Vertretern des Senats und der Reederei offiziell begrüß'. Tiirgerm: ß r Roß richtete W.likommenbg.iiße und Dar c5- worie an die Besatzung. Er überreichte a. schli:'- ßend c:ne vom Senat gestiftete älsiunbe. Der f a- piiän nahm die älrlunde entgegen und erwiderie im Ramen der an der Rettung Reteit'gten: di: Tat fei eine Selbstverständlichkeit gewesen; jeder Mann habe nur seine Seemannspslicht getan. 2lls dritter sprach der französifche Senevattonsul S a u g o n. In einem von einem 5)eern des Ko sulcrts verlesenen Schre ben kommt bx herich: Anerkennung Frankreichs für die Tat der i'-cv. - sch en Seeleute zum Ausdruck. Es sei -.u wünschen und zu hoffen, daß d'eser Seist der Kamerat schast und der Hil^sberei'ttchaft, d:n die Mannschaft der „Ruhr" b Wielen hebe, auch die 27a'ionen cr'üsie und die Freunscha'.sbande enger schließen he.se.
367 Leichen von Krieasteilnehmern bei Amtens gefunden.
In der Gegend von Amiens sind 337 Leichen von Kriegsgefallenen ge unten worden. 49 deuts' e und 93 französische Kampsteilnehmer konnten identifiziert werden.
Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst B l u m s ch e i n.
Fahnen: es war gerade eine japanische Prinzessin gestorben. Auf den schönsten und meisten Gebäuden und Dillen war es die japanische, auf Kasernen, Lazaretten und ähnlichen Anstalten die fünffarbige chinesische, über dem deutschen Konsulat flatterte die schwarzrotgoldene Flagge. Neben einigen hundert Europäern, unter denen die Deutschen an zweiter Stelle hinter den Nüssen stehen, sind in Tsingtau etwa 13 000 bis 14 000 Japaner und schätzungsweise 60 000 Chinesen ansässig, im Monat 9uli erscheinen durchschnittlich tausend "fremde Badegäste. Die Japaner besitzen eigene Polizei und Gerichtsbarkeit.
Wenn auch der Verlust von Tsingtau immer noch schmerzt, obwohl die Zeit für fremde Besitzungen in Cbina vorüber ist, — das deutsche Wirken dort trägt reichen Segen. Ein schöneres Kulturdenkmal hat im Fernen Osten keine andere Nation. Dafür, daß es einstweilen unvergänglich ist, sorgt in seinem be- tannten Nachahmungstrieb der Japaner, der dort überall als Unternehmer auftritt, die deutschen Anlagen zu erhalten sucht, im gleichen bewährten Stile weiterbaut und sogar die Wälder neu aufforftet. Tsingtau bleibt also der beste Platz im Fernen Osten, welchen Ruf es allgemein an der Chinaküste genießt.
Das porzelkanhaus.
Wer im Glashaus sitzt, darf bekanntlich nicht mit Steinen um sich werfen; wer aber in dem modernen Porzellanhaus sitzt, das jetzt in Cleveland in Ohio als das erste seiner Art errichtet wurde, der hat nichts zu befürchten. So wird wenigstens in den in Chicago erscheinenden „Populär Mechanics" versichert, in denen ein verlockendes Bild dieses an der Ranking-Pagode einstmals erprobten Daustils entworfen wird. In Wahrheit ist der Bau ein Porzellan-Stahlhaus, dessen Rahmenwerk aus Stahl besteht, dessen Mauern und Dach aber außen mit Porzellan-Stahl-Ziegeln bedeckt ist, die nach einer neuen Methode angefertigt sind. Die Porzellandecke der Ziegel ist, wie es heißt, von unbeschränkter Dauerhaftigkeit. Sie kann leicht gereinigt werden und bedarf keiner zeitweisen Erneuerung wie die Fassaden gewöhnlicher Häuser. Das Porzellanhaus kann in jeder Farbe, die wir auf unseren Tischservicen finden, erstrahlen. Das Musterhaus in Cleveland weist an seinen Wänden den Ton von Sandsteinen auf und wird durch zwei breite grüne Streifen oben und unten verziert. Das Dach zeigt drei verschiedene Ruancen von Rraun. Proben haben gezeigt, daß das Porzellan-Stahl-Baumaterial je
dem Grade der Kälte oder der Hitze standhalten kann und daß die Porzellanob^rflache kaum verletzbar ist. Eine auf eine Entfernung von 3 Metern gegen einen Porzellanziegcl abg .feuerte Flintenkugel hinterließ nur eine leichte Schramme. Man glaubt, den Porzellanhäusern eine Lebensdauer von 100 Jahren prophezeien zu können. Die Kosten des in Cleveland errichteten Hauses betragen 15 000 Dollar. Eine Verbesserung der Daumethode und die Erzeugung der Ziegel in Massenproduktion soll zu einer beträchtlichen Verbilligung führen. Vesonders viel verspre.;en sich die Pioniere des neuen Baumaterials von seiner Eignung für den Umbau alter Häuser. Verwitterte und unmoderne Häuser können durch Aeber- beden der Wände und des Daches mit Porzellanziegeln ein völlig neues Aussehen erhalten.
— „Deutsche Zeitschrift" (Callwey. München.) — Das Januar-Heft bringt u. a. einen Aussatz „Reichsidee und Staatsidee" von Prof. Heinrich von Srbif, dem bekannten Historiker, der den Jdeen- qegensatz von Reich und Staat in seiner ganzen Tragweite enthüllt. Max Clauß untersucht die Stellung und politische Bedeutung des „Deutschen Südens im Reich"; Hanns Braun vermittelt lebendig aufgenommene „Eindrücke aus Sowjetrußland". Auch künstlerisch und philosophisch ist das Heft bedeutend durch eine Erzählung , Der Kinderbeter" des Vlamendichters Antoon Thiry, einen Beitrag von Hedwig Conrad-Martius über Heideagers philosophisches Werk „Sein und Zeit", fünf Bilder des „unbekannten Rembrandt" mit Begleittext, eine Betrachtung über die „Künstlerische Zukunst des Marionettentheaters" von Otto Vrieslander, „Dramaturgische Besinnungen" von Franz Graetzer u. a. m.
Hochschuinackrichten.
Geheimer Kirchenrat Professor Dr. Johannes Bauer, der bekannte Kircheichistoriker der Universität Heidelberg, ist im Alter von 73 Jahren g e st o r b e n. Bauer wurde in Marburg 1892 nach kurzer Tätigkeit als Prioatdozent Extraordinarius und kam 1910 als Ordinarius für praktische Theologie und als Direktor des Predigerseminars nach Heidelberg, nachdem er eine kurze Zeit in Königsberg gewirkt hatte. Als Kirchenhistoriker hat Geh. Rat Bauer sich durch eine Reihe non Schriften, u. a. über die Unionsurkunde, über badische Kirchengeschichte und kirchliche Kunst, einen Namen gemacht.


