Ausgabe 
13.1.1933 Erstes Blatt
 
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Oer neue deutsche Heilsarmee- Kommandant.

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Als Nachfolger des Kommandeurs Friedrich, der aus Altersrücksichten von seinem Amt zurück» trat, traf jetzt in Berlin der neue Kommandeur der deutschen Heilsarmee, William H. Howard, ein, der bisher die Leitung der Heilsarmee in der Schweiz innehatte. Kommandeur Howard und seine Gattin begrüßen vom Kupeefenster aus die zum Empfang erschienenen Vertreter der deutschen Heilsarmee.

rung und Ergänzung der Bahnanla­gen aufgestaut, zu dessen Befriedigung Mittel in Höhe von mehr als 100 Millionen Reichsmark er­forderlich find. Darüber hinaus werden noch weitere rund 35 Millionen Reichsmark benötigt, um drin­gend notwendige Neubauten ausführen zu können. Hier handelt es sich also um den von der Reichsre­gierung ins Auge gefaßten typischen Fall, sofort Arbeitsmöglichkeiten großen Ausmaßes zu schaffen, die in erster Linie auf die Instandsetzung vorhan­dener Produktionsgüter und auf deren Verbesserung abgestellt sind. Die bei den Schienenbahnen not­wendigerweise auszuführenden, aus Mangel an Mitteln bisher rückständigen Arbeiten sind noch des­halb besonders geeignet, Arbeit im Sinne der Reichs­regierung zu schaffen, weil es sich größtenteils um Gleiserneuerungsarbeiten handelt, wofür also Auf­träge an die eisenverarbeitende Industrie vergeben und Arbeiter für die Ausführung der Arbeiten auf der Strecke eingestellt werden können.

Die Allgemeinheit ist an der Vergebung dieser Arbeiten deshalb besonders interessiert, weil die Schienenbahnen Diener der Bevölkerung und der Wirtschaft sind, deren Betrieb im Interesse der Be­völkerung und der Wirtschaft in einem einwandfreien Zustand erhalten werden muß. Ihre Anlagen und Betriebsmittel dürfen keinesfalls verfallen, wenn nicht ein Wiederaufstieg Deutschlands in wirtschaft­licher Hinsicht für alle Zukunft zunichte gemacht werden soll.

Es ist daher zu hoffen, daß der Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung sich diese Möglichkeit, in gro­ßem Ausmaß wirklich nützliche Arbeit zu vergeben, nicht entgehey lassen wird.

Aus aller Mell

Kaplan Gilles' neuer Wirkungskreis.

Der aus Eupen ausgewiesene Kaplan Gil­les ist mit seinem gesamten Hausrat in Krefeld angekommen und hat im Arbeitslager Fichten­hain Wohnung genommen, wo er im Auftrage des Bischofs von Aachen die Betreuung der Arbeitsdienst freiwilligen über­nehmen wird. Aach Verhandlung mit den bischöf­lichen Behörden und dem Landesarbeitsamt hat ihn die Stadt Krefeld ausgenommen.

Englisches Urteil über die Zeppelin-Luftschiffe.

' Der bekannte englische Flugsachoerständige und Geschwaderführer B o o t h hielt in der Königlichen Aeronautischen Gesellschaft in London einen Vortrag über die großen Leistungen desGraf Zeppelin" und über das in Friedrichshafen im Bau befindliche neue Luftschiff. Er sprach die Hoff- nuna aus, daß die Welt, wenn auch das zweite deutsche Rlesenluftschiff in den Handelsverkehr ein­gestellt würde, ihre Haltung gegenüber den Aussich­ten der Luftfahrt ändern werde.

Danziger Flieger in Berlin.

Das Flugzeug der Danziger Akademi­schen Fliegerschule, das aus seinem Deutsch- landflug in Berlin erwartet wurde, jedoch wegen schlechten Wetters nach Stolp zurückkehren mußte, ist jetzt auf dem Flugplatz Tempelhof gelandet. Die Flieger wurden von Vertretern des Magistrats be­grüßt.

Der letzte Totenkopfhusar von Mars la Tour.

87jähriq starb plötzlich in Westerland auf Sylt der letzte Totenkopfhusar von Mars la Tour, Bahn­hofsvorsteher i. R. Schirmer.Papa Schirmer", wie er bei der Bevölkerung hieß, war eine auch bei den Badegästen der Insel, volkstümliche Persönlich­keit. Im Jahre 1931 hatte er das Fest der diaman- tenen Hochzeit gefeiert.

keine Haftentlassung Brolals.

3m Termin zur Prüfung der gegen den Direk­tor D r o l a t verhängten Untersuchungshaft hat die Strafkammer des Landgerichts III in Berlin beschlossen, die Untersuchungshaft auf­rechtzuerhalten. Das Gericht hält den dringenden Verdacht, daß Drolat bewußt unter seinem Eid die Unwahrheit gesagt hat, sowie den Fluchtverdacht für gegeben. Auch eine Sicher­heitsleistung würde nach Ansicht des Gerichtes den Fluchtverdacht nicht ausräumen.

15 Jahre Zuchthaus für einen Massenbrandstlfler.

Tos Münchener Schwurgericht verurteilte den 46jährigen Tesinfekteur E. M e tz aus München zu 15 Jahren Zuchthaus, weil er im Sommer 19dl in versch.e.enen Stadtteilen Mün­chens nicht weniger als 41 Brände gelegt hatte.

50 000 Reichsmark gezogen.

In der letzten Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie fielen auf die Nummer 33 325 50 000 Mark.

Hessen imIahre1866."

Vortrag von Prof. Or. im Oberhessischen Geschichtsverein.

3m Oberhessischen Geschichtsverein sprach am gestrigen Vortragsabend der Historiker unserer Amversität, Prof. Dr. Rolosf, über die Schicksale Hessens, insbesondere unserer Heimat­provinz Oberhessen. Der Vortragende ging aus von der allgemeinen Lage, dem Gegensatz der bei­den deutschen Großmächte in der deutschen Frage, um daran anschließend die Politik der deutschen Mittelstaaten, insbesondere Hessens, zu charakteri­sieren. Die Mittelstaaten erstrebten eine Bundes­verfassung, in der sie das Zünglein an der Waage zwischen den beiden Großmächten bilden konnten. Daher widerstrebten sie jeder kräftigen ^Neuorgani­sation der deutschen Länder und verwarfen na­mentlich die Vorherrschaft einer Großmacht, mochte es Oesterreich oder Preußen sein, um nicht ihrer Führung folgen zu müssen. 3m Kriege von 1866 standen sie auf der Seite Oesterreichs, weil dieses zwar eine Dundesreform unter seiner Lei­tung anstrebte, aber Preußen als Dundesglied beibehalten wollte, während Preußen Oesterreich ausschliehen und die deutschen Länder straff zu- fammenfassen wollte. Aber eine völlige Nieder- kämpfung Preußens wünschten die Mittelstaaten nicht, infolgedessen vereinigten sie ihre Truppen nicht mit den österreichischen in Böhmen, sondern behielten sie im Lande, in der Hoffnung, daß der Sieger, mochte es Oesterreich oder Preußen sein, auf ihre ungebrochene Macht Rücksicht nehmen müsse. So hofften sie,ein drittes Deutschland" neben den Großmächten bilden zu können. 3n die­ser Absicht begegneten sie sich mit den Wünschen Napoleons, Der ebenfalls eine Dreiteilung Deutschlands erwartete, um die deutsche Zersplit­terung und damit die Beeinflussung der deutschen Dinge durch Frankreich zu verewigen.

Alle diese Hoffnungen wurden durch die Schlacht von Königgrätz vereitelt: Preußen war durch den Krieg materiell wenig geschwächt, moralisch mäch­tig verstärkt, so daß die Miltelstaaten einem über­mächtigen preußischen Angriff entaegensehen muß­ten. Trotzdem bot Bismarck den Mittelstaaten den | Frieden und die Gründung eines neuen Deutschen Bundes an, in dem Bayern den Oberbefehl südlich des Mains führen, die Mittelstaaten also weit­gehende Selbständigkeit behalten sollten. Indessen die Südstaaten lehnten ab, weil sie den Bund mit Oesterreich und ihrdrittes Deutschland" auch jetzt noch im Einvernehmen mit Frankreich durchzusetzen hofften. Diese Hoffnung trog, denn Frankreich war nicht ein selbstloser Freund der Mittelstaaten, wollte vielmehr Rheinhessen und die Rheinpfalz erwerben, konnte also nicht die Länder, die es berauben wollte, mit vollem Nachdruck bei Preußen vertreten. Die Mittelstaaten bewirkten durch ihre Ablehnung des preußischen Angebots nur, daß Bismarck auf die Herstellung der deutschen Einheit in diesem Augen­blick verzichten und sich mit dem Norddeutschen Bund begnügen mpßte, aber sie konnten nicht hindern, daß er Friede mit Oesterreich schloß (26. Juli), und nun den isolierten Mittelstaaten mit ungeheurer lieber» legenheit geaenübertrat. Sein Ziel war, da eine staatsrechtliche Vereinigung mit dem Süden nicht zustande gekommen war, wenigstens ein Bündnis mit ihnen zu schließen, und er war bereit, ihnen, falls sie darauf eingingen, milde Friedensbedingun­gen zu gewähren.

3n D;efen Verhandlungen (feilt dem 9. August 1866) spielte Hessen eine durchaus passive Rolle. Mit der Errichtung des Norddeutschen Bundes wurde von der preußischen Regierung beschlossen, daß Oberhessen in Den Norddeu'schen Bund ein­treten müsse. Ob es von Preußen annektiert werden oder Darmstädtisch bleiben solle, hing nicht von Hessen ab, sondern von der Politik Bayerns. Wenn Bayern das ihm von Preußen angebotene Bündnis ablehnte, war Bismarck ent­schlossen, ihm erhebliche Landabtretungen auf- zuerlegen; in diesem Falle sollte Bayern am

Rhein oder am Main einige Stücke an Hessen abtreten und Oberhessen dafür an Preußen fal­len. Ging Bayern auf das Bündnis ein, Dann wurde es mit größeren Abtretungen verschont und Oberhessen formte bei Darmstadt blei­ben, weil Bismarck mit Rücksicht auf den Zaren, den Schwager des Großherzogs, Oberhefsen nicht ohne gewi:se Entschädigung annektieren wollte. Bayern nahm das Bündnis an, und damit war Oberhessen für Darmstadt gerettet (Mitte August).

Freilich, von schweren Opfern blieb Hessen nicht verschont; wie bekannt, mußte auch das ober- hessisch« Hinterland Homburg und Meisenheim zur Abrundung des preußischen Gebietes ab- treten, wofür es nur in Nauheim und anderen Stücken eine weit geringere Entschädigung er­hielt. Hessen-Darmstadt wurde im Frieden von Preußen weit härter und mit ausgesuchter diplo­matischer Schroffheit behandelt als Die anDeren süDDeutschen Staaten, obgleich es am Zaren einen warmen Fürsprecher hatte; offenbar wollte Bis­marck der hessischen Regierung, Die feit anDert- halb 3ahrzehn'.en unter Leitung Dalwigls eine besonders preuhenseindliche Politik geführt hatte, einprägen, Daß Die VerbinDung mit Dem Aus­lande ihr keinen Nutzen bringe, sie sich also in Zukunft eng an Preußen anschliehen müsse.

Ser Vortragende erörterte sodann die Frage, wie die oberhessische Bevölkerung zu der An­nexion, von der feit der Besetzung Oberhessens durch die preußischen Truppen (Ende 3uli 1866) natürlich sofort gesprochen wurde, Stellung ge­nommen habe. Er konnte sich dabei stützen auf die Berichte der preußischen Verwaltungsbehörde an Bismarck und Auszeichnungen des Gießener Pfarrers Landmann, die ihm Herr Pfarrer Bechtolsheimer freundlichst zur Verfügung gestellt hatte. Aus beiden Quellen geht hervor daß die Bevölkerung sehr geteilter Me nung war. Es gab überall Anhänger einer Bereinigung mit Preußen; aus Gießen, Alsfeld, dem Hinterlande gingen Eingaben an die preußische Regierung, die aus wirtschaftlichen Gründen für eine An­nexion eintraten, UnD diese Petitionen waren nicht etwa durch die preußische Besatzung oder Verwaltung hervorgerufen, denn Bismarck, der ja nur im Notfall Oberhefsen annektieren wollte, hatte den preußischen Behörden verboten, die Bevölkerung zu Schritten zu verleiten, die ihnen später zum schaden gereichen konnten. Tiefe Freunde der Annexion fanden heftigen Wider­spruch in der Bevölkerung, namentlich in Gießen führte es zu lebhaftem Streit in der Bürgerschaft, als bekannt wurde, daß etwa 20 angesehene Bür­ger sich für die Annexion ausgesprochen hatten; Der Bürgermeister Vogt erließ eine Gegen­erklärung im Frankfurter 3oumal" und geriet vermutlich durch die Form feiner Erklärung in Konflikt mit der preußischen Verwaltung, so daß er sogar vom Amt suspendiert wurde. Der Friede brachte allerdings alles wieder ins Gleich­gewicht. Heber diese Fragen, insbesondere über die Stimmung innerhalb der Bürgerschaft, wird in privaten Aufzeichnungen, Briefen, Familien- eriimerungen u. bgL noch mancherlei Material verborgen sein.

Reicher Beifall des bis auf den letzten Platz gefüllten Saales vor Beginn war es schon not­wendig geworden, in einen größeren Hörsaal überzusiedeln dankte dem Redner für seine interessanten Ausführungen, was der Vorsitzende Pros. Dr. Ebel noch einmal im Schlußwort be­tonte. 3n der Diskussion wurden noch von ver­schiedenen Seiten kleine mehr oder weniger hu­moristisch gefärbte Beiträge geliefert zur Be­urteilung der Frage, wie die Bevölkerung sich zu Den Ereignissen, besonders zur Annexionsfrage stellte.

Südamerikaslug eines französischen Großflugzeuges.

Tas französische dreimotorige Großflugzeug Regenbogen" ist in Istres bei Marsaille zu Dem feit Monaten angekündigten und immer wieder verschobenen Langstreckenflug gestartet. Der Führer Der Maschine, Der bekannte Rekordflieger Mermoz, beabsichtigt, ohne Zwischenlandung bis Buenos Aires zu fliegen. An Bord befinden sich neben dem Führer zwei Mechaniker, ein Funker, zwei Hilfspiloten und der Erbauer des Apparates, G o u z i n e t. Das Flugzeug muhte in der letzten Nacht auf feinem Südamerikaflug in Port Etienne eine Zwischenlandung vor­nehmen, weil M' Oe'leitunq undicht aewor.en war.

Die Grippe-Epidemie in England.

3n Den letzten acht Tagen sind in oerschieDenen Städten Englands insgesamt 681 Personen an Der Grippe gestorben.

Englisches Seeflugzeug abgestürzt. Ein Toter, neun verletzte.

Ein mit zehn Mann besetztes neues Riefen-See- flugzeug der englischen ßuftftreitträfte stürzte aus geringer Höhe bei Plymouth in den Kanal und versank soweit unter Wasser, daß nur noch die Spitze einer Tragfläche zu sehen war Das Unglück ist dadurch verursacht worden, daß das Seeflug- zeua mit einem Motorboot zusammen- gestoßen ist. Von der Besatzung wurde ein Mann getötet, einer schwer und Die übrigen acht leicht verletzt Das schwerbeschädigte Flugzeug wurde später nach Plymouth geschleppt. Das von dem Unglück betroffene Flugzeug ist eine Schwester­maschine des im Februar 1931 an derselben Stelle abgestürzten SeeflugzeugsIris III" Damals er­tranken neun Mann.

Notluken auf englischen Unterseebooten.

Taily Telegraph' zufolge hat Die brit.she Ad­miralität beschlossen, alle Unterseeboote mit Notluken zu versehen. Diese sollen es der Mannschaft ermöglichen, sich zu retten, wenn das Doot infolge eines Unfalles außer­stande ist, wieder aufzutauchen. An einer Anzahl von Unter fee booten find bereits eine oder zwei solcher Notluken angebracht worden.

Russischer Dampfer in Seenot.

Der 3650 Tonnen große russische DampferSa­chalin" ist mit einer Besatzung von 154 Mann und 200 Fahrgästen an Bord im Ochotskischen Meer in Seenot geraten. Das Schiff gilt als Der» l o r e n. Der japanisch« DampferSapporo Ma- ru fing von derSachalin" 8 O 8 - R u f e auf, die sofort an die Funkstation Hokkaido und andere Stationen weitergegeben wurden. Alle Versuche, I mit dem Sowjetdampfer funkentelegraphische Ver- bindung aufzunehmen, blieben vergebens. Es wird |

befürchtet, daß der Dampfer untergegan- gen^ ist. Das Meer von Ochotsk ist ein Teil des Stillen Ozeans an der ostsibirischen Küste.

Erdbeben in Australien.

Etwa 230 Kilometer von Sidney entfernt, er­eignete sich in Australien ein schweres Erd­beben, das eine Minute lang dauerte. Die Städte Goulburn und Naß wurden am meisten heimge­sucht. Mehrere Häuser schwankten stark und bekamen

Gerichtliches Zwischenspiel zum Handwerkerstreit.

WSN. Groß-Gerau, 12. 3an. 3nfolgedes Streites im Handwerk, der bekanntlich um die Verwendung der Ruhrgelder geht, ist zwischen den Handwerkern in Mörfelden, Die sich neuerdings hinter die Handwerker-Zentral- Genossenschaft gestellt haben, und den Groß-Ge­rauer Handwerkern, von denen in der Hauptsache Der Kampf gegen Die HZG. ausgeht, eine be­denkliche Spannung entstanden. Besonders wurde von den Mörfelder Handwerkern der Direktor Der Groß-Gerauer Dolksbank, BankDirektor Reiß, angegriffen. Der nach Ansicht der Mörfelder Handwerker der Spiritus rector der Bewegung ge­gen die HZG. fein sollte. 3n diesem Zusammen­hang ließ sich ein Mörfelder Handwerker in einer Ortsversammlung Des Mörfelder Handwerks zu einer beleidigenden Aeußerung hinreihen, worauf Dankdirektor Reiß gegen Den Handwerksmeister Ludwig 3ungmann, Mörfelden, Anzeige er­stattete. Das Amtsgericht Groß-Gerau verur­teilt« den Angeklagten wegen Deleidigung im Sinne Der §§ 185 unD 186 Str.-GD. zu einer Geldstrafe von 60 M k., «v. zehn Ta­gen Gefängnis, sowie zu Den Kosten des Verfahrens einschließlich der notwendigen Aus­lagen des Privatklägers.

Unterschlagungen beim Offenbacher Kreisamt.

Offenbach a. M., 12. Jan. (WSN.) Beim Offenbacher Kreisamt konnten dieser Tage Unterschlagungen des dreißigjähri­gen Kanzleigehilfen Ern st Bertsch in Höhe von 9600Mark aufgedeckt werden. Bertsch war in einer Abteilung der Wohlfahrtspflege bei der Verwaltung von Mündelgeldern beschäftigt. Nach der Dienstanweisung sollen alle Zahlungen bargeldlos geschehen, um auf diese Weise Unterschleife unmöglich zu machen. Bertsch verstand es jedoch, durch Fälschungen Baraus- zahlunaen zu erhalten und die Kontrolle zu umaehen. Die sich unrechtmäßig angeeigneten Gelder soll Bertsch im lockeren Lebenswan- d e l aufgebraucht haben.

Aus der provinzialhmiptssadk.

Was der alte Bücherschrank erzählt...

Behäbig und freundlich Hai Der Bücherschrank aus geflammter Dirke feit hundert Jahren mit feinen blanken Fensteraugen in Die altväterlich« Wohnung geschaut. Drei Generationen find an ihm Dorübergegangen. Aber schon die erste hatte ihn mit Büchern, diesen Herzkammern des Geistes, so gefüllt, daß leine neueren Werke in ihn hinein- gestopst werden konnten. So umfaßt er Die Aus­gaben unserer Klassiker und auch Der ganz ver­wegenen Himmelsstürmer, nämlich des damals jungen Deutschland, Die Trompeter Der Revo­lution von 1848, Die Schwaben um Ahland, alte Stammbücher und Poesiealben, Ritterromane und Geschich.swerke, die nach Freiheit und Einheit riefen und in Stahlstichen des versunkenen Rei­ches Herrlichkeit zeigten. Den Geistesfrühling Der damaligen Zeit hat der alte Schrank wohl ge­hütet, und «s ist ganz eigenartig, wenn man in stiller Stunde zu seinen Schätzen sich wendet und sich versenkt in die Geisteshaltung unserer Vor- fachren. Eine seltsame, besinnliche und stürmische, verträumte und verschämt-verwegene Welt tut sich uns auf, und Die Schriftzüge sind häufig von ebenso skurrillem Reiz wie der 3nhalt. Aber mit einer gewissen Wehmut erkennen wir doch, Daß jene Zeit eine gar eigene und feine Bildung be­faß. Es überrascht, wie tief Schiller und Goethe, Shakespeare und Dante, vor allem Ariost und Tasso sich in das Bewußtsein jener Zeit eingegra­ben hatten. Man zitierte sie viel und gern, und auch Die alten Stahlstiche nach Den Gemälden der damals beliebten historischen Schule sehen eine literarische und geschichtliche Bewegung voraus, die trotz Des gesteigerten Schulbetriebes Der Gegenwart wohl fehlt.

Eine Welt stiller und feinster Kultur, trotz großer Armut in deutschen Landen! Wenn unsere Kindlein am Weihnachtsabend ihre alten Lieder fangen, dachten wir daran, daß fie aus jener Zeit? Weder und Schubert, Schumann und Wag­ner waren damals Die musikalischen Genies, und Die meisten LieDer, Die heute im Volke noch ge­lungen werden und Dort erklingen, wo fröhliche Burschen sch versammeln, gebar jene Zeit. Wer Die Geschichte unserer Technik, Der Ehemie und der übrigenmodernen" Wissenschaften kennt, kann im einzelnen nachweisen, daß damals Die Grundlagen gelegt wurden, auf Denen wir heute Weiterarbeiten. Soviel ist überliefert aus jener Zeit, Da ein ehrsamer Handwerksmeister jenen blanken, sehr sachlichen und doch schönen Bücher­schrank baute. 3n jeder Notzeit entstand seit Dem Mittelalter wieder Die erste Deutsche Kultur des Bürgertums. Das hatte einen Wahrspruch:Bil­dung, Freiheit und Wohlfahrt für alle!" Eine tiefe Weisheit ft edt Darin. Erst Wissen, Dann Anwendung des Wissens und damit besseren Er­werb!

Ein junges Mädchen schrieb etwas sentimental in ein altes Stammbuch:Spinnet langsam, ihr Parzen, denn sie ist meine Freundin". Derartig feine Züge finden wir oft. Es war eben ein ver­innerlichtes deutsches Leben, reich an Bluten­knospen, aber noch heute klingen die besten Saiten unserer Seele in ähnlichem Klang, wenn wir aus Dem Materialismus Der Gegenwart zu einem geistigeren unD besseren Leben gelangen wollen. Sie Schicksalsparze bat das Band, das uns mit hinabgesunkenen Geschlechtern verbindet, nicht gänzlich zerschnitten.rt.

Zubiläumsehrung

für Pfarrer Bechtolsheimer.

Aus Anlaß seines gestrigen 2äjährigen Dienst­jubiläums als Seelsorger Der Lukasgemeinde wurde Pfarrer Bechtolsheimer gefte.nvor­mittag von dem Kirchenvorstand, dem Gemeinde- Verein und dem Frauenverein der Lukasgemeinde in Gegenwart einer Anzahl Gemeindemitglieder eine herzliche Ehrung bereitet. Ansprachen an den 3ubilar hielten Kirchenvorsteher Noll im Na­men des Kirchenvorstandes und des Gemeinde- Vereins, sowie Frau Professor Zöppritz im Namen des Frauenvereins der Lukasgemeinde. 3n den Ansprachen wurde dem geschätzten De- meindepfarrer herzlicher Dank und volle Aner- fennung für seine seelsorgerische Tätigkeit aus­gesprochen und zugleich Der aufrichtigen persön­lichen Verehrung Ausdruck gegeben. Als äußere Zeichen Der Dankbarkeit wurden dem 3ubilar von Frau Professor Zöppritz und Herrn Noll na­mens Der Gemeindevereine je ein wertvolles Buch überreicht. Pfarrer Bechtolsheimer gab feinem Danke mit tiefempfundenen Worten Aus­druck.

Schulkinderspeisung in Hessen.

Der Hessische Minister für Kultus und Bil­dungswesen richtete an die Kreis- und Stadt- schulämter, an Die Schulleiter und Lehrer fol­gende Verfügung:

Wie der Hessische Landesausschuß für Kinder­speisung mitteilt, sind nunmehr Die Mittel zur Durchführung Der Schullinderspeifung im Winter 1932/33 in der bisher üblichen Weise vorhanden. Sie Verabreichung wird in den meisten Städten und Gemeinden in der Form eines Milchfrüh­stücks und eines Gebäckstückes wie seither bestehen. Es hat sich erwiesen, daß das Milchfrühstück mit der geringsten Störung und dem geringsten Ver­lust der Unterrichtszeit in der Hauptpause durch­geführt werden kann und anderseits die Milch, wie kein anderes Nahrungsmittel, geeignet ist, die den gesundheitlich geschädigten Kindern feh­lenden Nahrungsbestandteile zuzuführen. Ich empfehle den Kreis- und Stadtschulä.ntern, den Schulleitern und Lehrern unter Berücksichtigung der herrschenden großen wirtschaftlichen Schwie­rigkeiten vieler Vollslreise, das Kinderh'.lsswerk wie bisher bereittoilligft nach Kräften zu unter­stützen."

Taten für Frei ag, 13 Januar.

1859: der Schriftsteller Karl Bleibtreu in Ber­lin geboren; 1914: Der Kunstgelehrte Alfred Lichtwark in Hamburg gestorben.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag: Stadt- theater, 20 bis 22 Uhr.Stöpsel". Oberhessischer Kunstoerein, Turmhaus am Brandplatz. 15 bis 17 Uhr. Ausstellung. Historische Fachschaft Der Uni­versität. 20.15 Uhr. Hörsaal Des kunstwissenschaft­lichen Instituts. Vortrag überVersailles unD Die deutsche Ostgrenze". Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Tannenberg" Astoria-Lichtspiele. Sel­tersweg:Das Schiff ohne Hafen".

Lichtbilderoortraa in Der Stadt­kirche über evangelische Diaspora- Arbeit. Man schreibt uns: Seit Jahrzehnten ar­beitet in Stanislau, heute zu Polen gehörig, Pfarrer