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12/12/1933 Zweites Blatt
 
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Dienstag, U. Dezember 1933

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Nr. 291 Zweites Blatt

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wieder zurückgeholt wurde. In den folgenden Jah­ren war Max von Schenkendorf in Obhut fremder Menschen, und nun bildete und formte die Zeit und die Wirklichkeit diesen jungen Menschen und machte ihn zu jenem Freiheitsdichter Deutschlands, dessen Liebe zum Vaterland und dessen Treue zur Heimat unvergängliche Werte schuf, die vom gesam­ten Volk ausgenommen und tief im Herzen bewahrt

Drei Gemälde von Ibsen.

Als Ibsen noch als Apothekerlehrling hinter dem Ladentisch in der kleinen norwegischen Stadt Grirn- stadt stand, schwankte er, wie so viele Dichter, in der Art seiner künstlerischen Betätigung und glaubte sich zum Maler geboren. Damals hat er verschie-

Wie mir deine Freuden winken, Nach der Knechtschaft, nach dem Streit! Vaterland, ich muß versinken Hier in deine Herrlichkeit.

wurden!

1805! Napoleon ist der Beherrscher des Konti­nents. Friedrich Wilhelm HL versucht durch alle möglichen diplomatischen Verhandlungen mit Frank­reich, Rußland und England das immer schwerer werdende Schicksal Preußens zu erleichtern. Unv sonst! Im August des Jahres 1806 bleibt ihm kein anderer Weg offen: Preußen macht gegen Frankreich mobil!

Und jetzt schreibt Max von Schenkendorf das Ge­dichtSing Heldenlieder, Preußen­volk!" das wie ein Sturmwind über das Va­terland weht und alle Schläfer aus der Ruhe weckt. Die glühende Vaterlandsliebe des jungen Dichters läßt 'ihn immer und immer wieder das Volk auf­rufen zum Kampf um die Freiheit. Sein Name wird bekannt, und in allen Gauen der Heimat singt man seine Lieder und spricht seine Verse ...

Die Schlacht bei Jena zerstört die größten Hoff­nungen. Die Franzosen ziehen plündernd durch Ostpreußen, und auch die Schenkendorfschen Be-

,,Schwester Angelika."

Dieser Film einer uns nicht näher bekannten Produktionsgesellschaft behandelt ein Motiv, das die Erinnerung an einen der bedeutendsten deutschen Romane unserer Zeit herausbeschwört, an diePer­petua" von Wilhelm von Scholz; und obwohl über diese motivischen Anklänge hinaus nicht die min­deste Vergleichsmöglichkeit gegeben ist dieser Film und jener Roman liegen, künstlerisch, auf zwei ganz verschiedenen Ebenen sind doch die gerade für die Filmgestaltung höchst brauchbaren und reizvollen Möglichkeiten einer auf Vertauschung und Doppelgängerei beruhenden Handlung hier wie dort nicht zu verkennen. Die Handlung des Films freilich mischt diese Elemente immer hart an den Grenzen des Kolportageromans mit ande­ren, ganz handgreiflichen und theatralisch wirk­samen Elementen: Tat, Flucht, Verfolgung, Liebe, Entsagung, Schuld und Sühne. Doch wird der so hervorgerufene Eindruck immer wieder gemildert oder verdrängt durch eine außerordentlich geschickte und kultivierte Regie, die ihrer Mittel und ihrer Wirkung in jeder Szene völlig sicher ist; die einen klaren Blick für die optischen Voraussetzungen des Films beweist und ebenso plastisch wie malerisch zu photographieren versteht. (Den Namen des Re­gisseurs konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen.) Die uns bisher ebenfalls unbekannte Trägerin der weiblichen Haupt- und Doppelrolle, Susanne M a r v i 11 e, erhebt sich darstellerisch ebenso über die durchschnittlichen Leistungen des Ensembles wie die Inszenierung über die eigent­liche Handlung; diese Schauspielerin erinnert stel­lenweise überraschend an Brigitte Helm und ver­fügt über eine mit ganz sparsamen Mitteln her­vorgebrachte Unmittelbarkeit und Wandlungsfähig­keit' des Ausdrucks. Um dieser Darstellerin und um der Inszenierung willen verdient der Film, in dem übrigens Hugo Haas, Jack My lang-Münz und Martha Trojan mitwirken, besondere Auf­merksamkeit. Im Beiprogramm zeigt das Lichtspielhaus u. a. die neue Wochenschau, eineSpanische Romanze" und den Vorspann zum Ufa-FilmDie schönen Tage in Aranjuez den man nächstens hier zu sehen bekommen wird.

ohne Vorbehalt unterzeichnet hatten. Das Vertragswerk hatte somit keinen Sinn, und der Ausbruch des Chacokrieges zwischen Paraguay und Bolivien, sowie der Leticia-Konflikt zwischen Ko- lubien und Peru, machten es vollends illusorisch.

Da die politischen und wirtschaftlichen Fragen auf dem panamerikanischen Kongreß in Montevideo nur nbensächlich behandelt werden können, so sollen in erster Linie V e r k e h r s p r o b l e m e zur Sprache gebracht werden. Die Parole eines paname­rikanischen Verkehrssystems ist ausgegeben worden, das in Einklang mit wirtschaftlichen und kulturellen Interessen gebracht werden soll. Die Schaffung einer betonierten breiten Autostraße, die von Alaska bis n a ch F e u e r l a n d, m>t Abzwei­gungen nach Rio de Janeiro und Buenos Aires fuh­ren soll, und auf der nordamerikanische Autos die Reisenden mitten durch den Urwald, durch uner­forschte Gebiete, aus den Eiswüsten des hohen Nor­dens in die Eisberge der südlichen Erdhälfte fahren werden, ist zwar ein sehr schöner Plan, aber die Ver­wirklichung dürfte sich auf Jahrzehnte verzögern. Wenn der panamerikanische Kongreß sich hauptsäch­lich mit dieser Frage befassen wollte, so ist es schade um das viele Papier, das verschrieben, und um die schöne Zeit, die vergeudet werden wird. Schon vor mehr als hundert Jahren hat Metternich die mei­sten internationalen Kongresse einrien du tout sonore (ein hochtönendes Nichts) genannt. Die meisten Kongresse der letzten Jahre verdienen diese Bezeichnung, und es ist zu erwarten, daß der pan­amerikanische Kongreß in Montevideo sich dieser Reihe anschließen wird.

Und dennoch soll man nicht ohne weiteres die Versammlung in Uruguay bagatellisieren. Gewiß, außergewöhnliche Ergebnisse können nicht erwartet werden, aber in Montevideo treffen sich alle leiten­den Staatsmänner Amerikas und Sonderab­kommen zwischen einzelnen Staaten liegen sehr wohl im Bereich der Möglichkeit. Der Präsident von Argentinien, General Justo, ist vor einigen Wochen von einem Staatsbesuch in Rio de Janeiro zurückgekehrt. Zwischen ihm und Präsident Vargas von Brasilien ist ein Freund schafts - und Nichtangriffspakt

Klaget nicht, daß ich gefallen. Lasset mich hinüberziehn Zu der Väter Wolkenhallen, Wo die ew'gen Freuden blühn...

So geht er als ewiger Mahner, ewiger Tromm- (er durch die Zeit; das Jahr 1813 steht Max von Schenkendorf im preußisch-russischen Hauptquar­tier zu Schweidnitz, wo er der durch seine ge­lähmte Hand am Soldatendienst verhindert ist täglich und stündlich neue Lieder schreibt, die hand­schriftlich im ganzen Heere verteilt wurden, und die an allen Lagerfeuern von den Soldaten gesungen wurden. So gab er den deutschen Freiheitskämp­fern Mut und Zuversicht, und machte sich um sein Vaterland verdient. .. A

Seine Gedichte sind unvergänglich. Solange es ein Deutschland gibt, wird das Lied gesungen:

Freiheit, die ich meine. Die mein Herz erfüllt, Komm mit deinem Scheine, Süßes Engelsbild.

Dem Landsturm schrieb er:

Die Feuer sind entglommen, Auf Bergen nah und fern, Ha, Windsbraut, fei willkommen, Willkommen, Sturm des Herrn!

Und als Scharnhorst fiel:

In dem wilden Kriegestanze Brach die schönste Heldenlanze, Preußen, euer General ...

Des Morgens sangen die Soldaten, ehe sie in die Schlacht gingen: _ .

Erhebt euch von der Erde, Ihr Schläfer aus der Ruh! Schon wiehern uns die Pferde Den guten Morgen zu. Die lieben Waffen glänzen So hell im Morgenrot, Man träumt von Siegeskränzen, Man denkt auch an den Tod.

Vor der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 18. Ok­tober 1913) schrieb er ein Gebet:

Wir stehen hier aufs Sterben, Der Tod ist uns ein Spott. Laß uns den Himmel erben, Du ewig treuer Gott.

füqung stehenden Mittel erlauben. So zeigte das Orchester stets einen gesunden Klang mit mannig­faltigen dynamischen Abstufungen. Nur an einzel­nen ' Stellen, etwa in der Lortzing-Ouverture und in der Schubert-Ouvertüre hätte der Gesamtklang im Forte noch mehr Geschlossenheit aufweisen toxv nen, indem er die einzelnen Akkordintervalle nach ihrer Wichtigkeit für den Zusammenklang noch pla­stischer herausgearbeitet hätte. Eine weitere Pro­bentätigkeit wird sicherlich auch in dieser Hinsicht zum Ziele führen.

Die Programmauswahl trug dem Grundgedan­ken eines volkstümlichen Konzerts Rechnung. Für künftige derartige Veranstaltungen wird man aller­dings von der' Forderung nicht absehen können, daß in einem für das deutsche Volk berechneten Konzert doch in erster Linie nur deutsche Meister in Betracht kommen,

Lortzings Ouvertüre zu der OperDer Waf­fenschmied" wurde dem Ganzen ein günstiger Auf­takt Die feine thematische Verwebung von Strei­chern und Holzbläsern wurde hier sicher gewähr­leistet Eugen d ' A l b e r t sTiefland -Fantasie erwuchs mit scharfer Prosilierung der dramatischen Akzente. Die Einleitung zu BizetsCarmen wurde temperamentvoll erfaßt, ohne daß die ver­hältnismäßig dünn besetzten Streicher zu Anfang des Vorspiels vom Blech zugedeckt wurden.

Eine sehr beachtenswerte Leistung stellte Konzert­meister Franz Kerzisnik mit Vieuxtemps

Ballade und Polonaise" heraus. Er erwies sich als ein Geiger von recht ansehnlichem Können und musikalischer Gestaltungsgabe. Die Orchesterbeglei­tung hätte verschiedentlich noch mehr Abdampfung erfahren können, um dem Solisten das ihm zu­stehende Recht zu gewähren.

Der zweite Proqrammteil war Franz Schu­bert gewidmet. Für die Tragik des ersten Satzes der Unvollendeten wird der verhältnismäßig noch jugendliche Dirigent im Laufe feiner Tätigkeit noch mehr seelische Vertiefung gewinnen. Klanglich schon und in feiner Abtönung gelang das Andante; hier traten die Holzbläser mit beseelten Klängen an­genehm hervor.

Im Hinblick auf die verhältnismäßig sehr ge­ringen Eintrittspreise wäre auch in den oberen Rängen ein zahlreicherer Besuch dieser für die weitesten Kreise berechneten Veranstaltung zu er­matten gewesen. Immerhin mag der begeisterte Beifall allen Beteiligten bewiesen haben, daß dieses Konzert einen durchaus aufnahmefähigen Boden gefunden hat. Dr.

Gießener Gtadttheater.

Volkstümliches Konzert.

Wenn man den Erfolg des ersten Konzertes, das vom hiesigen Stadttheater-Orchester veranstaltet wurde, ak ein günstiges Vorzeichen ansehen will, so wird man für die Zukunft von diesem. Institut recht Erfreuliches erwarten können. Denn abgesehen von einigen Verstärkungen von außerhalb birgt dieses Orchester einen Stamm von überaus streb­samen jungen Musikern (die Leistungen zeugen da­für), die in ihrer Fortentwicklung viel versprechen. Obwohl die einzelnen Stimmen, namentlich m öen Streichern, nicht besonders stark besetzt sind im Ver­hältnis zu den Bläsern, so muhte man doch über­rascht sein über die Ausgeglichenheit des Zufam- menklanges. Gerade die Durchsichtigkeit des Klan­ges infolge der geringen Zahl der Mitwirkenden läßt das Ohr um so kritischer auf den Einzelnen merken, und das geringste Versehen würde in vol­ler Härte sofort offenbar werden. Um fo erfreulicher ist es, feststellen zu können, daß ein jeder den ihm zuqewiesenen Platz durchaus voll ausfüllt und mit größter Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit ver­sieht. Mit welcher Sauberkeit z. B. die erste Violine das klippenreiche unisono im zweiten Satz der Unvollendeten" durchführte, das ließ einen auf- horchen. Der gesättigte Gesamtklang der Streicher vermochte stellenweise über die sichtbare Zahl hm- wegzutäuschen.

Im Verhältnis zu der Streicherbesetzung sind die Bläser, ganz besc.ders wohl im Hinblick auf das Begleiten in der Operette bzw. in der Oper, auf feinste dynamische Grade eingestellt. Aus der Basis eines Pianissimo heraus steht ihnen so eine reiche Skala im Abschattieren mühelos zur Verfügung. Namentlich die Blechbläser (Trompete und Po­saune) vermochten davon des öfteren zu überzeu­gen, nicht zuletzt aber auch die Hörner mit ihrer weichen Nachgiebigkeit des Tones. Die Holzbläser sind völlig gleichwertig besetzt und schmiegen sich m der Feinheit und Reinheit des Klanges förmlich aneinander.

Unter diesen Voraussetzungen konnte so der Schritt in die Öffentlichkeit ohne Wagnis unter­nommen werden. Kapellmeister Fritz Cu,6 zeigte sich als ein Musiker mit gewinnender Natürlichkeit sowohl in der dirigentischen Gebärde als auch m Der musikalischen Auffassung. Er reflektiert ebenso wenig, wie er auch nicht nach irgendeiner Richtung hin überspitzt. Er täuscht nicht mehr vor, als ihm seine persönlichen Anlagen und die ihm zur Ver-

Der junge Freiheitskämpfer Max von <?chenken- dorf aber läßt den Mut nicht sinken. Mit trotziger Entschlossenheit führt er den Kampf weiter. Mit Schrötter, Arnim und Fichte gründet er die ZeitschriftVesta", durch die er das Volk au,- klären will, und die seine Ausrufe und Gedichte in jedes Preußenhaus tragen soll. Aber Napoleon, der alles Beherrschende, verbietet das Blatt. Schenken­dorf gründet neue Zeitungen, die alle denselben Weg gehen müssen, die alle verboten werden. Daraufhin gründet er Gesellschaften wie denTu­gendbund" oder denBlumenkranz des baltischen Meeres", aber Frankreich achtet scharf auf jedes Wort Schenkendorfs und zerstört immer wieder alle seine Pläne, die einzig und allein auf das Vater­land und auf die Freiheit bedacht find. Im Schlosse des Landhofmeisters von Auerswald, in dem des öfteren auch der König und die Königin woh­nen, bildete er einen Zirkel, in welchem er ständig seine Lieder vortrug und an das Nationalgefuhl aller Anwesenden appellierte. Die Königin selbst war dem jungen Dichter sehr wohlgesinnt und schätzte ihn über alle Maßen. Im Jahre 1809 wird Schenkendorf bei einem P i st o1 e n d u e 11 an der rechten Hand schwer verletzt. Die Hand bleibt ge­lähmt. Nun schreibt er mit der linken Hand. Nichts kann ihn von seinem Ziele abbringen.

Und als Schill in Stralsund die feindliche Kugel trifft, schreibt er das Gedicht:Schill",

Als der Frühling des Jahres 1814 ins Land zog, er seinenFrühlingsgruß an das Dater-

C h i l e anschließen wird. Beide Staaten haben be­schlossen, sich über alle sie berührenden Fragen im voraus zu verständigen. Chile hat gleichfalls mit Argentinien einen Tarif- und Zolloertrag abgeschlos­sen, der den beiden Nachbarstaaten zugute kommt und den Verkehr auf der Trans-Andenbahn sichert. In Mendoza, auf halbem Wege, haben sich der ar­gentinische Außenminister Savedra-Lamas und der chilenische, Cruchaga, getroffen und alle Streitfra­gen in freundschaftlichen Gesprächen bereinigt. Der Chacokrieg und die Todfeindschaft zwischen Para­guay und Bolivien, verhindert vorläufig den Ab­schluß von weiteren Pakten. Auch die Chaco-Kom- mission des Völkerbundes, die sich zwischen Asun­cion und La Paz bewegt und sich damit zufrieden geben muß, auf Banketten und Reden gefeiert zu werden, ohne den geringsten Einfluß nehmen zu können, ändert nichts an den Verhältnissen. Frag­lich bleibt es auch, ob es in Montevideo gelingen wird, in vertraulichen Verhandlungen dem Blut­vergießen ein Ende zu bereiten. Der Versuch wird jedenfalls gemacht werden.

In Uruguay selbst, das noch vor kurzem von Unruhen heimgesucht und von einer sozialdemokra­tisch orientierten Regierung dem Chaos entgegen­geführt wurde, herrscht jetzt bei Eröffnung des pan­amerikanischen Kongresses Ordnung. Im Frübjahr hatten sich Senat und Abgeordnetenhaus auf die Seite der Aufwiegler gestellt, der frühere Präsi­dent Brum versuchte, die Macht an sich zu reißen, aber ehe es zum Blutvergießen kam, gelang es Prä­sident Terra, der sich in die Kasernen begab, das Militär für sich zu gewinnen, das Abgeordneten­haus zu besetzen, und die Führer der Linken zu verhaften. Expräsident Brum beging Selbstmord. Das diktatorische Regime Terras hat sich vortresf- lich gewählt, der Kongreß hat in seinen Arbeiten keine revolutionäre Störung zu befürchten. Wohl aber werden die Herren, die aus dem Norden ge­kommen sind, die erdrückende Dezemberglut nur schwer ertragen, aber allzugroße Anforderungen an | ihre Arbeitskraft kann ja der Verlauf des paname­rikanischen Kongresses nicht an sie stellen.

Tambour der Freiheitsstürmer."

Zum 150. Geburtstage des Dichters Max von Schenkendorf. Bon SA-Oberiruppführer Leopold von Schenkendorf.

Der Verfasser dieses Gedenkartikels ist ein 1 wenig lernte und schließlich, da sein Monats­direkter Nachkomme Max von Schenkendorfs, wechsel karg bemessen war, von seinem Vater I »Minhnv IliriirTAOnßlf Mllirnp

Pan-Amerika.

Von E von Llngern-Sternberg.

Die nordamerikanischen Zeitungen haben in Len letzten Monaten viel über die Bildung eines amerikanischen Völkerbundes geschrie­ben, ein Thema, das auf dem panamerikani­schen Kongreß in Montevideo behandelt werden sollte. Unter der Glutsonne des Hochsom­mers ist nun der Kongreß unter Len üblichen Feierlichkeiten in der Hauptstadt Uruguays eröffnet worden, aber die Erwartungen, die an diesen Akt geknüpft wurden, sind stark zusammengeschrumpft. Die Entwertung des Dollar und die schwere Krise in den Vereinigten Staaten haben die Hoffnungen auf einen außergewöhnlichen Erfolg herabgedrückt, und sogar Staatssekretär Hüll, der auf der Reise nach Montevideo in Rio de Janeiro einen kurzen Aufenthalt nahm, hat dem Kongreß eine ziemlich pessimistische Diagnose gestellt. Die Schwarzseherei Hulls ging so weit, daß er Präsident Roosevelt bat, von seiner Mission als Delegationsführer in Monte­video zurücktreten zu dürfen, und nur blieb, weil der Präsides die Meinung aussprach, daß die De- Niission desoatssekretärs im voraus ein volles Fiasko des ongresses zur Folge haben müsse.

Es hatte bekanntlich, als sich Nordamerika Lazu entschied, den europäischen Angelegenheiten den Rücken zu kehren, in den Plänen Roosevelts gelegen, als Ersatz Lateinamerika mehr als bisher politisch und wirtschaftlich zu erfassen und zu durch­dringen. Aber der Lauf der Ereignisse hat alle Kal­kulationen gelähmt. Der schwankende Dollar wirft die Berechnungen auf lange Sicht über den Haufen, um so mehr, als ja auch die meisten südamerikani­schen Währungen mit wenigen Ausnahmen nicht stabil sind und von den unsicher gewordenen Pfund und Dollar, die bisher als granitener Stützpunkt und Wertmesser bei allen Finanz- und Wirtschafts­operationen galten, stark beeinflußt werden. Neben | Len wirtschaftlichen Perspektiven sind auch die po- I Mischen nicht günstig für den Kongreß. Die Vor- I gänge im Fernen Osten fesseln die außen- | politische Aufmerksamkeit Washingtons so sehr, daß es keine Möglichkeit hat, alle Energien nach Süd­amerika spielen zu lassen. Das Weiße Haus ist zu einer Behutsamkeit in der Behandlung lateinameri­kanischer Fragen gezwungen, die den Vorgängern Roosevelts fernlag.

Die Vereinigten Staaten scheinen sogar bereit zu sein, das Dogma der Monroe-Doktrin, die seit 1923 als Eckstein der nordamerikanischen Außenpolitik galt und der sich auch der Völkerbund fügen mußte, so weit einzuschränken, Laß es bei den Lateinamerikanern nicht länger Anstoß erregen und als Beeinträchtigung ihrer Souveränität betrachtet werden kann. Die Vereinigten Staaten sind heute nicht mehr allein der gebende, sondern auch der werbende und suchende Teil in den Beziehungen zu Len südlicheren Ländern des Kontinents, die keines­wegs bereit sind, Befehle und Weifungen aus Wa­shington, wenn sie nicht mit ihren Absichten über- einftimmen, entgegenzunehmen.

Zum vorigen panamerikanischen Kongreß inHa- vana, 1928, konnte der Präsident der Vereinigten Staaten noch fast als Di ttator auf einem Kriegsschiffe noch der Hauptstadt Kubas reisen, die Eröffnungsrede halten und auf die gehorsame Ge­folgschaft der lateinamerikanischen Staaten rechnen. Es gab auch damals, vor nun bald sieben Jahren, cirte scharfe Opposition. Der Delegierte Argentiniens, Puigcever, beabsichtigte einen scharfen Protest gegen die Monroe-Doktrin als imperialistische Waste Nord­amerikas vorzutragen, aber er wurde zum Schwei­gen gebracht und der Kongreß verlief ohne Zwischen­fall a b e r a u d) ohne Erfolge. Die Latein­amerikaner begnügten sich damit, festzustellen, daß die übliche panamerikanische Phraseologie Nordame­rikas sich nicht in Einklang mit der Hochschutzpolitik bringen lasse, sie gingen mit dem Entschluß ausein­ander, eine interamerikanische Ver­gleichskonvention abzujchließen, aber als das Vertragsinstrument endlich 1929 fertig war, stellte es sich heraus, daß von den zwanzig Staaten, die sich ihm anschließen sollten, nur sieben

Am 11. Dezember des Jahres 1783 wurde Gott­lob Ferdinand Maximilian Gottfried von Schen- k e n d o r f, der nachinaligeTambour der Frei­heitsstürmer", zu Tilsit geboren. Sein Vater war ein preußischer Offizier aus der Neumark, der seinen Soldatenrock stolz unter dem Kommando des Größ­ten Preußenkönigs, Friedrichs II., getragen hatte. Seine Mutter stammte aus Ostpreußen und war die Tochter des Königsberger Pfarrers Karrius.

Die ersten Jahre seiner Kindheit verlebte Max von Schenkendorf, seine Eltern nannten ihn zwar Ferdinand, er selbst aber wählte später den Namen Max für sich als Rufnamen aus, weil Max Picco­lomini in SchillersWallenstein" für ihn em gro­ßes Ideal bedeutete, auf dem vom Vater ge­kauften Gut Leukonischten. Leider war die Ehe seiner Eltern nicht glücklich, und so verlebte er einige chwere Jahre, die tief auf sein Gemüt einwirkten. Er hatte noch einen Bruder, Karl, doch war die häusliche und familiäre Bindung nicht stark, und fo ging er zumeist allein hinaus, durchstreifte die Fel­der und Wälder, lagerte sich an den einsamen Ufern der vielen kleinen Seen, grübelte und sann, und eine gewisse Schwermut umfing fein junges Herz. Mit 15 Jahren kam er nach Königsberg auf die Universität. Hier, ganz fern dem Elternhaus, fand er im Kreise seiner jungen Kommilitonen so viel Fröhlichkeit und so viel Lebensfreude, daß er sich ganz dem lustigen Svldatenleben hingab, dabei

bene Gemälde geschaffen, von denen drei Landschaf­ten erhalten sind. Eins dieser Gemälde hängt im Ibsen-Museum zu Grimstadt; die beiden anderen Bilder sind jetzt durch eine Stiftung in das Mu­seum von Oslo gelangt. Die Gemälde, die zwischen 1844 und 1847 entstanden sind, wurden auf Zink gemalt und blieben in der Familie des Grimstadter Apothekers, dem sie sein später so berühmt gewor- daener Lehrling zurückließ. Im vorigen Jahr gab der gegenwärtige Besitzer eins dieser Bilder als Preis für eine Lotterie, die zugunsten der Arbeits­losen veranstaltet wurde, aber der Gewinner ver­zichtete auf den Besitz, und so sind die beiden Werke jetzt dem Museum geschenkt worden.

ßin ^0 jähriger Indianer-Häuptling.

Die Krieger des Wolf-Stammes in dem India­ner-Schutzgebiet von Caughnawaga in Kanada haben sich' jetzt einen neuen Häuptling erkoren. Es ist der 10jährige Joe Zwei-Axt, der mit allen Rech­ten und Würden eines Stammeshäuptlings beklei­det wurde. Diese Zeremonie vollzog sich nach den uralten Bräuchen des roten Mannes, und zwar spielen dabei die Frauen eine Hauptrolle. Die Squaws des Stammes haben die Aufgabe, den geeigneten Knaben auszuwählen, der später einmal die Zügel der Herrschaft ergreifen soll. Es dauerte 6 Tage', bis man sich auf den 10jährigen Joe ge­einigt' hatte, den Sohn des Oberhäuptlings Dimi- nick Te-ha-rif-ho-ken. Der Grund für die Wahl be­stand darin, daß dieses Kind ein besonders reinblü­tiger Indianer ist und aus einem Geschlecht stammt, das seit langer Zeit an der Spitze des Wolf-Stam­mes steht. Der junge Häuptling erhielt den Namen Sawa-tis-sarahoe-wanah.In ganz Amerika", so er­klärte Oberhäuptling Diminick,werden die Stammes- Häuptlinge von den Frauen ausgesucht. Sie ken­nen am besten die Eigenschaften und Fähigkeiten der Kinder. Neben dem Stammeshäuptling steht die Stammesmutter und bei jeder Versammlung kann man sehen, wie die Mutter darauf Acht gibt daß der Häuptling nichts Unrichtiges tut oder sagt."

Zeitschriften

Von dem AufsatzBrandfackeln über Europa" von Dr. von toegerer, Herausgeber der Berliner Monatshefte", ist ein Sonderdruck er­schienen. (450) Im Hinblick auf die Genfer Verhandlungen über die Abrüstung verdienen dis Bildfälschun'gen des Amsterdamer Emigrantenblat­tes stärkste Beachtung, als ein besonders krasses Beispiel für die Methoden, mit denen im Ausland gegen Deutschland gearbeitet wirb.