ljixmnes Geheimnis
Vornan von Mathilde von Stegmann
ilrhebettcchtsschuh: Fünf-Tünne-Derlag Hakle ((Saale)
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Die vier Herren waren schnell einig und suchten aus Holtays Vorschlag einen in der Nähe gelegenen jtlub aus. Am großen Spiel brauchte man sich ja nicht zu beteiligen. Man setzte sich in eine Ecke und war ebenso ungestört wie in den eigenen vier Wänden.
Malesius saß mit dem Nucken zum Zimmer. Neben ihm Holtay. Rahden hatte gegenüber von Malesius Platz genommen, und Herr von Wenderoth schloß die Reihe. Wenn auch zunächst nicht gerade hoch pointiert wurde, so war es Malesius doch recht erwünscht, daß er gleich am Ansang ein paar neue Coups landen konnte. Das war eine erwünschte Stärkung seiner Spielkasse.
Malesius hatte, als er Rahdens Vorschlag angenommen, nicht bedacht, daß er mit Geld nicht besonders reichlich versehen war. Und nun schien er heute geradezu vom ffllürf begünstigt zu sein. Rahden war schon erheblich in Verlust gekommen. Holtay spielte mit wechselndem CErfofg. Aber auch er mußte bald größere Beträge zu Malesius wan- dem sehen. Nach etwa einer Stunde machten die Herren eine kleine Pause.
Rohden, wieder völlig srisch geworden, nahm fein silbernes Zigarettenetui aus der Tasche, um Zigaretten anzubieten. Er war bekannt für eine besonders gute türkische Zigarette, eine in Deutschland seltene Marke. Nachdem sich die Herren be- dient hatten, legte Rahden, der feine Karten auf- nehmen mußte, das Etui achtlos neben sich auf den Tisch.
Nun aber änderte sich die Situation. Als ob der alte Spieleraberglaube recht behalten sollte, daß ein anfänglicher Gewinn zum Schluß sich in Verlust zu wandeln pflegt. Malesius verlor jetzt Schlag auf Schlag. Auch wenn feine Karte noch so gut war, wenn er in vollem Vertrauen darauf, daß niemand ein besseres Blatt in der Hand haben konnte, höhere Beträge setzte — Rahdens Blatt war besser als das feine.
Auch Holtay kam in Verlust, doch ohne feine kühle Ruhe einzubüßen Malesius mußte sich bald an ihn wenden, weil ihm das Bargeld ausging. Ohne eine Miene zu verziehen, griff Holtay in feine Brieftasche und schob Malesius zehn große Scheine hin. Fast waren auch die alle geworden, als ein Boy herantrat und dem Baron von Rahden
einen verschlossenen Briefumschlag auf einem silbernen Tablett überreichte. Rahden bat einen Augenblick um Entschuldigung und erbrach das Schreiben. Es waren nur wenige Worte.
Aber Rahden Genarbte sich und konnte nur mit Muhe seine Selbstbeherrschung aufrechterhalten. Mit zitternden Fingern griff er nach feinem Ziga- rettenetui. zündete sich hastig eine neue Zigarette an und steckte das Etui wieder in die Tasche.
„3d) bitte einen Augenblick um Entschuldigung, meine Herren! Ein Bekannter möchte mich sprechen — ich bin sofort zurück."
Die Herren benutzten die eingetretene Pause, um sich etwas zu stärken. Holtay erhob sich und schlenderte, scheinbar gleichgültig, bis zur Tür. Als er im Nebenzimmer Baron von Rahden eifrig auf den Geschäftsführer des Klubs einfprechen sah, nickte er unmerklich mit dem Kopfe, wie wenn er die Bestätigung eines eben gehabten Gedankens ausdrücken wollte.
„3d) glaube, meine Herren", sagte Holtay, auf feinen Platz zuruckkehrend, „wir werden für heute aufhören müssen! Es ist spät geworden. Rechnen ®ir ab." m _ .,
Malesius wollte protestieren. „Meine Herren, ich bin ziemlich stark im Verlust, ich dächte, wir legen noch eine halbe Stunde zu!"
„Sie würden bei Ihrem heutigen Pech noch weiter in Verlust geraten, Herr von Malesius!" meinte Holtay mit (einer tiefen, ruhigen Stimme. ,Hch bin übrigens überzeugt, daß auch Herr Baron von Rahden das Spiel als beendet betrachten wird. Es ist ja auch schon spät — suchen Sie mich doch morgen auf, Herr von Malesius! Wir bringen dann unsere kleine Rechnung freundschaftlich ins reine. Und machen Sie sich keine Kopfschmerzen, wenn die Sache nicht binnen der üblichen vierund- zwanzig Stunden geregelt werden kann. Ich entbinde Sie ausdrücklich von der Frist. Wir werden schon ein Arrangement treffen."
Holtay hatte leise gesprochen. Wenderoth, der sich mit seiner Kasse beschäftigte, hatte auf die Unterhaltung gar nicht geachtet.
,Lch bin mit einem blauen Auge davongekommen!" wandte er sich jetzt an die beiden Herren. „Ader wo bleibt denn Rahden solange. Er wird vielleicht noch nicht aufhören wollen, gerade jetzt, wo er so stark im Gewinn ist."
„Herr Baron von Rahden wird gegen die Beendigung der Partie nichts einzuwenden haben, Herr von Wenderoth! Aber Sie können ihn ja selbst fragen!"
Rahden trat in sichtlicher Nervosität an den Tisch.
„Ich muß die Herren um Entschuldigung bitten — aber ich werde in einer dringenden Angelegenheit abgerufen! Vielleicht setzen wir an einem der nächsten Abende woanders unser Spiel fort?"
Malesius stimmte zu. Auch Wenderoth schien einverstanden zu sein. Holtay sagte verbindlich, mit offensichtlichem Bedauern in der Stimme:
,Hch bitte sehr um Entschuldigung, wenn lH nicht dabei sein kann. Aber ich fürchte, daß ich auf vier- zehn Tage verreisen muß, Herr Baron!"
Der Geschäftsführer des Klubs verabschiedete sich ehrerbietig von den Herren. Es schien an Personal zu fehlen, denn er hatte sich am Nebemisch zu ld)cm\n gemacht, rückte ein paar Stühle gerade und stellte den Aschenbecher zurecht. An der Haustür trennten sich die Herren.
Franz von Malesius ging allein burt£ die Straßen Da hatte er sich ja eine nette ouppe eingebrockt! Es war ja reizend von Holtay, nicht auf der Frist von vierundzwanzia Stunden zu be- stehen. Aber wo in aller Welt sollte er die achttausend Mark hernehmen?
Gleich nach Beendigung des Dienstes fuhr Male- sius am nächsten Tage zu Holtay. Der Diener, der ihm öffnete, schien auf feinen Besuch vorbereitet zu fein.
„Herr von Holtay bittet den Herrn, Platz zu nehmen! Er wird sofort erscheinen."
Frisch und sorglos trat Holtay in eleganter Haus- joppe gleich darauf in das Herrenzimmer.
„Schlecht geschlafen, Malesius? Man sieht's Ihnen an! Kognak? Zigarette?"
Malesius nahm dankend an. Zögernd wandte er sich an fein Gegenüber.
„Es ist eine fatale Situation für mich, Holtay! Ich habe mich gestern stärker engagiert, als mir lieb ist. Wenn das Spiel nicht so plötzlich abgebrochen wäre, hätte ich mich vielleicht etwas erholt."
„Sie hätten nichts zurückgewonnen, Malesius! Jedenfalls nicht, solange Baron von Rahden das famose Zigarettenetui so liegen hatte, daß er beim Kartengeben im Spiegel des Etuis jede Karte erkennen konnte, die die anderen bekamen."
„Aber Herr von Holtay! Rahden ist doch kein Falschspieler?"
„Sie ahnungsloser Engel, Sie! Leider ist es so. Der Brief, der den Herrn Baron abrief und ihn veranlaßte, Las Zigarettenetui schleunigst in die Tasche zu stecken, enthielt nur wenige Worte. Sie hießen: ,Der Herr wird gebeten, den Klub zu verlassen und nicht wieder zu betreten. Der Trick mit dem Zigarettenetui ist hier nicht statthaft? — Ja, ja, Malesius, ich habe gute Augen, und habe den Brief lesen können. Deshalb schützte ich auch eine Abhaltung vor, als Herr von Rahden vorschlug, die Partie woanders — erinnern Sie sich dieser Worte? — fortzusetzen. Ich beabsichtige nicht, noch einmal mit Herrn Baron von Rahden zu spielen."
„Also durch einen^Falschspieler ruiniert!" brach Malesius aus. „Denn ruiniert bin ich, Herr von Holtay, wenn Sie mir nicht eine längere Frist bewilligen!"
Holtay legte beruhigend feine Hand auf den Arm des Erregten:
„Aber ich sagte Ihnen doch schon gestern, lieber Malesius, daß wir die Sache freundschaftlich in Ordnung bringen wollen! Ich weiß genau, daß Sie
über solche Beträge nicht verfügen. Erweisen 6I< mir eine kleine private Gefälligkeit — und Ihre Schuld ist gestrichen!"
,J)err von Holtay, ich würde das mit tausend Freuden tun! Aber was für eine Gefälligkeit kann das fein, die Ihnen einen solchen Bettag wert wäre?"
„Den Betrag und vielleicht noch mehr. Hören Sie gut zu."
Mit leiser Stimme sprach Holtay auf Malesius ein. Der wollte erst auffahren. Dann aber zwang er sich zur Ruhe. Was blieb ihm auch übrig9 Mit bleichem Gesicht nickte er. Holtay übergab ihm einen Umschlag mit zweitausend Mark.
„Das ist der Rest der zehntausend Mark. Der steht Ihnen noch zu. Also, Herr von Malesius. ich erwarte Ihre Nachricht! Falls wir uns irgendwo rieften, denken Sie daran, daß wir Bekannte sind — nichts weiter, und daß unsere kleinen Geschäfte niemanden etwas angehen."
7. Kapitel.
Das heiße, schwüle Wetter des Sommers bekam Frau von Metten nicht gut. Bei solch drückender Hitze machte sich ihr Herzleiden leicht bemerkbar. Sie hatte schon während des Krieges etwas dagegen tun sollen. Aber sie hatte nicht recht gewollt. „Es wird schon besser werden, wenn der Junge erst heil aus dem Felde zurück ist. Um unsere eigenen kleinen Leiden dürfen wir uns als deutsche Frauen jetzt nicht kümmern. Das ist nicht so wichtig." Der „Junge" war aber nicht wiedergekommen. Das Herzleiden machte sich mehr und mehr bemerkbar. Irene hörte vom Nebenzimmer aus, daß die Mutter nicht schlief, sondern leise stöhnte. Schnell schlüpfte sie in ihren Kimono und ging in das Schlafzimmer der Mutter.
„Gehts dir wieder nicht gut, Mutti? Ich mache dir schnell einen kalten Herzumschlag, und bann nimmst du deine Tropfen!"
„Die Tropfen sind im kleinen Zimmer, Kind! Beim Ausräumen haben wir sie dort in den kleinen Schrank gestellt."
„Ich bring sie dir gleich, Mutterle! Wirkt die Herzflasche schon?"
Ein leises Nicken war die Antwort. Irene huscht« hinaus, um die Tropfen zu holen. Im Vorbeigehen sah sie auf der großen Wanduhr, daß es nachts drei Uhr war. Draußen dämmerte es schon. Leise öffnete Irene die Tür zum Korridor, um niemanden, weder Mieter noch die alte Berta, zu wecken.
Da horchte sie auf. Merkwürdig, ihr war, als ob im Zimmer von Herrn Wassiliew gesprochen wurde. „Um drei Uhr morgens?" dachte Irene verwundert. Rasch brachte sie der Mutter die Tropfen. Der Anfall war schon im Abflauen. Nach der Medizin schlief die Mutter gewöhnlich gleich fest ein und fühlte sich dann am nächsten Tage zwar nod) etwas müde, aber nicht mehr eigentlich krank.
(Fortsetzung folgt.)
Ihre Verlobung geben bekannt
Katharina Schupp Walter Schattier
Großen Linden, den 11. Dezember 1933
0^72
Auch die Weihnachtsmänner...
GOETHE-BUND
Donnrrntag, den 14. Dezember 1933, abend« 8 Uhr Neue Aula
Agnes Hiegel
die grobe deutsche Balladendicbterin
Mitglied der deutschen Dichterakademie
liest aus eigenen Werken
Eintrittskarten, sämtlich numeriert, für Mitglieder des Goethe- Bundes bis zu iwel Plätten treten Eintritt, füi Verbandsmltglleder r.u IN) Pf. gegen Einübung des Gutscheines Nr. 2 aus der neuen ('.utavheinkarle tKaufm. V. it Gewerbev. Nr. 11) ebenso fiu- Hörer der Volkshochschule gegen Vorzeigen der Hörer- kiirte, für Nichtmltglleder zu l.'<0 Mk. bei Challier und Abendkasse. Für Stndeuteu: Vergünstigunlsgutscheine zu 40 Pf. Kameradschaftshaus, Leihgestemer Weg 16. 74&>D
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