u. a. über seine Tätigkeit im Kampf
aus geschickt, und Dr.
fett und Neuartigkeit.
Form Stellung genommen habe.
Es kommen dann die persönlichen Beziehungen
aus. Kamen Meldun-
Ein käuflicher Kriminalrat.
Oer Bestechungsprozeh Mührbel-Mark - Frankfurter Polizeiproxis unter marxistischer Leitung.
Ausbau ihrer winzigen Zellteile.
Dieses verblüffende Erlebnis vermittelte wie hier, so auch auf vielen anderen naturwissenschaftlichen Gebieten, erst das Derkleinerungsglas für große Zeiträume, die Zeitraffung. Durch sie wird es mit Hilfe des Films möglich, das langsame Geschehen zu beschleunigen und dem Menschen dadurch sinnfällig zu machen. Wie die Klangbilder von Einzeltönen erst eine Melodie ergeben, wenn sie in kurzen Zeitabständen einander folgen, so werden die in langen Zeiträumen aufgenommenen Einzelbilder durch die Zeitraffung zu einem Geschehen, einem Erlebnis. Das mühselige Bildzeichnen, das sich oft über Wochen und Monate erstreckte, übernimmt heute mit unerreichbarer Gewissenhaftigkeit ........ *, der auto-
it Die Verwendung von Filmen mit Zeitraffung ...____j- hat aber nicht nur ästhetische und oolksbildnerische
de eine l Ziele, fie hat sich auch, namentlich in letzter Zeit,
Zeitraffung und Zeitdehnung sind in der wissen- schaftlichen Kinematographie zu unentbehrlichen Hilfsmittelen geworden, um in sehr langsam und sehr schnell ablaufende Vorgänge Einblick zu gewinnen. Wie unendlich schwierig war es z. B. früher, sich ein einwandfreies Bild von der Teilung eines mikroskopischen Urtierchens zu machen. Mit dem auf das Mikroskop aufgesetzten Zeichenappa- rat muhten wir mühsam in bestimmten Zeitabständen Bild für Bild entwerfen, wobei selbst bei bestem Willen die Objektivität der photographischen Linse nie erreicht werden konnte. Diese oft Hunderte von Bildern waren und blieben Einzelbilder von Einzelzuständen, gaben aber keine 3 u Jamme n f rf) au, kein Verständnis für das fliehende Werden der neuen Tochtertiere, für den Um- und
Frankfurt a. M., 11. Oft. (WEN.) Am zweiten Derhandlungstag lieh sich der Angeklagte Dr. Marr u. a. über fein- s“ Ä---'
gegen die Greuelpropaganda gen, so habe er immer schriftliche Beweise nicht- Mischer Zeugen und mit Namen unterschriebene Erklärungen verlangt. Zur Abdämmung der Greuelpropaganda sei von Berlin aus ein Herr nach England gesandt worden. Die Verteidigung übergibt dem Gericht eine Mappe mit Schriften und Broschüren, deren Inhalt beweisen [oll, dah der ZV. zu allen Angelegenheiten, die den deutschen Interessen förderlich waren, in wohlgemeinter
Oer erste Tag.
Frankfurt a. M., 10. Olt. (WSN.) Dor der Großen Strafkammer begann Dienstag der L e * stechungsprozeh gegen den Kriminalrat Ferdinand Mührdel und den Syndikus Dr. Martin Marx. Die Anklage wirft dem Kriminalrat passive Bestechung, fortgesetzte Amtsunlerschla- aung, Urkundenbeseitiguna, Aktenbeseitigung und Verwahrungsbruch, Dr. Marx aktive Bestechung, Anstistung und Amtsanmaßung vor.
Der Angeklagte Mührdel war bekanntlich bei der politischen Polizei tätig. Der Angeklagte gibt Auskunft, inwieweit Geldmittel bei der Polizei zur Verfügung standen, um
die Tätigkeit von Spitzeln ;n honorieren.
Dieses Thema wird in dem Prozeß noch eine besondere Rolle spielen. Vorschriften darüber, wie die Spitzel zu gewinnen und zu bezahlen waren, gibt e» nicht. Die Mittel, die zur Verfügung standen, reichten bei weitem nicht aus, und der Angeklagte erzählt, daß er aus seiner eigenen Tasche manches gab und so gewisse häusliche Ungelegenheiten ihm daraus entstanden. Ä r , .
Der Angeklagte Dr. Marx ist Kaufmannssohn aus Würzburg, wo er 1889 geboren wurde. Dom Oktober 1919 an war er beim Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens tätia, zuerst in Berlin, dann als Leiter der Landesstelle in Frankfurt, die die Bezirke beider Hessen zu betreuen hatte. Der Angeklagte betont, daß der Zen- traloerein es streng vermieden habe, gegen den Nationalsozialismus als solchen etwas zu unternehmen. Es wurde nur in konkreten Fallen einge- schritten, wenn man den Eindruck hatte oder vor Tatsachen stand, die den Schluß zuließen, daß eine antisemitische Betätigung oorlaa. Man war dabei nicht aggressiv, sondern nur defensiv.
Zu der praktischen Tätigkeit, die man ausüble, gehörte auch die Unterstützung politischer Parteien. Unterstützt wurden Zentrum, Sozialdemo- traten, Staatspartei und teilweise auch die Deutsche Volkspartei. Vie Unterstützung geschah durch Hergabe von Mitteln.
3m Herbst 1928 wurde Mierendorf mit 2500 Mark unterstützt, der als guter Redner genannt worden war. Dem Reichsbanner wurden im Juli 1932 800 Mark gegeben, dem Zentrum 1000 Mark, der Staatspartei 500 Mark. Die Sozialdemokratie bekam aus bestimmten Gründen Bargeld nicht. Ein richterlicher Beisitzer fragt, ob von Berlin aus Anweisung bestanden hat, die Mittel für Parteien als Sonde/zweck zu verbuchen. Der Angeklagte erwidert, daß er dies nicht selbst eingeführt habe, es sei in Berlin so gemacht worden. Auf weiteres Befragen erklärt der Angeklagte, nie den Eindruck gehabt zu haben, daß etwas cachiert werden sollte. Es war keine parteipolitische Unterstützung, sondern es lag das Interesse vor, daß alle Parteien, die unterstützt wurden, gleichmäßig den Antisemitismus bekämpften.
Der Angeklagte betont, dah man antinational- sozialistisch, aber nicht anlinational eingestellt
war.
Dr. Marx läßt sich dann darüber aus, wie der Zentraloerein die Greuelpropaganda bekämpfte, und der Vorsitzende verliest eine darauf bezügliche Stelle aus der Zentralvereins-Zeitung. Es kommt bann die Sprache auf den Etatvoranschlag des Landesverbandes. Dort steht unter Ausgaben für Abwehrzwecke: Ablieferung nach Berlin 40 000 Mk., für Verwendung im Landesverband 10 600 Mk.
Als das Gericht zu der Besprechung der Einzel- fälle übergeht, bringt der Verteidiger Müller zum Ausdruck, daß alles, was der Angeklagte Marx getan habe, geschehen sei, um sich gegen drohende Gefahren zu schützen. Es werden Dann die in der Anklage aufgeführten Fälle besprochen, in denen
Hundert Jlügelschläge in der Sekunde
Geheimnisse des Lebens durch Zeitlupe und Zeitraffer.
der ZV. gegen Beamte oorging, die sich zum Nationalsozialismus bekannt hatten.
Im besonderen werden die Fälle hinsichtlich Direktor Jäger und Oberbürgermeister Dr. Ä r e b s behängt, die der ZV. u n rn ö g l i ch zu machen luckte Nach Erörterung weiterer kleiner Falle kommt dann der B o y k o 11 Der Äurfläbte Wie s - baden und Ems zur Sprache. Der Angeklagte verwahrt sich gegen den Boykottvorwurf. Wenn man oorging, so richtete sich das Vorgehen nicht lediglich gegen die Nationalsozialisten, sondern es zielte nur Darauf ab, daß es zu keinen Unruhen kam. Der Angeklagte bekam Zuschriften von ehemaligen Kurgästen, und auf eine Anfrage wurde ihm vom Magistrat mitgeteilt, daß die in den Zu- christen aufgeführten Unruhen und Belüftigungen nicht bekannt seien. Der Angeklagte behauptet, daß er nur die Agitation im Kurviertel beanstandet habe.
©er zweite Tag.
Gelegentlich einer Besprechung mit dem Polizei- präsioenten sollte eine Geldsammlung für die republikanischen Gruppen arrangiert werden.
Die Gelder sollten aber nicht für behördliche oder staatliche Zwecke dienen.
Während bis hierher Dinge erörtert wurden, die unmittelbar mit strafbaren Handlungen nichts zu tun hatten, gelangten nun die Bestechunas- fälle, die dem Angeklagten vorgeworfen werden, zur Sprache. Am 31. Dezember 1928 erhielt M ü h r- del ein Paket mit der Inschrift: „Von uns nahestehender Sette ist mir das beiliegende Paket zur Weiterleitung an Sie übergeben worden: ich hoffe. Ihnen damit eine Freude zu bereiten. Beste Grüße." Dieses Schreiben war von Dr. Marx abgesandt.
Ls drehte sich um ein Präsent, das der IDaren- Hausbesitzer IBronfer Mührdel machen wollte.
Marx nimmt an, daß der Spender anonym bleiben wollte. Mührdel will sich, als das Paket ankam,
zwischen Kriminalrat Mührdel und Dr. Marx zur Sprache. Dr. Marx glaubt, daß er 1928 Mührdel kennen lernte, und zwar durch die Ueberwachungen der Versammlungen des ZV. Der private Verkehr habe 1930 eingesetzt. Die Familien besuchten sich seltener zu Hause, als im EafL Mührdel habe zu dem jüdischen Neujahrsfest dem Mitangeklagten Blumen ins Haus geschickt, und Dr. Marx habe sich Weihnachten durch eine entsprechende kleine Aufmerksamkeit revanchiert. Von der Verteidigung wird daraus hingewiesen, daß in der Heimat Mührdels, im Elsaß, es Sitte sei, derart zu verfahren. Mührdel will den Mitbeschuldigten für ein M i t g l i e b der SPD. gehalten haben. Dr. Marx erklärt, daß er nie Mitglied einer Partei, auch nicht der SPD. war. Auch habe er nie persönliche Beziehungen zu dem sozialdemokratischen Polizeipräsidenten Steinberg gehabt. Er habe mit ihm nur dienstlich verhandelt, und zwar gelegentlich der Wahlen ober vor hohen Feiertagen, wenn es sich um ben Schutz ber Juden vor Ausschreitungen hanbelte.
Aufnahme macht. Diese Biiber bes Filmbanbes werden bann bei ber Vorführung vom Bilbwerfer mit ber üblichen Geschwindigkeit von 16 Bildern in der Sekunde auf die Bildfläche geworfen. So kommt es, daß wir in einer Sekunde 16 Bilder aufblitzen sehen und zu einem Geschehen verbinden, die in Wirklichkeit in 16 Minuten oder vielleicht sogar Stunden gewonnen wurden. Die Verlängerungen spielen sich also, um bei dem Minutenbeispiel zu bleiben, da jede Minute 60 Sekunden Hot, mit einer 16 mal 60 größeren ober 960sachen Geschwindig- feit ab.
Sa entstauben jene Bilderreihen, die einen unauslöschlichen Eindruck van der Entwicklung eines Lebewesens vom Ei bis zum fertigen Tier vermitteln und uns z. B. in den Filmen über Gewebe- Züchtung zeigen, wie nicht nur unter den liebe- wesen, ob Pflanze, Tier oder Mensch „der Kampf der Vater aller Dinge" ist, sondern auch unter ben Einzelzellen in unserem Innern. Wie im Innern jedes mehrzelligen Lebewesens ein Ringen um Sein ober Nichtsein ftattfinbet, ein Wettlauf um die besten ßebensbebingungen, ber nur gebämpit wird durch die geheimnisvolle Selbstregulation, die auch hier zwingt, bas eigene „Zellen-Jch" in den großen Zellenstaat einzufügen, dem die Einzelzelle ange- hört. Filme von ungeheurer Wucht, die selbst Die dauernd mit solchen Dingen umgehenden Forscher verblüfft haben durch ihre ungeahnte Anschaulich-
wie und an wen ber Betrag verteilt werben sollte, verschwieg Mührdel dem Präsidenten gegenüber, das gibt Mührdel zu. Lr gab den Betrag Dr. Schäfer, der ihm unterstellt war, uud dieser teilte ihn In drei Beträge zu je 50 Mark, die an Mührdel, einen Kriminalbeamten und an
Dr. Schäfer gingen.
Es fällt auf, daß fein Untergebener Dr. Schäfer die Verteilung oornahrn, aber Mührdel fuchl Bedenken diefer Art durch die Behauptung zu zerstreuen, daß es bei ber polnischen Polizei eigentlich ein Unter- gebenenoerhältnis nicht gab: bort habe Äamerab- schaftlichkeil geherrscht. Mührbel hat aber bei seiner ersten Vernehmung bestritten, von Dr. Marx ober burch Dr. Marx Belohnungen erhalten zu haben.
In der Nachmittagssitzung kam die Sprache auf die Zahlungen, die lausend an Kriminalrat Mührdel von der Geschäftsstelle des ZV. gemacht wurden. Dr. Marx schilderte zunächst, wie es zur Beschäftigung eines Spitzels kam. Es erschien im Büro eines Tages ein Mann, der sich als erwerbsloser Nationalsozialist bezeichnete. Er sei zwar Nationalsozialist, wolle ober in ber Juben- frage nicht mittun. Es kam zu einer Besprechung mit Kriminalrat Mührbel, unb es kam danach auch zu einer Beschäftigung. Der Spitzel, der Sohn eines höheren Gerichtsbeamten, bekam die Chiffre 1930. Er stellte mit Erfolg verschiedene Ermittlungen an unb würbe bafür bezahlt Dieser Spitzel ist wegen ßanbesoerrats unb Diebstahls bestraft unb sitzt augenblicklich in Strafhaft Es würbe bann besprochen, ob bie Spitzel ihre Gelder quittieren mußten, und wie die Verbuchungs- methoden waren. Dr. Marx äußerte sich dahin, daß
die Spihelgelder unter den Rubriken „Sonderzweck". „Nachrichtendienst" oder „Telegrammgebühren" verbucht wurden.
Arn Schluß des zweiten Verhandlungstaaes äußerte sich Mührdel zu den Bestechungsfällen. Er schilderte ausführlich feine Arbeit mit ben Spitzeln. Es fällt auf, baß er als Kriminalbeamter nicht in der Lage ist, ben Namen bes Hauptspitzels nennen z u können, ber brei Jahre für ihn arbeitete. Die Angaben Mührbels über bie Hohe ber empfangenen Spihelgelber stimmen mit den früher gemachten Angaben nicht völlig überein. Die Verhandlung wirb am Donnerstag fortgefetzt.
, plinargesetz nochgeschlagen unb die Auskunft gegeben, daß dort stehe, daß man ein G e f ch e n k n i ch t zurückweisen dürfe, wenn man mit dem Geber bekannt sei, man würde sonst den Geber beleidigen. Der Angeklagte Mührdel betont dann, daß er sich, wenn er Gaben erhielt, immer revanchiert habe. Das Paket, bas von dem Warenhausbesitzer stammte, enthielt Südfrüchte. Der Angeklagte nimmt an, daß er die Gabe erhielt, weil er dem Warenhausbesitzer privat eine Auskunft über einen Polizeispitzel gab. Dem Angeklagten wird vorgehalten, wenn es eine Privatsache war, so hätte er sich doch nicht zu erkundigen brauchen.
3m Dezember 1932 übersandte weiter ein Kursmakler ein Paket mit Lßworen an Mührdel.
Mührdel erklärt hierzu, daß er den Kursmakler kannte, daß er aber nie in persönlichen Beziehungen zu ihm gestanden habe. Mührdel will sich mit dem Polizeipräsidenten Steinberg besprochen haben, wie er sich bezüglich des Pakets verhalten solle. Er hat bann das Paket der Sanitätsstelle der Polizei- mannfchaft zur Verfügung gestellt und dem Spen- der mitgeteilt, dah es weder üblich, noch ben Beamten gestattet fei, Spenben anzunehmen. Im Sommer 1929 erkrankte Mührbels Kind, und Dr. Marx richtete an einen Arzt ein Empfehlungsschreiben, Mührbel gefällig zu fein; er sei ihm auch schon gefällig gewesen. Die Anklage erblickt darin eine Beoorteilung Mührdels. Am 18. Mai 1930 wurden auf dem israelitischen Friedhof von Schulbuben fünf Grabsteine umgestürzt. Der Fall wurde von der politischen Polizei geklärt. Die Israelitische Gemeinde hat sich für die Tätigkeit der Polizei, so sagte Dr. Marx, dankbar erweisen wollen, und es wurden von ihm dem Leiter der politischen Polizei, Mührdel, 150 Mark für bie Beamten ausgehänbigt, bie sich um bie Aufbeckung ber Tat oerbient machten.
Es lag bei ber Hingabe nicht in ber Absicht, bie Beamten zu pflichlwibrigen Hanblungen zu verleiten. Die Hanblung, fo betont Dr. Marx, war ja längst abgeschlossen. An wen ber Betrag verteilt würbe, wußte er nicht. Er rechnete auch nicht damit, baß ein Teil bes Geldes in der Hand Mührdels verbleiben würde. Mührdel hat sich beim Polizeipräsidenten Steinberg erkundigt, der ihm hinsichtlich der Annahme sagte:
bei einem Polizeiamtmann erkundigt haben, ob himnu yeuit um uumtiujvum nichts im Wege stehe, wenn er es annehme. Der der kinematographische Aufnahmeapparat, Amtmann habe in einem Kommentar zum Diszi- I malisch alle Minute oder Slun
©rutsche Mode
Das Wort „Mode" wird im allgemeinen Sprachgebrauch auf die Art angewandt, in der sich die Menschen, insonderheit die Frauen, zu kleiden gewohnt sind. Die Mode bildet einen Teil unserer Kultur- und Sittengeschichte. Erst seit der Zeit Ludwigs XIV. von Frankreich (1643—1715) hat die Mode einen internationalen Charakter angenommen, und die französische Mode wurde zur Welt- mode. Nur in geringem Ausmaß hat die englische Mode — bei den Männern mehr als bei den Frauen — zeitweise Einfluß erlangt. Auch heute ist ber sranzösische Einfluß noch stark, wenn er auch lange nicht mehr bie Bebeutung hat, wie in ber Vorkriegszeit. Dieser Rückgang hat wohl in der Hauptsache finanzielle Ursachen. Unsere beutschen Frauen sind nicht mehr in ber Lage, bie Gelber auszubringen, die notwendig sind, wenn man sich nach Pariser Mode kleiden will.
Ersreulicherweise Ist neuerdings bei uns im deutschen Vaterland eine starke und, wie wir hoffen wollen, nachhaltige Strömung aufgekommen, sich ganz von französischem Einfluß freizumachen und eine „deutsche Mode" ins Leben zu rufen.
Solche Versuche sind schon mehrfach gemacht worden, haben aber nie zu dem gewünschten Ersolg geführt. Ls ist aber vielleicht nicht ganz ohne Interesse zu hören, daß sich auch einmal im Krieg eine deutsche Militärbehörde mit dieser Frage eingehend beschäftigt hat, weil nämlich die „Mode" und die feindliche „Propaganda" eine Verbindung miteinander eingingen, die im vaterländischen Inter- e|fe unbedingt vernichtet werden mußte.
Unter den tausenderlei Mitteln und Wegen, die unsere Feinde ausfindig gemacht hatten, um lang- fam aber sicher das Gift der Verhetzung, Zersetzung unb Zermürbung in unser Volk zu tragen, spielten auch Die Pariser Modezeltschristen eine Rolle. Sie wurden während des Krieges auf dem Wege über die Schweiz nach Deutschland geleitet, und in ihnen befanden sich versteht unb getarnt alle möglichen Notizen unb kleinere Aufsätze, bie geeignet waren, auf bas weibliche Gemüt zu wirken, unsere Wider- ftonbskraft zu mindern, die Hoffnung auf einen siegreichen Ausgang bes Krieges zu nehmen, unsere Staatsform unb unsere Regierung für den Krieg und die Not verantwortlich zu machen usw. Man rechnete dabei auf die Wirkung, bie bas gedruckte Wort, namentlich wenn es aus dem Ausland kommt, auf deutsche Leserinnen von jeher ausgeübt hat.
Als die Preffeadteilung des stellv Generals • manöos XVJ1L 81. 5t tu Frankfurt a. M. diese
Quelle entdeckte, wurden die aus der Schweiz hereinflutenden Pariser Mode-Iournale verboten und beschlagnahmt. Nur wenige machen sich einen Begriff von der Zahl dieser über bie beutsche Grenze gesanbten Zeitschriften, bie gerade in der Kriegs- zeit von den Franzosen auch solchen Firmen und Privatpersonen zugestellt wurden, die bislang noch gar keine Abonnenten waren, weil man eine möglichst ausgedehnte und tiefgreifende Wirkung ausüben wollte. Die Beschlagnahme hatte auch den Zweck, den Abfluß deutschen Geldes nach den Feind- floaten zu verhindern, denn wir brauchten unser Geld wahrhaftig für andere Zwecke, als für Pariser Modejournale.
Was war nun die Folge dieser Beschlagnahme? Ein Sturm der Entrüstung — bei den beutschen Modefirmen, die behaupteten, daß man ihnen den Lebensfaden abschnitte, und ein Sturm Der Entrüstung bei einzelnen Frauen, denen man dadurch die Möglichkeit nahm, sich an den französischen Modetorheiten zu erfreuen.
Daraufhin wählte man von feiten der Pariser einen anderen Weg, um zum Ziele zu kommen. Die Vertreter und Vertreterinnen deutscher Modefirmen wurden nach der Schweiz geladen, trafen sich dort mit ihren französischen Kollegen und tauschten nun im unmittelbaren Verkehr „Schnittmuster" und auch „Gedanken" aus. die in ihrer Wirkung den gleichen Zweck verfolgten, wie die Propagandanotizen in den verbotenen Journalen. Es gab in der Kriegszeit, im Kampf auf Leben und Tod, deutsche Frauen, die glaubten, nicht ohne Pariser Mode leben zu können. Ein trauriges Kapitel deutschen Nationalgefühls.
Um diesem Treiben entgegenzuwirken, hatte sich der „Deutsche Modebund" gebildet und es sich zur Ausgabe gestellt, eine .deutsche Mode" ins Leben zu rufen. Große Verdienste hat sich in dieser Beziehung Herr Professor Leven von der Kunst- gewerbeschule Hanau erworben, dessen Bemühungen, unterstützt von ben Herren der Presseabteilung des Generalkommandos, es gelang, eine deutsche Modefchau in den Räumen ber Tlobefirma Frank in Frankfurt zu schaffen, die ben deutschen Frauen zeigen sollte, wie man mit deutschen Stoffen unb deutschen Mustern ganz hervorragend einfache und wirkungsvolle Kostüme heroorbringen könne. Die Modefchau sollte finnfällig zeigen, daß es wohl möglich fei, sich von den französischen Vorbildern freizumachen. Eine Reihe fürstlicher Damen, an deren Spitze die Frau 5t r o n p r i nie f f i n Cecil i e stand, traten dem Bund bei. Wenn es nicht gelang diesen Gedanken erfolgreich durchzuführen, *o teg dies am Ausgang bes Krieges, ber den Bestrebungen ein Ende machte.
Wenn man bedenkt, daß in der Vorkriegszeit alljährlich viele Millionen Mark für Pariser Modeartikel nach Frankreich gingen, so wird man erkennen, daß es sich hier nicht nur um einen Kampf gegen die Nachäfferei fremder Sitte handelt, sondern auch um eine finanzielle Frage. Denn war es nicht Nachäfferei, als z. B. im Jahre 1913 die Pariserinnen als Kompliment für ihre englischen Freunde die schottische Mode (Highland) einführten, die deutschen Frauen diese Mode sofort nachmachen mußten, mit dem Erfolg, dach die Französinnen sich über ihre deutschen Geschlechtsgenossinnen luftig machten. Allein für diese Modeerfin- bung gingen Tauscnbe unb Abcrtausenbe von Mark nach Paris. Achnlich ging es mit anberen französischen Mvbeschöpfunaen, z. B. ben Bulgaren Blusen Enbe ber achtziger Jahre bes vorigen Jahrhunberts. Man könnte noch eine Fülle von Beispielen anführen für biese Nachäfferei französischer Mode burch beutsche Frauen, bie sich boch barüber flar sein sollten, baß bas, was ben Französinnen steht, sich noch lange nicht für beutsche Frauen eignet.
Aus finanziellen Grünben, vor allem ober aus ©rünben der Selbstachtung sollte endlich mit der französischen Mode Schluß gemacht werden. L. Q.
„Moral und Liebe/*
Dieser Film, den man seit gestern im neuen Programm bes Lichtspielhauses zu sehen bekommt, empfing feine entscheibenbe Anregung aus den mannigfachen wirtschaftlichen Noten und Wirren unserer Zeit: ein Fall, der sich in solcher Zuspitzung des Konfliktes zwar Dcrhältnismäfeig selten ereignen dürfte, der ober als Problem mit dem ernsthaften Willen zur Lösung zur Diskussion gestellt unb mit allem hier bringend gebotenen Takt be- hanbelt wirb. (Buch von Max Glaß.) Lus dem ursprünglich rein sozialen Fall entwickelt sich Schritt für Schritt ein Ehefchaufpiel, bas sowohl psychologisch wie kriminell mit außerorbentlicher Spannung zur Entscheidung getrieben wirb. Das Urteil barüber, wie biese Entfcheibung ausfällt, wie bas Frauenopser, bas hier dargestellt wirb, unb bie Haltung unb Hanblungsweise ber am nächsten Beteiligten zu bewerten ist, muh jeder Beschauer für sich selbst fällen. Nach dieser Beurteilung wird es sich auch richten, ob man in dem Film in erster Linie ein soziales Schauspiel, ein Ehedrama ober ganz einfach einen Kriminalfall sehen will. Doch würbe man. wie uns scheint, ben Herstellern unrecht tun, wenn man ihnen lediglich zubilligen würbe, einen Iparnenben Kriminalfilm mit dankbaren tbeatrofi|d)en Wirkungen gebrent zu haben. Die Regie (Georg Jacoby- behandelt bas aus
mehreren Orünben äußerst heikle Thema sehr dezent, babei filmisch geschickt, mit pointiertem Bilbschnltt unb sließenb ineinanbergreifenben Szenen. Die Spielführung wirb burch eine ausgezeichnete Besetzung höchst einbrucksvoll unterstützt. In ber weiblichen Hauptrolle finbet man Grete Mosheim, die weniger ihrer äußeren Erscheinung als ihrem barstellerischen Charakter nach hierfür befonbers geeignet erscheinen muhte: sie gewinnt ber fpröben unb schwierigen Rolle mit vorsichtiger Steigerung unb schlichten Mitteln — besonders gegen Ende hin — das Aeußerste an Wirkungsmöglichkeit und menschlichem Ausdruck ab. Ihr Partner (im Privat« leben übrigens ihr Gemahl) ist Oskar H o m o l f a ; man kennt ihn als klugen und oft urwüchsigen Charakterspieler, ber. hier sehr beherrscht unb unter wohltuenbem Verzicht auf äußere Effekte eine starke unb überzeugenbe Leistung gibt. Johannes Bie« mann, sonst ein geschätzter, mit gepflegten Mitteln arbeitender Bonvivant, gelangt hier mit einer ernsten Rolle weit über den feftgelegten Rohmen seines eigentlichen Faches hinaus. Seyr scharf und eindeutig umriffene Gestalten sieht man ferner von Rolo B a l e 11 i, Camilla Horn (bie sich inzwischen, wohl unter bem Einfluß der Garbo, zu einem ganz neuen Tnpus entwickelt hat), Hilde Hildebrandt, Ernst Dumcke. und Paul Heidemann. — Auf bie Bühnenschau, bie im Beiprogramm viel Anklang finbet, würbe bereite hingewiesen. —r—
Zeitschriften.
— ©e ft ermanne Monatshefte bringen in ber Oktobernummer eine Abhanblung non Franz Linde über ben Maler Franz Lenk, bie burch neun farbige Abbildungen bem Leser ben Maler nahe- bringt. Das Heft ist auch weiter sehr reichhaltig. Es sei ber Aufsatz „Die Grundlagen ber nationalsozialistischen Weltanschauung" von Dr. I. von fieers und „Die Wiedergeburt der Kirche und unsere deutsche Sendung" von Dr. Hans Beyer besonders ermähnt. „Die Runen und bie Herkunft ber Buchstabenschrift" behanbelt Universitäts-Professor Dr. Gustav Neckel. Werner Jansen gebenft bes 70. Geburtstages von Gustav Frensien. R. I. Eck schreibt eine einbrucksvolle Abhandluna über .Minder, bie keine Freunde hoben". Aufmerksamkeit dürften auch die Artikel „3m Brutgebiet der Silbermöwen" von Gertrud Scheelk mit acht Aufnahmen der Verfasserin unb „Zwischen Wäldern, Schilf unb Wiesen* von 6. Skid mit elf farbigen Zeichnungen finden. Von Georg Grabenhorit finden wir eine feinsinnig* Novelle „Der ferne Ruf".


