Ausgabe 
12.10.1933 Zweites Blatt
 
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Nr. 259 Dritter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Donnerstag, 12. Oktober 1935

Englands neueste Festung der Lüste

Der Taufakt des RiesenflugbootsPerth". Im Vordergrund der Gefechtsturm, der ein 3,7-cm-Schnell- feuergefchütz aufweist. Außerdem ist das Flugzeug mit drei Maschinengewehren ausgerüstet und vermög eine Bombenladung von 20 Zentner mit sich zu tragen.

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-Hotel in Havanna.

Der Höhepunkt der blutigen Kämpfe auf Kuba war die Einnahme des Rational-Hotels in Havanna, in dem sich die dem früheren Präsidenten Machado treuen Offiziere verschanzt hatten, durch die Soldaten des Sergeanten Battista. Das Hotel wurde vollständig zusammengeschossen, und die Offiziere zumeist niedergemetzelt. Kubanische Offiziere verlassen mit ihren verwundeten Kameraden als Gefangene das Hotel nach der Uebergabe.

Die Einsturzkalastrophe von Mailand.

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Bei den feit Monaten in Gang befindlichen Abbrucharbeiten auf dem Gelände des alten Mailänder Hauptbahnhofs stürzte eine Eisenbahnüberführung, von der bereits einige Stützen weggenommen worden waren, aus die darunter befindliche Verkehrsstraße und begrub eine größere Anzahl Passanten unter sich.

Sieben Tote sind zu beklagen.

Napoleons Orden wieder im Berliner Zeughaus

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Die nach der Schlacht von Waterloo erbeuteten zahlreichen Orden des Kaisers, die einst den Grundstock der Zeughaus-Sammlung bildeten, waren seit der Verbrennung der französischen Faynen durch vater­ländisch gesinnte Studenten verschwunden. Jetzt wurden sie von einem Ungenannten dem Ministerpräsi­denten Göring zugestellt, der sie dem Zeughaus zur Neuausstellung übermittelte.

Rheinisch-Westfälische Kampsspiele.

Am vergangenen Samstag und Sonntag war Gelsenkirchen der Treffpunkt für den ganzen Westen Deutschlands. Zum ersten Mal wurden dort Kampf­spiele nationalsozialistischer Auffassung durchgeführt. Es dürfte interessieren, daß neben den Vertretern der SA., der SS., des Stahlhelms, der Hitler- Jugend und sämtlichen sonstigen Formationen Ver­treter des Waffenstudententums aus deutschen Hoch- schulen erschienen waren, und so nach außen hin die durch den Sieg der nationalsozialistischen Idee ge­wonnene einmütige Auffassung deutscher Belange zwischen dem Arbeiter der Stirn und dem der Faust bekundeten. Mittelpunkt der gesamten Ver­anstaltungen war ein Aufmarsch imposanter Gestaltung und Aufmachung. 80 000 bis 100 000 Menschen waren zusammengeströmt und bewegten sich im Aufmarschzuge zum Festplatz. Erstmalig be­merkte man hier mitten unter den Kampsteilneh­mern Waffenstudenten im Vollwichs mit Bannern und Standarten. Sie gaben dem gesamten Festzuge ihr Gepräge. Sämtliche Korporationen und Korpo­rationsvertreter wurden von derDeutschen Wehr- Ichaft" gestellt, von dem Verbände, der von Front­soldaten, denen an Tradition nichts gelegen war, in der Stunde, in der durch die Unterzeichnung des vchanddiktates von Versailles deutsches Land preis- gegeben und deutsches Volk vergewaltigt wurde, am Hermanns-Denkmal gegründet wurde. Oie Deutsche Wehrschaft", deren Auflösung bereits im Jähre 1921 durch die 6-tente aus nichtssagenden Gründen verlangt worde., ist, ist der Verband, der sich als Verband von Anfang an auf den Boden her Grundideen nationalsozialistischer Lebensgestal- lung stellte, der Verband, der ungeachtet aller An­feindungen von Anbeginn den Kampf in schärfster Form gegen alles Fremdrassige und daneben, was damals völlig neu war, gegen das Freimaurertum iiufnahm.

Auch durch ihre Beteiligung am 1. Deutschen gro­ßen nationalsozialistischen Sporttage im Herzen des Industriegebietes bekundete dieDeutsche Wehr- Idiaft" ihre innige Verbundenheit mit Volk und ifanb, ihre Grundsätze von Einfachheit und Schlicht- leit, bekundete insbesondere, daß gerade sie ge- slhlossen hinter dem Führer des deutschen Volkes, Dem Schirmherrn der Deutschen Wehrschaft, dem Bolkskanzler Adolf Hitler, steht.

Es freut uns jeftfteUen zu können, daß der Deutschen Wehrfchaft" bei dieser überwältigenden Kundgebung nicht nur von nationalsozialistischen Führern und von den kommunalpolitischen Leitern, sondern von der gesamten Bevölkerung ein Emp­fang zuteil wurde, wie wir ihn selten zu verzeich­nen gehabt haben; eine Iubelfanfare löste die andere ab, nicht endenwollender Beifall überschüttete die jungen Akademiker, die als Chargen ihrer Korporationen jeweils von ihren Bundesführern im Braunhemd geführt wurden, als sie nach mehr­stündigem Marsch vor ihrem Unterkunftshotel ein» trafen und es sich nicht nehmen ließen, trotz der großen Müdigkeit, trotz des beengenden Wichses, trotz der Belastung durch schwere Fahnen und Standarten, in einem schneidigen Parademarsch vor ihrem Verbandsführer vorbeizumarschieren.

Kalender derOeutschenArbeit4934."

Der Kalender der deutschen Arbeit 1934 wurde soeben von der Deutschen Arbeitsfront herausgege­ben und bildet mit (einem Inhalt ein einzigartiges Dokument von demHohelied der Arbeit". Das 224 Seiten starke Buch enthält allein über 70 künstle­rische Bilder von Arbeitstypen jeden Berufes. Den ersten Abschnitt bildet ein eingehendes Kalendarium der für die deutsche Revolution Gefallenen Damit wird der Leser an die Helden erinnert, die sich selbst als größtes und letztes Opfer für die Errichtung des neuen Reiches gaben. Es folgen Beiträge von Reichsminister Dr. Goebbels und Arbeitsmini- fter Franz Seldte, außerdem von weiteren Pro­minenten der Arbeiterbewegung und der natio­nalsozialistischen Partei, wie Walter Schuhmann, Johannes Engel, Hans Hinkel, Willi Bör­ger, Hans Biallas, Gruppenführer der SA. Karl Ernst ufw. Dazwischen sind Erzählungen, Ge- dichte und Lieder eingefügt. Der Kalender ist zum Preise von 0,50 Mk überall zu haben. Dieser Preis steht in keinem Verhältnis zu der guten Ausstattung und wird jedem deutschen Menschen die Anschaffung ermöglichen. Sein Inhalt wird dazu beitragen, bei jedem einzelnen Berufsstand das Verständnis für die Arbeit des anderen zu fördern und damit die Men­schen gegenseitig näherbringen im Sinne einer gro­ßen Volksgemeinschaft. Weiterhin wird vom Erlös ein größerer Betrag an dieSpende der nationalen Arbeit" abgeführt. Arbeit ist Inhalt des Lebens; so gebe denn jeder Deutsche Volksgenosse wieder an­deren neuen Lebensinhalt durch Anschaffung des Kalenders der Deutschen Arbeit".

Zeitsragen des Films.

Frankfurt a. M., 11. Oft. (WSN.) In einer gut besuchten Versammlung der Lichtspiel­theaterbesitzer von Hessen und Hessen- Nassau kam eine Anzahl Fragen zur Bespre­chung, die von erheblichem allgemeinen Interesse sein dürften. Das Reichsfilmkammergesetz wirkt sich, wie der Landesverbandsvorsitzende Matter feststellte, sehr segensreich aus. Erstens müssen sich heute alle Außenseiter organisieren, wenn sie Filme bekommen wollen, und zweitens fallen jetzt Streitigkeiten wegen Eintrittspreisunter­bietungen weg. Auch die lästige Konkurrenz der sog. Wanderkinos hat jetzt aufgehört. Die Landes­filmstelle zeigt zwar nach wie vor Partei-, Kultur- und politische Filme, aber der reine Spielfilm sei den Lichtspieltheatern vorbehalten. Akut war die Frage, ob die Kinobesitzer Filme mit jüdi­schen Darstellern spielen müßten, lieber diese Frage hielt Herr Zimmermann (Frankfurt am Main) einen Vortrag. Filme mit jüdischen Dar­stellern, die vor der Umwälzung abgeschlossen und auch zensiert sind, müssen gespielt werden, und zwar schon deshalb, weil in jedem Film erhebliche Ver­mögenswerte investiert sind und die Zensur nur Filme durchgelassen habe, die nicht gegen das Dritte Reich verstoßen. Die Weiterbeschäftigung eines ge­wissen Prozentsatzes von Juden im Film sei ge­stattet, und wenn in Filmen der neuen Produktion Juden beschäftigt würden, so geschehe dies nur im Einverständnis mit der Filmkammer. In Fällen, wo die Kinobesitzer durch das Spielen von Filmen mit jüdischen Darstellern Schwierigkeiten haben sollten, solle sich der Kinobesitzer an seinen Lan­desverband wenden.

Drei Zahre Gefängnis wegen Münzverbrechens.

Mainz, 10. Oft. (WSN.) Der 37jährige Me- chaniker Hermann Kohn aus Worms-Herrnsheim wurde im vorigen Jahr dabei erwischt, als er in Gau-Odernheim durch Schuljungen in Bäckereien und Metzgerläden falsche Fünf mark st ücke in Zahlung gab. Kohn wurde verhaftet. Bei einer Haussuchung bei ihm fand man mehrere falsche Fünfmarkstücke, sowie Werkzeuge und Material zur Herstellung von Falschstücken. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gestern vor der Ersten Großen Strafkammer gegen Kohn wegen Münzver-

brechens verhandelt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu drei' Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust.

Ein Eifenbahnzng voll Elefanten.

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Ankunft des Zirkus Krone zu einem mehrtägigen Gastspiel in der Reichshauptstadt.

Daten für Donnerstag, 12. Oktober.

1492: Kolumbus entdeckt Amerika, er landet auf Guanahani (Westindien). 1896: Der Komponist Anton Bruckner in Wien gest. 1924: Das Zeppe­lin-Luftschiff L. Z. 126 verläßt Friedrichshafen zur ersten Fahrt nach Amerika.