Ausgabe 
12.10.1933 Frühausgabe
 
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Verdacht einer

Aus der Provinzialhauptstadt

den

vereine und sportliche Darbietungen werden unterhaltenden Teil des Abends bieten.

Interessante Zahlen von der Braunen Messe.

Me würden die Siedler ihr heimisches Volkstum durch Generationen bewahren (eine Minderheiten­frage gibt es in Südamerika nicht, wenn man von dem ganz anders gelagerten Indianerproblem ab- Hebt und die Schulgeseggebung Argentiniens und namentlich Brasiliens ist außerordentlich tolerant). Das beweist das Beispiel der Deutschrussen in der Provinz Buenos Aires und in Entrerios, der Deutsch-Schweizer in Santa FL und in Mrsiones. Große und fruchtbare Landstriche warten in diesem Erdteil auf fleißige Hände...

lassen mußte. In der englischen Metropole war mit sicherem Instinkt erkannt worden, daß die Ver­pflanzung einer Idee, die sich in anderen Ländern als so erfolgreich erwiesen hatte, nach Irland ge­eignet sein könnte, die englisch-irischen Schwierig­keiten mit einem Schlage zu beseitigen.

Wie wir von zuständiger Seite hören, ist die Braune Messe" in Gießen, die vom 30. Septem­ber bis 8. Oktober stattfand, ooif über 28 000 Per- Ionen besucht worden. Davon wurden durch die Tageskassen derBraunen Messe" nahezu 16 000 Besucher gemeldet, unter ihnen etwa 4000 Erwerbs­lose und Kinder, die zu halben Preisen Einlaß er­hielten. Die Gießener Straßenbahn, die bekannt­lich verbilligte Fahrscheine in Verbindung mit ver­billigten Eintrittskarten zur Messe ausgab. beför­derte insgesamt 12637 Perlonen, davon allein am letzten Sonntag etwa 4 500. Aus dem Verkauf der verbilligten Fahrscheinhefte und Eintrittskarten durch die Straßenbahn wurden 5054,80 Mark verein- nahmt

Schöffengericht Gießen.

Der auf der Durchreise in Gießen weilend« Schreiner Ferdinand Will aus Neuhof beleidigte in der übelsten Weise in einer hiesigen Wirtschaft die SA., indem er deren Zioilabzeichcn alsDer- brecherabzeichen" bezeichnete. Für diese gemeine Beschimpfung erhielt er 2 Mo nate Ge s ä n g n i s, nachdem der Staatsanwalt 5 Monate beantragt hatte. Die Untersuchungshaft wird dem Angeklag­ten angerechnet.

In einem weiteren Falle machte sich der Zim­mermann Georg B e tf c r aus Bad-Nauheim inso­fern strafbar, als er in einer dortigen Wirtschaft im Beisein einer Anzahl Gäste in Der unerhörte­sten Weise den Führer und seine SA. beleidigte. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten. Das Gericht hielt die Doraussetzun- gen des § 3 Abs. 1 der D0. vom 21. Marz 1933 für gegeben und erkannte auf 5 Monate Ge­fängnis. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Angeklagten zur Last.

Der in Vilbel wohnhafte Telegraphenarbeiter Peter Muth hatte ebenfalls am 21. Juli d. I. die nationale Regierung angegriffen, wofür er gestern einen Monat Gefängnis erhielt Lediglich der Umstand, daß das Gericht in diesem Fall die Oeffentlichkeit" der Beleidigung ablehnte, bewahrte den Angeklagten vor der von dem Staatsanwalt anaesetzten Strafe von 3 Monaten Gefängnis. Die Kosten trägt der Angeklagte.

Die Ehefrau und Friseuse Äaroline Mieter von Bad-Nauheim stand wegen schwerer Beleidigung des Stadtoberhauptes von Bad-Nauheim vor Ge­richt. Anläßlich des Besuchs einer Kundin warf sie dem Bürgermeister allerlei strafbare Handlungen vor, die jeder Grundlage entbehrten. Diese Schwätze- rei kostete sie 6 Wochen Gefängnis. Die Kosten des Verfahrens trägt die Angeklagte. Der Antrag des Vertreters der Anklage lautete ent­sprechend.

Wegen Diebstahls bzw. Beihilfe dazu hatten sich die Brüder Hans und Karl R. aus Lollar zu ver­antworten. Im Juli d. I. begaben sich die Ange­klagten, nachdem sie schon tüchtig in Lollar dem Alkohol zugesprochen hatten, auf die Dodenburg. Nachdem sie hier vor verschlossener Tür standen es war um 5 Uhr stieg der Angeklagte Hans R. in ein Fenster ein und entwendete mehrere Flaschen Likör, Schnaps usw., die er zusammen mit dem anderen Angeklagten verbrauchte. Das Gericht er­tön nie gegen Hans R. auf 3 Monate, gegen Karl R. auf 1 Monat Gefängnis, nachdem txr Staatsanwalt 6 bzw. 4 Monate beantragt hatte.

gern Verkauf bot, ober wenn er es lm Großen maschinell bewirtschaften wollte. Regierungsland Hegt meist zu weit von billigen Verkehrsmöglich- feiten entfernt, außerdem ist man Dabei auf die oft spät und willkürlich erfolgende Vermessung an- gewiesen. Am besten ist es deshalb, wenn eine größere Gesellschaft einen umfangreichen Land- komplex, mehrere tausend Hektar, direkt vom Be­sitzer kauft (die stark verschuldeten Estancieros geben gerade gegenwärtig größere Stücke chres Besitzes gern ab) und in kleinen Parzellen an eine Ge- meinschaft von Siedlern ab gibt; in einem solchen

Vogelschutz im Herbst.

Der Spätherbst ist die Zeit, in der die Hilfe für die Vögel, die in unseren Breiten überwintern, be­gonnen werden muß. Denn wenn wir erst bei Schneefall und Sturm Futter auf die Fensterbretter streuen, ist das ganz wirkungslos. Die Vögel kennen die Stelle noch nicht, an der das Futter zu finden ist, und bann verweht es im Wind. Müssen sie aber nach durchfrorener Nacht erst einige Stunden mit leerem Magen suchen, so gehen sie ein, da der Vogelkörper auf regelmäßige Nahrungsaufnahme und nicht auf Vorratsfroß eingerichtet ist.

Im Spätherbst, ehe der Schnee fällt, müssen wir die Vögel also angelockt haben, damit sie die Futter- Plätze kennen. Das ist um so wichtiger, als die Plätze von allen Seiten wind- und regengeschützt sein müs­sen, also nicht so gut sichtbar sein können. Ein über- hängendes Dach ist hier der beste Platz: man bringt an der überdachten Wand ein umrandetes Brett (Futtertilch") so an, daß es mindestens in gleicher Höhe, besser noch höher als die untere Dachkante liegt. Der Vogel muß bann von unten hineinfliegen, um Futter zu finden. Scheunen, Schuppen, Unter- sahrten, Lauben usw. sind ausgezeichnete Gebäude. Im Walde sind überdachte Wildsütterungen mit Futtertischen für Vogel hcrzurichten.

Als Futter gibt Dr. Mansfeld, der Leiter der Dogelslhutzstation Seebach (gegründet von dem kürz­lich verstorbenen Freihcrrn von Berlepsch) vor allem Kernobst-, Sonnenblum-, Gurken-, und Kürbiskerne, Hanf, Mohn, Leinsamen, ferner getrocknete Beeren von Eberesche, Hollunder, Weißdorn, Efeu, wilden Wein, an. Sehr gut sind auch Untrmitfamen (Hede­rich. Melde, Disteln, Kletten) und nie fehlen sollten Fette in Form von Rinder- oder Hammeltalg und ungesalzenen Speckschwarten. (Diese sind zur Ver­meidung der Gcfiedereinfettung auf das Brett auf- zunageln!) Brot und Kartoffeln verderben dagegen leicht und joCten nicht ausgelegt werden. Mit den genannten Mitteln können wir unsere Insekten- und Durrnfresier unter den Vögeln sehr wirksam schützen.

Auch der Städter kann viel tun, wenn er an den Fenstern außen richtige Futteranlagen anbringt. Besonders dasMeisenglockchen" an einem Droht aufgehängt, sorgt für ein trockenes Futter.

Keinesfalls darf über der Futterfrage die Herstel- hing von Nistgelegenheiten vergeßen werden. Ein. mal sind Hecke und Busch zu schonen, auch da, wo sie manchmal keinen wirtschaftlichen Nutzen zu bringen scheinen, dann aber muß Ersatz für anbrüchige und fernfaule Bäume geschaffen werden, in Denen sonst der Specht so gute Nisthöhlen anlegen konnte Der Berlepsche Nistkasten ist hier naturgetreuestes Abbild. Unsere Höhlenbrüter leben in der Natur nicht in eckigen Behausungen, sondern in ausgerundeten Höh len. Das Flugloch ist immer an einer vorn überge- neigten Fläche, so daß Regen nicht einfließen kann. Dementsprechend sind auch Nistkasten immer ausgc rundet und mit der Einslugieite vornüber geneigt aufzuhängen. Im Spätherbst sollte man &:> Nist­höhlen aufhängen, um im Winter die Meisen hei ihren Flügen aiyuüxfen. Denn sie b«tragen bann di,

Höhlen zum Nächtigen und um so eher im Sommer zur Brut. Für Meisen und andere Kleinvögel emp­fiehlt die Vogelwarte Seebach bei MühlhausemThü- ringen, ein Aufhängen in Höhe von 2 bis 4 Meter, für Stare von 3 bis 6 Meter. Das Flugloch soll möglichst nach Südosten gerichtet sein, lieber alle sonstigen Einzelheiten gibt die genannte Vogelwarte jederzeit Auskunft.

NSDAP.

Am nächsten Mittwoch, 18. Oktober, 19.30 Uhr, findet in der NS. -Beamtenabteilung des Kreises Gießen eine Versammlung der Orts­gruppenführer. Fachschaftsleiter und Vertrauens­männer bei S o l d a n, Seltersweg, statt. Auswär­tige Ortsgruppen brauchen nur einen Vertreter zu entsenden, die Gießener Amtswalter müssen voll- zählig erscheinen.

Oie Vorbereitungen zur Handwerks» Werbewoche.

Vom 15. bis 22. Oktober wird bekanntlich im gan­zen Reiche eine Handwerks-Werbewoche durchgeführt. In Gießen sind dazu für nächsten Sonntag folgende Veranstaltungen vorgesehen: In der Volkshalle von 9.30 bis 10.30 Uhr Fest- aottesdienft. Anschließend Fahnenweihe durch den Handwerkskammerpräsidenten Müller, hierauf Verteilung der Meisterbriefe an Jungmeister durch den NS.-Hago-Kreisführer Neumann (Schotten). Sonntag um 15 Uhr wird ein großer Festzug mit zahlreichen Festwagen, in dem Die einzelnen Handwerkszweige Ausschnitte aus ihrem beruflichen Schaffen bieten werden, vom Wetzlarer Weg aus durch die Hauptstraßen der Stadt zum Oswalds- garten gehen. Der Sonntag wird mit einem großen Werbeabend in der Volkshalle ab 20 Uhr sei­nen Abschluß finden. Bei dieser Veranstaltung wer­den Dr. Röder (Gießen) und Bäckerobermeister L o e b e r Ansprachen halten. Gute Kapellen, Gesang-

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Dublin, Anfang Oktober 1933.

Auf dieser schönen, aber offenkundig von einem uralten Fluch beladenen Insel gibt es trotz der Wirren, die Irland nun schon wieder Wochen heimsuchen, Menschen, die glücklich sind. Da, wo die Wogen des Atlantik an die buchtenreiche West- füfte branden, sind hier und da Fischer und Acker­bauern anzutreffen, die kaum ein Wort enalisch verstehen, geschweige denn sprechen. Das G a 11if a) e ist hier zu Hause, die Sprache der keltischen Urem- wohner, die hier seit Menschengedenken dem Fisch­fang nachgehen, ober, weiter landeinwärts, von der nam Absatz hungernden Landwirtschaft ihr kärg­liches, aber unbeschwertes Dasein fristen. Warum diese Menschen glücklicher sind als die übrigen Iren? Nicht, weil sie etwa weniger streitsüchtig wären, sondern weil sie sich nicht über die in England ge­brühten Zeitungen ärgern können, in denen be­hauptet wird, daß sich einefaschistische" Bewegung des Landes bemächtigt habe, um eine Regierung zu stürzen, die das Land an den Rand des Abgrundes brachte.

Erscheinen aller im graphischen Gewerbe tätigen Personen, einschl. Buchbinder, Hilfsarbeiter, HUfs- arbeiterinnen und Lehrlinge, Pflicht ist. Es spricht Der Bezirksleiter Pg. May (Frankfurt).

* Der Deutsche Arbeiterverband der öffentlichen Betriebe, Verdandskreis- Verwaltung Gießen, veranstaltet am kommenden Freitag, 18 Uhr. im CafL Leib, eine öffentliche Kundgebung, in Der Pg. Bezirksleiter Goebel (Frankfurt a. M.) sprechen wird.

Das Fundsachenoerzeichnis. Das Verzeichnis über die im Monat September gefun- Denen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur der Polizeidirektion, Land- ?Mf-Philipp.Platz 1, ein gesehen werden. Die Emp- angsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwa- igen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fund­büro während der Dienststunden gehend zu machen. _ee Keine persönlichen Besuche bei der Stelle für Devisenbewirtschaftung in Darmstadt. In letzter Zeit haben die persönlichen Be­suche bei der Stelle für Devisenbewirtschaftung Darmstadt einen derartigen Umfang angenommen, daß eine ordnungsgemäße, fristgerechte Erledigung bereits vorliegender Anträge nur schwer möglich ist. Es besteht daher Veranlassung, darauf hinzu- weisen, daß Anträge und Anfragen grundsätzlich nur schriftlich zu stellen sind. Eine persönliche Unter» stützung der Anträge wird nur in seltenen Fällen notwendig sein. Die Devisenstelle vermag daher Besucher nur noch dann zu empfangen, wenn diese hierzu ausdrücklich aufgefordert worden find. Im übrigen können persönliche Rücksprachen nur in dringenden Fällen zweckmäßig nach vorheriger fernmündlicher Anfrage zugelasien werden. Die Besuchszeiten sind nur noch an den Vormittagen der Wochentage Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 bis 12 Uhr, am Mittwoch und Samstag können Besucher nicht oorgelassen werden.

* WerkmeisterVeri.'mi

ßen. Die am Sonntagsnachmittag im Gewerkschafts- Haus abgehaltene Werkmeisterversammlung, zu der diesmal auch die Familienangehörigen miteinge­laden waren, war vollzählig besucht. Kollege Stimmer eröffnete die Versammlung, begrüßte die Anwesenden und erteilte dem Bezirksgeschäfts­stellenleiter Kollegen P l a n t i u s aus Frankfurt am Main das Wort. Der Redner hatte für feinen Vortrag das ThemaDie neu geschaffene Arbeits- front und die Aufgaben des Werkmeisters in die­ser Front" gewählt. Die Ausführungen des Red­ners fanden ungeteilte Zustimmung. Als zweiter Redner sprach der Ortsgruppenvorsitzende H. Bar­tholomäus überBevölkerungspolttik und Ras­senpflege". An Hand von überzeugenden Beispielen wies der Redner nach, daß bei Beibehaltung des seitherigen Ein- und Zweikindersystems das deut-- fche Volk bereits in der kommenden dritten Gene­ration rettungslos auf dem Aussterbeetat stehen werde. Natürlich müßten die nicht mit irdischen Gütern gesegneten kinderreichen Eltern auch in dis Lage versetzt werden, eine starke Familie ohne Ent­behrungen am Nötigsten durchbringen zu können. Dies könne geschehen durch Bevorzugung bei Stel­lenbesetzungen, Gewährung höherer Löhne und Ge­hälter und Begünstigung bei Steuerveranlagungen gegenüber den Ledigen und Kinderlosen. Don Der Regierung werde in dieser Hinsicht bas Erforder­liche bestimmt veranlaßt werden. Die durch Der- mittlung des Vorsitzenden gewonnene Kapelle des Stadttheaters trug durch Darbietung feingewählter Konzertstücke zur Verschönerung der Veranstaltung bei, Fräulein Perry vom Stadttheater erfreute durch einen sehr beifällig aufgenommenen Gesangs- vortrag. Nachdem der Vorsitzende noch auf ble Pflicht jedes Einzelnen zur Unterstützung der deut­schen Kunst und damit auch unseres Stadttheaters hingewiesen hatte, fand mit demSingen des Deutsch­landliedes und einem dreifachenSieg-Heil" auf den Führer die Versammlung ihren Abschluß.

Warnung vor einerSchwindlerin mit falschen Schecks. In der weiteren Um- gegenö von Frankfurt a. M. tritt zur Zeit eine Schwindlerin auf. Sie erscheint in Juwelengoschäften und kauft Brillanten usw. Dabei gibt sie falsche Tra­vellerschecks auf Pfund der Thos Cook and Son Bank in Zahlung. Die unbekannte Person ist zu den reisenden Betrügern au rechnen, und cs ist nicht aus­geschlossen, daß sie ihre Tätigkeit auch in weiteren Städten ausüben wird.

Kampfbund Deutscher Architekten und Ingenieure.

Die Ortsgruppe Gießen des Kampfbundes Deut­scher Architekten und Ingenieure vereinigte am Dienstagabend ihre Mitglieder zu einem Diskus- fionsabenD im Cafä Ebel. Der Führer der Orts­gruppe, Diplom-Ingenieur Kurz, hieß die Mtt- glieber willkommen unb machte bavon Mitteilung, baß ber ursprünglich für den Abend vorgesehene Vortrag von Oberbaurat Bergt über die Quellen in Oberhessen und deren wirtschaftliche Bedeutung am 14. November voraussichtlich im Gewerkschafts- Haus gehalten werden wird. In eingehender Weise gab der Redner sodann einen Abriß über bas Werden und Wirken Gottfried Feders und schil- berte babei befonbers seine praktische Tätigkeit als Ingenieur. Die Ausführungen würben mit großem Interesse ausgenommen. Sobann machte Diplom­ingenieur Kurz verschiedene organisatorische Mit­teilungen, die insbesondere die Stellung des Kampf­bundes ber Architekten unb Ingenieure innerhalb ber anberen Verbänbe und Fachorganisationen der Techniker und Architekten barlegten. Von ber Schaffung von Fachgruppen innerhalb des Kampf- bunbes soll vorläufig noch abgesehen werden, um eine Zersplitterung der Kräfte zu vermeiden. Im Anschluß daran hielt Oberbaurat Bergt einen kurzen Vortrag über die Luftschutzübung in Bad- Nauheim. Er wies dabei auf die Notwendigkeit ber Unterrichtung der Bevölkerung in allen Fragen des Luftschutzes hin. In kurzen Ausführungen sprach Der Leiter Der Versammlung noch über Wasserstraßen, in kritischer Weise über Talsperren, Ferngasversorgung unb Neuordnung Des Elektrizi- tätsversorgungswesens, für Die neue Anregungen Vorlagen.

Gietzener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 12.0h. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Landbutter, bas Pfund 1,20 bis 1,30 Mark, Kochbutter 1,10 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, Das Stück 4 bis 10, Eier (inlänDische) 12 bis 13, Wirsing (grün), das Pfund 7 bis 10, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, Gelbe Rüden 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Römisch­kohl 10, Bohnen (grün) 15 bis 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 25 Pf., Feldsalat 1 Mark, Tomaten 10 bis 15 Pf., Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 25 bis 60, Kürbis 6, Pilze 30, Kartoffeln 334 Pf., ber Zentner 2,50 bis 2,80 Mark, Brombeeren, das Pfund 35 Pf., Preißeldeeren 30, Aepfel 12 bis 18, Birnen 10 bis 15, Zwetfchen 8 bis 15, Honig 40 bis 50, junge Hähne 75 bis 80, Suppenhühner 60 bis 70, Gänse 70, Enten 80, Tauben, das Stück 40 bis 60, Nüsse, Das Pfund 50, Blumenkohl, das Stück 5 bis 40, Salat 10 bis 15, Salatgurfen 10 bis 25, Ein- machgurken 2, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 6 bis 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 3 bis 15, Sellerie 5 bis 30, Radieschen, das Bund 10 Pf., Weißkraut, der Zentner 3 Mark.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Moral und Liebe". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg:Die letzten Tage von Pompeji". A.-Berein,Hotel Köhler", abends, Zusammenkunft der Damen.

Aus Dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 20 Uhr, zweite Vorstellung im Freitag-Abonnement, Erstaufführung der Lustspiel-Operette:Die Männer sind mal fox von Walter Kollo; Spielleitung Heinrich Hub. Dpe- retten-Preise. Ende 22 Uhr. Samstag, 14. Okto­ber, 16 Uhr, 1. SchüleroorstellungDie Hermanns­schlacht" von Heinrich von Kleist. Preise von 0,40 bis 1,20 Mark. Um vielen Theaterfreunden, die bei der letzten Ausführung keine Karten mehr erhielten. Die Gelegenheit zu bieten, die OperetteSchwarz- waldmädel" (Frl. Erna Renz in Der Rolle Der Bärbele) nochmals zu besuchen, hat die Intendanz sich entschlossen, dieses Werk am Sonntag, 15. Oktober, 19.30 Uhr, als Sondervorstellung außer Abonne­ment zu kleinen Operetten-Preisen von 0,50 bis 2,50 Mark endgültig in dieser Spielzeit zum letztenmal zur Aufführung zu bringen.

Der Deutsche Verband für psy­chische Hygiene veranstaltet am kommenden Sonntag, 15. Oktober, 11 Uhr, im Hörsaal der Neroenklinik, Am Steg 18, einen öffentlichen Vor­trag über das Thema:Handarbeit und Kopf­arbeit". Auf die heutige Anzeige sei besonders hm- gewiesen.

* Von Der Landesuniversität. Zu ber vor einigen Tagen gemeldeten Berufung von Pro- feffor Dr. S) o f J m a n n aus Tübingen an die hie- fige Nervenklinik wird uns von zuständiger Seite mitgeteilt, daß der Gelehrte nicht als außerordent­licher Professor, sondern als ordentlicher Professor Der Psychiatrie und Nervenkrankheiten und zugleich als Direktor der Neroenklinik unserer Universität berufen wurde.

** Die Glaubensbewegung Deutsche Christen, Kirchengauleitung Hessen- D a rm st a d t, hatte gestern in Frankfurt mit ihren Pfarrern eine interne Besprechung über Organi­sationsfragen. Als kommissarischer Kirchengauleiter wurde Pfarrer Sattler (Wieseck) vom Landes­leiter Pfarrer P r o b st (Frankfurt a. M.) ernannt.

Die öffentliche Ziehung der Aus - losungsrechte zu Gießener Ablösungs- anleihen findet am Dienstag, 24. Oktober, im Stadthaus statt. (Siehe heutige Bekanntmachung.)

* Den Verkauf von Kraut, Kartof­feln und Ob st in Wagenladungen betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei in unse­rem heutigen Anzeigenteil, die wir Den Interessen­ten zur Beachtung empfehlen.

Geschäftsjubiläum Die Firma Ge- brüDer Iullmann (Markenartikel Grohhandluna, Agentur und Kommissionen), Gießen, Bahnhof- sttaße 67, kann am heutigen Donnerstag, 12 Ok­tober, auf ihr 25jähriges Bestehen zuruckdlicken. Die Firma hat sich aus kleinen Anfängen heraus entwickelt und wurde im Laufe der Jahre zu einem weit über die Grenzen unserer engeren Heimat hinaus bekannten Unternehmen. Die Firma hat sich ttotz der allgemeinen schwierigen Wirtschaftslage in den vergangenen Jahren durch vorsichtige Geschäfts- führung der Inhaber ihre volle Leistungsfähigkeit erhalten und erfreut sich bei ihrem ausgedehnten Kundenkreis besten Ansehens.

* M i e tj u b i l ä u m. Am 15. Oktober sind 30 Jahre verflosien, seitdem Lehrer Ehr. Alb ach im Hause Alicestrahe 34 bei Malermeister H. Launspach wohnt. Während dieser drei Jahr­zehnte haben beide Familien Freud unb Leid mit­einander getragen, und Das Verhältnis untereinan­der war stets ein ungetrübte». Möge dieses gute Einvernehmen allen Mietern und Hausbesitzern zur Nachahmung Dienen.

Der Deutsche A r b e i t e r o e r b a.n d Des graphischen Gewerbes veranstaltet am morgigen Freitag, 18.30 Uhr, im Gewerkschaft»- gew #i Gießen mm Versammlung, zu der das

Die englische Berichterstattung über Die Verhält­nisse in Irland hat in der ganzen Welt eine baby­lonische Verwirrung angerichtet. Nur ihrer Hilfe­leistung, ihrer Propaganda ist ee zu verdanken, daß Die angeblich fast faschistische Bewegung des Gene­rals O'Duffy inzwischen tatsächlich einen Auf- fchwung genommen hat, der in keinem Verhältnis zu ihrer inneren Stoßkraft steht. Wäre die Bewe­gung organisch aus sich yeraus gewachsen, könnte man ihr vielleicht eine Zukunft voraussagen, so aber wird chr nach menschlichem Ermessen nur ein zweifelhaftes Dasein beschicken sein, vorausgesetzt, daß es dem Präsidenten de Va ler a gelingt, die Winkelzüge des früheren Polizeichefs von Dublin zu parieren.

Als General O'Duffy lm letzten Drittel des Mo­nats Juli die Organisation seiner Blauhemden aus der Taufe hob und den Teilnehmern an Der Grün­dungsversammlung erklärte, daß die neue Bewe­gung bereits über 25 000 Mitglieder habe, war dem politischen Beobachter klar, daß der Regierung de Valero mit Hilfe eines großartigen Bluffs der Gar­aus gemacht werden sollte. Die Nachricht von den aus dem Boden gestampften Legionen des blauhemdi- gen Generals fand in der gesamten Londoner Presse einen Widerhall, der von vornherein den gut angelegten Regie aufkommen i der englischen Metropole war mit

Doppeltes Spiel in Irland

Don unserem L.-Äerichterstatier.

Die Londoner Blätter gebärdeten sich, als ob der Faschismus ein Modeartikel fei. Das Programm der Organisation der Blauhemden wurde in allen Einzelheiten veröffentlicht, wobei es niemanden auf­fallen wollte, daß die Forderung nach einem un­abhängigen Irland in einem Widerspruch zu dem Verlangen nach einer Besserung der irisch-englischen Wirtschaftsbeziehungen steht. Die Wahrheit ist, daß die Londoner Regierung es lediglich auf die B e feitigung des sich auf keinerlei Verhandlungen einlassenden Präsidenten de Valero abgesehen hat, um dann d i e englische Vormacht st el- lung in Irland wiederherzustellen. Dieser unnachgiebige, fanatische Freiheitskämpfer Irlands, dessen Kopf feit dem Aufstand von 1916 chon mehrfach in der Schlinge englischer Henker tecken zu bleiben drohte, hat sich in der Durch- ühruna seiner Pläne so fest und so folgerichtig ge­zeigte, daß Whitehall wieder einmal zu dem in der englischen Geschichte nicht unbekannten Mittel ge­griffen hat, in dem umstrittenen Lande Gegen­sätze anzufachen, aus denen heraus sich bann nach alter Erfahrung die berühmte Situation zum Eingreifen ergeben würde. Es ist bezeich­nend, daß schon wenige Tage nach dem Entstehen der neuen Organisation sich der frühere Präsident Cosgrave mit allen Mitteln für die neue Be­wegung einsetzte. Ihm kam es darauf an, diejenige seiner Anhänger zu befriedigen, denen ein Durch­halten im Freiheitskampf gegen England wirt­schaftliche Einbußen verursachte.

Hier wird also ein doppeltes Spiel getrie­ben. Wenn man sich bas Programm der Blauhem­den ansieht, muß man feststellen, daß es sich in Wirklichkeit nur um die Grundsätze handelt, für die der zähe, hagere Professor de Valero nun schon seit vielen Jahren kämpft. Diese Kämpfe sind nicht u m f o n ft gewesen. Ist es ihm doch innerhalb kurzer Frist gelungen, nicht nur einen Generalgouverneur aus eigener Machtvoll­kommenheit zu stellen, sondern auch den Treueid gegenüber der englischen Krone abzuschaffen. De Valero verfügt im Parlament mit feinen Sinn» feinem und Der allerdings unsicheren Gefolgschaft der Arbeiterpartei über eine solide Mehrheit. Man wird ihm also nicht vorwersen können, daß er sich an der Macht zu halten versuche, ohne die erfor­derliche Mehrheit des Volkes hinter sich zu haben. Daß die Fortsetzung des irischen Unabhängigkeits­kampfes gegen England allerdings noch auf längere Sicht hinaus Opfer von jedem Ein­zelnen, fei er nun Fabrikant, Ackerbauer oder Viehzüchter, verlangen wird, ist jedem nationalden­kenden Iren klar. Die Zukunft wird lehren, ob es de Valero gelingt, im Volke das nötige Verständnis für die weittragende Bedeutung seiner Pläne zu wecken.