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Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Donnerstag, (2. Oktober (933
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Aßen den Asiaten
Von E 2-iutdeu
Immer häufiger in letzter Zeit tönt zu uns aus dem Lande der aufgehenden Sanne der Ruf „Asien den Asiaten!" herüber. Wir wissen freilich, daß diese Losung von der japanischen Politik auch in früheren Jahren von Zeit zu Zeit ausgegeben wurde: so 1918 von dem Ministerpräsidenten Hara, der dem europäischen Schlagwort von der gelben Gefahr das Wort von der Asien bedrohenden „weißen Gefahr" entgegensetzte; später auch von Tanaka, dem Urheber des berühmten „positiven Programms" (1927), das freie Hand für Japan in der Mandschurei und der Mongolei fordert und daher als Vorbote der gegenwärtigen Politik Japans auf dem asiatischen Kontinent bezeichnet werden kann. Tanakas einschlägige Denkschrift wird freilich von manchen für apokryph gehalten. Allein heute weiß z. V. die niederländisch-indische Presse („Batavia Nieuws Blad" u. a.) nicht nur allgemein über ein starkes Wiederaufleben der Monroe-Doktrin für Asien in Japan zu berichten, sondern auch über eine Broschüre des japanischen Kriegsministers A r a k i, die für die japanische Auffassung des Panasiatismus außerordentlich kennzeichnend ist. Japans Herrschaft über die Mandschurei und die Mongolei faßt Araki als die erste Voraussetzung des „japanischen Friedens" in ganz Asien aus, das von den weißen Ausbeutern befreit werden müsse. „Die asiatischen Völker", schreibt Araki, „werden von der weißen Rasse unterdrückt. Aber das heute erwachte japanische Kaisereich kann diese Willkür nicht weiter dulden. Vielmehr hat Japan die moralische Pflicht, gegen alle Mächte aufzutreten, so stark sie auch sein mögen, die die uns durch den kaiserlichen Weg vorgeschriebenen politischen und sittlichen Gebote verletzen. Wo es in Ostasien zu Wirren kommt, hat Japan das Recht und die Pflicht, einzugreifen."
Dieser letztere Grundsatz wird von Japan heute vor allem auf die Mongolei angewandt. „Die Mongolei", so argumentiert Araki, „ist weder chinesisches noch russisches Gebiet, aber sie ist auch kein unabhängiges Land. Als wichtiges strategisches Glacis kann Japan die Mongolei nicht der Gefahr einer russischen Besetzung ausliefern, wodurch dieses Land zu einem Gefahrenherd für ganz Asien würde." Und während der politisierende General dies schreibt, bewegen sich japanische Truppen nach K a l g a n und bedrohen damit auch den Weg Urga — Kalgan, d. h. die Verbindung zwischen Innerer und Aeußerer Mongolei, die für die Ausbreitung russischen Einflusses bisher bedeutsam war, wobei die wiederauflebende militärische Tätigkeit des chinesischen Generals Fengüsiang als „unruhestiftend" Japan den äußeren Anlaß zu dieser neuen Ausbreitung seiner Herrschaft auf dem asiatischen Kontinent gibt.
Doch nicht genug damit: Tokio beherbergt, wie wir weiter sehen werden, auch eine rührige Organisation indischer Nationalisten, die, unter der gleichen Parole eines von Japan geführten Panasiatismus, die Idee der Befreiung Indiens von englischer Herrschaft propagieren. Und wohl nicht ohne japanischen Einfluß ist auch die in Harbin gebildete „M andschu - mongolische Associatio n", die sich zum Ziel gesetzt hat, die große Vergangenheit dieser beiden asiatischen Stämme zu pflegen.
Woher nun dieser panasiatische Kurs im heutigen Japan? Ein ganzer Komplex von Gründen wirkt hier zusammen. Den einen, weltpolitischen Grund hat bereits das bekannte japanische Blatt „Osaka Mainici" vom 24. Juni d. I. deutlich hervorge- hoben, indem es von einer „fundamentalen Re- orientierung der japanischen Politik" im Zusammenhänge mit Japans Austritt aus dem Völkerbunde spricht. Durch diesen Austritt habe sich zunächst eine Isolierung Japans ergeben, der aoer nun durch einen Anschluß an die nächstliegenden Länder und Abschluß von Einzelverträ-
gen mit diesen ein Ende gemacht werden müßte. Ein anderes japanisches Blatt „Shun-Pao" sucht neuerdings diesem Gedanken eine konkrete Gestalt zu geben und propagiert:
1. Ein Bündnis zwischen China, Japan und Mandschukuo, um einen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Block im Fernen Osten zu bilden;
2. Defensivbündnis zwischen China und Japan „gegen Kommunismus und Banditismus", mit Unterstützung der Zentralregierung Chinas durch Tokio;
3. Japan wird keine Einmischung dritter Mächte in seine Asien-Politik dulden.
Dieser dritte Punkt enthüllt uns zugleich eines der weiteren Motive des heutigen japanischen Panasiatismus. Die Flottenmanöver der Vereinigten Staaten im Pazifik, die von ihnen dem chinesischen Finanzminister Soong gewährte Anleihe, die Beteiligung der Amerikaner am Ausbau der chinesischen Luftflotte, ihre (und neuerdings auch der Franzosen) Bemühungen um eine Flottenbasis im südlichen Pazifik — all das hat Tokio nervös gemacht als „Einmischung dritter Mächte" in die Angelegenheit Asiens. Und zu alledem kommt schließlich auch die wirtschaftliche Expansion Japans hinzu. Die japanische Ausfuhr im ersten Halbjahr 1933 betrug, wenn man die wichtigsten Posten zusammennimmt, in Millionen Pen:
nach Mandschukuo 132 (1. Halbjahr 1932 nur 49'/-),
nach Britisch-Jndien 103 (1. Halbjahr 1932 nur 79-/-).
Gleichzeitig verringerte sich, infolge der antijapanischen Boykotte, die Ausfuhr nach China von 71 Millionen Pen im 1. Halbjahr 1932 auf 67 Millionen Pen im 1. Halbjahr 1933. Man weiß, wie insbesondere die Ausfuhr nach Britisch- Indien von England als Dumping-Konkurrenz empfunden wurde, was schließlich zur Kündigung des japanisch-indischen Handelsvertrags führte, die in Japan viel böses Blut machte. Der damit beginnende englisch-
japanische Zollkrieg gab der in Tokio ansässigen Organisation indischer Nationalisten die Veranlassung zu einer antibritischen Agitation. In öffentlichen Plakaten wurde England der Undankbarkeit gegenübe einem ehemaligen, treuen Bundesgenossen Japan beschuldigt, die sich auf der Flottenkonferenz in Washington, im Völkerbund und neuerdings nun auch in jener Kündigung äußerte, die aber „nicht Indien, sondern Lancashire" im Auge haben. Zugleich wird in diesen Plakaten „das 400 Millionen starke Volk Chinas zusammen mit dem 300-Millionen-Volk Indiens" aufgerufen, Indien vom Joche britischer Herrschaft zu befreien.
So spiegelt sich selbst in diesem Aufruf die enge Verquickung japanischer Interessen mit der pan- asiatischen Parole. Sagt aber Tokio selbst: „Pan- afinen", so meint es erst recht sich s e l b st. Und hier liegt denn auch die Wurzel des Mißtrauens gegen Japans Panasiatismus bei seinen nächsten Nachbarn, den Koreanern und den Chine- s e n. Bereits nach Ausbruch des Weltkrieges 1914 warf der große Sunjatfen Japan vor, daß es den Moment versäumte, die Führung Asiens zu übernehmen, und statt dessen nur eigenen Interessen nachjagte. Auf der ersten panasiatischen Konferenz in Nagasaki 1926 platzten bann auch die Gegensätze zwischen Koreanern und Chinesen einerseits, den Japanern andererseits heftig aufeinander. Und auf die oben erwähnten jüngsten Bündnisvorschläge der japanischen Presse antwortet z. B. die patriotische „China-Weekly-Neview" mit dem Gleichnis eines „mit Zucker übergossenen japanischen Giftes..." Und doch bleib t gerade d i e chinesisch-japanische Zusammenarbeit die erste Voraussetzung eines wirksamen und wirklichen Panasiatismus. „Das Problem eines asiatischen Völkerbundes", so schreibt vor kurzem ein Mitglied des japanischen Parlaments, Dr. Hitoshi A s h i d a, „das heute so sehr im Schwange ist, mag zu einer Einigung der Völker Asiens aus Mißtrauen gegen Europa und Amerika führen. Uns Japaner aber geht vor allem die Frage des Zusammenwirkens mit China an; sonst wird jenes Panasien nur e in Aushängeschild bleiben."
AoSivandeningsmöMleile« in Südamerika.
Bon unserem Korrespondenten Or. C. H. Hillekamps.
Buenos Aires, September 1933.
Ein seit mehr als zwanzig Jahren in Argentinien Ansässiger, der, wie die meisten Zugewanderten, das Land weitaus besser als die „Eingeborenen" kennt, sagte uns kürzlich in Buenos Aires: „Argentinien braucht eine Million Kleinbauer n!" Aehnlichen Aeußerungen kann man nicht nur in der Hauptstadt, sondern überall im Lande begegnen, wo man Menschen trifft, die sich mit der Zukunft dieses Staates beschäftigen, der an Flächenausdehnung alle europäischen Länder außer Rußland weit übertrifft. Jeder Kenner des Landes erklärt auch, daß Argentinien noch vielen europäischen Einwanderern Brot zu geben vermag, aber diese Tatsache hindert nicht, daß man zugleich bei allen Amtsstellen der Einwanderungsfrage mit einer gewissen Vorsicht gegenübersteht..
Diese Haltung ist durchaus berechtigt; denn eine lange Erfahrung hat gezeigt, daß nicht einmal die Hälfte der ins Land geströmten fremden Elemente hier ihr Fortkommen gefunden hat, und in Brasilien soll dieser Prozentsatz sogar 30 v. H. nicht überschreiten. Falsche Versprechungen, ungenaue Kenntnis des Landes, Mangel an Geldmitteln und namentlich Unlust zu körperlicher Arbeit sind an diesen Mißerfolgen schuld. Zahllose Einwanderer sind überhaupt nicht ins Landesinnere vorgedrungen, sondern in den Hafen st ädten, in Buenos Aires oder — in Brasilien — in Rio de Janeiro geblieben, und haben das arbeitslose Proletariat, das es hier wie in allen Großstädten der Welt gibt, vermehrt. Deshalb die vor einigen Jahren er
lassene Verordnung der argentinischen Regierung daß Fremde, falls sie nicht zum Besuch hierherkommen und ihre Rückfahrkarte schon in der Tasche haben, nur ins Land gelassen werden, wenn sie entweder eine fefte Anstellung vorweisen können oder schon ein Stück Land gekauft haben, oder aber über so viel verfügen, daß sie wenigstens ein Jahr hier leben können. Diese Maßnahme ist, wie uns überall versichert wurde, nicht gegen die Einwanderung als solche, sondern nur gegen b e 7t Zustrom arbeitsscheuer Elemente gerichtet, die lebiglich nach gewisser Zeit Anspruch auf öffentliche Unterstützung erheben ober bei ihren Konsulaten Gelb für die Rückfahrt verlangen, was ihnen zumeist nicht gewährt werden kann.
Ist dagegen die Auswanderung richtig vorbereitet, so dürste der Erfolg wenigstens zur Hälfte schon gesichert sein. Richtige Vorbereitung aber heißt: Wissen, was man in der Fremde arbeiten wird und wissen, wo man sich ansiedelt. Uebereinstimmend wurde uns, wie auch aus jenem vorher zitierten Ausspruch hervorgoht, versichert, daß Argentinien und auch Brasilien Bauern, namentlich kleine Bauern, nötig habe. Die handwerklichen Berufe, die noch vor wenigen Jahrzehnten vor allem Deutschen und Schweizern gute Unterkunftsmöglichkeiten boten, sind inzwischen auch hier b e - setzt, um nicht zu sagen überlaufen; Möglichkeiten im kaufmännischen Beruf ergeben sich vielleicht von Fall zu Fall, sie kommen jedoch für eine Auswanderung größeren Stiles nicht in Frage. Dagegen können die südlichen Provinzen Argenti
niens, wie auch die brasilianischen Südstaaten noch Bauern in großer Zahl aufnehmen, und es ist bezeichnend und mehr als eine argentinische Höflichkeit, daß man uns hier verschiedentlich erklärt hat, man sehe die Einwanderung des fleißigen deutschen und schweizerischen Elementes besonders gern. Man hält hier nicht viel von Projekten, wie dem des deutschen Generals K u n d t, der nicht weniger als eine Million Bauernsiedler in die peruanischen und kolumbischen Gebirge bringen möchte, gewiß zunächst, weil man eine solche Einwanderung, vorausgesetzt, daß es sich um tüchtige Kräfte handelt, ins eigene Land ziehen möchte, sodann aber auch mit der durchaus einleuchtenden Begründung, daß die Siedler im Ama- zonasgebiet zwar vielleicht gutes Land, aber keine Verbindung mit der übrigen Welt vorfinden werden. Deshalb werden in Argentinien die der Hauptstadt zunächst liegenden Provinzen, Buenos Aires, Entrerios und Santa F6 — sowie mit einer gewissen Einschränkung — auch das früher namentlich von Deutsch-Schweizern bevorzugte Mi- siones empfohlen, wo das Land zwar billiger ist, als in den vorher genannten Provinzen (50 Pesos pro Hektar, während man in der weiteren Umgebung von Buenos Aires für guten Ackerboden etwa 200 Pesos pro Hektar rechnet), wo jedoch ebenfalls die Transportmöglichkeiten geringer sind. Außerdem lohnt der Mate-Bau, der in Misiones zumeist betrieben wurde, wegen des katastrophalen Preissturzes infolge brasilianischen Exportdumpings nicht mehr, so daß schon seit einiger Zeit auch in Misiones keine neuen Matä-Kulturen mehr angebaut werden.
Ein Bauer, der sich in den vorher genannten, bei Buenos Aires gelegenen Provinzen anfiebeln würde, müßte, die Ueberfahrt und den Transport ins Innere nicht eingerechnet, über etwa 8000 Pesos (1 Peso — 0,85 Mk.) verfügen, um etwa 20 Hektar Land, einen (allerdings primitiven) Rancho, Ackergerät und Saatgut kaufen zu können, und für sich und feine Familie noch für mindestens ein halbes Jahr bescheidene Nahrung zu haben. Bei Einwanderern, die nachweifen, daß sie sich im Landes- Innern ansiedeln wollen, trägt die argentinische Regierung zudem die Kosten für die Eisenbahnfahrt, sowie für mehrtägige Verpflegung im (freilich nicht sehr sauberen) Einwandererheim in Buenos Aires.
Der argentinische Siedler muß sich darauf einrichten, zu zwei Dritteln seine Produkte mit der eigenen Familie aufzuzehren, oder direkt zu tauschen, und nur das letzte Drittel auf den Markt zu bringen, wobei gegenwärtig für Gemüse- und Leinsaat- Anbau die besten Absatzmöglichkeiten bestehen. Er muß mit größerem Kapital bginnen, als der Siedler in Brasilien — für den allgemein die brasilianischen Südstaaten, namentlich Santa Cata- rina und Parana, empfohlen werden —, hat dafür jedoch den Vorteil, daß er nicht, wie das meistens in Südbrasilien notwendig ist, Urwald roden muß, sondern sozusagen gleich den Pflug ansetzen kann. Ein Siedler in den erwähnten Teilen Brasiliens dürfte etwa die Hälfte der für Argentinien genannten Summe benötigen, doch ist seine Arbeit zunächst schwerer und außerdem muß er sich barnuf einrichten, in noch höherem Maße als der argentinische Kleinbauer „Selbstversorger" zu sein. Freilich verfügt der Urwaldbauer in den meisten Fällen nach glücklicher Rodung über sruchtbareres und besseres Land, und die wunderbare Landschaft Süd- brasiliens wird ein Heimweh weniger stark aufkommen lassen, als die reizlose Pampa-Ebene Argentiniens.
Immer wieder hört man hier, daß cs sich unbedingt empfehle, in beiden Staaten Land nur in großen Parzellen zu kaufen und die Auswanderung in größeren Gemeinschaften vorzunch- men. Namentlich in Argentinien kann der Kleinbauer keine einzelnen Landparzellen kaufen, und Land zu pachten empfiehlt sich nicht, weil hier fein genügender gesetzlicher Schutz für die Pächter besteht, die oft, nachdem sie ihr Stück Land kultiviert hatten, vom Besitzer wieder davon vertrieben wurden, wenn sich diesem die Gelegenheit zu günsti-
Kleine Sorge... großes GM.
Von Hans Knoche
Der Bvy von Auszug IV. teilt Käthe, dem Zimmermädchen im 2. Stock, mit, sie solle sofort hinunter ins Büro kommen.
Käthe erschrickt. Ihr erster Gedanke ist: Alfred. Natürlich hat sie jemand beim Chef verklatscht. Und nun gibt es Krach. Ober sogar: sie fliegen. Denn biefen Satz haben bie Angestellten bes Hotels gelegentlich immer mal roieber hören müssen: „Ich bulbe unter meinem Personal keine Liebschaften, und wer sich nicht banach richtet, muß gehen."
Währenb sie bie Hintertreppe hinabsteigt, wirb's ihr schwer ums Herz. Unb in ihrem Kopf breljen sich die Gedanken um die Wette und malen mit deutlichen Farben schreckliche und traurige Möglichkeiten. Vor allem: was soll nun aus ihr und Fredi werden? Ach, natürlich ist bann alles aus!
Alfreb hat bie Garagen unb bie Tankstelle bes Hotels unter sich. Er ist ein feiner, anftänbiger Kerl unb liebt Käthe genau so aufrichtig unb heftig wie sie ihn. Schon seit einem halben Jahr steht es für bie beiben fest, baß sie sich heiraten werben. Nur müssen sie bamit noch warten. Denn sie wollen ja nicht etwa, wie so viele heute, in irgenbein möbliertes Zimmer mit Küchenbenutzung ziehen, wo bann alles „so provisorisch" ist, wie Frebi sagt. Nein, sie oerbient, er verbienf. Unb wenn man bescheiben ist, kann man sich in ein paar Jahren gemeinsam so viel zusammengespart haben, baß es zu einer eigenen Anberthalbzimmer- wohnung reicht. Alfreb hat ausgerechnet, baß es in gut zwei Jahren so weit sein kann. Wenn man es recht überlegt: so furchtbar lange Zeit ist bas boch gar nicht!
Derweilen hat sich y es ein Sparkassenbuch angelegt. Was vom Lohn zu erübrigen ist, wirb auf bie Bank getragen. Außerbem fast alles, was burch Trinkgelber „einkommt". Frebi sagt: „Besser ist, wir haben wirklich erst bie unb bie Summe zusammen. Wenn wir bann bie Möbel bar einkaufen, kriegen wir sie billiger als auf Stottern, außerbem haben wir noch bie Zinsen von ber Bank. Unb brütens: In gepumpten Betten schlafe ich nicht." Frebi hat recht, denkt Käthe.--Nur eben biefes
lange Warten!
Man sieht sich ja so selten! Wenn Käthe Ausgang hat, muß Alfreb noch Dienst machen. Das geht manchmal bis spät in bie Nacht. Unb jebe Minute bes Zusammenseins muß man sich mit lauter kleinen Listen unb Kniffen erkämpfen.
Wenn man auch vorsichtig genug ist, sich vom Chef nicht erwischen zu lassen, so weiß man boch,
baß es neibifdje unb gehässige Kollegen gibt, bie nur barauf lauern, wo sie einem etwas am Zeug flicken können.
Unb so wirb es wohl gewesen sein. Gestern waren in ber zweiten Etage bie Gäste alle schlafen gegangen. Käthe hatte vom Gangfenster aus in ben Hof hinuntergeschaut unb hinten bei ben Garagen in Alfrebs Zimmer noch Licht gesehen. Da war sie „auf einen Sprung" ihn besuchen gegangen ... Sicherlich hatte sie jemanb über ben Hof laufen sehen — vielleicht vom Küchenfenster aus — unb heute früh bann nichts Eilegeres zu tun gehabt, als 3um Chef zu gehen unb zu klatschen...
Als Käthe bie breite Milchglastür, bie zum Büro führt, aufklinkt, fühlt sie, wie ihr bie Knie zittern. — Ader brinnen fitzt ber gefürchtete Personalchef so frieblich an seinem Schreibtisch, baß Käthe ihre Angst vergißt unb mit einem höflichen unb frischen „Guten Morgen" auf ihn zugeht.
„Guten Morgen, Fräulein Käthe", sagt freunb- lich ber Chef, „Direktor Sanbers möchte Sie sprechen. Warten Sie einen Augenblick."
Mein Gott, benkt Käthe, was will ber Herr
Direktor von mir?
Inzwischen hat ber Chef ben Hörer feines Telefons abgehoben unb sich mit ber Direktion ver- binben lasten. Eine kurze Mitteilung, bann winkt er burch bas Schiebefenster bem Boy, ber in ber Halle Dienst tut, unb biefer geleitet Käthe erst burch eine Tür im Hintergrunb ber Halle unb bann auf roten Plüschläufern einen stillen Gang entlang bis zum Zimmer bes Direktors, klopft an, von brinnen tönt ein kräftiges „Herein!", ber Boy öffnet bie Tür, unb Käthe steht einer Versammlung von vier Herren gegenüber, bie in tiefen Klubsesseln um einen großen runben Tisch herum sitzen.
„Bitte, kommen Sie näher!" sagt einer ber Herren, in bem Käthe, nachdem sie sich an bie Dämmerung bes Raumes unb ben blauen Rauch, ber aus vier Zigarren zur Zimmerbecke aufsteigt, gewohnt hat, ben Direktor erkennt, ben bas Haus- personal nur selten zu Gesicht bekommt.
„Sie sinb Fräulein Käthe Seltner unb haben, wie ich aus ben Dienstanweisungen ersehe, am 22., also vorigen Donnerstag, von Nachmittag 5 Uhr an in ber zweiten Etage Zimmerdienst gehabt?"
„3a."
„Dann wollen Sie bitte ben Herren hier ein paar Fragen beantworten."
Daraus roenbet sich ber ihr zunächst sitzenbe Herr in seinem Sessel um, schaut sie mit freunblichen Augen hinter einer golbenen Brille hervor an unb fragt: „Sagen Sie, Fräulein Leitner, können Sie sich noch auf ben Gast besinnen, ber am 22. gegen
7 Uhr abenbs bas Zimmer Nr. 93 bezogen hat?" Käthe kann sich noch gut besinnen. Sie hat ein vorzügliches Gebächtnis unb ist aufmerksam unb intelligent.
„Ja, ber Herr hieß... Dr. Koch... Manfreb Koch. Ich habe am Freitagvormittag ein paar kleine Pakete für ihn in Empfang genommen. Dr. Koch hieß er."
„Gut. Können Sie uns auch sagen, wie biefer Dr. Koch aussah?"
Käthe gibt eine klare unb sehr in Einzelheiten gehende Beschreibung bes Gastes von Zimmer 93. Gesicht, Nase, Mund, Haarfarbe, ungefähre Größe unb bann: Anzug, Schuhe, Mantel, Hut. Dann sagt sie:
„Unb bann hatte er einen mittelgroßen, hellbraunen Koffer. Die Messingbeschläge waren sehr blank. Trotzbem war ber Koffer schon alt; und eine Menge Hotelmarken waren darauf."
„Äissen Sie noch, von welchen Hotels?"
„Nein, das habe ich mir nicht gemerkt. Aber etwas anderes ist mir aufgefallen. Auf den Koffer waren mit schwarzer Farbe, wie das so üblich ist, zwei Buchstaben aufgemalt. Ein H und ein S. Ich habe mich noch gewundert darüber. Weil doch diese Anfangsbuchstaben nicht mit dem Namen von Dr. Koch übereinstimmten."
Die Herren am Tisch schauen sich an. „Unterstreichen Sie das", sagt der mit der goldenen Brille zu dem, der sich während des Verhörs in ein dickes Buch eifrig Notizen macht. — Dann werden Käthe noch ein paar Fragen gestellt, die sie alle, soweit es ihr möglich ist, kurz und exakt beantwortet. Und als sic schließlich mit einem freundlichen „Wir danken Ihnen für Ihre ausführlichen Auskünfte" entlassen wird, hat sie das Gefühl, daß der Herr Direktor mit ihr zufrieden war.
Nach fünf Tagen bekommt Käthe von der Firma Neuhausen & Sohn, Juwelen, einen Brief, der lautet:
„Sehr geehrtes Fräulein Leitner! Ihre Angaben, die Sie in Sachen des Juwelenraubes am 22. d. M. in unserem Hause der Kriminalpolizei gemacht haben, insbesondere Ihre Beobachtung bezüglich dex Kofferinitialen, haben maßgebend dazu beigetragen, den Räuber Harry Skaliecki in dem Augenblick, als er von Hamburg aus unter falschem Namen ins Ausland flüchten wollte, bingfest zu machen. Die gestohlenen Pretiosen würben noch vollzählig bei ihm oorgefunben. In Uebereinstimmung mit ben mafjgebenben Stellen haben wir uns infolgebessen bazu entschlossen, bie von uns ausgesetzte Summe von 10 000 Mark zur Hälfte an biejenigen, welche
bie Spur bes H. S. ermittelten, unb zur anberen Hälfte an Sie zur Auszahlung zu bringen. Wir wollen jeboch nicht verfehlen. Ihnen hierburch unseren ergebensten Dank bafür auszusprechen, baß burch Ihren Scharfsinn unser Haus vor einem unersetzlichen Verlust bewahrt würbe. Wir bitten noch um Mitteilung, in welcher Form Sie bie lieber- Weisung ber Ihnen zustehenben 5000 Mark wünschen, unb empfehlen uns Ihnen
in vorzüglicher Hochachtung! Neuhausen & Sohn."
*
Nun brauchen Käthe unb Frebi nicht noch zwei volle Jahre zu warten.
Wie schnell wächst ein Walfisch?
Man sollte annehmen, baß bas größte Säugetier ber Welt, bas 25 bis 30 Meter lang wirb, Jahrzehnte braucht, um so groß zu werben. Aber biefe Annahme paßte nicht recht zu ben Beobach, tungen ber Walfischfänger. Die Engländer haben nun im vorigen Jahre eine Expebition in ben Süb» atlantif geschickt, bie bas Leben ber Walfische erforschen unb vor allem bie für ben Walfischfang wichtigen Daten bes Alters unb Wachsens feststellen sollte. Die Berichte ber Expebition liegen jetzt vor unb bie Resultate sinb teils recht überraschenb. Die Walfische sinb Wanbertiere wie bie Zugvogel. Währenb bes Winters auf ber südlichen Halbkugel verschwinden sie aus den Gewässern von Süd- Georgien, durchqueren den Ozean und begeben sich an die Küste von Afrika. Im folgenden Frühling kehren sie zurück. In den wärmeren Gewässern des 'Winters kommen die jungen Walfische zur Welt. Bei der Geburt sind sie etwa 7 Meter lang. Ein Walfischweibchen gebiert alle zwei Jahre ein Junges, und zwar in ben Monaten April/Mai. Sie säugt es bis zum Dezember. Die Milch ist sehr fett, enthält aber roeber Eiweiß noch Zucker. Im Dezember nach Beenbigung ber Säugezeit ist bas Walfisch- junge bereits 16 Meter lang. Im Mai bes folgen» ben Jahres ist bas Tier aber bereits ausgewachsen unb geschlechtsreif. Es hat bann eine Länge von 23 bis 25 M»ter erreicht. Das größte Säugetier ber Welt wächst also in einem Jahre sich dis zur vollen Reise aus unb hält bamit zweifellos den Wachstumsrekorb in jeber Beziehung. Dr. K. S.
Hochscbnlnscbricbten
Der o. Professor für öffentliches Recht, an der Universität Jena, Dr. Otto Koellreuter, har einen Ruf an bie Universität München angenommen.


