Aus der Provinzialhauptstadt.
Oer Wert unserer alten Volkstrachten.
Es ist nicht ohne tiefe, innere Bedeutung, daß mit dem Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung auch das Interesse für das Wesen und das Sein unseres Volkstums und seiner Eigenarten ständig gestiegen ist. Die immer mehr zunehmende Zahl der Trachten- und Dolkstumsfeste zeigt, daß der Sinn und das Verständnis in breitesten Volks- kreisen vorhanden war und nur des Anstoßes bedurfte, um es zu Leben und Tat zu bringen. Wer nicht von dem modernen Zeitgeist liberalistischer Prägung befallen ist, dem sprechen diese allen Werke aus Leinen, Samt und Seide eine beredte Sprache von der Entwicklung und Lebenskultur feiner Ahnen. Bis vor wenigen Jahrzehnten mürben die alten Erbstücke noch liebevoll und sorgsam verwahrt und aufgehoben. Jede einzelne Truhe, jedes Gewand und jeder Schmuck hatte seine besondere Geschichte, die von Generation zu Generation sorasam übertragen wurde.
Durch Die beginnende Industrialisierung, die Landflucht und das Auswühlen des reinen Profit- sinnes ist die Pflege dieser Kulturschätze dann immer mehr zurückaetretcn, und jahrelang sah es aus, als ob unsere Zeit dos Ende all dieser Kostbarkeiten bringen würde. Der tiefe Sinn des Nationalsozialismus lag darin, daß er die Menschen wieder in engste Beziehung zum Land, zur Scholle, brachte, aus der heraus das Volk die ewigen, blutmäßigen Werte feines Lebens schöpfen kann.
Der Drang aum Boden blieb aber nicht im Gegenwärtigen haften, er forschte auch in der Vergangenheit und suchte dort die alten Werte und Schätze seiner bäuerlichen Vorfahren. Und dabei tauchte aus so vielen Winkeln doch noch so manche alte Tracht, so manches Handwerksstück auf, deren älteste — in ihren Grundformen — wohl noch aus der Germanenzeit stammen. Die ganze Geschichte und Entwicklung unseres Volkstums können wir an diesen ehrwürdigen Dingen ablcsen und erkennen. Wir wissen, daß es für unsere Vorfahren fein Ding gab, das nur der Zweckmäßigkeit halber seine bestimmte Form bekam. Form und Farbe, alles stand in irgendeiner Beziehung zum Wesen und Charakter von Land und Volk. Deshalb sind uns die alten Trachten und Werkstücke das beste Spiegelbild der Entwicklung der deutschen Volksseele, der Entwicklung des deutschen Kunstgefühls.
NSDAP. Gießen.
Die NS. - Frauenschaft Gießen-Ost hält ihre nächste Singprobe zum großen Frauenschafts- Treffen am heutigen Dienstag, 20,30 Uhr, im „Schützenhaus" ab.
In der Ortsgruppe Gießen-Mitte findet am morgigen Mittwoch, 20,30 Uhr, im „Württemberger Hof" eine Amtswaltersitzung statt, zu der alle Amtswalter zu erscheinen haben.
Kreiötreffen der NS.-Krouenschast.
In der Gießener Volkshalle findet am kommenden Sonntag, 17. September, das NS. - Frauen- schafts-Kreistreffen statt. Der Tagung Jeht um 11 Uhr ein Festgottesdienst voraus. Um 4 Uhr beginnt die Tagung, auf der die Gauleiterin der NS.°Frauenschaft, Frau Brückmann (Darmstadt), Bürgermeister Haug (Darmstadt) und die Reichsführerin der NS.-Frauenschaft Lydia Gotschewski sprechen werden.
NS.-Lehrerbund, Kreis Gießen.
Die Kreisversammlung, die für nächsten Samstag, 16. September, angekündigt war, kann nicht stattfinden, da der vorgesehene Redner, Professor Wirth, dienstlich am Erscheinen verhindert ist. Die Versammlung wird auf später verschoben. Am Freitag, 22. September, findet voraussichtlich eine Versammlung mit Prof. Volkelt - Leipzig als Redner statt.
Zum Bezirfsobmann für den Bezirk L i ch hat der Kreisobmann den Berufsschullehrer Meckel in Lich ernannt.
SS-Aufmarsch und NSKK.-Zielfahri in Bad-Nauheim.
Der Aufmarsch des Sturmbann 4 der SS- Standarte 33 und die Zielfahrt des NSKK.-116 ist nunmehr auf den 15. Oktober verlegt warben. Die Ausschreibungen für die Zielfahrt ergehen in den nächsten Tagen durch das NSKK. 116 Gießen.
Flieger-Vorschule der Hitlerjugend.
Oberbannführer Seifert fordert alle Jugend- genossen, die gewillt sind, an der ©ebietsflieger- Vorschule der Hitlerjugend teilzunehmen, auf. ihre Personalien sofort der Geschäftsstelle des Overbanns IV Oberhessen der HI. in Friedberg, Berg- kaserne, mitzuteilen. Jedem fähigen und arbcts- willigen Jungen ist die Möglichkeit geboten, 'n den Fliegerberuf hineinzukommen.
Auszeichnung des Handwerkskammerpräsidenten Znnungsführer Müller.
Die Innung des Kraftfahrzeug-Gewerbes für Stadt und Landkreis Gießen hat Herrn Handwerkskammer-Präsidenten, Innungsführer Fritz Müller-Mainz zu ihrem Ehrenmitglied ernannt und dabei nachstehendes Schreiben an ihn gerichtet:
„Zum Zeichen des Dankes und der Anerkennung Ihres unermüdlichen Kampfes um die geistige Erneuerung des Handwerkerstandes im Sinne unseres Führers Adolf Hitler haben wir in unserer Mit- aliederoersarnrnlung am 31. August einstimmig be- schlossen, Sie zum Ehrenmitglied unserer Innung zu ernennen.
Wir würden uns aufrichtig freuen, wenn Sie diese Ehrung so auffaßten, wie sie gemeint ist: als das höchste Zeichen persönlicher Wertschätzung, das wir als Innung überhaupt zu vergeben haben, und als Treuebekenntnis zu Ihnen als dem Führer des hessischen Handwerks.
Wir sind zwar noch eine sehr junge Innung, doch fehlt es uns nicht an Willen und Ausdauer, an den Zielen unseres Führers nach allen Kräften mitzu- arbeiten. Das versprechen wir Ihnen!"
Sitzung des provmzialausschuffes.
Der Provinzialausfchuß der Provinz Oberheffen entschied in seiner gestrigen Sitzung folgendes:
Auf eine von dem Bezirksfürsorgeverband der Stadt Neustadt a. d. H. erhobene Klage wurde der Landesfürsorgeverband Hessen, vertreten durch den Bezirksfürsorgeoerband des Kreises Friedberg, verurteilt, an den Kläger die durch die Unterbringung des Kindes Maria Schott aus Dudelsdorf entstandenen Pflegekoften im Betrage von 280 Mark zu zahlen und das Kind in weitere Pflege zu übernehmen.
Eine Klage des Landesfürsorgeoerbandes des
Bezirksverbandes Kassel, vertreten durch den Landeshauptmann zu Kassel gegen 1. den Landesfür- sorgevcrdand Dolksstaat Hessen, vertreten durch den Bezirksfürsorgeverband der Stadt Gießen, 2. den Bezirkssürsorgeverband des Kreises Gießen wegen Erstattung von Fürsorgekosten für den in die Landesheilanstalt in Heina aufgenommenen Geistes- kranken Bitalin Schleirnowitfch wurde als unbegründet kostenpflichtig abgewiesen.
Sonderzugrundfahrt der Reichsbahn nach Braunfels und Saaldurg.
Um jedem Volksgenossen die Möglichkeit zu bieten, im Rahmen einer sehr verbilligten Gesellschaftsfahrt die Schönheiten unserer engeren Heimat kennenzulernen, veranstaltete die Reichsbahndirektion Frankfurt am Sonntag von Gießen aus eine Sonderrundfahrt nach Braunfels und Saalburg. Bei der Beliebtheit dieser Fahrten hatte schon in den Vortagen ein lebhafter Kartenverkauf eingesetzt. Angesichts des prächtigen Spätsommerwetters entschlossen sich viele noch in letzter Stunde und nahmen an der Fahrt teil. Die Leituna der Fahrt lag in Händen von Reichsbahnoberinspektor Kliff- m ü l l e r, der mit Umsicht und Liebenswürdigkeit sein Amt versah.
Pünktlich um 8.10 Uhr verließ der Zug den Gießener Bahnhof. Braunfcls-Oderndorf war bald erreicht. Don hier aus ging es über herrliche Waidpfade zum Braunfelser Schloß, wo in den Schloßanlagen die etwa 400 Teilnehmer von dem Vorsitzenden des Kurvereins Braunfels, Oberstleutnant a. D. Stephan, einem allen Gießener, begrüßt wurden.
In Gruppen, jeweils unter vorzüglicher Führung, begann dann die Besichtigung der Auhen- anlagen des Schlosses, der Befestigun- g c n und der inneren Räume. Die wertvollen Gemälde aus dem 14. und 15. Jahrhundert, mittel- rheinische Plastiken, ein spätgotisches dreiteiliges Altarbild, Gemälde der Fürstlichkeiten von Hohensolms, alte Holzreliefs und Glasmalereien, Bilder von deutschen, italienischen und niederländischen Meistern und wertvolle Prunkvasen boten sich den Blicken der Besucher. Weitere Räume zeigten besonders Bilder des niederländischen Adels aus dem 18.' Jahrhundert, Vasen aus der Berliner Manufaktur, zahlreiche Stahlstiche von Rheinlandschaften usw. Durch den sogenannten Deikergang mit Jagd- gemälden des Malers D e i k e r aus der Zeit um 1860 gelangte man in das Iagdzimmer, das mit vielen alten Stahlstichen und Iogdtrvphäen aus- gestattet ist. Dom Turm des Schlosses hatte man eine prächtige Aussicht auf die Umgebung. Eine Führung durch das Städtchen vervollständigte das Programm.
Sodann ging es mit dem Zuge weiter zur Station 6 a a I b u r g, über Solmsbacf) durch das herrliche Aubach- und Wiesbachtal. Von hier aus begann, wieder in Gruppen, der Aufstieg zum alten Römerkastell Saalburg. Unter Führung von Saurat Jakobi (Homburg) und anderen bewährten Führern begann hier die Besichtigung der einzelnen Räumlichkeiten und Bauten. Besonders inter- essant war das Museum, dessen Bestände sich Haupt- sächlich aus Funden zusammensetzen, die in un- mittelvarer Nähe des Kastells gemacht wurden. Es bot in feiner Ueberfichtlichkeit einen vorzüglichen Eindruck. Nach der Besichtigung war die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges freigegeben. Zwangloses Beisammensein in unmittelbarer Nähe des Kastells hielt die Mehrzahl der Teilnehmer noch einige Stunden vereint. Andere unternahmen Ausflüge in die Umgebung, die zum Teil bis nach Homburg führten. Gegen 20 Uhr wurde die Heimfahrt angetreten. Allenthalben äußerten sich die Teilnehmer sehr befriedigt über den Verlauf der Sonderfahrt.
Daten für Dienstag, 12. September.
1819: der Feldmarschall Leberecht von Blücher in Kriehlowitz gestorben (geboren 1742); — 1829: der Maler Anselm Feuerbach in Speyer geboren (gestorben 1880); — 1836: der Dramatiker Christian Dietrich Grabbe in Detmold gestorben (geboren 1801); — 1852: der englische Staatsmann Herbert Henry Asquith in Morley geboren (gestorben 1928)
Gießener Wochcnmaritprcisc.
* Gießen, 12. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,35 Mark, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 11, Wirsing (grün), das Pfund 10 bis 12, Weißkraut 8, Rotkraut 10 bis 12, Gelbe Rüben 10, Rote Rüben 10, Spinat 15 bis 20, Bohnen (grün) 20 bis 30, Tomaten 12 bis Zwiebeln 10, Kartoffeln 3 Pf., der Zentner 2,50 Mark, Frühäpfel, das Pfund 15 bis 18 Pf., Jallapfel 5, Pfirsiche 30, 35 und 40, Brombeeren 35, Preißelbeeren 28" bis 30, Aepfcl 12 bis 15, Birnen 10 bis 15, Pflaumen 12, Zwetfchen 8 bis 10, Mirabellen 12, junge Hähne 70 bis 75, Suppenhühner 65 bis 70, Blumenkohl 10 bis 50, Salat 10, Salatgurken 20 bis 25, Einmachgurken bis 4, Endivien 10, Oberkvhlrabi 5 bis 7, Lauch 8, Rettich 15, Sellerie 20 bis 25, Radieschen, das Bund 10, Kürbis, das Pfund 6, Romifchkohl 10 Pf
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag: Kampfbund deutscher Architekten und Ingenieure, 20.30 Uhr, Caf6 Ebel, Mitglieder-Dersammlung des Bezirks Gießen und Oberhessen; Dvrtrag von Bürgermeister Dr. Hamm über „Bauordnung, Hypv- thekensragen, Beleihungswesen und seine Auswir- tungen auf den Städtebau . — Palast-Lichtspiele, 9 bis 21 Uhr, Zinnsoldaten-Truppenschau. — Licht- spielhaus, Bahnhofstraße: „Stern von Valencia" mit Liane Heid.
* * Durch d i e Schranken gefahren. Gestern gegen 20 Uhr fuhr ein Lastkraftwagen der Brauerei Ihrina-Melchior in der Richtung nach Lich zu die Licher Straße hinab und durchfuhr die am Bahnübergang bereits herabgelassenen Schranken. Der erste Schrankenbalken wurde von dem schweren Lastkraftwagen glatt durchbrochen, der zweite stark in Mitleidenschaft gezogen, während das Auto zum Teil auf den Schienen stehen blieb. Nun galt cs rasch zu handeln. Der zweite Schrankenbalken wurde schnell beseitigt, so daß der Wagen von den Gleisen fahren konnte. Kaum eine halbe Minute später passierte der fahrplanmäßige Personenzug, der. um 20 Uhr den Bahnhof verläßt, die Straße. Glücklicherweise kam bei dem Unfall niemand zu Schaden. Die Schuldfrage ist noch nicht völlig gelöst.
* * Kleiner Waldbrand. Gestern gegen 20 Uhr entstand an der Licher Straße ein kleiner Waldbrand, der glücklicherweise rechtzeitig entdeckt wurde. Durch den Feldschützen Baum wurde das Feuer mit einigen rasch herbeiaehotten Eimern Wasser gelöscht, bevor es größere Ausdehnung annehmen konnte.
• * Schwerer D e r k e h r s u n f a kl. An der Ecke Goetheftraße und Hindenburgwall ereignete sich heute gegen 10,30 Uhr ein schwerer Verkehrs- Unfall. Ein Motorradfahrer namens Ludwig Wilhelm Wagner aus Mainzlar, der mit feinem Kraftrad den Hindenburgwall entlang nach dem Selterstor zu auf der vorschriftsmäßigen Straßenseite fuhr, geriet plötzlich gegen den Lieferwagen eines auswärtigen Hofgutcs, der au. dem Hindenburgwall vom Sclterstor her kam und anscheinend in die Goetheftraße stadteinwärts biegen wollte. Der Zusammenstoß erfolgte sehr heftig, der Motorradfahrer wurde vom Rad geschleudert und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung sowie verschiedene Verletzungen an Armen und Beinen. Er mußte sofort durch die Freiwillige Sanitätskolonne in die Chirurgische Klinik gebracht werden. Der Zustand des Verunglückten ist bedenklich. Die Untersuchungen über die Schuldfrage find noch im Gange.
• * Die Vereinigung ehemaliger A n - gehöriger des Landwehrregiments Nr. 116 in Gießen hatte auf Samstag ihre Mitglieder, wie alljährlich, zusammengerufcn, um der Feuertaufe des Regimcnts in der Marncschlacht bei Ditry le Francois zu gedenken. Der Vorsitzende W. B o p f begrüßte die zahlreich erschienenen Kameraden und gedachte in erhebender Weise der vielen bei Ditry Gefallenen, die der Liebe zu Dolk und Daterland, getreu dem Fahneneid, das höchste Opfer, ihr Leben, dargebracht haben. Er wies darauf hin, daß man in weitesten Kreisen unserer Volksgenossen heute wieder mehr als noch vor kuv- zcm diejenigen würdigt, die ihr Leben für ihr Dolk eingesetzt haben, und erst recht die, die dabei den Ehrentod erlitten. Eine Abordnung wurde bestimmt, die am Sonntag unter dem Geläute der Glocken einen Kranz in den alten Reichsfarben Schwarz- weißrot am 116er-Denkmal niederlegte. Einzelne Kameraden erzählten dann im Laufe des Abends persönliche Erlebnisse aus der Ditry-Schlacht, im Anschluß daran wurde wiederholt der Wunsch geäußert, es auf irgendeine Weise zu ermöglichen, daß in absehbarer Zeit eine nicht zu teure Fahrt an die Kriegsschauplätze des LIR. stattfinden möge. Um 24 Uhr schloß der Vorsitzende die würdig verlaufene Gedenkfeier.
** Postwurfsendungen. Neben den Misch- fenbungen (Drucksachen und Warenproben zusam- mengepaeft) bis 20 Gramm zu 4 Pf. hat das Reichspostministerium jetzt auch solche über 20 bis 100 Gramm gegen die für Mischsendungen bis 100 Gramm geltende Gebühr (8 Pf.) zur Verteilung als Postwurfsendungen versuchsweise zugelassen. Die den Drucksachen beigefügten Warenproben dürfen jedoch die Höhe von 2 Zentimeter nicht wesentlich überschreiten; im übrigen unterliegen derartige Sendungen den Bestimmungen für Postwurfsendungen.
** Freie Lehrer st eile. Erledigt ist eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der
Volksschule in Raunheim (Kreis Groß-Gerau). Eine geräumige Dreizimmerwohnuna steht zur Verfügung und kann sofort bezogen werden.
400 Kilometer.
Reichsstatthatter Sprenger im Dienst.
Darmstadt, 10. Sept (WSN) Nachdem Reichsstatthalter Sprenger den wiederholten Einladungen der Stadt Neu-Isenburg am Samstagabend Folge geleistet hatte, fand am Neu- Isenburger Schwimmbad durch Bürgermeister Knöpp und den Ortsgruppenführer Luft die Begrüßung in herzlicher Weise statt.
Am Sonntagoormittag beteiligte sich dann der Reichsstatthalter an der akademischen Feier und der anschließend vollzogenen Dcnkmalweihe des 27. Nassauischen Artillerie-Regiments „Oranien" in Mainz-Gonsenheim.
Nach der Erledigung einiger Dicnstgeschäfte in feinem Büro in Darmftaot nahm der Reichs- ftattbaltcr zusammen mit der Führung der SA. auf dem Turnierplatz die Parade der zum „Tag des Pferdes" versammelten berittenen SA.-For- mationen der SA.-Standarte Starkenburg ab. Das gute Reit- und Zug-Pferdcmaterial wurde einer eingehenden Besichtigung unterzogen.
Nach 15 Uhr verließ der Neichsstatthalter Darm- ftadt wieder und traf zwei Stunden später in dem nassauischen Fliegerdorf Hirzenhain im Dill- kreis ein, um dort den ersten Seyelflugwcttbewcrb der Fliegergruppe Südwest mit einer kurzen Rede zu eröffnen. Der Reichsstatthatter liefe sich die ein- zelnen Wettbewerbsmannschaften vorstellen und war dabei Mittelpunkt lebhafter Ovationen. Das Tagespensum war jedoch damit noch nicht erschöpft.
Der Reichsstatthatter liefe es sich nicht nehmen, der Saisoneröffnungsvorstellung des Hessischen Landestheaters noch beizuwohnen. Nach dem Besuch des Landestheaters in Darmstadt nahm der Reichsstatthatter noch die Uebergabe des Adolf- Hitler-Preises und des von ihm gestifteten Renn- Preises an die Sieger vom „Tag des Pferdes" vor. Bei der Vorstellung der Sieger wies der Reichsstatthatter nachdrücklichst darauf hin, dafe der Rennsport, soweit er seinen Einslufe geltend machen könne, nie wieder eine Rennindustrie werden dürfe, sondern der Rennsport und das damit verbundene Messen des Reitermaterials müsse Allgemeingut eines jeden werden, der nur irgend dazu in der Lage sei.
Die Tagesfahrstrecke des Herrn Reichsstatthatters Sprenger beträgt allein am gestrigen Sonntag über 400 Kilometer, ein Zeichen, dafe das Vorbild des die deutschen Gauen überfliegenden Reichskanzlers von seinen Mitarbeitern eifrigst nachgeahmt wird.
Obecheffen.
Landschafiet- und Naturschutz in Oberhessen.
rl. Das Tä 1 chen des Hillersbaches zwi- schen L i fe b e r g und Glashütten ist nicht nur eines der schönsten und unberührtesten des Vogels- berges, sondern hat auch die Besonderheiten seiner Tier- und Pflanzenwelt bisher treu bewahrt. Es ist nun für jeden Natur- und Heimatfreund eine wahre Freude zu hören, dafe dieses Tal von der oberen Begrenzung des Stauweihers des Heber- landwerks bis nach ßifeberg unter staatlichen Naturschutz ge ft eilt werden soll. Dem Leiter des zuständigen Forstamts Konradsdorf, Herrn Forstmeister Dr. K ü n a n z, lag die Erhaltung die- ses schönen Stückchens Heimat schon seit Jahren am Herzen, und es ift seinem Einfluß zu Derbanfen, daß durch rücksichtsvolle Einsteinung der Talwiesen bei der Feldbereinigung der schön geroun- bene, lieblich umbuschte Bachlauf vor langweiliger Streckung bewahrt blieb. Zur Erhaltung bes Ganzen aber fehlte seither bie rechte gesetzliche Hanb- habe. Diese ist nun burch bas neue Naturschutzgesetz gegeben. Um die maßgebenden und interessierten Persönlichkeiten mit seinem Plane bekannt zu machen und dafür zu erwärmen, hatte Dr. K ü • nanz die Herren Provinaialrat Wolf (Gießen), Direktor v.S t a b 1 e r vom UeberlanbwerkOberhessen, Reg.-Baurat Frey (Büdingen), die Gemeindevertre- ter von Lißberg und Glashütten sowie den zuständigen Vertrauensmann des staatlichen Naturschutzes, Lehrer Sanierte (Gedern), zu einer Besprechung an die Mauer des' Stauweihers eingeladen. Ein- drucksvoll und warmherzig sprach er über die schöne Sache und die ihr dienenden zukünftigen forstlichen Maßnahmen und fand bei allen Beteiligten freudige Zustimmung und liebevolles Verständnis. Herr von Stadler unterrichtete über die zur Zeit im Gang befindlichen Arbeiten zur Vergrößerung des Stausees, sowie die Neugestaltung und Bepflanzung seiner Ufer. Herr Provinzialrat Wolf und Regierungs-Baurat Frey sprachen über den Plan eines hier zu errichtenden Ehrenmals für den verdienstvollen und besonders mit diesem Fleckchen Heimaterde eng verbundenen Landessorst- meiftcr Dr. W eb er. Kleinere vorsorgliche Anfragen der Gemeindevertreter von Glashütten und Lißberg über die Beeinflussung des Feld- und Wiesengelän- bes burch bie zukünftige Gestaltung bes Wald- mantels konnte Dr. K ü n a n z zur vollen Zufriedenheit der Anfrager beantworten. Dom Standpunkt bes Naturschutzes gab Lehrer Schnier le seiner Freube barüber Ausbruck, baß hier alle maßgebenden Behörden und Persönlichkeiten mit Verständnis zu Werke gehen und dankte es besonders Forst- meister Dr. Künanz, daß die Ausführung feines Planes die Gewähr bietet, für die Erhaltung der Eigenart des Tier- und Pflanzenlebens in diesem Tal, das in der Uebergangszone von der wärme- liebenden zur montanen Fauna und Flora liegt. Das Forstamt Konradsdorf wird alsbald den g e • setzlichen Schutz beantragen und ihn gemeinsam mit den in Frage kommenden Persönlichkeiten durchführen.
Landkreis Gießen.
£ Wiefeck, 11. Sept. Am Freitagabend fand eine Sitzung des Gemeinderats statt. Der Ausbau der Niederfeldstraße muß aus wirtschaft- liehen Gründen zurückgeftellt werden, jedoch wird ein Fußpfad hergestellt. Die Arbeiten werden durch Wohlfahrtsempfänger verrichtet. Die Vergütung und Besoldung für Bürgermeister Euler wird nach den allgemeinen Richtlinien geregett. Dem Gesuch von Adolf Seibert um Kauf eines Grundstücks am Trieb soll entsprochen werden. Bürgermeister Euler wurde beauftragt, über den Kaufpreis Verhandlung zu führen. Das Ersuchen der Gas- und Kraftwerke AG. Berlin-Wilmersdorf um Verlegen von Mietanlagen wurde zurückgeftellt. Dem Gesuch des Fritz Kling um Anlegung eines Fußpfades
nach feinem Neubau wurde (grundsätzlich das letztemal) stattgegeben. Eine entsprechende Ortssatzung soll demnächst beschlossen werden. Ein Gesuch von Heinrich Stein um eine Pachtpreisermäßigung wurde abgelehnt. Ein Gesuch von Daniel Seiler um Mietpreisermäfeigung mußte abgelehnt werden, da der Mietpreis der Wohnung schon sehr günstig ist. Die Instandsetzungsarbeiten an Kirche und Pfarrhaus wurden soweit sie inzwischen ausgeführt sind, nachträglich genehmigt und die Kosten dafür übernommen, jedoch mußten das Anbringen eines Blitzableiters an der Kirche und die Derputzarbeiten am Pfarrhaus und an der Pfarrscheune vorläufig abgelehnt werden, da die Gemeinde die Mittel dazu nicht aufbringen kann. Die Erhöhung der Fi- lialsteuer von 100 auf 2 00 v. H. der Gewerbesteuer wurde beschlossen und die dazu im Entwurf vorliegende Ortssatzung genehmigt. Die Finanzkommission wurde ermächtigt, über Gesuche, die Steuern und Abgaben betreffen, für die Folge selbständig zu entscheiden.
* Hausen, 12. Sept. Bei der jüngst abgehatte- nen Generalversammlung des hiesigen Kriegeroereins, in der die Gleichschaltung cor- genommen wurde, ist der seitherige Vorsitzende Karl Freitag einstimmig zum 1. Führer gewählt worben. Als weiterer Vorstand wurde ernannt: 2. Führer Heinrich Buchner, Schießwart K. S tumpf, Rechner Ph. Schardt 3. Vorstand: W. Will, K. I o st, K. Sch warz, E. Schlag. Zu Ehrenbeisitzern wurden die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder in Anbetracht ihrer langjährigen Verdienste und treuen Mitarbeit, die sie dem Verein allezeit geleistet hatten, ernannt. Es wurde bekanntgegeben, daß der diesjährige Geburtstag des Herrn Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg mit den übrigen Ortsvereinen und der SA.-Formation festlich begangen werden soll. Mit dem Horst-Wessel-Lied schloß der Führer die Versammlung.
= Saasen, 11. Sept. Der Vertreter bes Ar« beitsamtes Gießen, Dr. L i st, unb Regierungsbau- rat Steinbach vom Äulturbauamt Gießen weilten biefer Tage in Saasen, um sich über bie Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung zu informieren. Der Gemeinberat hat beschloßen, Ural- nierungsarbeiten durchführen zu lassen. Diese Arbeiten sollen als Notstandsarbeiten ausgeführt, und mit dem Anfahren der Rohre soll demnächst begonnen werden. Von dem Ausbau der Wasserleitung nach Bottnbach wird vorläufig abgesehen.
Kreis Büdingen.
* Nidda, 11. Sept. Die Vertrustung der Reichspost in Oberhessen wird jetzt auch auf die Teile der Provinz ausgedehnt, die seither noch nicht berücksichtigt waren. Ab 1. November dieses Jahres wird vom hiesigen Postamt aus die Umgebung unseres Städtchens durch Kraftpost erfaßt. In Frage kommen u. a. die Orte Unter- und Ober-Schmitten, Eichelsdorf, Ulfa, Ober-Widders- heim, Wallernhausen, Fauerbach, Salzhausen und Michelnau. Für einen großen Teil dieser Ortschaften wird durch diese Maßnahme eine p o ft a ■ lische Verbesserung erreicht. Die Morgen- poft dürfte allgemein zeitiger in den Besitz der (Empfänger kommen. Mit dem Bau der Garaae am Postamt hat man bereits begonnen. Zwei Postschaffner von hier werden als Chauffeure ausgebildet.
Kreis Schotten.
* Rainrod, 11. Sept. Die Durchgangs- ft r a fe e Nidda —Schotten wurde in den letzten Wochen zwischen Eichelsdorf und Rainrod st ellenweise erweitert und in den Kurven überhöht. In der beginnenden Woche soll mit den Walzarbeiten begonnen werden. Damit durfte auch dieser Strafeenteil, der schon längere Zeit die Autofahrer schreckte, eine einwandfreie Beschaffenheit aufweisen.


