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Wandern und weisen • Bäder und Sommerfrischen.
Wanderfahrten.
Buhbach — Brandoberndorf — Altenkirchen — Braunfels.
Dom Bahnhof Butzbach steigen wir die schöne Taunusstraße aufwärts, blauen Strichen nach, zunächst zum Schrenzer, um von hier die prächtige Aussicht über die Stadt und die Wetterau zu genießen. Gleich hinter dem Schrenzer nimmt uns der Wald auf, in dem wir auf hübschen Pfaden am idyllisch gelegenen Forsthaus Butzbach (Wirtschaft) vorbei auf das Schornfeld (438 Meter) mit schöner Fernsicht, hierauf das Solmsbachtal abwärts nach Vrandoberndorf gelangen. Nunmehr folgen wir schwarzen»Strichen aufwärts durch schönen Wald am Schmittenborn, einer versteckt liegenden Quelle, vor- über, zum Hochwald, wo wir die „Granate" an- treffen. Dieses Zeichen führt uns weiter, zumeist durch Wald über Möttau und Altenkirchen nach Braunfels. Der Weg zur Station geht durch den lieblichen Mühlengrund. Wanderzeit 6A Stunden.
Hungen — Bellersheim -— Blünjenberg — Arnsburg — Lich.
Dom Bahnhof Hungen durchschreiten wir das freundliche Städtchen in südlicher Richtung. Blaue Striche leiten uns zunächst durch den Feldheimer Wald, später durch freie Gegend nach Bellersheim und von hier durch Feld und Wald nach Münzen- berg, wo wir nicht versäumen dürfen, die groß angelegte Burgruine zu besichtigen und uns an den prächtigen Blicken über die Wetterau bis zu den Höhen des Vogelsbergs und des Taunus zu erfreuen. Zum Weitermarsch benutzen wir rote Striche, die uns über Trais-Münzenberg mit schönen Fachwerk- bauten nach dem Kloster Arnsburg leiten. Auch hier unterziehen wir die Klosteranlagen unter kundiger Führung eine gebührenden Besichtigung. In der Klostermühle gute Einkehr. Den Weg zum Endziel Lich nehmen wir blauen Ringen nach durch das reizvolle Wetter- oder Gottesackertal. Dauer der Wanderung VA Stunden.
Photographieren unterwegs.
Bon Walter Appelt.
Mancher hat bisher beim Photographieren unterwegs den großen Fehler gemacht, immer nur an sich und die Seinen zu denken. Aber die besuchte Gegend sollte doch eigentlich der Hauptinhalt der Bilder sein. Bon der richtigen Einstellung, Belichtung und Weiterverarbeitung abgesehen, sind es namentlich zwei Regeln, deren Befolgung uns vor Enttäuschungen bewahren kann: Richtige Wahl des Standorts, und Vermeiden der Aebcrladung. Die Landschaft oder das sonstige Motiv, das uns neu ist, lenkt das Auge durch ihre Einzelheiten ab und läßt nicht auf den ersten Blick die photographischen Werte oder Schwächen richtig beurteilen. Don einem Aussichtsturme herunter zu photographieren, wird sich niemals lohnen, und wenn das Auge noch so hingerissen ist. Denn trotz Weitwinkellinse können wir den Gesamteindruck des Rundblickes nicht im Bilde festhalten. Dagegen kann es reizvoll fein, von einem nicht allzu hohen Standpunkte über die Dächer einer Stadt hinweg zu photographieren, wenn es eine Stadt eigener Prägung ist — sei sie nun recht altertümlich oder recht modern gebaut. Doch soll nicht wahllos ein Bielcrlei von Dächern und Giebeln geknipst werden, sondern wir müssen versuchen, das Bild um einen deutlichen Mittelpunkt herum zu gruppieren: einen markanten Straßenzug oder ein charakteristisches Gebäude, ein Denkmal, eine Rolandssäule usw. Wie weit wir den Apparat für solche Ausnahmen neigen können, wenn die Tiefstellung mittels Schraube nicht ausreicht,
möchte die Mattscheibenprobe erweisen, soweit sie möglich ist. Denn das Bild soll harmonisch wirken. Hauskanten recht nahe beim Apparat würden es entstellen und perspektivische Anausgeglichenheit verursachen. Gut kann es sein, einen Fensterrahmen — wie im flachen Gelände ein Gartentor — zugleich als Dildrahmen zu nützen. Auch durch das Gitterwerk eines Balkons und durch die Säulen eines Altans oder Kreuzganges hindurch dürfen wir photographieren, wenn nicht störende Zwei- oder Mehrteilung des BildeÄ entsteht. Der Grad, bis zu welchem diese Dinge des nahen Dordergrundes leicht unscharf sein dürfen, ist ebenfalls vorher zu prüfen. Immer muß klar erkennbar bleiben, was es ist. Dordcr- grund-Belebung, die Rätsel aufgibt, können wir nicht brauchen-
Geschlossene Einheit des Bildes macht auch im flachen Lande oft Schwierigkeiten- Erntearbeiter auf dem Felde oder weidendes Bich auf der Wiese geben einer bäuerlichen Landschaft Echtheit und helfen die großen, leeren Vordergründe beleben, die der schlimmste Fehler von Freiauf. nahmen sind. Aber die Aufnahme wird durch ein auf der Straße fahrendes Auto leicht zerstört, oft sogar schon durch Reklameschilder, die durch Veränderung des Standpunktes umgangen werdet müssen. Soll immer noch einmal gesagt werden, daß Straßen und Wege nie genau
waagerecht, also nicht parallel zur unteren Bildkante verlaufen, sollen, aber auch nicht senkrecht ins Bild hinein, dies schon nicht wegen der perspektivischen Entstellung? Für Wasserläufe gilt Aehnliches. Außerdem ist bei ihnen wie bei stehenden Gewässern zu prüfen, ob ihre große Helligkeit im Sonnenglanz nicht Aeberbclichtungen hervorruft, die daö Bild wertlos machen. — Lebende Staffage soll niemals mit den Köpfen genau in Höhe des Horizontes, eines Waldrandes oder Bergrückens fein. Auflockerung des Horizontes zur Belebung des Bildes ist fast ebenso so wichtig wie Wolken am Himmel erwünscht sind, nur ist sie meistens leichter zu erreichen, nämlich durch oft geringfügige Aende» rung des Standpunktes-
Typen der Bevölkerung gehören schon ins Gebiet des Porträts. Aber was jeder zu photographieren lernen sollte, sind Menschen bei ihrer Arbeit. Damit ist nicht nur an die Landwirtschaft gedacht, oder an den Hufschmied und andere noch anzutreffende handwerkliche Berufe (seltenes Glück: ein Seiler auf der Seilerbahn, ein Töpfer an der Drehscheibe, ein Hausweber am Webstuhl) — sondern auch an Fischer, Schiffer, Holzfäller, Steinbrecher, Gärtner usw. And manche von uns brauchen nicht einmal zu verreisen oder zu wandern, um dergleichen zu finden.
Oonautal bei Sigmaringen.
Don Dorothea Hoser-Oernburg.
Die silbernen Drachenflügel über der Kühlerhaube spannen sich starr ausgebreitet hinein in die Landschaft: zerschneiden die staubige Chaussee, greifen sie auf, tragen sie empor und werfen sie zurück in weitem und sanftem Schwung: zerschneiden blank und erfreut Gewitterwolken rechts und links. Rosige Blitze zucken dann und wann im samtigen Himmelsblau, Tropfen fliegen groß, kristallene Insekten, gegen die Scheibe, bersten mit zartem Knall wie Beeren, zerfließen. Die graue Gummizunge kommt und frißt sie auf, lieblos und rhythmisch und aufklärungsbedürftig. Plötzlich schimmert die graue Straße nah und ganz blau. Sssss... sprühen kleine Kaskaden gegen das Schutzblech, von oben, von unten, von überall her. Die Landschaft ist ertrunken im Regen: der Himmel ist ertrunken im Regen. Fort alles Marineblau. Die Gummizunge mäkelt vor sich hin. Sie kann nicht soviel fressen. Sie ist satt! Sie mag keine kristallenen Fliegen aus Regen mehr!
Scheibe hoch! — Wind weht naß herein. Sehr lustiger Wind. Ein Kilometerstein singt schwarz auf weiß und frisch gewaschen vor sich hin: Rach ... 7,8 Kilometer.
*
Ganz unvorbereitet tauche ich unter den offenen Schleusen des Himmels auf, mitten auf dem Marktplatz, unter dem breiten Torweg der Wirtschaft: „Zum Lüftenwirt". Ich will bei Anjan Antreter sitzen, beim Lüftenwirt will ich bleiben und warten, was der Wettergott beschließt über mich und die Gummizunge und unser allgemeines Fortkommen. Dielleicht hat er gute meteorologische Beziehungen, der Meister Lüftenwirt. Die । Gaststube ist blank, als käme sie auch von draußen. Es riecht nach Harz und Kienholz und ein wenig nach frischer Butter. 2lber der Lüftenwirt ist ein schweigsamer Mann. Er starrt nur, den breiten Rücken zu mir gewandt, hinaus durch die Scheiben und schüttelt betrübt den Kopf.
Schon malt auf der gegenüberliegenden Haus- wand Regensonne ein abendliches Licht von dunklem Gold und einen tiefen, sauberen Schat
ten aus Sanftheit. Ich trete vor das Tor, daS breit ist, wie das Maul einer Scheune. Rank- Werk einer schmiedeeisernen Arabeske verklausuliert zierlich den geraden Kirchturm, der hoch über dem Hügel auf das Ave-Läuten wartet. Ein letzter Tropfen zersplittert kühl und groß auf meiner Hand. Eine Amsel probiert. Die Luft ist voll von einer schmackhaften tollen Süßigkeit, feucht und glänzend. Ich gehe und schaue mir das Städtchen an.
•
Die Häuser um den Marktplatz sind bunt. Rosa eins, eines blau. Ein tiefockerfarbenes starrt erschrocken bebildert in die Straße. Es ist, als fei die Wand aufgeriffen, und dicke und dünne Leute agierten ertappt dahinter. In einer bauernbarocken Amrahmung ein Schild: „Königin Therese nahm hier am 6.12.18 .. tiefbewegten Herzens Abschied von ihrem Sohne, dem neuernannten König von Griechenland. Sie ruhte sich in einem Zimmer dieses Hauses aus, fast ohnmächtig vor herbem Schmerz um den vielgeliebten Sohn. Eine Thorbräustochter, Derwandte der Familie Duschl dahier, trug das letzte Abschiedsgedicht, den letzten Scheidegruß vom Bayernland vor. Dieses zur Erinnerung an das denkwürdige Ereignis in dem Hause „Alte Post". Das Bild an diesem Hause wurde gewidmet von Katharina Wild, geb. Duschl, dahier."
Obwohl ich bei der Konkurrenz eingekehrt bin und nicht in der „Alten Post", kann ich mich dem Eindruck des Gemäldes nicht entziehen. Kinder spielen auf dem nassen Kopfpflaster, lassen Zeitungsschiffchen schwimmen auf den Rinnsalen. Dielleicht sind es auch Derwandte, Rachkommen der Familie Duschl, dahier? Ich betrachte sie mit Andacht.
An einem efeubewachsenen Eckhaus mit Buhen- scheiben und faszinierend grünem Anstrich der Fensterläden lese ich etwas anderes. „Museum" steht da. Ich will es besichtigen, wozu bin ich ein Zugereister, dem die Kinder nachschauen, wo
zu ist es da? Aber baS Museum ist nicht geöffnet. Ich gehe zum Fräulein KustoS. Sie wohnt unter dem Dach hinter einem langen Korridor mit gemalten Schränken und ist ein wunderbar junges altes Fräulein mit Kraushaar und Kohle- augen. Sie trägt runde große Ringe in den Ohren. Sie ist zierlich und schwatzhaft.
Wir gehen in dus Museum. In zwei kleinen Räumen mit gemalten Decken ist allerlei schöner bäuerlicher Kram aufgestapelt. Ein paar Bilder irgendwelcher Stifter, ein wackliges Spinett. Da- Fräulein Kustos erklärt. Sie behauptet, da auf diesem Spinett beispielsweise habe Mozart gespielt, als er von Amerika zurückkam. Dermut- lich von einer Tournee. Mozartforscher werden hiermit auf diese bisher noch unbekannte Tatsache hingewiesen. „Mozart", sagt sie, .den kenne's doch, den großen Musikkünstler, der wo immer die vielen Anekdoten gemacht hat..." Unter ihren Erklärungen berichtet sie manche- Persönliche aus ihrem Leben.
„In meinem Ding...", sagt sie, „da bin ich Damenschneiderin, Kirchensängerin bin i scho seit 57 Iahr, im Theater-Derein hab' ich halt manchmal mitgewirkt, mit 63 Iahr hab ich noch a Tantenroll'n gespielt... Ieht ist sie 70. Dann und wann, wenn ich vor irgendeinem hübschen Stück stehen bleibe, seufzt sie mitfühlend: „Wenn'S doch heul' noch so was machen täten...“
Ich schaue alles genau an; ich lasse nichts aus. Das Fräulein bemerkt es mit Genugtuung. Sie billigt mich! Rur am Schluß, wenn sie mir das große Buch weist, in dem alle Besucher schwarz auf weiß sich zu verewigen haben, ändert sie ihre kameradschaftliche Taktik, wird kurz, sachlich, beamtet:
„Ginzuschreiben bittö!"
Ich wandere hügelabwärts, vorbei an dem alten Parkgemäuer, hinter dem Klosterschwestern wandeln, mit schwingenden Haubenflügeln, zwischen denen Gesichter glimmen, blaß und sehr sanft.
Aebcr die Mauer rauscht im letzten Licht, tief* grün und zackig das breite Laub uralter Bäume. And da ist auch der See. Er gehört dazu. Er ist ganz erschöpft von dem Wasser deS Wolkenbruches, der ihn fast ertränkt hat in seinen eigenen Fluten. Gr sieht still und dankbar in den blassen Goldstreif des Himmels, der schon ein wenig nacht- taumelig über ihn hinschleift. Ich gehe vorbei an kleinen Gehöften, an rasengrünen Gärten, aus denen allen dieser Duft quillt nach Regen und Abend, vorbei an engen Gassen übet ein Pfaster, in dem Butterblumen hier und da vergoldete Köpfe aufreden. Don irgendwoher kommt das klägliche Meckern einer Ziege.
2lch merke kaum, daß ich wieder vor dem Lüftenwirt-Gasthaus stehe, das mit blanken Mauern zu schmunzeln scheint, die Fenster voll Geranien.
Ich gehe in die kleine Garage. Ich werde heute noch ein paar Kilometer ausholen. Die Straße dampft friedlich. Die Rächt wird klar und gut. Heber dem Kirchturm steht schon blaß die Mondsichel im Silberblauen. Ieht läutet baä Glöckchen. Wieder zuckt das Schlagen der Amsel durch den Abend wie Pulsschlag der Landschaft.
Der Motor springt an.
Sprechstunden der Redaktion.
lt.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen
21 njei genau ffräge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten.
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