Ausgabe 
12.7.1933 Frühausgabe
 
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wieder ein Aufstieg des Bierabsahes erreicht wird, steht cs außer Frage, das; in Kürze mindestens ein Teil des gestauten Beschaffungs- bcdarses der Brauereien ebenfalls Ginge» öedt wird. 3n diesem Sinne hat auch bereits der Deutsche Brauer-Bund mehrfache eindring­liche Aufrufe an seine Mitglieder herausgegeben, durch rasche Auftragserteilung den Bemühungen der Regierung der nationalen Re­volution eine verstärkte Wirkung zu verleihen."

Lustschutz

die Forderung der Nation!

Berlin. 11. Juli. (WTB. Funkspruch.) Dom Präsidium des Reichsluftschuhbundes wird mit­geteilt:

Die LIeberfliegung deutscher Ge - bietsteile durch landfremde Flug­zeuge und der herausfordernde Wurf von Hetzflugblättern über der Reichs­hauptstadt am 23.3uni haben im ganzen Volke einen Sturm der Entr ü st u n g aus­gelöst. Aus allen Teilen des Landes sind uns zahllose Aeußcrungen in dieser Angelegenheit zu­getragen worden. Aus allen Stimmen spricht d i e wachsende Sorge u m die Sicherheit der Bevölkerung. Sie alle sind der beredte Ausdruck des Verlangens nach wahrem Frieden und wirklicher Gleichberechtigung. Sie geben aber auch den Zorn über die angetane Schmach und der Erbitterung über die Llnfreiheit Deutschlands in der Luft leidenschaftlichen Ausdruck.

Es ist uns unmöglich, auf alle diese Aeußerun- gen zu antworten. Wir benutzen deshalb den Weg über die deutsche Presse, uni allen Freunden im Lande und darüber hinaus dem ganzen Volke f ü r das Vertrauen zu danken, das aus den zahlreichen Stimmen spricht. Die trostreiche Zu­sicherung, die wir auf alle verängstigten und ent­rüsteten Zuschriften geben können ist die, daß j e - der Volksgenosse in derReichsre- gierung die sicher st e Garantie für eine zweckentsprechende und hoffnungsvolle Be­handlung des großen Gebietes der Luftgefahr und des Luftschutzes sehen kann und soll. Die Regie­rungen und Behörden des neuen Staates sind offensichtlich so sehr von der Erkenntnis der Luft­gefahr, der Rotwendigkeit ihrer Abwehr und des Schuhes der Bevölkerung durchdrungen, daß von dort aus zweifellos alles getan wird, was die Gefahr für das Volk herabzumindern ge­eignet ist.

Der Rcichsluftschutzbund ist die Gemeinschaft aller derer, die durchSelb st schuh dem Volke dienen wollen. Llnsere Antwort auf die aus den Ereignissen der letzten Zeit erwachsenen und uns herangetragenen Stimmen kann daher nur in der Aufforderung an die gesamte Bevölkerung auss klingen: Helft dem Reichsluftschutz, damit er Euch helfen kann! Tretet sei­nen Ortsgruppen bei oder gründet solche, wo sie noch nicht bestehen. Luftschutz ist das Ge­bot der Stunde! Luftschutz ist die For­derung der Ration!

Kein Berliner Bauernau marsch vor der Ernte.

Berlin, 11. Juli. (WTB. Funkspruch.) Reichs­ernährungsminister Darre erläßt folgenden Auf­ruf. Ich habe davon Kenntnis bekommen, daß die Dauernverbände mir zu Ehren am mor­gigen Mittwoch, dem 12. Juli, eine Kundge­bung im Berliner Lu st garten beabsich­tigen. Ich danke den deutschen Bauern von Her­zen für die mir zugedachte Ehrung, die ich um so mehr zu würdigen weih, als ein derartiger Auf­marsch ind en Mauern Berlins noch niemals d a war. Aber in Anbetracht dessen, daß wir heute am Beginn der neuen Ernte stehen, bitte ich. vondem Aufmarsch abzusehen. Wir wollen warten, bis wir Bauern die Ernte ge­sichert und dann unsere Pflicht gegenüber dem ganzen deutschen Volke erfüllt haben. Dann wird die Zeit fein, in machtvoller Kund­gebung der Oefsentlichkeit die Bedeutung des deut­schen Bauerntums vor Augen zu führen und den

Stefan George.

Zu seinem 65. Geburtstage.

Am 12. Juli begeht der Dichter Stefan Ge­orge den 65. Geburtstag. Wenn wir es heute unternehmen, einige Worte über ihn zu sagen, muh sogleich hinzugefügt werden, daß der äußere Anlaß hierzu noch geringer und gleichgültiger er­scheint, als er in ähnlichen Fällen zu sein pflegt. Man könnte daran erinnern, daß George als Sohn eines Bingener Weingutsbesihers in Büdesheim geboren ist, dah er in München studiert u.rd lange auf Reisen gelebt hat, aber man empfindet so­fort die Belanglosigkeit solcher Hinweise: es gibt keinen Dichter in Deutschland, für den private Feststellungen dieser Art unverbindlicher erschei­nen müßten. George selbst hat dies von je her mit Entschiedenheit zum Ausdruck gebracht. Es kann, schon aus räumlichen Gründen, auch nicht der Sinn dieser Zeilen sein, Georges Wesensbild und Werk mit einiger Ausführlichkeit darzustellen: aber es ziemt f ich wohl, eine Entwicklung anzudeu­ten, die gerade in unseren Tagen von Bedeutung sein muh, wenn man die mächtige Kurve seiner schöpferischen Existenz von den ersten Anfängen bis in die nahe Gegenwart überschaut.

Rilke und Hofmannsthal sind dahingegangen; George allein, der letzte aus einem erlauchten Dreigestirn, strahlt nun in einsamer Majestät über der Welt deutschen Geistes. Es gibt keinen Men­schen in Deutschland, in dem sich der Begriff des Dichters in einem strengeren und reineren Sinne verleiblicht hätte als in George. Keinen, dem sich dieser Begriff mit solcher Llnbedingtheit, ja Un- erbittlichkeit erschlossen hätte wie ihm. Keinen, dem das Wesen des Dichters sich schärfer abge­grenzt und völlig geschieden hätte von der Vor­stellung eines Poeten oder eines Schriftstellers. In George erfährt dieser Begriff seine edelste, eine wahrhaft aristokratische Ausprägung. Er findet als erster und vielleicht einziger unter uns zu den antiken Llrsprüngen dichterischen Wesens zurück: er erkennt strengstes Maß und höchste Ver­pflichtung seines Beruies, das ist: seiner Be­rufung. Ihm fpeist sich jegliche Gestaltung, jede Strophe, jedes Wort aus den lautersten und tief­sten Quellen menschlichen Wesens. In George ge­winnt, beispiellos-feierliches Erlebnis in dieser Zeit, der Rame des Dichters etwas von dem zu­rück, was er in feinen mythischen Anfängen ge­wesen war: Prediger, Priester, Prophet.

Di« Erscheinung eines'solchen Mannes mußte mit Rotwendigkeit revolutionierend wirken. Roch viel entschiedener, als der Naturalismus das

' ersten Bauernaufmarsch der deutschen Geschichte in der Reichshauptstadt zu einer eindrucksvollen Feierstunde zu gestalten.

Durchführungsverordnung zum land­wirtschaftlichen Schuldenregelungsgesetz

Berlin, 10. Juli. (ERB.) Zum landwirt­schaftlichen Schuldenregelungsgesetz vom 1. Juni 1933 ist jetzt die zweite Durchführungsverord­nung erlassen. Danach kann das Amtsgericht die Eröffnung eines Entschuldungsverfahrens aus­sehen, damit der Schuldner im Wege freier Ver­einbarung mit seinen Gläubigern eine Regelung der nicht mündelsicheren Schulden herbeisührt. Das Amtsgericht kann auch einen einstweiligen Voll­streckungsschutz anordnen, wenn der Antrag auf Einleitung des Entschuldungsverfahrens gestellt ist Es kann ferner die Entscheidung über einen Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens oder des gerichtlichen Vergleichsverfahrens aus­setz e n.

Sonderbeauftragter für Fragen des bäuerlichen Brauchtums.

Berlin, 11. Juli. Amtlich, ihn im Arbeits­bereich des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und des preußischen Ministeriums für Landwirtschaft. Domänen und Forsten sowie in den Arbeitsbereichen der preußischen Landwirt­schaftskammern und der Reichsverbände der freien landwirtschaftlichenSelbstverwaltungskörper in den Fragen desbäuerlichenBrauchtums, der bäuerlichen Sitte und Gesittung eine einheitliche Arbeitsrichtung hin­einzubringen. ernenne ich für die mir unterstehen­den Arbeitsbereiche den Referenten für die Fra­gen des bäuerlichen Brauchtums, für Sitte und Gesittung im Amt für Agrarpolitik bei der Reichsleitung der NSDAP. Herrn Erwin Mehner zu meinem Sonderbe­auftragten für die Fragen des bäuerlichen Brauchtums, für Sitte und Gesittung. Das Ge­schäftszimmer des Sonderbeauftragten befindet sich im Reichsernährungsministerium.

Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, gez.: R. Walter Darre,

Nichtarische Alt-Angestellte und Alt-Arbeiter der Behörden.

Berlin, 10. Juli. (VDZ.) Für nichtarische Ar­beiter und Angestellte des Reichs, der Länder und Gemeinden, sowie der öffentlichen Unternehmungen wird ebenso wie für die Beamten der Grundsatz eingeführt, daß sie i m Dien ft bleiben, wenn sie seit d e m 1 A u - g u ft 1914 o t) 'i e Unterbrechung bei einem oder mehreren Dienstberechtiaten ober ihren Rechts- Vorgängern in Beamten». Angestellten- oder Ar­beiterverhältnis beschäftigt waren. Es ist da­bei unerheblich, seit wann die Voraussetzungen für die Gleichftellung von Einrichtungen und Unter­nehmungen mit Körperschaften des öffentlichen Rechts gegeben sind.

Neue Staatsräte in Preußen.

Berlin, 11. Juli. (ERD. Funkspruch.) Zu preußischen Staatsräten sind ernannt worden als Vertreter von Kirche, Wissenschaft, Wirtschaft, Handwerk usw. Bischof Berning (Osnabrück), Rechtsanwalt Graf von der Goltz (Stettin), der frühere Präsident des Landwirtschaftsrates Dr. Brandes, der Präsident des Reichsland­bundes M e i n b e r g (Berlin), Bankdirektor Dr. Reinhard, Dr. S ch i f s e r e r, der ehema­lige Oberbürgermeister von Duisburg Dr. Jar­res, Geheimrat Gering (Berlin), Geheimrat Wiegand, von den Staatlichen Museen, Pro­fessor Carl Schmitt (Köln) und als Vertreter des Handwerks Stange (Erfurt).

Kleine politische Nachrichten.

Der Staatssekretär im preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Dr. W i s k o t t. hat um seine Versetzung in den einstweiligen R u h e st a n d gebeten, um eine ihm vom preußischen Staatsministerium übertragene wichtige Sonderausgabe übernehmen

zu können. Ministerpräsident Göring hat diesem Wunsche Dr. Wiskotts mit dem Ausdruck beson­deren Dankes für die von ihm geleisteten wert­vollen Dienste entsprochen und an seiner Stelle auf Vorschlag des Landwirtschaftsmini- sters Darre den Abgeordneten W i l l i k e n s zum Staatssekretär im preußischen Land- Wirtschaftsministerium ernannt.

Gegenüber ausländischen Meldungen, wonach die Zahl der politischen Schuhhäftlinge in Deutschland 100000 beträgt, stellt der Amtliche Preußische Pressedienst fest, daß zur Zeit in ganz Deutschland 18 000 Personen s i ch in Schutzhaft befinden. In Preußen be­trägt die Zahl der Schutzhäftlinge nach den Fest­stellungen des Geheimen Staatspolizeiamtes rund 12 000.

Kunst und Wissenschaft.

Die Organisation derDeutschen Bühne".

Der Reichsleiter der Deutschen Bühne, Dr. Wal-, ter Stang, erläßt folgende Bekanntmachung: Es besteht Veranlassung, auf die Anordnung des stell­vertretenden Führers der NSDAP. Rudolf Heß vom 11. April 1933 hinzuweifen, nach der der vom Kampfbund für deutsche Kultur gegründete Reichs­verbandDeutsche Bühne" als einzige Theater- besucherorganisation für die NSDAP, anerkannt wird. In diesem Zusammenhang wird auch daran erinnert, daß der Reichsleiter des Kampfbundes für deutsche Kultur, Alfred Rosenberg, am gleichen Tage angeordnet hatte, daß die nächste Aufgabe des Reichsoerbandes fei, dievorhandenen Besucher­organisationen nach einheitlichen Richtlinien zusarn- menzusassen und durch unablässige Werbung dem deutschen Theater neue Freunde in allen Volks­schichten zu gewinnen." Der innere und der äußere Aufbau der Organisation ist inzwischen durchgeführt. Die Reichsorganisation der Deutschen Bühne um­faßt 17 Landesleitungen. Die endgültige Ernennung der Landesleiter erfolgt bis zum 1. August. Ferner werden in den Landesverbänden auch eigene Preffe- referenten, in den Ortsverbänden eigene Pressewarte demnächst ernannt werden.

Aus aller Welt.

Der Reichskanzler zur Wahl von Bornamen.

In einem Runderlaß des preußischen Innen­ministers wird folgendes bestimmt: Wird bei einem Standesbeamten der Antrag gestellt, den Namen des Herrn Reichskanzlers als Vor­namen fei es auch m der weiblichen Form Hit- lerine, Hnleri?e oder dergleichen einzutragen, so :,ai er dem Antragsteller nahezulegen eine i a n b fl .1 Vornamen zu wählen, ba die Annahme des ge­wählten Vornamens demHerrn Reichskanz­ler unerwünscht ist. Entspricht der Antrag­steller der Anregung des Standesbeamten nicht, so ist dem Mini st er zu berichten

Gründung des Großdeuhchen Schach-Bundes.

In Bad Pyrmont fand unter großer Beteili­gung der deutschen Landesverbände die Gründungs­oersammlung des Großdeutschen Schach­bundes statt. Von den 20 Verbänden des Deut­schen Schachbundes waren nur Saar, Mecklenburg und Pfalz nicht vertreten. Der vom Minister für Volksaufklärung und Propaganda zum Leiter des Großdeutschen Schach-Bundes ernannte Ministerial­rat Zander, Berlin, verlas feine Vollmacht, durch die er beauftragt wurde, in der Schachbewe­gung geschloffene Verhältnisse herbeizuführen, die Leitung des Großdeutschen Schachbundes zu über­nehmen und alle geeigneten Maßnahmen zu treffen, lieber seinen grundsätzlichen Standpunkt führte er u. a. folgendes aus: Das deutsche Schach solle be­weisen, ob es sich behaupten und an der Schaffung der deutschen Volksgeminschaft mitarbeiten könne. In der deutschen Schachorganisation werde eine Werbung einsetzen, und zwar besonders auch in den Kreisen der Handarbeiterschaft. An der Spitze der Vereine müßten Männer stehen, die nationalistisch Und sozialistisch eingestellt seien. Der Arierparagraph werde durchgeführt, in welcher Form, werde sich noch ergeben Weiter betonte der Redner, es gehe

nicht an, daß der Großdeutfche Schach-Bund nur eine Dachorganisation bleibe. Er werde auch nicht etwa als Nachfolger des Deutschen Schachbundes, sondern als neue Organisation mit dem Sitz i» Berlin-Charlottenburg auftreten. Ministerialrat Zander bestimmte darauf Herrn Post als seinen Stellvertreter, als Organisationsleiter Brüske, als Kassenwart Niehe und für Presse und Propa­ganda S t a h l k n e ch t. Er sprach dann dem alten Vorstand des Deutschen Schach-Bundes seinen Dank aus. Die Landesverbände werden bestätigt. Sie müssen ihre Leiter bis zum l. August der Bundes- leitung melden. Die Leiter der Landesverbände wählen sich ihre Mitarbeiter selbst. DieDeutschen Schachblätter" bleiben bestehen. Ministerialrat Zan­der schloß seine Ausführungen mit dem Appell, nunmehr an Werbung und Arbeit zu gehen. An Minister Dr. Goebbels wurde folgendes Tele­gramm gesandt:Das im Großdeutschen Schach- Bund geeinigte deutsche Schachtum sendet seinem Schirmherrn ehrerbietige Grüße und gelobt, an der Schaffung der deutschen Volksgemeinschaft mitzu- arbeiten.

»Graf Zeppelin" in Sevilla.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" traf nm Dienstag um 18.25 Uhr in Sevilla ein und machte auf dem dortigen Flughafen an dem Ankermast, der damit zum erstenmal benutzt wurde, fest tu Ehren des Kapitäns Lehmann und seiner Offi­ziere veranstalteten die Behörden ein Festessen. Um 23.35 Uhr stieg das Luftschiff bann wieder zur Rück­fahrt nach Friedrichshafen auf.

Zahlreiche Opfer der Berge.

Rach einer Agenturmeldung aus Chamonix sind von zehn Schweizer Bergsteigern, die bei schlech­tem Wetter eine Besteigung des Mont Blanc durchführen wollten, sieben abgestürzt und schwer verletzt worden. Sie konnten gebor­gen und nach Chamonix'ins Krankenhaus gebracht werden.

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Sieben Personen, die in der Rähe von Ane- masse im Schweizer Jura die Besteigung der so- gengnntenRoten Radel" unternommen hatten, rutschten ab und stürzten in einen etwa 300 Meter tiefen Abgrund. Alle sieben Personen konnten geborgen werden. Ihre Verletzungen sind jedoch so schwerer Ratur, daß man bei einigen von ihnen am Auskommen zweifelt. Die Aus­flügler befanden sich fast am Ziel, als das Wetter plötzlich umschlug und der Besteigung größte Schwierigkeiten entgegensetzte. Während drei der Ausflügler von der Fortsetzung ihres Vorhabens absahen, setzten zwei junge Leute und zwei junge Mädchen die Kletterpartie fort. Regenschauer hatten jedoch die Gebirgswand so glitschig ge­macht, daß sie ausrutschten und in die Tiefe stürz­ten. Auf ihrem Sturze rissen sie die zurückgeblie­benen drei Personen mit sich. Hilfe leisteten Schweizer, die aus Genf und Lausanne nach Ane- masse gekommen warem

Ein schweres Bergunglück ereignete sich, wie aus Garmisch gemeldet wird, beim Aufstieg vom Schneefernerhaus zum Münchener Haus auf der Zugspitze, wo zur Zeit noch sehr viel Schnee liegt. Eine Gruppe von zwei Damen und zwei Herren befand sich etwa 60 Meter vor dem Zug- spihgrat, als sic von zwei Damen, die sich auf dem Grat befanden und nicht mehr wciterkonnten, angerufen wurden. Auf den Ruf der Aufsteigen­den, zu warten, bis sie oben seien, antwortete eine der obenstehenden Damen, sie könne nicht mehr warten. Dabei glitt sie aus und rutschte auf die untenstehende Gruppe. Im Fallen klam­merte sie sich an eine Dame und riß diese mit sich. Beide rutschten weiter und rissen noch einen Herrn mit. Alle drei stürzten nun zunächst über ein steiles Schneefeld, dann über steile Felswände und kamen erst auf dem Platt zu liegen. Eine der abgestürzten Damen, ein Fräulein Ottilie Leb­küchner aus Frankfurt a. M. konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Die zweite Dame namens Hildegard Scholz aus Merseburg trug leichtere Verletzungen davon, während der Kauf­mann Herbert Kraft aus Frankfurt a. M. mit schweren Verletzungen liegen blieb.

seichte und selbstgenügsame Epigonentum des aus­gehenden 19. Jahrhunderts abgelehnt und über­wunden hatte, überwand George den Ra uralis- mus, der ihm im Innersten fremd und unbegreif­lich war. Er schied bewußt und ohne das mindeste Zugeständnis das dichterische Werk von der pri­vaten Existenz seines Schöpfers wie von der ihn

umgebenden Welt. Georges Kunst war von An­fang an nur ihrer eigenen unbestechlichen Gesetz­mäßigkeit untertan und zeitlos in einem genau entgegengerichteten Sinne, wie Arno Holz es ausgedrückt und gefordert hatte: modern sei der Poet vom Scheitel bis zur Sohle! DieBlätter für die Kunst" (1892), mit Georges Rarnen für immer untrennbar verbunden, wirkten ähnlich re­volutionierend wie die ersten programmatischen Schriften der Holz und Schlaf und ihrer Leute. Es sind keine größeren Gegensätze denkbar. Wäh­rend die Raturalisten sich leidenschaftlich mit den Menschen und den sozialen Problemen ihrer Zeit verbunden fühlten, und als wertlos, rückständig und unverbindlich ablehnten, was dieser Beziehung entbehrte, war für George Distanzierung von der Llmwelt geradezu Voraussetzung für eine Kunst, die das Wort, als Urelement dichterischer Gestaltung, in seiner adligsten Form wieder ent­deckte und zum absoluten Maß aller Dinge erhob. Während jene, wie oft getadelt wurde, vor dem Häßlichen, ja dem Abstoßenden keineswegs zurück­schreckten, war für George der Begriff des Kunst­werkes so sublimiert und erdentrückt, so vollkom­men mit dem Begriff des schlechthin Schönen,

Maßvollen und Reifen verbunden, daß für ihn und seinen esoterischen Kreis das Prinzip des Part pour Part der Kunst um der Kunst willen, charakteristisch erscheinen und alsbald auch zu Widerspruch und Gegnerschaft herausfordern muhte. Unausbleiblich, daß die Georgesche Hal­tung zu einer volksfremden Isolierung führte. Eine Haltung, die den Menschen völlig hinter dem Werk verschwinden ließ. Ein Dichter, der sich be­wußt und hochmütig von der großen Menge ab­schloß, sich ängstlich zurückzog vor derOeffent- lichkeit" in jeglicher Form, der seine private Existenz wie ein Geheimnis hütete, der sich prie­sterlich und altmeisterlich mit einem sehr erlesenen und erprobten Kreis von Jüngern umgab, und der auf Vortragsreisen ebenso verzichtete wie auf die Veröffentlichung in Zeitschriften und Antho­logien.

Das Werk eines Dichters von so strenger, so ganz vergeistigter und so unnahbarer 'Haltung tonnte nicht in die Breite wirken, nicht volkstümlich werden auch nur etwa in dem Maße, wie gewisse Bücher von Rilke lebendiger und lei­denschaftlich geliebter Besitz einer jungen Vor- kriegsgeneration geworden sind. Einsam und nur von wenigen gekannt, erhebt sich die Pyramide des Georgeschen Werkes in unserer Zeit und über sie hinaus von derFibel" bis zumSiebenten Ring", von denPilgerfahrten" bis zumStern des Bundes". Wenn man heute des Dichters ge­denkt, als dessen geistige Ahnen man Goethe und Dante, Nietzsche und Hölderlin in Anspruch ge­nommen hat, so wird zwar nicht übersehen werden können, wie sehr das um die Jahrhundertwende verkündete Georgesche Ideal und die aus ihm hervorgehende Haltung jenen Forderungen wi­derspricht, die eben heute mit gesetzgeberischer Entschiedenheit an jegliche dichterische Aeuherung gerichtet werden: es muh aber auch gesagt werden, dah George feit dem Kriege aus der gekenn­zeichneten Isolierung sich zu lösen begann in einem Sinne, der wiederum ganz seinem eigensten Gesetz entsprach und seiner geistigen Form gemäß war. Hans Naumann hat im letzten Kapitel seines BuchesDie deutsche Dichtung der Gegenwart" (5. Auflage, 1931, Seite 411) diese Wandlung mit folgenden Sätzen umschrieben:Im heimlichen Muttergefild am Rhein, vom südlichen Meere zurückgekehrt, erahnt er die deutsche Aufgabe und Pflicht, das Germanentum in die europäische Kontinuität der christlich-klassischen Kultur zu führen... Der Dichter des Vaterlands, Deutsch» lands im tiefsten edelsten Sinn, der Gründer des Reichs erhebt sich jetzt in George: höchste irdische

Ausmaße eines Dichtertums werden sichtbar, die den Vergleich mit Dante versinken lassen, aber den mit Walther von der Vogelweide heraufbeschwören, der auch um das heilige Reich sorgt und bangt, Könige weiht und Kaiser verwirft in Spruch und Lied gleichfalls kraft der aus heimlichem Gesetz er­wachsenen Autorität und Würde..." Und mit die­sen Versen von Stefan George läßt Naumann das ganze Buch höchst bedeutungsvoll ausklingen:

Ein jung Geschlecht das wieder mensch und ding Mit echten maßen mißt, das wieder schön und ernst Froh seiner einzigkeit, vor Fremdem stolz, Sich gleich entfernt von flippen dreisten dünkels Wie seichtem sumpf erlogner brüberei, Das von sich spie was mürb unb feig und lau, Das aus geweihtem träumen, tun und dulden Den einzigen der hilft den mann gebiert, Der sprengt die fetten, fegt auf trümmerftätten Die ordnung, geißelt die verlaufnen heim Ins ewige recht wo großes wiederum groß ist, Herr wiederum Herr, zücht wiederum zücht: er heftet Das wahre finnbild auf das völkische bannet, Er führt durch sturm unb grausige fignale Des frührots seiner Treuen schar zum werk Des wachen tags und pflanzt das Neue Reich.

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Zeitschriften.

Das Iuliheft derDeutschen Zeit­schrift" (München, Verlag Callwey) bringt u. a. Die Rede des nationalen Dichters und Literar­historikers an der Kölner Universität Ernst Bertram An die studentische Jugend". Der Vortrag von Hermann Ullmann auf der Passauer Tagung des Volksbundes für das Deutschtum im Auslande,Der Südostdeutsche" läßt Wesen und Bedeutung des Südostdeutschtums und seine geschichtlichen, polüi- schen und kulturellen Beziehungen zum Gesamt- deutschtum klar werden. DenSinn der Gleichschal­tung" begründet W. Michel. Wertvolles und Zielwei­sendes wird überVolkstümliche und volksfaßliche Kunst" sowie über dasVolksfaßliche Theater" ge­sagt, zeitwichtige Forderungen, die der gewissenhaf­testen Prüfung durch die verantwortlichen kulturel­len Stellen bedürfen. Karl Megerle umreißt die schwierigen außenpolitischen Aufgaben des neuen Deutschland in seinen Betrachtungen zurNeuen Außenpolitik". Der literarisch-künstlerische Teil des Heftes bietet einen schönen Beitrag von Emil Strauß,Erste religiöse Eindrücke", ein Meister­stück der Beobachtung seelischer Kindesentwicklung und erwachenden kindlichen Weltgefühls: ferner eine Studie über den gotischen Bildhauer Veit Stoß mit Abbildungen.