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Mittwoch,'2. Zuli 1933
Rr. 160 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
2
Aus dem Reiche der Frau.
Oie $rau im neuen Staat.
Ein Gespräch mit Magda Goebbels.
Don Else jRema.
Das neue Deutschland ist das Land der Männer, der starken Männer. Aber man täuscht sich, wenn man weiblichen Einfluß für vollkommen ausgeschal- tet hält. Denn im Verein mit diesen Männern, die heute an der Spitze stehen, arbeitet eine Frau, wenn auch nicht offiziell mit Reden und nicht öffentlich beamtet, so doch hinter den Kulissen, und das ist Frau Dr. Magda Goebbels, die heute als das Inkarnat einer deutschen Frau gilt. Denn sie ist schön und jung und durch die Position ihres Gatten in eine Höhe gehoben, die sie aur Repräsentantin des neuen weiblichen Deutschland macht. Was sie sagt, wird gehört.
Frau Dr. Goebbels — es wird von ihr nicht als von der Frau Minister gesprochen, weil nur der durch eigene Arbeit erworbene Titel des Mannes in Deutschland auf die Frau übergeht — genießt des Reichskanzlers vollstes Vertrauen und seine Freundschaft. In ihrem Hause, in ihrer Gesellschaft genießt er gern die kargen Mußestunden, die ihm sein verantwortungsvolles Amt läßt.
Sie ist daher am besten in der Lage, Auskunft über die Marschroute zu geben, die man hinsichtlich der Frauen heute einschlägt. Denn es wäre falsch, zu vermuten, daß das weibliche Geschlecht nun durch die Geltung der Männer in den Hintergund gedrängt werden soll, daß man die Frau wieder in den Rahmen von Haus und Herd zurückdrängen möchte, wenn ihre Begabung sie über diese Grenzen hinausweist.
„Rein, nein! Die Heirat ist nicht die einzige Karriere, die wir den Frauen überlassen wollen!" sagt diese junge, blonde Ministersgattin. Sie bezeichnet alle Gerüchte, die über dieses Thema zirkulieren, als durchaus unzutreffend. Sie lacht auch über den Uebereifer, den manche Elemente zeigen, wenn in Gaststätten Bekanntmachungen erscheinen, wie: „Die deutsche Frau raucht nichÜ" Oder: „Die deutsche Frau richtet ihr Gesicht nicht vor!" Rein, nein! Die einstige Aera von Kind, Küche und Kirche ist endgültig für die Frau vorbei.
Frau Di. Goebbels freut sich ehrlich, daß ihr einmal Gelegenheit geboten ist, die unrichtigen Vorstellungen und Ideen zu zerstreuen, die heute ge- gelegentlich im Inlands, zumeist aber im Ausland kursieren. Hitler mag solche Legenden nicht leiden; ich kenne ihn gut. .
„Zunächst einmal übertreibt man ganz gründlich, wenn man von der Ausschaltung der Frau als Beamtin spricht; sie ist keineswegs geplant. Rur drei Berufe, und wirklich diese drei ganz allein, sind ausschließlich den Männern Vorbehalten. Und hier stimmen wir mit allen anderen Ländern überein. Die militärische Laufbahn ist den Frauen verschlossen und jedwedes Amt innerhalb der Regierung und des Gesetzes." (Amerika und England haben Frauen in der Regierung!) „Rur den verheirateten Frauen hat man ihre Aernter und Stellungen entzogen. Wo für eine Frau die Frage zu entscheiden gilt, ob Ehe ober Beruf, so wird sie in dem neuen Deutschland stets auf die erstere verwiesen werden, die ihr ja auch bas höchste Glück gewährleistet. Hitler, unser Führer, wünscht bie beutjdje Heimat roieber zu einem großen Machtfaktor in ber Welt zu machen. Ohne bie Mithilfe unb bie Mitwirkung ber Frauen könnte er das nicht."
Run, unb was das „Rauchverbot" anlangt ... Frau Dr. Goebbels lacht sehr erheitert auf, denn sie hält zwischen den schlanken Fingern eine zierliche Zigarette mit goldenem Mundstück.
„Ich sprach mit Hitler erst vor wenigen Tagen über dieses Thema. Er mißbilligt das Rauchen ber Frauen burchaus nicht etwa aus moralischen Grün- ben. Rein!, gewiß nicht! Aber er hält es der Gesundheit für unzuträglich. Und es ist wichtig, daß die
kommende junge Generation Deutschlands gesunde Mütter hat ..."
„Was nun die Aufmachung des Gesichts anlangt ... Run, an mir ist wohl keine zu bemerken. Ich halte nicht viel von künstlichen Verschönerungsmitteln ..."
Die hat die junge, blonde Frau auch wirklich nicht notwendig. Richt die kleinste Spur von Puder haftet auf diesem zarten Gesicht mit den lichten, grauen Augen.
„Run, die Sache ist sehr einfach. Wenn ich von der Sonne verbrannt bin, wie eben jetzt, kleidet mich das ,Make up' nicht. Aber wenn ich finde, daß ich blaß aussehe, nun, so helfe ich eben nach, so scheue ich vor ein wenig Aufmachung nicht zurück. Denn ich halte es für meine Pflicht, so schön auszusehen wie ich kann. Ich will auch in dieser Beziehung auf die deutschen Frauen wirken. Sie sollen möglichst schön und elegant sein. Man hat mir die oberste Leitung eines deutschen Modeamtes übertragen, und in dieser Eigenschaft will ich es versuchen, durch mein Beispiel die deutsche Frau zu einem wahren Typ ihrer Rasse zu machen."
„Wir sind auf dem Wege zu einer Aera der starken Männer, wie ich glaube, und in solchen Zeiten soll die Frau nicht danach streben, mit ihnen zu konkurrieren; sie soll vielmehr mit allen ihren Kräf-
Wir stehen in der Einkochzeit. Die fleißige Hausfrau hat jetzt alle Hände voll zu tun, um die Vorratskammer mit den Früchten des Sommers zu füllen. Bald stehen sie Glas an Glas beieinander: Erdbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Kirschen, unb was Mutter Erbe uns noch alles spenbet.
Warum wird überhaupt eingekocht? Wozu macht sich die Hausfrau diese Arbeit? Vielleicht ist es angebracht, hierüber einen Augenblick nachzudenken und sich bie Rotwenbigkeit des Einkochens vor Augen zu führen. Deutschland liegt in ber gemäßigten Zone. Der Sommer ist nur kurz, der Boden bringt im Jahre nur eine Ernte. Im Winter und zu Anfang des Früjahres ist er ertraglos. Essen will aber das Volk das ganze Jahr hindurch. Es müssen also Wintervorräte geschaffen werden — eine Kunst, die der Deutsche seit altersher betreibt. Räuchern'und Dörren, Essig, Zucker und Salz spielten dabei früher bie Hauptrolle.
Ihre Vervollkommnung fand die Technik der Vor- ratswirtschaft im Haushalt, als der Sterilisierapparat in jo einfacher Form erfunden wurde, daß jede Hausfrau damit umgehen kann. Unter Sterilisieren verstehen wir heutzutage: keimfrei machen und gleichzeitig luftdicht erschließen, um neuen Fäulniskeimen den Zutritt zu verwehren. Alle Nahrungsmittel, die durch Erhitzen keimfrei gemacht und luftdicht verschlossen wurden, find praktisch unbegrenzt haltbar. Die Einführung des Sterilisierapparates bedeutete eine Umwälzung für jeden Haushalt, besonders auf dem Gebiete der Obstverwertung. War es früher nur unter Zuhilfenahme von Konservierungsmitteln möglich, z.B. Beerenobst aufzubewahren, so kann jetzt die Hausfrau bie reinen Früchte ohne jeden Zusatz haltbar machen. Jeder erinnert sich noch an jene übersüßen Marmeladen, bei denen der Fruchtgeschmack völlig überdeckt wurde durch den Zucker, dem hier die Rolle des Konservierungsmittels zufiel. Man vergleiche damit das herrliche Aroma eines Konservenglases mit Erdbeeren, die ungesüßt oder mit etwas Süßstoff sterilisiert wurden!
Auch die Haushaltkasse hat durch den Sterilisier- apparat ihre Vorteile. Zum Einkochen ist nicht mehr die Bereitstellung einer größeren Menge Zucker er-
ten danach trachten, ihr eigenes oorgezeichnetes Geschick zu erfüllen."
Die Männer sind sehr männlich in Deutschland, und daher müssen die Frauen so weiblich sein wie nur irgendmöglich. Die deutsche Frau der Zukunft soll schick sein, schön und klug. Der Gretchentyp ist endgültig überwunden. Hübsche Kleider und Aufmachung dürfen unsere Frauen nicht mehr mit Unmoralität verwechseln. An dieser absurden Idee hat man lange genug in Deutschland festgehalten."
Ich bekomme sehr häufig Briefe von Frauen, die mir vorwersen, daß ich rauche und kurzes Haar trage, denn sie halten es bei einer Frau nicht für angebracht, die berufen ist, Deutschlands Weiblichkeit zu repräsentieren.
Nun! Ihnen allen antworte ich, daß ich rauche, weil es mir Vergnügen macht, und daß ich mein Haar lang trage" — sie zeigt ihre schönen, im Nacken aufgesteckten blonden Zöpfe —, „weil ich finde, daß es mich besser kleidet."
Daß Frau Dr. Goebbels wirklich die Ehe für das glücklichste Los ansieht, beroeift die Tatsache am besten, daß sie xum zweiten Male verheiratet ist; daß sie Kinder liebt, beweist sie mit ihren eigenen beiden Kindern.
forderlich, es genügt jetzt ein kleiner Teil davon. Viele Hausfrauen verwenden auch Süßstoff, insbesondere Süßwundertabletten. Süßstoff durchzieht die Früchte mit reiner Süße. Er verdeckt das Aroma in keiner Weise, sondern hebt es sogar. Außerdem dient Süßstoff zur Süßung von Fruchtkonserven für solche Personen, die aus gesundheitlichen Gründen mit Zucker vorsichtig sein müssen. Dazu gehören nicht nur Zuckerkranke und Fettleibige, sondern auch Rheumatiker, Gichtiker und manche Kranke mit Magen- und Darmkrankheiten.
In diesem Sommer ist es mehr denn je die Pflicht jeder deutschen Hausfrau, so viel Obst und Gemüse einzukochen wie nur irgendmöglich. Unser Aolkskanzler Adolf Hitler hat sich das gewaltige Ziel gesetzt, die nationale Erhebung auf allen Gebieten fortzuführen und unserem Vaterlande wieder seine alte geachtete Stellung in der Welt zu verschaffen. Um dies zu erreichen, sollen wir uns auch in der Volksernährung auf eigene Füße stellen. Wir wollen von außen nur Dinge einführen, die wir unbedingt brauchen, nicht aber solche, die in unserem Lande selbst erzeugt werden. Diese Auffassung muß sich jede Hausfrau zu eigen machen. Sie kommt dann wohl von selbst zu dem Entschluß, im Sommer und Herbst so viel an gutem deutschen Obst einzukochen, daß sie im kommenden Winter keine fremdländischen Früchte zu kaufen braucht. Wer in diesem Sinne seinen Haushalt führt, unterstützt die nationale Regierung und erfüllt auf diesem Gebiet seine Pflicht als Angehöriger unseres Volkes.
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Marmeladen unb Gelees in zehn M i n uten. Eine willkommene Lleberraschung bringt allen Hausfrauen die Ausgabe 1933 des Opekta-Kochbuches (in Drogerien unb Kolonial- Warengeschäften zum Preise von 20 Pf. zu erhalten). Dieses Büchlein, bas innerhalb breiein-t halb Jahren eine Gesamtauflage von mehr als brei Millionen Stück erreicht hat, ist in biesem Jahre durch seinen reichen Bilderschmuck be« sonbers anziehenb unb lehrreich gestaltet. In Wort unb Bild zeigt es, wie einfach unb mühelos aus jeder beliebigen Frucht in der erstamtlich
Jetzt ist es Jett zum Einmachen!
Allerlei Ratschläge und Rezepte.
Wie kommen wir zu einer deutschen Mode?
Don Dr. Paul (Schleich, Äerlin.
Wenn ein Volk in seiner seelischen und geistigen Haltung eine völlige Erneuerung erlebt, so kann dieser Prozeß an den Dingen des Modischen nicht voruber- geben. Denn Mode ist im Grunde nichts Zufälliges, sondern ein Ausdruck für das Stilgefühl und den starken oder schwachen Formwillen einer Zeit In Deutschland wirken nicht nur unzählige Köpfe und Hände auf dem Gebiet modischen Schaffens, es leben nicht nur viele Tausende von Menschen von der Mode und durch die Mode, sondern wir haben auch eine große Zahl schöpferischer deutscher Kräfte, deren Leistungen bisher nur nicht genügend bekannt sind und gewürdigt werden. Darum war die kürzliche Errichtung eines Deutzen Modeamtes, das alle schöpferischen Kräfte mit einheitlicher Zielrichtung in einem festgefügten Rahmen zusammenbringen soll, eine Notwendigkeit.
Mode ich ein schillerndes, schwer faßbares Etwas, das nicht mit harter Faust angepackt werden darf. Uniformen kann man diktieren, Moden, die fidh durchsetzen sollen, erfordern Uebereinftimmung mit allgemeiner Aufnahmebereitschaft bei denen, für die sie bestimmt sind. Darum wäre bei einer „Regelung" oder auch bei einer nationalen Prägung der Mode darauf zu achten, daß die Ziele wie die Maßnahmen mit sorgfältigster Einfühlung in das scheinbar so einfache, in Wirklichkeit aber überaus komplizierte Gebiet geprüft und festgelegt werden. Auch eine deutsche Mode kann sich von den internationalen Grundlinien nicht völlig entfernen. Denn das Ge- sich dieser deutschen Mode sollte so vollkommen sein, daß sie über bie Grenzen des Vaterlandes hinaus allgemeine Anerkennung und Geltung erlangt. Wenn in fremden Ländern, wie in Japan, China, Indien, die Frau feit Jahrhunderten Kleider trägt, bie vollkommen von ber Art unserer Kleidung abweichen, so hanbelt es sich hier trotz aller kleinen Äbwanblungen von Jahr zu Jahr unb von Saison zu Saison in ben ©runbformen nicht um Moben, sonbern um Trachten. Diese aus alten Zeiten überlieferten Kleibformen haben sich bis heute nur Infolge ganz befonberer Umftänbe erhalten und find typischer Ausdruck einer in sich abgeschlossenen Kultur des jeweiligen Landes. Auch wir haben noch heute Volkstrachten, bie von ber Mobe gänzlich unberührt geblieben finb. Diese Trachten, bie ein hohes unb mit Ehrfurcht z u pflegendes Kulturgut unseres Volkes barstellen, würden durch
Einbeziehung ins Modische in Gefahr kommen, verballhornt zu werden, etwa wie ein Volkslied, das zum Tanzschlager „verwertet" wird. Man wirb sich also hüten müssen, bie notmenbige Verwurzelung einer beutschen Mobe im Bobenstänbigen unb bie Abstimmung auf Typ unb Wesensart ber beutschen Frau zu verwechseln mit einer falschen Romantik, unb bie Volks- unb Lanbestrachten burch Ueberführung ins Großstabtbilb entseelen würbe ober bie Trachten aus einer Zeit bes Burgsräu- Icins, der Postkutsche, ber Stadtmauern übernehmen will in eine Zeit der selbststeuernden Automobilistin unb eines Verkehrswesens, das Kontinente aneinanderrückt.
Das wäre das Eine. Ich meine aber auch, daß eine deutsche Mode ebensowenig eine Angelegenheit einiger Modeateliers mit einer kleinen Schicht zahlungsfähiger Kundinnen werden dürfte. Es könnte nicht genügen, sogenannte „Kreationen“ künftig in Berlin anstatt in Paris zu entwerfen und sie mit einem Etikett „Deutsches Modell" oder womöglich mit sichtbaren Attributen deutscher Gesinnung zu versehen und dann auf Modeschauen anserwählten Kreisen vorzuführen. Eine wirklich deutsche Mode kann nur entstehen, wenn sie aus dem Bolke und seinem gefunden geschmacklichen Cmpsinden herauswächst ; dieses muß mit feinstem Fingerspitzengefühl abgetastet toerb<m. Breiteste Verwurzelung von unten her und sachkundiges Formtalent von oben unter Verbindung aller modeschaffenden Kräfte zu einem femeinge- spielten Apparat — wie es für die internationale Mode in Paris seit Jahrhunderten der Fall ist — das allein gibt die richtige Arbeitsgrundlage und sichert den Erfolg. Man braucht nickt einmal aus dem Nichts zu beginnen. Frauenverbände, Werkstätten, Zeitschriften. Jndustriefirmen und manche andere Stelle oder Persönlichkeit haben, z. -^-Jeit vielen Jahren, Ansatzpunkte und wertvolle Vorarbeiten geschaffen, die in eine volkserfassende deutsche Modenbcwegung organisch einzubauen wären.
Schließlich ein Drittes: Mode ist nicht nur dieäuhereSilhouetteund t>a3 ®rum und Dran der Kleidform, sondern zugleich die stilgerechte Vereinigung von Material und Form. Ob der Stoff aus der Idee der Lime, das Muster aus der Form geboren wird oder umgekehrt, oder ob zwischen diesen Komponenten nicht ständig eine hin- und herfließende Wechselwirkung stattfindetz mag hier dahingestellt bleiben. Auf jeden Fall muß bei der Entwicklung einer deutschen Mode die gamerzeugende, die stosllckallende und die stoffverarbeitende Industrie, aber auch Die Hand
weberei wie überhaupt jedes Bemühen, eine qua» litative und geschmackvolle Verbesserung des Materials in stärkstem Matze mitbeteiligt werden. Das Gleiche gilt für die vielen Zweige der Zubehörindustrien, die gerade in Deutschland zu besonderer Leistungsfähigkeit entwickelt worden sind, bei ber Modetendenz der letzten Jahre aber vielfach verkümmern mutzten.
Um dem Willen zur Formung einer deutschen Mode mit eigenem Gesicht den Weg zur Der- wirllichung zu bereiten, mühte unter Führung des Deutschen Modeamtes ein Arbeitskreis gebildet werden, der in bezug auf nationale Gesinnung, kulturpolitische Einstellung und fachliches Können berufene Vertreter aller an der Modeschöpfung, der Modegestaltung und der Modedurchsetzung beteiligten Gruppen zu vereinigen hätte. In dieser Organisation der Kräfte liegt nach meiner Ansicht die erste Aufgabe und wohl auch das Ziel des Amtes. Wer in deutschem Sinne arbeitet und etwas kann, wird hierbei auch Gelegenheit zur Entfaltung seiner Fähigkeiten finden: denn das Modeamt will ja schöpferische Leistungen in Deutschland mit allen Mitteln fördern.
Für Phantasten und für Leute, die persönlichen Ehrgeiz befriedigen ober Privatgeschäfte machen möchten, wirb es allerbings wohl kaum zu haben sein.
Koffer packen!
In ber Theorie ist Kofferpacken eine Kleinigkeit! In ber Praxis sieht das ganz anbers aus. Im Anfang ist bie Ueberlegung: Was nehme ich mit? Die Antwort lautet: Weber zu viel, noch zu wenig. Freube am Reisen hat man nur, wenn man sich mit keinem Stück überlastet. Maßgebend für ben Inhalt bes Koffers ist bas Reiseziel.
Für ben Aufenthalt im kleinen Gebirgsort braucht man kein Teekleib, unb wer auf Fußwanberungen Gewicht legt, wirb berbe Schuhe, in benen es sich gut gehen läßt, ben hochhackigen zierlichen Straßen- fchuhen vorziehen. Für ben Kurort braucht man ein warmes Kostüm, weil es morgens am Brunnen meistens recht kühl ist.
Die erforberlichen Gegenstänbe werben zuerst aus ihren Behältern genommen. So kann man sich am besten davon überzeugen, wie groß ber Koffer fein muß, ber sie bergen soll. Auch ist es nur bann möglich, sich vergessener Dinge zu erinnern. Um die Arbeit zu erleichtern, wirb ber Koffer auf zwei Stühle ge ft eilt. So oermeibet man bas er« mübenbe Bücken, unb bas Packen geht viel schneller. Auch ist mehr Bewegungsfreiheit vorhanben, bie einzelnen Dinge lassen sich besser unterbringen.
kurzen Kochzeit von zehn Minuten mit Sicherheit eine wohlschmeckende Marmelade oder ein köstliches Gelee bereitet werden kann. Wieviel Arbeit, Zeit und Geld mußte früher nutzlos auf- gewandt werden! Durch stundenlanges Kochen gingen Nährwert und Aroma der Früchte unnötig verloren. Das Buch Hilst jeder Hausfrau, sparsamer und gesunder als bisher, Marmeladen und Gelees bereiten.
Himbeeren in Zucker. Aus jedes Pfund Himbeeren, welche frisch unb sauber verlesen sein müssen, nimmt man ein Pfund Zucker, locht diesen mit wenig Wasser auf, schäumt ihn aus, fügt, die Früchte hinzu, läßt sie ein paarmal über- wällen, schüttet sie in einen Napf, bedeckt sie mit Papier und läßt sie bis zum folgenden Tage stehen. Dann läßt man die Früchte auf ciincm Sieb abtropfen, kocht den Zucker bis zu dem Grade ein, daß er von einem dareingetauchten Löffel breit und gallertartig tropft, tut die Himbeeren dazu, läßt sie noch einmal aufkochen und füllt sie nach einigem Verkühlen in saubere, trockene Gläser.
Himbeermarmelade. Zur Marmelade kann reichlich reifes Obst verwendet werden. Die Früchte werden nach dem Säubern im eigenen Saft unter ständigem Nühren gekocht. Hm eine frische Harbe zu erhalten, gibt man den Zucker zur Fruchtmasse, wenn sie gehörig eingedampft ist. Auf jedes Pfund der dann abgewogenen Masse 203 bis 300 Gramm. Kochen, bis die Masse nicht mehr zusammenläuft. Die fertige Masse wird heih in heiße, trockene Gläser gefüllt und erst nach völligem Erkalten, in etwa 48 Stunden, luftdicht zugebunden.
Kirschen. Man wählt großfrüchtige, recht fleischige Sorten mit kleinen Kernen. Sie werden gewaschen, entstielt, recht dicht in die Gläser eingefüllt, mit Zuckerlösung übergossen und 25 bis 30 Minuten bei 80 Grad sterilisiert. Man rechnet für süße Kirschen 300 Gramm Zucker auf 1 Liter Wasser; für Sauerkirschen 600 bis 700 Gramm Zucker auf 1 Liter Wasser. Die Zuckerlösung wird vorteilhaft mehrere Stunden vorher bereitet.
Erdbeersaft. 6 Pfund tief rote Erdbeeren, am besten Walderdbeeren, werden sehr sauber verlesen, rasch gewaschen und auf ein Sieb zum Ab- tropsen geschüttet. Inzwischen kocht man zwei Pfund Zucker zum Faden, schüttet die Beeren dann in den Zucker und läßt neben dem Feuer eine Stunde stehen, wobei sie Saft ziehen, aber nicht mehr kochen sollen. Dann läßt man den Saft über Nacht, ohne zu drücken, durch den Saftbeutel laufen, füllt ihn in kleine Flaschen, die entweder 25 Minuten bei 75 Grad sterilisiert werden oder mit Apotheker knoten zugebunden eine halbe Stunde im Wasserbad bei offenem Deckel koch" i müssen. Die rückständigen Erdbeeren können noch verwendet werden.
Johannisbeergelee. Sehr reife rote, zur anderen Hälfte weihe Johannisbeeren werden a?» geftielt, in kleinen Mengen mit dem Fruchtstampfer in einer Porzellanschüssel vollständig zerdrückt und durch einen Fruchtbeutel über Nacht abtropfen lassen. Am nächsten Tage wird der Saft vom Bodensatz abgegossen und gewogen. Man rechnet auf ein Pfund Saft 625 Gramm fein gemahlenen und gesiebten Zucker, den man löffelweise nach und nach zu dem Saft rührt. Man braucht dazu anderthalb bis zwei Stunden und rührt ununterbrochen nach einer Seite. Der Saft wird nun in kleine Geleegläser gefüllt, wo er erst nach einigen Tagen erstarrt. Das auf diese Art bereitete Gelce hat besonders feinen Fruchtgeschmack, hält aber nicht so lange wie das gekochte. Man muß deshalb häufig nachsehen und das Gelee bald verbrauchen.
Mit großer Sorgfalt werden Herrenanzüge gepackt. Zuerst ist jedes Beinkleid genau in die Bügelfalte einzulegen und entweder oben oder unten um» zuschlagen, da die meisten Koffer nicht lang genug sind. Um Druckstellen nicht aufkommen zu lassen, kommen in den Umschlag fein zusammengelegte Herrenstrümpfe. Sie sind dann auch zweckentsprechend untergebracht. Das Jackett wird in der Kugel, im Aermel und in der Brust möglichst mit zarter Damenwäsche ausgepolstert. Auch Taschentücher eignen sich dazu. Am besten ist es, das Jackett zu rollen und so in den Koffer zu verstauen, daß die Schulter- breite, je nach Größe des Gepäckstücks, die Koffer- länge oder die Kofferbreite einnimmt.
Mäntel und Kostüme für Damen sollten gleichfalls gut gepolstert und säuberlich gerollt werden. Dann haben sie beim Auspacken fast niemals Druckstellen. Doch auch das Falten der Länge nach wird empfohlen. Nur muß es sehr geschickt und vorsichtig gehandhabt werden, damit keine Druckstellen in der Vorderseite entstehen.
Alle schweren Gegen stände komnien z u e r st in den Koffer. Zuerst Schuhe, die — um Platz zu sparen — mit Tuben, Strümpfen, Woll- sachen ausgestopft werden. Es folgen schwere Kleidungsstücke, Herrensachen, Mäntel und Wollkostüme. Ein altes Leinentuch wird darüber gelegt, und nun falte man die Damenkleider zusammen, befestige leicht verschiebbare Falten mit einigen Heftstichen und lege sie möglichst der Länge nach in den Koffer. Damen- und Kinderwäsche dient dazu, die Lücken auszufüllen. Oben in den Einsatz gelangt die Herrenwäsche, während die weichen Kragen lang ausge- breitet auf die Taghemden verteilt werden.
Flaschen, Puder und Talkum gehören in den Handkoffer. Beim Verschütten der kleinsten Menge kann nämlich sonst großer Schaden entstehen, und mit dem großen Gepäck kann man nie so vorsichtig umgehen, rote mit dem Handgepäck. Auch Nachtzeug und Toilettesachen sollte man stets v o m großen Gepäck gesondert bet sich führen, weil immer mit einem unerwarteten Aufenthalt zu rechnen ist. Nachtwäsche wird in den leer gebliebenen Ecken untergebracht. Nicht zu vergessen ist eine Anzahl von Herrenkragenknopfen, da der Kraaenknopf doch immer — kaum angefommen — verschwindet, um nie wieder zum Vorschein zu^kom- men. Dadurch ist schon die Harmonie mancher Som- merreife gestört worden.
Hüte: möglichst wenige. Einen Hut trägt man ,a während der Fahrt, und der genügt meist vollkommen. (Fast immer.) Sonst tun es einige zusammen- leabare Käppchen, und für den Herrn Gemahl eine leichte Mütze. ßiefeloi^*-


