Ausgabe 
12.5.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhaupistadt.

Sonderzüge zum nationalsozialistischen Gauamtswalterappell.

Tom Bahnhof (Liehen wird uns ge­schrieben:

Aus Anlaß des Gauamtswalter­appells in Frankfurt a. M. am Sams- tag, 13 Mai, wird die Reichsbahn für die Hin- und Rückfahrt der Teilnehmer ab und bis Giehen Sonbcr AÜge verkehren lassen. Für die Hinfahrt verkehrt ein Sonderzug Giehen ob 1^30 älhr. Frankfurt an 16.55 Uhr. Dieser Zug hält nur in Butzbach (ab 15 55), Bad-Rau- henn ab 16 07), Friedberg (ab 16.14), Bilbel Rord (ab 1633) und Frankfurt-West (ob 16.48). Für die Teilnehmer der übrigen Bahnhöse, an denen der Sonder zug nicht hält, steht der Personenzug 776 Giehen ab 14 39, Frankfurt-Hauptbahnhof an 16.43 zur Verfügung.

Für die Rückfahrt können die Teilnehmer den Personenzug Frankfurt- Dad-Rauheim, der in der Samstagnacht bis Giehen durchgeführt wird, benutzen Dieser Zug fährt in Frankfurt 23 51 ab und trifft in Giehen um 1.32 ein. Dieser Zug hält mit Ausnahme von Kirch-Göns aus allen Bahnhöfen Für die Heimbeförderung der Teil­nehmer ab Giehen müssen sahrplanmähige Züge benutzt werden. Don Giehen -Frankfurt wird zu den angegebenen Zügen einx P r e i s e r - mähigung von 60 Prozent gewährt.

SchwertriegSbeschädigtenfahrt der AS.-KriegSopferversorgung.

Von der NS. -Kriegsopferoersoraung der Kreisleitung Giehen der NSDAP wird uns mitgeteilt:

Alle schwerkriegsbeschädigten Kameraden wollen x sich am Sonntag vormittag um 9 Uhr an der U n i 'mersität, Ludwig st rahe undLudwias 'platz, einfinden. Abfahrt findet pünktlich 10 Uhr | statt. Die Kameraden, die von der Wohnung geholt iwerden müssen, wollen uns dies Samstag nachmittag bekanntgeben. ft o ft c n sind mit der Fahrt nicht vcrknüpst.

Die Ortsgruppenleiter des Kreises Giehen wollen dafür Sorge tragen, dah die Teilnehmer rechtzeitig , nach Giehen befördert werden, gegebenenfalls uns dies mittcilen.

Anfahrt der Wagen ab 8 Uhr. Erwünscht ist es, dah dieselben bereits geschmückt sind.

Heil Hitler!

Pape.

OBS.Deutschlands bestdurchdachte Selbsthilfe.

Als Abschluß einer von der Ortsgruppe Gie­hen im Landesverband Hessen der DBS.-Bau- sparer veranstalteten Werbewoche, der eine' Schausensterausstellung bei der Firma Wald- s ch m i d t (Seltersweg) vorausging, fand am ver­gangenen Sonntag im CafeLeib" zu Giehen die Aufführung von zwei Theaterstücken statt.

Die Tagung wurde eingeleitet durch den Orts- Sruppenführer von Giehen, Herrn äl i h l e i n. ;r sprach seine Freude darüber aus, dah es nach 14 jähriger harter Arbeit endlich gelungen sei, die Koruption aus Deutschland auszurotten und der Zerrüttung des deutschen Dolkes Einhalt zu gebieten. Auch die im Jahre 1925 gegründete DBS. habe an der Seite der jetzigen ReiAs» regierung gelochten, indem sie einen sehr wich­tigen Dcrnichtungssaktor, nämlich den Z i ns . bekämpft habe. Aber schon bald nach ihrer Grün­dung sei das kapitalistische und daS marxistische System auf den Plan getreten, um die Genossen­schaft auseinanderzutreiben. Dank der Zähigkeit der damaligen Mitglieder dec Gemeinschaft sei dies aber nicht gelungen. Die DBS. habe der Stadt Giehen allein 13 Darlehen mit einem Gesamtbetrag von 221 000 Mark zugewiesen, die­ser Betrog sei ober nicht auf dem Wege des Kredits beschafft worden, sondern aus Spar­beträgen von Mitgliedern aus Giehen zusammen- getragcn.

Anschliehend sprach Direktor Griebel aus Darmstadt. Er erinnerte an die erste Dcrsamm- lung in Giehen im Gasthaus Sauer. Damals sei die Bekämpfung, der Klasfenhoh und die Unterdrückung beinahe nicht mehr zu ertragen gewesen, weil die DBS.-Mitglieder eine andere Weltanschauung sich zu eigen gemacht hätten. Das deutsche Dolk sei aber jetzt durch die natio­nale Erhebung aus diesem Schmutz herausge- kommen. Der I.Mai habe gezeigt, dah persön­liche Gründe und Einwendungen von jetzt ab hintan zu stehen hätten und dah nur Einigkeit zum Ziele führen könne. Das gelte auch für die DBS. 4000 Häuser seien schon erbaut worden, um dem deutschen Dolke wieder Arbeit zu geben. 27 000 Regelsparer hätten an der Erfüllung die­ses Werkes mitgeholfen. 6000 Handwerkern sei Arbeit verschosst worden, damit auch die DBS. ihren Anteil dazu beitrage: die Arbeitslosigkeit endgültig zu beheben. DBS. heihe heute .Dienst am Dolke". Die Gründung dieser Genossenschaft sei eine nationale Tat gewesen. Eine der Haupt­aufgaben für die Zukunft sei, dem deutschen Bauern seine verschuldete Scholle wieder lasten­frei zurückzugeben und dem deutschen Arbeiter ein glückliches Eigenheim zu schaffen. Die bis­herige Etaatshilfe sei immer noch die teuerste gewesen, denn die Beschaffung von Mitteln sei * stets nur durch Anleihen oder durch Anziehung der Steuerschraube möglich gewesen. Das Bau­sparen zeige in seinem Endzweck das Ziel, zu veranschaulichen, für was man spare. Deutscher Aufstieg gipfele in den Worten: Heimat und D o t e r l a n d.

Dos dann folgende Theaterstück .Das väter­liche Erle" wurde von der Spielschar Ettingshau­sen bei (Samberg in -mustergültiger Weise anfgc- führt. Die Rollen waren gut verteilt; jeder Spie­ler tat sein Möglichstes, um hier die Taten der DBS. in Wort und Bild zu veranschaulichen Eine zugunsten der Reunkirchener Opfer veranstal­tete Tellersammlung ergab einen ansehnlichen Be­trag. Rach einer weiteren kurzen Ansprache des Herrn M i b I e i n und nach dem Gesang des Deutschlandliedes erfreute die Spielschar Ettings­hausen die Zuhörer mit einem Einakter, der gthhe Heiterkeit auslöste.

Zum Schluh ergriff der Dezirksobmann. Leh­rer Siegfried, Leihgestern, das Wort. Er braute u. a. zum Ausdruck, dah in der DBS. deutsche Freiheit keime, das unermüdliche Wei- terbaucn zur Dollendung des Werkes fei die vor­nehmste Aufgabe. Er rufe alle noch abseits stehen­den Dausparer auf. sich der Gemeinschaft anzu- schliehen. Der Sparsinn rege sich überall, und die

DBS. werde auf dem richtigen Weg vorwärts geführt.

Rach einem dreifachen Steg-Heil aus Deutsch­land und unseren Dolkskanz'.er Adols Hitler und nach dem Gesang deS Horst-Wessel-Liedes konnte die denkwürdige Feier geschlossen werden.

Bornonzen.

Tageskolender für Freitag. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Ein Lied für dich". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg:Der Geheimagent" undDer Mord im Scala-Theater

Personalien. Laut Urkunde vom 6. Mai tritt der Vorsteher des Stenographischen Dienstes beim Landtag, Regierungsrot Eduard Scho i b le, auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Sloatsbeomten in der Fassung des Gesetzes vom 8. Oktober 1925 «yn 1. Juli 1933 in den Ruhestand. Nachdem der ordentliche Professor Dr. Ernst Verl an der Technischen Hochschule zu Darmstadt um Versetzung in den Ruhestand nachgesucht Hot, ist er zunächst mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden.

Landesoerfornrnlung des Fecht- oereinsWaisenschutz". Vom Hess. Fecht- vereinWoisenschutz", Zweigverein Gießen, wird uns mitgeteilt. Der Hessische FechtvercinWoisenschutz" Wohltätigkeitsverein für Halbwaisen in Hessen, hält am kommenden Sonntag ab 9.30 Uhr im Hessischen Hos" zu Butzbach seine diesjährige ordenlliche Landesoersornrnlung ab. Bei der unmittel­baren Nähe des Tagungsortes dürfte wohl manches Mitglied des hiesigen Zweigvereins und Freunde der Bestrebungen des Fechtvereins diese günstige Ge­legenheit wahrnehmen, um durch einen Besuch der Landesversammlung ein Bild von dem überaus segensreichen Wirken des Hess. FcchtvereinsWoi- senschug" zu erhallen. Für eine eindrucksvolle Aus- gestollung der Tagung trägt der Zweigoerein Butz­bach des Hess. FechtvereinsWoisenschutz" Sorge.

** Seinen Verletzungen erlegen. Der 54 Jahre alle Landwirt ftarl Rohr aus Kestrich, der sich vor einigen Tagen durch einen Sturz bei der Arbeit in der Scheuer schwere Kopfverletzungen und einen Oberschenkelbruch zugezogen hatte und, wie gemeldet, in die Chirurgische SUinif eingeliefert werden mußte, ist, wie wir von der Chirurgischen Klinik erfahren, gestern an den Folgen seiner Ver­letzungen g e ft o r b e n.

Dank des Herrn Staatspräsidenten.

Großen-Linden, 11. Mai. Nachdem der Gemeinderot dem Herrn Staatspräsidenten Professor Dr. Werner dos Ehrenbürgerrecht unserer Gemeinde verliehen hot, ist nachstehendes Dank­schreiben bei der hiesigen Bürgermeisterei ein- gegangen:

Darmstadt, den 29.4.33.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Herzlich erfreut mich die Ehrung durch die Stadt Großen-Linden, wo ich so manchen poli­tischen Sturm erlebte, und wo ich so manchen lieben Freund aus alten und jungen Kämpfer- tage» hatte und habe.

Ich danke Ihnen und Ihrem oerehrlichen Ge- mcinberat von Herzen für dos verliehene Ehren- bürgerrecht und werde es als einen erneutn G r u ß des Hüttenbergs, als einer mir besonders lieben hessischen Landschaft, treulich zu achten und zu wahren wissen.

Mit nochrnoligern großen Dank und hellem Hitler-Heil und Hesjengruß an Sie, Herr Bürger- meister, und Ihre Herren Räte bin ich

Ihr ergebenster

Dr. Werner.

Keine Veröffentlichungen von Begrüßungstelegrammen mehr. WSN. Darmstadt, 10. Mai. Die Stootsprefse- stelle teilt mit: Es ist seit kurzer Zeit unmöglich, wegen der Ueberfülle der an die Stoatsregierung gerichteten Begrüßungs- und Ergeben - heitstelegromme sowie Mitteilungen von Ehrungen, diese noch im Wortlaut zu bringen oder überhaupt im einzelnen' aufzuzählen. Do früher in verschiedenen Fällen der Wortlaut einzelner Tele­gramme veröffentlicht werden konnte, wird gebeten, in der mitgeteiUen Maßnahme keine Zurück­setzung sehen zu wollen.

Oie Gleichschaltung des Hessischen Sängerbundes.

WSN. D a r m st o d t, 10. Mai. Die Staotspresse- ftelle teilt mit: Die hessische Stoatsregierung hat heule die Herren Born, Kreisschulrot, Friedel Fischer, Kapellmeister an der Städtischen Aka­demie für Tonkunst, und Herbert Samper, Mu­siklehrer an der Biktoriajchule, mit der Gleich schaltung im Hessifchen Sängerbund beauftragt.

OaS Mainzer Stroßenbahnunglück.

M o i n z, 11. Mai. (WSN.) Das Straßenbahnamt gibt über das bereits gemeldete Straßenbahnungliück mlgenbcn Bericht heraus: Heute morgen ereignete sich an ber Waggonfabrik in Mombach ein schweres Straßenbahnunglück baburch, baß ber 7.06 Uhr von Finthen und 7.15 Uhr von Gonsenheim abfahrende Zug, b.er aus Trieb- und zwei Beiwagen bestand, entgleiste, wobei der Motorwagen umkippte. Dabei wurde ein Mädchen, die 13jährige Schülerin Hartung aus Finthen, getötet und 1 5 P e_r - fönen mehr ober weniger schwer verletzt. So­weit der Fall bisher aufgeklärt ist, ist das Unglücf darauf zurückzuführen, daß nach Aussage des Wa- genführers die Strom bremse, die am Kleinen canb noch richtig funktionierte, versagte. Dem Führer gelang cs nicht, mit Handbremse und Sand­streuern die Geschwindigkeit zu vermindern, so daß an ber Kurve die Entgleisung erfolgte.

Anläßlich des schweren Straßenbahnunglücks in Mainz, hat der Herr Staatspräsident folgendes B e i- I e i b s t e I c g r a mm an die c wt tocrmaltung Mainz, zu Händen bcs Stctttslomn./mrs Jung, gerichtet:In schmerzlicher Anteilnahme übermittele ich der Stadtverwaltung Mainz Ausdruck herzlichsten Beileids anläßlich heutigen fdjroeren Straßenbahn- unglücks. Bitte meine aufrichtige Teilnahme den An­gehörigen des tödlich verunglückten Kindes, sowie mein warmes Mitgefühl den Verletzten und ihren Angehörigen mit besten Wünschen für baldige Ge­nesung zu übermitteln.

Ministerpräsident Dr. Werne r."

Gne Festnahme in der Mordsache Kurth

WSN. Frankfurt a. M., 11.Mai. Wegen dringenden Verdachts, den Mord an dem Zi­garrenhändler Kurth in der Kronprinzen-

stroße begangen zu haben, ist der^ kaufmännische Angestellte, zur Zeit erwerbslose Fritz Lange- 1 o t h , geboren am 31. August 1014 in Aleppo (Syriens, verhaftet worden Langeloth ist unter dem Namen Fred bekannt. Mit Kurth war er be­freundet. und er hat in besten Zigarrengeschäft viel­fach Kunden bedient. Er hat sich nach eigenen An­gaben am Dienstag, 2. b. M, etwa in der Zeit von 20 bis 23 Uhr bei Kurth in der Wohnung aiifgc- halten. Es steht jedoch nicht fest, daß diese Angaben ber Wahrheit entsprechen. Er kann auch ebenso gut längere Zeit in der Wohnung des Kurth verweilt haben. Nähere Einzelheiten können im Intereste der weiteren Untersuchung nicht veröffentlicht werden.

(Strafkammer Gießen.

Gießen. 11. Mai In der heutigen Haupt­verhandlung gegen Derta Schm, von Gießen und Genossen wegen Betrugs wurde noch eine Reihe von Geldgebern aus Gießen und Umgegend ver­nommen Sodann wurden die Protokolle aus­wärts verhörter Zeugen verlesen. Ls ergab sich im wesentlichen dasselbe Bild wie früher. Auf Grund der Erzählungen verschiedener Angeklag­ten, die Erbschaft fei eine ganz sichere Sache und komme in kurzer Zeit zur Auszahlung, und mit Rücksicht auf die ausgehändigten Schenkungs­urkunden waren hon den Leuten Geldbeträge bezahlt worden, die im einzelnen biS in die« Tausende gingen. Weiter ergab sich, daß Frau Schm, mit anderen Angeklagten große Auto­fahrten nach Frankfurt, Heidelberg. Bad Schwal- bad). Halle usw gemacht und hierbei recht flott gelebt hatten

Die Verhandlung wurde schließlich auf Mon­tag vertagt. 3n der Zwischenzeit soll noch eine erkrankte Zeugin vernommen werdeir.

Kirche und Schule.

Zusammenarbeit der evangelischen Kirchen Hessens und Frankfurts.

EPH. Ein wichtiger Schritt auf dem Wege der engeren kirchlichen Verbindung von Hessen und Frankfurt ist in der vergan­genen Woche getan worden. Drei Kandidaten der Frankfurter Kirche wurden zum Abschluß ihrer wissenschaftlichen Dorbereitung in das Friedber­ger Predigerseminar ausgenommen. Aus diesem Anlaß fand im Seminargebäude in Friedberg eine Feier statt, an der der Referent des Landes­kirchenamtes, Oberkirchenrat Dr. Müller

Der Begriff und das Wort Heimatmuseum ist erst wenige Jahrzehnte alt. Aber, wie alle ur sprünglichen und lebensfähigen Bewegungen, so ist auch die Heimat- unb volkskundliche Bewegung g e wachsen, unb mit der Vvlkskunbe unb Heimat- kunbe ist auch bas Heimatkunbemuseum in aller Stille, ohne jebe Einwirkung von oben her ge wachsen. Es gibt heute im deutschen Sprach unb Siedlungsgebiet etwa 2000 Heimatmuseen, die fast alle in den letzten 30 bis 40 Jahren ent­standen sind.

Das ist eine Ziffer, die wohl manchen Kenner der Museumsverhältnisse überraschen wird. Sie zeigt die Bedeutung, welche die Heimatmuseen heute haben oder morgen haben können, wenn sie einmal ein­heitliche bewußte 'Boltsbilbungsarbeit leisten. Daß sie das nicht tun, liegt auf der Hand, denn diese Museen sind noch ganz auf die Liebe und Pflege des einzelnen Ortes und dort wieder der einzelnen Persönlichkeit angewiesen.

Ebenso vielfältig wie der Heimatboden, auf dem sie entstehen, ist auch die Gestaltungsmöglichkeit der Heimatmuseen. Als erstes Beispiel das Heimat­museum, bas einem größeren Landesteil gewidmet ist: ich erkläre es an dem ältesten und besten Hei­matmuseum, daß wir in Deutschland haben und das vielfach im In unb Auslanb als Muster gebient hat, bas Altonaer Museum, begrünbet von Profes­sor Dr. Otto Lehmann. Es behandelt Die hei­matliche Natur und Kultur Schleswig-Holsteins.

Wir finden da zunächst in übersichtlicher Form dargestellt durch Modelle, Präparate, Schaubilder, Karlen und Beschriftungen, die allgemein verständ­lich sind, die geologische Struktur von Schleswig- Holstein, die wichtigsten Tiere und Pflanzen mit ihrer natürlichen Umgebung, Nahrung unb Behau jung. Weiterhin bie menschliche Kultivierung bes Landes, bie Stammeszugehörigkeit ber Bevölkerung, bie Siebkungssorm, bie Wirtschaftsform, bavon wie ber als Unterabteilungen ben Hausbau, bie Felber bewirtschaftung, ben Deichbau, ben Schiffsbau, bie Inneneinrichtung bes Hauses, bie Wirtschaflsgeräte, bie typischen Wirtschaftserzeugnisse, das heimatliche Handwerk unb bie alte Volkskunst, bie Kleidung unb bie Tracht, die Dokumente des volkstümlichen Ge- meinjchaftswesens unb Brauches. Zu biesem Dar­stellungsinhalt tritt ber Nahmen, ber bas Musetrm benutzbar macht: da finben wir eine heimatkund liche Volksbibliothek, Ausstellungsräume, bie wech- felnbe Ausstellungen von verfchiebenen Themen er­lauben, von Handwerk, moberner Kunst, historischen Themen usw., einen Vortragssaal unb einen Er­frischungsraum, in bem der Mujeumsbesucher essen, trinken und ausruhen kann. Als besondere Abtei­lung ist eine Museumsweberei eingerichtet, die m Verbindung mit ber heute noch in Schleswig-Hol­stein sehr lebenbigen Handweberei bie alten boden- ftänbigen Muster pflegt. Hier kann man sehen, ler­nen unb auch kaufen. Die Zahl von jährlich 150 000 Besuchern bestätigt, baß biefes Museum feine Auf­gabe erfullr

Ein zweites Beispiel. Die ßanbesanftalt für Vorgeschichte in Halle, geleitet von Professor Hans Hahne. Hier liegt bie Betonung auf ber vorgeschichtlichen Forschung, die dort im Saale- und Unstruttal eine reiche Duelle von Fun­den zur Erkenntnis ber früh- unb vorgeschichtlichen Kultur finbet. Im Museum sink» bie Ergebnisse biefer Grabungen bargestellt: bie Waffen, bie Geräte, die Häuser, die Gräber mit deutlicher Hervorhebung des germanischen Lebensbodens. In Verbindung damit unb als Brücke zur Gegenwart hak Hans Hahne eine Abteilung eingerichtet, bie erVom beutschen Iahreslauf unb -brauch" nennt. Die Iahreslauf- fpiele, bie Hans Hahne viermal im Jahre mit einem Iugenbfreunbeskreis in ber großen Halle seines Museums veranstaltet, bebeuten für bie Iugendde roegung in Halle aber auch für weile Bcoolkerungs kreise eine wertvolle Pflege bes Dolksspieles unb Volksliedes, bes geistigen Inhalts ber allen Bräuche unb Feiern.

Kleinere Museen beschränken sich auf noch engere

Adam Korrillon, ber bekannte Obenwoldbichter, würbe 80 Jahre alt.

(Darmstadt), Kirchenrat T r o m m c r 8 h n u f c n (Frankfurt a. M.) unb die 31 Kandidaten des Se­minars teilnohmen. Die beiden Vertreter der be­nachbarten Kirchen grüßten in deren Romen und wiesen auf die Bedeutung der gemeinsamen Aus­bildung der Pfarrer für den engeren Zusammen­schluß der evangelischen Kirchen hin.

Freiwilliger Arbeitsdienst und evangelische Lebenskunde.

EPH. 3n den Arbeitsdienstlagern Griesheim, Homburg v. d. H. und Hachenburg nehmen in einem mehrwöchigen Kursus sechs 5tanbibalen der evangelischen Theologie des F r i eb­be r g c t Seminars unb ein im aktiven Pfarr­dienst stehender Pfarrassistenl teil, um das Lager- leben kennen zu lernen. Sie befinden sich m engster Lebensgemeinschaft mit den Arbeitsdienst- freiwilligen unb beteiligen sich burch Erteilung von ledenskundlichem Unterricht an der Er­ziehungsarbeit.

Themen, die ausgesprochenen Lokalcha ratter haben. So ist etwa in dem Hei mahn uscurn in Bad Tölz in Oberbayern bie alte Tölzer Tischler fünft bargeftellt, bie weit hinaus ins bayrische Laub unb bie Donau hinunter auf den Tölzer Holzflößen ihre buntbemalten 'Bauernmöbel lieferte unb bann ber Leonharbtskiilt, jene Verehrung bes hl Leon Harb, bes Pferde- unb Viehbeschützers, durch Wall­fahrten, eiferne Dpjerfigurcn unb gemalte Dierbilbcr.

Auch im mobernen Inbufkrie Zentrum kann bas Heimatmuseum eine wichtige Mission erfüllen. Hier veranschaulicht es als obersten Heimatwert die in buftrielle Arbeit. Ich nenne bas Töpferei museum in Velten nörblich von Berlin. Bel ten ist heute ber Hauptplatz ber beutschen Kachel inbuftrie, es hat vorzügliche Steingul'abriken unb bas bort von Kantor Gehrike gegrünbete Orts museum zeigt bie Hauptformen unb Erzeugnisse ber Seltener Töpferei seit zwei ober brei Jahrhunderten.

Ein besonberer Typ bes Heimatmuseums ist bas Freiluftmuseum, bas in Skanbinavien zuerst geschaffen würbe, unb zwar von Arthur Haze l i u s iu bem berühmten Skansenmufeu m in Stockholm, bas aber in Deutschlanb neben einigen Dorfmuseen, wo ein einzelner Hof hergerichlet würbe, nur in Königsberg eine beachtenswerie Ausbildung erhalten hat. Das FreiluftmiLeum will bas zeigen, was ein geschlossener Mujeumsbau in­folge seiner Raumbeschränktheit nicht zeigen kann, nämlich ganze Häuser unb'e, Garten unb Feld anlagen, gewissermaßen die heimatliche Natur. So sehen /vir auch im oitpreußischen Heimatmuseum in Königsberg bie wichtigsten Typen bes ländlichen Bauwesens in OstprMszeu vereint, 'Bauernhöfe, Fischerhäuser, eine Dvnkirche, einen Friedhof, 'Utiih len, Brunnen, Schmieden, Backöfen usw. Hier ist bas Bilb ber Heimat, wie es in ihren überlieferten Formen beim Ausbruch bes Industriezeitalters war, gewissermaßen als historisches Denkmal ber alten Kultur festgehalten.

Auch ein kleines Heimatmuseum braucht nicht zum üblichen Schema mancher Äleinmufeen zu werden, bie ein wenig prähistorisches Material, eine Schmet­terlingssammlung, ein paar Gesteine, ein wenig sog. llrbätcrhausrat unb bas berühmte Biedermeier;,»! mer enthalten. Wenn man richtig prüft, wirb sich überall eine bobenftänbige Note ünben lassen, die bem Museum Eigenwert Derleiöt. So wirb eine Hafen unb Fischerstabt bie Schiffahrlstechnik ober bie Fischerei als Thema nehmen, ein Ort mit einer Umgegenb, in der Hausindustrie vorwiegt, wirb bicle gewerbliche Tätigkeit behanbeln, wie etwa Sonneberg in Thüringen fein Spielzeug mu feum hat, anbersmo wirb die historische Daritel lung eines Ereignisses ober einer bestimmten Per sonlichkeit in Frage kommen, wie bei bem Resar - matlonsmufeum in Wittenberg ober dem Museum in Eger, dessen Hauptabteilung W a 11 e n ft e i n gewidmet ist, andere Orte werden wieder andere Motive hervorheben können, wie etwa Mil tenwald mit seinem (3 e i g e n b a u m u j e u m ober ftrefclb in seinem Textilmuseum

Die Arbeit ber Heimatmuseen im fchmsten Sinn beleuchtet eine Anekbote, bie den Vorzug hat, daß sie wahr ist. Der alte Professor Sentiert in Bresben, ber Vater, Grünber und Leiter des rc zenden Museums für Sächsische Bo 1 kskunft in Dresden, ging einmal in feinem Museum wie Harun al Razchid unter ben Besuchern herum Da sah er brei kleinere Mäbchen, hie scheu und anbäch lig bie ausgestellten Herrlichkeiten berounberten. Eine von ihnen ging auf Strümpfen und trug bie Schuhe in ber Hand. Der Direktor, besorgt, bas Kinb könnte sich erkälten, fragte: .Jlber, mein Kind, warum haft bu dir denn die schuhe ausgezogen.-'" Daraus antwortete das Mädchen:Ach, es ist hier so wunderschön unb beinahe heilig, und da wollte ich recht leise gehen." Der-alte Professor Seysiert, ber viele Ehrungen in seinem Leben erhalten hat, ist ber Meinung, daß das bie schönste Anerkennung feiner Arbeit unb feines Heimatmuseums war, bie ihm deschieden werben konnte.

Deutschland besitzt 2000 Heimatmuseen!

Interessantes aus wenig bekannten Pflegestätten deutschen Volkstums.

Von Dr. Konrad Hahm, Leiter der staatlichen Sammlung für deutsche Volkslunde.