8reitag, 12. Mai 1955
Nr. ItO Erstes Blatt
185. Jahrgang
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Den sogenannten deutschen Wehrverbänden wird in Gens militärischer Charakter zugesprochen.
Scharfe Auseinandersetzung im Effektivausschuß. — Unglaubliche Unterstellungen der Vertreter Polens, Frankreichs und Englands.
Genf. 11.Mai. (IDIB.) Der Lffektivausfchuß der Abrüstungskonferenz Hai heule nachmittag nach zweitägiger Debatte gegen die Stimmen Deutschlands und Ungarns dahin entschieden, dah di e s o g. d e u t- fchen wehroerbände als militärisch verwendbar im Sinne der oomAusschuh ausgestellten Richtlinien anzusehen seien. Für diese prinzipielle Entscheidung haben gestimmt: Frankreich. England. Belgien. Polen. Jugoslawien, Tschechoslowakei. Rumänien. Portugal und Holland; der Stimme enthielten sich die vereinigten Staaten von Amerika. Italien. Finnland, Schweden, Spanien, die Türkei. Japan und Oesterreich.
Dem Beschluß des Effektivausschusses ging eine ausgedehnte scharfe Auseinandersetzung voraus, in der es wiederholt zu Zusammenstößen kam. Den Angriff eröffnete der polnisch e G e - neral Burkhart, der feine persönlichen (map- rungen bei den polnischen Aufstanbische n o e r b ä n d e n in der Verschleierung von Waffentragen und militärischen Hebungen, wie
B. dem Verbergen von Gewehren in Diolinkösten zum Besten gab und daraus den Schluß zog, daß die deutschen Verbände mitähnlichenMetho- den ihre tatsächlichen militärischen Rüstungen und ihren militärischen Charakter zu verbergen pflegten. Ferner stützte dieser polnische Sachverständige für ungesetzliche militärische Verbände seinen Angriff gegen die deutschen Wehrverbände auf die geplante Einführung des Freiwilligen Ar- beitsbienftes, der nach polnischer Auffassung tatsächlich die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland bedeute.
Der englische General Temperley betonte, daß allein das Wort „W ehr"- Verbände und „W c h r“ sport für den militärischen Charakter genügend seien und daß an dem militärischen Wert und der kriegsmäßigen Verwendbarkeit der deutschen Wehrverbände kein Zweifel möglich sei. Der frühere belgische General- stabsches Gall et stützte seine Veweissuhrung aus die Richtlinien des Reichskuratoriums für Zugendertüchtigung und machte insbesondere daraus aufmerksam, daß die dort vorgesehene De- schirrung von Pferden zweifellos zu militärischen Ausbildungszielen ausgenommen wor- den sei. . ...
In den Ausschußverhandlungen wurde ledoch allgemein anerkannt, daß die deutschen Verbände über keinerlei Waffen verfügen und keinerlei Hebungen mit Waffen stattfinden. Dagegen wurde von verschiedener Seite versucht, die Hilfspolizei mit den Wehrverbänden in Zusammenhang zu bringen und von der Hilfspolizei auf den rein militärischen Charakter der Wehrverbände zu schließen. Die Beweisführung der Gegenseite gegen die deutschen Wehrverbände stützte sich im wesent- lichen auf die Organisation, die Benennung von Sturmabteilungen, die Führung alter Regimentsnummern, die Geschlossenheit und den Zusammenhalt des Auftretens, das Führen von. Fahnen, Musik usw.
Der deutsche Vertreter, General Schönheinz, trat in großer Sachlichkeit und mit Entschiedenheit diesen völlig unhaltbaren und rein tendenziösen Angriffen gegen die deutschen wehroerbände entgegen und wies überzeugend nach, daß nach den von den Ausschuhmitgliedern vorgebrachlen Ifiertmalen jeder fiegelflub und jeder Gesangverein. ja, sogar die Heilsarmee als Organisationen militärischen Eharak- lers erklärt werden mühten und bei der Berechnung der nationalen Armeen einzureihen seien.
Oie Abstimmung.
Italien und Lesterreich enthalten sich der Stimme.
Die Abstimmung erfolgte auf Grund eines ungarischen Antrages, nachdem der Effektw- ausnhuß ausdrücklich den nichtmilitärifchen Charakter der deutschen Wehroerbände festge- fteUL — Der Vertreter Italiens schloß sich in einer energischen Erklärung vollständig der deutschen Auffassung an und verlangte nachdrücklichst, daß die deutschen Wehrverbände nicht als militärische Organisation erklärt würden. Die italienische Stimmenthaltung ist auf den grundsätzlichen Standpunkt der italienischen Regierung zurückzufüh- ren, eine jede sachliche Stellungnahme in den Verhandlungen des Effektivausschusses abzulehnen. Allgemein fiel jedoch die S t i m m e n t h a l t u n g d e s Vertreters Oesterreichs auf, für die keinerlei offizielle Begründung angegeben wurde.
In der Abstimmung sino die gesamten deutschen Wehrverbände ohne Benennung der Einzelverbände als Organisationen militärischen Charakters erklärt worden. Gegen den Beschluß wurde von deutscher Seite sofort ein energischer Protest angemeldet und daraus hingewiesen, daß der Ausschuß entgegen den bisherigen Gepflogenheiten plötzlich
und ohne jede Begründung ein neues Verfahren angewandt habe. Der Ausschuß hätte sich eigentlich nur mit der Frage der militärischen Ausbildung in den Wehrverbcmden befassen dürfen. Tatsächlich wäre der Ausschuß jedoch auf Grund völlig unhaltbarer Kriterien zu einer Bewertung der deutschen Wehrverbände gelangt, die in schroff st em Gegensatz zur Wirklichkeit stände. Die Abstimmung hat nur einen vorläufigen Charakter, da die gesamten Beschlüsse des Cssektisausschusses in zweiter Lesung im Hauptausschuh noch einmal durchberaten und sodann zur End- abstimmung gelangen. Aus der vorläufigen Abstimmung erklärt sich auch die große Zahl der Stimmenthaltungen. Es versteht sich von selbst, dah dieser Beschluß des Effektivausschusses auf deutscher Seite in keiner Weise als bindend angesehen wird.
Frankreich unterstellt Phantasiezahlen.
Als der Ausschuß sodann an die Berechnung der ziffernmäßigen Stärke der deutschen Wehrverbände herantrat, die bei der Anrechnung auf die deutsche Heeresstärke zugrunde gelegt werden soll, gab der Vertreter Frankreichs, Oberst Lucien, auf Grund völlig unkontrollierbaren Materials nachfolgende Zahlen für die deutschen Wehrverbände bekannt.
600 00(T Mann SA. und SS., 250 000 Mann Stahlhelm, 150 000 Mann Wehrwolf. Rach den französischen Berechnungen seien die deutschen Wehr - verbände mit einer Gesamtzahl von eine Million Mann einzuschäyen.
Der deutsche Vertreter, General Schönheinz, legte sofort scharfe Verwahrung gegen das Vorgehen Frankreichs ein und protestierte lebhaft beim Präsidenten des Ausschusses dagegen, daß jetzt bei der Behandlung der deutschen Wehrverbände mit Zahlen operiert würde, die keineswegs einen amtlichen Charak- t e r hätten. Der Ausschuß habe hier stets nur die amtlichen Angaben der betreffenden Ländervertreter seinen Verhandlungen zugrunde gelegt. Die vom Vertreter Frankreichs angegebenen Zahlen führten au einem völlig entstellenden Eindruck der tatsächlichen Lage. Deutschland müsse daher auf das schärfste gegen ein derartiges unrechtmäßiges Vorgehen protestieren. Auf die Anfrage des Präsidenten des Ausschusses, ob der deutsche Vertreter bereit fei, von s i ch aus die ziffernmäßigen Stärken der deutschen Wehrverbände anzugeben, erklärte General Schönheinz, daß er zunächst hierzu nicht in der Lage sei, da es sich um private Verbände handele. Der Ausschuß sah sich daher gezwungen, die ursprünglich vorgesehene sofortige Berechnung der auf die deutsche Heeresstärke anzurechnenden Ziffern der deutschen Wehrverbände zunächst zu verschieben.
Ergebnisloser Ausgang der Fünfmächtebesprechung. Keine Einigung über die Fortführung der Konferenz.
Genf, ll.INai. (WTB.) Die Bertreler Deutschlands. Englands, Frankreichs, Amerikas und Italiens traten heute nachmittag zu einer gemeinsamen Besprechung zusammen, um festzustellen, wie die stonserenzarbeiten weiter fortgesetzt werden sollen. Die Besprechung führte trotz zweieinhalbstündiger Dauer zu keiner Einigung. Das Entgegenkommen. das Botschafter Ratz o l n y auch heute abend wieder zeigte, begegnete bei den Vertretern Frankreichs und Englands keinem Verständnis. Das Angebot der deutschen Delegation, der Vereinheitlichung der kontinentalen europäischen heeres- systeme prinzipiell unter dem deutschen Vorbehalt zuzuslimmen, wurde als ungenügend bezeichnet. Man wollte sich höchstens damit abfinden, daß die deutsche Delegation eine Generalreseroe ohne bestimmte Bedingungen vorbringe.
Unter diesen Umständen wurde beschlossen, dah Freitag nachmittag das Erweiterte Präsidium der Abrüstungskonferenz zufammentreten soll, um einen Beschluß über den weiteren Gang der Konferenz herbeizuführen. Zur Entscheidung steht:
1. der Antrag der englischen Delegation, die Bestimmungen des englischen Konoentions- enlwurss üb er die Effektiv st ärke in zweiter Lesung zu erledigen und damit eine Entscheidung der Konferenz über die haupt- streitfrage, die Vereinheitlichung der kontinentalen europäischen hee- ressysteme. herbeizuführen;
2. der Antrag der deutschen Delegation, die Debatte über den englischen Entwurf in der ersten Lesung fortzusehen und die Frage des Kriegsmaterials in Angriff zu nehmen.
Am Samstag wird der Hauptausschuh der Abrüstungskonferenz zusammentreten, um gemäß den Beschlüssen des Präsidiums zu verfahren. 3n Tiebereinstimmung mit den maßgebenden Berliner Stellen ist die deutsche Abordnung entschlossen, den jetzt geschlossen von der Gegenseite ausgeübten drohenden Einschüchterungsversuchen nicht nachzugeben, sondern den grundsätzlichen deutschen Standpunkt in Wahrung der lebenswichtigen deutschen Interessen aufrechtzuerhalten. Die deutsche Delegation hatte den Eindruck, dah auf der Gegenseite nicht die geringste Reigung zum Verständnis für die grundsätzlichen Abrüstungsforderungen besteht und dah die gegenwärtig in England unv Frankreich außerordentlich scharf zu- tagetretende deutschfeindliche Stimmung tatsächlich allein maßgebend für die Haltung der englischen und französischen Regierung in den Abrüstungsfragen gegenüber Deutschland geworden ist.
Auf deutscher Seite ist man daher entschlossen, falls im Hauptausschuh in der nächsten Woche ein Ausweg nicht gefunden wird, program
matisch den deutschen Standpunkt vor der Konferenz fe st zu st eilen und damit die Schuld an dem Zusammenbruch der Konferenz eindeutig von Deutschland abzuschieben. Die Reichsregierung wird zum Ausdruck bringen, daß sie sich bereiterklärt hat, den englischen Plan in den wesentlichen Elementen unter der Voraussetzung der Annahme gewisser deutscher Wünsche anzunehmen. Weiter werden die deutschen grundsätzlichen Forderungen auf entscheidende Abrüstungsmahnahmen und Abschaffung der G r o h a n g r i f f s w a f f en erneut hervorgehoben werden. Die deutsche Regierung wird weiter die deutschen Forderungen auf dem Gebiet des Kriegsmaterials mit der grundsätzlich bereits erfolgten Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung und der Rotwendigkeit nationaler Sicherheit, Verteidigung und Ehre begründen, wobei Deutschland bereit ist. mit den Zahlen des Kriegsmaterials unter den den übrigen Großmächten eingeräumten Stand zu bleiben. In aller Deutlichkeit wird von Deutschland die Schuld an dem nahegerückten Zusammenbruch der Konferenz dem Fehlen des ernsthaften Abrüstungswillens und der völligen Verständnislosigkeit der übrigen Großmächte zugeschoben werden müssen.
Oer britische Kriegsminister droht mit Sanktionen.
Unerhörte Verschiebung der Schnldsrage.
London, 11.Mai. (WTB.) Im Oberhaus richtete Kriegsminister Lord Hailsham scharfe Angriffe gegen Deutschland. Wenn Deutschland angesichts des britischen Konventionsentwurfs sich weigere, an den Beratungen teilzunehmen, oder die Abrüstungskonferenz verlasse, dann weise es damit ein Angebot zurück, das England seinem Versprechen gemäß gemacht habe. Deutschland würde dann aber auch jede Verantwortlichkeit zu tragen haben, die sich aus einer solchen Haltung ergebe. Ich spreche, erklärte Hailsham, nur meine private Meinung aus, wenn ich denke, daß Deutschland dann durch die Bestimmungen des Vertrags von Versailles gebunden und jeder Versuch einer Ausrüstung ein Bruch dieses Vertrags wäre und alle im Vertrag vorgesehenen Sanktionsmaßnahmen in Wirksamkeit setzen würde. Ich zweifle daher sehr, ob die an Deutschland angrenzenden Staaten es für vernünftig halten würden, wenn man an sie die Frage richtete, was sie für die Abrüstung zu tun geneigt seien, wenn Deutschland erklärt: Wir rüsten nicht ab, wir halten uns nicht für gebunden und schließen keinen Vertrag ab, den ihr auszustellen beliebt, sondern werden unsere eigenen Wege gehen. Ich glaube, es hieße viel von der Mäßigung, dem guten Willen und der Geduld beispielsweise des französischen Volkes zu verlangen, wenn man ihm raten würde, irgendeine Konvention abzuschließen, oder sich an der Erörterung von Abkommen weiter zu beteiligen, die ein großes Maß von Abrüstung verlangen.
Deutsche Arbeitsfront.
Mit einer großen und an glückhaften, treffenden Prägungen reichen Rede hat Reichskanzler Adolf Hitler den ersten Deutschen Arbeiterkongreß am Mittwoch eröffnet und die Einheitsgewerkschaft über das Taufbecken gehalten. Diese Einheitsgewerkschaft schaltet zum erstenmal die deutsche Industriearbeiterschaft als Organisationsform zusammen mit der Angestelltenschaft, und zwar derart, daß die fachgruppenhafte Einteilung bestehen bleibt, aber ein Zusammenwirken der Angestellten und Arbeiter in ergänzender Form ebenso erfolgt, wie tatsächlich in jedem Unternehmen die Derufsarten auseinander angewiesen sind. Die Wertung der deutschen Arbeit, gleich welchen Standes, mußte vergeistigt und aus der Engstirnigkeit der materialistischen und klafsenkämpferischen Auffassung herausgehoben werden. Hitler hat das Schwergewicht darauf verlegt, dem deutschen Arbeiter den Stolz auf seine Arbeitsleistung einzuimpfen, die Idee, daß auch Handarbeit Wertarbeit bleibt und gewisse geistige Kräfte zu ihrer Ausübung notwendig hat.
Die drei ewigen Stände, Arbeiter, Dauer und Handwerker sind ja nicht in ihrer Arbeitsleistung denkbar ohne ein geistiges Verhältnis zur Arbeit. Dieses geistige Verhältnis hat der Bauer wohl, der am Arbeitsabend ebenso wie der Handwerker nicht nur den materiellen Ertrag seiner Arbeit berechnet, sondern fühlt, wie notwendig seine Arbeit für die Welt ist, während durch die marxistische Auffassung der Industriearbeit lediglich der Arbeitsertrag und der Streit um den Mehrwert, also Lohn, Proletariat und Kapitalismus, das Vorstellungsvermögen der Freien Gewerkschaften in Bann schlug.
Da das künftige Deutschland weder die Diktatur eines Proletariats noch des Kapitalismus sehen wird, hat Hitler den Schuh der Arbeitskraft und ihre gerechte Entlohnung als Grundthese ausgestellt. Destn keine Ration kann eine Ausbauarbeit leisten, wenn der Schassende selbst als Diener am Staat und Arbeiter im Staat von der Staatsführung nicht als gleichberechtigt oder als Wertgegenstand geschützt und gesichert ist. Zwischen den verschiedenen Ständen wird es natürlich, wie immer in der Wirtschaft und Politik, Gegensätze geben, denn ohne einen solchen Kamps erstirbt jede Initiative, aber was bisher fehlte, wird künftig der Fall fein, daß nämlich die vier Säulen des neuen Ständestaates, Arbeiter, Angestellte, Bauern, Handwerker und freie Berufe, ihre Gegensätze dem Schiedsrichteramt eines objektiven Sachwalters, eines ehrlichen Maklers unterbreiten können, wie der Reichskanzler sich in seiner Rede vor dem Kongreß der Deutschen Arbeitsfront selber bezeichnet hat. Damit wird das Vertrauen von oben ergänzt durch eine überparteiliche Führung von oben.
Die deutsche Arbeitsfront, in die sich alles einreiht, was irgendwie in der deutschen Wirtschaft tätig ist, sei es als Unternehmer, sei es als Arbeiter und Angestellter, zieht sich nicht mitten durch das deutsche Volk, um neue Gegensätze zu schassen, sie ist vielmehr der Rahmen, der alles einschIießt. Mit dieser Arbeitsfront entsteht uns auch die unzerstörbare Einheit des deutschen Volkes, die in sich zur Schicksalsgemeinschaft geworden ist weil das ganze deutsche Volk fühlt und fühlen mutz, daß die Politik der inneren und äußeren Befreiung unter der Führung des Reichskanzlers nicht irgendeinem Teil Vorteile bringen kann, von denen andere Teile ausgeschlossen sind. Die These, daß Gemeinnutz vor Eigennutz geht, ist die Umgestaltung der falschen marxistischen Klassenkampslehre, die Ausbeuter und Ausgebeutete als unversöhnliche Feinde gegenüberstellte. In der deutschen Volksgemeinschaft gibt es nach der Zertrümmerung des Marxismus in jeder Form keine unversöhnlichen Gegensätze, denn der neudeutsche Ständestaat, der sich mit der Gründung der Deutschen Arbeitsfront schon in groben Umrissen abzuzeichnen beginnt, bindet das Volk an den Staat, der das unzerstörbare Gefüge der ganzen Nation sein will.
Bildung einer großen deutschen Rechtsfront.
Berlin, 11. Mai. (CNB.) Bisher gibt es allein in Preußen 26 Verbände, in denen die Juristen und juristischen Beamten organisiert sind. Zur Bildung einer einheitlichen deutschen Rechtsfront haben der Verein der Staatsanwälte und der Preußische Richteroerein ihre Bereitwilligkeit zum Aufgehen in einer Gesamtorganisation bekundet. Ferner hat der Deutsche Anwalts- verein beschlossen, aus einer Vertreterversammlung ebenfalls diese Bereitwilligkeit festzulegen. Die übrigen 23 Iuristenverbände haben beschlossen, ihre Selbständigkeit aufzugeben. Führer der neuen Organisation wird der Bund Nationalsozialistischer Juristen sein.'Die Organisation umfaßt Beamte und freie Juristen, Akademiker, mittlere und untere Beamte. Anstelle von 26 Zeitschriften wird künftig eine große Juri st en Zeitschrift er- scheinen. Führer der deutschen Rechtsfront wird der preußische Iustizminister K e r r l.
Oie Zahl der endgültig in Preußen zugelaffenen Anwälte.
Berlin, 11.Mai. (WTB.) Das preußische Justizministerium gibt die Zahl der endgültig zugelaffenen arischen uni> nichtarischen Anwälte bekannt. Insgesamt sind in Preußen 11 814 Anwälte bisher zugelassen gewesen, davon 8299 Arier und 3515 Juden. Don diesen Juden waren 735 Frontkämpfer und 1383 Altanwälte, Gegen


