Ausgabe 
12.1.1933 Erstes Blatt
 
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Geschichten aus aller Welt.

Bauchredner haben es gut...

() Rom.

Italien besitzt zur Zeit zwei große Redner: Mus­solini und Calteroni. Beide sind sehr gefeierte, be­rühmte Persönlichkeiten. Der einzige Unterschied zwischen ihnen ist der, daß Mussolini mit dem Mund und Calderoni mit dem Bauch redet. Mit anderen Worten: dieser Maestro ist ter geschickteste Bauchredner aller Länder und Zeiten.

Einmal reiste er von einem Engagement zum andern. Zu seinemGepäck" gehörte neben Pup­pen, Masken und Schminke auch ein kleiner Fox­terrier, Calteronis liebster Reisegefährte. Da der Künstler aber trotz seiner hohen Einnahmen es mit Geld ziemlich genau nimmt, pflegte er sich um die Entrichtung der Gebühr für die- Hundefahrkarte zu drücken.

Herr und Hund saßen also im Abteil und war­teten auf die Schicksalsstunde, in ter der Kontrol­leur nahte. Der Foxterrier war mit einem Mantel bis zur Unkenntlichkeit vermummt worden. Ge­ängstigt und schweigsam saß er in ter Ecke des Kupces und wagte kaum zu wedeln.

Mit einem Mal ging die Tür auf. Der Schaffner erschien.Wer ist bitte zugestiegen?" Calderoni war zugestiegen. Mit dem liebenswürdigsten Lächeln der Welt (und mit der linken Hand) überreichte er dem Cerberus seine Fahrkarte. Mit der rechten drückte er seinem Hund die Schnauze 311. Wir wollen nicht untersuchen, warum der Hund sich das in diesem Augenblick nicht gefallen ließ. Mit einmal nämlich erscholl unter dem Mantel ein heiseres, wütendes Gekläff.

Dem Bauchredner sträubten sich die Haare. Schon wollte er zu einer Erklärung ausholen. Da nahm der gute Zugbegleiter plötzlich seine Laterne und leuchtete Calderoni sorgfältig unter den Schlapp­hut, ins Gesicht. Dann grinste er und sprach in aller Gemütsruhe:

Sehr geschickt, Signor Calderoni! Mein Kom­pliment! Das haben tote sehr hübsch gemacht. Aber wissen Sie mich können Sie nicht täuschen .. .*

Es knallt in Oklahoma.

(H. W. v. D.) Reuy 0 r k.

Um dem überhandnehmenden Bankräuber-Un- wesen zu steuern, hat sich der Staat Oklahoma (USA.) zu drastischen Maßnahmen entschlossen, die im Rechtswesen eines zivilisierten Volkes wohl ein­zig dastehen. Raubüberfälle auf Lokalbanken in den kleinen Landstädtchen sind im Mittelwesten der

USA. an der Tagesordnung. Sie spielen sich mei­stens so ab, daß der ober die paar Gendarme des Städtchens durch einen fingierten Autounfall nach außerhalb gelockt werden, und daß die Banditen währenddessen die Bank plündern, nachdem sie dem Kassierer und den paar Angestellten die Pistole auf die Brust gesetzt und die Leute gefesselt haben. Wenn keine Gendarme in der Ortschaft stationiert sind, machen die Herren Banditen aar nicht so viel Federlesen: Sie holen einfach den Kassierer in den frühen Morgenstunden aus dem Bett und zwingen ihn, ihnen den Kassenschrank zu öffnen.

Da die Staatspolizei diesem Unwesen so gut wie hilflos gegenübersteht, hat der Gouverneur Murray von Oklahoma nunmehr die Selbsthilfe der Bevöl­kerung legalisiert. Seinem jüngsten Erlaß zufolge erhält derjenige 500 Dollars Belohnung, der einen Bankräuber auf frischer Tat tötet, und 250 Dollars Belohnung, der einen während eines Banküberfalls Schmiere" stehenden Helfershelfer niederknallt".

Die erste Belohnung dieser Art ist bereits aus­gezahlt worden und zwar an den schwarzen Buch­halter H. C. McCormick, der in vergangener Woche einen von drei Bankräubern erschoß, die dieBank of Boley" überfallen hatten.

Vermischtes.

Ein Riesenhochstapler wird gesucht.

Die Kriminalpolizei forscht nach dem Aufenthalt eines Mannes, der ein riesiger Hochstapler und nebenbei ein hochstapelnder Riese ist. Durch seine Körpererscheinung müßte er eigentlich überall auf­fallen, denn er mißt vom Scheitel bis zur Sohle 1,86 Meter und hat das respektable Körpergewicht von 260 Pfund. Aber trotzdem gelingt es ihm, sich auf dem schwierigen Gebiet der Hochstapelei erfolg­reich zu betätigen und findet, wenn die Polizei ihm aus den Fersen ist, immer noch Schlupfwinkel, die groß genug sind, um ihn zu verbergen. Es handelt sich um den 35 Jahre alten William Fortun, der aus dm Gefängnis von Florida in den Vereinigten Staaten entflohen ist und sich seitdem in Europa durch umfangreiche Scheckbetrügereien ernährt. Er stammt aus Montreal und kam schon vor mehreren Jahren nach Deutschland. In Berlin verschaffte er sich Zutritt zu den ersten Kreisen und kaufte Ju­welen ein, wobei er nicht um den Preis feilschte. Die Krise begann damals ihre ersten Auswirkungen I zu zeigen, und viele wohlhabende Leute mußten ihre I Edelsteine und anderen Schmuck verkaufen. Fortun

kaufte, bezahlte aber mit Schecks, die sich später als gefatscht erwiesen. Auf der Uebecfahrt von Amerika nach Deutschland schloß er Freundschaft mit einer be­rühmten Filmdiva und betätigte sich auf dem Schiffe als passionierter Spieler. Seine Einsätze machte er auch hier mit Schecks, die ohne weiteres angenom­men wurden. Erst viel später kam heraus, daß auch diese Schecks gefälscht waren. Im Februar 1931 wurde er verhaftet und kam in Berlin ins Unter­suchungsgefängnis. Hier schwß er Freundschaft mit seinem Zellengenossen, dessen Tochter er, nachdem er die Freiheit wiedererlangt hatte, in London heiratete. Von dort begab er sich mit seiner Frau wieder nach Amerika, um das einträgliche Gewerbe des Sch:ck- betrugs weiter zu betreiben. In Reuyork wurde er verhaftet und zu einer schweren Freiheitsstrafe ver­urteilt. Zur Verbüßung der Strafe wurde er in das Gefängnis von Florida gebracht, aus dem er vor einiger Zeit geflohen ist. Er begab sich mit seiner Frau wieder nach Deutschland und ließ sich zunächst in München nieder. Hier führte er den Namen Dr. Arnoldo de Best und gab sich als Generalkonsul der dominikanischen Republik aus. Auch hier kaufte er für ungefähr 10 000 Mark Möbel und Juwelen, die er mit Schecks auf dieFirst National Bank of Spring Valley bezahlte. Bevor die Schecks zur Einlösung präsentiert werden konnten, um als Fäl­schungen erkannt zu werden, hatte er die erworbenen Möbel und Juwelen längst wieder verkauft ober ver­setzt und war mit dem Gelte geflohen. Die Krimi­nalpolizei nimmt an, daß Fortun sich noch in Deutschland aufhält, vielleicht in Berlin, vielleicht auch in einer anderen deutschen Großstadt, um seine Betrügereien unter einem anderen Namen fortzu­setzen.

So spricht man in Afrika.

Der Erforschung tes dunklen Erbteiles waren in hohem Maße die Unmenge von afrikanischen Spra­chen und Dialekten hinderlich. Erst in ten letzten zwanzig Jahren ist in dieses Sprachengewirr einiger­maßen Licht gebracht worden. Man unterscheidet ungefähr 600 verschiedene Sprachen in Afrika, die sich ihrerseits in unzählige Dialekte teilen. Verhält­nismäßig am besten sind die wcstafrikanischen Spra­chen erforscht. Sie werten in drei Hauptgruppen eingeteilt, Tn die Sprachen ter Neger, die ter Ha- miten und in die ter Pygmäen. Nur bei wenigen westafrikanischen Völkern haben die Ethnologen eine Literatur ober auch nur eine Schriftsprache gefun­den. Am weitesten verbreitet ist die Sprache der Haussa, die von 5 Millionen Menschen gesprochen wird. Diese und die Sprache ter Moruba, die drei Millionen Menschen umschließt, herrschen in West- asrika vor. An der Golbküste gibt es bann noch brei weitere führende Sprachen: Aschanti, Jwi und

Fanti. Die Haussa-Sprache trifft man nördlich tes Aequo kors und westlich des Nil an. Ihr weicher, melodischer Klang fällt allgemein auf, ihr Wortschatz beziffert sich auf etwa 10 000 Worte. Man hat eine Verwandtschaft mit der arabischen Ursprache und mit ter Sprache der Berber fcftgeftellt. Im übrigen ist die Haussa-Sprache die einzige Schriftsprache im tropischen Afrika, sie wird seit anderthalb Jahr­hunderten geschrieben. Einige literarische Fragmente und religiöse Gedichte konnten von den Forschern sichergcstcllt werden.

Aus einem alten A mansch.

Die alljährlich erscheinenden Almanache und Ka­lender gehen Jahrhunderte weit zurück und enthiel­ten früher ausführliche Beschreibungen seltsamer Vorkommnisse, die hier ober bort beobachtet wur­den. Es sind wunderliche Fakten, die in diesen alten Almanachen erzählt werden. So berichtet derHin­kende Bote" von ßeffines in Holland vom Jahre 1767 die folgende Begebenheit: Ein Bauer stirbt, man schreitet zum Begräbnis, allein auf dem Wege zum Kirchhofe vernehmen die Bahrenträger im Sarge ein dumpfes Klopfen. Der Deckel wird ge­öffnet, derTote" richtet sich in sitzende Stellung auf, und außer sich vor Entsetzen ergreift das ganze Trauergefolge schleunigst die Flucht. Aber der Tote" hatte sich nicht nur darüber zu wundern, daß er in einem Sarg gebettet lag, sondern außerdem noch, daß man ihn in ein Harlekingewand gekleidet hatte. Allein die Herkunft dieses wunderlichen Totengewandes erklärte sich schließlich auf eigen­artige Weise: Weinend gestand die trauernde Witwe, daß ihre Sparsamkeit (und ihre große Sympathie für einen treuen Vetter) sie verleitet habe, den schö­nen Sonntagsrock des Verstorbenen zu sparen. In dem schwarzen Rocke des Verstorbenen folgte der Vetter leidtragend dem Leichenbegängnis, indes die sparsame Hausfrau den verblichenen Gatten sorg­lich in ein altes Harlekinkostüm gehüllt hatte, das ohnehin nutzlos in der Truhe gelegen hatte und ge­rade noch gut genug war, um sich begraben lassen zu können. Die Leser aber erschauerten bei solcher Lektüre und genossen die Wunder der Welt.

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