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11.12.1933 Zweites Blatt
 
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Nr. 290 Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, st. Dezember (933

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Das Raffenproblem

Das Niesenfeuer vor den Toren Vertins

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deurs an die zahlreiche lietjammlung führte

Pro . Dr. Rud Herzvv

in feinem Vortrage u a. aus: Seine Aufgabe

Die Gefchichte der arischen Völker, die in den Süden als Herrenvölker gezogen find, hat der Führer uns als Vorbild und Mahnung oorgehalten, indem er daraus hinweist, daß sie, durch nordisches Heldentum groß geworden, durch Rassenvermischung nacheinander zugrunde gingen, zuerst die Griechen, dann die Römer. Man kann dazu als verstärkendes Element die germanischen Untugenden hinzunehmen, Zwietracht und Bewunderung des Artfremden. Da­mit kommen wir aus einen Kernpunkt der national­sozialistischen Weltanschauung, das R a s s e n p r o -

wollten und in den Freischaren zusammengeschwei^ waren. Dazu stieß immer mehr die Jugend, auch die, welche nicht mehr in den Krieg gekommen war und sich in freudloser Kindheit um diese Ehre be­trogen fühlte. Allen diesen Mannen, den Bauern und Arbeitern, deren unverbildete Kraft er int Felde erprobt hatte, wie der akademischen Jugend hämmerte er den Glauben ein, daß s i e unter sei­ner Führung Deutschland retten werden. Der namenlose Gefreite aus dem Weltkrieg wurde zum Führer und Gründer des neuen Reiches.

was für den Lerufsfoldaten wie für das alte Volksheer selbstverständlich ist, das machte auch Hitler zur Grundlage. Lr pflanzte feinen Ge­folgsmännern die durch den Krieg hochgezüchteten heldischen Tugenden ein, Todesmut, Disziplin, Kameradschaft und unverbrüchliche Treue, dazu im täglichen Leben Opfermut, Einsatz und Hint­ansetzung der eigenen Person für das Ganze.

Das find die Tugenden der germanischen Rasse, die sich in unserem deutschen Bolk durch seine ganze Geschichte erhalten haben, nur in kurzen Epochen nach schweren Zusammenbrüchen unterdrückt, aber

l in den Herzen der Besten weiterlebend.

Vortragende u. a. weiter:

Der eherne Fels, auf dem die nationalsozia­listische Weltanschauung und Bewegung gegrün­

det steht, ist ein Mann: Adolf Hitler.

Wie ein Wunder steht es vor der ganzen Welt, daß dieser Mann von dem Glauben eines ganzen, bisher in Länder, Konfessionen, Klassen und Par­teien zerriisenen Voltes getragen, das aus tiefster Not von den Besten ersehnte Dritte Reich in mär­chenhaft kurzer Zeit gezimmert hat. Es ist zum tiefinneren Glauben unseres Volkes geworden, daß uns dieser Mann von der Vorsehung geschenkt worden ist. Das Wunder ist, daß er den Bauplan dieses Reiches schon in Gedanken und Willen fertig hatte, als er, ein völlig unbe­kannter, vom Weltkrieg zurückgekehrter Soldat, unter wenigen zu wirken anfing. Solche Kraft konnte nur v o n einem begnadeten Menschen ausgehen. Er war zum Führer geboren mit all seinen Naturanlagen. Das wird uns jetzt erst völlig klar, wo er sie alle entfalten kann." Der Redner^ schilderte dann in kurzen Wor­ten seinen tiefen Eindruck, den er am 15. Oktober in München bei der Grundsteinlegung des Hauses der deutschen Kunst am Tage vorher hatte der Führer den Austritt Deutschlands aus der Ab­rüstungskonferenz und dem Völkerbund angemeldet von der starken Persönlichkeit des Führers, den er noch nie so frisch und heiter gesehen, emp­fangen hatte Er sagte bann weiter: Als am 15. Oktober nachmittags' im Festzug die Gruppe mit dem unter dem Einfluß des Führers in schlichter Schönheit ausgeführten Modell des Hauses der Kunst vor der Tribüne des Führers auf dem Odeonsplatz vorbeizog. da kam mir der Gedanke, man bürste den Führer wohl den Baumeister des Dritten Reichs nennen, wie Bismarck den

Schmied des zweiten.

Die Absage an Genf war sein erster weithin hallen­der Ruf in der Außenpolitik gewesen. Die Entwick­lung hat gezeigt, wie er damit auf einmal Deutsch­land zum Angelpunkt der brennendsten Fragen der Weltpolitik machte. Seine sichere Seelenruhe an die­sem Tag erinnerte mich an den Feldmarschall von M o l t k e in den Entscheidungstagen im Juli 1870. Mit ihm teilt er auch die Liebe zum Zeichnen und zur edlen Musik und, was uns in den Mittelpunkt seines Wesens und seiner Macht über die Menschen

führt, Die trift all t la re Reinheit unb Lauterkeit der Seele. Noch eine andere Eigenschaft verbindet ihn mit Moltke, die des stil­len Denkers von der Kindheit an. Sie erkennt nur der in ihrer Größe, der sein BuchMein Kampf" in sich ausnimmt unb seine Reden in der Kampfzeit unb im Ausbau bes Reiches aufmecffam verfolgt. Da tritt seine Weltanschauung reif und geschlossen unb folgerichtig von Anfang an bis heute vor unser Auge, und er erzählt uns, wie er sie in heißem Schmerz um Deutschland seit (einer Kindheit sich geschaffen hat. Diese gewaltige Gedankenarbeit tritt für den oberflächlichen Beobachter freilich zu­rück gegen d i e Eigenschaft, mit der er seine Ge­danken zum Sieg gebracht hat, den harten, unbeug­samen Willen, der sich durch keinen Rückschlag von dem gesteckt''ii Ziel abbringen, durch keine gut­gemeinten Ratschläge sich etwas von der Ganzheit der zu erkämpsenden Macht abhanbeln läßt und darob Haß unb Hokm aebulbig trägt, bis «hm der Erfolg Recht gibt

Der Untergrund dieses starken Willens ist der feste Glaube an den guten Kern des Volkes, den er im Krieg erprobt hat als Seelensucher Er wollte nicht Führer werden, weil er sah, daß er als Kamerad durch sein Vorbild und seine Mahnung besser für die Erhaltung des Geistes der Truppe wirken konnte. So mußten seine Helden­taten erst später von seinen Vorgesetzten und Ka­meraden durch ihr Zeugnis gegen gemeinste Ver­leumdungen bekannt gemacht werden

Aus dem Glauben an die Zukunft dieser sturm­erprobten Volksgenossen erwuchs der Glaube an

blem. Geschichtlich betrachtet ist sicher, daß dis Rassenverrnijchung bei Griechen und Römern stark zum Untergang mitgewirkt hat. Nach einigen kurzen Hinweisen aus Oie Geschichte Italiens unter dem Gesichtswinkel der Rasjenentwicklung von der Zeit der Völkerwanderung bis zur Gegenwart und die Wesensart des italienischen Faschismus, und nach der Schilderung seines erhebenden Eindrucks bei einem Vortrag, den er vor zwei Monaten in der Universität zu Athen im Auftrage der Deut­schen Akademie überDeutschland 1933" in dem von Professoren und Studenten, hohen Offizieren und Beamten und von der deutschen Kolonie über­füllten Saale hielt, und bei dem er sah, wie sehr die nationalsozialistische Welle auch dieses bluts­verwandte griechische Volk ergriffen hat, sagte der Redner u. a. weiter, der Nationalsozialismus rege sich ringsum bei den Völkern, die wie wir nach nationaler Wiedergeburt streben, aber ob er sich bei allen durchsetzen werde, sei eine andere Frage. In der Schweiz stehe ihm die Spaltung in drei Nationalitäten entgegen, von denen die an Zahl und innerer Kraft stärkste, die deutsche, propagan- distisch die schwächste sei. Frankreich wird, wenn fein Wunder geschieht, nicht nationalsoziali- stisch werden. Dafür ist der Parlamentarismus noch zu stark, die Kriegsindustrie auf der einen, der Marxismus auf der andern Seite zu mächtig, und vor allem der Bourgeois zu bequem, zu ängst­lich um feine Rente.

Diese Unfähigkeit zu nationalsozialistischer weit- anschauung wird sich in der Weltpolitik immer mehr als Schwäche zeigen, der deutsche Ra­tionalsozialismus aber zugleich immer mehr seine werbende Kraft entfalten, weil er grund­sätzlich aus imperialistische Ziele verzichtet, nur für das eigene Volkstum Freiheit und Raum auf eigenem Boden, keine Eroberung fremden Volkstums erstrebt.

Was ich geschichtlich zur Rassenfrage ausgeführt habe, konnte ich aus eigener Kenntnis vortragen. Das darf ich mir nicht anmaßen zur naturwissenschaftlichen Seite der Frage- Der Füh­rer hat in seiner großen Rede auf der Kultur- tagipig in Nürnberg seinen Standpunkt in voller Klarheit ausgesprochen mit den Worten:

Der Rationalsozialismus ist eine Weltanschau­ung. Indem er die ihrer innersten Veranlagung nach zu dieser Weltanschauung gehörenden Men­schen ersaßt und in eine organische Gemeinschaft bringt, wird er zur Partei derjenigen, die eigentlich ihrem Wesen nach einer bestimmten

Nationalsozialistische Weltanschauung.

Vortrag von ttmversitätsprofeffor Nr. phil. Nr. med. h. c. RuS. Herzog itn Ossizier-Heim

Auf Einladung Des Kommandeurs unicity Ba­taillons, Majors von Wachter, sprach am Frei­tagabend im OffiZiers-Heim in der Zeugiiaustaierne der Gießener Universitätsprofessor Dr Rud. Her­zog vor den Offizieren Des Bataillons und einem großen Kreis von Gästen über Das Thema:N a - tionaljozialistische Weltanschauun g". Der Redner bot wie Der KommanDeur Major vonWachier am Schlüsse Des Vortrags mit Recht betonte mit (einen Darlegungen Den Hörern ein eindrucksvolles Erlebnis, dessen Wirkung in Die Tiefe und in Die Breite sicher ist

Nach kurzen Begrüßungsworten Des Kornrnan-

seine Sendung beim Zusammenbruch. An seinem Glauben entzündete sich der Glaube der kriegs- genossen, denen wie ihm die Schande und das Weh um Deutschlands Fall in der Seele brannte, und so sammelte er um sich ein Trüpplein, aus dem zuletzt das ganze Volk wurde.

Das Entscheidende für Diese Bewegung, für die Bildung Der nationalsozialistischen Weltanschauung als ihre Quelle sinD Die Grundsätze, nach denen Der zum Führer geroorDene KarneraD seine Gefolgschaft auslas Schon Die Auslese an sich ist echt germa­nisch. Es ist Das feste BanD Der gegenseitigen Treue zwischen Führer unD Gefolgsmann. Nur Kriegskameraden, die sich wie er in dem aus Ver­rat und Schmutz geschaffenen neuen Staat entwur­zelt fühlten, konnte er brauchen, Offiziere und Soldaten, die nur noch Kameraden sein

Der Gutshof Düppei iin Westen itierlms rnurüe von einem Grotzfeuei yeimge|uchi, Das solchen Umfang ann-bm daß Die Feuerwehr zehnte Alarmstufe geben mußte. Infolge Der herrschenDen Kalte gestaltete sich Die 'Löscharbeit äußerst schwierig. Der Schaben ist sehr beträchtlich. Vor allem mürben die Anlagen

Der Deutschen Reitschule bes bekannten Turnierreiters Major Burkner vernichtet.____________

diesem Vortrag werde dadurch erleichtert, baß er , Soldaten rede über eine Bewegung, Die aus dem deutschen Erlebnis bes Weltkriegs geboren (ei. In (einem Vortrag wolle er bie Grundlagen bes Auf- und Umbruchs Des Deutschen Volkes durch die nationalsozialistijche Bewegung deuten mit den Mit­teln, Die ihm jein akademischer Beruf gebe, aus ge­schichtlicher Erkenntnis und aus dem Vergleich mit ähnlichen Bewegungen, Die er bei anDeren Volkern aus Der Nähe beobachten konnte. Dann sagte Der

Freundschaft mit Büchern.

Von Hanner Arens.

Gibt es wohl eine Familie, in Der keine Bücher zu finDen finb? Schwerlich. Ein paar Bucher fmDen sich immer, unD seien es uralte ober längst ver­gessene unb vergilbte. Jahrzehnte finb wohl her­über vergangen, von Umzug zu Umzug würben sie mitgenommen, aufbewahrt für Kinber unb Enkel- finber. Die Großeltern lasen sie vielleicht noch, bann bie Eltern, bis jetzt bie Kinber sie aus ver­staubten Kisten unb Winkeln holen D;e Bücher roanbern mit ben Menschen. Sie sind auf seltsame Weise mit ihnen oerbunben, von Generation zu Generation, von Geschlecht zu Geschlecht Es ist ein weiter Weg. Sie gehören zu uns, wie anbere not- roenbige Dinge bes täglichen Lebens. Wir benten nicht barüber nach, wann sie in unser Leben traten selbst wenn wir es uns leicht errechnen können Sie finb Da, und das genügt. Einige unter uns (unb bas finb sehr viele) lieben Bücher so sehr, baß sie, wenn sie ihnen entzogen würben, gleichsam ben Tob bes Lesehungers sterben könnten. Es finb bie großen Verliebten, bie Liebhaber ber Bücher Sie bebeuten ihnen mehr als Gelb und Gut, als alle klangvollen unb rauschhaften Vergnügungen, sie finb ihnen die Lebenserhalter; durch sie erst wird ihnen das Dasein lebenswert und ertragbar. Sie können nicht ohne Bücher leben, sie können es einfach nicht, wie sie es auch anfangen wollten. Man sieht sie hier unb bort, und wer ein Auge für diese Bücherfreunde hat, erkennt sie auf den ersten Blick Geht in ihre Wohnungen; sie mögen nicht prunkhast fein, es finb vielleicht nur zwei kleine Zimmer; bas Notwendigste steht darin, aber an ben Wänben, vielleicht gar ringsherum, stehen Bücher, viele Bücher in bescheibenen Regalen aus­gestellt aus einfachem Holz. Keine teuren Bücher­schränke mit Glas unb allerlei Maschinerie, fein Eichenholz, fein poliert unb kunstvoll gearbeitet. Nein, abgefnart dem kargen Gehalt, Groschen für Groschen, Mark für Mark dem Tage abgegeizt, bis es langte und der Schreiner bezahlt werden konnte. So auch oft schon von früher Jugend an tauft er sich die Bücher, seine Lieblinge, seine stillen Freunde und Begleiter durch Tage unb Jahre; Freunde, bie ihn nie enttäuschen, wenn erst einmal Freunbschast zwischen ihnen geschlossen würbe. Er kann sich auf sie verlassen; sie betrügen ihn nie unb treten still zurück, wenn seine Zeit es ihm nicht erlaubt, sich ihnen zu roibmen, bei ihnen zu sein. Sie warten, sie finb gebulbig: bie einzigen, Die ihm nahe finb und bereit, in dunklen unb qual­vollen Stunden, in denen dec Mensch, auch dec

uns liebste und nächste, zumeist fern ist, unerreich­bar. Nur das Buch wir haben es oft erleben müssen ist uns dann zugetan, auf seltsam gütige Weise

Wir sind ihnen öantbar und verbunden, wir lieben unsere Bücher, schenken ihnen unsere besten Stunden; wir hüten sie wie Schätze und geben ihnen alle Sorgfalt, alle Liebe, zu ber ber Mensch fähig ist Das geschieht nicht laut unb mit großen Worten, wie es bie Menschen unter sich lieben; es geschieht schweigenb, jeber Blick in ein Buch, jebes Ausblättern, jebes leise Betasten ihrer Rücken, wenn sie im Regal stehen, trägt unter ganzes Gefühl ber Freube' unb Dankbarkeit, unsere Hingabe unb Leibenschaft.

Leibenschast, ja, sie ist ba, große, rauschenbe an manchen Tagen, stille, verhaltene, innerlich leise brobefnbe zu mancher Stunbe. Sie ist immer-- währenb, nie uns verlassenb, unb wenn Leib und Kummer auf uns lasten, bann spüren wir ihr heim­liches Feuer, tief in uns wenn wir uns ben Büchern auftun, ben lieben, hilfsbereiten Sie sind bie schützenbe unb stützenbe Mauer im täglichen Einerlei, im lauten (Betriebe einer mechanisierten Welt. Unlösbar ist sie, bie Leidenschaft, mit bem Bücherfreund verbunden, in trüben unb heiteren Tagen. Wer Bücher liebt unb in fein Haus nimmt, besitzt bas Wertvollste biefer Erbe: bas Gut bes Geistes, Gut aller Güter.

Mit Renntter-Gchlitten und Ski im hohen Norden.

Ein Besuch bei den finnischen Lappen

Die Sappen Finnlands leben in einem Gebiet, in dem bie Sonne für lange 10 Wochen überhaupt nicht scheint unb wo sie auch währenb ber übrigen Zeit nur ein sehr spärlicher, bann um so freubiger begrüßter Gast ist Obgleich verhältnismäßig klein, und von schmächtig unmutenbem Körperwuchs, sind bie Lappen ein zäher und geschmeidiger Volks­schlag, ganz darauf eingerichtet, den Unbilden bes rauhen Norbens Wiberstanb zu leisten. Der Lappe noübringt tagtäglich Leistungen, bie ihm bei uns in Mitteleuropa ben Ruf eines erstklassigen Svort-'- mannes eintragen mürben. Um sich und seine Fa­milie mit Nahrung zu versorgen, legt ber Haus­vater ber Lappenfamilie mit bem Schlitten Strecken van 100 Kilometer unb mehr zurück, feine Frau besucht auf Skiern ihre 15 Kilometer entfernt woh­nende Freundin, usti sich ein neues Strickmuster im modernsten Lappenftil zu besorgen. Die Schnellig­keit dec Fortbewegung, die Länge der Strecken und

die immerwährende Bereitschaft zum Aufbruch in entferntere Gegenden bringen in bas Leben ber Lappen ein Element von Abenteuerlichkeit unb Ro­mantik, von Gefährlichkeit unb Nomabensitten. We­nigstens scheint bas bem Europäer so. Man betrachte sich so einen Lappen, wenn er ben Lasso in ber Hanb unb mit bem Hunb bicht auf ben Fersen, an einem bämmrigen Herbsttag aufbricht, um seine Renntiere roieber einzufangen, bie weitab monate­lang vollkommen frei in entfernten ©egenben ihre Nahrung suchen Es ist für jebe Lappenfamilie ein großes Ereignis, wenn sich ber Familienvater auf­macht, um seine kleine flüchtige Herde in das Dorf zurückzuführen. Unb wenn ber wohlhabenbe Eigen­tümer vieler Taufcnb Renntiere bie unermeßliche Schar in bas Winterquartier treibt, bann ist bie ganze Einwohnerschaft bes Dorfes in freubiger Er­wartung

Ein solches Einholen ber Renntiere geht ost nicht ohne Zwischenfälle ab. Das Einfangen mit bem Lasso, Der eine Länge von über 10 Meter hat, er­fordert viel Umsicht unb Gewandtheit, bamit Die außerordentlich scheuen Tiere nicht allzusehr beun­ruhigt werben Als Zugtiere leisten bie Renntiere unersetzliche Dienste Bei abfaUenbem Oelänbe be­wältigen sie Geschwinbigkeiten von 35 bis 40 Kilo­meter in ber Stunbe. Der Lappe, ber vorn auf einem primitiven Sitz feines Schlittens hockt, bremst bei besonbers abschüssigen Stellen mit ben gespreiz­ten Beinen Eine Strecke von 130 Kilometer ist eine gewöhnliche Tagesleistung; aber bei guten Schnee- und Eisverhältnisjen wird häufig eine Leistung von 160, sogar bis zu 240 Kilometer erreicht. Ein Renn- tier kann ohne Pausen sechs Stunden über b-e weiten Flächen Lapplanbs eilen Wenn die Futter- stunde gekommen ist, wird das Tier aus eigenem Antrieb anhalten unb sich mit ben Vorberstißen (in Loch in ben Schnee graben, wo es feine winterUche Hauptnahrung, das weiße Moos, findet. Die Zäh­mung der Renntiere und ihre Verwendung als Zug­tiere beginnt im Alter von drei Jahren und erfor­dert viel Mühe. Das zweitwichtigste Fortbewegungs­mittel sind bie Schneeschuhe Sie finb seit vielen Jahrhunberten bekannt. Schon im 13. Jahrhundert soll ein norwegischer König mit den folgenden Wor­ten feinem Gegner Schweigen geboten haben:Aus Schneeschuhen war ich stets viel tüchtiger als du, unb das ist seit altersher bie hervorragendste Tat." Ein Lappe auf Schneeschuhen, hinter einer Herbe Renntiere, fragt wenig nach Gefahren Für ihn ist es keine außergewöhnliche Sache, räubernbe Wälle bie seinen Tierbeftanb bebrohen, zu verfolgen, unb in blitzschnellem Laus zur Strecke zu bringen Der Lappe steht wie kaum ein anberes Menschenschlag mit ber Natur auf vertrautestem Fuße; er versteht in berti ewigen Buche ber Naturgeheimnisse zu lesen.

Es ist beshalb kein Wunber, wenn man von biefen Menschen bes hohen Norbens sagt, baß jeber von ihnenwie ein Magier" aussehe. DieleZauberer* leben ja in einer Welt ber Dämmerung, unter bereu Schutz bämonische Wesen unb Kobolbgestalten ur­alter Volksüberlieseruna ihr spukhaftes Wesen in ber Phantasie ber Menschen leichter treiben tonnen als unter bem sonnigen Himmel südlicher Land­striche.

Legende um HändelsWasser-Musik".

Eine Komposition Händels, die besondere Be­rühmtheit erlangt hat, wenn man auch heute nur selten etwas aus ihr hören kann, ist seineWasser- Musik". Seit Generationen ist dieses Werk von einer Legende umgeben, die man bisher gutgläu­big angenommen hatte Sie berichtete, daß Händel, als er Musikdirektor des Kurfürsten von Hannover war, von diesem die Erlaubnis erhielt, nach Eng­land zu gehen, und daß er sich dort so wohl fühlte, daß er feine Vergangenheit vergaß und verleug­nete. Als ber Kurfürst von Hannover als König Georg I. 1714 ben Thron von Englanb bestieg, äußerte sich ber Herrscher höchst ungnäbig über bie Charakterlosigkeit, bie ber Komponist bewiesen habe. Um ben König mit bem Meister zu versöhnen, leg­ten ihm zwei Höflinge nahe, er solle eine Musik komponieren, bie unter seiner Leitung auf einem Boot gespielt werben würbe, bas ber königlichen Barke von Limehouse nach Whitehall am 22. August 1715 folgen sollte. Daburch sollte ber Komponist Die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Dies sei Denn auch geschehen, unD Der König war so entzückt. Daß er HönDel roieber in ©naben aufnahm. Der bekannte englische Hänbel-Forscher Newman Flower hat nun biese ßeqenbe burch bie Auffinbung eines zeit­genössischen Briefes zerstört, in bem ein genauer Kenner ber Verhältnisse eine ganz anbere Geschichte erzählt. Dieser Diplomat berichtet, baß der König ben Wunsch ausgesprochen hatte, ein Konzert auf bem Fluß zu hören, aber es entstanden Schwierig­keiten, unb schließlich veranstaltete Baron Kiei- mannsegge eine solcheWasser-Musik" für ben Herrscher, für bie er Hänbel heranzog Das Fest kostete ihn, für die damalige Zeit sehr große Summe von 3000 Mark In dieser Darstellung fehlt jeder Hinweis auf die Ungnade, in der sich Händel be­funden haben foll; vielmehr geht daraus hervor, daß der König bem Meister immer sreunblich ge­sinnt war. HanbelsWasser-Musik" bestaub ur­sprünglich aus 21 Teilen und erforderte einen gro­ßen Aufwand an Instrumenten. Sie ist dann spä­ter in einer Suite zusaminenaezogen worden, bie aus fünf Teilen der Originalkomposition besteht 1 und bisweilen noch zu Gehör gebracht wird.