Ausgabe 
11.12.1933 Erstes Blatt
 
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Steuerfreiheit für Weihnachts­geschenke an Arbeitnehmer.

Berlin, 8. Dez. (TU.) Wegen der Voraus- e tz u n g e n , unter denen Weihnachtsge- chenke frei von Lohnsteuer, Ehe- t a n d s h i l f e und Schenkungssteuer blei­ben, find bei denjenigen Volksgenossen, die den Runderlaß vom 30. November 1933 nicht vollständig gelesen haben, Zweifel aufgetreten. Hinsichtlich der Steuerfreiheit für Weihnachtsgeschenke von Arbeit­gebern an solche Arbeitnehmer, deren vereinbarter Arbeitslohn 3 6 0 0 Mark jährlich nicht übersteigt, gilt das folgende:

1. Beträgt der Wert des Weihnachtsge­schenkes im Einzelfall weniger als 25 Mark, so ist diese einmalige Zuwendung i n jedem Fall fteuerfrei. Dabei ist es ohne Be­lang, ob die Zuwendung in bar oder in Sachen er­folgt.

2. Beträgt der Wert des Weihnachtsgeschenkes im Cinzelfall 2 5 M a r k ober mehr, so ist die Steuerfreiheit an die Voraussetzung geknüpft, daß jede vollen 25 Mark in Bedarfs­deckungsscheinen gegeben werden und nur der über 25 Mark oder ein vielfaches davon hinaus­gehende Teil in bar oder in Sachen ge­geben wird (Beispiele: 30 Mark, davon 25 Mark in einem Bedarfsdeckungsschein und 5 Mark in bar oder in Sachen. 65 Mark, davon 50 Mark in zwei Bedarfsdeckungsscheinen zu je 25 Mark und 15 Mk. in bar oder in Sachen). Wenn der durch 25 teilbare Markbetrag nur zum Teil in Bedarfsdeckungs­

scheinen gegeben wird, so ist der in bar oder in Sachen gegebene Teil steuerpflichtig (Bei­spiele: 50 Mark, davon 25 Mark in einem Bedarfs- deckungsschein und 25 Mark in bar oder in Sachen. Die zweiten 25 Mark sind steuerpflichtig, weil sie nicht ebenfalls in einem Bedarfsdeckungsfchein ge­geben werden. 80 Mark, davon 25 Mark in einem Bedarfsdeckungsschein und 55 Mark in bar oder in Sachen. Die 55 Mark sind steuerpflichtig, weil der in diesem Rahmen durch 25 teilbare Mark- betrag nicht ebenfalls in Bedarfsdeckungsscheinen gegeben wird. Steuerfrei würden auch die 55 Mark sein, wenn sie nicht voll in bar ober in Sachen ge­geben würden, sondern nur in Höhe von 5 Mark und die 50 Mark in zwei Bedarfsdeckungsscheinen zu je 25 Mark).

3. Bedarfsdeckungsscheine sind bei den Fi­nanzämter erhältlich. Jeder Arbeitgeber, der im Einzelfall Geschenke im Betrag von 25 Mark oder mehr als 25 Mark geben will, muß seinen Bedarf an Bedarfsbeckungsscheinen beim Finanzamt u n - verzüglich anmelben, weil bie Finanzämter Vorräte an Bedarfsbeckungsscheinen nicht unterhal­ten.

Die Bebarfsbeckungsscheine können zu beliebiger Zeit, auch noch im Jahr 1934, zum Einkauf von Kleibung, Wäsche unb sonstigen Gebrauchsgegen- ftänben verwenbet werben. Die Finanzämter finb gerne bereit, Auskunft zu erteilen.

Das Nobelfest in Stockholm.

Am Sonntaaabenb fanb im Stockholmer Konzert- Haus bas Nooelfest in besonders festlichem Rah­men statt, da sich der Geburtstag des großen Er­finders Dr. Alfred Nobel 1933 zum 100. Male gejährt hat. König Gustav von Schweden nahm mit Mitgliedern des Königshauses, darunter Prinzessin Sibylle, an der Feier teil. Mit Aus­nahme des medizinischen Nobelpreisträgers Thonias Hunt Morgan (Amerika) hatten sich alle Preis­träger in Stockholm eingefunden. Im riesengroßen Konzertsaal hatten sich alle führenden Persönlich­keiten der schwedischen Behöroen unb des Geistes­lebens eingefunden.

Nach einem Musikstück hieß der frühere Minister­präsident und Landeshauptmann Hamerfkiold, der Präsident der Nobelstiftung, die Festversamm­lung willkommen. Der einzige überlebende persön­liche Mitarbeiter unb Testamentsvollstrecker Nobels, Kommerzienrat S o h l m a n , hielt anschließenb bie Gebenkrede auf den Stifter. Professor P l e t j e l, ber Vorsitzende des Physikalischen Nobel-Komitees, würdigte sodann die Arbeit der physikalischen Preis­träger Heisenberg, Schrödinger und D i - r a c. Als Vertreter der Phnsiologisch-medizinischen Nobelkomitees sprach Professor He n sch en über bie Arbeit bes amerikanischen Biologen Morgan.

Die Nobelpreisträger, bie auf ber blumenge- fchmückten Bühne inmitten ber schwebischen Aka- bemiemitglieber unb früheren Preisträger Platz ge­nommen hatten, begaben sich bann in den Saal hinunter, wo ihnen König Gustav die Preise überreichte unb sie unter dem Beifall ber Zuschauer beglückwünschte. Das Diplom und bie Geldanwei­sung für den abwesenden Professor Morgan nahm ber amerikanische Gesanbte in Empfang. Als letzter kam der Literaturpreisträger, der russische Emigrant Iwan Bunin an bie Reihe, dessen Be­deutung ber schwedische Dichter und ständige Gene­ralsekretär ber schwedischen Akademie, Dr. Per H a l l st r ö m , würdigte. Der gemeinsame Gesang der schwedischen Nationalbymne beschloß bie Feier.

Den gesellschaftlichen Höhepunkt des Nobelfestes brachte am Sonntagabend das große Nobel­

Bankett, das von jeher als größtes Gesellschafts­ereignis der Saison gilt. Das schwedische Kron- prinzenpaar unb eine Reihe anderer Mitglieder des Königshauses nahmen an dem Fest teil, des­gleichen das neue deutsche Gesandtenpaar Prinz und Prinzessin zu Wied. Nachdem der Präsident der Stiftung, Landeshauptmann Hammar- s k i ö l d, ein Hoch auf den König ausgebracht hatte, ergriff ber Kronprinz von Schweden das Wort. Er erinnerte an den hundertsten Geburtstag von Alfred Nobel, der, wie wenige dazu beigetragen habe, den Namen Schwedens in der Welt bekannt zu machen. Der Kronprinz dankte dem Schweden und dem Weltbürger Alfred Nobel und forderte die An­wesenden auf, still ihre Gläser auf ihn zu leeren. Professor Nordensson feierte bie Nobelpreis- träger, die einzeln antworteten. An Stelle des ame­rikanischen Mebizinpreisträgers Morgan sprach der amerikanische Gesandte Stein Hard: ber rus- sche Dichter Iwan Bunin hielt auf französisch eine geistreiche Ansprache, Professor Schrödinger schilderte temperamentvoll den überwältigenden Ein­druck, den Stockholm unb Schweden auf ihn gemacht hätten. Er dankte dem Stifter Nobel, dem schwe­dischen Königshaus und dem schwedischen Volk für die in ber ganzen Welt einzig dastehende Einrich­tung ber Nobelpreisstiftung. Als letzter ergriff Pro­fessor Heisenberg das Wort und führte aus, wie er vor 10 Jahren als Student zum erstenmal nach Schweden gekommen sei. Der stärkste Eindruck sei für ihn die schwedische Gastfreundschaft unb das verständnisvolle Entgegenkommen geblieben. Er brachte ein Hoch auf den jugendlichen Geist Schwe­dens aus. Erst in später Nachtstunde schloß bas Bankett.

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Mit den letzten Preisen sind insgesamt 20 Mil­lionen an 170 Preisträger aus 15 Ländern verteilt worden. Mit 40 Preisträgern nimmt Deutsch­land nach wie vor die Führung unter allen Kul­turnationen ein.

Die Negierung hat mit aller Schärfe die Ans- lösung ber Eisernen Garbe burchgesuhrt. Im aan» zen Lande wurden alle Deretnslokale der Garde geschlossen unb versiegelt. Bei emzel- nen Haussuchungen sollen nach einer offiziellen Ver­lautbarung Hanoseuerwaffen unb Druckschriften ge­funden worden fein. Die Ortsgruppenführer ber Garde wurden in Haft genommen. Damit sind sämtliche Kandidaten ber Eisernen Garde für bie Wahlen verhaftet. Der Führer Cornelius C o brean u, der in Klausenburg festgenommen wer­den sollte, konnte, als Frau verkleidet, in einem Auto fliehen. In Bukarest kam es zu Zusam- menstößen mit Polizei unb Feuerwehr, wobei ein Polizeioffizier getötet würbe. In den Abendstunden bes Sonntags fanden in Bukarest Studenten- Unruhen statt. Ein großes Polizei- unb Genbar- merieaufgebot zerstreute bie Menge.

Kleine politische Nachrichten.

Die Oberste SA.-Führung teilt mit: Der Chef bes Stabs ber SA. Ernst Röhm ist an Grippe erkrankt unb hat sich in häusliche Pflege begeben. Infolge biefer Erkrankung ist er außerstanbe, in ber nächsten Zeit dienstlichen unb privaten Einlabungen, auch solchen, die er bereits angenommen hat, Folge zu leisten.

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Der Reichsjuristenführer Dr. Frank hat den preußischen Justizminister, Staatsrat Pg. K e r r l, zu seinem Vertreter in ber Führung bes Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen berufen. Zum zweiten Stellvertreter wurde Staatssekretär Dr. Roland F r e i s I c r berufen. Gleichzeitig hat ber Reichsjuristenführer zum Gauinspektor den Gauführer bes BNSDJ. von Düsselborf, Pg. Rechts­anwalt Hermann S ch r o e r, ernannt unter gleich­zeitiger Ernennung zum kommissarischen Leiter des Reichsschulungsamtes des Bundes nationalsoziali­stischer deutscher Juristen.

Reichssendeleiter Eugen Hadamowsky hat Parteigenossen Karl Scherfs im Einvernehmen mit dem Reichsjugenbführer Baldur von Schirach in die Reichssendeleitung berufen. Karl Scherff ist langjähriges Mitglied ber Hitler- fügend unb Oberbannführer im Stab der Reichs- jugenbführung unb soll als Sonberbeauftragter des Reichsjugendführers die Hitlerjugend im Rahmen ber Reichssendeleitung vertreten.

Der Präsident des Danziger Senats, Dr. Rausch- ning, hat sich nach Warschau begeben, um dort verschiedene Danzig-polniscye Angelegenheiten zu besprechen. Die halbamtliche Iskra-Agentur meldet, daß Rausching auch von Marschall Pil- f u b f f i empfangen werden dürfte.

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De Valero hat die Verhaftung des Führers berBlauhemde n", General O' Duffy ange- ordnet. Dieser hat bie Grenze Norbirlands über­schritten und sich dadurch der Gerichtsbarkeit des irischen Freistaates entzogen. Polizeibeamte sind in einer bekannten Tuchfabrik in Dublin erschienen unb haben mit Strafanzeige gebroht, falls die Firma dem Jungirlanb-Derband Blauhemben liefere.

Aus aller Wett

Zwei Todesopfer eines Brandunglücks in England.

Bei einem großen Drandunglück in Whit- church (Hampshire) kam der 23jährige Herzog de la Tremville ums Leben. Der englische Flie- oerhauptmann Rodney wurde ebenfalls ein Opfer des Brandes. Das Feuer brach im Dach­geschoß des Landhauses von James Mac Cor­rn i ck, einem Mitglied der bekannten Chikagoer Millionärsfamilie aus, wo der Herzog zu Gaste war. Nach kurzer Zeit stand das ganze Haus in Flammen. Dem Dienstmädchen, einer Deutschen, gelang es, an einem Wasserrohr herunterklettern. Hauptmann Rodney unb seine Frau sprangen aus einem Fenster aus 10 Meter Höhe in bie Tiefe. Der Hauptmann würbe so schwer verletzt, daß er später im Krankenhaus ft a r b. Seine Frau erlitt einen Wirbelsäulenbruch unb schwebt in Lebens­gefahr. Die Leiche bes Herzogs de la Tremville wurde nach dem Brande unter den Trümmern des Hauses gefunden. Er ist wahrscheinlich bei dem Versuch, sich zu retten, von den Brandgasen über­wältigt worden.

Schwere Unweiler schöben in Mittel- unb Süditalien.

Das Unwetter in Mittel- unb Süditalien dauert immer noch an. Einstürze find an der Tagesordnung. Zwischen Neapel und Torre Annun­ziata ist eine Eisenbahnbrücke eingestürzt, wodurch Der Bahnverkehr auf der Strecke unterbrochen ist. In Agrigent auf Ostsizilien versank plötzlich, wöh- renb in einem Anwesen eine Hochzeit gefeiert wurde, der Fußboden unter den Füßen der 15 Tischteil­nehmer, die in die darunter befindliche Autogarage stürzten. Besonders schwere Verletzungen er­litt die Brautmutter.

Verschärfung bet Eisverhältnisse im Rheln- unb Moselgebiet.

Die Eisoerhältnisse auf den mittelrheini­schen Flüssen haben sich infolge der langen Kälte- periobe wesentlich verschärft. Die Temperaturen in den rheinischen Rebenbergen bewegen sich zwischen 12 unb 14 Grab unter Null. Im vorderen Taunus unb in vereinzelten Westerwaldgebieten finb 15 und mehr Grad an der Tagesordnung. Das Eistreiben dauert unvermindert an. Der Frost hat nunmehr auch große Teile der N a h e und der Lahn zugesetzt. Das Moseltal hat sich bei Trier durch den starken Zutrieb von Saar und Sauer häufig versetzt. Am Sonntagabend rissen Eisbrecher unter gewaltigem Krachen die feste Eisdecke auf, um bann aber stromauf auf stärkere Hinder­nisse zu stoßen. Auf dem Rhein bebetft das Schal- lene'is den größtc Teil des Wasierspiegels. In Koblens erwägt man bei Fortdauer ber Kälte bas Einfahren der Schiffsbrücke in den Sicherheitshafen. Schiffahrt wird bei anhaltendem Treibeis eingestellt werden müssen.

Zwei Weinfässer rollen durch Deutschland. Treuemarsch zweier Badener Weinbauern zum

Führer.

Arn 30. Oktober, 16.30 Uhr, machten sieb in Offen- bürg (Baden) zwei junge Weinbauern auf den Weg, um zwei Fässer Badener Weines durch Deutschland nach Berlin zu rollen und hier dem Führer als Dankesgabe unb erste Ernte bes Dritten Reiches zu übergeben. Die beiden Weinbau­ern in ihrer heimatlichen Tracht sind jetzt in ber Reichshauptstadt eingetroffen und wurden zunächst vom Berliner Polizeipräsidenten empfangen. Die zwei Weinfässer sind reich geschnitzt und enthalten die InschriftDank- und Treuemarsch zu unserem Führer, Herbst 1933* Sie zeigen weiter das Offen-

burger Stadtwappen. Der Wein selbst stammt aus dem Offenburger städtischen Weingut St. Andres- Hospital. Polizeipräsident v. L e v e tz o w hat es nicht versäumt, sich auch in bas mitgeführte Fahrtenbuch mit einer Widmung einzutragen. Im übrigen trägt dieses Büchlein zahlreiche recht interessante Inschrif­ten. So hat sich ber Reichsstatthalter von Thüringen S a u ck e l in Weimar unb Prinz 21 u g u ft Wil- heim in Potsdam eingetragen. Der Schriftleiter bes Hakenkreuzverlages Dr. Wessel, ein Verwandter Horst Wessels, hat in Mannheim ben beiden Wein­bauern folgenden schönen Spruch mit auf den Weg gegeben:Dem Herrgott bas Leben, bem Führer bie Treu, wir bleiben ergeben, wir schaffen uns frei. Ein Hundsfott ist, wer ie vergißt, was er dem Führer schuldig ist." Die Abgesandten aus Baden werden auch von Adolf Hitler empfangen.

Der Riesenbrand auf Gut Düppel bei Berlin.

lieber das bereits gemeldete Großfeuer auf bem Rittergut Düppel bei Zehlendorf wird weiter bekannt: Die Bergung derl30kostbarenReit° pferde, unter den sich wertvollste Tiere wieGe­neral" der in Rom von Major a. D. Bürckner zum Sieg geritten worden war, unb ber Olympia­siegerTaracalla" befanden, war keinen Augenblick zu früh erfolgt. Ein Teil ber Pferde lief auf dem Gutshof herrenlos umher. Nur mit Mühe konnte man die Tiere, zum Teil durch die Flammen hin­durch, in eine benachbarte Scheune schaffen. Die Löscharbeiten gestalteten sich außerordentlich schwie- rig, da bie grimmige Kälte von etwa 15 Grad das Wasser an ben Gedäuben sofort zu rie­sigen Eismassen erstarren ließ. Die Schlauchleitun­gen mußten zum Teil kilometerweit gelegt werden, um bas Wasser herbeizufchaffen. Ein Teil ber Losch- kolonnen mußte nach etwa einstündiger Tätigkeit zurückgezogen werben, ba sie von Kopf bis Fuß vereist waren und sich kaum bewegen konnten. Nach zweistündiger Tätigkeit war die Gewalt bes Feuers gebrochen. Ein Feuerwehrmann wurde durch her- abfallendes Gestein erheblich verletzt. Außer der Reitbahn ist ein erheblicher Teil ber Stallgebäude vernichtet. Der Schaben geht in bie Hunberttau- sende, ist jedoch zum größten Teil durch Versicherung gedeckt. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch unbekannt. Der deutsche Reitsport ist durch den Riesenbrand hart getroffen, ba ein Teil ber Pferbe sich mitten im Training für das beoorstehenbe große Reit- unb Fahrturnier befartb.

Ungarischer Handelsminister rettet Hobelgefährten.

Auf ber Suche nach geeignetemStigelänbe ver­unglückte, wie aus Budapest gemeldet wird, in den Börfzonyer Bergen ein Rodelschlitten, auf bem sich der ungarische Hanbelsminister F a b i a n y i In Gesellschaft des Obergespans Soldos befand.

Der Schlitten stürzte in einer scharfen Kurve um, unb der Obergespan flog in weitem Bogen in eine etwa 10 Meter tiefe Schlucht. Hanbelsminister Fa- bianyi, ber selbst unversehrt blieb, kletterte beim Licht seiner Taschenlampe in die Schlucht hinunter. Es gelang ihm unter Einsetzung aller feiner Kräfte, ben schwerverletzten Obergespan den steilen Abhang hinaufzutragen und im Schlitten bis zur nächsten Ortschaft zu befördern.

Karl Schwabes zweiter Afrlkaflug.

Der bekannte Sportflieger Karl Schwabe, der schon einmal auf einer kleinen Klemm-Maschine Afrika überquert hat, ist auf dem Flugplatz Ober- wiesenfeld in München zu einem zweiten Flug mit feiner Klemm-Maschine, der ihn wiederum nach Afrika führen wird, gestartet. Die erste Etappe führt ihn nach Rom. In feiner Begleitung be­findet sich der Pilot Schmidt. Schwabe ist in­zwischen in Venedig gelandet.

Hungersnot auf der Insel Zypern.

Infolge einer zweijährigen Trockenheit ist auf einem großen Teil der Insel Zypern eine schwere Hungersnot entstanden. Um nicht Hungers zu sterben, essen viele Bauern Gras unb Wurzeln. Kilometerweit finb bie Felder unb Aecker völlig un­fruchtbar. In der Verzweiflung greifen manche Be­wohner zu Raub unb Diebstahl. Fast jede Nacht kommt es zu bewaffneten Straßenüberfäl- len auf Kraftwagen unb Fußgänger. Englische Truppen finb zum Schutze ber Straße LanacaNi­cosia abkommandiert worben.

Explosion in einer mexikanischen Fabrik. 16 Tote.

Durch eine Explosion in einer Zuckerfabrik in Linares (Mexiko) würben mehrere Gebäude zerstört. 16 Personen kamen dabei ums Leben.

Rahezu fünf Millionen Rundfunkteilnehmer.

Die Gesamtzahl ber Rundfunkteilnehmer im Deutschen Reich betrug am 1. Dezember 4837549 gegenüber 4 635 537 am 1. November b. I. Hier- nach ist im Laufe des Monats eine Zunahme von 202 012 Teilnehmern (4,4 o. H.) eingetreten. Unter ber Gesamtzahl befinben sich 499 079 Rundfunkteil­nehmer, denen die Gebühren erlassen sind, gegen­über 503 420 am 1. November. Die Zahl der ge­bührenfreien Teilnehmer (hauptsächlich Arbeitslose) ist mithin um 4341 weiter zurückgegangen.

Die Abbröckelung der Helgoländer Steilküste.

Wie von ber Insel Helgoland gemeldet wird, sind dieser TaZe rund 6000 Kubikmeter Felsmassen von ber Steilküste abgebröckelt unb insMeerge- stürzt. Personen finb nicht zu Schaden gekommen. Die Abbruchstelle liegt an ber Nordostseite ber In- fei. Das Büro für Uferschutzbauten auf Helgolanb ist

zur Zeit mit der genauen Vermessung ber abge­stürzten Felsmassen beschäftigt. Im September 1931 erfolgte ber letzte Felsabsturz größeren Ausmaßes. Damals waren an dem Felsvorsprung ßetgebru an der Ostecke des Oberlandes 7000 Kubikmeter Fels abgestürzt.

LinHellseher" verhaftet.

Der alsber größte unb berühmteste Psycho­graphologe" bezeichneteHellseher" Rasmus wurde in Weimar während seiner Sprechstunde von der Kriminalpolizei unter Betrugsverdacht verhaftet. Nach seiner polizeilichen Ver­nehmung wird er dem Amtsgericht zugeführt werden. Rasmus, ber in Berlin einPsycho­graphologisches Beratungsinstitut" unterhält, heißt in Wirklichkeit Albert Gillmeister unb ist im Jahre 1888 in Wormditt bei Braunsberg ge­boren.

Der neue Rundfunksender Freiburg LB .

Der Aufbau des neuen Rundfunksenders Frei­burg i. B., der von der C. Lorenz Aktiengesell­schaft, Berlin-Tempelhof, geliefert wurde, geht feiner Vollendung entgegen. Der vierstufige Sender gibt bei 70prozentiger Modulation (Aussteuerung) eine Antennenleistung von 10 Kilowatt und arbeitet im Gleichwellenoetrieb mit den Sendern: Frank­furt a. M., Trier unb Kassel. Die Synchronisierung (Gleichlauf) dieser Sender erfolgt durch die von Lorenz besonders entwickelte Stimmgabelschaltung des Gleichwellengerätes. Erst durch dieses System wird eine bisher unerreichte Gleichheit der Träger­wellen dieser Sender erzielt. Der Sender Frei­burg i. B. ist, wie die anderen von Lorenz ge­bauten Großsender, in Einheitsgehäusen aufgebaut, wobei jedoch nicht mehr, wie früher, die zur Wasserkühlung der Röhren dienenden Por­zellantrommeln im Kellergeschoß, sondern direkt im Unterteil des entsprechenden Sender-Einheitsge- häuses angeorbnet sind. Ein besonderes Kennzeichen des neuen Senders ist bie Einma ft-Dipol« antenne. Diese unterbrächt die Raumwelle unb bevorzugt bie Bobenwelle. Dadurch werden bie den Empfang störenden Schwunderscheinungen in ber sogenannten Nahfadingzone wesentlich verringert. Die Antenne besteht aus einem möglichst hoch über bem Erbboben aufgehängten, senkrechten Draht, ber in seiner Mitte durch eine besondere (Erreger­leitung gespeist wird. Die Gesamtlänge des senk­recht aufgehängten Drahtes, des sogenannte Dipols» beträgt 74 Meter.

Die Humfchmuggler von Glace Bay verhaftet.

Kapitän unb Mannschaft bes Rurnschmugg« l e r b o o t e 5 von Glace Bay, dem es, wie bereits gemeldet, gelang, einem Schiff der kanadischen Küstenpolizei zu entkommen und zwar unter Mit­nahme der aus vier Küstenpolizisten bestehenden Bewachungsmannschaft, finb jetzt auf ber franzö­sischen Insel St. Pierre, bie Neufundland vorge­lagert ist, verhaftet worden, als sie im Begriff waren, die gefangenen Polizisten an Land zu fegen.

verheerende Unwetter in Süditalien.

Don bem nicht enbenrooUenben Unwetter in ganz Süditalien unb Sizilien ist Kalabrien beson­ders hart betroffen worden. Felder, Obftfulturen unb Dauerngehöfte sinb durch Wolkenbrüche unb Gewitter zerstört worden. Die Flüsse sind auf weite Strecken über bie Ufer getreten unb Haden das Werk der Zerstörung Dottenbet, so daß an ber ganzen Südwestküste die gesamte Oliven­ernte vernichtet wurde, deren Verlust auf über fünf Millionen berechnet wird. Den Uederschwem-- mungen finb bisher drei Menschenleben zum Opfer gefallen. In Benevent sind bei einem Erdrutsch zwei Häuser eingestürzt.

Kunst unb Wissenschaft.

Anmeldepflicht

zur Heichsschriftlums- und Heichspressekammer.

Eine Anordnung der Präsidenten der Reichsschrift- tumsfammer unb der Reichspressekammer besagt, daß alle Schriftsteller unb Schriftleiter, soweit ihre Tätigkeit stänbig ausgeübt wirb, ber Reichs- f d) r i f 11 u m s ober Reichspreffekam- mer angehören müssen. Die Frage, wer Schriftleiter ist, richtet sich nach ber in Kürze zu erwartenden Durchführungsverordnung zum Schrist- leitergesetz. Wer im Zweifel ist, ob für ihn Anmelde­pflicht zum Reichsoerband Deutscher Schriftsteller oder zum Reichsverband der Deutschen Presse be­steht, muh eine entsprechende Anfrage an die be­treffenden Verbände richten, damit er feinen Beruf vorläufig weiter ausüben kann. An den Reichsver- band Deutscher Schriftsteller muß diese Anfrage bis zum 15. Dezember gerichtet fein. Der Anmeldeter- min zum Reichsverband der Deutschen Presse wird noch bekanntgegeben.

Reichsverband für Lhorwesen und Volksmusik.

Die Reichsmusikkammer hat bie Dilbung eines Reichsverbanbes für Chorwesen und Volksmusik angeorbnet und zu seinem Führer den Vorsitzenden der Interessengemeinschaft für das deutsche Chorgesangwesen Professor Dr. Fritz Stein ernannt.

Der Schauspieler Julius Falkenstein f.

Der Schauspieler Julius F a 11 e n ft e i n ist im Alter von einigen fünfzig Jahren in einem Berliner Krankenhaufe gestorben. Er ist durch fein Auf­treten in zahlreichen Filmen einem größeren Publikumskreise bekannt geworden. Sein Arbeits­gebiet waren Lustspiele, Operetten, gelegentlich auch Kriminalstücke, sein Fach war das des Komikers, seine darstellerische Spezialität die Gestaltung von drolligen Käuzen und schrulligen Sonderlingen. In Gießen sah man ihn zuletzt u. a. in den Filmen Lachende Erben",Es war einmal ein Musikus", Die Nacht im Forsthaus",Ein Lied für Dich", Unmögliche Liebe" unb3d) unb bie Kaiserin".

Wettervoraussage.

Die nordöstliche Störung hat sich südlich ausge­breitet unb durch Zufuhr etwas milderer Luit Be- wölkung, im nordöstlichen Teil des Reiches auch Schneefälle verursacht. Da sich bie Störungstätlgkeit vorübergehend auch bei uns auswirken wird, besteht tellenweise Neigung zu etwas Schnee. Doch wird ich ber hohe Druck weiter behaupten, so daß ein »urchgreifender Witterungsumschlag nicht zustande- kommt, vielmehr der strenge Frost noch anhält.

Aussichten für D ' r. : Neblig-wolkig 6»n«Uf'lar,n' ,Ur'" 'Äu Ä?en

Lufttemveraturen rm M-uster immer freundlich^ ./W^se'-Mufik" beftanbj morgens-7,2 @ra" Tellen unb erforderte einen i mum97 Grad n Instrumenten. Sie ist bann \ Tipfp am 'in Dexe'r"te zusammenaezogen worden, u. 11. Dezember: rno^n der Originalkomposition besteht . nenscheindauer 5 <°$ du Gehör gebracht wird.