Ausgabe 
11.12.1933 Drittes Blatt
 
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fett 1. Dezember dieses Jahre« Airr Ausgabe ge­langenden Winterurlaubskarten sind ebenfalls in diesem Büro äu haben, und zwar zu amllichen Preisen, ohne Auftchlaa. Die Stelle kann von allen Wintersporuern kostenlos in Anspruch genommen werden, doch wird gebeten, bei schriftlichen An» fragen Rückporto beizufügen.

Bericht defKrimtnalpolizeistelleGießen

Lei der hiesigen Kriminalpolizeistelle ist eine silberne Damenuhr sichergestellt E« handelt sich um ein älteres Modell, das zuletzt an einem braunen Armband, mit der Nummer 13, getragen wurde. Eigentumsberechtigte wollen sich bei der Kriminal- polizcisiclle Zimmer 5 melden.

Am Nachmittag des 30. November wurde im Hose des hiesigen Kreisamts ein vierräderiger Handleiterwagen mit blauem Anstrich entwendet, desgleichen in der Nacht zum 4. ds. Mts von dem Hause Neustadt 1 eine kupserbronzene Figur. Zweck­dienliche Mitteilungen wolle man an die Kriminal­polizeistelle richten

Festgenommen wurde der Knecht Johannes Heinrich Beilborn aus Wehrshaulen. Er war vom Amtsgericht Grünberg zur Strafvollstreckung wegen Betrugs ausgeschrieben. Ferner wurde fest­genommen die Hausangestellte Elisabethe Munch aus Treis a. d. Lumda wegen Unterschlagung und Diebstahls in mehreren Fällen. Beide wurden dem Richter oorgeführt und inhaftiert.

Zuchtviehverfteaerung in Gießen.

Bei der Zuchtoiehoersteiaerung in Dietzen am vo- rigen Donnerstag kamen 34 Bullen des Hess. Fleck­viehs zur Versteigerung. Bon einigen Ausnahmen abgesehen, entsprachen die Bullen höchsten zuchieri- sch.n Anforderungen. Lobend heroorzuheben war vor allem die Ausgeglichenheit der Tiere in Form und Farbe, insbesondere der Iungbullen unter 14 Monate. 3n ttorperform vertrat di« Mehrzahl der vorgestellten Tiere den in der gesamten Tierzucht heute allgemein erstrebten Wirtschaftstyp. Die Preis- richter, die Herren Dberoeterinärrat Dr. Mon - narb (Dietzen) und Heinrich D ä r la ch (Ober-Hör- gern), konnten in Anbetracht der Düte der Bullen 23 Preise vergeben, nämlich 4 erste, 9 zweite und 10 dritte. Leider war die Nachfrage nicht so stark wie das Angebot, so datz die Verkaufspreise dem Zuchlwert der Tiere zum großen Teil nicht ent­sprachen. Immerhin wurde ein Durchschnittserlös von 424 Mark je Bulle erzielt. Abgesetzt wurden 24 Stück, zwei weitere wurden wegen zu niedrigen Gebots nicht zugeschlagen.

Den höchsten Preis von 740 Mark für den Bullen Katalog-Nummer21 erhielt Iohs. Blum III. in Maai, den die Gemeinde Burkhards (Kr. Schotten) erwarb. Aus der gleichen Zucht stammte auch der Bulle Katalog-Nr. 33, den die Fleckviehzuchtgcnof- jcnschaft Oberlahnkreis in Weilburg sich zum Preise von 510 Mark sicherte. Karl Döring (Willofs) er­zielte für seinen Bullen Kat.-Nr. 23 den zweithöchsten Erlös der Versteigerung, nämlich 560 Mark. Der Bulle ging in den Besitz der Gemeinde Burg-Ge- münden über. 500 Mark legte die Gemeinde Hei- mertshausen an für den Bullen Kat.-Nr. 27, von Heinr. Döring in Angersbach gezüchtet. Die .Mutter dieses Bullen lieferte in dreijährigem Durch­schnitt 4190 Kilo Milch und 150 Kilo Fett. Für je 480 Mark wurden zwei Bullen abgegeben. Sie stammten aus den Zuchten von Emil Walther in Langsdorf und Iohs. Dietz II. in Billertshausen und wurden an die Gemeinden Wolfskehlen bzw. Wenings verkauft. Zwei Bullen zum Preise von je 460 Mark aus der Zucht von Otto Völzing in Billertshausen gingen in den Besitz der Gemeinde Gobelnrod und des Ludwig Hermann in Nessel- brunn (Kreis Marburg) über.

Die Gemeinden, die auf der Versteigerung in Gießen gekauft haben, werden ohne Ausnahme mit den gekauften Zuchttieren zufrieden sein, ins­besondere auch aus dem Grunde, weil die Preise im 'Verhältnis zu den Preisen, die in letzter Zeit bei Käufen im stalle gezahlt wurden, niedrig waren.

i*or nötigen

Tageskalender für Montag. Stadt- theater, 20 bis 22 Uhr, volkstümliches Konzert. Turmhaus am Brand, 16 bis 18.30 Uhr, Kunstaus­stellung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: 14.15 Uhr,Am Horst der wilden Adler"; ab 16 Uhr

Schwester Hngefita' (Hinter Klostermanern) mit Suzanne Marsche.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute 20 lU)r °"her Abonnement Volkstümliches Konzert des St^ttheater-Orche- lt-rs unter Leitung von Kapellmeister Fritz E u j e. & Puik oon 0,30 bis 1,00 Mk. Ende 22 Uhr. Dienstag, 12 Dezember, 11. Vorstellung im Dienstag-AbonnementDie luftige Sitae", Ope­rette von Franz Lehar. Leitung: Drede-Tui«- Spohr; der Tenor Adolf Jager- Frankfurt in Der Rolle des Refillon. Operetten-Preife. Spiel- dauer von 20 bis nach 2230 Uhr.

Don der Landesuniversität. In den Ruhestand versetzt wurde auf Nachiuchen der ordent- lich« Professor der klassischen Philologie an der ßan- desunioersität Dr. Karl Kalbfleisch mit Wir­kung von 1. April 1934 an unter Anerkennung sei­ner dem Staate geleisteten langjährigen ausge- zeichneten Dienste. r

" Das Leseholzsammeln in den stadtt- schen Waldungen betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei im heutigen Anzeigenteil, auf die wir die Interessenten besonders Hinweisen.

Dorn Kampfbund der Deutschen a r d) i t e 11 e n u n b 3 n g e n i e u r e. Der für ben morgigen Dienstag im KDAI. (Kampfbunb ber Deutschen Architekten unb Ingenieure; Bezirkslei­

Veamlen-Fachschaslsabend in Gießen.

Im Saale desFrankfurter Hof" hielt die Fach- schäft Jtommunale Verwaltung, kam- munale Betriebe unb Körperschaften des öffentlichen Rechts ber 916.-B e am- tenabteilung Dietzen" am Freitag einen Fachschaftsabend ab.

Fachschafisleiier pc?. Pfeil

referierte zunächst über den zukünftigen Ausbau unb bie Organisation besReichsbunbes Der Deutschen Beamten", ber ab 1. Januar 1934 bie einzige bem Staatswohl dienende Organisation der deutschen Beamten barstellt. Mit bieser Neu- grünbung verschwinden endgültig nicht weniger als 900 einzelne Beamtenorganisationen. Die lang er- strebte Einheit in ber beutschen Beamtenschaft ist mit bieser großen Tat unter eindeutiger national­sozialistischer Führung endlich zur Wahrheit ge- worben. Der Reichsbund ber Deutschen Beamten ist auf bem Führerprinzip, als etwas Sclbstver- stündlichem, aufgebaut Führer ist der Leiter des Amtes für Beamte bei ber obersten Leitung ber PO., Pg. Neef, bem ein Führerrat beigegeben ist, welcher zu"'eich die Mitgliederversammlung dar- stellt. Die Gliederung bes neuen Bunbes entspricht genau ber Einteilung ber politischen Organisation

chen Mitteln sie dies« zu erreichen suche. Au« seinen Ausführungen sei folgende« besonders heroorzu­heben:

Gerade der Beamte müsse sich darüber klar fein, datz er nicht als Einzelgänger leben könne, er müsse sich darauf besinnen, die Menschen oersiehen zu lernen, denen er zuguterletzt seine Exi- stenz, sein Brot und »eine Arbeit verdank«. Wenn wir im nationalsozialistischen Geist handeln unb uns durchsetzen wollen, so müssen wir alles Persönliche 3uruujtellen und daran denken, datz ber Staat nicht eine Gruppe von Menschen, fonbern der Staat bie Totalität bes Volkes ift Wenn unser Volk leben soll, so ist es notwendig, datz wir uns die Grundlage schaffen: bie wahre Volksge­meinschaft. Es ist nötig, datz sich bie einzelnen Beamten mit bem wahren Dolksgemeinschaftsge- danken vertraut machen. Der Standesdünkel und ber Klasseng « ist müssen unter allen Um­ständen verschwinden. Es darf nicht, wie es lange Zeit gewesen ist, ein gewisies Stehkragen­proletariat neben. Die Zeit muh vorbei sein, in ber einer auf Kosten bes anderen zu leben verjuche. Der Beamte, der als Vertreter bes Staates und ber Autorität auf einen Posten gestellt werde, dürfe nicht aus Standesdünkel auf den schaffenden Ar­beiter heruntersehen. Der Drehbankarbeiter, ber

Unser Weihnachts-Roman b-amni qm 15. Dezember

in den to.epener Kanunenblätrei n

seine Arbeit gewisienhast verrichte, sei genau so wertvoll, wie ber Studienrat, der Geschichtsunter­richt erteile. Die Hauptsache ist, datz der Bolksge- nasse ein ganzer Kerl sei. Auch die Gegensätze, die zwischen Geschäftswelt und Beamtenschaft einer­seits unb zwischen diesen und ber Arbeiterschaft an­derseits bestanden, müssen beseitigt werden. Der Erfolg dieses Kampfes aller gegen alle war ja der Zusammenbruch des deutschen Vaterlandes. Der Wohlstand des ganze n deutschen Vol­kes ist auch ber Wohlstand bes einzelnen. Deshalb sei bie Schulung im national'ozialistftchen^ Sinne eine bringende Notwendigkeit. Die Bezeich­nungArbeitnehmer" unbArbeitgeber" müsse ver­schwinden, denn es sei dies ein verkehrte« Doku men«

tung Oberhesfen, Sitz Gießen) voraesehene Vortrag von Stabtbaurat Graoert fällt weaen starker Inanspruchnahme ber Mitglieber bes KDAI. unb ber NSDAP, aus unb ist auf Dienstag, 9. Januar, verlegt worben. Der Vortrag wirb bas Werben ber Stabt Gießen von ihrer Gründung bis zur Neu­zeit unter Vorführung von Lichtbildern behandeln. Die Organisation des KDAI. wirb eine Aeude- rung erfahren in ber Form, batz Zur Herbeiführung einer Zusammenarbeit ber Abteilung U 3 B / 9ßitab tWirtschaftstechnik unb Arbeitsbeschaffung) mit dem KDAI. bie Kreisfachbearbeiter ber Witab gleich­zeitig Bczirksleiter bes KDAI. (ein müssen. Dadurch werben in Oberhessen bie Witab-Fachbeardeiter in Personalunion gebracht mit ben Bezirksleitern des KDAI. Die Ernennung nimmt bie (Bauleitung in Frankfurt vor. Ieber ber oberhessischen Kreise wirb also in Zukunft einen Bezirksleiter bes KDAI. er­halten, Der gleichzeitig Witab-Fachbearbeiter fein wirb.

** gamilienabenb ber Lukasge­rn e i n b e. Der Familienabend, den bie Lukasge- meinde gestern veranstaltete, wurde durch eine Be­grüßungsansprache des Vorsitzenden des Gemeinde­oereins, Juwelier Noll, eröffnet. Er führte u. a. aus, daß es sich um eine Adventsfeier gewisser- maßen im Familienkreise handle. Die Iugendver- einigungen der Gemeinde waren es, die die musi­kalische und gesangliche Ausgestaltung übernommen hatten. Die Mädchenoereinigung bot unter Leitung von Fräulein Else Wagenbach einen Sprechchor, sowie mehrere Chorgeiänge dar. Die jungen Ge­meindeglieder Karl Otter, Karl Heinz Wenzel, Gottfried N o r t h und Willi Keiner waren mu­sikalisch tätig. Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r ver- breitete sich in seiner Ansprache über Adventssitten unb über die Bedeutung der Adventszeit. Juwelier Noll schloß die Veranstaltung mit Worten des Dankes.

der NSDAP. Innerhalb des Reichsbunbes werden für die einzelnen Beamtenkategorien Fachschaften gebildet. Fachschaftsleiter Pfeil gab alsdann ben Inhalt ber neuen Satzungen bekannt. Die Auf­gaben bes Reichsbunbes find folgende:

1. Erziehung der Mitglieder zu vorbildlichen Na- tionalsozialisten und Durchdringung der gesam­ten Beamtenschaft mit dem nationalsozialistischen Gedankengut.

2. Erziehung der Beamten für ihre Sonderstellung unter den Volksgenossen als Vollzieher des in der Gesetzgebung unb in ben Maßnahmen ber Regierungen zum Ausbruck tommenben Willens bes Führers.

3. Unterstützung ber Regierungen als Vollzieher ber Weisungen bes Führers in ihren beamten* politischen Maßnahmen.

4. Unterhaltung, Ausbau unb Umbau solcher be- stehenden gefunben Einrichtungen, bie von ber Reichsregierung als durch bie SonberfteUung ber Beamten berechtigte Selbsthilfe-Einrichtun­gen anerkannt werben.

5. Unterhaltung von Einrichtungen, die der Be- russausbildung bienen.

Mitglied bes Reichsbundes ber beutschen Beam­ten kann jeder aktive unb inaktive Beamte des Reiches, der Deutschen Reichsbahngesellschaft, der Reichsbank, ber ßänber, ber ©cmemben unb ber öffentlich-rechtlichen Körperschaften mit Ausnahme ber Beamten ber kasernierten Polizei werben. Ueber bie Aufnahme von Mitgliebem entscheibet ber Führer.

pg Bartholomäus

sprach hieraus in längeren Ausführungen über Sinn unb Zweck ber Deutschen Arbeitsfront unb legte dar, wie das Verhältnis des Beamten zu den übrigen Volksgenossen fein müsse. In treffenden Ausführungen schilderte Pg. Bartholomäus, welche Ziele bie Arbeitsfront verfolge unb mit wel-

tieren nicht bestehender Begriffe. An die Stelle die­ser äußerlich trennenben Bezeichnungen müsse ber wahre Begriff des beutschen Mitarbeiters treten. Der Nationalsozialismus habe eine andere Auffassung von Ehre unb Gesellschaftsfähigkeit. Ehre und Gesellschaftsfähigkeit sind nicht abhängig von dem Stand, von der Vorbildung ober von ber Arbeitsart eines Menschen, sondern sie sind allein abhängig von der ß e i ft u n g, die der Volksge­nosse an seinem Arbeitsplatz vollbringt zum Wohle bes Volksganzen. Dies habe auch ber Führer in einer Rebe zum AuÄtruck gebracht, in welcher er sagte, daß im Dritten Reich ein Stra­ßenkehrer, der sauber, ordentlich und pünktlich seine Arbeit verrichte, ihm hundertmal mehr wert fei, al« ein Ministerialdirektor, der morgens nicht aus dem Bett heraus- und abends nicht hineinkomme.

Hierauf sprach Pg. Bartholomäus noch über die Erhaltung ber deutschen Kulturgüter. Es gäbe eine gewisse Schicht von Menschen, die glaube, baß sie bie Kultur in Erbpacht hätte. Mit diesem Zustanb würbe ber Nationalsozialismus aufräumen, benn auch ber Arbeiter habe bas Recht, an ben Kul­turgütern teilzunehmen. Für ben Arbeiter, ber nach feinem mühseligen Tagewerk Entspannung brin- genb nötig habe, fei nach ben Ausführungen unsere« Führers gerabe bas Beste gut genug. Die Deutsch« Arbeitsfront habe auf Anorbnung Die Einrichtung bes FeierabenbwerkesDurch Freube zur Kraft" ins Leben gerufen. An ben Ausbau dieses Werkes werde fetzt mit aller Kraft heran­gegangen, zum Wohle ber Erhaltung ber Arbeits­kraft Des beutschen Arbeiters für bas Volksganze. Es müffe soweit kommen, batz jeber Deutsche nur als Volksgenosfe fühle und das insbefonbere jeber beutfche Arbeiter, jeber deutscher Beamte unb jeder deutscher Bauer sage: W i r find stolz darauf, Deutsche zu fein.

Anschließend unterstrich ber Kreisleiter ber NS- Beamtenabteilung

pg. 6e6

die Ausführungen des Vorredners unb schildert« nochmals kurz, wie der Aufbau bes neuen Be-

Oie Wechnachiskcste.

oow Per Schwenzen.

Weihnachtskiste! Bon außen sieht sie genau so Holzern und qudbratijd) aus wie andere Stiften. Aber du weißt, wenn du sie ausbrichst, so riecht es nad) Tannen unb Obst; Lametta juncclt. Jeber Apfel, jede Birne ist liebevoll in buntbedrucktes Seidenpapier gewickelt. Es riecht nach Marzipan unb Pfefferkuchen. Eigentlich kann man so etwas ja auch taufen. Aber biefe Marzipanschweine ber Frau Konditor Poligkeit n- i ben viel zu langen Beinen unb bem Zehnmal schein in ber Schnauze, unb Tante Luises selbstgebackene Pfefsernütze, Die immer zu klein unb zu hart werden, das Quitten* brot, das feit zwanzig Jahren zu weich gerät nein, das kann man nicht laufen, bas jch.ckt Tante Lui,e. die Reichspost unb ber Himmel, bieje Kiste aus bem Zauberland ber Kinbheit über Bebra.

Also, ba wäre zuerst mal das Obst. Diese Aepsel unb Birnen werden in meinen Taigen wandern und dort ihre naturgewvllte Bestimmung erfüllen. Sie werden sprossen und Wurzel schlagen, sie werden zu mächtigen Baumen heranwachjen unb im Obst- walb meiner Erinnerungen rauschen. Da steht er, der alte gute Butterbirnenbaum, ber seinen Herbst- lichen Segen wie ein Trommelfeuer auf das leer- pappendach bes Gerätehauses trommeln ließ unb bort bie fflute Luise, bie ihre Volltreffer in die Regentonne klatschte. Oder ber Alexanber-Apfclboum mit seinen mächtigen Früchten.Kinberköppe" nann­ten wir sie, unb rissen ihm, trog bes strengen Ver­botes, mit bem langen Obstabnehmer einen Stopf noch bem andern ab. bem guten Alexander näm­lich ... Aber er war nicht rachsüchtig. Dieser Alexan­der-Apfelbaum! Immer hat er nur bie Treue ge­halten. Einmal hatte mein grotzer Bruder mir den Zündplättchen-Revolver gestohlen unb sich bamit in Alexander« Wipfel geflüchtet. Ader Alexander brach einfach ein bißchen ob unb warf den Waffendieb vor meine Füße. Er fiel auf seinen haltbarsten Körper­teil, verlor vor Schreck bas Uedergewicht seiner Jahre unb mürbe eine leichte Beute meine« Zornes. Einmal hatte Tante Luise mich geohrfeigt, weil ich ihre Filz- schuhe als Lastboote in der Regentonne schwimmen ließ. Rach erfochtenem Siege legte sie sich in Alexan­der« Schatten zur wohlverdienten Ruhe nieder. Alexander aber warf ihr einen mahlgezielten HpM, so ungefähr aus ber britten Etage feiner Zweige auf ben Kopf. Tante Luise wollte mir fre er. -"i'fei m bie Schuhe schieben unb spähte schon nach versteck des ruchlosen Schützen au«, al» der zweite Apsel fiel. Ich war gerächt und gerettet.

Sehr behutsam wickele ich die Alexander-Aepfel aus bem Seibenpapier, lege sie zärtlich aufs Regal, benn es finb ja bie um zwanzig Jahre jüngeren Ge­schwister meiner Spielgefährten, derKinberköppe" aus Tante Luises Garten. Sie schäumten immer so herrlich, roenn man hineinbiß, wir hielten sie mit beiden Händen fest unb hackten die Schneibezähne in bas feste Fleisch unb brachen mit einem leisen Krachen ein großes Stück heraus. Laß mal sehen ... ja, sie krachen unb schäumen noch ganz wie früher.

Es ist kein Zufall, baß ber Geruchsinn beim Menschen so verkümmert ist. Das Tier, besten Ge­hirn noch nicht ins Quabrat erhoben würbe, läuft mit ber Nase am Boden hin. Nahrung, Liebe, Haß, alles Gedeihliche und alles Gefährliche offenbart sich feiner Nase. Der ffleruchsinn ist ber Sinn bes Tieres, unb so mag es sich erklären, bah feiner unserer fünf Sinne etwas so rückwärtsweisendes, erinnerungsverbundenes hat, wie der Geruch. Da kommt ein kleines Honigkuchenpferd aus Tannen­.zweigen unb Lametta gekrochen, es steigt dir ein kinblicher Duft in bie Nase, unb schon ist alles ba: Du sitzt aus bem grünen Sofa, ber große Bapp- teUer mit bem Weihnachisgeback steht auf bem Tisch. Die Nabeln bes Baumes, ber mit seinem Lametta im Licht bes jmeiten Festtagsmorgens fahl schimmert, beginnen schon leicht zu fallen. Die ganze Stube riecht nach Tannen, Wachs, Aepseln und Lebkuchen. Das Bild vom Großvater in der ölglänxenben Uniform hängt schief, er blickt auf ben Kuchenteller hinunter. In ber Küche lacht Anna fröhlich, gleich wird ber Husarengefreite bie 'öenbcltreppe heraufflirren. Du barfft in bie Küche gehen unb ben Säbel anfassen, unb ber Gefreite erzählt von ben Mastgänsen unb Schweinen feines Heimatdorfes unb riecht babei so herrlich nach Haar- pomade, Leder und Pferden.

Wie ein Zaubcrdunst der Erinnerung wölft es aus dieser Kiste. Mit dem Dufte ber Parmänen unb Gravensteiner, ber fleinen, harten Weinsauer- äpfel fommen bie Erinnerungen an Freunbe unb Spiele, die in der Hast bes Alltags bemem Ge- dächkms enteisten wurden, wieder zurück.

Die Parmänen sahen fo fest unb goldig aus, wenn sie im Odstfeller auf ben Regalen lagen. Ich mutzte in ber Schule immer an unsere Parmänen denfen, wenn von den verschiedenen historischen Aepfeln die Rede war, dem Apfel, ben Eva com Baume ber Erkenntnis pflückte, ben Pari« ber Aphrodite reichte

Und ba find Datteln. Fernen und letrodr.ete Irauben Die fäm#n aus Arabien unb Aftika. er- zahlte Mutter ur.b >eigte mir die Beduinen, bie auf ber giftfarbenen schachte! unter Palmen galop­

pierten.Aber du Holst sie doch vom Kaufmann Ziegenbein", sagte ich. Dann mischte sich Baier ein mit einer weitläufigen Erflärung der internationa­len Handelsbeziehungen zwischen Amerifa und Eu­ropa, Abend- und Morgenland, den Arabern und dem Kaufmann Ziegenbein. So wuchs aus An­schauung und Unterricht ein erstes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge. Ich steckte mir die Taschen voll Bonbons, Pfeffernüssen, Schokolade und Marzipankartoffeln unb eröffnete einen lebhaf­ten Tauschhanbcl zum Erwerb von Lakritzstanqeii, Dauerlutschern, Zünbplättchen unb Briefmarken.

So. Die Kiste ist leer. Tannennabeln, Lametta und Flitterpapier liegen umher, wie um die Neu­jahrszeit, wenn der Baum geplündert wirb. Die Aepsel liegen orbentlich ausgerichtet, bunte Solba- ten bes Herbstes, auf bem Regal und die Kiste ber Erinnerung kommt auf ben Bobcn zum Gerümpel. Nächste Weihnachten aber kommt eine neue Kiste mit alten Träumen ...

Der Steinbock in den Pyrenäen.

Der Pyrenäen-Steinbock ist in den Pyrenäen selber nur noch in wenigen Exemplaren anzutreften. Sein Hauptvcrbreitungsgebiet ist jetzt das 35 Kilo­meter lange (Brebosgebirge, bas etwa 130 Kilometer von Mabrib liegt. Das für den Weibmann unb für ben Naturfreund außerordentlich reizvolle Tier fällt vor allem, wie Florentin Mann in ber Frankfurter WochenschriftDie Umschau" berichtet, burch fein lyraförmiges Gehörn auf, das bei einigen Heren einen Umfang von 25,5 Zentimeter bei 90 Zenti­meter Länge unb einem Aoftanb von 80 Zcntlmcter zwischen ben Geweihspitzen hat. Die Lebensbauer bes Pyrenäen-Steinbocks beträgt bis zu 20 Jahren; die Länge eines ausgewachsenen Tieres schwankt zwischen 1 bis 1,6 Meter einschließlich der 15 Zenti­meter langen Rute. Sein Gewicht beträgt bis zu 50 Kilogramm. Das Fleisch ift besonders fein und zart. Der ehemalige König Alfons XIII., der schon vor bem Kriege bas Abtrc angsrecht der großen Geländestücke Des ©rebosgebirges erlangt hat, er­klärte es nach feiner Abdankung als Schutzzone, bie der Erhaltung unb Aufzucht be« Steinbock die­nen falle. Seltsam mutet an. daß die berüchtiosten Wilderer ber fflegenb, die sich ihrer Jagdleidenschaft mit (Erfolg hingegeben hatten, unter Oberleitung des Damaligen Präsidenten des spanischen Alpen- verein« zu königlichen Iagdaufteöern unb Hegern eingesetzt wurden. Trotz der empfindlichen Lücken. I die große 3agben in ben Steinbotfbeftanb gerufen I hatten, betrug dieser 1931 noch 3500 Exemplare. I Jetzt aber gibt e« im fflrtbosgebtrge nur noch etwa

1200 Steinböcke. Es ist bisher nicht gelungen, bie Tiere in fflefanaenfdjaft zu halten. Gegen Berüh­rung von Menschenhand finb sie befonbers empfind­lich. Am meisten haben sie unter den veränderten Luftbruckverhältnissen in der Ebene zu leiden, denn sie leben im allgemeinen nur in Höhen von .*000 bis 2600 Metern. Nach den vorliegenden Erfahrun­gen halten Sachverständige bie Areuzungsmoglich- keit zwischen Hausziegen unb freilebenden Stein- bocken für ausgeschlossen. Die beste Jagdzeit find bie Monate August unb September. Die groß an­gelegten Treibjagden, die ehemals ftarf_ unter den Tieren aufgeräumt haben, sind jetzt gänzlich ver­boten. Der Jäger bars nur in Begleitung eine« staatlichen Iagbauffeher« auf den Anstand gehen. In jedem Jahr wird nur eine bestimmte Anzahl von Steinböcken 3um Abschuß freigegeben. Die Lizenzgebühren betragen für Spanier und im Lande wohnende Ausländer 600 Peseten unb für bie übrigen Auslänber 1000 Peseten. Die Aufsicht erstreckt sich übrigens auch auf bie Priocttjagden dc« ©rebogebirges, also nicht nur auf da« beschriebene Schutzgebiet.

Gasmasken mit Telefonanschluß.

Rettungsmannschaften, die bei Berawerkskata- strophen in bie vergasten Tiefen einbrtngen, find häufig dadurch gefährdet, daß sie sich nicht mit der Außenwelt verständigen können. Im französischen Gruben-Rettungswesen ist daher feit einiger Zett bie Bermenbung von tragbaren Fernsprechappara- ten oorgeschrieben, burch bie man stet« ben An­schluß an die Oberwelt behält. Die in der Frank­furter WochenschriftDie Umschau" berichtet wirb, hat man zu biesem Zweck in die Gasmasken ber Sauerstoff-Geräte noch ein Telefon eingebaut. Das war gar nicht einfach, benn bie Stromenergie bes Telefonapparates mußte möglichst niebrig gehalten werben, bamit bei einem etwa eintretenden Bruch der Leitungsdrähte die bann entstehenden Funken keine Explosion bes Grubengases verursachen konn­ten, unb außerdem mußte ber Apparat mit Fern­sprecher unb Hörer möglichst leicht fein. E« gelang jeboch alle Anforderungen zu befriedigen und bas Gewicht der Gasmaske mit Telefon auf 1180 Gramm zu beschränken.

ßod>fd>uln<id>rid)tetL

Der Ordinarius für Vererbungspathologie an bet bollandifchen Universität Leyden, Profesior Dr. Jn. W. Siemens, hat einen Ruf an die Univer­sität Leipzig erhalten.