r Montag, 11. Dezember 1933
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger sürGberhessen)
Nr. 299 Drittes vlatt
ZenIrWelle für Bergbau und HWemndußne im Lahn-Oillgebiet und Oberheffen.
Feierliche Konstituierung in Wehlar in Gegenwart des Reichsstatthalters Gauleiters Sprenger.
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®rft« Reihe von klnks noch recht»: In SS.-Uniform der Dkrektor der Nassauischen Landesbank, daneben Kreisleiter der NSDAP. Wetzlar Landrat Grillo, Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, Treuhänder der Arbeit Präsident Dr. L ü e r.
Wetzlar, 9. Dez. (WSN.) Im Rahmen einer festlichen Sitzung, der die führenden Stellen des preußischen und des hessischen Bergbaues und der westdeutschen Wirtschaft beiwohnten, erfolgte heute im Kasinosaal zu Wetzlar die Konstituierung der neuerrichteten Zentral st eile für Bergbau und Hüttenindustrie im Lahn- und Dillgebiet, sowie für Oberhessen.
Kommerzienrat Dr. Köhler, Generaldirektor der Buderusschen Eisenwerke AG., konnte in seiner Begrüßungsansprache u. a. den Reichsstatthalter in Hessen Gauleiter Sprenger und den Treuhänder der Arbeit Dr. L ü e r (Frankfurt a M.) begrüßen. In eingehenden Fachreferaten, gehalten von Dr.- Ing. Witte von den Buderusschen Eisenwerken in Wetzlar und von Fabrikant Otto (Soers (Weglar) wurden die wirtschaftlichen Gelange des Lahn- Dillgebiets und Oberhessens dargelegt.
Heichsftattharter Sprenger
der in Begleitung von Dr. Lüer und Gauprefje- amtsleiter W o w e r i e s erschienen war, brachte zu der Gründung der neuen Zentralstelle seine herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck. Lahn- und Didgebiet und Oberhessen, einstmals blühend, feien jetzt in Gefahr geraten, stiefmütterlich behandelt zu werden, namentlich durch die starke Zusammenballung industrieller Interessen im Ruhrgebiet. Daher sei' man gezwungen, sich selbst zu Helsen. Richt nur die in diesem Gebiet vorhandenen Bodenschätze verpflichteten zur Hebung und zur Indienststellung für das gesamte Volk, sondern mehr noch die ungeheure Anzahl qualifizierter Arbeiter in diesen Gebieten. Durch die Konstituierung der Reichsregierung, die überwältigende Vollmacht, die das deutsche Volk am 12. November der politischen Führung ausgestellt habe, sei es der Wirtschaft jetzt möglich geworden, wieder auf lange Sicht zu disponieren und sich einzugliedern in die Stelle, die ihr zukomme. So liege sür die neue Zentralstelle der Weg klar. Der Gestaltungskraft der neuen Mitglieder werde es zweifellos gelingen, diesem Gebiet im Rahmen der gesamten deutschen Wirtschaft wieder jene Stelle zu verschaffen, die es verdiene. Gauleiter Sprenger versicherte, daß er selbst alles tun werde, die Möglichkeiten dieser Entwicklung zu fördern und künftig miteinzugreifen, damit es aelinoe, was dem Führer am meisten am herzen liege: Jedem deutschen Volksgenossen wieder Arbeit zu schaffen. Auf der Grundlage der Festigung des deutschen Arbeiterstandes
werde dann der Ausbau aller anderen Stände möglich sein.
Präsident Dr. £üer
führte u. a. aus, der rhein-mainische Wirtschaftsraum schließe keine solchen Interessengegensätze in sich, als daß sie nicht überbrückt werden könnten. Eine großräumige wirtschaftliche Stelbstverwaltung würde sonst von vornherein unmöglich gemacht. Maßnahmen wie die Errichtung der Zentralstelle würden keinem Teil des gesamten Volkes schaden, sondern der wirtschaftlichen Einheit nur Nutz und Frommen bringen. Man stelle der zentralen Füh- rung eindeutig abgegrenzte und ausgestaltete, in der Wirtslchaft selbst wurzelnde Organe zur Verfügung, denen sie sich zur Vollstreckung ihres Willens bedienen könne. Dr. Lüer schilderte dann im einzelnen die Maßnahmen, die bereits vom Rhein- j Mainischen Industrie- und Handelstag verwirklicht worden seien, um einen Erfolg der Arbeitsschlachten zu garantieren. Er wies aus die Verbundenheit aller hier ansässigen Industrien mit der Urproduktion hin und betonte, die Errichtung der Zentralstelle bedeute eine Entwicklung, die von or- ganischen Lebensnotwendigkeiten erzwungen sei. Gleichzeitig aber wolle man erkennen, daß es erst des neuen" Geistes bedurft habe, dieser Entwicklung freie Bahn zu schassen. Er bekannte sich zu dem tiefen Vertrauen, daß die Mitglieder der Zentralstelle mit Zähigkeit, Ausdauer und Zielbewußtheit für die Lebensnotwendigkeiten des Gebietes und feiner Volksgenossen kämpfen werden. Zugleich bat er um dasselbe Vertrauen in die Zentralstelle; denn nur, wenn die Gemeinschaft gebildet sei, kämpfe man mit Erfolg im Geiste des Führers.
Sie Mitglieder der Zentralstelle.
Dr. Lüer berief als Vorsitzenden der neuen Zentralstelle Kommerzienrat Dr. Köhler- Wetzlar und zu Mitgliedern Dr. E i n e ck e - Weilburg, Dr.-Jng. Witte-Wetzlar, Bergrat Ru- b a ch - Gießen, Bergassessor Kippenberger- Gießen, Direktor P e t e r e i t - Wölfersheim, Huttenbesitzer Grün- Dillenburg, Dr. H e ck e r von der Ludwigshütte Biedenkopf, Fabrikant Otto (Soers- Wetzlar, Direktor Achim v Mosch- Wetzlar, Ingenieur Berkenhoff-Aßlar und Direktor Pauly-Gießen. Diese neue Institution ist dem Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstag eingegliedert.
Gturmsahnenweihe der SA.
Gestern vormittag fand auf dem Trieb die Weihe von Sturmfahnen der SA. der Standarte 116 statt. Die Fahnen wurden von Standartenführer Lutter geweiht. Nach dem feierlichen Akt zogen die Stürme
gemeinsam in die Stadt. Die Fahnen wurden in die Fahnenhalle im Neuen Schloß auf dem Landgras- Philipp-Platz gebracht.
Die entrollten Fahnen auf dem Trieb.
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Eindringung der Fahnen kn das Neue Schloß.
Standartenführer Lutter weiht die Sturmfahnen.
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Gegen das Denunziantentum.
Das Staatspresseamt teilt mit: Herr Staatsminister Jung sieht sich veranlaßt, einmal ganz eindeutig gegen das sich immer noch breitmachende Angebertum Stellung zu nehmen. Es ist geradezu widerlich, wenn man sieht, wie tagtäglich Volksgenossen einander bei den maßgebenden Stellen herabzusetzen und in d e n
Hausfrauen, backt mehr Konfekt, gebt den Uebct- schnh der Winterhilfe! Packt Weihnachtspakete! vergeht nicht, das Inhaltsverzeichnis darauf zu kleben!
Schmutz zu ziehen suchen. Es wäre viel wünschenswerter, wenn jeder von denen, die einen anderen Volksgenossen verleumden, seine ihm auferlegten Pflichten unter Einsatz der letzten Kraftreserve zum Besten seines Volkes erfüllen wurde; denn dann fände er gar keine Zeit, sich mit einem derartig verwerflichen Handwerk abzugeben, wie es die Denunziation eines anderen Volksgenossen darstellt. Was soll man dazu sagen, wenn es so weit kommen kann, daß z. B. ein Professor einen anderen auf solche Weise in Mißkredit zu bringen- sucht. Das ist ein derartig schmutziges Unterfangen, daß man nur sagen kann: „Pfml
Aus her provinzialhaupistadl.
Ein neues Werk der Winterhilfe: Oie Patenschaft.
Mancher hätte schon gern gesehen, wie die Mittel der Winterhilfe verwendet werden, wo sein eigenes Geld hingeht.
In der Patenschaft des Winterhilfswerks ist ihm Gelegenheit geboten, den persönlichen Kontakt zwischen Geber und Empfänger herzustellen. Eine Befürchtung, die vielleicht geäußert werden könnte, soll von vornherein aus dem Weg geräumt werden. Niemand, der die Patenschaft für ein armes deutsches Kind übernimmt, geht damit irgend eine langwierige Verpflichtung ein. Die Patenschaft ist beschränkt auf die Dauer des Winters. Nach dem 31. März ist der Patenschaftsinhaber in keiner Weise gebunden. Die Patenschaft, dieser ehrwürdige alte deutsche Brauch, gewinnt im Rahmen der Winterhilfe wieder einen neuen Sinn. Sie wird Dir vielleicht Mühe machen, deutscher Volksgenosse, aber Du wirst eine große Freude und eine tiefe Befriedigung darin finden. Du wirst sehen, rote Dein Patenkind, das schon groß ist, das sprechen und danken kann, sich über die warmen Strümpfe freut, die feine Tante ihm gestrickt hat, wie es bei Dir am Mittagstisch sitzt und mit Behagen rotbäckige Aepfel verzehrt. Und wenn du einsam bist am Weihnachtsabend, dann wirst Du den Eltern Deines Patenkindes willkommen sein, wirst mit ihnen unter dem Weihnachtsbaum stehen und die alten schönen Lieder mit den Kindern zusammen fingen. Dann wirst Du empfinden, daß doch vieles anders aeroorben ist in deutschen Landen, seit Hitler zur Macht gekommen ist, und daß das ganze deutsche Volk eine große, innige Gemeinschaft geworden ist.
Die Patenschaft wird vermittelt durch die örtliche Organisation des Winterhilfswerks.
Oer Kupferne Sonntag.
Der erste Verkaufssonntag vor Weihnachten, der gestrige Kupferne Sonntag, begünstigte den Publi- kumsverkehr vom Lande in die Stadt und den Ausgang der städtischen Bevölkerung nach dem Ge- schästsviertel in hohem Maße durch schönes und klares Win^rwetter. Der Zustrom vom Lande her setzte schon in den Mittagsstunden rege ein. Die Reichsbahn ließ aus den Richtungen Wetzlar, Marburg, Alsfeld und Hungen die Züge verstärkt fahren, wobei alle Züge sehr gute Frequenz auswiesen. Der Autobus- und Fußgängerverkehr vom Lande nach der Stadt war gleichfalls stark. In den Geschäftsstraßen entwickelte sich im Laufe des Nachmittags Großverkehr der Weihnachtskauf- und schauinterefjenten. Daß dabei die Kaustätiakeit bereits lebhaft war, konnte man an den zahlreichen Paketträgern, u. a. auch bei der Heimkehr der auswärtigen Besucher mit den vollbesetzten Abendzügen, bemerken. Im Ganzen gesehen darf man wohl sagen, daß das Weihnachtsgeschäft am gestrigen Sonntag einen guten Auftakt erfahren hat.
Oie Hundesteuer in Heften.
Es dürfte vielen Hundebesitzern nicht unwillkommen sein, wenn daraus aufmerksam gemacht wird, daß die im Lause des Kalenderjahres abgefchafs- ten Hunde bis spätestens 3U m 31. Dezember 1. Is. beider zuständigen Bürgermeisterei abzumelden find. Wird die
Abmeldung erst nach dem 31. Dezember vorgenommen, so ist die Hundesteuer für das folgende Kalenderjahr weiter zu entrichten.
Wer am 1. Januar selbstgezüchtete junge Hunde im Alter von unter 3 Monaten besitzt, w i rd entweder gleich, odernachträglichzurvol- len Hundesteuer für das kommende Kalenderjahr herangezogen.
Eine Befreiung von der Hundesteuer tritt nur dann ein, wenn nachgewiesen wird, daß ein junger Hund vor Erreichung des Alters von drei Monaten zugrunde gegangen, entlaufen oder veräußert worden ist.
Diejenigen Hunde, die im Laufe des Kalenderjahres ihren Besitzer wechseln, unterliegen jeweils der nochmaligen Versteuerung, da nicht der Hund als solcher, sondern der Hunde besitz besteuert wird.
VolkstümlichesKonzertimStadttheater
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Das Orchester des Stadttheaters, das erst seit Beginn der Spielzeit in dieser Selbstständigkeit be-, steht, tritt heute mit einem volkstümlichen Konzert zum ersten Mal rein konzertmäßig vor die Oeffentlichkeit, nachdem es bereits mehrfach Proben bester Konzertmusik abgelegt hat. Anläßlich seiner Mitwirkung beim Tanzgastspiel Sewitz-Buhr konnte das Orchester nicht nur die Konzertnum- mern mit Erfolg für sich buchen, sondern auch das Tänzergastpaar fand Worte wärmster und herzlichster Anerkennung für die künstlerische Unterstützung bei der musikalischen Untermalung ihrer Tänze.' Unter der Leitung von Kapellmeister Fritz Cujä und der solistischen Mitarbeit von Konzertmeister Franz K e r z i s n i k wird heute Abend ein Konzert-Programm sich abwickeln, das den Stempel der Volkstümlichkeit in sich trägt. Ein Programm, den Musikliebhabern zur Freude und um neue Freunde der Musik zu gewinnen, das die bekanntesten Namen bedeutender Komponisten trägt: Ouvertüre zur Oper „Der Waffenschmied" von Lortzing, Große Fantasie aus der Oper „Tiefland" von d'Albert, Slawischer Tanz Nr. 10 von Dvorak, Symphonie U-MoU (Unvollendete) von Franz Schubert u. a Der Eintrittspreis für diesen volkstümlichen Konzertabend ist denkbar niedrig gehalten, um jedem Musikfreund d<m Besuch zu er- möalichen: es gelten kleine Preise von 0,30 bis 1 Mark Dauer von 20 bis 22 Uhr.
Errichtung einer Winterspor auskunfts- steUe in Gießen.
Im Einverständnis mit den zuständigen Führerstellen wurde für Oberhessen eine Auskunftsstelle für die Mitglieder der Schneelaufoereine im Hapag- Reisebüro in Gießen, Seltersweg 89, errichtet. Zweck und Ziel dieser Einrichtung ist, so schreibt man uns, eine zentrale Stelle zu schaffen, bei der man jederzeit die neuesten Wetterberichte aus den Wintersportgebieten erhalten und über alle Verkehrsfragen erschöpfende Auskunft einholen kann; und dies nicht nur für Eisenbahn- und Poslaiiko- Verbindungen, sondern auch für preiswerte Untei- fünfte, Pauschalangebote, Skikurse usw Auch sollen den Wintersportlern nach Möglichkeit durch Veranstaltung von billigen Sannnelfahrten preiswerte Besörderungsgelegenheiten geschaffen werden. Die


