Ausgabe 
11.11.1933 Viertes Blatt
 
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Kür den Bücheriisch.

Deutsche Erzähler.

Paul Cm ft: Deutsche Geschichten. Ausgewähtt von Dr. Hellmuth Langenbucher. In Leinen gebunden 4,50 Mark. Verlag Albert Langen / Georg Müller, München 1933. (368) Aus dem Reichtum der über 250 Erzählungen des verstorbenen deutschen Meisters der Novelle wurden einige dreißig ausgewähll. Deutsch sind diese ernst- hasten und heiteren Geschichten aus deutscher Der- aangenheit und Gegenwart nicht im Sinne ober­flächlicher patriotischer Tendenz, deutsch sind sie, weil sie in schönster Anschaulichkeit und Einpräg­samkeit BUder deutscher Art und deutschen Wesens, Bilder deutschen Menschentums vermitteln, in der farbigen Vielfalt seiner verschiedenen Erscheinungs­formen: von der Werkleidenschaft des Künstlers bis zur Versenkung in die Beschaulichkeit des Märchen­erzählers: von der Alltagstreue des einfachen Men­schen bis zum strahlenden Heldentum des alt­deutschen Recken und des Weltkriegssoldaten: vom demütigen Sichbescheiden eines in Gott und der ewigen Schöpfungsordnung ruhenden Lebens bis zum faustischen Ringen um den Sinn und die Er­kenntnis dieses Daseins.

Hans Carossa: Führung und Ge­leit. Ein Lebensgedenkbuch. 190 Seiten. Im Insel- Verlag zu Leipzig, 1933. (410) Dieses Buch, aus dem wir vor kurzem einen Abschnitt in der Unterhaltungsbeilage veröffentlicht haben Ca- rosfa selber hat seinerzeit im Goethe-Bund einiges daraus gelesen scheint uns zu den bedeutsamsten Erscheinungen zu gehören, die das deutsche Schrift­tum in diesem Jahre hervorgebracht hat: echtes Werk eines Dichters, geschrieben in einer edeln, ein- Sachen, gleichsam von innen her durchleuchteten Zrosa, die zum Besten gehört, was wir heute in )eutschland besitzen. Hier gibt ein Mann, der erst sehr spät mit seinem Werk ins Volk gedrungen ist, Bericht von feinem Leben, das ist: von feiner menschlichen und künstlerischen Entwicklung, vom Persönlichen, das bisher immer in seinen Büchern und hinter ihnen verborgen blieb. Führung und Geleit: mit diesen beiden Worten ist schon ange­deutet, wie fern jeder selbstgefälligen Spiegelung Carossa über sich selber spricht, und wie sehr sein Lebensgedenkbuch ein Buch des Dankes geworden ist an die Menschen und Mächte, denen er sich verbunden und verpflichtet fühlt, die an der For­mung seiner Persönlichkeit mitgebildet und ihn auf seinem Wege geführt und begleitet haben. Was die menschlichen Begegnungen betrifft, die für Carossas Entwicklung von Bedeutung sind und vielleicht ent­scheidend wurden, so findet man neben ganz unbe­kannten sehr erlauchte Namen; zu den schönsten und innerlichsten Stellen des Buches gehören jene, wo von Rilke, George und Hofmannsthal die Rede ist. Was aber die überpersönlichen Eindrücke und Er­lebnisse angeht, so erhebt sich inmitten des Weges, der aus frühester Kindheit auf die Höhe männlichen Lebens führt, als eine ungeheure Wende der Krieg. Gereift und verwandelt gehr Carossa aus diesem Erlebnis hervor, kehrt heim in die alten Grenzen und Bindungen seines Daseins, beginnt von neuem da, wo er abbrach und auszog. Das Ende dieses Weges ist bezeichnet durch eine fast unmerkliche Vertauschung: Führung und Geleit sind übergegan­gen aus den Händen der alten und meist schon ge­storbenen Freunde als Verpflichtung und Aufgabe an Carossa selber, desien dichterisches Werk, über das ärztliche hinauswachsend, sich vertiefend und reifend, einer jüngeren Generation geliebter und dauernder Besitz geworden ist.y

Friedrich Schnack: Klick aus dem Spielzeugladen. Roman für das große und kleine Volk. 193 Seiten. Im Insel-Verlag ju Leip­zig. (357) Das neueste Buch des fränkischen Dichters Friedrich Schnack, dessen Werk seit einiger Zeit vom Insel-Derlag übernommen wurden, ent­hält eine überaus reizende Erzählung, in der sich dichterische Phantasie und nüchterne Wirklichkeit unserer Zeit auf eine herzbewegende Weise mit­einander verbinden. Dies ist nämlich die Geschichte vom verlorengegangenen und wicdergefundenen Lotterielos des zwölfjährigen Knaben Nikolaus, Senannt Klick, aus der Webergasse in Dresden. Klick t ein so fixer, gescheiter und tapferer Junge, daß wir ihn sogleich liebgewinnen, samt seiner kleinen und nicht minder armen Freundin Ali (mit der er durch ein Kindertelephon quer über die Straße ver­bunden ist), demHustenonkel" und dem Kapitän Sajsasraß; das sind zwei Figuren, die geradezu bei Andersen vorkommen könnten, und wenn das Ganze auch zuweilen in der Tat wie ein Märchen zu lesen ist, so sind doch wiederum die Schneeballschlacht auf dem Altmarkt und die Affenjagd über die Dächer, um nur einige besonders erfrischende Szenen her- auszugreifen, von herzhafter Naturnähe. Und worum sollte es übrigens in unserer nüchternen Zeit nicht auch einmal vorkommen, daß ein armer Bub, der es brauchen kann, in der Lotterie gewinnt und sein Glück macht? Jedenfalls ist es eine wun­derhübsche Vorstellung und so anmutig zu lesen, daß wir für große und kleine Leute kaum ein passen­deres Weihnachtsangebinde vorzuschlagen wüßten, als diesen .Klick aus dem Spielzcugladen". Er wird überall unter dem Christbaum willkommen sein.

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Wilhelm Schäfer: E i n Mann na­mens Schmitz. Novelle. (Die Kleine Bücherei", Band 28.) In Pappe geb. 80 Pf. Albert Langen / Georg Müller Verlag, München 1934. (485) Wie Vater Schmitz aus Köln als Freiwerber für feinen Sohn ins Haus des reichen Schweizer Ge­schäftsfreundes kommt, wie fein Plan an mancher­lei Mißgeschick scheitert, er selbst aber das Beste für sich gewinnt, die Hand der dienenden Landsmännin, und damit einen neuen Inhalt für fein eigenes ver­waistes Haus und Herz, das erzählt Wilhelm Schä­fer mit wundervoller Meisterschaft in dieser form­schönen, warmherzig heiteren und dabei vielsagen­den neuen Novelle

Wilhelm Kohlhaas: Der Häupt­ling und die Republik. Die Geschichte eines Irrtums. 282 Seiten. Kart. 4,50, Seinen 5,80 Mk. I. Engelhorns Nachf., Stuttgart. (379) Dieser Roman, mit dem ein bisher unbekannter Schrift­steller sich sympathisch und zeitaerecht einführt, erin­nert, trotz manchen Unterschieden, in Thema und Haltung an zwei früher erschienene Bücher, die Landsknechte" von Gilbert undDie Geächteten" von Ernst von Salomon. Es ist ein Kriegs- und Nachkriegsroman, spielend im Jahrzehnt zwischen 1916 und 1926; im Mittelpunkt der außerordentlich bewegten Handlung steht die prachtvolle Gestalt des Häuptlings", des Kompanieführers der Elften von den Herzogin-Grenadieren. Vorbildlicher Typus des deutschen Frontoffiziers, der nicht nur im Graben, sondern auch in der Revolution, im Bürgerkrieg und hoffnungslosen Chaos dec Heimat seinen Mann

steht und den schweren und einsamen Weg in eine ueffere Zukunft des Vaterlandes sucht. Eine heiße und kämpferische, wiewohl ganz nüchtern und phra­senlos sich äußernde Liebe zu Deutschland durch­zieht alle Schilderungen dieses Buches, das ohne etwa als Schlüsselroman gelten zu wollen be­wußt vom Erlebnis der Gegenwart aus die letzten Jahre und Jahrzehnte rückschauend überblickt und in ihnen schon die Keime dessen aufspürt, was wir an grundlegender Umwälzung im neuen Reich so­eben sich vollziehen sahen. Man liest das Buch in heftiger Spannung und innerlich beteiligt in einem Zuge zu Ende, was wir aussetzen möchten, sind einige Lässigkeiten (frägt" undfrug") des im übrigen lebendig-anschaulichen, temperamentvollen und oft witzigen Stils; außerdem dies, daß das Ende desHäuptlings", wie Kohlhaas es schildert.

zwar einen wirkungsvollen Abschluß des Romans ergibt, aber nicht eigentlich notwendig ist. y

Hans Brandenburg: Pankroz der H i r t e n b u b. 252 Seiten. Gebunden 3 Mark. Ver­lag C. Bertelsmann in Gütersloh. (388) Pankraz der Hirtenbub" ist ein köfUiches Buch, in dem der Dichter seiner Wahlheimat Oberbayern als Zeichen der Liebe das schönste Geschenk darbringt. Die Fabel, Szenen aus dem Leben eines kleinen oberbayerischen Hirtenbuben, ist klar und schlicht. Das Buch hat auch etwas von der schönen, innigen Frömmigkeit und Sittlichkeit alter Legenden. Kern- Haftes deutsches Volkstum und märchenhafte deutsche Landschaft haben hier ein dichterisches Denkmal er­halten, wie wir nicht allzuoiele in der Literatur besitzen.

Aus fremden Literaturen.

Anton Coolen: Brabanter Volk. Roman. Aus dem Niederländischen übertragen von Elisabeth und Felix A u g u ft i n. 250 Seiten. Im Insel-Derlag zu Leipzig. (254) Mit diesem Buche stellt der Insel-Derlag einen holländischen Dichter vor, von dem man in Deutschland bisher nichts gehört hatte, der aber in seiner Heimat be­reits zu großer Anerkennung gelangt ist. Wenn man den Roman mit den Büchern der auch bei uns bekannten zeitgenössischen Landsleute von Coo­len vergleicht, so wird man zwar die ursprüngliche Heiterkeit und überquellende Lebensfreude der Schilderungen von Timmermans und Ernest Claes vermissen, dafür aber jene gesunde, im Volke wur­zelnde Bodenständigkeit finden, die eben heute wie­der als grundlegende Voraussetzung jeglicher künst­lerischer Gestaltung nachdrücklich gefordert wird. Coolen erzählt sehr schlicht, ganz unpachetifch, manchmal ein wenig umständlich vom geruhigen Leben einer kleinen Landgemeinde in Brabant. Er setzt die GestaUen und ihre Schicksale mit Bedacht, zuweilen ein wenig unvermittelt, nebeneinander. Sein Buch hat nicht eigentlich die innere Rundung dessen, was wir als Roman bezeichnen, sondern es wirkt eher wie der Ausschnitt aus einer bäuer­lichen Chronik. Inmitten steht das doppelt abge- wandelte, alte Motiv der Frau zwischen zwei Män- nern; die Lösung ist in beiden Fällen, bei aller Gegensätzlichkeit, überraschend: beide Male wird das beschaulich-bukolische Idyll dieser kleinen Bra­banter Welt von einem grausamen und unbegreif­lichen Schicksal überschattet. So rundet sich aus hel­len und dunklen Szenen ein naturnahes Bild vom Leben des Brabanter Volkes; und gerade die ftillften Gestalten der kleinen Gemeinde, der gute Pfarrer Vogels, der einsame und wunderliche No- tar Rosarius van Heijste (der aus der Welt der

Delphine" stammen könnte) und der arme Zimmer­mann Dorus Timmer mit seinen zwölf Kindern blei­ben uns am lebendigsten im Gedächtnis.y

Selma ßagerlöf: Herrn Arnes Schatz. Erzählung. (Die kleine Bücherei", Band 26.) In Pappe geb. 0,80 Mk. Albert Langen/Georg THiüer Verlag, München. 1934. (484.) Eine der berühmtesten Novellen der Weltliteratur. Un­heimliche Ahnungen und ungeheuerliches Geschehen, Hellsehen, Mordtat, Naturgewalten, das Wirken der Unterirdischen, Liebestod, Sühne: eine Schrek- fensfammer von Erscheinungen wird durch die Kunst einer gottbegnadeten Dichterin zum sinnbild­haften Ausschnitt aus dem großen sittlichen Welt- ganzen.

Sigrid Unbfet: Ida Elisabeth. Roman. Herausgegeben von I. Sandmeier. 446 Seiten. 8°. Geh. 5,10, Leinen 6,80 Mk. Rütten & ßoening Verlag, Frankfurt a. M., 1934. (475) Dies ist die Geschichte einer Ehe, in welcher der Mann der Frau nicht ebenbürtig ist. Die Ehe wird geschieden, die Frau stellt sich auf eigene Füße, um ihren beiden Kindern eine Existenz zu schassen. Noch jung und reizvoll, weckt sie die Liebe eines Mannes, wie sie ihn sich wünscht. Aber sie erkennt auch, daß in einer neuen Ehe ihre Kinder zu kurz kommen würden; die Liebe zu ihnen und ein starkes Verantwortungsgefühl geben den Aus­schlag: sie überwindet sich und verzichtet auf das eigene Glück, um ganz ihren Kindern zu gehören und nur Mutter zu bleiben. Sigrid Unbfet hat das Problem, das ihrem Wesen und ihrer Art zu schreiben, besonders entgegenfommen mußte, mit Freimut und psychologischem Feingefühl gestaltet. Den zahlreichen deutschen Freunden der Unbfet wirb biefes neue Buch, bas gerabe rechtzeitig vor Weihnachten erschien, eine willkommene Gabe fein.

Politik Und Geschichte.

Johannes Lehrmann: Der Vater des Vaterlanbes, Wilhelm I. von Oranien. Ein Heldenleben in 163 Bildern mit verbindendem Text nach Motley, Schiller, Rachfahl und Dönges. Helingfche Verlagsanstatt Leipzig C 1, Preis 3 Mark (313) Die 400. Wiederkehr des Geburtstages Wilhelms von Oranien hat bewirkt, daß eine umfangreiche Literatur sich des großen Patrioten und Staatsmannes bemächtigt hat. Eines der intereffanteften Bücher davon ist bas vorlie­gende, weil es einen ganz außerordentlich reichen und vielseitigen Bilderschatz zusammenträgt und durch geschickt ausgewählten Text aus klassischen Werken sinnreich gruppiert. Von den Künstlern seien nur Knackfuß, Kaulbach, Fahrenkrog und Ar­tur Kampf genannt. Es ist auf diese Weife ein un­gewöhnlich anschauliches Lebensbild des großen Dranters entstanden, zugleich aber auch eine ein­drucksvolle Gesamtschiloerung des Freiheitskampfes der Niederländer gegen die spanische Fremdherr­schaft. Heute, wo wir wieder ein Gefühl für heroische Gestalten und ihre Wirkung in der Ge­schichte bekommen, ist es nicht verwunderlich, daß gerade Wilhelm von Oranien und sein zähes Rin­gen um die 'Befreiung feiner holländischen Wahl- Heimat besonders in der deutschen Jugend die größte Anteilnahme findet. Dor allem auch hier bei uns im Lahntal, nur wenige Stunden entfernt von Dillenburg, der Geburtsstätte des niederlän­dischen Helden.

Walter Frank: Nationalismus und Demokratie im Frankreich der dritten Republick 18 7 1 bis 1918. Preis broschiert 10,50 Mark, in Seinen 12,50 Mark, Han­seatische Berlagsanstalt, Hamburg. (213) Auf breitester Basis wird hier nach sorgfältigen Quellen- ftubien der Versuch unternommen, das Gegenein­anderwirken der parlamentarischen und antiparla- mentarischen Kräfte im Frankreich der dritten Re­publik dazustellen Durch 50 Jahre hindurch beherr­schen hin- und herwogend die gleichen- Spieler die politische Bühne Frankreichs: Advokaten und Jour- naliften als Deputierte und Minister, häufig genug nur Strohmänner der allmächtigen Hochfinanz ober der Industrie. Sie sind die Hauptträger des demo­kratischen Gedankens und die Verteidiger der in den ersten Jahren nach dem verlorenen Krieg von 1870/71 nur mühsam ihr Leben fristenden Repu­blik gegen den Ansturm der Klerikalen und Man- archisten verschiedenster Observanz. Es ist ungemein reizvoll, dieses Gegeneinanderspiel der politischen Kräfte im einzelnen an der sicheren Hand des Der- sassers zu verfolgen, wenn es auch nicht immer leicht ist, in all den Einzelheiten, die der Verfas­ser mit Bienenfleiß zusammengetragen hat, einen festen Standpunkt zu bewahren. Das Werk ist für uns Deutsche nicht allein deshalb von besonderem Interesse, weil wir heute am Ende eines ähnlichen Kampfes stehen, der anders als in Frankreich die antiparlamentarischen Kräfte zum Siege geführt hat, sondern auch schon rein hifiorisch deshalb, weil in diesen 50 Jahren das deutsch-französische Ver­hältnis auch auf die innere Politik der dritten Re­publik von ungemein starkem Einfluß war. Das Ringen Gambettas um die Macht war ein Kampf Segen Bismarck, der von dem Hochkommen des gro- en Volkstribunen eine neue Erschütterung des europäischen Friedens befürchtete. Nicht minder stand die Boulanger-Affäre unter dem Stern der deutsch-französischen Beziehungen, und ebenso spiel- ten diese bekanntlich auch in die Dreysus-Lffäre hinein, ba ja ber Hauptmann Dreyfus unter ber An- klage ftanb, Spion des deutschen Militärattaches I in Paris gewesen zu fein. Namentlich dieses letz- 1 tere Kapitel ist an Hand des Quellenmatcrials sehr

eingehend behandelt worden. Der Panamaskandal, die Erstarkung des französischen Nationalismus unter Maurras, Drumont und Maurice Barrös run- den das Bild, das Walter Frank ungemein farbig und plastisch hier von der dritten Republik gegeben hat.

Bogislav von Selchow: Der beut- s ch e Mensch. Zwei Iahrtausenbe beutscher Ge­schichte. K. F. Koehler Verlag, Leipzig. Ganzleinen 5,80 RM. (381.) Deutscher Art in ber Ge­schichte nachzuspüren ist bie Ausgabe, bie sich Sek- chow gestellt hat. Er selbst, ber noch als Fregatten­kapitän seinen Dr. ber Geschichte summa cum lande macht, Abgott ber Marburger Stubenten wirb, an ihrer Spitze ben Spartakisten ein schweres Gefecht liefert ift in Wesen unb Wirkung urbeutsch. Dichter unb Forscher reichen sich in femepi Schaffen die Hanb, unb so bietet Selchow mehr als einen ge­schichtlichen Ueberblick über beutsche Vergangenheit; er gibt einen Begriff bavon, wie ber beutsche Mensch war unb würbe unter ben Einflüssen, bie während zweier Iahrtausenbe seine Entwicklung bebingten. Selchow erkennt bas Heraufziehen eines neuen Zeit­alters, bas beherrscht wirb burch bie Blut- unb Schicksalsverbundenheit des ganzen Volkes. Das Buch legt man nicht aus ber Hanb, ohne einen starken Eindruck von der Gestaltungskraft, dem Wis­sen und dem idealen Schwung des Verfassers zu bekommen.

Edgar I. Jung: Sinndeutung ber beutschen Revolution. Verlag Gerharb Stal- ling, Oldenburg i. 0., Stalling-BüchereiSchriften an die Nation , Doppelbanb 55/56, Preis gebunden 1,60 RM. (374) Aufstand von Blut und Seele wider Intellekt unb Doktrin, Heraufkunft eines neuen Wertmaßstabes im Geistigen sind dem Ver­fasser Gehalt und Ziel der großen Bewegung, die bas deutsche Volk bis ins Innerste ergriffen hat. Die unerläßliche Vorbedingung jeder schöpferischen Polittk ist ihm eine neue Gläubigkeit im trans­zendentalen Sinne, die zu der Alternative führt: Untergang des Abendlandes oder Wiederverchrist- lichuna, Gegenreich ober Reich".

Moeller van den Bruck: Der poli­tische Mensch. Herausgegeben o. Hans Schwarz. Wilh. Gottl. Kom Verlag, Breslau. Lein. 2,80 Mk. (305.) Moeller van den Bruck ist der geistige Borbereiter der nationalen Revolution Darum kommt dieser neue Band zur rechten Zeit. Der äußere Ablauf ber Revolution ist beenbet. Jetzt muß bie menschliche Erneuerung folgen. Dazu brauchen wir ben Typ bes politischen Mensch-n, der nicht eines ideologischen Gerüstes bedarf, der aus Substanz heraus Das Gefühl fürMetaphysik der Wirklichkeit" besitzt.

Carl Haensel unb Richarb Strahl: Politisches ABC des Neuen Reichs. Schlag- unb Stichwörterbuch für den deutschen Volksgenossen. Steifkartoniert ILO Mark. I. Engel­horns Nachf. Stuttgart. (295.) Heute kommt es in erster Linie Darauf an, baß alle Volksgenos- fen über bie Elemcnlorbegrine bes neuen Reichs Bescheid wissen, und Hand aufs Herz! wer weiß wirklich Bescheid? Da wird im Freundes- ober Familienkreis, am Biertisch unb im 6af< über ständischen Aufbau, über Gleichschaltung, über bas Raffenproblem unb ähnliche Dinge debattiert, aber die wenigsten Leute wisfen wirklich genau Bescheid. Es war ein ausgezeichneter Gedanke, die wichtig­sten Schlagworte in knapper, leicht verständlicher Form und in alphabetischer Reihenfolge in Form eines kleinen Wörterbuches barzustellen, bas an Stelle abgebrochener Schlagworte handfestes Ma­terial. gestützt auf genaue Kenntnis ber wirklichen Verhältnisse unb unwiderlegliche Zahlen bietet

Lltther-Echlifien.

D. Dr. Hans Schmidt, Professor in Halle a. S.: Luther und das Buch der Psal­men. Ein Beitrag zur Frage ber Wertung bes Alten Testaments. (Sammlung gemeinverständlicher Borträge und Schriften aus dem Gebiet ber Theo­logie und Religionsgeschichte 167). 1933 60 S. 8*. ILO Mk., in der Subskription ILO Mk. I. C. B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen. (481) Der Vortrag bes Hallenser, früher in Gießen wirkenden Ideologen Hans Schmidt, gibt ein Bild der Be­schäftigung Luthers mit ben Psalmen von feiner erften Vorlesung (1513) an bis in die Nacht feines Sterbens hinein. Luthers Ringen mit der Sprache bes Psalmenbuches und seine Art der Auslegung werden an Beispielen anschaulich. Daß Luthers evangelische Erkenntnis gerade aus feinen Pfalmen­studien erwächst, daß auch fein Beruf, die Bibel zu einem deutschen Volksbuch zu machen, von ihm zum ersten Mal und immer wieder gerade gegenüber ben Psalmen empfunden wird, daß sich Luthers eig­nes geistiges Bild in feinem deutschen Psalter spie- gelt, wird ins Bewußtsein erhoben. Ungejucht ge- roinnt ber Vortrag Damit die Eigenschaft eines Bei- tages zur Frage ber Wertung des Alten Testaments auch im deutschen Protestantismus der Gegenwart.

L uther-FIbel, von Paul Schütz. Ganz­leinen 3,80 Mk., kart. 3 Mk. Wilh. Gottl. Korn-Ver- lag, Breslau. (428) In diesem Buche spricht Luther zu unserer Zeit von Gott, vom Menschen und vom Christen, von Obrigkeit, vom Kriege unb Frieben, vom Staat, von Kirche unb Wirtschaft, Aber auch von Schöpfung unb von Tod, vom Anti- christen unb vom Enbe Der Wett. Diese Fibel will bem lebenbigen Menschen bienen. Aus ihr spricht Luther zu bem vielbeschäftigten Laien, bem denken- ben Arbeiter unb Bauern, bem jugendlichen Vor­kämpfer bes neuen Deutschland» auf ber Hochschule unb in ber Werkstatt. Iebe anbere Absicht, vor allem literarischer ober wissenschaftlicher Art, liegt ihr fern, ber Herausgeber nimmt feit Jahren am Kampf um bie religiöse Erneuerung Deutschlands teil.

Martin Luther, der Reformator ber Deutschen. Sein Lebensbild zur 450. Wiederkehr seines Geburtstages von D. Dr. Herrn. Priebe. Verlag von Martin Warneck, Berlin. 50 Pf. (338) In volktümlicher Art zeichnet ber Der- faffer bas Leben Luthers Wir begleiten ihn aus bem Elternhaus in bas Kloster zu Erfurt, nach Wit­tenberg, Rom. Dann folgen Abschnitte, welche ben Anschlag ber 95 Thesen behanbeln, bie Verbrennung ber Bannbulle, fein Bekenntnis in Worms. Wei­tere Kapitel behandeln: Luther und ber Bauern­krieg, Luthers Heirat unb Familienleben, Luther schreibt ben Katechismus, Luther in ben letzten zwanzig Jahren unb fein Tob. Dem Bänbchen ift weile Verbreitung in Familie unb Schule zu wünschen.

Die Wahrheitsmacht bes schlichten Evangeliums im kleinen Katechismus Luthers. Ein Gruß aus Wittenberg von Pfar­rer Dr. 0. Kleinschmibt. Verlag von Martin Warneck, Berlin. 20 Pf. (338) Der Verfasser nimmt ben ursprünglichen Luthertext und gibt dazu bei ben Geboten immer neben ber Erklärung eine Parallele aus dem Neuen Testament. Bei bem 2. Hauptstück neben bem Text unb Luthers Erklärung ein Wort Jesu unb wieber heutige Christ" die Erklärung etwa fassen würbe. Nach ben weiteren Hauptstücken kommt noch als AnhangDas Tat­christentum ober bie Früchte ber Gerechtigkeit als Kennzeichen lebendigen Glaubens".

Reue Lexika.

Snaurs Konversations-Lexikon. Don A bis Z in einem Band. Völlig neubearbeitete Ausgabe 1934. 37 000 Stichwörter. 2600 Illustratio­nen. 75 einfarbige unb bunte Tafeln unb gcogra- phifche Karten. 50 Uebersichten. 100 mehrteilige sta­tistische Schaubilder im Text. Verlag von Th. Knaur Nachf., Berlin. (488) Di« Neuausgabe 1934 (Preis wieder 2,85 Mark) stellt sich bar als eine völlig burchgreifenbe Umgestaltung bes beliebten Buches. Es sind nicht nur Versehen berichtigt unb einige Neueinschaltungen vorgenommen worden, sondern der gesamte Text ist neu gesetzt, zu einem erheblichen Teil neu bebildert unb inhaltlich wesent­lich neu gestaltet. In befonberem Maße ist bie große Umwälzung burch bie nationalsozialistische Revolu­tion in Deutschlanb berücksichtigt. Wir heben, außer den Lebensdaten ber führenben Männer, bie zum Teil auch in vorzüglichen Porträts erscheinen, die großen Uebersichten: Nationalsozialismus (mit Pro­gramm, Geschichte ber Partei, Tafel der Abzeichen, Aufbau der Organisationen) usw. hervor, ferner o2L unb SS, Deutsche Arbeitsfront, Freiwilliger Ar­beitsdienst, Germanen, Luftschutz. Auf dem Gebiet ber Wirtschaft fallen neben ben durchweg neu ge­stalteten echaubilbern besonders die großen farbigen Wirtichaftskarten, Deutschland im Welthandel, Deutsche Landwirtschaft, Bodennutzung unb Vieh­haltung unb bie Wirtschaftskarte ber Bereinigten Staaten auf. Die Bearbeitung ber Stichworte reicht bis in bie allerletzte Gegenwart; sogar das Schrift- leiteraesey vorn Oktober d. I. ift ausführlich behan­delt. Aus ber Fülle ber sonstigen Nachrichten heben wir noch hervor: das Roosevelt-Programm, Man- dschukuo, Rasse, Auslese und Vererbung, Foschis- mus usw.

Das Lexikon ber Gesundheit. (Ein Staktischer Ratgeber für gesunde und kranke Tage, icarbeitet von Aerzten und ooberen Sachverstän­digen. Mit über 300 Abbildungen. Im Bertoa Ull­stein, Berlin. (498) Das Lexikon will nicht den Arzt ersetzen, warnt vielmehr vor verhängnisvoller Selbstbehandlung in Fällen, die vor ben Arft ge­hören. Es forat vielmehrdafür, daßzu Hause" alles richtig gemacht wird, ist ein treuer Ratgeber in guten und bösen Tagen, weist ben Weg zu Gesund­heit unb Lebensfreude! Das Lexikon sagt alles,^was der Mensch von seinem Körper und seiner Seele wisien muß unb weiß für jede Schwierigkeit Rat! Unmittelbar aus der Praxis heraus entstanden, ist es ab gestellt auf die praktischen Bedürfnisse des täg­lichen Lebens! In 5600 Stichworten gibt es seine Auskünfte, 300 Bilder machen bas Gesagte noch deutlicher Es ist vielseitig, spricht auch über Kinder- pflege, Sport unb Turnen, -Schönheitspflege und richtige Ernährung, Arztgebühren, Krankenversiche­rung unb vieles andere. Es ist ganz modern und be­rücksichtigt ausführlich auch die großen Umwälzun. gen auf bem Gebiete der öffentlichen Gesundheits­pflege, die bas Jahr 1933 gebracht hat (Bevölke- rungspolitik, Rasienhygiene, Familienforschung usw.) Es kostet in vorzüglicher Ausstattung als Ganz- leinenbanb nur 3 Mark.