Montag, U. September 1953
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)
Nr. 212 Zweites Blatt
Kapitän Paul König f
260000 Vosibeomte bekennen sich zum neuen Deutschland
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Bad-Naaheim, Ku- slraBel?ene6i0inUe oei trauliche Privat-
Der verdienstvolle Führer des Fracht-U-Bootes „Deutschland", das er im Weltkriege mehrere Male durch die feindliche Blockade hindurch- führte, und mit dem er Rohstoffe von Amerika nach Deutschland brachte, ist, 66jährig, gestorben.
Im Berliner Sportpalast fand eine gewaltige StuiiugeDung öei Relchsfachgruppe „Post im DBB. statt, die 260 000 männliche und weibliche Beamte umfaßt. Alle Redner brachten den festen Willen zum Aus- druck, unter Führung des Bolkskonzlers Adolf Hitler am Neuaufbau des Reiches mitzuarbeiten. — Unser Bild zeigt den Einmarsch der Fahnen. Born zwei Postbeamte in der alten Postillion-Uniform.
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Zwischen Sternenbanner und Sowjetstern
OaS Weitertreiben der kubanischen Revolution.
Flugpostdiief unseres K B.'O.'Äerichterftatters.
SA-I^eit- und Zahrturn.er in Biedenkopf.
WEN. Biedenkopf, 12. Sept. Die S A. • Standarte 88 trat am Sonntag in Biedenkopf mit einem Reit - und Fahrturnter an die Oeffentlichkeit, das die erste derarrige Beran- staltung der SA. im weiteren Heimatbezirk war und in seinem glänzenden Verlaus besonders auch deshalb hoch zu bewerten ist, weil ein großer Teil der SA.-Reiter noch nicht lange aus ländlichen Reiteroereinen in die Reiterscharen eingegliedert wurde, ein anderer Teil erst vor wenigen Wochen gebildet wurde und nur wenige Uebungsslunden durchführen konnte.
Das Turnier nahm seinen Auftakt mit einem Kommers am Samstag. Standartenführer Dr. Römer sprach kurze Begrüßungsworte und betonte, daß es ihn mit Stolz erfülle, daß die von ihm immerhin gewagte Veranstaltung innerhalb der benachbarten SA.-Reiterstürme so freudigen Entlang gefunden habe. Sturmbannführer Bürger- meister Jäger gab in kurzen Worten seiner Freude darüber Ausdruck, daß diese erste reiter- sportliche Veranstaltung der SA. in den Mauern Biedenkopfs stattfinde, das, wie so oft schon, zusam- men mit dem gesamten Hinterland seine treue Einstellung zum Führer und zum neuen Reich bewiesen habe.
Spukgeschichte.
Von Hans Vethge.
Im letzten Herbst war ich gus das Gut einer mir befreundeten Familie von Flügge in Thüringen eingeladen. Ich fuhr hin, und der Hausherr mit feinem jungen Sohn Konrad holten mich in einem Jagdwagen von der Bahnstation ab. Wir fuhren eine Weile durch welliges, freundliches Land, dann tauchte der Gutshof am Rande eines uralten Parkes auf, und endlich rollten wir über die Rampe des Herrenhauses, das von einem kleineren, weißen, zweistöckigen Gebäude, dem behaglichen Kavalierhaus, flankiert war.
Nach dem Tee, der im Park am Rande eines Weihers eingenommen wurde, geleitete mich mein Gastgeber durch seinen schönen Besitz. Besonders stark wirkte das Kavalierhaus auf mich. Die Einrichtung der unteren Räume stammte aus neuerer Zeit, die oberen Räume dagegen, zu denen eine Treppe mit schlankem Geländer führte, waren mit Möbeln aus verklungenen Epochen ausgestattet. Reizend vor allem war ein hellblaues, zweifenstriges Zimmer mit weißen, goldverzierten Möbeln des 18. Jahrhunderts, die Stühle und das Sofa mit grofjgeblümten Seidenstoffen bezogen.
„Entzückend," sagte ich, als wir das Zimmer betraten, „hier würde ich gern wohnen."
„Gewiß", entgegnete Herr von Flügge, aber ich fühlte, er sagte es ein wenig zaudernd, und mir schien, daß eine kleine Verlegenheit über sein Ant- ljtz huschte. „Nur hat es mit diesem Zimmer eine merkwürdige Bewandtnis. Es ist das ehemalige Zimmer unserer Tante Betty: die Leute sagen, es spukt darin."
Ich lächelte ungläubig. Er machte eine Bewegung, die mich einlud, auf dem Kanapee Platz zu nehmen, und nachdem er das eine der von duftigen Mullgardinen eingefaßten Fenster geöffnet hatte, setzten wir uns.
„Tante Betty," fuhr er fort, „war eine jüngere Schwester meines Vaters, und ich erinnere mich ihrer aus meiner Kindheit mit aller Deutlichkeit. Sie war eine Schönheit, dennoch blieb sie unverheiratet. Sie hatte als ein junges Ding eine schlechte Erfahrung mit einem ihrer Verehrer gemacht, (eit-
her. Jede Bewegung im Hafen, jede Rauchfahne am Horizont wurde als eine amerikanische 3 n • t e r d e n t i o n gedeutet, erregte Hoffnung und Befürchtungen und peitschte die allgemeine Unruhe immer mehr auf. Die Intervention tarn n ich t, und der neue Präsident schien sich damit zu begnügen, an Stelle Machados im Grunde genommen nur dessen Funktion auszuüben und im übrigen die Dinge möglichst beim alten zu lassen. Die öffentlichen Gewalten fingen wieder an zu arbeiten, Plünderungen und Brandstiftungen wurden abgestoppt, und so fühlten sich her Mob, aber auch aussührende Teile dieser öffentlichen Gewalten, Soldaten und Polizisten, um die erwarteten Früchte der Revolu- tion betrogen.
Die Propaganda, die sich gegen Amerika richtet, nahm immer schärfere Formen an. Der amerikanische Gesandte, gestern noch als Freund der kubanischen Befreiung begrüßt, sah sich in die Notwendigkeit versetzt, Schutz für das Gesandtschaftsgebäude anzufordern, und vor einer Reihe von amerikanischen Firmenhäusern, besonders vor den Verwaltungspalästen der Zuckerindustrie kam es zu unmißverständlichen lärmenden Demonstrationen. Amerikanische Bürger, alteingejcfiene Geschäftsleute, die noch kaum vor einer Woche im Freudenjubel der ersten Tage umarmt und gefeiert worden waren, konnten jetzt nicht einmal mehr ihres Lebens sicher jein, wenn sie sich auf die Straße wagten. Auf die sozialen Forderungen hatte die CRN. geschickt die nationalen und nationalistischen Forderungen aufgepfropft, und so gelang es ihr sogar, den inneren Zusammenhalt der ABC. zu sprengen und die jugendlichen Elemente und vor allem die Studenten für die „zweite Revolution" einzuspannen. Wohin die Dinge noch und wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen treiben, das ist von hier aus nicht ab'uiehen. Aber daß die Alternative, die jener flüchtige Porrist stellte, hundertprozentig zutreffend ift, daran ist schon nicht mehr zu zweifeln. Cespedes ist nicht der Mann, der den Dingen gewachsen ist, Machado — auch das gehört $u den Paradoxen dieser Revolution - wäre es vielleicht gewesen, wenn er nicht im entscheidenden Augenblick die Nerven verloren und Amerika ihn hätte fallen lassen. Seine Leute regen sich zwar wieder, aber an eine Rückkehr des alten Regimes ist trotzdem nicht zu denken. Die neue kommunistische Bewegung, die aus der Hefe der Hafenviertel aufsteigt, ist bereits eine greifbare Gefahr und sie wird morgen eine Realität fein, wenn man in Washington noch länger mit entscheidenden Entschlüssen zögert.
wahrscheinlich, daß Cespedes selbst se i n e Zu - ft i m m u n g zu der Entsendung amerikanischer Kriegsschiffe gegeben hat, die bereits unmittelbar nach der Revolution nach Kuba hinbeordert wurden und die, wie sehr bald bekannt wurde, Abteilungen der amerikanischen Marine-Infanterie an Bord hatten.
Aber diese amerikanischen Kriegsschiffe sind entweder zu spät oder zu früh gerufen worden. Dieses Paradoxon wird verständlich, wenn man sich klarmacht, daß in der revolutionären Bewegung Kubas soziale und nationale Impulse sich Überschneiden. Cespedes befand sich in der Tat zwischen Skylla und Charybdes. Er brauchte die Amerikaner und die Amerikaner galten auch durchaus, dank der Tätigkeit des Herrn Melles, als die Freunde der Revolution. Aber es ist etwas anderes, diese Freunde fern zu wissen und sogar von ihnen soziale Erleichterungen zu erwarten, als sie vom Quai aus als bewaffnete Macht mit der Absicht am rücken zu sehen, Interessen eines als ausbeuterisch empfundenen Kapitals zu verteidigen und damit zugleich das blutige Vergnügen, daß eine feffellos gewordene Maffe nun einmal an der Rache und an allen anderen Brutalitäten jeder Revolution empfindet, zu stören. Es gab seit langem so etwas wie eine kommuni st i sch e Organi sation auf Kuba. Auch sie stutzte sich, ebenso wie die Opposition gegen Machado, auf einen Geheimbund, die CRR., die Celular Radical Revolutionaria, die — und das ist das besonders Bedenkliche — in Der Mannschaft des Heeres und der Polizei eine recht weite Verbreitung haben soll
Machado war der gemeinsame Feind Gegen ihn arbeitete man zusammen, aber kaum war er erledigt, so begannen die Kämpfe gegeneinander, Kämpfe, die nut mit dem Siea oder dem Untergang enden können. Wären die Amerikaner sofort dagewesen, hätten sie sofort, auf das Plattabkommen gestützt, die tatsächliche Macht in Kuba übernommen, so würde Cöspedes wohl die Zeit gewonnen haben, wenigstens einen Teil seines revolu. tionären Programms sichtbar zu machen. So aber schwirrten in der ohnedies dis zur Siedehitze erregten Stadt die unkontrollierbarsten Gerüchte um-
neben mir aus der Luft heraus ein eigentümlich klingendes Lachen. Erschreckt sah ich auf, das Blut schoß mir mit schnellen Stößen zum Herzen. Es war niemand zu sehen. Ich trat auf die Schwelle zum Nebenzimmer und sah in den rosaroten Raum hinein. Auch hier war niemand. Ich kehrte, einigermaßen verwirrt, zum Schreibtisch zurück und setzte mich, um weiterzuschreiben. Da sah ich zu meinem maßlosen Staunen, daß der Brief, den ich begonnen hatte, verschwunden war. Ein fader Geschmack kam mir auf die Zunge. Ich faßte mich an den Kops, war ich irrsinnig? Tausend Ideen sausten mir durchs Hirn, ich dachte an Suggestion, an Selbstbetrug, an den bewußten Betrug eines andern Voll Verzweiflung suchte ich immer wieder nach dem Bries. Vergebens, er war verschwunden, das war eine unbestreitbare Tatsache.
Herrn von Flügge wagte ich zunächst nichts zu erzählen. Ich ließ mir auch von meiner inneren Erreguna nichts merken und wand-rte mit ihm auf die Feldmark, wo er die neuen Rieselanlagen auf einer Wiese besichtigte.
Nach Tisch begab ich mich wieder auf mein Zimmer, mißmutig, seelisch bedrückt, ja, von Angst gequält, was nun geschehen würde. Ich setzte mich wieder an den Schreibtisch, legte die linke Hand fest auf den Briefbogen und schrieb mit aufgeregten Sinnen Plötzlich war mir, als rausche ein seidenes Kleid neben mir. Ich meinte einen feinen Luftzug zu spüren, als schritte jemand an mir vorüber. Dann klang das kichernde Lachen wieder auf, hell, etwas höhnisch, und verebbte. Ich biß die Lippen zusammen, sprang entsetzt auf, behielt den Briefbogen krampfhaft fest in der linken Hand, taumelte auf die Schwelle zum Nebenzimmer und starrte in dieses hinein. Nichts war zu sehen, alles war still. Meine linke Hand war wie gelähmt. Mir war, als stöben elektrische Funken durch sie hin, so fest umklammert hielt ich den Brief, damit er mir auf keinen Fall entschwände. Ich fetzte mich wieder an den Schreibtisch, legte den Brief vor mir nieder, sah ihn an, und nun erkannte ich zu meiner Verwunderung, daß ein ganz feiner brauner Rand, der vorher nicht dagewesen war, unregelmäßig um ihn herumlief, so, als habe eine Flamme an ihm entlanggezüngelt Diesmal bist Du mir wenigstens nicht entglitten, Dachte ich, unD fühlte noch immer ein elektrisches Prickeln in mei
ner eigentliche Turniertag am Sonntag rourDe eingeleitet mit einem P a t r o u i l l e n r e i t e n im Gelände unD mit Dem Uebungsreiten, Das bis gegen Mittag Dauerte. Nach einem Fest zug Durch Die Stadt fand Der Vorbeimarsch Der Reiterstürme vor Dem Brigadeführer Schütz- Dillenburg unD Dem StanDartenführer Dr. R ö m e r statt. Nach kur- zen Degrüßungsworten Des BrigaDeführers rourDen zunächst Die (leben Hengste Des ßanDge- 9 " * '" ' Der Reiterschar Dillen-
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- (Echluh folgt.)
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SA.-Führer.
Die Leistungen Der einzelnen Reiterscharen waren zum Teil hervorragend. Auch die Anfänger- Reiterscharen bemühten sich, ihr Bestes herzugeben und zeigten musterhafte Disziplin und anerkennenswerte Energie. Dor allem lösten Die Spring- und Dressuroorführungen des Marbur- ger Amazonenkorps und das Jndeckunggehen eines Pferdes, sowie das Springen über ein startbereites Motorrad und über Hürden besonderen Beifall aus.
dem hielt sie sich von den Männern fern und wies alle Bewerbungen, an denen es nicht fehlte, ab. Als sie schon Mitte der Dreißig war, brach Die Katastrophe über sie herein. Sie war einen Winter über bei DerwanDten in Der StaDt, um Gesellschaften unD Theater zu besuchen, lernte Dort einen Grasen Holck kennen, Husarenrittmeister unD 'n gleichem Alter wie sie, eine strahlenDe Erscheinung Die beiDen faßten eine heftige Neigung zueinanDer, unD es kam zur Verlobung. Doch Tante Betty war roieber an Den Unrechten gekommen. Gerade vierzehn Tage, nachDem sie Die StaDt verlassen hatte, empfing sie in Diesem Zimmer einen Brief ihres Verlobten, Der eine kalte Absage war Sie lachte über Den Brief, zerriß ihn, unD seit jener StunDe war ihr Wesen völlig oeränDert. Sie rourDe scheu unD suchte Die Einsamkeit, man hörte sie zuweilen Selbstgespräche halten, Die sie Durch ein kicherndes, unheimliches Lachen unterbrach, sie war zu uns Kindern nicht mehr so freundlich wie sonst, und wir begannen uns vor ihr zu fürchten. Sie lebte nicht mehr lange. An einem Spätherbstabend saß sie in allzu leichten Kleidern auf der Bank im Park: Die Folge war eine LungenentzünDung, an Der sie starb. Seit ihrem ToDe will man mitunter ihr Lachen in Diesen Räumen gehört haben. Der Spuk, heißt es, melbet sich befonDers Dann, wenn jemanD einen Brief in Diesen Zimmern schreibt, auch sollen geschriebene Briefe auf unerklärliche Weife von Dem Schreibtisch verschwinden. Das ist vielleicht alles Unsinn, unD wenn Sie Den Mut haben, stehen Die Räume natürlich zu Ihrer Verfügung."
„Gut," sagte ich lachenD, „ich ergreife für einige Tage Besitz von Tante Bettys Gemächern unD hoffe, Daß ich mich gut mit ihr vertragen roerDe."
Gegen Mitternacht legte ich mich in Dem Spukzimmer zur Ruhe unD schlief während Der Nacht vortrefflich. Als Der Diener mir am nächsten Morgen Das Frühstück brachte, sah er mich mit eigentümlich fragenDen Augen an, als wollte er erforschen, ob Der Spuk schon über mich gekommen fei.
„Ich habe gkänzenD geschlafen," sagte ich. Dann machte ich mich an Das Frühstück, steckte mir, als es beenDet war, eine Zigarette an, nahm einen Briefbogen unD schrieb an eine Freundin. Ich hatte ungefähr eine halbe Seite geschrieben. Da hörte ich
ftüts Dillenburg von der Reiterschar Dillenburg in den verschiedensten Figuren geritten. Es folgten die A b t e i 1 u n g s w e 11 k ä m p f e der einzelnen Reiterscharen für Fortgeschrittene und Anfänger. Die Vorführungen zogen sich bis gegen 18.30 Uhr hin. Nach der Preisverteilung dankte Standartenführer Dr. Römer in kurzen Worten den braunen Reitern. Es freue ihn befon- bers, daß diese erstmalig in ihrer Art gezeigte Veranstaltung so glänzend verlaufen fei. Er schloß mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Obersten
(Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Mexiko-Stadt, Anfang September
„Sie haben m drei Wochen d > e Intervention oder den Kommunismus. Vielleicht auch den Kommunismus und dann die Intervention." So jagte mir ein Mann der Porra, der sich nach Machados Flucht rechtzeitig auf und Davon gemacht unD an Das mexikanische Ufer gerettet hatte. Man war vor noch kaum Drei Wochen keinesfalls geneigt. Diese Prophezeiung allzu ernst Su nehmen. Denn tatsächlich schien mit Der Bern- ung Des alten Freiheitskämpfers De C 6 speDes iuhe und DrDnung gewährleistet unD Die Flut Der revolutionären Bewegung in ein oorgezerchnetes Bett gelenkt. Der amerikanische Botschafter, Herr Welles, konnte, ehe er sein Amt seinem Nachfolger Jefferson Casjerdi übergab, sehr wohl Das befrieDigenDe Gefühl hegen, feine Ausgabe gut erfüllt zu haben. An Stelle Machados war Das Staatsruber in Die Hanb eines Mannes geglitten. Der sich Der Wertschätzung weitester Kreise erfreute, unD Dem vor allem niemanD Korruption oorroeifen konnte. Lange Jahre selbst Botschafter in Washington, kannte er Die norDamerttanischen Wünsche aus eigner Anschauung so gut, Daß Diese Kenntnis beiDen Teilen, Kuba wie Den Bereinigten Staaten, zustatten lom- men konnte. Die ersten VerhanDlungen, Die CsspeDes unmittelbar nach (einem Regierungsantritt aufnahm, unD Die er wohl bereits vorher schon vorbereitet hatte, schienen Denn auch Durchaus unter einem günstigen Zeichen zu stehen. Washington brachte Dem neuen Präsibenten offensichtlich Vertrauen entgegen. Die Interventionsgerüchte verstummten, unD es kam zu Demonstrieren, sehr sreunDschaftlichen Erklärungen von beiDen Seiten.
AllerDings ist mit schönen Worten Das Problem Kuba nicht zu lösen. Es mußte mehr geschehen. Es mußten enDlich Mittel unD Wege gefunden roerDen, UN' Den Staat von Den geraDezu phantastischen 6 d) u l D e n , Die nicht allein Durch Machados Mißwirtschaft auf ihn drückten, zu befreien. Es mußte schließlich wenigstens der Versuch unternommen werden, den durch das amerikanische Kapital enteigneten Kleinbesitzern auf irgendeine Weise wieder eine Existenz und eine Heimstätte zu schaffen, und Durch eine Ard RücksieDlung Die übervölkerten StäDte, insbesvnDere Die HauptstaDt Havanna selbst, auszu- kämmen. In D^r ewig strahlenDen Sonne, Die über Den Antillen scheint, hat Das EilanD nicht Das Dunkle Gesicht, wie in Den JnDustriegebieten NorDamerikas oDe gar in Den Armenquartieren Europas. Die füD- liche Mischrasse, Die Kuba bewohnt, ist auch un- zweifelhaft weitaus anspruchslv(er in ihren BeDürf- nissen unD verhältnismäßig schnell an neue Umgebung unD an neue Verhältnisse zu gewöhnen. Dies sprach alles zugunsten Des großen Versuches, Der von CsspeDes eingeleitet unD mit Unterstützung Der ver- breiteten Abc-Organisation auch vorgetrieben hätte werben können, wenn, ja, wenn Dafür genügenD Zeit zur Verfügung stanD. Nur Darauf kam es an, Zeit unD etwas Ruhe zu gewinnen, um Die umfassen- D Pläne politischer wie' wirtschaftlicher Art in eine g fbare Wirklichkeit übersetzen zu können
(Sefpebes unD seine FreunDe haben sich gewiß sehr ernsthift überlegt, bis zu welchem Ausmaße sic Dazu die amerikanische Hilfe in An- sprach nehmen sollten. Ein paar Kriegsschiffe im Hafen von Havanna, Die ihre KanvnenschlünDe auf Die Stabt unD vor allem auf Das Hafenviertel mit (einen dunklen Unterschlüpfen richteten, waren ge- wih bessere Garanten für Ruhe unD DrDnung, als es die Polizei oDer gar Das Militär fein konnten. Deren Führersch >ft jo viele Jahre hinDurch Macha- Dos Befehl gefolgt war unD Dem geflohenen Expra- fibenten vielfach auch noch innerlich anhängen mochte. In Den ersten Äunbgebungen, bie der neue Präsident erließ, betonte r d nn auch immer wieder, wie dankbar das kubanische Volk Dem Volke unD Der Regierung NorDamerikas für Die währenD Des Unabhängigkeitskampfes geleistete Hilfe lei, unD welche Doppelte Dankbarkeit es Der aufrichtigen FreunDschaft Washingtons bei Den augenblicklichen schwierigen Verhältnissen entgegenbringen müsse. So finD Die bestimmt auftretenDen Gerüchte Durchaus
nem linken Arm. Ich flingeüe nach Dem Diener unD bat ihn, Herrn von Flügge zu rufen.
Herr von Flügge kam, wir setzten uns, unD ich erzählte ihm fliegenDen Atems alles, was ich erlebt hatte. Er horte schweigenD zu, unD als ich geenDet hatte, sagte er: „Aus alles Dies war ich gefaßt, es ist nichts Neues für uns. Nur Der brandige Rand um diesen Briefbogen, — sonder- bar, ein so sichtbares und bleibendes Zeichen hat Tante Betty noch niemals hinterlassen."
,Hch werde den Brief in der Stadt durch einen Fachmann untersuchen lassen," sagte ich, „und dann habe ich eine Bitte: darf ich für die kommenden Nächte in ein Zimmer des Herrenhauses über- siedeln? Die Luft hier regt mich auf, mir ist, als bedarf ich der Ruhe."
„Selbstverständlich," entgegnete Herr von Flügge, „Sie sind nicht der erste, der dieses Zimmer in Erregung verläßt. Kommen Sie, wir wollen ein wenig bummeln."
Wir gingen, unterhielten uns lebhaft von Der seltsamen Tante Betty und ihrem rätselhaften kichernden Lachen. Im Damenzimmer des Herrenhauses betrachtete ich später ihr Bild in einem ovalen Rahmen: ein schmales, blasses, sehr anmutiges Gesicht mit großen, gütigen Augen und einem sanften Mund. Bist du wirklich tot? mußte ich denken. Ich habe es schmerzlich erfahren, daß irgendetwas von dir noch weiterlebt, du schöne, arme, vom Dasein enttäuschte Dulderin.
Zwei Tage später nahm ich Abjchieb und fuhr nach Haus. Mein erster Gang in Der StaDt war zu einem Chemiker, Dem ich Den Brief zur Untersuchung gab. Der Mann teilte mir nach genauester Untersuchung mit. Der rostbraune, branDige Brief- ranD komme auf keinen Fall von einer offenen Flamme, offenbar sei er Das Ergebnis einer elektrischen Entlobung. So sagte er. Was fange ich Damit an?
Im Juni Des folgenDen Jahres reifte ich roieDer zu Flügges aufs LanD. WährenD wir vom Bahnhof in luftigem Trab Durch Die blühenden Felder fuhren, fragte Herr von Flügge mit einem erwartungsvollen Seitenblick: „Wollen Sie wieder in Tante Bettys Zimmer wohnen?"
„Auf keinen Fall," sagte ich wehmütig lächelnd, „ich bitte dringend um ein Zimmer im Herrenhaus."
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