Ausgabe 
11.9.1933 Erstes Blatt
 
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Einigung

innerhalb der katholischen Studentenschaft.

Nach vorausgegangenen Verhandlunaen, die auf dem Aachener Studententag eingeleitet wurden, haben sich, wie dieGermania^ berichtet, der Kartolloerband der Katholischen Studentenoereine

Ausländern zu verleiten, um dadurch außen­politische Schwierigkeiten hervorzurufen. Ich warne nachdrücklichst vor dieser Spitzeltätigkeit. Je­der Nationalsozialist, welcher in irgend einer Form der Arbeit der Provokateure Vorschub leistet, sei es auch nur durch Belästigung von als Gäste in Deutschland weilenden Ausländern, hat schwerste Strafen einschließlich Ausschlusses aus der Partei zu gewärtigen.

Oie Umgestaltung des Kyffhäuser- bundes vollzogen.

Auf dem Kyffhäuser, 9. Sept. (TU.) Am 21. Mai hatte auf dem Kyffhäuser die Vertreter­versammlung des Kyffhäuserbundes im Namen von 30 000 Kriegervereinen freiwillig und einmütig den Beschluß gefaßt, sich in allen Aufgaben dem Neu­schöpfer des Reiches, Adolf Hitler, zu unter­stellen. Mit der Umgestaltung war sofort begon­nen worden. Von der ersten Landesführeroersamm­lung des neugestalteten Kyffhäuserbundes hat nun­mehr der Bundespräsident dem Ehrenpräsidenten des Bundes, Feldmarschall o. Hindenburg, und dem Kanzler des deutschen Volkes, Adolf Hitler, telegraphisch gemeldet, daß der Bund in seiner Gesamtheit fest gegliedert mit neuer Tatkraft bereit st ehe, für die Aufgaben, die ihm von der Staatsführung gegeben werden.3m Geiste von 1914 bis 1918 stehen Kyffhäuserkame- raden in Reih und Glied für das neue Deutschland, das ihrem Ringen und Bluten im Weltkriege wie­der einen Sinn gegeben hat."

Neuer Präsident in Kuba.

Die Unruhe dauert an. 35 amerikanische Kriegsschiffe vor Havanna.

Havanna, 10. Sept. (Reuter.) Die Junta hat die provisorische Präsidentschaft dem Juntamitglied Ramon Grau San Martin übertragen. Der neue Präsident begann sofort mit der Bildung eines Koalitionskabinetts, das alle revolutionären Parteien umfassen soll. Nach der feierlichen Einführung des Präsidenten San Martin in sein neues Amt fanden in Havanna K u n d - Sebungen gegen den Imperialismus er Dankees und die Anwesenheit der amerika­nischen Kriegsschiffe statt. Kubanische Agitatoren beschuldigten San Martin ein Werkzeug der Machenschaften von Wallstreet zu sein. Dann traten kommunistische Redner auf, die gleich­falls scharfen Protest gegen die Regierung San Martin einlegten. Offiziere des Heeres forderten die Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten Cespedes. Die Meinungsver­schiedenheiten zwischen der Armee und der neuen Regierung werden aber trotzdem nicht für so groß gehalten, daß sie nicht lösbar scheinen.

Der neue Präsident Dr. San Martin sagte in einer Erklärung, er werde alle Regierungs- Verbindlichkeiten einschließlich der Ausland­schulden anerkennen. Er wünsche möglichst freundschaftliche Beziehungen mit allen Nationen und eine engeFreundschaftmit denVer- einigten Staaten. In Washington wird mit­geteilt, daß eine Anerkennung des neuen Regimes auf Kuba von seiner Fähigkeit abhängen werde, fürRuhe und Ordnung zu sorgen und Leben und Eigentum zu beschützen. Das amerika­nische Marineministerium hat neun weitere Zerstörer nach Kuba entsandt, obwohl nach der Klärung der Präsidentenfrage eine Ent­spannung eingetreten zu sein scheint. Zur Zeit be- finden sich bis jetzt 35 Kriegsschiffe der Vereinigten Staaten in den kubanischen Gewässern.

Aufruf an die weibliche Arbeitsfroni- Iugend.

Berlin, Sept. (VDZ.) Der stellvertretende Jugendleiter in der Deutschen Arbeitsfront, R u st, bat folgenden Aufruf an die weibliche Arbeitsfront-Jugend gerichtet:

Durch die Aktion vom 2. Mai 1933 wurden, getreu dem Grundsatz unseres Führers, des Reichs­kanzlers Adolf Hitler, die Freien, wie die Christ­lichen Gewerkschaften von uns übernommen, um dem deutschen Arbeiter seine Standesorga- nisation zu erhalten und im nationalsozia­listischen Sinne aufzubauen. Wenn heute das Ge­füge der Deutschen Arbeitsstont unter seinem ziel- bewußten Führer, unserem Parteigenossen Dr. Robert Ley, bis ins kleinste organisiert dasteht, so ist nicht zu vergessen, daß der Aufbau der Ar­beitersäule auch die weibliche Jugend um­fassen muß. Innerhalb des Aufbauplanes der Ar­beitersäule fordern wir daher die werktätige Jugend auf, an den großen Zielen unseres Führers mit­zuarbeiten und nicht abseits zu stehen. Gerade das junge deutsche Mädchen muß stolz darauf sein, daß ihr Adolf Hitler die Hand zu neuem Leben reicht. Dafür ist in der Deutschen Ar­beitsstont ein Jugendamt eingerichtet, mit dessen Leitung der Abteilungsleiter der Reichs­jugendführung, Pg. Heinz Otto, betraut ist. Eine Mitarbeit der weiblichen Jugend ist aber nur dann möglich, wenn sich jede weibliche Jugendliche in ihrem Fachverband und somit in die Volks­gemeinschaft der Deutschen Arbeitsfront einreiht und darum: Auf ihr weiblichen Jungarbeiterinnen und Hausangestellten, ans Werk, helft mit am Bau des Reiches, am Staat des deutschen Arbeiters. Hinein in die Verbände!"

Kleine politische Nachrichten.

Auf Anordnung der Reichsregierung flag- gen aus Anlaß der feierlichen Eröffnung des Preußischen Staatsrates am 15. Sep­tember neben den preußischen Dienststellen auch alle Reichsbehörden, Reichsstellen und Reichsanstal­ten, die ihren Amtssitz in Preußen haben.

In der nordbulgarischen Stadt S ch u m e n wur­den wegen kommunistischer Propaganda und Zellenbildurm innerhalb der Garnison 1 6 P e r- fonen zum Tode verurteilt, sechs Ange­klagte zu 16 Jahren, 13 zu acht Jahren Zuchthaus und 14 Angeklagte zu Zuchthausstrafen von ändert- halb bis fünf Jahren.

Aus den Kreisen des japanischen Jnnenmini- steriums wird mitgeteilt, daß Bücher, Zeitschriften und Zeitungen, die in deutscher Sprache im Aus- land erscheinen und die eine hetzerische Hal­tung der Reichsregierung gegenüber einnehmen, in Japan nicht mehr zugelas- sen sind.

Deutschlands (KV.) und der Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften (RKDB.) zur Katho­lischen Burschenschaft" zusammengeschlossen. -In einem Aufruf erklärt der Führer des neuen Einheitsverbanoes, Dr. Constantin Hank- Tübin­gen, u. a.:Wir wollen die Burschenschaft, weil wir die Einheit des katholischen und des deutschen Studententums unter nationalsozialistischer Ziel­setzung wollen. Wir wollen die Burschenschaft, weil wir Den aus wahrer Ueberzeugung geborenen kämpferischen Geist, der sie zum Leben rief, be­

jahen, die mißverstandenen Korporationsideale eines bürgerlichen Zeitalters schärfstens ablehnen und uns zur politischen Schulung und zur wehr­haften Erziehung des deutschen Studenten bekennen. Wir wollen die Burschenschaft, weil wir mit grund­sätzlicher Entschiedenheit den völkischen Gedanken im Sinne des deutschen Sozialismus vertreten und die Einheit von Volkstum und Reich aus ganzem Herzen ersehnen." DieKatholische Burschenschaft" umfaßt ungefähr 125 Korporationen an allen Hoch­schulen des deutschen Sprachgebietes.

Die Brandkaiasirophe in Baden.

Fahrlässige Brandst.fiung?

Um 1 Uhr war die Gefahr einer welkeren Aus­breitung des Brandes gebannt. Insgesamt sind 2 0 3 Baulichkeiten, darunter 83 Wohnhäuser, durch das Feuer z e r st ö r t worden. Der Gebäudeschaden beziffert sich auf rund eine Million Mark. Obdach- l o 5 sind etwa 100 Familien mit 357 köpfen, die für heute nacht notdürftig zumeist im Dorfe untergebracht sind. Als Brandursache wird fahrlässige Brand­stiftung vermutet. Die Witwe Breiten­stein, in deren Scheune der Brand zum Ausbruch kam, sowie ihr Sohn wurden vorläufig festgenommen. Eine Pionierkompanie von Ulm ist unterwegs, um die Aufräumungsarbeiten und vielleicht notwendig werdende Sprengarbeiten durchzuführen.

Em Augenzeugenberscht.

Der nach der Unglücksstätte in Oeschelbronn ent­sandte Sonderberichterstatter der Telegraphen-Union gibt folgende Schilderung:

Das Feuer nahm in der Scheune einer allein­stehenden Witwe, während diese in der Kirche weilte, seinen Anfang. Durch den starken Ostwind griff das Feuer ungeheuer rasch auf die anliegenden Anwesen Über. Die Einwohnerschaft eilte sofort zu Hilfe stnd versuchte durch Reichen der Waper- eimer, das Feuer zu bekämpfen, was bei der Aus­dehnung des Brandes ohne Wirkung blieb. Fieber­haft wurde gearbeitet, um das Vieh in Sicherheit zu bringen und von der vollständig eingebauten Ernte nach Möglichkeit noch etwas zu retten. Mit der rasenden Ausbreitung des Feuers wurde die Bewohnerschaft kopflos: jetzt griff die SA. und SS. in das Rettungswerk ein. Alles Holz wurde weg­geräumt, die Dächer abgedeckt, Schuppen ausge­räumt, das aus den Scheunen herausgeworfene Heu und Getreide fortgefchafft, um dem Feuer Ein­halt zu gebieten. Doch alles half nichts. Das Ele­ment griff weiter um sich. Um 15 Uhr versuchte man durch Sprengung eines Hauses die fortlaufende Feuerlinie zu unterbrechen. Tannen und Fichten wurden gefällt, um sie nicht zum Träger weiterer

Feuerherde werden zu lassen, doch alles war um­sonst. Der ungeheuere Funkenregen setzte den Ort an den verschiedensten Stellen in Flammen. Außerdem verurteilte vollkommener Wassermangel die Feuerwehren zur Macht­losigkeit. Aus der Umgebung schasste man auf Fuhr­werken Wasser in allen möglichen Behältern her­bei. Aus der Straße nach Oeschelbronn arbeiteten sechs Feuerpumpen, um das Wasser aus der unge­fähr vier Kilometer entfernt liegenden Enz herauf­zupumpen. Doch durch den ungeheueren Druck platzten die Schlauchleitung en, so daß auch von dieser Seite her keine Hilfe mehr zu er­warten war. Es ist ein Bild des Jammers, wie völlig machtlos die Menschen diesem Flammenmeer gegenüberstehen. Die einzige Eindämmungsmöglich­keit war, daß in die Häuserfronten durch weitere Sprengungen Breschen geschlagen wurden. Das Feuer war aber nicht aufzuhalten. Gegen 20 Uhr waren bereits über 80 Anwesen vernichtet und noch immer war kein Ende abzusehen. Mit Einbruch der Dunkelheit wurde durch Lautsprecher bekanntgegeben, daß alle nicht ortsansässigen Per­sonen Oeschelbronn sofort zu verlassen haben.

Em Aufruf des Neichsstaiihaliers Wagner

Bald nach 19 Uhr traf der Reichsstatthalter Ro­bert Wagner in Begleitung des Unterrichts» Ministers Dr. Wacker in Oeschelbronn ein und nahm eingehend die Situation in Augenschein. Er sprach dem Bürgermeister D i e h l m a n n seine und Der badischen Regierung wärmste Anteilnahme an dem furchtbaren Unglück aus. Der Reichs- statthalter erließ einen AufrufAn alle deutschen Volksgenossen! , in dem er zur schnellen Hilfe für die unglücklichen Einwohner der Gemeinde Oeschel- bronn auffordert. Geldspenden sind au richten an die Städtische Sparkasse in Karlsruhe unter dem VermerkBrandkatastrophe Oeschelbronn". Der Reichsstatthalter hat aus einem ihm zur Verfügung stehenden Fonds den Betrag von 10000 Mark zur Linderung der größten Not über» wiesen.

Aus Oer provinzialhauptstaOt.

Professor Or. Karl Ebel f.

In der Nacht vom 8. zum 9. September ist der Direktor der Universitäts-Bibliothek Dr. Ebel in Bad-Nauheim, wo er seit etwa 14 Tagen zur Kur weilte, ganz unerwartet an einer Embolie gestor­ben. Schon seit einigen Jahren war er herzleidend, aber er nahm wenig Rücksicht auf seinen Körper, und allen Schwierigkeiten zum Trotz war er noch immer so tätig und schaffensfreudig, daß wohl nie­mand vielleicht nicht einmal feine Aerzte ge­dacht t)at, daß er so bald abgerufen werden würde. Mit ihm ist ein echter Gießener dahingegangen, der mit allen Fasern feines Herzens an der Stadt sei­ner Väter hing, und an seinem Sarge trauern nicht nur seine Angehörigen und Freunde und seine Mit­arbeiter von der Bibliothek, sondern auch weite Kreise der Bürgerschaft Gießens nehmen herzlichen Anteil an seinem allzufrühen Hinscheiden.

Karl Ebel entstammte einer angesehenen, alten Gießener Familie (sein Großvater war der noch in der Erinnerung der älteren Generation lebende auf­rechte Bürgermeister Ebel, sein Vater, der Kauf­mann und Weinhändler Karl Ebel). Am 24. Sep­tember 1868 hatte er das Licht der Welt erblickt. Er besuchte die Gymnasien zu Gießen und Bensheim, an letzterem oestand er 1887 die Reifeprüfung. Ostern 1887 bezog er zunächst die Universität Gie­ßen, um neuere Philologie und Geschichte zu stu­dieren. In der Verbindung Darmstadtia fand er einen schönen Freundeskreis, und bis zu seinem Tode verband ihn treue Bundesbrüderlichkeit mit den Angehörigen dieser Landsmannschaft. Entschei­denden Einfluß auf seine Studien gewann sehr bald der Historiker Professor von der Ropp. 1890 errang Ebel einen Preis für die Bearbeitung einer von diesem gestellten Preisaufgabe der philo­sophischen Fakultät. Er folgte feinem Lehrer nach Breslau und promovierte 1892 in Marburg, wohin von der Ropp inzwischen berufen worden war, mit einer Dissertation über die Geschichte des Klosters Arnsburg zum Dr. phil.

Am Universitäts-Sekretariat ließ er sich von Kanzleirat Schäffer in die Verwaltungstechnik einführen. Im Juli 1892 trat er als Hilfsarbeiter in die Gießener Universitäts-Bibliothek ein, an der er schon während feiner Studentenzeit 1890 einige Monate als Volontär gearbeitet hatte. Die Biblio­thek erhielt damals unter der Direktion ihres ersten als Berufsbibliothekar ausgebildeten Leiters Dr. Hermann Haupt eine ihren Aufgaben und wach­senden Bedeutung besser gerecht werdende Organi­sation. In dieser Schule fand Karl Ebel seine Aus­bildung und eine ihn, trotz der damals unglaublich geringen Vergütung, befriedigende und beglückende Tätigkeit. Gewissenhaftigkeit, Fleiß und Ordnungs­liebe, auch jeneAndacht zum Unbedeutenden", die man an den Brüdern Grimm, den berühmtesten hessischen Bibliothekaren, rühmte, verbanden sich bei ihm mit wissenschaftlichem Sinn und einer gewissen enzyklopädischen Bildung, alles Dinge, die zu einem rechten wissenschaftlichen Bibliothekar, der nicht bloß Verwaltungsbeamter ist, gehören. Seiner ausge­sprochenen Neigung für die Geschichte und die histo- rischen Hilfswissenschaften entsprach es, daß er sich mit besonderer Liebe der Handschriftensammlung und vor allem der historischen Fächer annahm, so daß jetzt die großen AbteilungenDeutsche" und Hessische Geschichte" und die Gissensia zu den bestkatalogisierten unserer Bibliothek gehören. Am 1. April 1894 wurde er Assistent, ein Jahr darauf Kustos; 1898 wurde er definitiv angestellt, 1904 er­hielt er die Amtsbezeichnung Bibliothekar, 1907 wurde er Oberbibliothekar. Als Geheimrat Haupt in den Ruhestand trat, wurde er am 1. September 1921 zum Direktor ernannt. In dieser Stellung hat er das Zentralinstitut unserer Universität durch die

schwersten Nachkriegsjahre hindurchgeführt und un­ermüdlich an feinem weiteren Ausbau gearbeitet. Die Ungunst der Zeit gestattete nicht den für 1924 vorgesehenen Anbau, aber energisch bemühte er sich Jahr für Jahr um eine Erhöhung des Kredits für Bücherkauf und Buchbinderei, sowie um eine Ver­mehrung der wissenschaftlichen und mittleren Be­amten, um den immer wachsenden Ansprüchen der Benutzer gerecht zu werden. Es fehlte nicht an Ent­täuschungen, aber im ganzen gesehen bedeutet auch seine Amtszeit eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung der Unioersittäs-Bibliothek, so daß die Gießener Bibliothek einen Vergleich sogar mit den Büchereien mancher größeren Universität wohl aushalten kann. Bei der Ausarbeitung der Bestimmungen über den Vorbereitungsdienst und die Staatsprüfung für den mittleren Dienst an den wissenschaftlichen Biblio­theken Hessens war Direktor Ebel entscheidend be­teiligt, und er war bis vor kurzem Mitglied der Prüfungskommission.

Neben seiner dienstlichen Arbeit lief eine inten­sive Forschertätigkeit, die ihn bald zu einem der besten Kenner der Geschichte Oberhessens und vor allem Gießens machte. Die Eraebnisse seiner Studien legte er in zahlreichen wissenschaftlichen und popu­lären Veröffentlichungen nieder. Mit seinem Freunde, dem Archäologen und Kunsthistoriker Bruno Sauer, verfaßte er ein Büchlein über die Zisterzienserabtei Arnsburg (1895), mit ihm Mam­men sollte er auch für das hessische Kunstdenkmäler, werk den Kreis Gießen bearbeiten. Edel übernahm die Sammlung und Durchforschung der archioali» scheu Quellen und die Abfassung der historischen Einleitungen für die einzelnen Orte. Durch Sauers Tod und den Krieg verzögerte sich die Vollendung des Werkes. Mit der Fertigstellung des kunfthistori- fchen Teils wurde nun Geheimrat Walbe in Darmstadt beauftragt. Erst 1920 konnte der erste Band erscheinen, der das Kloster Arnsburg behan­delt. Der zweite Band, in dem die Orte des süd­lichen Teils des Kreises zur Darstellung kommen, ist eben im Druck, noch wenige Tage vor feinem Tod hat Ebel die letzten Korrekturen feines Bei­tragsanteils erledigt. Auch die historischen Einlei­tungen für die übrigen Orte des Kreises sind im Gntrourf fertig. Der Entschlafene hat in diesen seinen sorgfältigen, stets auf die Quellen zurückgehenden Ortsgeschichten ein ausgezeichnetes Hilfsmittel für die Heimatforschung geschaffen.

Schon als Student, feit 1889, gehörte Ebel dem Vorstand desOberhessischen Geschichts- Vereins" an, seit 1929 war er sein Vorsitzender. Diesem Verein gehörte seine ganze Liebe. In dessen Mitteilungen", deren Schriftleitung seit vielen Iah- reu in seiner Hand lag, sind neben zahlreichen Re­zensionen viele wissenschaftliche Beiträge aus seiner Feder erschienen. In denBeiträgen zur hessischen Kirchengeschichte" erschien der Aussatz: Zur Ge­schichte des Marienstists in Lieh; in denHessischen Blättern für Volkskunde": Gießener Flurnamen vom Ende des 15. Jahrhunderts; ferner: Allerlei Todes- und Liebeszauber. In dem 1907 zum Uni- Derfitätsjubiläum herausgegebenenWegweiser durch die Universitätsstadt Gießen" ist die Geschichte der Stadt Gießen von Ebel verfaßt, imGießener Adreßbuch" von 1931 ebenfalls eine kurze Chronik der Stadt. Die Festzeitungßubooiciana" von 1907 brachte mehrere kleine Beiträge zur Unioersitäts- geschichte, dieGießener Hochschulblätter" von 1924 einen ausgezeichneten Aufsatz über die Unioersitäts- Bibliothek, in den hessischen Biographien" hat er den bekannten Lokalhistoriker Otto Buchner behau, beit. Auch derGießener Anzeiger" unb seine Beiblätter, bieGießener Familien- blätter" unb Heimat im Bilb" verlieren in bem Heimgegangenen einen eifrigen Mitarbeiter. Seit vielen Jahren arbeitete Edel auf Grund der

Urkunden des Stadtarchivs, dessen Betreuung er auch übernommen hatte, an einer Verwaltungs­geschichte unserer Stadt. Leider ist wohl kaum ein druckfertiges Manuskript in seinem Nachlaß zu er­matten. Unvergeßlich werden jedem Teilnehmer die Führungen unb Lichtbildervorträge sein, die er wie­derholt über Alt-Gießen gehalten hat. Eine Aner- tennung seiner wissenschaftlichen Leistungen war die Verleihung des Professortitels (1917) und die Er­nennung zum Mitglied der Hessischen Historische» Kommission. DieHessische Vereinigung für Volks­kunde", die er 1902 mit begründet hatte, wählte ihn nach dem Rücktritt von Geheimrat Haupt zum zweiten Vorsitzenden, ebenso gehörte er dem Vor­stand derOberhessischen Gesellschaft für Natur- unb Heilkunde" an.

Seine Heimatliebe erschöpfte sich nicht in der wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte feiner Vaterstadt, auch zu praktischer Arbeit im Dienste öer Allgemeinheit war er jederzeit bereit 1904 rourbe er in bie Stabtverorbneten-Versammlung geroäblt. Auch hier hat er eine treue, unbestechliche Tätigkeit jum Wohl ber Stadt ausgeübt, so daß er sich auch bei den politischen Gegnern des größten Vertrauens erfreuen Durfte. Unvergessen wird ihm bleiben, wie er in ber Kriegszeit seine echt oater- lanbifche Gesinnung bewährt hat. Obwohl burch den Heeresbienst jüngerer Kollegen bie Arbeitslast in ber Bibliothek für ihn noch größer wurde, über­nahm er noch die Oberleitung ber städtischen Kriegs- wohlsahrtspflege, seine Menschenkenntnis, Leutselig- kett und Hilfsbereitschaft tarnen da so recht zur Geltung, fast der ganze Tag war dienstlich besetzt. Seine Gattin pflegte indessen als Schwester in den Gießener Lazaretten, während der einzige Sohn als Kriegsfreiwilliger vor dem Feinde stand. Furcht- bar litt er unter dem Zusammenbruch unseres Vaterlands, und die es miterlebt haben, wissen, wie er sich damals aufgeregt hat, als beim Einzug unseres Regiments ein Vertreter des Arbeiter- unb Solbatenrats bas Wort zur Begrüßung ergreifen wollte unb zu welchen Zusammenstößen mit biefer ,Behörbe" sein bamaliges impulsives (Eingreifen ge­führt hat. Erst bie Uebernahme der Leitung ber Universitäts-Bibliothek, bie seine Arbeitskraft ganz in Anspruch nahm, zwang ihn, auf fein Stabtrats» manbat zu verzichten. Aber auch bann war er noch immer bereit, in einzelnen Fragen mit seinem Rat zu helfen. Erwähnenswert bürste bas befonbere Verbienst fein, bas er sich um bie Erhaltung alter Flurbezeichnungen in ben Straßennamen unserer Stadt erworben hat! Möge man auch künftig der Mahnungen des besten Kenners der Geschichte unserer Stadt bei der Benennung von Straßen eingedenk bleiben! Auch feine Arbeit im Vorstand der Bezirkssparkasse und des Lesehallen-Vereins soll hier dankbar genannt werden.

Wer Karl Ebel gekannt hat, weiß, daß er ein aufrechter Charakter war, der nicht das Seine suchte, sondern stets der Sache dienen wollte. Bei feinem lebhaften Temperament konnte er wohl manchmal heftig werden, aber im Grund war er von größter Herzensgüte unb wohlwollenb gegen jebermann. Mit ganzer Hingabe roibmete er sich ben übernom­menen Aufgaben; wo sich ba Schwierigkeiten ent- gegenfteüten, suchte er sie unter Aufbietung aller Kräfte zu meistern. Aerzte unb Freunbe mahnten ihn in ben letzten Jahren, sich zu schonen; wenn sein Herzleiben ihn zur Ruhe zwang, so konnte er es nicht erwarten, bis er roieber auf feinen Posten zu- zurückzukehren vermochte. Seine Bibliothek burch alle Schwierigkeiten, bie sich ruhiger Weiterentwick- hing entgegenstellten, hinburchzusühren, war sein höchstes Ziel. Auch in den letzten Wochen noch hatte er es abgelehnt, sich zu schonen unb rechtzeitig einen bringend nötigen Erholungsurlaub zu nehmen. Die Krankheit mußte ihn erst niederwerfen, bis er sich zu dem Kuraufenthalt in Nauheim entschloß. Er hatte in diesen Tagen sein Pensionierungsgesuch für den 1. Oktober eingereicht, aber er war noch voller Pläne, wie er auch noch nachher für feine Bibliothek tätig fein könne; er wollte vor allem die Ordnung und Katalogisierung ihrer Hanbschrttien- deftände zu Ende führen. Seine letzte Amtshand­lung vor feiner Abreise war wohl der Ankauf eines Gießener Stammbuchs aus dem 17. Jahrhundert, mehrerer Briefe von Karl Vogt und einiger Prv- fefsoren-Porträts, wofür die Hochfchulgefellfchaft auf feinen Antrag das Geld zur Verfügung gestellt hatte.

Selbst in Nauheim, wo er sich ziemlich rasch zu erholen schien, waren seine Gedanken fast unab» lässig bei der Bibliothek. Ein rascher Tod hat seinem treuen Sorgen ein Ende gemacht; feine Bibliothek ist vor der Zeit verwaist. Ihre Beamten und Ange- gestellten trauern um einen gütigen Vorgesetzten, ber ihnen allen ein treuer, stets hilfsbereiter Freund war. Ave, pia animal H.

NSDAP. Gießen.

Die NS.-Frauenschaft Gießen-Nord trifft sich am heutigen Montag, 20.30 Uhr, im großen Saale bes Coss Ebel zum Ortsgruppen» abenb.

Die N S. ^F rauenschaft Ortsgruppe Mitte, Zelle I, hat heute, Montag, 20.15 Uhr, bei Solban ihren Zellenabenb. Bericht über bie Saarfunbgebung am Nieberwalbbenkmal unb Be» richt über Nürnberg.

NS.-Lehrerbunb, Kreis Gießen.

Die nächsten Kreisversammlungenbes NSLB. finden wie folgt statt: am 16. September: Vortrag Prof. Dr. Wirth, Marburg überDie Heimat als Weltanschauung zur Geistesgeschichte der germanischen Vorzeit" mit Lichtbildern; am 23. Sep­tember: Vortrag Prof. Dr. V o l k e 11, Leipzig über »Die neue Lehrerbildung"; am 14. Oktober: Vortrag Kultusminister Dr. Hartnacke, Dresden über "Unser öffentliches Bilbungswesen im Lichte der Erblehre".

B e z i r k s v e r s a m m l u n g e n werden zweck­mäßig erst wieder im Oktober abgehalten. Die Ein­berufung erfolgt in Zukunft stets durch die Bezirks- obleute.

Nächste Probe des Orchesters des NSLB. Kreis Gießen, Mittwoch, 13. September, 15.30 Uhr, Sing» faal der Studienanstalt (Dammstraße).

Zagdschießen des Hubertus Gießen.

Am Sonntag hielt der Hub ertus, Verein weidgerechter Jäger, Sitz Gießen, auf seinem auf dem Gelände des Schützenvereins gelege­nen Jagdständen sein diesjähriges Hauptjagd- schießen bei gutem Besuch ab. Den üblichen Schiebarten war einFörsterschießen" angegliedert, nur offen für Forst- unb Jagbschutzbeamte unb Jagbaufseher, bie Mitglieber bes Vereins find. Um ihnen eine Anerkennung zu geben für ben Schutz, ben sie ben Jagben angebeiben lassen, hatten zahl- reiche Mitglieber ihnen einen Gabentisch reich mit Ehrenpreisen gebeckt.

Die Ergebnisse.

Hubertusjagdmeister: O. Allmendinger. Grünberg.