Ausgabe 
11.9.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 212 Erstes Blatt

183. Jahrgang

Montag, U. September 1935

Lrlchetni tägltO). außn Sonntage und Feiertag» Beilagen; Die 3Du|tnertt (BteRenei Jamihenblättei Heimat'm Bild DieSdjofl» monats:Being$prets;

«Dlii 4BeilagenRUR 1.9t, Ohne Illustriert» . 1.80 Zustellgebühr . -.25 Auch bet Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höhere, Gewalt.

ijernsprechanschlllste unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Liesten.

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(Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drud und Verlag: vrühl'lche Unwersttäts-Vuch' und Stdnöruderd K. Lange in Gießen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Zchulltraße 7.

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Theftedakteur.

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undfürdenAn- zeigenteil L D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

Die protestantische Welt feiert Luther.

Festakt in der neuen Lutherhatle zu Wittenberg.Auch Schweden und Norwegen vertreten.

W i t t e nl) e r g, 10. Sept. (TU.) Wittenberg glich am Sonntag einem Wallfahrtsort. Luther- Haus, Schloß, Schloßkirche, Markt und Stadtkirche vermögen die Menschen nicht zu fassen. Nur ein Bruchteil aller, die nach Wittenberg gekommen sind, können an den großen Veranstaltungen teilnehmen. Am Sonntagmorgen sand in der Lutherhalle der große Festakt statt. Oberbürgermeister Faber konnte u. a. die Reichsminister Dr. F r i ck und Gras Schwerin-Krosigk, den Landesbischos Müller, Staatsrat Jordan- Halle, den schwe­dischen Erzbischof Dr. Eidern, den Vertreter der norwegischen Kirche, Pros. Ivar Weller-Oslo, als Vertreter des preußischen Kultusministeriums Ministerialdirektor Dr. Jaeger und als Ver­treter der Universität Halle-Wittenberg, der Uni­versität Jena und der übrigen Theologischen Fakul­täten Prof. Dr. Schomerus begrüßen.

Landesbischof Mütter

führte danach aus, er wolle Wittenberg mehr und mehr zum Mittelpunkt des evangelischen Kirchen- lebens machen. Er hasse, daß der R e i ch s b i s ch o f hier residieren und daß alle größeren kirch­lichen Veranstaltungen hier ihren Ausgang und ihren Höhepunkt erleben würden. Sich an den Erz­bischof von Schweden wendend, sagte der Landes­bischof:Ich weiß, daß es für den evangeli­schen Christen im Ausland nicht leicht ist, das zu begreifen, was in deutschen Landen in der letzten Zeit vor sich gegangen ist. Ich verstehe, wie unsere evangelischen Glaubens­brüder jenseits der deutschen Grenzen manchmal sorgenden Herzens auf das geblickt haben, was sich hier bei uns ereignet. Ich bitte Sie, unse­ren Glaubensbrüdern in der Welt zu sagen, daß das, was hier in Deutschland vor sich ging, g e - baren i ft aus dem absoluten und letzten Willen der Wahrhaftigkeit, daß es geboren ist aus der tiefsten Tiefe deutscher christlicher Seelen, und daß es getragen wird von einem tiefen christ - lichen Verantwortungsbewuhtsein. Das große Werden der großen evangelischen Kirche kann nur verstanden werden vom Hintergrund der deutschen Revolution, die geboren ist aus Glau­ben und Vertrauen, aus Treue und Ge­horsam. Kirche und Staat sind fest miteinander verbunden. Die Kirche wird ihre Aufgabe darin sehen, den neuen Staat innerlich zu untermauern. In der großen evangelischen Kirche müsse e i n neuer Führer st and entwickelt werden, so rief der Landesbischof dann dem Vertreter der Theologischen Fakultät zu. Diese junge Generation müsse nicht nur mit dem tiefgründigen Geisteswisfen ausgerüstet sein, sondern so tief innerlich vorberei­tet werden, daß sie w a h r e V o l k s f ü h r e r wür­den im Sinne des gegenwärtigen Geschehens.

Hetdwfmnenmintffer Dr. Frick

überbrachte die Grüße der Reichsregierung. Das Deutschland von 1933, erklärte der Reichsminister, darf den Namen des Mannes, der vor 450 Jahren der Welt geschenkt wurde, wieder mit Stolz im Munde führen mit Stolz und Dankbar­ke i t dafür, daß die Vorsehung einen solchen Mann in seine Reihen hineingestellt hat. Luthers Person- lichkeit ist e i n e W e l t m a ch t geworden. Doch er konnte es nur werden, weil er mit jeder Faser fei­nes Herzens, jeder Schwingung feines Wesens deutsch war. Vergiß nicht, du Volk der Reforma- tion, was dir Luther gab! Er war es, der Deutsch­land von neuem befähigte, das Beste, was es den- ken konnte, nicht mehr mit geborgtem Klang, son­dern mit der Urkraft des deutschen Sprachguts zum Ausdruck zu bringen.

Und eine zweite Mahnung an unser Volk im Luther-Jahr 1933: Erkenne in diesem Manne im­mer wieder dein eigenes Antlitz, die Grund­züge deines eigenen Wesens, seine Stärken und seine Schwächen, Zornesmut gepaart mit oft unbe­greiflicher Weichheit des Herzens, rücksichtslosen Willen zur Wahrhaftigkeit gegen sich selbst und gegen andere, innere Bescheidenheit einer Kampf­natur allergrößten Ausmaßes, kompromißloses Denken in scharfen Gegensätzen, Kraft zu großarti­ger Einseitigkeit, die so oft schon die Quelle deut­scher Stärke wurde das alles ist Luther, das, deutsches Volk, bist du selbst, solange der eigene Sinn dir nicht entfremdet ist.

Ein (Erbgut so gewaltigen Ausmaßes, wie es uns Luther hinterlieh, wird keinem Volk ohne Aufgabe geschenkt. Reue kirchliche Formen können indessen eine Steigerung ins Innenleben eines Volkes wohl begünstigen wahrhaft entschei­dend für die Vertiefung der Religiosität im ganzen ist aber allein die harte Auseinander­setzung und Arbeit jedes einzelnen mit und an sich selbst, fein ureigenster Kampf um das. was Luther Rechtfertigung vor Gott nannte, die unermüdliche Gewiffensschär- fung an den strengen Gesehen der religiösen Ethik, hier sind unerbittliche Forderungen zu er­füllen; hier gibt es kein Ausweichen, keine Halb­heiten. Unser Volk erfährt jetzt wieder, was es heißt: Erfassung des ganzen Menschen! Möchte ihm das große (Erleben der Gegenwart wieder das Verständnis öffnen für die Heiligung seines

Lebens im Bann göttlicher Gebote!

Lassen Sie mich schließen mit einem Wort der Erinnerung an die Stadt, mit der heute vor einer Woche die eindrucksvolle Bezeugung deutschen Lebenswillens ihren Abschluß sand. Die Beziehungen zwischen Nürnberg und Wittenber sind ein Kernstück stück deutscher Revolutionsgeschichte. Von dort her erklang jubelnd das Lied von derWitten­berger Nachtigal 1". Dort erlebte die Meister- singerkunst ihre Blüte, die dann in der himmel­stürmenden Kirchenmusik eines Bach und eines Händel ihre Krönung fand, und wenn wir heute mit Genugtuung Hans Sachsens Worte in Wag­ners unsterblichem Werk bestätigen dürfen, daß die Kunst in der Obhut der Meistersinger doch e ch t und deutsch und wahr geblieben ist, so ver­danken wir das nicht zum wenigsten jenem ober­sten Satz der Singerregel, dem die Geschichte einen weit über seine ursprüngliche Bedeutung hinaus­reichenden Sinn gegeben hat. Er lautet in gekürz­ter Gestalt:Ein Fehler ist, wenn etwas nicht nach der hochdeutschen Sprache gedichtet und gesungen wird, wie solch in Dr. Martin Luthers deutscher Uebersetzung der Bibel befindlich ist", aus reli­giöser Wurzel erwuchs die heilige deutsche Kunst. In ihr findet das deutsche Volk sich selbst wieder Auch hierbei soll es dankbar des Mannes gedenken, der immer für das Oefamtleben der Nation zum Wegbereiter gewor­den ist und uns für die Zeit und Ewigkeit die

Berlin, 9. Sept. (CNB.) Professor Einstein hat jetzt, nachdem sein erster Versuch, sich der Ver­antwortung für dasBraunbuch gegen den Hitler- terror" zu entziehen, mißglückt ist, einen neuen derartigen Versuch unternommen. In einer Er­klärung eines holländischen Pressebüros gegenüber bezeichnet er sich als das Opfer einer bewußten Irreführung. Man habe mit seinem Namen bei der Herausgabe des sogenannten Braunbuches, dessen wirklicher Herausgeber der be­kannte kommunistische Agitator Münzenberg fei. Mißbrauch getrieben. Er, Einstein, habe sich in letzter Zeit ausschließlich mit wissenschaftlichen Ar­beiten befaßt.

Diese Erklärung Einsteins ist in verschiedener Hinsicht äußerst wertvoll. Vor allem nennt er zum ersten Male authentisch den wirklichen Her­ausgeber des genannten Braunbuches, über dessen Urheberschaft man bisher nur Vermutungen anstellen konnte. Die wissenschaftliche Tätigkeit des Herrn Einstein scheint im übrigen darin zu be­stehen, daß er in Briefen in der übel ft en Weise zum Kriege gegen Deutschland hetzt. In einem Briefe Einsteins an seinen Ge­sinnungsfreund Alfred N a h o n in Brüssel, den die ,La Patrie humaine" veröffentlicht, schreibt Herr Einstein, daß er an sich d i e Sriegsbienft- Verweigerung stets befürwortet habe, und zwar so lange, als man noch hoffen konnte, mit Erfolg den Militarismus in Europa durch Kriegs­dienstverweigerung des einzelnen Menschen zu be­kämpfen. Aber heute befinde man sich ganz an- deren Umständen gegenüber; es gebe in Europa einen Staat, der öffentlich mit allen Mit-

Feierliche Einholung des Kardinallegaten.

Wien, 10. Sept. (WTB.) Der päpstliche Legat Kardinal La Fontaine, Patriarch von Vene­dig, traf am Freitag auf dem Südbahnhof ein, wo sich zu seinem Empfang Bundespräsident M i 11 a s, der Erzbischof von Wien Dr. I n n i tz e r, Bundes- kanzler Dr. Dollfuß mit den Mitgliedern der Regierung und den Spitzen der Militär- und Zivil­behörden eingefunden hatten. In der Oper auf dem Ring fand die offizielle Einführung des Kirchen- fürsten mit einer Ansprache des Erzbischofs Jnnitzer statt, auf die Kardinal La Fontaine mit herzlichen Worten antwortete. Hierauf wurde der päpstliche Legat unter dem Baldachin in feierlichem Zuge, von der die Straßen füllenden Menschenmenge ehrfuchtsvoll begrüßt, zum Stephansdom zu einer Andacht geleitet.

Die erste Hauptversammlung.

Arn Samstagnachmittag fand im Stadion die erste Hauptversammlung des Katholiken­tages in Anwesenheit des päpstlichen Legaten, des päpstlichen Nunttus, des Bundespräsidenten und der Mitglieder der Regierung, der in Wien anwesen­den Würdenträger der katholischen Kirche und der Vertreter der militärischen und zivilen staatlichen Behörden statt. Der Präsident des Katholikentages Rektor Dr.Hvlzmeister begrüßte die Versammelten.

Er begrüßte a u d) alle die, welche fern­st e b 1 i e b e n sind und nicht kommen konnten. Schmerzlich bewegt, von den Brüdern im Reich äußerlich getrennt zu sein, so schloß der Redner, sagt den Versammelten das Herz, daß wir uns

Losung gegeben hat, die heute mehr gilt als je: Und wenn die Welt voll Teufel wär, das Reich muß uns doch bleibe n." x

Ministerialdirektor Dr. Jäger überbrachte der Lutherstadt die Grüße des preußischen Kultusmini- fters Rust und überreichte eine Ehrengabe von 5000 RM. für den weiteren Ausbau der Luther- Halle. Der schwedische Erzbischof E i d m - Upsala sagte, Luther gehöre der ganzen Christenheit. Die Schweden verehren ihn als den Ihrigen, wie ja die Deutschen den Schwedenkönig Gustaf Adolf auch als den Ihrigen verehrten. Luthers wahrhaft uni­verselle Bedeutung liege darin, daß er wieder das Gotteswvrt zur Grundlage aller Dinge gemacht habe. Der Vertreter der norwegischen Landeskirche, Prof. Ivar Weller- Oslo, grüßte Wittenberg. Norwegen habe die nördlichste und die südlichste Kirche errichtet. In beiden werde lutherischer Gottesdienst gehalten. Die Tochterkirchen nördlich und südlich der bewohnten Erde grüße ihre Mutterkirche in Wittenberg.

Weitere Ansprachen hielten dann noch Prof. D. Schomerus von der Universität Halle-Witten­berg, Generalsuperintendent Knolle von der Luthergesellschaft, Direktor Dr. Fahrenhorst vom Evangelischen Bund, der Letter des Luther- ausschusses B i e r s ch w a l e und der Letter der Lutherhalle in Wittenberg, Dr. Oskar Th u l i n. Die Feier klang aus mit dem Gesang des Liedes Ein feste Burg ist unser Gott".

Evangeliums hielt Kardinal Fürsterzbischof D. 3n- nitze r-Wien die Festpredigt. Nach dem Lvbgesang richtete der Kardinallegat auf italienisch eine An- prache an die Menge und erteilte dem Volk den päpstlichen Segen.

Das Reichskonkordat in Kraft getreten.

Berlin, 11. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der Geschäftsträger der deutschen Botschaft beim Hei­ligen Stuhl hat sich in Vertretung des zur Zeit in Urlaub befindlichen deutschen Botschafters gestern nachmittag zu Kardinal st aatssekretär Pacelli in den Vatikan begeben. Dort fand in der üblichen feierlichen Form der Austausch der Ratifikationsurkunden des zwischen dem Deutschen Reich und dem Heiligen Stuhl ab- geschlossenen Konkordates statt. Damit ist das am 20. Juli d. I. unterzeichnete Konkordat gemäß sei­nem Artikel 34 in Kraft getreten

Hierüber wird amtlich mitgeteilt:Das am 20. Juli unterzeichnete Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich ist am 10. September im Vatikan ratifiziert worden. Dor der Ratifikation hat der Heilige Stuhl in mündlicher und schriftlicher Darlegung die Reichsregierung auf eine Reihe von Punk­ten hingewiesen, die sich auf die Ausle­gung des Konkordates und feine vorläufige Handhabung beziehen. Sie betreffen vor allem den Bestand, die Betätigung und den Schutz der katholischen Organisationen sowie die Freiheit der deutschen Katholiken, auch in der katholischenPresse die Grundsätze der katho­lischen Glaubens- und Sittenlehre zu verkünden und zu erläutern. Die Reichsregierung hat sich dem Heiligen Stuhl gegenüber bereiterklärt, über die angeführten Materien baldig st zu verhan­del n , um zu einem dem Wortlaut und dem Geist des Konkordats entsprechenden gegenseitigen Einvernehmen zu gelangen."

(Steuert Dollfuß auf eine katholische Diktatur hin?

Paris, 11. Sept. (CNB. Funkspruch.)Chi­cago Tribüne" verofentlicht in ihrer Pariser Aus­gabe heute eine sensationelle Meldung aus Wien, die nichts weniger besagt, als daß Bundeskanzlek Dollfuß, wie in Wiener politischen Kreisen ver­laute, Oesterreich x u einem saschistischen Staat nach italienischem TI u ft e r zu pro­klamieren beabsichtigte. Oesterreich werde e i n antisemitischer Staat sein, wenn auch weniger radikal als Deutschland. Man könne also von einem ultrakatholischen Regime sprechen, das auch die Billigung des Pap­stes habe. Die Sozialdemokraten würden dann einzig und allein den Trost haben, mit wehen­der demokratischer Fahne unter,ugehen, im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen. Aber ihr Untergang sei unvermeidlich.

3um Ableben Theodor Fritschs.

Berlin, 9. Sept. (WTB.) Aus Anlaß des Todes von Theodor Fritsch hat Reichskanzler Adolf Hitler an Frau Paula Fritsch folgendes Tele­gramm gerichtet:Die Nachricht von dem Heim­gang Ihres Gatten hat mich tief bewegt. Nehmen Sie, gnädige Frau, meine herzliche Anteil­nahme zu dem schweren Verlust entgegen. Möge Ihnen die Gewißheit Trost spenden, daß der Ver­storbene in weiten Kreisen unserer Volksgenossen unvergessen sein wird." Reichsminister Dr. Goebbels sandte folgendes Telegramm:Tief ergriffen vom Ableben des hochverdien­ten Vorkämpfers unserer völkischen Wiedergeburt üfrermitle ich Ihnen meine herz­lichste Anteilnahme. Theodor Fritsch wird unver- geilen bleiben im Kreise derer, die Deutschland neu aufgerichtet haben."

Beurlaubung zweier Oberstaatsanwälte.

Berlin, 9. Sept. (WTB.) Die Zustizpressestelle teilt mit: Die Oberstaatsanwälte Binder und Kohler sind in diensllichem Interesse beur­laubt worden, weil eine Nachprüfung von Vor- aen, die längere Zeit zurückliegen, eingeleitet en ist, die diesen Schritt erforderlich erscheinen ließ. Oberstaatsanwalt Kohler ist sofort auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Be­rufsbeamtentums aus dem Staatsdienst entlassen worden.

Anordnungen des Stellvertreters des Führers.

München, 11. Sept. (CNB.-Funkspruch.) Der Völkische Beobachter" veröffentlicht folgende An­ordnungen des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß:

Nationalsozialistische (faschistische) oder ähnliche Organisationen fremder Staaten, auch solche, die ihren Sitz in Deutschland haben, sind nicht berechtigt, sich auf die NSDAP, zu be­rufen. Den Dienststellen der NSDAP, wird untersagt, mit diesen Organisationen B e - Ziehungen zu unterhalten. Allen Dienststellen wird untersagt, Einladungen zur Teil­nahme an Parteiveranstaltungen an Angehö­rige fremder Staaten ergehen zu lassen. Inbegriffen sind insbesondere die Mitglieder des Diplomatischen Corps. Für derartige Ein­ladungen ist lediglich die Reichspartei­leitung zuständig.

Wie festgestellt wurde, haben verschiedentlich kom­munistische und marxistische Spitzel versucht, S2L« und SS.-Männer z u Gewalttätigkeit ge­genüber in Deutschland weilende»

Einstein hetzt znm Kriege.

Der Radikalpazifist bekennt sich aus Deutschenhaß zum Militarismus.

Der Wiener Katholikentag.

fein den Krieg vorbereite. Unter diesen Um­ständen befänden sich die anderen Volker, vor allem Frankreich und Belgien, in sehr gro­ßer Gefahr und konnten nur auf ihre eigene Wehrhaftigkeit vertrauen. Wenn Belgien vom heu­tigen Deutschland angegriffen würde, so würde das zweifelsohne noch viel schlimmer fein als 1914. Wenn er, Einstein, Belgier wäre, würde er die Milttärdienstpflicht unter den gegenwärtigen Um­ständen nicht verweigern, sondern sie im Gegen­teil mit voller Gewissenhaftigkeit übernehmen.

Professor Einsteins Erklärung, daß er sich nur der Fürsorge für die Emigranten und nicht der politischen Agitation widme, gewinnt durch diesen Brief, mit dem sich der Radikalpazifist Einstein offenbar bei den westlichen Rüstungsinteressenten anzubiedern sucht, nicht an Glaubwürdigkeit. Sie hat sogar in der französischen Presse keinen Anklang gefunden. Man verkennt nicht, daß er aus persönlichen Rücksichten diesen Ge­sinnungswechsel vollzogen hat. Während die meisten Blätter die Erklärung Einsteins feuilletonistisch be­richten, bringt ein Blatt die Erklärung, es b e dauere die Art und Weise, wie Einstein den Vorkämpfern der Rüstungsindustrie Vorschub leiste. Wir sind, so erklärt die Zei­tung, keineswegs davon überzeugt, daß das Hitler-Deutschland heute öffentlich den Krieg vorbereitet. Es könne sich gegenwärtig lediglich um ein Vor Vorbereitung handeln. Dieser Unterschied sei unbedingt wichtig. Trotzdem die Frage der Ab­rüstung nicht geklärt sei, schreibe Einstein Frank­reich und Belgien nur eine einzige Taktik vor, näm­lich den Appell an die Waffengewalt.

wiederfinden werden und müssen. Unter den eingelangten Begrüßungsschreiben er­wähnte der Redner das von Kardinal Erzbischo Schulte (Köln) im Tarnen aller deutschen Bischöfe und verlas eine Depesche des Präsidenten des Zen­tralkomitees der deutschen Katholiken Fürsten L o w e n ft e i n.

Bundeskanzler Dr. Dollfuß

betonte, daß der Katholikentag nicht nur eine An­gelegenheit der Katholiken, sondern eine inter­nationale Angelegenheit fei. Der Katholikentag stehe an einer zeitgeschichtlichen Wende. Die österreichische Bundesregierung sei einmütig dazu entschlossen, d i e Erneuerung oon Staat, Wirt­schaft und Gesellschaft in katholischem G e i ft e in die Wege zu leiten. Zur Grundla g e der ständischen Verfassung würden die Leitsätze der letzten Enzyklika des Papstes genom­men werden. Vornehmste Pflicht der Regierung werde es fein, das begonnene Werk des Konkor­dates zum Abschluß zu bringen, wofür wegen der derzeitigen verfassungspolitischen Verhältnisse die Voraussetzungen fehlen. Die Regierung sei aber inzwischen gewillt, das Konkordat praktisch bereits durchzuführen.

Die Veranstaltungen fanden ihren Abschluß mit einer eucharistischen Prozession, an der sich die hohe Geistlichkeit, Mitglieder der Regierung und die Spitzen der Behörden vom Stephansdom aus beteiligten.

Am Sonntagvormittag fand in Schonbrunn in Anwesenheit der Bundesregierung und des diplo- mattschen Korps ein Festgottesdienft statt. Auf der Freitreppe des Schlosses war der Feld­altar errichtet, an dem der Kardinallegat die Heilige Messe zelebrierte. Nach Verlesung des