Dienstag, V, Juli 1935
185. Jahrgang
Nr. 159 srühartssave
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General-Anzeiger für Oberhessen
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London, 10. Juli. (TU.) Das Ergebnis der Montagsverhandlungen besteht darin, daß die Weltwirtschaftskonferenz weiter hingezogen werden soll. Die Konferenzleitung gibt voller Befriedigung die Parole aus, daß die Konferenz f o r t g e - e tz t wird, was aber nicht darüber hinweotöuschen >arf, daß dies nur im beschränkten Um- ange geschieht. Es steht jetzt zu erwarten, daß Ende nächster Woche oder Anfang übernächster Woche eine abschließende Vollsitzung ein- berufen wird, wobei sich die Konferenz vorerst auf den Herb st — man spricht von Ende September oder Anfang Oktober — vertagen würde, d. h. bis die amerikanische Währungslage geklärt ist und sich die Saisoneinflüsse auf das Pfund ausgewirkt haben. Die Engländer haben ihre Vermittlungsversuche zwischen den beiden Währungsgruppen energisch fortgesetzt, worauf der etwas versöhn- lichere Ton der Franzosen zurückzuführen ist.
Oie Weltwirtschastskonferenz wird weiter hingezogen.
nationalen Marxismus. Nachdem der Marxismus zuerst in Italien und nun auch in Deutsch land kläglich zusammengebrochen sei nachdem der Marxismus das große russische Volk ins Elend gestürzt habe, wäre es wirklich ein Zeichen der Schwäche des Schweizer Volkes, wenn es nicht auch mit dem Marxismus und Kommunismus fertig werden würde. Was v e rs ch w i nde n müsse, das sei die Taktik derVerhehung und des Klassenkampfes. Das Treuebekenntnis zur Schweizer Na- tion sei der dritte Punkt, bei dem wiederum bei allen neuen Fronten und Verbänden äleber- einstimmung herrsche. Der beste Schutz der Schweizer Heimat bleibe nach wie vor Neutralität. Bundesrat Minger schloß, er stelle fest, daß es sich bei der neuen politischen Bewegung, die vor allem die Iugend erfaßt habe, weniger um die Aufstellung neuer Programmpunkte handele als vielmehr darum, den alten Programmpunkten der bürge rlichen Parteien neues Leben und neuen Inhalt zu verleihen. Die Bezeichnung „ g eist ige Erneuerung" sei deshalb zutreffend. In diesem Sinne wolle sich das schweizerische Volk auch mit der Jugend solidarisieren.
Oie Wahrheit über Deutschland marschiert!
Oer englische Zeitungskönig Nothermere berichtet über feine Eindrücke im Deutschland der nationalsozialistischen Revolution.
Ich lege es allen jungen Briten und Britinnen dringlich nahe, den Fortgang der Naziherrschaft in Deutschland aufmerk- zu verfolgen. Sie dürfen sich nicht durch falsche Darstellungen durch die Gegner dieser Bewegung irreleiten lassen. Die einfache, ungeschminkte Vaterlandsliebe Hitlers und seiner Gefolgschaft bringt unsere Salonbolsche- wiken und Kulturkommunisten in große 21ui«® gung. Die gehässigen Hcrunterreihcr der Nazis findet man in eben den Kreisen der vri- tischen Oeffentlichkeit und Presse, die am eifrig- sten in ihren Lobpreisungen der rufst s ch e n Sowjetherrschaft sind. Diese Kulissenreißer, die im Sowjetsystem nichts v Sklavenarbeitslagern wahrnehmen, wohl aver e bewundernswertes Beispiel bürgerlicher Org - fation darin erblicken, verschließen ihre W vor den tatsächlichen Erfolgen der natwnalsoz a- listischen Bewegung und erschaudern vor dem An
blick der Begeisterung, die sie in jedem Lebens- > zweig in Deutschland erweckt hat. Sie haben einen lärmenden Verleumdungsfeldzug 1 gegen das ausgenommen, was sie „Nazigreuel- I taten" nennen - was, wie aber jeder Besucher Deutschlands schnell entdeckt — nur aus ein paar wenigen, vereinzelt dastehenden Gewalttaten besteht, wie sie in einem Volk, das anderthalb mal so groß ist wie unseres, unvermeidbar sind, die man aber verallgemeinert, vervielfacht und übertrieben hat, um den Eindruck zu erwecken, als wäre Naziherrschaft eine blutdürstige Tyrannei.
wenn man sich die englischen Zeitungen der Jahre 1922/23 oornimmt, findet man, daß die alten Weiber beiderlei Geschlechts in unserem Lande genau so hysterisch über angeblich „faschistische Ausschreitungen" in Italien waren. Die Verabfolgung einiger Dosen Rizinusöl an kommunistische Gegner wurde in Ausdrücken des Grauens dargestellt, die jede Krankenschwester, die dergleichen ost getan hat, sich wie ein weiblicher Borgia fühlen lassen muhte. Jetzt, da Italien seit zehn Jahren nicht nur friedfertig und fortschrittlich, sondern auch — im Vergleich mit anderen Ländern — wohlgediehen ist, sind die gelegentlichen Ueberspanntheiten der frühen Tage des Faschismus vergessen. Gleichermahen werden die geringfügigen Fehltritte einzelner Nazis untertauchen in der Fülle der Wohltaten, die das neue Regime schon heule Deutschland bringt.
Allem voran ist die Befreiung des Landes von der Herrschaft jener muffigen, stets kuschenden deutschen Republik zu nennen, die ganz und gar kein Einsehen, kein Selbstvertrauen und sogar keine Selbstachtung hatte. Enthüllungen, die der Sturz der republikanischen Minister mit sich gebracht hat, beweisen, daß deren Verwaltungstätigkeit nichts war als ein Wandschirm, hinter dem Banden gewissenloser Politiker unter Vorspiegelung republikanischer Gesinnung das Volk systema- tisch aus plünderten. Zum ersten Mal in Deutschlands Geschichte hatten Betrug und Bestechung angefangen, sich in großangelegter Weise über den gesamten Staatsdienst zu verbreiten.
Ueberdies aber siel das deutsche Volk rasend schnell unter die Bevormung durch artfremde Elemente. In den letzten Tagen des vorhitlerischen Regiments gab es zwanzigmal so viel jüdische Regierungsbeamte in Deutschland wie vor dem Krieg. Israeliten mit internationalen Bindungen hatten sich in Schlüsselstellungen der deutschen Verwaltungsmaschine eingeschoben. Nur drei deutsche Ministerien hatten unmittelbare Beziehungen zur Presse, aber in diesen drei Fällen war der für die Nachrichtenverbreitung und Auslegung der Politik vor der Oeffentlichkeit verantwortliche B e - amte ein Jude.
von solchem Schimpf hat Hitler Deutschland befreit. Durch die Mobilisierung der Jugend zur Unterstützung einer kraftvollen Nationalpolitik hat er schon jetzt eine verzagende, verbitterte Nation zu einer hoffnungsvollen, auf ihre Zukunft vertrauenden gemacht. Die e r ft e Folge des neuen Geistes, den er Deutschland eiugehaucht hat, ist eine sichtliche Belebung seines Binnenhandels.
In England ist die Einflüsterung weit verbreitet worden, die Nazis wären finstere junge Raufbo de, die mit Terror über eine eingeschuchterte Bevölkerung herrschten. Das ist eine gänzliche B e r - d r e h u n g d e r T a t s a ch e n. Ich habe mich mit eigenen Augen und Ohren überzeugt, daß die Sympathien der überwältigenden Maße der deutschen Bevölkerung auf feiten dieser Organisation wackerer junger Patrioten stehen. Sie sind d erDortrupp einer nationalen Erhebung, die unter der sachgemäßen, zweckbestimmten Führung Hitlers und seiner Handvoll Gehilfen außerordentlich schnell Deut chland das B e r t r a u e n i n die e i g e n e Kraft und fein glückliches Geschick wiedergibt durch die Kriegsniederlage erschüttert war. Nichts hat die Welt heute so nötig wie Realismus. Hitler ist ein Tatsachenmensch. Er hat sein Land aus der fruchtlosen Leitung durch pudernde, halbherzige Politiker gerettet. Er hat seinem nationalen Leben öen unüberwindlichen Geist s leghaf- ten Jugend eingeflößt.
Oie Erneuerungsbewegung in der Schweiz.
Negierung und „Fronten".
Brugg (Kanton Aargau), 9. Iuli. (WTB.) In einer von 18 vaterländischen Verbänden einberufenen, von 15 030 Schweizern aus allen Landcsteilen besuchten Volksversammlung im Ving des römischen Amphitheaters der alten Nömerstadt von Vindonissa bei Brugg sprach! u. a. der Vorsteher des Eidgenössischen Militärdepartements, Bundesrat Minger, der drr Bauernpartei angehört. Er setzte sich mit den von den verschiedenen „Fronten" auf gestellten Zielen auseinander und erklärte u. a., daß das Schweizer Volk an der Demokratie nie
Ueber die heutige Bureausitzung wurde folgen- des Communiquä veröffentlicht: Das Bureau trat heute vormittag zusammen, um die Berichte der verschiedenen Unterausschüsse entgegen- zunehmen und Empfehlungen über die künftigen Arbeiten der Konferenz auszuarbeiten. Das Bureau prüfte zuerst den Bericht Colijns und Runcimans über die Arbeiten der verschiedenen Unterausschüsse der Wirtschaftskommission. Der Unterausschuß zur Prüfung des indirekten Protektionsismus und der Unterausschuß für Anpassung von Produktion und Nachfrage legten Berichte vor, die eine Fortsetzung der Konferenzarbeiten einstimmig empfahlen, und denen das Bureau seine Zustimmung gab. Der Unterausschuß für Subventionen und der Unterausschuß für Handelspolitik hatten mitgeteilt, daß sich bei ihnen Meinungsverschiedenheiten über die Zweckmäßigkeit einer Fortführung der Konferenzarbeiten ergeben hätten. In beiden Fällen betraute das Bureau, auf eine Anregung Colijns und Runcimans hin, ein Redaktionskomitee mit der Ausarbeitung eines Berichtes. Im Währungsausschuß verwies der Vorsitzende der Unterkommission für Sofortmaßnahmen, Jung, auf die am 7. Juli getroffene Entscheidung. Im Namen des Unterausschusses für Dauermaßnahmen erklärte Kienboeck, daß der Unterausschuß bereits vier Entschließungen angenommen habe. Nach einer allgemeinen Aussprache über das weitere Verfahren beschloß das Bureau, daß um Iß Uhr eine Vollsitzung des Ausschusses für Geldfragen zusammentreten solle, um ein Redaktionskomitee zu wählen, das dem Bureau bei feiner morgen um 15 Uhr ftattfinbenben Sitzung Empfehlungen zu unterbreiten habe.
Wie verlautet, ist die Frage der Vertagung der Weltwirtschastskonferenz in der Sitzung des Bureaus besprochen worden. Die Anzeichen einer Vertagung mehren sich, es wird vom 26. Inli gesprochen. Hüll, der mit Colijn und Neville Chamberlain eine Unterredung hatte, meint, daß die Stimmung zum Optimismus neigt; deshalb wird er sich vielleicht einer baldigen Vertagung nicht mehr entgegensetzen. Ein amerikanischer Delegierter sowie mehrere amerikanische Iour- nalisten sollen Schisfskabinen für den 20. I u l i b e st e l l t haben.
Der Währungsausschuß setzt ein Redaktionskomitee ein.
Bemühungen um eine Einigungsformel.
London, 10. Iuli. (WTB.) Im Wäh.ungs- ausschuß erstatteten der italienische Delegierte Iung und der österreichische Delegierte Dr. Kienboeck Berichte über die Tätigkeit der von ihnen geleiteten Unterausschüsse. Der Leiter des Währungsausschusses Cox erklärte, da man die Arbeit nur sortsetzen könne, wenn Einmütigkeit bestehe, so sei es notwendig, einen Redaktionsausschuß zu ernennen, der die bestehenden Meinungsverschiedenheiten zu regeln habe. Der französische Finanzminister Bonnet schlug vor, einen Redaktionsausschuh von zehn Mitgliedern zu ernennen. Nachdem der Vorschlag ein* 1 stimmig angenommen wurde, vertagte sich
der Ausschuß. Das Redaktionskomitee wird morgen zusammentreten. Iun g , der die Rolle eines Vermittlers übernommen hat, hat mit den anderen Mitgliedern dieses Komitees Besprechungen gehabt, um mit ihnen eine Einigungs- forme! zu verabreden.
Das pariser Echo.
Paris, 11. Juli. (WTB.-Funkspruch.) Auch die Pariser Morgenb'.ätter nennen den 26. Juli als den voraussichtlichen Zeitpunkt der Vertagung der Weltwirtschaftskonferenz. Sie meinen, die Konferenz werde zwei Monate in die Ferien gehen, beim Wiederzusammentritt im Oktober wäre auch das Ergebnis der Währungspolitik Roosevelts bekannt. Der in London weilende Außenpolitiker des „Echo de Paris" glaubt ein Zurückwcichen der amerikanischen und kanadischen Delegierten in der Währungsfrage feststellen zu können. Das fei aus zwei Gründe zurückzusüh- ren: einmal darauf, daß der französische Finanz- minifter Bonnet deyi englischen Ministerpräsidenten ein für allemal erklärt hat, daß Frankreich entschlossen sei, an Währungsdebatten solange nicht teilzunehmen, als der Währungsmarkt Erschütterungen ausgesetzt sei, wie gegenwärtig. Zum anderen darauf, daß die Goldwährungen an Stärke und Stabilität gewonnen hätten, seit der Widerstand Frankreichs, Italiens und der Länder, die ihnen folgten, gegen die Inflation eingesetzt habe.
Englische Hoffnungen.
Chamberlain sieht noch Möglichkeiten für einen Ausgleich.
London, 10. Juli. (TU.) Im Unterhaus wies der Schatzkanzler Neville Chamberlain darauf hin, daß der gemeinsame Wunsch zur Wiederherstellung der Weltwirtschaft sowie das ofsensichiliche vorhandene Einvernehmen über die Notwendigkeit der Währungsstabilisierung an sich anfänglich z u guten Hoffnungen berechtigt habe. Das Abgehen Amerikas vom Goldstandard habe jedoch eine neue Lage geschaffen. Chamberlain schilderte weiterhin die verschiedenen erfolglosen Versuche, zu einem Abkommen über die Stabilisierung der Währungen und die Beschränkungen der Währungsschwankungen zu gelangen und deren Ablehnung durch Roosevelt. Zweifellos sei die Wirkung dieser Ablehnung auf die Abordnungen und auf die öffentliche Meinung der Gold- ftanbartflänber sehr ernft und sehr verwir-> renb gewesen. Offensichtlich habe Roosevelt nicht nur zu verstehen gegeben, daß er den Rückwirkungen feiner inneren Poliiik auf andere Länder nur wenig oder gar keine Bedeutung beimeffe, sondern anscheinend habe er auch an einen internationalen Währungsstand gedacht, der bei den Goldstandardländern kein Vertrauen finden könnte.
England habe sich daraufhin entgegen den Wün- schen auf Vertagung dazu entschlossen, aus eine Fortsetzung der Konferenz hinzuwirken, deren Arbeit aber aus gewisse Punkte beschränkt werden solle. Er hoffe, so sagte Chamberlain, daß man vielleicht in den nächsten Tagen zu einem gewissen Ausgleich gelangen werde. Zu weiteren Verhandlungen eigne sich die Frage der Produktionsregelung sowie Vereinbarungen über eine Reihe von Rohstoffen. Abschließend meinte Chamberlain, daß die Konferenz doch vielleicht nicht ganz vergeblich gewesen sei, da man sich jetzt besser verstünde. Wir müssen, so erklärte er, Gleichmut bewahren und uns nicht durch die zeitweisen störenden Faktoren der Entwertung des Dollars, die in hohem Maße künstlich und das Ergebnis der Spekulation ist, zu übereilten und schlecht überlegten Entschlüssen treiben lassen. Die Erhöhung der Großhandelspreise sei weiterhin das Hauptziel der britischen'Regierung. Die britische Regierung sei weiter der Ausfassung, daß eS nicht möglich sei, diese Erhöhung des Preisniveaus durch Geldaktion allein zu- l standezubringen.
Sieghafte Jugend.
Unter diesem Titel hat Lord « ° t 6 e r. mere der bekannte englische Zettungs- könia dec augenblicklich zu Besuch in Norddeutschland weilt, seinem Blatt der : Daily Mail", die mit ihrer Zwer- mitlionenauflage die bedeutendste Zeitung des Northcliffe-Konzerns und eine der größten der Welt ist, folgenben interessanten Stimmungsbericht über feine Eindrücke im neuen Deutschland geschrieben. Ich schreibe aus einem neuen Land aus der Landkarte Europas. Es heißt N a z i l a n d. Von allen historischen Wandlungen unserer Tage ist die Umformung Deutschlands unter Hrtler die schnellste, vollkommenste und plötzlichste gewesen. Diese Nation von 65 Millionen steht hinter ihm, einig tote nie zuvor. Seitdem, vor fünf Monaten, die Nazis die Macht erlangt haben, ist Deutschlands pol 111 s ch e Struktur revolutioniert, feine Verfassung umgeformt worden, und seinem Vock wurde Kreuzzugsmut eingeslöht.
Etwas viel bedeutungsvolleres als eine neue Regierung ist inmitten der Deutschen erftaböen. Eine plötzliche Ausdehnung i b r c 8 21 a - tionalgefühls ist eingetreten wie damals in England unter der Königin Elisabeth. u - genb hat die Befehlsgewalt ubar- nommenl Ein Strom jungen Bluts belebt das Land neu. Er fließt so» stark in den entferntesten " Kanälen des Nationallebens wie bei feinem
Auf Besuch in Norddeutschland finde ich die Anzeichen des neuen Hitler-Geistes ebenso offenbar m den entlegensten Dörfern wie in den größten Städten. Ueber die kornbeladenen Felder hinweg ficljt man die Naziflagge auf den Dächern einsam liegender Landhäuser wehen. Fast jedes Fahrrad, dem man auf den langen geraden Landstraßen begegnet, trägt seinen Hakenkreuzwimpel, und durch die malerischen Gassen kleiner Landstädte schreiten die harten jungen Männer in Braunhemden — wie ihre braungekleideten Gehilfinnen — und haben die Herrschaft über Deutschland von den untauglichen Aelteren übernommen.
Seit mehreren Jahren habe ich die Entwicklung dieser Bewegung sehr aufmerksam verfolgt. Im September 1930 schrieb ich von München aus an die „Daily Mail", daß Deutschlands junger Nachwuchs „entschlossen wäre, die Führung in den nationalen Belangen in seine Hand zu nehmen". Ich habe mit jetzt bewiesener Genauigkeit vorausgesagt, daß diese Bewegung zu einer „nationalen Wiedergeburt Deutschlands" führen würde.
Selbst Sechziger, begrüße ich dieses der Welt so gegebene Beispiel. Ich trete für das Recht der Jugend auf Herrschaft ein. Mussolini hat die höchste Gewalt in Italien im Alter von 39 Jahren erreicht. Seine Mitarbeiter waren noch jünger. Sie zusammen haben ihr Land zum beftregierten in Europa gemacht. Ich baue fest darauf, daß Hitler, der im Alter von 43 Jahren zur Macht gelangt ist, ähnliche Erfolge in D e u t f ch l a n d erzielen wird.
Als Großbritannien fein Leben und die Freiheit Europas gegen Napoleon verteidigte, waren seine nationalen Führer auch jung. Pitt, Wellington, Nelson, alle hatten sie das volle Maß ihrer Cßer* antwortlichkeiten mit 40 erreicht. Währens heute die Regierungen von Deutschland oder Italien aus zehn oder einem Dutzend lebensstarker, frischer Männer in der Blüte ihrer Iahre bestehen, bringt eine britische Kabinettssihung 20 grauhaarige alte Herren zusammen, deren Durchschnittsalter 63 ist.
* Die Nachsicht oder Gleichgültigkeit, mit der die britische Öffentlichkeit abgewirtschasteten Parteiführern gestattet, sich an die politische Macht zu klammern, ist eine der Hauptursachen des Wirrwarrs, in dem sich unsere nationalen Angelegenheiten feit langem befinden. Ehe sich b i e jüngere O enetation in Großbritannien durchsetzt, wie es die Lugend in Deutschland und Italien getan hat, werden die selbstzufriedenen Schönredner, die jetzt im Amt sind und durch Preisgabe unserer Macht in Indien auf den Verfall des Reiches hinsteuern, ihren verhängnisvollen Einfluß weiter ausüben.
werde rütteln lassen. Auch konfessionelle Fragen dürften nicht aufgetoor- f e n werden. Ferner wollten die Schweizer die föderalistische Einstellung im Innern erhalten. Einstweilen liege das Schwergewicht der politischen Tätigkeit der 3ung?n noch in der Kritik. Immerhin würden sich gewisse gemeinsame Richtlinien abheben; so z. V. ei Tlebereinstimmung vorhanden in dem De- treben, das heute in politische und wirtschafte liehe Gruppen aufgelöste Schweizer Volk wieder zusammenzuführen zu einer eigent* ichen Volksgemeinschaft. Bei der Her* tellung dieser Volksgemeinschaft müsse man auf alle Schichten Rücksicht nehmen.
Ein zweiter Programmpunkt, über den Einigkeit bestehe, sei die Bekämpfung des inter-s


