Ausgabe 
10.11.1933 Erstes Blatt
 
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Pat und Patachon in zahlreichen Lustspielen auf­getreten ist, wurde, wie die Berliner Morgenblätter melden, in ein Irrenhaus gebracht. Er erlitt während einer Filmaufnahme einen Tob­suchtsanfall. Pat und Patachon wurden durch einen Zufall vor Jahren zufammengeführt. In einem dänischen Zirkus trat der Clown Madsen auf. Der Lehrer Schenström besuchte eine Vor­stellung; der Clown gefiel ihm besonders gut. Er suchte dessen Bekanntschaft, und es entwickelte sich daraus eine richtige Freundschaft. Die Beiden be­schlossen, gemeinsam ihren Humor und ihr Glück zu versuchen. Sie filmten als Pat und Patachon und trafen damit den spezifisch dänischen Humor. Ähre grotesken Filme traten von Kopenhagen aus einen Siegeszug durch die Welt an. Es war, äußerlich, eine Neuauflage von Don Quixote und Sancho Panfa. Der Lehrer Schenström als Pat lang und melancholisch, der Clown als Patachon luftig, beweglich und dick so waren sie auch dem deutschen Filmbesucher ein wohlbekanntes und, wie es schien, unzertrennliches Paar.

Vergessen und in Armut gestorben.

Wie die Stockholmer ZeitungSvenska Dagbladet" berichtet, ist in Nizza einer der größten Wohltäter schwedischer Forscher vergessen und in Armut gestorben. Es handelt sich um den Russen S i» biria kow, der seinerzeit die Mittel zur schwedischen Bega-Expedition" und Millionen^Beträge für an­dere Forschungen zur Verfügung gestellt hatte und einer der reichsten Männer des alten Rußlands war. Sibiriakow starb im Alter von 84 Jahren; auf sei­nem Sarg lag ein einziger Kranz vom schwe­dischen Kirchenminister. Außer seiner Pensionswirtin folgten dem früher weltberühmten Mann nur der schwedische Konsul und zwei andere Schweden zum Grabe. Durch eine Unterstützung der schwedischen Regierung wurde Sibiriakow, dessen riesiges Ver­mögen in russischen Banken angelegt und für ihn nach der Revolution unerreichbar war, vor dem Ver­hungern und jetzt vor dem Armengrab bewahrt.

Hindenburg übernimmt die Schirmherrschaft über den Kolonial-Lhrenhain.

Reichspräsident von Hindenburg hat einer Bitte des Präsidenten des Reichskolonialbundes, Gouverneur a. D. Dr. Schnee folgend, die Schirm­herrschaft über den Kolonial-Ehrenhain bei Eisenach übernommen. Vorsitzender des Arbeitsausschusses für die Errichtung des Kolonial- Ehrenhaines ist Reichsstatthalter Ritter v. Epp. Der Kolonial-Ehrenhain wird errichtet in dem von herrlichen Wäldern bestandenen Berggelände süd­lich der Stadt Eisenach. Er hat die doppelte Auf­gabe von dem unerschütterlichen Willen des deut­schen Volkes auf Rückgabe seiner Kolonien Zeugnis abzulegen und die Erinnerung an die deutschen Kämpfer wachzuhalten, die für die Entwicklung und Freiheit der deutschen Kolonien gefallen sind.

Ein neuer krankenkassenskaubat.

Die Justizpressestelle Berlin teilt mit: Im Zusam­menhang mit der Aufdeckung der unglaublichen Mihstänoe und Betrügereien in den marxistisch verseuchten Krankenkassen wurde der Baumeister Richard Freund in seiner Wohnung verhol- t e t und in das Untersuchungsgefängnis Moabit übergeführt. Nach eingehenden Ermittlungen hat der Sonderftaatsanwalt für die Untersuchung bei den Krankenkassen gegen Freund Anklage wegen fort­gesetzter Untreue und fortgesetzten Betruges erhoben. Der verhaftete Richard Freund ist der alleinige Inhaber der Baufirma Schmidt & Freund, der gleichzeitigehrenamtlich" Vorstandsmitglied der Ortskrankenkasse für das Maurergewerbe in Ber­lin und Soandau war. Die Anklage wirft ihm vor, in den Jahren 1927 bis 1933 die von ihm verriete- nen Kaffen in schamlosester Weise um etwa 2850 0 0 Mark oeschädigt zu haben. Ihm wird vorgeworfen, bei der Errichtung des großen Verwaltungsgebäudes der Kaffe in der Hankeftraße die Baukosten von 400 000 Mark auf 685 000 Mark zu Gunsten seiner Firma hinausgeschraubt zu haben.

den soll. Nach einer kurzen, kaum halbstündigen 1 Sitzung wurde die Einsetzung eines sechsgliedrigen engeren Ausschusses beschlossen, dem Eng- land, Frankreich, Italien, Polen, Spanien und Nor- wegen angehören. Dieser Sechserausschuß soll bis Samstag dem Präsidium der Abrüstungskonferenz einen Vorschlag für d i e weitere tech- Nische Umarbeitung d e s Macdonald- plane» machen und zwar soll jetzt eine Reihe von einzelnen technischen Ausschüssen für die Bearbei­tung der verschiedenen Kapstel des Macdonaldpla- nes eingesetzt werden. Ausgefallen ist, daß in dem Sechserausschuh weder Amerika noch Sow- jetrußland noch Japan vertreten ist. Man ist damit von der bisherigen Gepflogenheit der Ein­beziehung sämtlicher Großmächte in die Verhand­lungen abgewichen.

Für eine direkte Aussprache Berlin-Paris.

Eine Anregung des Neichsbankpräsidenten Tr. Schacht. P a r i s, 9. Nov. (TU.) DasPetit Journal" be- richtet über eine Unterredung, die Reichsbankpräsi­dent Dr. Schacht einer Mitarbeiterin des Blattes gewährte. Der Reichsbankpräsident wies auf die Nützlichkeit und Notwendigkeit einer direkten deutsch-französischen Aussprache hm. Die Londoner Weltwirtschaftskonferenz mit ihrem kläglichen Ergebnis beweise, daß solche Massenocr- fammlungen wenig erfolgreich seien. Auch Reichs­kanzler Adolf Hitler sei gegen Riese n ko n- greife, weil dort ein Vorschlag stets eine Reihe von Gegenvorschlägen auslöse. Eine Konferenz müsse möglichst wenig Personen umfassen, die jedoch das restlose Vertrauen ihrer Regierungen hätten. Warum seien die Deutschen und Franzosen niemals allein in Fühlung gekommen? Man würde sich so näherkommen. Em auf diese Weise geschaffenes Wirtschaftsabkommen würde sicher auch zur politischen Verständigung führen. Leider aber kämen Franzosen und Deutsche niemals miteinander in Fühlung. Man suche sie stets g e - geneinander a u s z u s p i e l e n.

Sonderbevollmächiiglc des SberstenSA-Mrers bei den preußischen Behörden.

Berlin, 7. Nov. (WTB.) Amtlich. Der preußi- scbe Ministerpräsident Göring hat im Einoemeh- men mit dem Chef des Stabs des Obersten SA.- Führers und der Reichsleitung der NSDAP, bei den preußischen Regierungsstellen SA.- und S S.- Führer als S o n d e r b e o o ll m ä ch t i g t e des Obersten SA.-Führers aufgestellt. In einem Runderlaß an die nachgeordneten Behörden ^Der^nationalsozialistische Staat hat durch Bsseitt- gung der Parteien auch jede Opposition be­seitigt. So wünschenswert dies nach dem Füh- rerprinzip ist, so darf doch die Möglichkeit für Anregungen und notwendige Der- befferungen nicht ausgeschaltet werden. Bei den preußischen Regierungsstellen werden da­her SA.- und SS.-Führer aufgestellt werden als Sonderbevollmächtigte des Obersten SA.-Führers entsprechend den Sonderkommissaren bei der seiner­zeitigen Errichtung der Hilfspolizei.

Die Mitarbeit an der staatlichen Verwaltung ist lediglich beratend und anregend. Ein Eingreifen in den Dienstbereich der Behörden ist unzulässig. Der Aufgabenkreis umfaßt Mitarbeit mit dem Leiter der Behörde in allen Fragen be­treffend die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, sowie bezüglich staats­feindlicher Umtriebe. Hinweis auf etwa auftreten« des Schwinden hinsichtlich des guten Willens der Beamten, im nationalsozialistischen Sinne zu ar­beiten, desgleichen bei Verzögerungen oder nicht sinngemäßer Befolgung von Erlassen. Schlichtung von Reibungen zwischen den Behörden, SA.» und SS.-Dienftstellen, Abstellung von Ueberariffen von Sonderaktionen. Ein Eingreifen indie Ver­waltung ist ihnen untersagt; sie haben kei­nerlei Befehlsbefugnisse gegenüber den Behörden und Beamten. Dagegen ist oerständnis- und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Beamten und den Behörden, und zwar gegenseitig.

erforderlich. Zu chrem Aufgabenkreis gehört ferner die rechtzettige Veranlassung zur Verhinderung des Auflebens aufgelöster Parteien und Verbände, auch in getarnter Form. Eingriffe in d i e Wirt­schaft, Absetzung von Beamten (z. B. Bürger­meistern), Dereinsvorständen, Einsetzung von kom- missarischen Vorständen usw. und die Mttwirkung bei solchen Handlungen sind verboten. Gleich­schaltungen sind nicht Aufgabe des Sonderbeooll- mächtigten und -beauftragten. Anregungen hierfür find auf dem Dienstweg weiterzuleiten.

Defehlsbesugnis über SA.- unb SS.-Einheiten haben sie mir insoweit, als diese ihnen als SA.- oder SS.-Führer unterstellt sind. Eingriffe in inner* dienstliche Angelegenheiten anderer Einheiten sind verboten. Schärfster Kampf gegen Spitzel und Provokateure. Wer Mißstimmung und Unruhe in den eigenen Reihen erregt, zu Gewalttätigkeiten an- reizt oder auffordert, die Manneszucht verletzt, per­sönliche Rache übt, hat als Schädling in der SA. unb SS. keinen Platz. Beratende uri) anregende Mitwirkung bei der sozialen Fürsorge der Verwal­tungsbehörden, ^bevorzugte Unterbringung arbeits­loser SA.-, SS.« ober Stahlhelmmänner in Ar­beitsstellen. Verhinderung der Anmaßung un,juläf- ger Befugnisse durch SA.-, SS.- unb Stahlhelm- einheiten unb -angehörige.

Ich mache allen Beamten unb den Sonder bevoll­mächtigten und -beauftragten zur Pflicht, oerständ- nisvoll und aufrichtig zusammenzuarbeiten, und zwar ausschließlich im Interesse der Allgemeinheit, im Sinne der national­sozialistischen Bewegung und im Sinne des Volks- gemeinschaftsgristes. Ueberheblichkeit, mittelbares und verstecktes Gegenarbeiten, Kleinlichkeit unb selbstsüchtiges Streben u. dgl. müssen unter allen Umständen unterbleiben. Falls berartige Auswüchse Vorkommen sollten, werde ich sie rücksichtslos ab- stellen.

Aus aller Wett.

Deutsches Flugzeug bezwingt den Sübatlantif in 15 Stunden.

Am Dienstagvormittag um 9.30 Uhr startete der Dornier-BMW.-WalMonsun" D 2079 der Deut­schen Lufthansa unter Führung des Flugkapitäns Kramer von Clausbruch in Bathurst (Bri- tisch-Gamba) und erreichte nach einem Fluge von 6 Stunden 15 Minuten den mitten im Südatlantik auf seiner Position befindlichen Flugstützpunkt Westfalen". Der Weiterflug wurde am nächsten Morgen 10.05 Uhr (MEZ.) angetreten. Die Lan- düng in Natal (Brasilien) erfolgte am Mittwoch um 18.55 Uhr. Der Lusthansa-WalMonsun" bezwang also den Südatlantik in 15 Stunden und 5 Minuten Flugzeit, eine Leistung, die besondere Beachtung verdient.

Afrika-Runbflug eine» französischen Luftgeschwaber».

Das Geschwader des Generals D u 111 e m e n ist am Mittwochfrüh in Jstres bei Marseille zu seinem über 25 000 Kilometer führenden Afrikarund - f l u g gestartet. Nachdem drei Flugzeuge vor zwei Tagen bereits vorausgeschickt worden sind, sind am Mittwoch 17 Maschinen gefolgt, die in drei verschie­denen Gruppen in gewissen Abständen fliegen. Das Flugzeuggeschwader hat zunächst Kurs auf Los Al- cozares und Rabat genommen, wird bann ben Atlas überfliegen unb anschließenb 1500 Kilometer Wüste überqueren, die Marokko von Zentralafrika trennt. Der Rundflug führt über ben französischen Kolonial- besitz in Afrika und wird in etwa 33 Etappen zurück­gelegt. Die äußersten Punkte, die die Flugzeuge er­reichen sollen, sind Dakar und Bangui. Der Flug hat nicht nur eine militärische Bedeutng, sondern dient außerdem der französischen Propaganda in Afrika.

Trauriges Ende vanpat unb patachon".

Der bönische Dolksschullehrer Karl Schenström, der unter bem NamenPat" als einer ber beiben auch in Deutschlanb sehr bekannten Filmschauspieler

Oie Nobelpreise für Literatur unb Physik.

Heisenberg und Schrödinger, die deutschen Preisträger.

Die Schwedische Akademie in Stockholm hat be­schlossen, dem russischen Schriftsteller Iwan Bunin den diesjährigen Nobel-Preis für Lite­ratur zu verleihen. Iwan Alerejewitsch Bunin, geboren am 22. Oktober 1870 in Woronesch, ist ein feinsinniger Lyriker und Erzähler, der in die von Tschechow zu den Neurealisten ber Gegenwart füh­rende Linie gehört. Klarheit unb Schlichtheit finb die Grunbzüge seiner Lyrik wie seiner Prosa. Sein Hauptwerk ist ber große BauernromanDas Dorf" (1910), in welchem bas wirtschaftliche unb sittliche Clenb der russischen Bauern erschütternd geschilbert wird. In deutscher Uebersetzung erschienen von Bu­nin, der übrigens heute als Emigrant lebt, dieEr­zählungen" (1903) undDer Herr aus San Fran- Cisco" (1922).

Die Schwedische Akademie ber Wissenschaften hat ferner bie Entscheidung über bie Nobelpreise für Physik getroffen. Den zurückgeftellten Physik- preis für bas Jahre 1932 erhält Professor Werner Heisenberg von ber Universität Leipzig. Der Physikpreis für 1933 wirb geteilt zwischen Professor Dr. Erwin Schröbinger (Berlin), ber vor kurzem einem Ruf an bie Universität Oxford an­genommen hat, unb Professor Dr. Pam D i r a c an ber Universität (Tambribge für feine Ent- berfungen auf bem Gebiete ber Atomtheorie. Pro­fessor Dirac, der im Jahre 1902 in Bristol ge­boren ist, unb Professor Heisenberg gehören zu ben jüngsten Gelehrten, bie jemals ben Nobelpreis er­halten haben.

Werner Heisenberg würbe am 5. Dezember 1901 al» Sohn des Unioersitätsprofessors August Heisenberg in Würzburg geboren. 1924 habilitierte er sich in Göttingen. Don 1926 bi» 1927 war er Lektor für Physik an ber Universität Kopenhagen unb folgte 1927 einem Ruf als orbentlidjer Pro- fessor an bie Universität Leipzig. Seine Haupt­arbeiten liegen auf dem Gebiet ber Quantentheorie. Die Erfolge, bie er darin aufzuweisen bat, haben ihm mancherlei Anerkennung eingebracht. U. a. icidmete ihn bie Neuyorker Gesellschaft für wissen- chastlichc Forschungen durch Ueberreichung ihrer Fhrenmebaine aus und verlieh ihm zur Forderung seiner Forschungsarbeiten 2500 Dollar Heisenberg gab 1930Die physikalischen Prinzipien ber Quan­tentheorie" heraus.

Erwin Schrödinger wurde 1887 in Wien geboren. Er habilitierte sich 1914 in seiner Vater­stadt unb kam 1920 als ao. Professor nach Stutt­gart. Von bort folgte er 1921 einem Ruf an die Universität Breslau, um noch im gleichen Jahre Nachfolger von Max von Laue in Zürich zu wer­den. 1927 übernahm er den Lehrstuhl für technische Physik an der Universität Berlin an Stelle von Pro­fessor Max Planck. Schrödinger hat seinen Rus durch verschiedene wissenschaftliche Arbeiten auf dem Ge­biete ber statistischen Theorie ber Materie, ber phy­siologischen Farbenlehre und der Quantentheorie begründet.

öer Alte Krih und die Martmsgans. Ein pommerfches Volksmärchen. Mitgeteilt von Peter Purzelbaum.

Einmal hatte der Alte Fritz gehört, da in einem Dorfe in Pommern wo es gewesen, wcih man nicht mehr genau da äße jedermann seine Martinsgans und wenn es der allerärmste Häus­ler wäre. Der König wollte doch einmal selbst sehen, ob das wahr wäre, verkleidete sich am Martlnstage als Hanbwerksburfche unb aing m jenes Dorf Das ärmlichste Haus suchte er sich aus unb barin wohnte ber Schweinehirt, ber zugleich Besenbinber war. Friebrich klopfte an. Unb als ihm aufgetan warb, erzählte er, er wäre ein reifen- ber Handwerksdursche, hätte keinen Pfennig Geld mehr in ber Tasche, unb es wäre boch so kalt. Ob er wohl Nachtquartier bekommen könne.

3a, bu kannst bleiben", sagte der Mann unb wie» auf einen Hausen Besenreiser, der in einer Ecke lag,und wenn du schlafen willst, so nimm damit Vorlieb, ich habe selbst kein anderes Nacht­lager."

Der Alte Fritz meinte, er wär's zufrieden und legte sich auf bie Besenreiser, bie in einer Ecke lagen, indes der Schweinehirt, der noch eine Hand voll Reiser zum Binden fertig liegen hatte, weiter- arbeitete.

Der Alte Fritz ober vielmehr der Handwerks­bursche wartete nun neugierig auf den Augen­blick, wo das Essen aufgetragen wurde unb richtig, als Essenszeit war, kam eine Gans auf den Tisch, eine schöne knusprige Gans. Der Besenbinber stellte eine Schnapsflasche unb ein Glas dabei und rief bann ben Hanbwerksburschen heran, ber sich letzte unb auch wirklich seinen Teil abbekam. Er ließ sich's schmecken, liebäugelte dabei mit der

Schnapsflascbe unb langte bann auch danach. Denn der Alte Fritz nahm gern mal einen.

Da entriß ihm aber Der Besenbinder die Bouteille aus der Hand, wischte ihm eine aus unb sagte:

Einschütten kommt dem Hausherrn zu!"

Da gab sich der Handwerksbursche zufrieden und bekam denn auch sein Glas eingeschenkt.

Am anderen Tage wanderte Friedrich wieder nach Potsdam auf sein Schloß zurück. Und nach einiger Zeit schickte er hin zu dem Besenbinder unb ließ ihn zu sich in's Neue Palais einlabcn. Da zer­brach sich ber Mann vergebens den Kopf, wie der König wohl dazu käme, gerade ihn einzuladen, zog feinen besten Rock an und ging hin.

Er wurde an die Königliche Tafel geführt, dort mußte er sich dem Herrscher gerade gegenüber setzen aber er erkannte in ihm seinen Hand­werksburschen nicht wieder.

Für jeden Tischgast stand neben dem Teller eine Flasche Wein, doch keiner schenkte sich ein. Der Alte Fritz hatte nämlich vorher seinen Hofherrn Bescheid gesagt, unb nun stieß einer ben anberen an unb gab ihm ben Wink, er möge hoch anfangen unb einschenken unb bies Manöver ging um die ganze Tafel herum, bis es an ben Besenbinber kam, ber aber sagte ganz laut:

Nee, fällt mir nicht ein! Einschütten kommt bem Hausherrn zu!"

Das war Dein Glück!" rief ber Alte Fritz. Sonst hättest Du brei Ohrfeigen für eine roieber- gekriegt!"

Nun erst merkte ber Besenbinber, wer jener Hanbwerksbursche, ber mit ihm die Martinsgans verzehrt hatte, gewesen war, sprang auf unb stotterte allerhanb Entschuldigungen heraus.

Zeitschriften.

Mutter unb Äinb", Zeitschrift für Er­nährung, Pflege unb Erziehung Des Kinbes. Ver­lag Elwin Staude, Osterwieck a. Harz. Vierteljähr­lich 1,65 RM. einschl. Porto. Die Zeitschrift bringt wertvolle Anregungen aus praktischen Er­fahrungen. Das für bie junge Mutter fo wichtige Gebiet ber Pflege, Ernähruna unb Erziehung des Kindes wird allgemeinverständlich behandelt. Das Novemberheft enthält u. a. folgende Beitrage:Mei­nes Jungen erster Ritt" von Leni Rahlss-Wentz, lieber Sorgfalt unb Pebanterie in ber Säuglings- emährung",Zur Frage ber Eheberatung" von Dr. Ilse Szagunn, ,Zch verlängere Kinderkleidchen von Lotte Baumann.Spielzeug" von Dr. Eharl. Steinbrucker,Das Kind als Schauspieler", usw. Fast alle Beiträge finb wieder bebildert.

Unter ben gegebenen Umständen hatte er persönlich das größte Interesse an einer Verlängerung der Bauzeit unb Verteuerung ber Arbeiten. Ferner ist von der Staatsanwaltschaft auch ber ehemalige Geschäftsführer der Krankenkasse Paul Dehn» wegen Untreue angeklagt worden.

Professor Cassel tritt in ben Ruhestand.

Dieser Tage hielt der weltberühmte schwedische Nattonalökonom Professor E a s s e 1 feine Abschieds- Vorlesung in der Stockholmer Hochschule. Sämtliche Professoren, mit bem Rektor an ber Spitze, Stu­denten mit Fahnenabordnungen unb eine -rnhlreich» Zuhörerschaft füllten den Großen Saal. Professor Cassel hat 63 Semester an der Hochschule gelesen. Herzliche Huldigungen, Reden verschiedener Profes­soren und Ueberreichung einer Festschrift, an ber 50 schwedische und ausländische Nationalökonomen mitgearbeitet haben, beschloß bie Feier. Professor Cassel begibt sich sofort auf eine Vortrags- reife. Die ersten Orte, an denen er sprechen wird, sind Prag unb Wien.

Appell an bie evangelische Jugend der wett.

Der evangelische Reichsjugendwart Dr. Stange (Kassel) hat in einem Kabeltelegramm an ben be­kannten amerikanischen Weltjugenbsichrer Dr. Mott bie einmütige Zustimmung des evangelischen Iu- genbwerk» zu ber Außenpolitik Adolf Hitler» bekundet unb gleichzeitig bie deutschsprachigen Bru­dervereine des evangelischen Jungmännerwerks Ueberfee zum Einsatz zur Aufklärung über Deutsch­lands Ringen um Frieden unb Ehre aufgerufen.

Der älteste Nationalsozialist.

In Bochum-Wanne beging ber Bergmann Wilh. Ströter in körperlicher unb geistiger Frische fei­nen 9 5. Geburtstag. Ströter, ber 1838 geboren ist, war bis 1875 im Untertagebetrieb tätig. In­folge eines Unfalles wurde er bann über Tage als Fördermaschinist beschäftigt. Nach 57jähriger un­unterbrochener Tätigkeit auf ein unb derselben Zech« wurde Ströter 1914 pensioniert. Ströter, der bereits mehrere Jahre lang der NSDAP, asgehöri, ist an Lebensjahren der älteste Nationalsozia­list Deutschlands.

Drei Todesopfer

eines schrankenlosen Bahnübergang».

Wie die Pressestelle der Reichsbahnbirektion Han­nover mittelst, würbe auf ber Strecke Nienburg Minden in der Nähe des Bahnhofs Schlüsselburg an der Weser an einem Bahnübergang ohne Schranke ein Personenkraftwagen, ber anscheinend das Herannahen des Zuge» nicht gehört hatte, von der Lokornottoe des Güterzuges 9712 er­faßt und vollständig zertrümmert. Drei Personen wurden dabei getötet unb eine schwer o»r« letzt.

Zwei Tote bei einem Flugzeugabsturz.

Bei Etobon in ber Nähe von Beifort ist da» brei­motorige Farman-Passagier-Flugzeug der Air France, das vom Flugolatz Basel gestartet war, a b- ge ft ü r 31. Der Bordfunker unb ein Passagier, Dr. Spörri aus Einsiedeln, würben getötet, wah­rend der Pilot schwer und ein Mechaniker leicht ver­letzt finb. Das Flugzeug stieß im Nebel auf einen Hügel. Jrn Flugzeug befanden sich noch vier Gern- fen, bie für den Londoner Zoo bestimmt waren. Ein Rofsitten-Storch in Rumänien tot ausgefuuden.

Durch alle Zeitungen ging kürzlich bie Nachricht, daß ein deutsches wissenschafttiches Inststut einige hundert mit besonderen Erkennungszeichen versehene Störche (in Essen, Frankfurt a. M. unb Rofsit- ten) hatte abfliegen lassen, um festzustcllen, ob sie ihre Reise nach dem Süden aus eigenem Instinkt ober aus angelernter Erfahrung antreten. Einen bleser Störche hat man soeben in ber Nähe von Constanza (Rumänien) tot auf dem Ielb gefun­den. Er trug die ErkennungsmarkeVogelwarte Rossitten, dringend zurück B 41057", außerdem bie Nr. B 268.

wieder ein deutscher Kriegsteilnehmer unter französischer Anklage.

Aus Lille wirb schon wieder der Fall gemeldet, daß ein ehemaliger deutscher Kriegsteilnehmer na­mens Staub, der sich 1930 mit seiner Familie in Frankreich niedergelassen hatte, verhaftet wurde, weil er von den Pariser Behörden al» französischer Staatsangehöriger betrautet wird. Staub stammt

Oer Groß Film

vom Reichsparteitag 1933.

Von ber Canbesfilmftelle Sübmeft, Frank­furt a. M., wird uns geschrieben:

16 000 Meter Film finb für ben Nürnberger Reichsparteitag ausgenommen worben Daraus soll nun ein Bilobotument werden von zirka 2000 Meter Länge, das an Lebendigkeit nicht» zu wün­schen übrig läßt. Leni Riefenstahl, bie beutsche naturverbundene Künstlerin wurde von dem Führer mit der künstlerischen ßeltuna beauftragt Sie schneidet zur Zeit den Film, b. h. sie bearbeitet ihn sowohl vom künstlerischen Standpunkt aus, al» auch von ber Seite bes wirklichen Erlebens.

In zahlreichen Pappkästen liegt bas Filmmaterial verwahrt, aufgeteilt in kleine unb kleinste Rollen. Ringsumher hängen fast enblose Bänber auf Ge­stellen. bie gerade gebraucht werden. Taa für Tag bis in bie späten Nachtstunden läuft ber Film­streifen über den Vorsührtisch unb wird gesichtet. Gerade eben rollt eine wunderbare Szene vorüber: Nürnbergs Zinnen im Morgengrau - langsam löst sich über den Dächern mit den aufftelgenben Rauchschwaden das erste Leben, bann quellen die Brunnen auf, und bie Stabt schüttest ben Schlaf aus ben Augen. Gassen, Häuserfronten tun sich auf, Nürnberg rüstet sich, Deutschlanb strömt in bi» heilige Stabt. Alle Generationen babei, bie Alten, bie Männer, bie Iugenb. Sine Bildsinfonie ent­steht, eine neueEroica" bes Dritten Reiches.

Unenblid) schwierig ist bie Arbeit, aber lachenb ist jeder dabei.Ein Paar Ardeitshandschuhe sind von der scharfen Filmkante schon zerschlissen", sagt Leni Riesenstahl. Aber bas einmalige gewaltig» Thema muß richtig angefaht werden.

Mitte dieses Monats wird ber Grohfilm vom Reichspartestag zum erstenmal über die weihe Wand laufen und alles bisher Gesehene von Massenauf­märschen und Begeisterung in den Schatten stellen. In den Erstvorfuhrungs-Theatern wird man ben Film zu allererst sehen, dann erhalten ihn Zweit- unb Nachvorführungs-Lichtspiellheater. Schon wirb von ben Lichtspiel-Theaterbesitzern bisponiert, jeher möchte ben Film zuerst Haden. Die Lanbesfilmstell« Sübwest ber NSDAP-, Frankfurt, ist allein be­rechtigt, ben Verleih vorzunehmen, an sie sinb olle Anfragen zu richten. Dann wirb bas beutsche Volk In die Vorführungen strömen unb neue Kraft mit nach Hause nehmen, bie ihm ber Führer unb bie Bewegung mst beiden Händen geben wirb«