Ausgabe 
10.11.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 264 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Zreitag, 10. November 1953

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Eichener Anzeiger

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Martin Luther.

Ium 10. November 1933.

Von D. Dr. Hermann Wolfgang Beyer, o. ö. Professor der Kirchengeschichte an der Universität Greifswald.

Mitten in dem großen Geschehen, das unser Volk in allen seinen Gliedern erfaßt, mitten in dem Kampf um die Wiederherstellung der deutschen Ehre vor der Welt, mitten in dem Ringen um die schöpferische Entfesselung aller echten und starken geistigen Krqfte in unserem Volke steht die Gestalt Martin Luthers vor uns auf. Es geschieht in einer Zeit, in der unser Volk noch einmal alle seine Kräfte sam­melt, um sich zu behaupten, mitten zwischen Bolsche- , wisrnus und westierischem Ungeist. Kein Wunder, daß es sich besinnt auf die großen Gestalten seiner Geschichte und daß es sie sich vergegenwärtigt unter dem Gesichtspunkt ihrer Bedeutung für das Volk.

So sehen wir heute in Martin Luther zuerst den deutschen Mann, dessen menschliche Größe doch, wenn sie ehrlich sind, auch die anerkennen müs­sen, die sich nicht zu seiner reformatorischen Tat be=

De» Führers Rede an die deutsche Arbeiterschaft auf der heutigen Kundgebung für Friede, Arbeit und Brot, die von 13 bis 14 Uhr übet alle deutschen Sender geht, wird heute von 20 bis 2 1.10 Uhr wiederholt!

kennen. Wahrlich: In kaum einer Gestalt der deut­schen Geschichte finden wir so ausgeprägt wie bei Luther die Züge echt deutschen Wesens wieder. Deutsch ist der grübelnde Sinn, mit dem der Sohn des Dauerngeschlechtes aus dem Herzen unseres Va­terlandes die großen Fragen des Lebens anpackt und nicht eher ruht, bis er eine schlichte, klare, eindeutige Lösung gefunden hat. Deutsch ist der Mut zur Wahr­heit, vor der Luther sich beugt und wenn ihm dar­über alles, was ihm bisher Lebenssinn zu sein schien, zerbricht, für die er aber fortan einsteht als echter kämpferischer Mensch, gegenüber allen irdischen Mächten auf die Gefahr hin, sein Leben zu verlieren, aber auch gegenüber den nächsten Freunden, wenn sie weich werden oder wenn sie im Ueberschwang ihr eigenes Wollen über die Wahrheit setzen.

Deutsch ist die erfrischende Derbheit in der Sprache Luthers, die den Gegner jo nimmt, wie er es ver­dient, die alle Dinge mit treffendem, unerbittlichem Wort bezeichnet und doch nie in Haß umschlägt und vollends nie einen unreinen Ton aufklingen läßt. Deutsch ist die Zartheit und Innigkeit, mit der dieser unerbittlichste Denker unter allen Deutschen, dieser unermüdliche, harte Kämpfer zu seinem Weibe und zu seinen Kindern spricht, die ihn zum Dichter und zum Freund fröhlicher Musik macht.

So hat Martin Luther unserem ganzen deutschen Volke Großes geben können. Sein Eingreifen in die Geschichte hat erst die Dahn dafür frei gemacht, daß die Deutschen den Gedanken fahren lreßen, Trager eines fortgesetzten römischen Weltreiches zu sein und sich auf die völkischen Grundlagen ihrer eigenen Staatlichkeit besannen. Durch sein Wirken hat sich der Schwerpunkt der deutschen Geschichte nach dem Norden und Osten verschoben und dessen schöpferische Kräfte entbunden. Seine Bibelübersetzung und Die Fülle seiner Schriften, die in handlicher, auch äußer­lich anziehender Form immer wieder durch ganz Deutschland gingen man kann sich 'N der Witten­berger Lutherhalle ein anschauliches Bild davon machen haben den verschiedenen Stammen unse­res Volkes eine doch im Ganzen einheitliche überall verständliche und den Ausdruck des Lebens formende Sprache gegeben. Zugleich hat diese Sprache durch die Meisterschaft, mit der Luther sie beherrschte und alle ihr zugänglichen Töne aufklingen ließ, solche Kraft und Tiefe bei aller Volkstümlichkeit bekom­men, wie sie kaum eine andere neuere Sprache De» sitzt. Luther hat die Meinung zerbrochen, daß; öas Religiöse als etwas Heiliges über dem Irdischen, dem Profanen, schwebe; indem er das Des menschlichen Lebens und aller seiner Gemeinschafts- formen in seiner Unmittelbarkeit zu Gott erkann ist er zum stärksten Bahnbrecher der neuzeitlichen Kultur geworden. Das Mittelalter sah in d^Ehe losigkeit des Priesters und Mönchs etwas besonders Frommes, während Luther die gottgewollte Heilig teil des Ehestandes verkündet hat.

Der Reformator erst hat sein Volk den tieferi Sinn des WortesBern f" verstehen gelehrt. Auch km erkannte er nicht an, daß es 'rsendeme Form menschlicher Betätigung gebe, die als solch h 9 wäre als irgendeine andere. Er wußte, d h beit der Magd im Stalle genau so wie das Amt des Geistlichen am Altar, der wie Handeln des Staatsmannes, der das tejen

in wagender Tat aufs Spiel setzt, Gottesdienst feien, wenn sie nur im Wissen um d^ D^antwo tan würden, die auf jedem menschlich $

So hat Luther die Vorstellung zerbrochen, daß es iraenbeinen geistlichen Machtanspruch in dieser Welt o?be ha7Äm"t und Obrigkeit der ®erantmortun9^ irdischen Menschen übertragen. Aber eben d & Ä über »Ä»Ä '

Luther hat den Menschen frei gemacht von allen Bindungen an irdische Mächte und Gewalten vn die sich das Herz verlieren oder m Die es oerjinui werden kann Gott über alle Dinge furzen heben und vertrauen, das war feine Forderung! Daß dies möglich fei, war seine Freude und kraftspendende Verkündigung. Wenn der Mensch auf den lebendi-

Macdonald ersucht Deutschland um Vorschläge zum Abrüstungsproblem.

Oer britische Ministerpräsident spricht aus dem Lordmayors-Bankett in der Guild-Hall.

London, 10. Nov. (TU.) Am Donnerstag fand bei dem neugewählten Lordmayor von Lon­don das jährliche Festessen mit den üblichen Feier­lichkeiten in der Guild-Hall statt. Unter den 800 Gästen sah man die Mitglieder des englischen Kabinetts, führende englische Politiker und Mili­tärs, das Diplomatische Korps, darunter den deut­schen Botschafter von H o e s ch und viele andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Das Haupt­ereignis des Abends war die Rede des Mini­sterpräsidenten Macdonald über die politische Entwicklung des vergangenen Jahres, die auch vom Rundfunk übernommen wurde. Mac­donald erklärte u. a., England habe feine Streit­kräfte bis zu dem Punkt vermindert, wo nicht ein einziges Pfund ausgegeben werde, das nicht ehrlich notwendig sei« für die Ver­teidigung im Licht der augenblicklichen Umstände. Gerade in dem Augenblick, wo ein neuer Versuch habe gemacht werden sollen, um den deutschen An­sprüchen entgegenzukommen, sei Deutschland nicht nur aus der Abrüstungskonferenz ausgetreten, sondern habe es auch seinen Austritt aus dem Völkerbund angekündigt. Nachdem Macdonald auf­gezählt hatte, was die britische Regierung getan habe, um Deutschland zu helfen, erklärte er, die britische Regierung sei bestrebt, diese Arbeit fort­zusetzen, wenn Deutschland ihr gestatte, dies zu tun. Bei einer Abrüstungskonvention, die die Welt be­friedigen solle, müsse Deutschland unterschreiben. Was solle Deutschland hindern, uns feinen Stand­punkt vorzulegen? Deutschland würde sich an ein Tribunal von Männern binden, die den Frieden wollten und die bereit seien, Deutschland in jeder Weise entgegenzukommen. Die gegenwärtige Politik der britischen 'Regierung sei, das Zusammen­wirken mit Frankreich, Italien und den "Vereinigten Staaten aufrechtzuer­halten und alles au tun, um Deutschland z u den Verhandlungen zurückzubringen. Freiherr von Neurath habe vor zwei Tagen zum Ausdruck gebracht, daß seine Regierung Vor­schläge zu machen habe. England möchte diese Vor­schläge gern sehen. Man habe für den deutschen Standpunkt größtes Verständnis, das deutsche Pro­blem bestehe jetzt darin, sich den übrigen Ländern anzuschließen. Er vertraue darauf, daß, wenn in der nächsten Woche die deutschen Wahlen vorüber sein werden, die deutsche Regierung ihr großes Ansehen benutzen werde für Ueberlegungen, die nid/ nur Deutschlands eigenen Interessen dienen, sondern denen ganz Europas.

Hetzreden in der französischen Kammer.

Paris, 9. Nov. In der Kammer begründete der Abgeordnete Ouärnut (unabh. Linke) eine Interpel­lation über die auswärtige Politik der Regierung. Er begann mit dem Abrüstungsproblem, indem er es alsnicht unangebracht" bezeichnete,Deutschland für einige Zeit unschädlich zu machen". Gusrnut ver­suchte nachzuweisen, daß Frankreich stets zur Abrüstung bereit gewesen sei, und knüpfte daran die naive Frage, was dagegen Deutschland getan habe. Der Redner sprach von den angeb­lichen Plänen der deutschen Heeres­leitung und ließ dabei das Eingeständnis durch­schlüpfen, daß gewisse Kreise in Frankreich bei der Anregung von Kontrollmaßnahmen nur an Deutschland gedacht hätten. Er behauptete schließlich:Weil Deutschland nicht die Kon­trolle wollte, hat es die Abrüstungskonferenz verlassen." (Lebhafter Beifall auf allen Bänken.) Guärnut wandte sich weiter gegen Verhandlungen zu Zweien oder Vieren und plädierte unter lebhaf­tem Beifall der Mitte und der Linken für eine allgemeine Aussprache in Genf. Paul- Boncour sei nicht nur der Außenminister Frank­reichs, sondern auch der Außenministerall' der Menschen und Völker, die einen aufrichtigen Frie­den wünschten."

Das Thema Abrüstung behandelte auch der ehe­malige Kabinettschef Cl^menceaus, Abgeordneter Mandel. Seine Interpellation bezog sich darauf, welche Maßnahmen die Regierung angesichts der wegen der Aufrüstung Deutschlands un­

gen Gott vertraut und auf nichts sonst, wenn er ihm allein gehorsam ist, bann wird er frei von allen den Sorgen und Rücksichten, den Hemmun­gen und Bindungen, den Verlockungen und Ver­fügungen, denen Der natürliche Mensch so leicht er« liegt. Das ist d e r Sinn d e r Freiheit eines Christenmenschen, wie sie Luther wieder entdeckt hat und nicht das vermeintliche Recht, im­mer und in jedem Falle auf die eigene Meinung pochen zu können, was man in gröblicher Irrefüh­rung als protestantische Freiheit ausgegeben hat. Weil der im evangelischen Sinne freie Mensch nicht seinen, sondern allein den ewigen Willen des Schöpfers und Erlösers vollziehen will, gebraucht er seine Freiheit allein zum Dienst am Nächsten. So hat Luther uns wieder die echte sittliche Bin­dung verstehen gelehrt, in welcher der Mensch mit­ten in der Schöpfung steht, in der er zu wirken hat auf ein ewiges Ziel hin.

Der Luther, der da faate:Ich suche nicht das Meine, sondern euer, der Deutschen, Heil und «Selig»

aufhörlich wachsenden Gefahr" zu ergreifen gedenke. Mandel wunderte sich, daß Frankreich auf der Ab­rüstungskonferenz nicht die Geheimakten über die deutsche Aufrüstung geöffnet habe. Die deutsche Propaganda habe Unheil genug angerichtet. Jetzt sei es höchste Zeit, mit unwiderleglichen Dokumen­ten aufzuwarten. (Lebhafter Beifall auf vielen Bänken.) Mandel zitiert dann Erklärungen Clämen- ceaus, Wilsons und Balfours bei den Friedensver­handlungen, um damit nachzuweisen, daß es sich um eine endgültige Abrüstung Deutschlands ge­handelt habe. Es sei nicht zweckmäßig, sich ständig auf den Vertrag zu beziehen, wenn man wesent­liche Klauseln zerreißen lasse. Mandel forderte die Rückkehr zur Einhaltung des Versailler Vertrages, dessen Artikel 213 das ftänöige Jnvestiga- tionsrecht des Völkerbundes vorsehe. Der Interpellant erinnerte daran, daß Außenminister Paul-Boncour im Dezember vorigen Jahres auf eine Anfrage des Obersten Fabry gesagt habe, bis­her habe keine Regierung die Anwendung des Ar­tikels 213 gefordert. Außenminister Paul-Bon-

keit", hat feinem Volke den besten Dienst getan, den er ihm tun konnte: Er hat ihm den Blick auf die ewige Bestimmung wieder frei gemacht, welcher der Menfck in seiner Zeit, in feinem Stande, in feiner Volksgemeinschaft zu dienen hat. So hat er uns einen echten Kirchenbegriff geschenkt. Die Kirche ist für Luther nicht eine große irdische Macht, die neben oder über dem Staate steht. Sic ist für ihn aber auch nicht eine Vereinigung zur Pflege irgendwelcher Weltanschauung. Kirche ist für Lpther schlechthin das Volk, soweit es im Glauben um seine Bindung an einen einheitlichen, unbe­dingten Willen Gottes weiß, und die Botschaft hört, daß da, wo alle Menschenkraft an ihrer Gebrech­lichkeit und Todoerfallenheit ihr nicht wegzuleug­nendes Ende findet, Gottes Wille dennoch zu feinem ewigen Ziele kommt.

So ergeht Luthers Ruf an uns in einer Zeit, wo die Besinnung auf die Urfragen unseres Seins wieder mächtig aufbricht. Er mahnt uns, die Dinge dieser Erde nicht in irgendeinem verklärten Schein,

c o u r wirft ein:Es lag nicht in feiner Absicht, diesen Artikel als nicht in Frage kommend zu be­zeichnen." Mandel versuchte, den Außenminister beim Wort zu nehmen, und erklärte:Sie werden also morgen etwas unternehmen?" (Gelächter.) Nie­mals hat, fuhr der Redner fort, auf einer dieser Bänke jemand gegen die Berechtigung dieser Klau­sel porteftiert, nicht einmal Löon Blum. Der Redner erging sich dann in den unglaublichsten Un­terstellungen gegen Deutschland. Man müsse eine Untersuchung fordern, erklärte er schließlich, und eventuell Sanktionen anwenden.

Oas Büro der Abrüstungs­konferenz tagt.

Genf, 9. Nov. (TU.) Das Präsidium der Abrüstungskonferenz trat Donnerstagnach­mittag unter dem Vorsitz von Henderson zu einer neuen Tagung zusammen, die innerhalb weni­ger Tage durch eine neue Vertagung abgelöst wer»

sondern in ihrer harten, nüchternen Wirklichkeit zu sehen. Er mahnt uns, alle gott- geschaffene Gemeinschaft zwischen Eltern und Kin­dern, zwischen Mann und Weib, zwischen Karne- raden und Kameraden, zwischen Führer und Ge­führten, zwischen Volks- und Glaubensgenossen wieder ganz ernst zu nehmen. Er erinnert uns daran, daß die schöpferische Kraft im Dasein die Opferbereitschaft ist, die sich Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib nehmen läßt, um des höheren Zieles willen, Dem es zu leben und zu sterben gilt. Luther sagt uns, daß die Volkwerdung, die noch einmal machtvoll angebrochen ist unter uns deut­schen Menschen nur dann zur Vollendung ton» men kann, wenn wir wieder zur lebendigen Kirche, zur Gemeinschaft im Glauben, in bet Hingabe und im Erlöstsein, werden. Ob dies gelingt, das ist im letzten Sinn die Schicksals* frage, weiche eine uns alle erschütternde Zeit an uns, an Luthers liebe Deutsche, stellt.

Senkung der Mrgakineprelse./Llweiierung des Kreises der Zezngsberechiigken.

Bedeutsame Mahnahmen der Reichsregierung zur Zettversorgung der minderbemittelten Bevölkerung.

Berlin, 9. Nov. (WTB.) Die Reichsregierung hat neue bedeutsame Maßnahmen für die gesamte Bevölkerung, insbesondere für die minderbe­mittelten Volksgenossen getroffen. Ab Dienstag, den 14. November 1933, wird folgende Regelung wirksam:

1. Die Margarinepreise werden herab­gesetzt und festgelegt.

2. Größere Margarinemengen werden bereitgestellt.

3. Der Kreis der zu Bezügen von Haushaltsmar­garine Berechtigten wird bedeutend erwei­tert.

Die Margarine wird ab Dienstag, den 14. Novem­ber, zu folgenden Preisen verkauft: 50 v. h. von der Gesamterzeugung steuerfreier Haushaltsmargarine zu 38 Reichspfennigje Pfund, 25 v. h. als Konsumware zu 66 Reichspfennig je Pfund; außerdem sind noch zwei Klassen f ü r kaufkräftigere Verbraucherschichten zum Preise von 0,98 und 1,10 Reichsmark je Pfund für je 12,5v.h. der Erzeugung zuge­lassen.

Zur Versorgung der Minderbemit­telten dient wie bisher, jedoch für einen erwei­terten Verbraucherkreis, die Haushaltsmar­garine, die nur au Bezugsberechtigte abgegeben werden darf. Darüber hinaus wird nunmehr f ü r d i e übrigen B e v ö l k e r u n g v s ch i ch t e n 'm ausreichendem Umfange eine besonders gekennzeich­neteftonfumroare zum Preise von 66 Reichspfennig zur Verfügung stehen, während bisher diese Ware zu einem Preis von etwa 80 Reichspfennig, oft auch noch teurer, verkauft und in unzureichendem Umfange in den Verkehr gebracht wurde. Mit Rücksicht auf den größeren Fettbedarf in den Wintermonaten, der durch die erhöhte Kauf­kraft infolge des Rückgangs der Arbeitslosigkeit noch verstärkt wird, hat der Reichsminifler für Ernäh­rung und Landwirtschaft der Margarineindustrie Zusahkontingente in beträchtlichem Ausmaß ge­währt.

Mit sofortiger Wirkung wird ferner die Fettver­billigungsaktion über den bisherigen Rahmen hin­aus ausgedehnt. Die mit der Durchführung betrau­ten Stellen sind angewiesen worden, bei derEin - beziehung von Personen, deren Lohn und

sonstiges Einkommen den Richtsatz der öffentlichen Fürsorge nicht wesentlich übersteigt, weitherzig zu verfahren. 3m Hinblick auf die beson­dere Bedeutung der kinderreichen Familien für die Erhaltung des Volkstums ist ferner ihre weitgehende Berücksichtigung bei der Fettverbilli­gung vorgesehen. Es ist angeordnet, daß auch Fa­milien mit drei und Witwen mit zwei Kindern Fettscheine auf Haushaltsmargarine er­halten, während bisher nur Familien mit vier und Witwen mit drei Kindern berücksichtigt wurden. Auch die dem Mittelstand zuzurechnenden Fami­lien mit mäßigem Einkommen sollen künftig an diesen Vergünstigungen teilhaben. Durch diese Maßnahme wird die Fettversorgung der Ver­braucher fühlbar erleichtert, ohne daß das Ziel der nationalen Fettwirtschaft irgendwie gefährdet wird. OerNuckgang derArbeüslosen hälterstmaksauchimOktoberan

Berlin, 9. Nov. (WTB.) Die Reichs an - stalt für Arbeitsvermittlung und Ar­beitslosenversicherung veröffentlicht für die Zeit vom 16. bis 31. Oktober 1933 folgenden Bericht über die Arbeitslage im Reich:

Obgleich im Oktober erstmalig saifonmäßige Zugänge an Arbeitslosen in stärkerem Maße eingetreten sind, führten die planmäßig ein­gesetzten Arbeitsbeschaffungsmaßnah- men und die anhaltende Belebung ein­zelner Wirtschafts zweige zu einem Rück­gang der Arbeitslosenzahl in diesem Monat um f a ft 10300 0. Die Meldungen der Arbeitsämter ergeben für Ende Oktober eine Ge- samtzahl von rund 3 746 000 Arbeitslosen. Erst­malig seit 1928 ist eine Abnahme der Arbeits­losenzahl auch im Laufe des Monats Ok­tober feftzustellen. Einer Zunahme der Arbeits­losenzahl im Oktober der Jahre 1928 von plus 151 879, 1929 plus 233 543, 1930 plus 247 807, 1931 plus 268 497, 1932 plus 6 423 steht eine Abnahme im Oktober 1933 um 102 828 gegenüber ein deut­liches Zeichen der von der Reichsregierung ergriffe­nen Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosig­keit. Der Rückgang an Krisen - und Wohl- fahrtsunterstützten zeigt, daß es mehr und Imehr gelingt, auch d i e langfristig Arbeits­losen und bedürftigsten Volksgenossen in Arbeit zu bringen.