Semestereröffnung der LandesuniverW.
An der von Dozenten und Studenten voll b«- setzten Neuen Aula der Universität fand am Mittwochabend die feierliche Semestereröffnung der Landesuniversität statt. Das Gießener Kamerad, schaftshous trat geschloffen zu dieser Feier an, fast alle Studenten waren im Schmucke des Braunhemdes erschienen.
Der Führer der Gießener Studentenschaft cand. jur. Adam eröffnete ungefähr mit folgenden Worten den Abend:
„Dieses Semester eröffnen wir ganz anders als es bisyer üblich war. In diesem Semester haben wir gleich die Freude, unseren neuen Rektor, Herrn Prof. D. Dr. Bornkamm, in unserer Mitte begrüßen zu können. Wie Ihnen allen bekannt ist, haben wir unsere neue Verfassung bekommen. Der Rektor ist Führer der gesamten Universität. Er ist vom Ministerium und vom Reichsstatthalter als Rektor für die nächsten Semester ernannt worden. Es ist keine neue Ernennung gewesen, denn die ganze Dozentenschaft hat Si« ja im letzten Semester gewählt und die Gießener Studentenschaft bringt Ihnen hundertprozentiges Bertrauen entgegen."
Nach dieser Begrüßung betrat der Rektor das Rednerpult, von den Versammelten lebhaft begrüßt.
Seine Magn.fizenz
Prof. D. Or. Borntanun
forach über das Thema „Die Sendung der deutschen Universität in der Gegenwart". Er führte u. a. fol- gendes aus: „Wir haben dieses Wintersemester in einer nicht gewöhnlichen Situation eröffnet. Das Semester, das vor uns liegt, hat größere Bedeutung in hochschulpolitischer Hinsicht, als das vergangene. Die Zeit der Revolution ist vorbei und nun stehen wir an dem Punkt, wo wir uns selbst an die Arbeit machen können, worauf wir ja alle schon lange gewartet hatten. Es war mir ein« große Freude, aus dem Mund des Führers der Studentenschaft das Bertrauen und das Versprechen einer Mitar- beit entgegenzunehmen, und da ich ferner das Ver- trauen meiner Kollegen und des Herrn Reichsstatthalters habe, so schlage ich gerne auch in diese mir dargebotene Hand ein. Ich hoffe, daß ein glückliches und zukunstreiches Semester vor uns liegen wird."
Hierauf begann der Rektor mit feinem Vortrag. „Wir wollen gemeinsam junges Leben aufbauen an der alten Gießener Universität und mit kräftiger Arbeit gleich am heutigen Abend beginnen."
Der Rektor entwickelte an Hand der Geschichte der Universitäten, daß es langer Jahrhunderte bedurft
hätte bis der deutsche Geist sich aus dem fremden Körper eine eigene Hochschule erbaut habe. Die mittelaUerlichen Universitäten waren schon eine Personengemeinschaft. Bald suchten die Studenten chre Lehrer, bald die Lehrer ihre Studenten. Durch die Ueberwinduna der internationalen Wisienschaft aristotelischen Ursprungs wurde die Voraussetzung für die völkische Errichtung von Hockschulen geschaf- fen. In ihrem organisatorischen Aufbau und ihrem Einbau in das Volk berührten sich ja die Universitäten mit den deutschen Rechts- und Marktgenossen- schäften, den Adelsoerbänden, den Zünften, Gilden und den Kirchen. All diese Genossenschaften hatten daher das gleiche Recht.
Die Fachschulen, die Napoleon errichtet hat, die mit den alten Universitäten aber nur noch den Namen gemeinsam hatten, aber bald auf den Stand höherer Soezialschulen herabgesunken waren, sind die Gegenspieler der deutschen Auffassung von der alten „universitas magistrorum et discipulorum", denn in ihr wollen die deutschen Wissenschaftler Forschung und Lehre zu gegenseitiger Befruchtung verbinden. Um jene alte Substanz der Universitäten wieder zu retten, gründete Preußen 1810 die Universität Berlin und trat so dem Unioersitäts- ideal des Feindes entgegen. In dieser Zeit haben sich die Besten der Besten in die Bresche geworfen. Schelling, Fichte, Schleiermacher, Schellings Schüler Steffens u. a. m., die alle die Idee der neuen Universitäten in ihren Schriften vertraten.
Dann ftrrach Prof. B o r n k a m m eingehend über den Begriff Wissenschaft und erläuterte ihn an Hand vieler Beispiele und Aussprüche großer Gelehrter. Aus der Rede des Freiburger Rektors Heidegger führte er an, daß die abendländische Wissenschaft wieder an ihren Geburtsort zurückgebracht werden müsse, nämlich zur griechischen Philosophie. Wissenschaft kann niemals allein aus dem Erkenntnistrieb erlebt werden. Wissenschaft ist niemals für sich und aus sich da.
Im Folgenden kam er auf die Eröffnung des Lehramtes für politische Erziehung in Gießen in den nächsten Tagen zu sprechen. Der Zugang müsse von allen Fächern gesucht werden.
Zum Schlüsse seiner Ausführungen sprach er von dem großen Verdienst der deutschen Volksschulleh- rer, die im Rahmen des deutschen Erzieherstandes mit der wichtigste Faktor sind. Seine Rede endete mit den Worten: „Eine geistige Well allein verbürgt dem Volk die Größe."
Der Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. In diesem Sinne dankte auch der Führer der Gießener Studentenschaft H. I. Adam dem Rektor.
Gedenkfeier der Llniversitäi für die Nachkriegsgefallenen.
Am gestrigen 9. November 1 9 33 um 13 Uhr versammelten sich die Dozenten und Studenten der Landes-Universität in der Neuen Aula, um der gefallenen Kameraden der Nachkriegszeit zu gedenken. Wieder wie am Tage vorher bei der Semestereröffnung, war die Aula bis auf den letzten Platz besetzt.
Nach dem Einmarsch der Sturmfahnen brachte der Sturm 61/116 unter Leitung von SA.-Mann S ch u st e r Max von Schenkendorfs Lied „Wenn alle untreu werden ..." zu Gehör. Hierauf hielt Herr
Professor Or. Ducken
die Gedenkrede, die wir nachstehend im Wortlaut wiedergeben:
„Gedenken Sie in dieser Stunde des deutschen Vaterlandes, dem wir Treue geloben über alles in der Welt". Diese Worte rief Adolf Hitler einer brausenden Menge im Münchener Bürger- bräufeller zu, die ihm mit dem Deutschlandlied antwortete. „Gedenken Sie in dieser Stunde des deutschen Vaterlandes". Ergriffene Menschen zogen hoffend in die Nacht hinaus.
Was ahnte damals Hitler von Verrat, was küm- merke es ihn, daß Menge immer Masse bleibt, und warum sollte er sich darüber Gedanken machen, daß bürgerlicher Geist mit seiner Welt, in die der Krieg ihn stellte, immer und ewig unvereinbar bleibt.
Er wußte, daß der Grund, in den sich seine Lebenswurzeln gebettet hatten, der Urgrund deutschen Wesens war, und er wußte, daß mit ihm nur jene Menschen waren, die wie er das Gebot des Lebens in der Feuertaufe der deutschen Front erhielten. Mit ihnen hallte sein Schritt, in ihnen schlug sein Herz.
Er wußte ganz um sie, um diese Männer, „die berufen sind, in ihren Herzen zu bewahren, was durch Jahrhunderte hindurch zu uns gelangte, durch jegliche Verschüttung sich erhielt, was uns erst wert macht, Volk zu fein.*7
Deutschland, nur Deutschland und immer wieder Deutschland. Alles Lieben nur aus der liefe der Heimat.
Wie einst die Jugend von Langemarck, so zogen die Kolonnen der Feldherrnhalle zu, das Deutsch- landlied auf den Lippen. Die Salven krachten in dieses ewige Sehnen hinein, es mehrend nur zu heißrem Brand.
Deutsche Jugend auf deutschem Boden durch deutsche Kugeln niedergestreckt.
Offizier und Arbeiter, Kaufmann und Student, Kellner und Ingenieur im deutschen Lied den letzten Hauch.
Allsahrth, Banriedl, Casella, Ehrlich, Faust, Hechenberaer, Körner, Kuhn, ßaforce, von Pagre, von der Psordten, Kickmers, von Strausky, Neubauer, Wolf, von Schaudner.
Sechzehn deutscher Männe waren unter den Jahren niedergebrochen.
Hitler blieb wie durch ein Wunder unverletzt, obgleich ein Landespolizist, wie vom Wahnsinn gepackt, auf den Stürzenden niederknallte.
Sechzehn deutsche ITlänner spendeten im heißen Sehnen ihr Blut der ewigen deutschen Heimat.
Heute, nach 10 Jahren, steht Adolf Hitler an gerne ihten (9 r a b e r n. Heute, nach 10 Iah- ren, führt fein Weg über den geweihten Boden vom 9. November.
Wir, die Verpflichteten, wir, die Gebundenen, schicken in dieser Stunde ein heißes Gebet zu unserm Gott, er möge uns helfen au wachsen aus jenem Blut, das unsere deutsche Erde tränkte.
Unser Gedenken führt uns weiter zurück. Wir Sieben in einen anderen deutschen Gau, der vor wenigen Tagen Männer zusammenführte, unterhalb der Rudelsburg im Saaletal.
Rach 11 Jahren ein Gedenkstein, nach 11 Jahren ein Wiedersehen, nach 11 Jahren knappe Worte von Karl T i l l e s s e n.
Das Grab von Kern und Fischer njar nie blumenleer. Die Menschen, die es schmückten, tragen ihren Dank den vielen Toten zu, die deutsche Erde still umfing.
Kein Trommelwirbel, kein Soldatenklang löste ihnen die ersten Spatenwürfe zu ihrem Hügel. Wozu auch das! Sie, die Toten, hatten nie darnach gefragt. Sie waren nach dem Osten marschiert, nach Oberschlesien, sie hatten in Berlin gekämpft, in München und im Ruhrgebiet, sie hatten den Fluch des Mordes auf sich genommen und hatten in Gefängnissen geschmachtet. Sie waren durch fremde Lande gehetzt und hatten immer auf verlorenem Posten ausgeharrt.
Im besetzten Gebiet und in Frankreich zersprangen schwere Zuchthaustore. Keine Wache vermochte Kameraden in Gefängnissen zu verschließen. Bomben schreckten Menschen aus ihrem satten Schlaf. Immer und immer wieder Tod und Zerstörung. Immer und immer wieder die gleiche geheime Macht.
Verwegen und rücksichtslos gegen den Staat der Unwahrhaftigkeit und Lüge, aufjagenb die selbstgerechte bürgerliche Ruhe. Anarchie als Lebensordnung.
Gedungene naifnte man sie, bestenfalls Lands- fnedjte, Abenteurer, denen die Arbeit nicht lag. Verführer der Jugend, die dieser Strudel tosend mitzog.
150 Tote an der Ruhr, dem Kampf gegen Fran- zosenoerrat geopfert, dem Feind von Lumpen zugeführt. Ein einsames Grab auf der Golzheimer Heide.
Hunderte von Toten in Berlin, im Osten, in Oderschlesien, in München, Leuna, Harburg, Bremen. Hunderte von Toten im barten Kampf der NSDAP.
Was kümmerte diese Menschen der immer gleiche Lohn: Verrat und Lumperei!
Deutschland war alles. Deutschland das Lieben.
Deutschland das Sehnen. Deutschland das edle, reine Wollen. Deutschland und immer wieder
Deutschland.
Wie kann ein Mensch je zagend werden, der einmal Heimat leben durfte, der einmal durch die Pforte schritt, die Heimat heißt, durch die die Ewigkeit uns in bas Zeitliche entließ.
Leuchtend stehen vor uns die Worte von Kern!
„Was soll das große Wort vom Opfer. Wir opfern nicht und wir werden nicht geopfert. Ich kann mich immer nur durch die Umwelt begreifen.
Sorget, so würde Kern uns weiter sagen müssen, daß ihr die Umwelt nicht durch euch begreift.
WiUionen unserer Brüder raffle der Tod im Feld dahin. Tausende birgt unsere deutsch« Erde, die all das tiefe Glühen aufnahm, das einst die deutsche Front entfachte. Blut nimmt der Boden niemals nuhlos auf, wenn es aus edlen Quellen floß. Blut ist es. das uas ewig bindet, das Gott uns gab ;um heißen deutschen
Lieben. "
Kranzniederlegungen.
Während der letzten Sätze setzte die Orgel mit dem Lied vom guten Kameraden ein. Wahrend des Liedes legten bann ber Rektor für bie ßanbes- Universität unb der Führer ber Stubenten- schäft in ber Ehrenhalle Kränze nieder, wo sich u. a. der Führer der Standarte 116 Lutter, der Führer des Stahlhelms Dr. Dehner, sowie bie Vertreter der Korporationen und Fachschaften ausgestellt hatten. Nach diesem Akt zogen die Sturmfahnen aus. Die Feier war beendet
Hinein in die Volkshochschule!
Oie Kreisleitung Gießen der AGOAp
macht hiermit aufmerksam auf bie Eröffnung ber Volkshochschule Gießen. Ihr Leiter, Pg. Rektor N e b e l i n g, hat sie aufgebaut und und ausgestaltet als eine zivile Führerschule nationalsozialistischen Denkens und Wollens. Wir erwarten, daß alle an führender Stelle stehenden Männer unb Frauen es sich zur Pflicht machen, biefe Einrichtung rege zu benutzen,
um sich weiterzubilden unb sich das Rüstzeug zu sammeln, das sie befähigt, wabre Führer zu werden. Mit äußerer Gleichschaltung ist es nickt getan, die innere muß folgen! Wir weisen auf den nachstehenden Aussatz: Die ^Volkshochschule ruft! hin und empfehlen chn bringend der Beachtung.
Die Kreisleitung.
Oie Volkshochschule rüst!
Die Volkshochschule Gießen wird zur Zeit durch den von Herrn Ministerialrat R i n g s h a u s e n ernannten Leiter neu aufgebaut. Auf ber Grundlage ber nationalsozialistischen Weltanschauung will bie NS.-Dolkshochschule Volksbildung vermitteln und bie Volksbildung des deutschen Volkes fördern. Ihre Arbeit gilt in erster Linie allen, die in unserem Volksleben irgendwo an führender Stelle stehen, einerlei, ob sie Führer eines Verbandes, eines Ber- eins, eines Betriebs, einer Innung, einer Fachschaft sind, ober ob sie sonstwie an der Spitze einer größeren ober auch kleineren Gruppe von Menschen stehen. Führertum verpflichtet. Der Füh- rer soll auf jede Art bestrebt sein, sein Wissen unb Können zu vermehren, denn iyr Besitz macht einen wesentlichen Teil ber Führereignung aus. Dasselbe gilt für bie Stellvertreter unb bte Mitarbeiter dieser Führer.
Wir wollen bewußt diese Führerperfönllchkeiten in unsere Volkshochschule hineinziehen, weil wir wissen, daß sie diejenigen sind, die das. was sie dort lernen, weitesten Kreisen nnseres Volkes vermitteln. und weil wir wissen, daß nur die beste Ausrüstung für verantwortungsbewußte
Führung genügt.
Auf diese Persönlichkeiten ist unser Arbeitsplan ein- gestellt. Er umfaßt alle Gebiete, bie im Leben unseres Volkstums heute ausfchlaggebenb finb, unb in benen jeder Führer baher auch beschlagen sein muß.
Wir erwarten in unseren Lehrgängen aber nicht nur die Führer, sondern auch ihre Gefolgschaft, insbesondere alle diejenigen, bie sich nicht mit bem Alltäglichen, was ber Lebensberuf unb bie Arbeit des Tages mitbringt, begnügen, fonbern bie das Streben nach Höherem in sich tragen,
Menschen, die durch Fleiß. Strebsamkeit, Begabung und Charakter befähigt sind, auch einmal aus der Gefolgschaft herauszutreten, um Führer zu werden.
Unb zum letzten erwarten wir bie, denen die Themen unserer Arbeitsgebiete unb Vorträge noch unbeantwortete Fragen bedeuten, mit denen sie sich aus- einaübersetzen wollen, bie sich fort» und weiterbilden möchten auf diesen verschiedenen Gebieten. So will die NS.-Volkshochschule eine zivile Führer- schule werden, Wegbereiterin für eine frohe, starke Zukunft unseres Volkes, Mitarbeiterin an der Volk- i Werbung ber Deutschen, bauen helfen will sie an dem I großen, starken deutschen Reich unseres Führers I Adolf Hitler, dem Dritten Reich. Sie kennt |
bei ihrer Arbeit keine Grenzen des Standes, des Berufes, ber Klaffen ober ber Partei.
3eb«r, der aufrichtig, willig und suchend kommt, ist ihr willkommen. Sie will den Menschen werten. seinen Charakter, seinen inneren Wert, nicht
seinen Titel, nicht seiueu Rock.
Ihre Arbeitsgebiete sind folgende:
1. Di« nationalsozialistische Weltanschauung. (Rede l i n g)
2. Erdgesundheits- unb Baffenpflege. (NS.-A«rzte- bunb, Dr. med. Kranz)
3. Volkstum unb Religion. (Pfarrer Surfer)
4. Volkstum unb Heimat. (Dr Glöckner)
5. Volk unb Baterlanb, deutsche Geschichte. (Dr. Steiger)
6. Volkstum und Kultur:
a) Von deutschem Denken und Dichten (Dr. Buß)
b) Was singet unb klinget. (Bauer)
c) Von deutschem Formen, Bilden, Bauen und Gestalten. (Prof. Rauch)
7. Vom Lebenswillen des deutschen Volkes. (Verschiedene Einzeloorträge)
Die Lehrgänge umfassen je 10 bis 15 Abende und finden wöchentlich oder 14tägig statt.
Die Lehrgangsgebühr betragt 2,50 Mark, für Mitglieder des Vereins Volkshochschule 2 Mark.
Erwerbslose Haden gegen Vorlage ihres Auswei- fes freien Eintritt. Meldungen zu den Lehrgängen unb Auskunft auf ber Geschäftsstelle ber Volkshoch, schule, Wolfstraße 20 pt., täglich, außer Samstags von 13 bis 19 Uhr.
Arbeitspläne sind in allen Buchhandlungen unb auf ber Geschäftsstelle kostenlos erhältlich.
Montag, 13. November, 20.15 Uhr findet im neuln Studentenhaus, Leihgesterner Weg,
die (iröffnungsoerfammlung für das Winterhalbjahr der Volkshochschule
statt. Eingeladen sind alle Mitglieder des Vereins „Volkshochschule", all« Mitarbeiter unb alle, bU Hörer werden wollen, unb all«, die sich für die Arbeit der Volkshochschule interessieren. Der Verein „Volkshochschule" wird sich an diesem Abend neu organisieren unb damit den Forberungen der neuen politischen Umformung unseres Volkes gerecht werben.
Der Leiter ber Volkshochschule Gießen spricht über bas Thema: „Bie Volkshochschule im nationalsozialistischen Staat".
Rektor R e b e l i n g.
Die Diebes- unb Hehlerbande Heil vor Gericht.
ihrem
jedoch nicht gewußt haben, daß es sich um durch strafbare Handlungen erlangte Gegenstände gehandelt hat.
Bei dem Angeklagten Hofmann wurde eine Lichtmaschine gefunden, die aus Heeresbestänben flammte unb bie er seinerzeit nicht abgeliefert hatte. Ursprünglich glaubte man, daß die Maschine ebenfalls zu bem Diebesgut gehörte, was jedoch durch bie gestrige Beweisaufnahme widerlegt wurde.
Dem Angeklagten Weber legte die Anklage Be- teifigung beim Diebstahl unb unbefugten Waffenbesitz zur Last. Es wurden bei ihm zwei Schuß- waffen gefunden, darunter eine Schmerzlospistole. Weber gehörte der KPD. an und will bie Pistole für einen anderen gekauft haben.
Oie Strafanträge des Gtaatsonwalis
Der Staatsanwalt hob in seinem Plädoyer hervor, daß es sich bei Heil um den Anführer ber Diebesgesellschaft handelt. Er war es, der bei fast allen nächtlichen Diebesfahrten bie Hauptarbeit" leistete unb ber einbrach bzw einstieg. Heil, so hob der Staatsanwatt hervor, ist ein gemeingefährlicher Verbrecher, unb die Allgemeinheit kann von bem Gericht erwarten, bah ein derartiger Mann für lange Zeit unschädlich gemacht wirb. Im einzelnen stellte ber Staatsanwalt folgende Anträge.
Gegen Heil 8 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehr- oerlust unb Stellung unter Polizeiaufsicht: 4 Monate 2 Wochen Untersuchungshaft sollen angerechnet werden.
Gegen Dinse 4 Jahre Geiängnis unter An- rechnung von 9 Monaten Untersuchungshaft.
Gegen Kurt U m d a ch 3 Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 21 Wochen Untersuchungshaft.
Gegen ® c b e r 8 Monate Gefängnis, 12 Wochen Untersuchungshaft anzurechnen.
Gegen Graf 12 Monate Gefängnis unter An- rechnung von 3 Monaten 2 Wochen Untersuch ungs- ^Gegen Hch. Umbach 7 Wochen Gefängnis, verbüßt durch Untersuchungshaft.
Gegen Katharina Umback ebenfalls siede» Wochen Gefängnis unter Anrechnung von einer Woche Untersuchungshaft. Der Staatsanwatt stellt dem Gericht anheim, bedingten Sttasaufschub zu gewähren.
Gegen P a f f 4 Monate Gefängnis.
Gegen Günther 6 Monate Gefängnis uniet Anrechnung von 4 Wochen Untersuchungshaft.
Gestern fand, wie wir schon berichtet haben, vor ber Großen Strafkammer zu Gießen bie Verhandlung gegen den langgesuchten Schwerverbrecher Lubwig Heil aus Gießen und Genossen statt. An- geklagt waren ferner: Eduard Dinse, zuletzt in Frankfurt a. M., Kurt Umbach aus Wieseck, Ehrisnan Weber, Alten-Buseck, Karl Hofmann, Wieseck, Heinrich Günther, Gießen, Hermann Graf, Gießen, Katharine Umbach, Heinrich U m b a ch (Eheleute) Wieseck, Lina M a - I e w s k y geb. Umbach, Frankfurt a. M., Karl Paff, Mainzlar, Sigmund Lilienfeld, Leib- gestern. Sämtliche Angeklagten gehörten fast durchweg ber KPD. an.
Oie Hauptangeklagien.
Geistiger Urheber und Organisator ber Diebes- bände war ber Hauptangeklagte Ludwig Heil, der ohne jegliche Reuempftndung die Schilderung seiner Taten gibt. Die Angeklagten Dinse, Kurt Umbach, Weber unb Graf stellten lediglich Werkzeuge in der Hand des Heil dar. Mit wel- chen Mitteln diese Verbrecher gearbeitet haben, geht aus ber Befunbung des Zeugen Kriminalpolizei- meister Hofmann hervor, ber vor allem auf die Verbrecherehre dieser Leute hinweist: denn keiner ber Angeklagten gibt darüber Auskunft, wo ein großer Teil des Diebesgutes bingekommen ist. Wie schon festgestellt wurde, liegt das „Arbeitsfeld" der Angeklagten in Gießen selbst und in seiner Umgebung, und da besonders um Mainzlar herum, wo zwei Hauptangeklagte, die Eheleute Krug, wohnen, die nicht erschienen waren weshalb das Verfahren gegen sie ab getrennt wurde.
Zur Last gelegt werden He i l einige 50 vollendete unb versuchte Diebstähle im Rückfall, Dinse 15, Kurt Umbad) 12, Weber 1 und Graf ein ool- lenbeter unb drei versuchte Diebstähle. Die anderen Angeklagten machten sich der Begünstigung unb ber Hehlerei schuldig. Ausgerüstet waren bie Angeklagten mit den modernsten Derbrecherwer kaeugen, sie führten chr« Taten meist morgens zwischen 3 und 4 Uhr durch Einsteigen und Erbrechen von Behäll- nissen aus.
Oas Ergebnis der Beweisaufnahme.
Die Beweisaufnahme hatte ergeben, daß in einer ganzen Reihe van Fällen Gegenstände von hohem Wert von den Angeklagten gestohlen worden sind. Die gestohlenen Sachen wurden zum Teil von ihnen verbraucht, zum Teil an andere abgegeben unb von denen verbraucht ober roeitergegeben.
Eine ganze Reihe von Gegenständen wurde m die Wohnung des Angeklagten Heinrich Umbach, bem Vater bes Angeklagten Kurt Umbach, gebracht. Es kann auch nach ber gestrigen Beweisaufnahme keinem Zweifel unterliegen, bah bei den beschränkten Wohnungsverhältnissen den Eheleuten U m - dach aufgefallen sein muß, wo die einzelnen Sachen herrühren. Die Ehefrau Umbach nahm insbesondere von dem Angeklagten Heil einen elektrischen Kocher unb ein Bügeleisen zum Geschenk für die ihrerseits dem Heil gewährte Beherbergung.
Was den Angeklagten Paff angebt, so sollte er bem Heil seinen Auslanbspaß verschafft haben. Es ließ sich jedock nicht seststellen, inwieweit der Paß noch feine Gültigkeit hatte. Außerdem machte sich Paff der Hehlerei insofern schuldig, als er gegen
Zahlung von 10 RM. eine große Menge gestohlener Zigaretten von Heil entgeaennahm.
Desselben Deliktes unb Der Begünstigung machte sich ber Angeklagte Günther schuldig. Der dem Hell einen Koffer zur Verfügung stellte und dafür zirka 250 Zigaretten in Empfang nahm, die von Heil im freien Feld hinterlegt wurden. Lächerlich wirkte die Aussage des Angeklagten, er habe gemeint, Heil sei Reisender in der Rauchwarenbranche. Zudem hielt er einen Teil der Zigaretten vor dem Fenster in einer Milchkanne verborgen, angeblich um sie frisch zu hatten.
Dem Angeklagten Lilienfeld fällt ebenfalls Hehlerei zur Last, da er ebenfalls Zigaretten aufkaufte.
Die (Ehefrau Malewsky beherbergte die von ihrem Beter, dem Angeklagten Heinrich U m • bad), gebrachten Diebesgegenständ«. Si« will


