Nch zu verneinen. Vie Unpfändbarkett ist zunächst schon aus § 811 Ziffer 1) ZPO. herzuleiten. Es handelt sich — gemeint ist sowohl das braune Ehrenkleid der Parteigenossen, der Amtswalter usw.. als auch die Dienstkleidung der SA. und der SS. um Kleidungsstücke, die für den Bedarf des Schuldners unentbehrlich sind. Ein im Sinne des § 811 Ziffer 4 ZPO. schutzwürdiaer Bedarf liegt vor, da das Braunhemd regelmäßig getragen wird und getragen w-rden muß im Dienst der staatstragenden Bewegung und ihrer SA. und SS. am deutschen Bolk. Die Unpfändbarkeit ließe sich wohl auch durch entsprechende Anwendung des § 811 Ziffer 7) ZPO. begründen, da die gesamten Erwägungen, die für den Pfändungsschutz der von Offizieren, Beamten usw. zur Verwaltung des Dienstes oder Ausübung des Berufs benötigten Gegenstände maßgebend waren, heute auch für die berechtigten Trager des Braunhemdes gelten müssen.
Einheitsfront der Kraftfahrer.
Durch das Uebereinkommen zwischen dem Nationalsozialistischen Äraftfcchrkorps und dem bisherigen ADAC, wurde, wie gemeldet, „Der Deutsche Automobilclub (DDAC.)" gegründet. Nunmehr hat auch der Automobilclub von Deutschland auf Grund eines Uebereinkommens mit dem NSKK. sich in die Einheitsfront eingegliedert. Lediglich als Stammclub Berlin wird der AoD. entsprechend seiner international anerkannten Stellung erhalten bleiben und vornehmlich die Aufgabe haben, den deutschen Äraftsahrsport auf internationalen Kongressen zu vertreten. Die Nejchsorganisation des AoD. wird aufgelöst. Die Kartellclubs werden ausgefordert, ihre Mitglieder und Organisationen in den DDAC. -u überführen.
JtöÖSMp. Gießen.
Der nächste Zellenabend der NS.-Frauenschaft Ortsgruppe Ost (Zelle 2) findet am morgigen Mittwoch, 20.30 Uhr, im „Schützcntzaus" statt. Die nächste Zusammenkunft der NS.-orauenschaft Gießen Ost (Zelle 1) findet ebenfalls am morgigen Mittwoch, 20.30 Uhr, bei Böß statt. Die NS.- Frauenschaft Ortsgruppe Mitte (Zelle 11) hält ihren Zellenabend am Donnerstag, 12. Oktober, 20.30 Uhr, in der „Stadt Mainz" ab.
AG.-Lehrerbund, Kreis Gießen.
Arn morgigen Mittwoch, 17 Uhr, wird in der Goetheschule (Physiksaal) von Pfarrer A. Kaufmann ein Lichtbllder-Vortrag über das „Deutsch, tum im Orient" gehalten.
NS-VolkswohlsahrtdesKreisesGießen
Am Mittwoch, 11. Oktober, 19.15 Uhr, findet im Cas6 Leib in Gießen, Walltorstraße, ein Amtswalterappell sämtlicher Ortsgruppen-, Orts- aruppenkassen- und Zellenwalter der NSV. statt. In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Tagung haben die Vorgenannten unbedingt zu erscheinen.
Heil Hitler!
gez. K l ö ß, Kreiswalter der NSV.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 10. Oft. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,20 bis 1,30 Mark, Kochbutter 1,— Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 12 bis 13, Wirsing (grün), das Pfund 7 bis 10, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 12 bis 20, Römischkohl 10, Bohnön (grün) 20 bis 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 20 bis 25 Pf., Feldsalat 0,80 bis 1,— Mark, Tomaten 10 bis 12 Pf., Zwiebeln 8 bis 10, Mecrettich 25 bis 60, Schwarzwurzeln 40, Kürbis 5 bis 8, Pilze 30, Kartoffeln 3% Pf., der Zentner 2,50 bis 2,80 Mark, Preißelbeeren, das Pfund 30 Pf., Acpfel 12 bis 18, Birnen 8 bis 12, Zwetschen 6 bis 10, Honig 50, junge Hähne 75, Suppenhühner 60 bis 70, Gänse 70, Tauben, das Stück 50 bis 60, Nüsse, das Pfund 40 bis 70, Blumenkohl 10 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurkcn 10 bis 25, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 6 bis 10, Lauch 3 bis 8, Rettich 5 bis 15, Sellerie 10 bis 20, Radieschen, das Bund 5 bis 10 Pf.
Äornotizcn.
— T a g e s k a l e n de r für Dienstag: Stadtcheater, 20 bis 22.30 Uhr, „Wo die Lerche singt". — CafS Leib, 20 Uhr, Bellachini.Gastspiel- abend. — VHC., 20.15 Uhr, Saal der Nervenklinik, Am Steg, Lichtbilderoortrag „Teneriffa". — Frei- willige Sanitätskolonne, 20 Uhr, Sonnenstraße 2, beginn des Ausbildungskurses in der ersten Hilfe- leistuna bei Unglücksfällen. — Lichtspielhaus, Bahn- Hofstraße: „Flucht nach Nizza" mit Georg Alexander und Else Ester.
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, zweite Vorstellung im Dienstag-Abonnement Lehärs Meister-Operette. „Wo die Lerche singt". Operettenpreise. Ende 22.30 Uhr. — Mittwoch, 11. Oktober: 2. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement Kleists Freiheitsdrama „Die Hermannsschlacht". Gewöhnliche Preise. Anfang um 19.30 Uhr, Ende gegen 22.15 Uhr.
•• Don Thüringen durch Hessen zum Rhein führt der Wanderweg von 250 Kilometer Lange, den jetzt aum fünftenmal eine Gruppe von Mitgliedern des Thüringischen Rennsteig-Vereins zurucklegt. Am 8. Oktober sind die Wanderer am R im berg vorbei nach Alsfeld gelangt und treffen am 10. Oktober in Gießen ein, wo ein empfang mit einem Vortrag von Geheimrat Sommer über Teneriffa im VHC. stattfindet, rann geht der Weg über Hohensolms und Den hessischen Rennweg nach Herborn und weiter zum Rhein bei E n g e r s. Zn Thüringen heißt es: Gut Kunst!
** S t e r n f d) n u p p e n r e q e n. Eine überaus seltene Naturerscheinung konnte gestern abend nach bem Einbruch der Dunkelheit im weiten Rund des nadithdien Himmels wahrend ziemlich langer Zeit bcobattyet werden Taufende von Sternschnuppen blitzten in willkürlicher Folge am ganzen Himmel aus verloschen und neue Slernschnuppenschwärme folgten. Das großartige Naturschauspiel wurde in Stadt und Land viel beobachtet
•* „Gymnastik und Tanz" im NSLB Der Leiter der Fachschaft für ©nmnaftif und Tanz im Reichsverdand Deutscher Turn. Sport- und Gymnastiklehrer im Nationalsozialistischen Lehrerbund hat die Gymnastik-Lehrertn Erna Schurn a n n • Gießen, Moltkestraße 2a, zur Ortsgruppen. Iciterin für den Bezirk II Gießen ernannt, grau Schumann ist zur Auskunfterteilung gern bereit
•* Die Beiträge zur land- und forst- wirtschaftliche ii Berufsgenossenschaft für 1932 können, wie aus einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil hervorgebt, bis zum 15. Oktober 1933 noch ohne Zinsen und Kosten an die Stadtkaffe bezahlt werden.
•• Dauerndes Ehrenmitglied der Fünfziger - Vereinigungen. Unserem gestrigen Bericht über den Kommers der Fünf-
Ziger-verelnlgungen ist nachzutragen, daß Herr Louis Frech im Verlaufe des Abends einstimmig zum dauernden Ehrenmitglied der Fünfziger-Ver- einigungen ernannt wurde.
• * Zahlungsanmahnung. Zn einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil werden das Schulgeld für die Studienanstalt (August 1933), die Wohnungsmiete aus städtischen Häusern (August 1933) und die zweite Rate der Hundesteuer angemahnt. Auf die Bekanntmachung sei besonders hin- gewiesen.
* • Die Lieferung von 150 Kubikmeter Basalt - Ebaussierungs st einen für das Forstamt Schisfenberg soll vergeben werden. Auf die heutige Bekanntmachung sei hingewiesen.
* • Baugeldzuteilung. Die Oeffenlliche Bausparkasse für Hessen (Abteilung der Landeskom- munalbank-Girozentrale für Hessen) in Darmstadt
nahm dieser Tage m Anwesenheit einer Anzahl von Bausparern und Vertretern von Sparkassen ihre achte Baugeldzuteilung vor. Ausgelost und zugeteilt wurden diesmal 38 Verträge über 203000 Mark, so daß nunmehr nach vierjährigem Bestehen der Bausparkasse im ganzen 171 Ser- träge mit 913 300 Mark ausgelost sind. Alle deutschen Bausparkassen haben bisher rund 54 Millionen Mark an etwa 8900 Bausparer zugeteilt, ein ansehnlicher Betrag, den die Oeffentlicken Bauspar- lassen in dieser kapitalarmen Zeit damit bisher dem Bau- und Hypothekenmarkt zUaeführt haben. Die nächste Baugeldzuteilung der Oeffentlichcn Bausparkasse für Hessen findet voraussichtlich Anfang April 1934 mit Stichtag 31. März 1934 stall. Zuteilungsberechtigt sind alle Bausparer, deren Verträge spä- testens am 1. Januar 1934 (bei Tarif 18 am 1. De- zember 1933) beginnen und die mit Einzahlungen nicht im Rückstand sind.
Friedberg, 9. Okt. Etwa 4000 NSBO.- Mitglieder trafen sich am Sonntag in Friedberg zu einer Fahnenweihe. Zn langem Zuge marschierten sie, nachdem sie auf der Seewiese angetreten waren, durchdie Straßen der festlich geschmückten Stadt zum Wartturm.
Nach einigen Musikstücken des Musikkorps 5/222 Butzbach eröffnete der Vertreter der NSBO. Friedberg die Kundgebung, die ein neuer Beweis der Volksgemeinschaft und der Verbundenheit aller Berufsstände sei. Heute stehen Arbeiter der Stirn und der Faust in einer festen, geschlossenen Front als Soldaten der Arbeit. Gerade deshalb schenken sie dem Arbeiterführer ihr Vertrauen, der sie aus Schande und Elend zur Freiheit zurückgefüyrt hat: Adolf Hitler. Mit dieser Kundgebung sei die Weihe der Zellenfahnen aus 16 Orten verbunden. Sodann ergriff
Pfarrer Rühl, Reichelsheim
das Wort zur Weihe der Fahnen. Er führte aus: Das war vielleicht der schwerste Fluch der vergangenen Zeit, daß sie unser ganzes Leben unter einen falschen, artfremder? Begriff der Arbeit gezwungen hat, daß sie lehrte: Der Sinn der Arbeit ist allein das Geld, das man mit ihr verdient. Damit wurde die Arbeit um ihren Wert betrogen und der Arbeiter um feine Ehre. Kein Volk der Erde hat es wohl so hart eingehämmert bekommen, wie das deutsche, daß Arbeit im Dienst des Geldes Flucharbeit ist. Diese Fahnen aber, die wir heute weihen, wollen Führer sein auf einem neuen Weg. Arbeit ist mehr als Geldoerdienen, Arbeit ist Ruf, Dienst und Werk Gottes, des Ewigen selber. Mit der Schippe und mit dem Hammer und an der Schreibmaschine — immer ist Arbeit Dienst Gottes. Arbeiten heißt wirken die Werke des, der uns ins Leben gerufen hat. Der Weg aber, auf dem diese Zohne führen soll, läßt sich kennzeichnen mit zwei Worten. Er heißt: „Fort vom Mammon, hin zu Gott!" Mit diesen Worten weihte der Geistliche die Fahnen zum Kampf um des deutschen Arbeiters Ehre. Nach einem Gebet spielte die Musik das alte I Bitt» und Danklied „Wir treten zum Beten..|
Darauf nahm der Bezirksleiter vom Deutschen Arbeiteroerband der öffentlichen Betriebe,
pg. Göbel, MdL.
das Wort. Noch vor Jahresfrist war es, so führte er u. a. aus, schier unmöglich, in Orten oorzustoßen, die heute unter dem Zeichen des Hakenkreuzes stehen. Heute ist es wahr geworden: „Bald flattern Hitler-Fahnen über allen Straßen ...". Wir wollen daran denken, daß wir nicht deshalb gekämpft haben, sondern dafür, daß Deutschland groß und stark werden soll. Unsere Macht soll genützt werden, um das wieder gutzumachen, was in vergangenen Jahrzehnten am deutschen Volke gesündigt wurde. Die Rückkehr eines Fürsten bedeutet heute nichts mehr, aber die Rückkehr von Millionen deutscher Arbeiter m die Arme des Vaterlandes ist das Fanal zur Freiheit. Darum ging unser Kamp den letzten deutschen Volksgenossen einzugliedern in die deutsche Volksgemeinschaft. Adolf Hitler hat den Arbeitern wieder Arbeit und Brot gegeben Der Arbeiter hat es heute nicht mehr nötig Wohl- fahrtspsenmae anzunehmen, und ehe vier Jahre vergangen sein werden, wird es in Deutschland keinen Arbeitslosen mehr geben. Unsere Aufgabe und Verpflichtung für die Zukunft besteht darin, das vom Führer begonnene Werk zu unterstützen und ihm die Möglichkeit zu geben, es fortzusetzen. Alle persönlichen Jnteresten sind in den Hintergrund zu stellen. Wenn wir dies tun, dann haben wir die Idee des nationalen Sozialismus begriffen. Dieses große Werk wird aber nur vollendet werden können, wenn alle zusammenstehen und den Klassenkampfgedanken restlos begraben. Keiner wird ein Recht beanspruchen können, der nicht restlos seine Pflicht erfüllt hat. Der Redner schloß mit den Worten: „Ewig der Knechtschaft ein Ende, heilig die letzte Schlacht".
Pg. Ertel (Friedberg) schloß die Kundgebung. Die gewaltige Menschenmenge fang zum Schluß bas Horst-Wessel-Lied. Darauf marschierte ber ganze Zug nochmals burch bie Stadt zur Burg, wo er sich auflöste.
ASSO-Treffen des Kreises Znedberg.
Reisezuschuß verteilt werden. Die noch vorhanden«, 18 Chöre mit Orchesterstimmen, die Sunbeseige* tum sind, wurden unter die Vereine verlost.
Der Abschluß.
Sangesbruder Zöckel (Grünberg) betonte In feinem Schlußwort: „Der Geist lebt weiter. Auf 'rohes Wiedersehen im nächsten Jahr in Grünberg!" Bundesvorsitzender ® eng nagel gab der Hoffnung Ausdruck, daß das mit der Auflösung gebrachte Opfer zum Wohle des Vaterlandes und des deutschen Liedes dienen möge. Er schloß seine Ansprache mit einem dreifachen Sieg-Heil! auf den Reichspräsidenten von Hindenburg und den Wahrer und Reichskanzler Hitler, in das die Versammlung begeistert einftimmk, worauf an- schließend die erste Strophe des Deutschland-Liedes folgte- Als Ausklang und Abschied fangen die «anger das Motto des Bundes: „Es ist das 2ij> ein Kamerad auf deutschen Mannes Lebenspfad."
Die letzten 21 Vereine.
Don Interesse dürfte es noch fein, die 21 Ber- eine, die bis zuletzt zum Lahntalsängerbund zählten, hier aufzusuhren: Männergesangverein Braunfels, Orpheus Butzbach, ^Frohsinn Bad-Nauheim, Sieber-
Frohsinn Gießen, Harmonie Ge- mutlichkeit Gießen, Quartettverein Gießen: Genna- ma Großen-Bufeck, Männerchor Grünberg, Frauenlob Homberg (Ohm), Eintracht Hungen, Gesangverein 1838 Kirchhain, Frohsinn Lang-Göns, Eäcilia Lich, Rothscher Männerchor Lich, Sängervereinigung Lollar, Frohsinn Londorf, Liedertafel Mar- bürg, Eintracht Steinberg bei Gießen, Germania Watzenborn-Steinberg, Erkscher Männergefangver- ein Wetzlar.
Der Bundesvorstand
hatte zuletzt folgende Zusammensetzung: Führer, Berufsschullehrer (Bengnagel (Grünberg), Stell- Vertreter und Schriftführer: Rüdiger (Wetzlar), Rechner: Becker (Londorf), Beisitzer: Schmidt (Lich), Bundeschormeister: Kasten (Gießen).
Durch den denkwürdigen Sängertag in Grünberg geht ein Sängerbund auseinander, besten Sangeskultur auf hoher Stufe stand, der aber auch auf eine reiche Geschichte zurückblicken kann und eine große Zahl alter Gesangvereine in sich vereinigte. Dies beweisen die in den nächsten Jahren ftattfinbenben 100jährigen Jubiläen folgender Bundesvereine: 1934 Grünberg, 1936 Hun- gen, 1938 Butzbach, Kirchhain, Lich (Cäcilia), 1941 Wetzlar und 1947 Dillenburg.
3um Tode verurteilt.
WSN. M a i n a, 9. Okt. Das Schwurgericht ber Provinz Rheinhessen verurteilte heute den 26 Jahre alten Melker Leo Buchholz aus Ruthenberg (Kreis Schlochau in Ostpreußen) wegen Mordes zum Tode. Buchholz hatte am 12. Mai d. I. in Eimsheim» (Rheinhessen) seine Geliebte, das 22 Jahre alte Dienstmädchen Elisabeth Rauschkolb, in der Küche ihrer Dienstherrschaft durch zwei Revolverschüsse getötet. Buchholz hatte sich nach der Tat durch vier Revoloerschüsse schwer verletzt, konnte aber dem Leben erhalten bleiben.
Letzter Söngeriag des Lahnialsängerbiindes.
CO Grünberg, 9. Okt. Am gestrigen Sonntag hatten sich die Vertreter von 19 Bundesvereinen — Zwei fehlten entschuldigt — zum letzten San- gertag des Lahntalsängerbundes im Gasthaus ,Lum Rappen" hier eingefunden. Als Motto sangen die Vertreter zur Eröffnung „Einig im Lied, treu im Gemüt", worauf der Männerchor Grünberg den Chor „D Schutzgeist alles schönen" oortrug.
Uhrmachermeister R. Jockel entbot für den Grunberger Verein den Vertretern herzliche Begrüßungsworte. Er wies auf den guten Geist, die vorbildliche Organisation und die hohe Sangeskultur im Bunde hin und bat, diesen Geist auch in die neuen Gaue mit hinüberzunehmen.
Ernst und der Bedeutung der Stunde angemessen waren dann die Eröffnungsworte des
Bundeövotsihenden/Berufsschullehrers Gengnagel, Grünberg
Es gelte, dem Vaterlands und dem deutschen Liede einen Dienst zu erweisen, wenn man durch Auslosung des Bundes die vorgesehene Neueinteilung ermögliche. Nach Verlesung eines Schreibens des mit öcr Durchführung der Neuorganisation Beauftragten, Herrn Wendler (Bad-Nauheim), kann an einem Orte von jetzt ab nur noch ein Gau vertreten fein, da die (Baue künftig nach geographischen Ge- sichlspunkten gebildet sind. Das bedeutet für den Lahntalsängerbund die Auflösung und die Ueberfüh- rung der Bundesvereine in die (Baue, in deren Gebiet sie liegen. Der Bundesvorstand hat sich alsbald nach Eingang dieses Schreibens mit dieser Sachlage befaßt und war sich darin einig, im Interesse der Organisation
die freiwillige Auflösung des Lundes ZU beschließen. Er schlägt weiter vor, vom vorhandenen Bundesvermögen 100 Mark für die Opfer ber nationalen Arbeit, ferner 100 Mark für bie NS- Volkswohlfahrt zu überweisen, während der Rest den oangern ber Bundesvereine, die 1934 am lOOiähri- gen Jubiläum des Männerchors (Brünberq teil- nehmen, als Reisezuschuß zukommen soll.
Die dann vom Bundesvorstand eingebrachte Ent- Ich lie Buna über die Auflösung hat folgenden 8 DMohir l'<mri?Un^ffän0er»9 Zu Grünberg am 8. Oktober 1933 ift mit feinem sichrer einig und der Ueberzeugung: „Der Aufbau unseres Vaterlandes und damit die Neuordnung und Gliederung im Deut-
S""0"-bund und im Hessischen Sängerbund oerlangen bie Auflösung des Lahntal-Sängerbun- öes. Im 73. Jahre ihres Bestehens geben die Ber- eine des Lahntalsängerbundes ihre innige Der- KnnnVi "! uach geographischen Ge- fichtvpunkten begrenzten (Baue einzutreten. Wir bringen dies Opfer im Vertrauen, dem deutschen Vaterlande und dem deutschen Liede den verlang- ten Dienst zu erweisen und uns den Gründern "urdig zu erzeigen die bas gleiche Ziel im Zu- fammenschluß am 30. September 1860 erstrebten “ Die Entschließung erhielt noch folgenden Zu- I atz : „Die Bundesvereine nehmen an bem oorae- gesehenen Stiftungsfeste des Männerchors Grün- bef9, *!P Aabre 1934 noch einmal als (Baftoereine go'chlosten teil und singen als Gefamtchore ©an- rt.n k DJ?n V,d?ner ""t Orchesterbegleitung und „Es sind bie alten Straßen noch, es sind die alten
L,e-r ~od)' bie alten Freunde aber sind's nicht mehr .zur bie Folge nehmen die Vereine stets Qi-’ fflai f ®n den Jubiläen ber Bundesvereine des Lahntalsängerbundes teil."
Die Entschließung wurde gebilligt: besonders wiesen nochmals Vertreter von Butzbach, Dillenburg u. a. auf die alte Tradition im Bunde hin und baten, diesen Geist auch in die neuen (Baue zu tragen. Aus bem
geschichtlichen Ueberblirf des Vorsitzenden war folgendes zu entnehmen: Am 30. September 1860 wurde in Butzbach von 11 Vereinen, die sich auf 10 Städte verteilten, der Bund ins Leben gerufen, ber sich ursprünglich „Deutscher Sängerbund" nannte und erst im Jahre 1862, als ein großer Sängerbund für ganz Deutschland gegründet wurde, in „Luhntalsängerbund" umbenannt wurde. Die Bundesvereine verteilten sich damals auf vier beut- lche Länder: Großher^ogtum Hessen - Darmstadt, Kurfürstentum Hessen-Kassel, Herzogtum Nassau und den preußischen Gebietsteil Wetzlar, ein Zei- ichen, daß die Gesangvereine nicht vor den bundesstaatlichen Grenzpfählen Halt machten, ja selbst das Jahr 1866 mit dem unseligen deutschen Bruderkrieg vermochte ihren Zusammenhalt nicht zu zer- stören. Auf 37 Bundesfesten trafen sich die Vereine, und ihre Vertreter kamen zu vielen Sängertagen zusammen. Besonders ehrend aedachte der Vor- sitzende zweier langjähriger verdienter Vorsitzender des Bundes: Hauptlehrer Schneider (Marburg) und Rektor A. Storch (Butzbach). Ebenso konnte er zwei anwesende verdiente Sänger mit mehr als 50jähriaer Sangestätigteil lobend erwähnen: (Bot- ting (Marburg) und Möller (Grünberg). Fol- genbe
Ehrungen
wurden dann vorgenommen: die goldene Ehren- nabel erhielt für 50jährige Sangestätigkeit Gg. Schäfer (Londorf), desgleichen *ber frühere Dun- desoorsitzende Lehrer i. R. Stroh (Gießen), früher Butzbach, der die von A. Storch dem Bunde ge- widmeten beiden Sinnfprüche (ogl. Eingang und Schluß) vertont hat, ferner 50 silberne Ehrennadeln nebst Urkunden für 25jährige Sangestätigkeit an Sänger aus folgenden Vereinen: Bad-Nauheim (1), Marburg (1), Dillenburg (3), Großen-Bufeck (1), Lang-Göns (24), Kirchhain (1), Wetzlar (3), Lich (1), Grünberg (2), Hungen (5), Londorf (1), Lollar (4) und Homberg (3).
Der stellvertretende Vorsitzende, Rüdiger (Wetz- lar) würdigte dann bie Verdienste des Führers, Herrn Gengnagel (Grünberg), und überreichte ihm ebenfalls die goldene Ehrennadel, worauf die- fer mit bewegten Worten feinen Dank aussprach, dabei gleichzeitig ber treuen Unterstützung seiner Mitarbeiter im Vorstände gedachte.
Nach einem kurzen Jahresbericht wurde die von zwei Grünberger Sangesbrüdern geprüfte Rechnung genehmigt und dem Vorstand Entlastung erteilt. Das vorhandene Bundesvermögen beläuft sich auf 634 Mark. Die vom Vorstand vorgeschlagenen beiden Zuwendungen von je 100 Mark an die Opfer der nationalen Arbeit und an bie NS.- Dolkswohlfahrt wurden gutgeheißen, ferner soll der Verein .Liedertafel" (Marburg), der in diesem Jahre das Ehrensingen übernommen und dabei ein Defizit von 76 Mark hatte, hierin einen Zuschuß von 50 Mark erhalten. Da aus ber Versammlung Wünsche geäußert wurden, in irgend einer Form eine (Erinnerung an den Bund zu schaffen, wurde befchloffen, daß auf Bundeskosten gelegentlich des Festes in Grünberg eine photographische Aufnahme aller Bundesvereine erfolgen soll, wovon jeder Verein ein Bild zum Andenken erhält. Der Rest des Bermögen» soll bann an bie Vereins als
Kunst und Wissenschaft.
Neuerscheinungen
bei der hanseatischen Verlagsanstalt.
In ber Hanseatischen Derlagsanstalt AG., Hamburg, erscheinen bis Weihnachten folgende Werke: Gerhard Giese, Staat und Erziehung: August W i n n l g, Wir hüten das Feuer: Hermann Haß, Bismarck: Lothar Schreyer, Mystik: Hübner, Albrecht von Roon: Preußens Heer im Kampf um das Reich: Walter Berten, Musik und Musik- aeschichte der Deutschen: Heinz Marr, Die Mas- senwelt im Kampf um ihre Form: F. W. v o n 0 e r tz e n, Geschäft mit dem Tod, hinter den Kulissen der französischen Rüstungsindustrie: Wehr- gebauten, eine Sammlung wehrpolitischer Aufsätze, perausgegeben von Generalleutnant a. D. von C o ch e n h a u s e n : Richard Bahr, Volk jenseits der Grenzen: K. L. von Oertzen, Wehrpolitik: Wilhelm Stapel, Die drei Stände: Huber, Deutscher Sozialismus: Gustav Steinbömer, Politische Kulturlehre, Georg W e i p p e r t, Ständischer Ausbau: Guido B o r t o l o 11 o, Faschismus und Nationalsozialismus: Matrosen-Soldaten-Ka- meraden, ein Bildbuch der Reichsmarine, von E. Zeller, 200 Aufnahmen von Prof. M. Bur- ch a r tz : Walther C l a s s e n , Das Werden des deutschen Volkes: Bankdirektor Dr. Paul R azurn ek, Das Kreditgeschäft im Bankbetriebe. Karl Berg, Wie bilanziert die Aktiengesellschaft? In der Laienspielreihe erscheinen noch folgende Spiele: Richard Euringer, Die Zobsiade: Gustav Halm, Das Spiel vom Eulenspiegel: Karl Jacobs, Das Jesuskind in Flandern: Bernhard S e i f f e r t, Herodesspiel: Paula Grogger, Das Spiel von Sonne, Mond und Sternen.
Deutscher Volkskundetag In Weimar.
Zum 2. Deutschen V o l k s k u n d e t a g trat in Weimar der- Verband deutscher Vereine für Volkskunde, der unter dem Vorsitz des bekannten Volkskundlers Professor John Meier, Freiburg i. Br., steht, zusammen. Eine große Anzahl führen- der Germanisten, Volkskundler, Museumsdirektoren und Archivleiter sind hierzu aus allen Teilen Deutschlands in Weimar eingetroffen. Auch aus bem deutschsprachigen Ausland konnten Vertreter begrüßt werden. Der Vorsitzende betonte, daß die Aussichien für bie Arbeit des Verbandes günstiger denn je feien, da die Volkstumsforfchung verdientermaßen in den Mittelpunkt nationaler Kulturarbeit geftellt worden ist. Die Volkskunde habe im neuen Staat große und lebenswichtige Aufgaben zu erfüllen. denn von der bloßen Wissenschaft sei sie zum kulturellen Bindeglied zwischen den einzelnen Ständen und Gruppen des Volkes geworden. Aufgabe des Verbandes aber werde es auch in Zukunft vor allem fein, bas deutsche Volkstum durch Pflege ber beutfchen Volkskunde diesseits und jenseits der Grenze miteinander zu verbinden. Es folgten bann bie fachwiffenschastlichen Vorträge. Sehr interessante Ausführungen machte ber Frankfurter Volkskundler Professor Dr. Schmie ter in über den sozialpolitischen Aufgabenkreis ber Volkskunde. Einen weiteren Vortrag hielt der Breslauer Professor Dr. Ranke über die volkskundliche Grundlage ber Märchenforschung. Im Rahmen des Volkskunde- tage», der u. a. auch eine Ausstellung volkskundlicher Archivalien durch die Leitung des Weimarer Staatsarchivs bringt, wird auch der Bund für deutsche Volkskunde feine Hauptausschußsitzung und eine öffentliche Hauptversammlung abhalten. Eben- o wird über bie Arbeit am deutschen Volks- kundeatlas eingehend Bericht erstattet werden.


