Ausgabe 
10.8.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

a n.

Em Kmd in der Lahn ertrunken.

stiiügten sich, indem sie sich an ein Boot hingen.

unter Wasser, ocr-

ung infolge der großen

beantragte eine [träfe von 6

Sas Feuer ist Wahlschein« lenen anscheinend den Grund unter den Füßen und

... <---c.~j versanken. Der Vorfall wurde von der Brücke aus

beobachtet, und sofort wurde der Versuch gemacht, : di e Ertrinkenden an das Land zu bringen. Eines der : beiden Kinder konnte auch rasch gefunden und gerettet w erben. Das achtjährige Töchterchen des Arbeite-.s

lchen Verhältnisse in Deutschland hatte sich die Litwe K. K. aus Allen-Buseck eingemischt und dabei

Gefängnis ergab. Das Gericht verurteilte den Angeklagten dem Strafantrag entsprechend.

Gestern gegen 15 Uhr forderte die Lahn ein Opfer. Einige Kinder badeten unweit der Brücke und ver°

2 i n g e s (wohnhaft in der Kaiserallee) konnte jedoch fr ft nach etwa zehn Minuten geborgen werden. Die in-jwischcn herbeigerufene Sanitätskolonne machte

Schöffengericht Gießen

Lor dem Gießener Schöffengericht stand gestern zunächst der Hausierer I. H. aus Lauter bei Grün-

( Vornotizen.

Tageskalender für Donnerstag. Liihtspielhaus (Bahnhofstraße):Kind, ich freu mich awf dein Kommen".

Sonderzüge zur Funkausstellung in Berlin.

Frankfurt a. M., 5. Aug. (WSN.) Die L

zusätzliche Gefängnis- Monaten, so daß sich eine Gesamt st rase von 1 Jahr 8 Monaten

W Glas von seltsamen Legens A n den Lesen öa erzeugt werde, ein Seu«' leit Opfer dargebrM > unter bestwmM t tvrfertig wurden, soll 53s® rtftUgs ton

ge Arbeitern.

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'blichen Matrosen i Kommando des Kapitäns nnische Ausbildung ethal. r Erstaunen und SBemun- jungen Mädchen, die von he Mannschaft geschildert drei Wochen in den däni>

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tttftfälifdjen Dorf.

n bei Marburg CJBeftf.) es Landwirts Hille- , das sich aus bw U-

^^t'chleiten in Listabon ^neral Saldo der W mpfang beim Präsidenten

n Balbo.

Lissabon wurde Venera, Iramm Wolsgang von Zum überwältigenden Er. Vollendung des bedeutend- noerls in aufrichtiger Sc- ckwunsche."

brrg, verschiedentlich vorbestraft, wegen schwerer llrkundenfälschung, Betrugs, Nötigung und Körper­verletzung vor dem Richter. Er wollte am 31. März in Bettenhausen Handtücher, Taschentücher usw. rertaufen, machte aber schlechte Geschäfte und wies -«hei, um Mitleid zu erregen, einen Ausweis vor, 'er den Stempel der Bürgermeisterei Gonterskir- ch-n trug. Der Ausweis, in dem der Inhaber als io abstumm und als Vater dreier Kinder, also als hi Ifsbebürftig bargestellt war, war gefälscht; er hatte ihn von einem unbekannten Hänbler erhalten ;unb ihn benützt in der Hoffnung, dadurch besseren Ilinsatz zu erzielen. In zwei vor Gericht anhängi- !pei Fällen hatte er den Ausweis vorgezeigt. Es w-cr ihm daraufhin in einem Falle auch etwas ab- getauft worden. Allerdings erschien ihm das, was fh n die Zeugin, Frau P., abgekauft hatte, zu wenig und in feinem Unmut hatte er der Frau, wie die ZAweisaufnahme zeigte, einen Schlag gegeben, daß ;;i2 taumelte. In einem anderen Haufe, in dem er jcei Frauen antraf, trat er sehr frech auf, wies ui) hier den gefälschten Schein vor, er hatte dies- i<l aber weniger Erfolg und bedrohte deshalb iurd) unmißverständliche Gesten die Frauen mit Schlägen. Daraufhin war ihm eine Kleinigkeit ab- ;c lauft worden, nur um den anmaßenden Menschen d-;uwerden. Der Staatsanwalt beantragte wegen -wundenfälschung in Tateinheit mit Betrug und regen Körperverletzung im ersten Fall, sowie we-

Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug in.) wegen Bedrohung im zweiten Fall eine Ge« rrtftrafe von 6 Monaten Gefängnis. Das Urteil nutete an Stelle einer an sich verwirkten Zucht» iiisftrafe auf 4 Monate Gefängnis und rcgung der Kosten des Verfahrens. Als mildern« Vt Umstand wurde die Notlage, in der sich der Angeklagte befand, angesehen.

In ein Gespräch zwischen ihrem Sohn und einem liner Bekannten über die politischen und wirtschaft»

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Medersehensfeier

des Lehrerjahrganges^883.

/X Friedberg, 8. Aug. Heute feierten hier die Lehrer des Volks staats Hessen, die vor 50 Jahren das hiesige Lehrer-Seminar verlassen hatten, das goldene Jubiläum ihrer Entlassungsprüfung und des Ein­tritts in das Lehramt. Don 42 Abiturienten aus 1883 waren noch 22 am Leben. Hiervon hatten sich 21 zur Feier eingesunken. Dur einer konnte wegen Krankheit nicht erscheinen. Er sandte und erhielt herzlichen Kartengruh. Sämtliche Teil­nehmer stehen im 70. Lebensjahre, oder wenige Jahre darüber. Don ihren einstigen Seminarleh- rern ist nur noch der hier wohnende Schulrat i. R. H. Süß am Leben. Eine Abordnung über­brachte ihm die herzlichsten Grüße und besten Wünsche der Dersammlung. Außerordentlich er­freut über diese Aufmerksamkeit erinnerte sich der alte Herr noch trotz feiner 83 Jahre der meisten Damen seiner Schüler vor 50_ Jahren und gab neue Beweise seines guten Gedächtnisses. Mittler­weile hatten sich alle Teilnehmer auch aus oen südlichen Teilen Hessens eingefunben. Lehrer i. D. D e u n i n g von hier begrüßte in herzlichen Wor­ten die Klassenbrüder und widmete den verstor­benen 20 Freunden einen tiefempfundenen Dach­ruf. dem die Anwesenden durch Erheben von den Sitzen zustimmten. Dach gemeinschaftlichem Mit­tagessen fand ein Rundgang durch die Stadt und ein Besuch des Seminars statt. Gegenseitiger Aus­tausch von persönlichen Erinnerungen und in den langen 50 Jahren gemachten Lebenserfahrungen ließen wenige Stunden des gemütlichen Zusam­menseins rasch verstreichen. Dor dem Auseinan­bergehen wurde beschlossen, von nun an noch je­des Jahr einmal eine Zusammenkunft abwechselnd in jeder Provinz der engeren Heimat abzuhalten, zu der jeder so lange es ihm gesundheitlich noch möglich ist sich bestimmt einzufinden ver­sprach.

ziemlich vernehmlich, jebenfaUs so, baß cs auf ber anberen Straßenseite zu hören war, sich beleibigenb gegen ben Herrn Reichskanzler geäußert. In An» betracht ber schweren Beleidigung beantragte ber Staatsanwalt auf Grund des § 3 ber Verordnung zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Re­gierung der nationalen Erhebung eine Gefängnis­strafe von 5 Monaten. Das Gericht verurteilte die Angeklagte zu einer Gefängnisstrafe von 4 Monaten und zur Tragung ber Kosten.

Der vielfach vorbestrafte W. H. aus Gießen, aus ber Zellenstrafanftalt Butzbach vorgeführt, hatte sich wegen Betrugs im Rückfalle in brei Fällen zu ver­antworten. Der Angeklagte, ber wegen gleicher Der« gehen schon zu 1 Jahr unb 2 Monaten Gefängnis zu Beginn b. I. verurteilt worben war, hatte eine Milchhänblerin in Großen-Bufeck dadurch geschä­digt, daß er ihr versprach, einen größeren Geld­betrag für sie einzutreiben. Er ließ sich dafür angeblich ufn entstehende Unkosten zu bestreiten im voraus Geld geben. Auch für einen anderen Zweck lieh er sich von ber gutgläubigen Frau Gelb, ohne es wieber zurückzuzahlen. Der Betrogenen ent- ftanb ein Verlust von etwa 38 Mark. In zwei Galt» wirtschaften hatte sich ber Angeklagte Zechprelle­reien zuschulben kommen lassen. Der Staatsanwalt

htetcc und bestimmt die Reihenfolge, in ber die Stellvertreter in das Ehrengericht oder den Eh- rLngerichtshof bei Berhinderung von Mitgliedern eintreten. Die Amtszeit der neu gebildeten Aerztekammer und der neugebildeten ärztlichen Ghrengerichte, einschließlich des Ehrengerichtshofs dauert bis zum 31. März 1937. Der Staatssekre­tär kann wahrend dieser Zeit Mitglieder, Ersatz- raanner und Stellvertreter abberufen und durchandereersehen, das letztere gilt auch im Falle sonstigen Ausscheidens.

/ Vas Los zu einer Mark.

Ls liegt in Deiner eig nen Kraft Daß sie dem Bruber Arbeit schafft! Mit einem Coe zu einer Mark

Machst Du eines Jelernben Arm wieder stark!

Bericht der 0 aatspolizeistelle Gießen

Die anläßlich ber Verteilung von kommunisti­schen Flugblättern im Kreis Friebbera, in Gießen unb anderen Orten festgenommenen Kommunisten wurden am Dienstag mittels Sammeltransportes, der in Friedberg zusammengestellt wurde, in bas Konzentrationslager Osthofen über- geführt.

Bei ben Durchsuchungen burch Beamte ber Politischen Polizei unter Zuziehung des Sonder- lommanbos ber Staatspottzeistelle Gießen wurde -ei einem Kommunisten in 0 l a u b e r g auch ille- lales kommunistisches Schriftenmaterial neueren Datums oorgefunöen. Der Inhalt ist hochverräle- 'sich. Auf Grund des Vorgefundenen Materials wur­den zwei weitere Kommunisten feftgenommen und iach Gießen transportiert. Die Untersuchung ist lom im Gange.

uin Wirt aus Gießen wurde festgenommen wegen Verbreitung unwahrer Nachrichten über die rationalen Verbände. Die Staatsanwaltschaft bean­tragte Haftbefehl, der auch vom Richter erlassen wurde. Wegen des gleichen Vergehens wurde gestern erneut ein Invalide aus Gießen feftgenom- men, der jedenfalls auch unter Haftbefehl gestellt wirb.

Wegen eines Vorkommnisses in Mittelseemen mürbe gestern bas Svnberkvmmanbo ber Staats- Itolijeiftelle Gießen eingesetzt, lieber bas Ergebnis Cann noch nicht näher berichtet werben, ba die Er- mittlungen noch nicht abgeschlossen sinb. i

Auslösung und Neubildung / der Hessischen Aerziekammer.

Hebet die Auslösung und Deubildung der Hessi­schen Aerziekammer wurde ein Gesetz erlassen, das s olgendes bestimmt: Die Amtszeit der Mitglieder der Aer^tekammer und der Ersatzmänner wird hiermit für beendet erklärt. Der Staats- s«kretär ernennt die nach der Aerzteverordnung wählenden Mitglieder der Aerztekarnmer und ichre Ersatzmänner. Er kann die Zahl der Mit­glieder der Kammer auf 12 beschränken. Der Staatssekretär ernennt auch die Mitglieder taes Borstandes der Aerztekammer. Er kann den Vorsitzenden ermächtigen, die übrigen Mitglieder

Vorstandes im Benehmen mit der Aerzte- k«unmer zu bestellen. Die Amtszeit der Mitglie­der der ärztlichen Ehrengerichte und des Ehren» Lrrichtshvfs und ihrer Stellvertreter wird hiermit Isir beendet erklärt. Der Staatssekretär ernennt b-ie neuen Mitglieder, Vorsitzenden und Stellver-

des st eile Hessen-Nassau für Volks­aufklärung unb Propaganba gibt folgen- bes bekannt:

Um zahlreichen Volksgenossen ben Besuch ber bies- jährigen Berliner Funkausstellung (18.28. August) zu ermöglichen, sollen von Frankfurt a. M. zwei Sonberzüge nach Berlin unb zurück fahren, unb zwar ber 1. Sonberzug von Donnerstag, 17. August bis einschließlich Montag, 21. August unb ber 2. Sonberzug von Donnerstag, 24. August bis ein­schließlich Montag, 28. August. Für beide Sonber- züae bestehen zwei Benutzungsmoglichkeiten:

1. Zum Preise von 48 Mark für Hin- unb Rück- fahrt einschließlich Uebernachtungs- und Verpsle- gungskosten. Der Preis von 48 Mark schließt fol­gende Leistungen ein: Eisenbahnfahrt 3. Klaffe Schnellzug hin und zurück, Rundfahrt in Berlin, Fahrt nach der Funkausstellung, zwei Uebernach- tungen in bürgerlichen Hotels und Pensionen, 3 Frühstücke, 2 Mittagessen, 2 Abendessen, Bedie- nungsgelber.

2. Zum Preise von 21,60 Mark für Hin- unb Rück- fahrt ohne Uebernachtungs- unb Verpflegung-- kosten, Die Benutzer ber Teilnehmerkarte zu 21,60 Mark haben für Uebernachtung unb Verpflegung selbst zu sorgen.

Iahrtübersicht für beide Reifen.

Donnerstag: Abfahrt Frankfurt a. Main (Hauptbahnhof) gegen 23 Uhr.

Freitag: Ankunft in Berlin vormittags. Ge­meinsames Frühstück in den Hotels, in welchen die Sonderzugteilnehmer untergebracht find. Nachmit­tags: Rundfahrt mit Gefellfchaftsautornobilen durch Berlin.

Samstag: Nach dem Frühstück Autobusfahrt zur Funkausstellung. Eingehende Besichtigung der Funkausstellung mit sachgemäßer Führung. Gemein- fames Mittagessen auf dem Ausstellungsgelände. Anschließend Fortsetzung der Besichtigung. Rückfahrt mit dem Autobus zum Hotel. Abendessen im Hotel. Der Abend steht zur freien Verfügung.

Sonntag: Frühstück im Hotel. Wir empfehlen einen Tagesausflug nach Potsdam. Am Abend Rückfahrt nach Frankfurt a. M.

Montag: Vormittags Ankunft in Frankfurt a. Main.

Anschlußzüge aus allen Städten des Sende­bezirkes Frankfurt a. M. sind aus den Fahrplänen und an den Bahnhofsschaltern zu erfahren.

Anmeldungen werden sofort entgegenge­nommen bei allen Funkwarten, Kreisleitungen der NSDAP., Zweigstellen der Hapag, bei dem Süd- westdeutschen Rundfunk und beim Reichsverband Deutscher Rundfunkteilnehmer, Bleichstraße 36.

Anmeldeschluß für den 1. Sonderzug: Montag, 14. August, 18 Uhr: für ben 2. Sonberzug: Montag, 21. August, 18 Uhr. Genaue An- unb Ab- sahrtszeiten werden durch die Presse und im Rund­funk in der 2. Augustwoche mehrmals bekannt ge­geben. Wir bitten darauf zu achten.

ntftanften.

|,S3,: Ernst Blumlchein.

hnie. Bevor noch die tbutg.unb die Freilvil« enad)batten Ortschaften )ie Hose in Hellen Flam« i) das in der Nähr bc« n Flammen Aiim Opfer, einschließlich der Wahn« ßiiügten sich, indem sie sich an Durften zerstört. Der Iwei ber Äinber gerieten babei

|0 ren anscheinenb den Grunb un

ÜktaWW# lettÄte»«* ,.....----------------

»fern Gewerbe Y<M, < m il Hilfe ihrer mobernen Hilfsgeräte Wieberbelc- 0[ sich möglichst,)a er9^i* , hungsversuche, an denen sich auf das tatkräftigste auch e diese so sorM<3 Wk I oi tr Aerzte beteiligten. Die vereinten Bemühungen, wirten zur Galeerenstratz ; bedauernswerte Kind in bas Leben zurückzu- nefen, waren leiber nicht von Erfolg getränt

Oberbeffen.

Äreie Alsscld.

Alsfeld, 8. Aug. Am 6. August konnte die hiesige Apotheke auf ihr 250jähriges Bestehen zurückblicken. Sie befindet sich in einem alten, 1561 errichteten Dürgerhause am Marktplatz, das heute eine Zierde des Markt­platzes infolge feiner stattlichen Fachwerkbauweise bildet Seit dem Jahre 1683 ist daS Haus der Sitz der Apotheke. In diesem Jabre kaufte der Alsfelder Bürgermeister und Apotheker Christian Wegehaufen das Anwesen für 920 Gul­den. Seit dieser Zeit ist die Apotheke ununter­brochen dort beheimatet. In den nachfolgenden Jahrhunderten befand sich die Alsfelder Apo­theke oft jahrzehntelang im Besitz be­stimmter Apothekerfamilien. Der heu­tige Besitzer, der das Haus im Innern einer gründlichen Renovierung unterzog, ist der Apo­theker Earl Moeller aus 2tlzeh, dessen Vor­fahr im 17. Jahrhundert Rektor an der Latein­schule zu Alsfeld gewesen ist.

Buntes Allerlei.

Vas Autogramm auf ber Hofe.

An feine Schneiderzeit hat sich ber verstorbene Dolksbichter Peter Rosegger immer gern er­innert unb keine Gelegenheit versäumt, biefe Kunst zu zeigen. Don einer solchen Gelegenheit hat er einmal in seinem schalkhaften Plauberton erzählt: Es war in ber Waldschule feines Heimatbörfchens, durch die er sich ein so schönes Denkmal gesetzt hat. Ein Tourist, bem ein etwas ungemütlicher Stier die Beinkleider zerrissen hatte, kommt herein unb ruft nach einemFrauenzimmer", bas ihm ben Schaden ausbeffern könne. Rosegger hört die Hilfe-

rufe in seinem Zimmerchen, lädt ben wunderlichen Verunglückten ju sich herein, sucht aus einer Truhe Knöpfe unb Nähzeug unb macht sich kunstgerecht an die Reparatur. Der Fremde betrachtet aufmerksam den Helfer, ber ben gaben herumschlingt unb seinem ®erf die Krone ausseyt.Sie sinb doch roohl nicht der Herr Schulmeister?" fragte er.Nein, der Schul» meister bin ich nicht."Oder gar ein Schneider­meister?"So weit hab ich s nie gebracht, mein lieber Herr." Der andere blickt unterdessen im Zimmer umher auf den Bücherkasten, auf den -Schreibtisch, und dann starrt er dem Heiser ins Ge­sicht.Sollte ich sollte es" stotterte er,nein, ich werbe mich täuschen. Am Ende hätte ich bas Vergnügen--ber steirische Dichter?"Einer

berfelben."Der Rosegger?! Wäre es möglich?" ,.2ch bitt Sie, tun Sie nicht so. Seien Sic froh, baß ich's bin, nicht jeber andere hätte Sie bedienen können." Der Tourist klatscht die Hände zusammen. Aber ba schau man her! Jetzt hat er mir bic Hosen-' knöpf angeheftetl Hatte ich'- mir's nicht heilig vor genommen, beim geehrten Herrn Dichter im Mürztal oorzusprechen und ihn um ein Autogramm zu bit­ten!"Das haben Sie jetzt in der Hose. Es ist eins ber wenigen Autogramme, die zu was gut sinb!"

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sinb ohne Lerbtnblichkeit der Schristleltung.)

L. Sch. in TB. Es gibt in Gießen brei behorblich anerkannte gemeinnützige Baugesellschaftcn: 1. Bau­genossenschaft 1894; 2. Eisenbahner^Heimstättenver- ein; 3. Krieger-Sieblung, gemeinnützige Baugenos­senschaft.

h. TB. in G. Bei der Berufsberatung des Arbeits- amtes Gießen erhalten Sie erschöpfende Auskunft.

Der Aalt Reilly.

Das Ende eines englischen Meisterspions. Don Felix Baumann.

Heber das Leben und die Tätigkeit des britischen Meifterspions Sidney Reilly im Weltkriege sind unzählige Gerüchte unbauthentische" Berichte in Umlauf gesetzt worben, bie größtenteils als Mythen ZU bezeichnen sind. Seine Witwe, bie frühere Büh. ncnfünftlerin Pepita Sob abilla, bic in erster Ehe mit bem bekannten Dramatiker Habdon Eham- b e r 5 verheiratet war unb Reilly in einem Hotel Unter ben ßinben" in Ber.in kennen lernte Liebe auf ben ersten Blick erklärt in ihrer Reilly-Bio- grapfjieThe Adventures of Sidney Reilly, Britains Master Spy, daß bie ihrem Mann von Winfried Lu decke, bem Franzosen Saugonn besten Spionagebuch in Englanb verboten ist und ande­ren angedichteten Abenteuer auf Erfindung beruhen. Frau Reilly selbst schweigt sich über feine Spio­nagetätigfeit hinter den deutschen Fronten während des Krieges aus, sie erwähnt nur im Vorwort, daß Reilly mittels Flugzeuges hinter ben beutschen Li­nien abgesetzt würbe unb jedesmal äußerst wertvolle Informationen zurückgebracht habe.

Bruce L o ck h a r t (Memoirs of a British Agent), Captain George 21. Hill (,,Go spy the land) unb Sir Paul Dukes (Red Dusk and the Morronow) haben in ihren Erinnerungen auf Reillys geheime Umtriebe in Rußlanb Bezug ge­nommen, aber feine Biographie gibt einen tieferen unb klareren Einblick in bie gefahrvolle Tätigkeit Reillys im Sowjetreich unb läßt ihn, im ersten Teil bes Buches, nach feinen persönlichen Aufzeichnungen selbst zu Worte kommen. Die Tragik in bem Fall Reilln liegt in ber Tatsache, daß er, der es verstan­den hatte, sich als Mitglied in bie Tscheka einzu­schleichenKamerad Relinsky", mit allen Schli- chen, Tücken und Listen derG. P. U." aufs engste vertraut war unb in contumaciam zum Tode ver­urteilt wurde, sich doch noch einmal nach Rußland locken ließ, wie es auch mit Sawinkow unb anderen geschehen, an deren Vernichtung den Sow­jets gelegen. Aus Frau Reillys Buch lernt man auch bie antibolschewftische Tätiakeit bes Generals Stute- p o w in ihrem ganzen Umfange kennen, ben bie Räteregierung bekanntlich in Paris entführen ließ. Er bildete bas Haupt aller russischen Bolschewisten- geaner unb würbe von ben Moskowitern als ihr gefährlichster Feind betrachtet, ber unter allen Um- ftänben beseitigt werben sollte. Reilly selbst wurde nach dem Kriege von russischen Geheimagenten auf Schritt und Tritt beschallet nicht nur in London, Paris, Köln unb Berlin, fonbern auch in ben Ber­einigten Staaten, unb verkappte Tschekisten suchten ihn unter ber Maske von Gegenrevolutionären nach Rußland zu locken. Er versprach seiner Frau, nicht noch einmal nach Rußland zurückzukehren, aber im Herbst 1925 stellten ihm die Bolschewiken eine so geschickte und oertarnte Falle, daß er ihnen doch ins Rek ging und ermordet wurde. Reilly war nicht das Opfer eines Grenzsoldaten bei Allekul, der, wie die Sowjetsamtlich" bekannt gaben, ihn für einen Schmuggler gehalten und beim Versuch, insgeheim bie Grenze zu überschreiten, erschossen habe, sondern er wurde auf ausdrücklichen Befehl der Moskowiter von Tschekisten hinterrücks bei Moskau ermordet, als er in bie gestellte Falle ging.

Reilly unb bie erwähnten englischen Autoren haben offenbart, baß bieMoskauer Spionage- unb Sabotage-Prozeste" nur eingeleitet wurden, um dem russischen Volke Sand in bie Augen zu streuen, um bas vollständige Versagen ber Sowjetrepublik zu Der!*^^*er.n unb bem Volke gegenüber bie eigene Unfähigkeit unb Blamage zu verdecken. An Hand unzähliger Beispiele wird bas Fiasko berKreml- Herrscher" bofumentiert.Alle Bolschewisten sind Schiften", heißt es in dem Reillybuche. Unb: ,Jn den schmutzigen Zellen bes Butyrsky in Moskau sitzen Dutzende der jammervollen Opfer der Tscheka. DieVernehmer" wenden jedes teuflische Mittel an, jede scheußliche Tortur, die ein blutdürstiges Gehirn erfinden kann, um Geständnisse ober Verrat zu er- zwingen. Ohne Pausen ober Nahrung werben bie Opfer befragt, bis bie Vernunft versagt, unb in bem unzurechnungsfähigen Zustande, Betätigung an Komplotten, wirklichen ober eingebilbeten, gegen bie Bolschewistenherrschaft eingeftanben wirb. Das sinb die Wege, auf benen ber Bolschewismus in ber gan- zen Welt seinen Einzug hallen will, wenn man ihm nicht beizeiten einen Damm entgegensetzt. Unb er kann nur burch einen Zusammenschluß gehemmt werden, ber gerabe so unterirbisch, so geheim, so falsch, so blutdürstig und unmenschlich wie er selbst ist."

Reilly hoffte, mit Unterstützung ber aus Letten bestehenben Leibwache der Sowjets bie Räteherr- schaft im Hochsommer 1918 zum Sturz bringen zu können. Die Lettenführer waren burch große Sum­men bestochen unb bas llrnfturgprogramm war in

allen Einzelheiten festgelegt worben nach ihrer Gefangennahme sollten Lenin unb Trotzki im Hemd burch bie Straßen geführt werden, um ber Lächerlichkeit ausgesetzt zu werden da wurde durch eine Unachtsamkeit zu früh losgeschlagen, und zwar mit ber Ermordung bes Tsd>ekaführers Urigti in Petersburg, bic ben Bolschewisten bie Augen öffnete. Durch Verrat würben auch bie Um­triebe besftameraben Relinsky" offenbar. Reilly wurde in ber britischen Botschaft in Petersburg ver­mutet, die Tscheka kümmerte sich nicht um (frterrito- rialität, sondern drang mit Gewalt in bas Gebäude ein, was einer Anzahl Bolschewisten bas Leben kostete, denn ber Marineattachs (Jromic trat ber Horde mit bem Revolver entgegen, wobei ihn selbst ber Tod ereilte Reilly befand sich allerdings in Petersburg, war jedoch rechtzeitig gewarnt worden und gelangte unbehelligt nach Moskau zurück, wo er sich, obwohl fein Name in aller Munde war, ein Preis auf feinen Kopf gesetzt unb er, wie schon er­wähnt, in contumaciam zum Tobe verurteilt war, verborgen halten konnte, bis es ihm glückte, Peters­burg wieber zu erreichen unb von bort, gegen Be­zahlung von 60 000 Rubeln, auf einem holländischen Motorboot nach Reval zu entfliehen, bas damals eine deutsche Marinebasis bildete. Frau Reilly berichtet, sie habe im Dezember 1922 in dem Ber» liner Hotel einen früheren deutschen Marineoffizier kennen gelernt, ber erzählte, Reilly wäre in der Maske eine- reichen, vor ben Bolschewisten geflüch teten Russen nach Reval gekommen, ben man gastlich aufgenommen. Als er plötzlich verschwanb, wurde man stutzig unb erfuhr zu spät, daß berrussische Flüchtling" identisch mit bem britischen Meisterjpion Sibneq Reilly wäre.

Reilly, besten geheime Kennziffer1 Efti" war, ist unzweifelhaft ein Opfer ber Bolschewisten gewor­den, obwohl manche behaupten, er werdelebendig begraben" in unterirdischer Kerkerhaft gehalten. Seine tollkühnen Umtriebe in Rußland erscheinen fast märchenhaft, aber sie haben in ben Erinnerun­gen Lockhardts, Hills unb Dukes eine Bestätigung gefunden.

Lockhardt bezeichnet ben ehemaligen Fähnrich, späterenHöchstkommanbierenben" und Staatsan- wall Krilenko als einen epileptischen Degene­rierten, als ben abftofjenbften aller Bolschewisten, Hiü pflichtet bei und schildert bie Ermorbung bes Generalissimus Dukhonin auf bem Bahnhof in Stawka, für bie Krilenko verantwortlich gewesen ist. Hill war Augenzeuge ber Bluttat und berichtet: Der Perron war übersät von einem Mob bewaff­neter Menschen, bie wie hungrige Wolfe brüllten unb schrien:Wir verlangen Dukhonin!" Plötzlich erschien eine bärtige Person auf bem Trittbrett eines Wagens 1. Klasse: Krilenko. Die Menge brüllte ihn nieder, worauf er in den Wagen zurückschlich. Dann erschien ein anderer mit zwei großen silberbefran­sten Epauletten auf bem Trittbrett. Mit dem Rufe: Sie gehören Dukhonin!", schleuderte er sie in die Menge. Sie wurden im Nu zerfetzt, aber das Ge- brüll:Wir wollen Dukhonin .. .wir wollen Dukho­nin ... wir wollen Dukhonin!" hielt an. Der Mann, der bie Epauletten gebracht hatte, verschwand einen Augenblick und erschien wieder mit Dukhonin. Dieser stand einige Sekunden regungslos auf dem Trittbrett, plötzlich fiel er, von rückwärts gestoßen, vornüber, wurde von unzähligen Händen ergriffen, in die Mitte ber Menge gezogen, hoch in bie Luft geschleubert, von Kugeln durchbohrt, und der Körper mit Bajonetten aufgefangen. Man lachte, und einer rief:Jetzt ist er tot!" Der sadistischen Lust des Pöbels war Genüge getan. Als bic Menge sich ver­laufen hatte, blieb nur bie verstümmelte Leiche des Höchstkommanbierenben zurück, bie von einem Sta» tionskehrer nach einem Schuppen geschleift würbe."

Hill erzählt noch, daß er unb sein Kamera!» Boy le, Krilenko aufgefucht, ihm bie Verantwor­tung für bie Morbtat zugeschoben unb erklärt hät­ten:Wenn Sie nur einen Funken menschlichen Gefühls in sich haben, lassen Sie bie Leiche ber Witwe bes Generals ausliefern." Krilenko fei puter­rot geworben unb habe es versprochen.

Aus Rache für bas Attentat auf Lenin (durch Dora Kaplan) nahm, nach Hill, die Tscheka in Moskau 500 der prominentesten Persönlichkeiten des alten Regimes fest und ließ sie hinrichten, und die gleiche Zahl von Petersburger Bürgern wurde als Vergeltung für die Ermordung Uritzkis erschossen. Am nächsten Tage wurde die Liste der Hingerichte­ten veröffentlicht:Ich habe noch nie so etwas Ent- fetzliches gelesen. Die Ermordeten waren unschuldig und umfaßten alle Stände.. Die Tscheka gab eine andere Liste von 750 festgenommenen Geiseln be­kannt, die bei der geringsten Gewalttat der Oppo­nenten hingerichtet würden," berichtet Hill.