Ausgabe 
10.8.1933 Frühausgabe
 
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zu geben, die ihm gefalle. Oesterreich ist und bleibt deutsch! Man gebe dem öster­reichischen Volk seine Freiheit und sein Selbst­bestimmungsrecht und im Herzen Europas werde Ruhe, Friede und Ordnung sein.

Gruß an Mussolini und Hitler.

Berlin, 9. Aug. (CNB.) Von der Rheinfabrt, die die Avanguardisten gemeinsam mit der Hitlerjugend unternahmen, wurden, wie die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz mitteilt, an Ministerpräsident Mussolini und an Reichs­kanzler Adolf Hitler folgende Telegramme ge­sandt:

Hitlerjugend und Balilla grüßen auf ihrer Rheinfahrt Ew. Exzellenz. Möge die Freund­schaft zwischen deutscher und ita­lienischer Jugend immer inniger und fester werden. Baldur v. S ch i r a ch.

Alberto Gigi i."

Die Deutschlandreise der italieni­schen Jungfaschisten fand gestern mit der letzten Etappe von Bingen nach B o n n auf dem DheindainpferOstmark" einen schönen Abschluß. An der Donner Rheinbrücke hatte sich eine viel­tausendköpfige Menschenmenge eingefunden. Reichsjugendführer Baldur v. S ch i r a ch , der mit etwa tausend Hitlerjungen die Rheinfahrt mit­

gemacht hatte, dankte für den herzlichen Empfang. Gestern abend haben die Gäste über München die Heimreise angetreten.

OerGrenzzw schenfa» beittieferssetven

Innsbruck,^ Aug. (WTB.) Der d e u t s ch e Generalkonsul in Innsbruck Geheimrat Dr. ©aller, der Sonderkommissar des Bezirksamtes Rosenheim Meder und der Kommandant des Arbeitslagers des Stahlhelms in Kiefersfelden Major Henning haben gestern beim Bezirks­hauptmann in Kufstein Hofrat Dr. I a n e - tschek vorgesprochen und ihm die Zusicherung gegeben, daß sie alle zur Aufklärung des Zwi- schenfalles vom 7. August beitragen werden.

Oesterreichische Soldaten ziehen Deutschland vor.

M ü n ch e n, 9. Aug. (CNB.) Wie aus S i m b a ch (Oberbayern) gemeldet wird, meldeten sich dort am Mittwoch sechs Mann des österreichischen Bundesheeres in feldmarschmäßiger Aus­rüstung. Sie haben die G r e n z e ü b e r s ch r i t t e n, da sie wegen ihrer nationalsozialistischen Gesinnung vor der Entlassung standen. Die Soldaten, die der Garnison Braunau angehört hatten, zogen es, wie sie mitteilten, vor, nach Deuhch- land zu gehen.

Kriegszustand über Kuba

h a v a n n a, 10. Aug. (MTB.) Reuler-Funkspruch. Präsident Machado hat über die ganze Insel Kuba den Kriegszustand verhängt.

3n der Verordnung heißt es, der Kriegszustand sei verhängt worden, weil der G e n e r a l st r e i k den Feinden der Ruhe und Ordnung eine Gelegen­heit gegeben habe, revolutionäre Zustände im Lande zu schaffen.

Der Präsident Kubas, General Gerardo Machado y Morales, hat den siebenten schweren Aufruhr der verelendeten Kubaner zu über­winden. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben seinen Rücktritt gefordert. Kuba, das mehr als drei Millionen Einwohner zählt, wurde 1898 im spanisch-amerikanischen Kriege den Spaniern genom­men und erhielt 1903 von den Vereinigten Staaten eine gewisse Selbständigkeit, wobei sich, aetreu der Doktrin des Präsidenten Monroe, die Amerikaner das Recht vorbehielten, im Falle politischer Unord­nungen eiryugreifen. Machado wurde 1925 Prä­sident und ließ 1929 seine Diktatur unter glattem Verfassungsbruch verlängern. Er gilt als der Typ des skrupellosen politisierenden Generals. Unmittel­bar nach seiner Ernennung kam es zu schweren Un- ruhen in Havanna, die zunächst von den liberal- intellektuellen Kreisen und den Studenten ausgin- gen, bald aber auch auch auf die Massen Übergrif­fen, deren Lage unter den Einwirkungen der Welt­krise und einer falschen Produktionspolitik von Tag zu Tag schlechter wurde.

Die Insel Kuba war einst berühmt wegen ihres Tabaks und ihrer ausgezeichneten Havanna-Zigar­ren, aber der Verbrauch der teuren Havanna-Zigar­ren ist auf ein Sechstel der Friedensze.t gesunken. Die Tabakproduktion ist längst überflügelt worden durch die Zuckerproduktion. Kuba ist zu einem reinen Zuckeranbaugebiet geworden, obgleich die Zucker­rübenproduktion der Welt ständig stieg und die Rolle des Rohrzuckers längst vorüber ist. Fast drei- oiertel der kubanischen Ausfuhr bestand in Zucker und ging hauptsächlich in die Vereinigten Staaten. Aber die Amerikaner wandten sich mehr und mehr dem philippinischen Zucker zu, die Ausfuhr sank stark, und die Preise fielen derart, daß sie zuletzt kaum noch einen Cent pro Pfund einbrachten, wäh­rend im Weltkrieg dafür bis zu 20 Cent gezahlt wurden, und die vormaligen Gestehungskosten auf etwas über zwei Cent liegen. Die Folge der schlech­ten Zuckerpreise war, daß schon im vorigen Jahre ein großer Teil des Zuckerrohres überhaupt nicht geschlagen wurde und die Arbeiter und Angestellten

der Pflanzungen keine Löhne erhielten. Dieses wirt- schaftliche Elend machte sich in blutigen Aufständen Luft, so im Juli 1932, nachdem eine April-Revolte gescheitert war, im August und November, bis der Dollaroerfall jetzt die Massen abermals in die Arme der Revolutionäre trieb.

Mit furchtbarem Willkürregiment hat General Machado frühere Aufstände niedergeschlagen, zahlreiche Tote aus allen Schichten kamen zu den Opfern der Schreckenswirtschaft durch eine Geheim­polizei, die nach dem Vorbild der Tscheka arbeitete und zahlreiche Meuchelmorde veranlaßte, so am Se­natspräsidenten Vasquez, Bello, den Abgeordneten Miguel Aguiar und de Andrade. Die englische und die amerikanische Presse in Havanna, deren Spalten täglich von solchen Meuchelmorden gefüllt waren, wurde verboten, aber der Haß ballte sich immer mehr zusammen, bis er jetzt die Massen in die Ma­schinengewehre des Diktators trieb. Die Amerikaner, Die über eineinhalb Milliarde Golddollar in den Be­trieben Kubas steckten, haben dem Diktator vielleicht eine allzu lange Frist gelassen. Jedenfalls ist die Verkoppelung von Wirtschaftselend und Diktatur der einst blühenden Insel zu einem furchtbaren Verhäng­nis geworden.

Roosevelt mischt sich ein.

H h b e p a r k, 10. Aug. (WTB. Funkspruch.) Präsident Roosevelt hat gestern abend dem kubanischen Botschafter gegenüber Erklä­rung 'abgegeben, in der er zur Einstellung des politischen Kampfes auf Kuba im Interesse der wirtschaftlichen Wohlfahrt auf­fordert. Die Erklärung Roosevelts wird in nicht­amtlichen Kreisen dahin ausgelegt, daß Präsi­dent Machado abdanken müsse, wenn er nicht ohne Gewaltanwendung regieren könne. Cs gilt als ausgemacht, daß Präsident Roose- vel t an sofortige Schritte zur Wie­derherstellung der Ordnung denkt, doch deutet nichts darauf hin, daß er dabei ein bewaffnetes Eingreifen im Auge hätte.

Spanischer und britischer Protest.

Washington, 10. Aug. (WTB. Funk­spruch.) Der spanische Botschafter und der britische Gesandte in Havanna haben bei dem dortigen amerikanischen Botschaf­ter gegen die ihren Staatsangehörigen zuteil ge­wordene Behandlung und wegen des dem auslän­dischen Eigentum zugefügten Schaden Protest eingelegt.

Oer Angier.

Von per Bott.

Sinter der Brücke am Quaderquai steht ein Mann und angelt im Kanal. Auf der Brücke stehen Menschen, beugen sich über das Geländer und starren auf den Schwimmer an der Angel­schnur, der reglos auf dem trüben. Wasser schwimmt. Sie vergessen Arbeit, Zeit und Ziel und konzentrieren ihre Aufmerksamkeit auf den Fisch, der gefangen werden soll.

Aus der Gruppe der Zuschauer löst sich Herr Petersen, ein dicklicher Mann, steigt die Stein­treppe zum Quai hinab und gesellt sich zum ein­samen Angler.Was machen Sie eigentlich?"

Ich fische."

Wissen Sie überhaupt, ob in dem Kanal Fische sind?"

Warum sollten hier keine Fische sein?"

Dafür kann es viele Gründe geben. Sie glau­ben, in jedem Wasser müssen Fische sein. Da irren Sie sich. Haben Sie zum Beispiel schon in der Wasserleitung Fische gesehen?"

Herr, der Kanal ist doch keine Wasserleitung!"

Gut. Aber ich meine, da ja beide Wasser füh­ren, die Wasserleitung und der Kanal, bloß mit dem Llnterschied, daß ..."

Mich interessiert dieser Unterschied nicht."

Er würde Sie schon interessieren, wenn Sie statt aus der Wasserleitung aus dem Kanal Wasser trinken mühten. Aber, um auf die Fische zurückzukommen: auch im Toten Meer sind keine Fische, weil Sodom und Gomorrha drin ertrunken sind."

Was haben Sodom und Gomorrha mit dem Kanal zu tun?"

Glauben Sie, in diesem Kanal ist noch niemand ertrunken?"

Der Angler wendet dem Herrn brüsk den Rücken und zieht die Angel aus dem Kanal.

Was machen Sie jetzt?"

Einen neuen Köder aufspießen, weil ihn die Fische weggefresfen haben."

Den müssen noch lange keine Fische wegge­fressen haben. Das ist ein ganz falscher Schluß. Da habe ich mir einmal ein Stück Kalbsbraten auf gehoben. Als ich nachts nach Hause komme, ist der Kalbsbraten weg. Ich machte meiner Frau einen Skandal und reichte die Scheidungsklage ein. Sechs Tage später erkrankte ich, kam ins Spital und mein Magen wurde ausgepumpt. Was fand man darin? Den Kalbsbraten. Ich hatte also vergessen, daß ich ihn selbst gegessen hatte, und zog die Scheidungsklage zurück."

Sie werden doch nicht glauben, daß ich den Köder selbst von der Angel weggefressen habe, he?"

Das meine ich gerade nicht. Sehen Sie denn Fische?"

Rein. Aber der Schwimmer an der Angel­schnur fühlt sie. Sehen Sie, wie er zuckt?"

Das brauchen keine Fische zu sein. Richt über­all, wo etwas zuckt, sind Fische dabei. Da täu­schen Sie sich mächtig. Da bin ich einmal auf der Straßenbahn gestanden, auf der Dorbern Platt­form. Sie müssen wissen, ich stehe immer auf der vorderen Plattform, wenn ich auf der Straßen­bahn fahre, denn ich lasse mir gern die frische Luft um die Ohren wehen. Da fühle ich, wie meine Llhr zuckt. Sie zuckt noch einmal und noch einmal. Mehrmals hat sie gezuckt. Ich denke schon, sie ist verrückt geworden. Dann hat sie sich aber beruhigt."

Zum Teufel! Warum hat sie gezuckt?"

Weil ein Dieb sie herausgezogen hat. Sie sehen also: es war kein Fisch bet der Llhr, weil sie gezuckt hat, sondern ein Dieb. So kann das auch bei Ihrem Schwimmer der Fall fein.

Herr, in diesem Kanal gibt es keine Diebe!"

Sagen Sie das nicht! Sleberall gibt es Diebe, aber nicht überall Fische. Fragen Sie nur den Wachmann da auf der Brücke. Wozu stünde er denn auf der Brücke, wenn es auf der Brücke keine Diebe geben würde? Oder in der Oper? Am Fuß­ballplatz? In der Bank? Sie werden doch nicht behaupten wollen, daß es in der Oper, am Fuß­ballplatz oder in der Bank Fische gibt? ... Sehen Sie! Also mit ihren Fischen im Kanal ist das so eine Sache. Angenommen aber, es sind welche drin, wie wollen Sie die herausbekommen?"

Indem ich sie mit der Angel herausziehe." Zuerst müssen sie aber doch anbeihen!" Natürlich."

Sind wissen Sie beim so sicher, bah sie auch anbeihen werben? Ich stehe schon so lange da, unb noch keiner hat angebissen. Wissen Sie denn, was die Fische gerne essen?"

Regenwürmer."

Regenwürmer sind nicht jedermanns Sache. So viel ich weiß, essen nur Chinesen Regenwürmer."

Herr, das sind doch Fische unb keine Chi- nefen!

Einerlei. Manche Fische bevorzugen Fliegen, anbere Engerlinge. Ober Mücken. Wir Menschen essen doch auch nicht alle Rinbfleisch. Cs gibt welche, bie Kröten essen, habe ich mir sagen las­sen, anbere lieben Austern ober ziehen Frosch­schenkel vor. Regenwürmer müssen also nicht ge- rabe immer bas Richtige sein. Ich würbe an Ihrer Stelle es mit etwas anderem versuchen. Zum Beispiel mit Fliegen."

Meinen Sie?"

Ratürlich. Fette, dicke Fliegen."

Ich habe aber keine."

Die muh man eben fangen. Regenwürmer muß man doch auch fangen. Stellen Sie einige

Das dalbv-Geschwader bei Lissabon gewassert. W

Ankunst und Empfang

Arn Mittwoch um 14.45 Uhr MEZ. wurde das Balbo-Geschwader über Lissabon gesichtet. Die italienischen Flugzeuge wasserten um 14.30 Uhr Ortszeit (15.30 MEZ.) auf dem Tajo bei Lissa- bon.

Auf seinem Flug von den Azoren nach Lissabon hatte das Geschwader mit Nebel zu kämpfen. Das Geschwader war in ständiger Funkverbindung mit einer portugiesischen Station.

Bei seiner Ankunft in Lissabon flog die Maschine B a I b o s an der Spitze des Geschwaders. Sie was­serte um 14.25 Uhr zuerst, kurz darauf weitere zehn Flugzeuge. Die Flieger wurden von der nach Tau­senden zählenden Menschenmenge mit begeisterten Rufen empfangen. Um 15.15 Uhr trafen weitere 9 Flugzeuge und die letzten drei um 15.50 Uhr ein. Alle Maschinen wasserten ohne Zwischenfall. In das Freudengeschrei der Menae mischte sich das Heulen der Scbiffssirenen. Der Grund für das verspätete Eintreffen der letzten drei Flugzeuge, die erst an­kamen, als B a l b o bereits die Parade der Ehren­kompanie auf dem Schwarzen Pferdeplatz abnahm, war der Startunfall des Flugzeuges Nr. 13. Balbo hatte nämlich diesen drei Maschinen Befehl gegeben, dem Unglücksflugzeug Hilfe zu leisten. Um 15.40 Uhr traf Balbo an Land ein. Er wurde vom Kriegsminister, dem Marineminister, dem Gouverneur und dem Polizeikommandeur herz­lichst begrüßt. Gleichzeitig wurden 21 Schüsse als Ehrensalut abgefeuert. 20 portugiesische Flugzeuge umkreisten die italienischen Maschinen. Nachdem Balbo die Front der Ehrenkompanie abgeschritten hatte, begann die Parade vor Balbo. Balbo und seine Gefährten begaben sich bann im Auto zu ihrem Hotel. Sem Wagen konnte sich kaum den Weg durch die dichten Menschenmassen bahnen. Zum Empfang Balbos hatte sich auch der Chef des ita­lienischen Generalstabes, General Valle, einge­funden. Die italienische Kolonie Lissabon war in Schwarzhemden erschienen. Auch die Blauhemden, die portugiesische Faschistenorganisation derNatio- nal^yndikalisten" waren aufmarschiert. Um 18 Uhr fand ein Empfang beim Staatspräsidenten und später ein Bankett in der italienischen Botschaft statt.

*

Das französische Luftfahrtministerium gibt mit Be­dauern bekannt, daß General Balbo beschlossen habe, mit seinem Geschwader in Südfrankreich

keine Zwischenlandung vorzunehmen, son­dern von Lissabon direkt nach Ostia zurückzu­kehren.

Das Unglück beim Start auf den Azoren.

Bei dem Unglück, von dem das Fluggeschwa­der des italienischen Luftfahrtministers Balbo beim Start auf den Azoren betroffen wurde, ist ein Offizier getötet worden. Drei weitere Insassen wurden verletzt. Der Start des Geschwaders er­folgte in zwei Abschnitten. Um 5.25 Uhr vormittags (Ortszeit) stiegen die neun Flugzeuge auf, die vor Sjorta gewassert hatten. Als sie Ponta Delgada überflogen, begannen die dort liegenden Flugzeuge zu starten, einschließlich des Flugzeuges, in Dem sich der General Balbo befand. Bei dieser Ge­legenheit ereignete sich der Unglücksfall. Anscheinend saugte sich der Bug des Flugzeuges 13 beim Start in den Meeresboden, wie dies bei flachem Wasser ^icht möglich ist. Das Flugzeug kenterte. Gleich­zeitig waren Störungen an dem Motor eingetreten, die es dem Flugzeug unmöglich machten, sich aus der gefährlichen Lage herauszumanöverieren. Die Besatzung bestand aus den Flieaerleutnants Ra­nieri und S q u a g l i a, einem Maschinistenmaaten und einem Funkmaaten. Alle vier Mann der Be- satzung wurden verletzt, am schwersten Flieger­leutnant Ranieri und S q u a g l i a. Sie wurden von einem Einwohner von Ponta Delgada gerettet, der sie aus der Kabine des gekenterten Flugzeuges in sein Boot zog und zur Süfte brachte. Die Ver­letzten wurden in ein Krankenhaus eingeliefert. Dort ist Leutnant Squaglia seinen Ver­letzungen erlegen.

Zum Zeichen der Trauer für den auf den Azoren verunglückten Fliegerleutnant sind auf Wunsch des Generals Balbo alle Feierlichkeiten in Lissabon abgesagt worden. Da General Balbo der Ruhe bedürfe, wurde auch der Empfang beim Präsidenten Carmona abgesagt.

Gronau an Balbo.

Bei seiner Ankunft in Lissabon wurde General Balbo folgendes Telegramm Wolfgang von Gronaus überreicht:Zum überwältigenden Er­folg und zur glorreichen Vollendung des bedeutend­sten Fluges dieses Jahrhunderts in aufrichtiger Be­wunderung herzlichste Glückwünsche."

Aus aller Wett.

Reichskagung deutscher Tanzlehrer in Bayreuth.

Auf der ersten Sitzung der Reichsfach sckaft deutscherTanzlehrer (unter dem Vorsitz des Reichsfachschaftsleiters der Fachgruppe Tanzlehrer im Nationalsozialistischen Lehrerbund) in Bayreuth, wurden nach der Wahl des Reichsausschusses für deutschen Tanz in der Reichsfachschaft folgende Tänze einstimmig als deutsche Tänze anerkannt: In der Gruppe Allgemeiner Tanz: 1. Der Marschtanz, 2. der Rheinländer in alter und neuer Form, 3. der Walzer in alter und neuer Form, 4. der langsame Walzer, 5. an Stelle des Foxtrotts derWechsel- schrittler", ein Tanz im Viervierteltakt und 6. der Galopp. In der Gruppe Gesellschaftstanz sollen 1. ein Begrüßungsreigen, 2. ein luftiger kurzfristiger Gesellschaftstanz derFriedrichshainer", 3. ein aus dem Volkstanz übernommenerGleichfchrittler", eine ganz neue Tanzform, 4. statt der früheren Quadrille der sogenannteAchter" gelangt werden. Durch diese neugeschaffenen Tanzformen sollen der Fox­trott, der Onestep und der Tango von der Bildfläche verdrängt werden.

24 deutsche weibliche Matrosen in Kopenhagen.

In Kopenhagen ist von Kiel kommend, das deutsche SchulschiffGud Win" von der Blankeneser

Jachtschule mit 24 weiblichen Matrosen eingelaufen, die unter dem Kommando des Kapitäns von S losch volle seemännische Ausbildung erhal­len. Kopenhagen ist voller Erstaunen und Bewun­derung für die tüchtigen jungen Mädchen, die von ' der Presse als vorbildliche Mannschaft geschildert werden.Gud Win" wird drei Wochen in den däni­schen Gewässern verbringen.

Großfeuer in einem westfälischen Dorf.

In dem Kreisort Sidessen bei Warburg (Wests., brach in dem Wohnhaus des Landwirts Hille- . brand ein Feuer aus, das sich auf drei be- - nachbarte Anwesen ausdehnte. Bevor noch die Kreismotorspritze aus Warburg und die Freiwil­ligen Feuerwehren der benachbarten Ortschaften zur Stelle waren, standen die Höfe in hellen Flam­men. Außerdem fiel noch das in der Dähe be­findliche Spritzenhaus den Flammen zum Opfer. Sämtliche vier Anwesen einschließlich der Wohn­häuser und Stallungen wurden z e r st ö r t. Der Schaden ist sehr groß. Das Feuer ist wahrschein­lich durch Selbstentzündung infolge der großen Hitze der letzten Tage entstanden.

Verantwortlich für Politik: i. D.: Ernst Blumschein.

Fliegenfänger auf. Zuerst fangen diese die Fliegen und Sie fangen dann mit den Fliegen die Fische. Das ist doch die klarste Sache der Welt. Pst! Iunge! Komm herunter! Der Herr braucht zehn Fliegenfänger!"

Während der Iunge dem Angler die Fliegen­fänger verkauft, steigt Herr Petersen schnaufend die Steinlreppe zur Drücke hinauf und sagt be­friedigt zu einem Zuschauer:Man muh doch den Iungens ein Geschäft verschaffen in dieser schwe­ren Zeit!" Lind geht befriedigt nach Hause.

Venezianisches Glas.

In der Ausstellung des italienischen Kunst- gewerbes, die vor kurzem in Florenz stattfand, beansprucht wohl das höchste Interesse die Ab­teilung, die das venezianische Glas umfaßte. Venezianer-Glas ist lange Zeit eins der Wunder menschlicher Handfertigkeit gewesen, das von ro­mantischen Sagen umsponnen war und seinen Ruhm durch die ganze Welt verbreitete. Die Meisterwerke dieser Glaskunst stellen das Zar­teste und Feinste dar, was je in diesem gebrech­lichen Stoff vollendet, und von den Glashütten der Insel Murano ziehen sich Fäden zu den deutschen Glasbläsereien. Romanisches unb Ger­manisches verbindend, wie dies in Gerhart Hauptmanns Glashütten-MärchenLind Pippa tanzt" dichterisch gestaltet worden ist. Petrus Florianus, der alsphiolarius" 1090 in Venedig erwähnt wird, ist der erste Glasmacher der Lagunenstadt, von dem wir wissen: 1224 wer­den schon 12 dieser Glasmeister verzeichnet. Die Dogen von Venedig nahmen die Glashütten unter ihren Schuh und machten die größten Anstren­gungen. um ihre Geheimnisse vor fremden Spionen zu behüten. Der Senat verlieh jedem Glasmacher das Recht eines Edelmanns und Bür­gers von Venedig, der sich mit den Patrizierinnen der stolzen Stadt vermählen konnte und dessen Kinder wieder Edelleule wurden,dies nicht ohne Grund", wie es in einem Dokument heißt, denn es ist eine seltene Wissenschaft und Kunst, die dumpfen Körper aus Staub und Sand in ein so durchsichtig-zartes Gebilde zu verwandeln, wie das Kristallglas ist. In einer Schilderung der Feierlichkeiten bei der Wahl des Lorenzo T i e p o l o Aum Dogen 1268, werden die köst­lichen Glaskunstwerke aufgeführl, die man in dem Festzug trug, und auch der Schöpfer dieser Wunder Maestro Vetrai M u r a n e s i schrill mit, in ein Gewand aus Scharlach gekleidet, das mit Goldsransen und reichen Perlenketten ge­ziert war. Ein Gesetz schloß im Iahre 1291 die Glasfabrikation auf der etwa 1,5 Kilometer nörd­lich von Venedig gelegenen Insel Murano zusam­men, wohl aus Gründen der Feuergefährlichkeit,

aber auch um die Geheimnisse der Glaskunst recht gut zu bewahren. Die Republik, die damals schon große Einkünfte aus diesem Gewerbe Halle, war entschlossen, das Monopol sich möglichst zu erhal­ten und Glasarbeiter, die diese so sorgfältig gehü­teten Künste verrieten, wurden zur Galeerenstrafe verurteilt.

Das Dunkel, das um das Glas von Venedig gebreitet wurde, gab zu seltsamen Legenden An­laß. Man flüsterte, daß in den Oefen der Glas­hütten der Salamander erzeugt werde, ein Feuer­geist, dem von Zeit zu Zeit Opfer dargebracht werden mutzten. Gläser, die unter bestimmten archäologischen Einflüssen verfertigt wurden, soll­ten bei der Berührung mit Gift zerspringen, während farbige Gläser die Blume des Weins bereichern und seine berauschende Kraft ver­ringern sollten. Dach einer alten Schilderung der venezianischen Glasfabrikation waren die Ver­richtungen in die Hände streng gesonderter Grup­pen gelegt. Die Lehrlinge bereiteten nur die Masse vor und Übergaben sie höheren Arbeitern, doch die eigentliche Gestaltung lag dem Glas- meister ob, der dem spinnwebfeinen Gebilde die eigentliche Schönheit verlieh. Die Glasmacher schufen in Schichten von 6 Stunden, nackt am Feuer stehend. Zweifellos ist die venezianische Glaskunst von der byzantinischen Kunst nach der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer im Iahre 1204 beeinflußt worden. Das zeigt schon das Erscheinen vieler byzantinischer Glasarbeiter in Venedig, aber die einzelnen Spuren lassen sich schwer nachweisen, da von den Frühwerlen dieser zerbrechlichen Schöpfungen nichts erhalten ist. Im 15. Jahrhundert stehen die Glashütten von i Morano in höchster Blüte: sie hatten damals ein Monopol für Glasmosaik. Spiegel und Glas­perlen, während ihre herrlichen Trinkgefätze der Welt eine neue Schönheit bescherten. Vielfach wurde Email und Vergoldung zum Schmuck der Gläser verwendet. Einen besonderen Goldeffekt hatte das kostbare Aventurin-Glas. Doch die höchste Vollendung erreichte diese Kunst in dem farblos durchsichtigen Kristallglas, dessen duftige Zierlichkeit nicht übertroffen worden ist. Aus der langen Reihe der venezianischen Glaskünstler heben sich einige berühmte Damen hervor. So soll schon 1250 Cristofero Drianiden Chalzedon im Glas nachgeahmt und damit den Wetteifer der Glaskunst mit dem Glanz der Edelsteine einge­leitet haben. Iacopo T o m a s i schuf den Teppich von Filigran-Glas im Museum zu Morano. Im 19. Jahrhundert ist die venezianische Glas­fabrikation durch Antonio S a l v i a t i neu be­lebt worden, nachdem sie völlig verfallen war, und so gehört auch das moderne Venezianer-Glas zu den Schönheiten, die aus großer Vergangen- heit in unsere Tage reichen. Dr. H. C.

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