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10.8.1933 Frühausgabe
 
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Chefredakteur

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Deranttoortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undsürdenAn» zeigenteil i. D. TH.Kümmel sämtlich in Bietzen.

Erscheint »ügttch,autza Sonntags und Feiertags Setlagen: Die Illustrierte Bietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl» monai$:Bc$ugsprel$:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierl« . 1.80 Zustellgebühr .. , - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

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poftschecktonto:

Frankfurt am Main 11686.

Hr.S.) $ k £16 ft w $ g a 6 e 185. Zahrgang Donnerstag, 10. August 1955

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Empfänge beim Reichskanzler

Serthtesguöen, 9. Aug. (IU.) Reichskanzler Adolf- itler hatte heute pb 10 Uhr Besprechungen mit dem Reichswehrminister von Blomberg, dem ^Reichsstatthalter für Baden, Dr. Wagner, mit Stabschef der SA. Röhm, mit dem Reichs» ftihrcr der SS. Himmler, dem Generalmusik­direktor Dr. Furtwängler und dem Deutsch, amerikaner Oberländer.

Deutscher Protest gegen die Sehe eines tschechischen Ministers.

Prag, 9. Aug. ($11.) Der Geschäftsträger Der deutschen Gesandtschaft in Prag, Legationsrat Holzhausen, hat Mittwoch vor­mittag beim Vertreter des tschechoslowakischen Auszeuministers schärfsten Protest gegen die offenen Angriffe eingelegt, die der stellvertretende Ministerpräsident, Eisenbahnminister Bechyne, anläßlich eines großen Kongresses gegen Deutschland gerichtet hat. Minister Vechyne hat u. a. erklärt, die Tschechoslowakei be­finde sich in einer ernsten Gefahr und müsse zur Verteidigung rüsten, denn das fa­natische, brutale und rücksichtslose neue Deutschland bereite einen Revanchekrieg vor. Der Geschäftsträger wies darauf hin, daß derartige, mit den Tatsachen in krassem Wi­derspruch stehende öffentliche Acusterungen ge­eignet seien, die gegenseitigen Beziehungen dec beiden Staaten auf das Schärfste zu schädigen und zu gefährden.

Ausschluß antinationaler Studenten vom Studium.

Berlin, 9. Aug. (ERB.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, nachdem bereits durch einen früheren Erlaß vom 29. Juni 1933 alle kommunistischen Studie­ren d e n an preußischen Hochschulen mit sofortiger Wirkung ausgeschlossen sind, durch einen neuen Erlaß diese Bestimmung auch auf sämt­liche marxistisch und antinationalen Studenten ausgedehnt.

Die Voraussetzungen für die Annahme einer marxistischen oder sonstigen antinationalen Betäti­gung sind nach dem Wortlaut des Erlasses insbe­sondere ^dann erfüllt, wenn ein Studierender in Wort, Schrift oder durch sein sonstiges Verhalten gehässig gegen die nationale Be­wegung aufgetreten ist, ihre Führer beschimpft oder national gesinnte Studierende zu verfolgen, zurückzusetzen oder sonst zu schädigen versuchte. Als besonders belastend ist dabei die Zugehörigkeit zu pazifistischen, landesverräterischen oder ähnlichen Organisationen anzusehen.

Für die Durchführung dieser Maßnahmen ist von dem Rektor jeder Hochschule auf Vorschlag der Stu­dentenschaft ein dreigliederiger, aus national zuver- lässigen Studierenden bestehender Ausschuß zu bestellen, der dem Rektor beratend zur Seite steht.

22 3entrum0obgeori)nefe scheiden in Preußen aus.

Berlin, 9. Aug. (DDZ.) Wie das VDZ.- Dureau erfährt, gilt das zwischen dem Reichs- innenminiftcr Dr. Frick als Vorsitzenden der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion und dem Abgeordneten Dr. Hackelsberger als Ver­bindungsmann der Zentrumsfraktion des Reichs­tags abgeschlossene Abkommen auch für den Preußischen Landtag und die ande­ren Landesparlamente, so daß sich ein ähnliches Abkommen zwischen dem Oberpräsiden­ten Kube und dem Abgeordneten Dr. Graß sür den Preußischen Landtag erübrigt. Auch in Preußen dürften daher alle weiblichenAb- ge ordneten und die Geistlichen, so­wie alle über 60 Jahre alten Abgeordneten nicht als Hospitanten in die nationalsozialistische Frak- tion ausgenommen werden. Bei diesen drei Grup­pen handelt es sich irn Preußischen La n d - t a g um 2 2 Abgeordnete der bisherigen Zentrumssraktion, die infolgedessen demnächst aus dem Landtage ausscheiden werden. Es verblei­ben danach 4 7 Abgeordnete, über deren Uebersührung in das Hofpitantenverhältnis in den nächsten Wochen zwischen dem Fraktionsfüy- rer Kube und dem Zentrumsverbindungsmann Dr. Graß verhandelt werden wird. Es ist wahr- 'cheinlich, daß auch von diesen noch einige nicht ?on den Rationalsozialisten übernommen wer­den. namentlich sofern es sich um früher füh­rende gewerkschaftlich oder sonst politisch stark her- Dorgettetcne Persönlichkeiten handelt.

Lebhaftes Interesse für die deutschen Arbeitsdienstlager.

Berlin, 9. Aug. (ERB.) Wie wir aus Kreisen -ter Leitung des Freiwilligen Arbeits­dienstes erfahren, find in den letzten Tagen 15 englische und amerikanische Studen­ten auf drei bis vier Wochen zur Dienstleistung in verschiedenen Arbeitslagern ausgenommen worden. Tas starke sachliche Interesse, das gerade von eng­lischer und amerikanischer Seite für die deutschen Arbeitsdienstlager gezeigt wird, geht auch weiter c^raus hervor, daß zirka 30 ausländische politische Persönlichkeiten, Professoren UW. eine ganze Reihe von Arbeitslagern besichtigt haben. Darunter befinden sich vorwiegend Briten unb Amerikaner. Auch ein Franzose ist dabei ge­wesen. Der mexikanische Gesandte hat ebenfalls Ar­beitslager besichtigt.

Kein Friede unter Versailles!

Italiens Stellungnahme zu dem französisch-italienischen Schritt in Berlin.

Von unserem römischen Dr. ^.-Korrespondenten.

Vorn, Anfang August.

Rach französischer Rechnung sollte die Haupt­bedeutung des Viererpakts darin liegen, daß zehn Jahre lang nicht mehr von Revision gespro­chen werden dürfe. Zweitens sollte er dazu dienen, Deutschland im engeren Rate mit 3:1 zu über- stimmen. Eine Sicherung also zum Versail­ler Vertrag und eineVerbesserung" des Völkerbundsversahrens.

Man muß es der französischen Presse und ihren Hilfsorganen lassen, daß sie, von vereinzelten warnenden Stimmen abgesehen, kein Hehl aus dieser Auslegung machte und Tag für Tag for­derte, nun das Werk der Kaltstellung Deutschlands zu vollenden, d. h., Italien wieder in das Derbündetensystem des Weltkrieges einzuziehen. Mussolini ge­wonnen. alles gewonnen. Berlin würde nicht ein­mal aufzumucken tragen, wenn Rom bloß ^freund­schaftliche Vorstellungen" erhöbe, ilnD so sicher fühlte man sich am Quai dOrsay, dah man frisch­fröhlich gleich daran ging, die Probe aufs Exem­pel zu machen.

Die freundschaftlichen Vorstellungen verdichteten sich in den unverbesserlichen Entente-Gehirnen, für die ein Rückgrat zeigendes Deutschland so wenig denkbar ist, wie ein ungehorsames Oesterreich, be­reits zu einer gemeinsamenDemarche" der drei Großpartner des Diererpaktes bei dem waffen­losen, und von dem diplomatischen Schritt zu einem natürlich sehr höflichen Ultimatum schien der Weg nicht weit. Man mußte nur ein gemein­sames Interesseobjekt vorschieben, am besten also Oesterreich, dann war die Geschichte mit der Zollunion hatte es gelehrt die Ein­heitsfront da.Deutsche Flugzeuge haben in Salz­burg Flugblätter abgeworsen", im deutschen Rundfunk fielen ein paar kräftige Worte sollte das nicht genug sein, um Mussolini zu schrecken? Das Anschlußgespenst, es trete Dor! Aino also geschah es. Lieber den Kopf des Duce hinweg wurden England und Frankreich in Berlin vorstellig. Im Rahmen des Viererpakts, versteht sich, 3:1.

Es soll jetzt Staatsmänner geben, die sich nicht recht geistreich Vorkommen. Daß Deutschland a b l e h n t e , ließe sich ja noch ertragen, daß aber Italien nicht mitmachte, wer hätte das gedacht? So also sah der Viererpakt aus? Das hieß ja Versailles auf den Kopf stellen, das war ja eine Verschlechterung des Völkerbundsverfahrens! Italien selbstän­dig! ^Deutschland einig! Eine diploma­tische Riederlage Frankreichs!

Wir werden nun aus Paris einen Schwall ent­täuschter, zorniger, entrüsteter Stimmen verneh­men, und der ahnungslose französische Bürger wird wieder einmal hören, daß der D e r f a i I - I e r Friede gefährdet sei. Das ist er in der Tat. Deutschland, Italien und Alngam wollen nämlich einen dauerhaften, also einen besseren Frieden; Frankreich und seine Hörigen wol­len den gegenwärtigen Alnfriedensstand erhalten. Olle Kamellen, denkt der Mann auf der Straße, und dennoch tun immer wieder Gebildete und Po­litiker, ja gebildete Politiker, so, als ob das für sie eine unerhörte Reuigkeit wäre. Sie geben sich daher verblüfft über den Ausgang der Demarche in Berlin und Rom.

De Iouvenel, der französische Interims- bvtschafter in Rom, der sein Amt mit unleug- i barem Geschick versah und deshalb versehen konnte, weil ihm die Almwälzung in der deutschen und der italienischen politischen Geisteswelt nicht so unbekannt war wie den Vätern der Demarche, soll in einem Interview mit einer österreichischen Zeitung erklärt haben, daß nicht nur in der Re­visionsfrage, sondern auch bezüglich der österreichischen Frage und der Reugestal- tung im Donauraum völlige Aleberein» ft i m m u n g zwischen Fra nkreich und Ita­lien bestehe. Wir haben Grund, an diesem In­terview, so wie es gedruckt vorliegt, zu zwei­feln. Denn De Iouvenel weiß sehr wohl, daß Mussolini nicht um Haaresbreite von seiner Aevisionsforderung ab­zuweichen gewillt ist, und daß sehr reale Berechnungen der widerspruchsvoll scheinenden Tatsache eines anschlußseindlichen Italien, das aber gleichzeitig ein stärkeres Deutschland will, zugrunde liegen. Auch in Wien würde man sich mit dem Glauben, daß Italien, das fa­schistische Italien, den nazifeindlichen Dollfußkurs billige, weil er eine Gewähr gegen den Anschluß­gedanken biete, auf einen Holzweg begeben. So einfach, wie Paris das Geschäft ansieyt hier Geld, hier Ware, liegen die Dinge nicht. Schon die Begründung des französisch-englischen Schrittes war brüchig, denn schließlich hat auch Mussolini von den fremden Flugzeugen gelesen, die Flugblätterüber Berlin ab- toarfen, ohne daß man s i ch deswegen in London und Paris aufgeregt hätte. Schließlich sitzt auch Mussolini gelegentlich am Radio und hört, wenn er Straßburg einstellt, dort eine wüste Hetze gegen den deut­schen Rachbarn, ohne daß Hitler deswe­gen verlangt hätte, er solle den Diererpakt nun einseitig gegen Frankreich ausspielen. Wenn Herr Dollfuß jetzt nach Rom kommt, auf Wunsch Mussolinis, wie es heißt, wird er sich wundem. Alnd der englische Botschafter in Rom müßte von allen guten Geistern verlassen sein, wenn er die

Downingstreet nicht durch ein sanftes Rippen- stößchen daraus aufmerksam machen würde, daß die Lossagung vom Goldstandard eine einfachere Sache ist, indeed, als die Lossagung Mussolinis von seiner europäischen Friedensidee.

Kein Friede unter Versailles! Das war die Erkenntnis, die fast alle Teilnehmer am römischen Voltakongreß beseelte, nur wagte dort noch niemand die harte Formulierung. Heute aber ist das Eis gebrochen, und ob sie wollen oder nicht, die schwerhörigen, die schon die Hände rangen, wenn einer von der permanenten Kriegserklä- rung von Versailles sprach, die Schämigen, die sich die Ohren verstopften, als Bernhard Shaw dieRaub- und Plünderunasverträge" geißelte und ihr eigener Vater, LloydGeorge, hörbar davon abrückte, alle die an der Aufrechterhaltung d e s U n f r i e d e n s z u st a n d e s interessierten Ge­schäftemacher müssen sich mit dem Tempora mutan» tur abfinden.Das Werk der Gerechtig­keit", so hatte Gömbös den Mut, es durch den Rundfunk zu verbreiten,wird in Zukunft unter besseren Bedingungen oorwärtsschreiten, denn Tag für Tag erweitert sich die Ueberzeugung, daß die Weltkrisis nichts als die Folge der schlechten Verträge ist,, und daß es feinen Frieden und keine Ordnung unter den Völkern geben kann, solange die Verträge nicht den Lebensnotwendigkei­ten angepaßt werden". Vielleicht ist es d e n Männern, die alle Fäden in der Hand zu haben glauben und daher überzeugt waren, Deutschland und Italien würden ebenso willig und wunschgemäß tanzen wie das bezahlte Oesterreich, entgangen, daß die italienischen Regierungsblätter die bedeutsame Rundfunkrede des ungarischen Ministerpräsidenten an erster Stelle kommentarlos veröffentlichten und damit billigten. Gömbös meinte weiter, U n - garn werde niemals die großen Inter- essen vergessen, die es an Deutschland

binden. Ungarn wolle mit allen Nachbarn Freund sein, Vorbedingung sei jedoch, daß ihm gleiche Rechte zugebilligt würden. Deutlich, sollte man meinen, und erstaunlich muß eine Auffassung scheinen, die da dachte, das neue Deutschland werde weniger Mut aufbringen, als das kleine Ungarn.

Es ist ein schlechtes Spiel, das gegenwärtig von Frankreich und England mit Oesterreich gc^ trieben wird, denn es geht von falschen Voraus« sehungen aus. Dieser Bauer auf Dem großen Schachbrett wird niemals zum Zuge kommen, denn es ist nicht wahr, Daß Die fran­zösischen und italienischen Inter­essen an der Donau parallel laufen, von der peripherischen englischen Erscheinung ganz zu schweigen. Cs ist ein unwürdiges Spiel, das Oesterreich mit sich treiben läßt, und wenn es dennoch Würde darin entdecken sollte, so bleibt ihm bestimmt eines versagt: der erträumte Erfolg. Schließlich wollen doch jene von Dem armen StaatsgebilDe, Das nicht leben unD nicht sterben kann, nur etwas haben, keiner will etwas geben. Man braucht sich wirklich nicht den Napoleonshut aufzusetzen, um das zu sehen.

AleberOe st erreich kreisendieGeier, es greift Darüber auch hinweg Die große, Die unzerstörbare RevisionsiDee, gleichgültig, welchen Partner sich Das umworbene Weaner- maDl zum Walzer aussucht. Unter Diesem ge­waltigen Aspekt ist alles, was sich augenblicklich um Den Ballplah in Wien herum abspielt, nur Episode. Der vertikale Revisionsgedanke wird sich stärker erweisen als die Querlinie einer veralteten Kulissenpolitik. Und man kann nur wünschen, daß Frankreich und England aus der Abfuhr, die sie mit Raturnotwendigkeit in Berlin und Rom erleiden mußten, die einzig mögliche Folgerung ziehen: Kein Friede un­ter Versailles!

Eine amtliche italienische Erklärung

Rom, 9. Aug. (DTR.) Die die Agenzia Stefani meldet, werden in verantwortlichen r ö m i - jchen Kreisen mit Bezug auf den kürzlich er­folgten Schrill in Berlin wegen der Frage der österreichisch-deutschen Beziehungen folgende amtliche Mitteilungen gemacht:

3m Laufe einer langen Unterhaltung über die europäische Gesamtlage über die italienisch-deutschen Beziehungen hat Ministerpräsident Mussolini die Aufmerksamkeit des Vizekanzlers o. Papen bei Gelegenheit feines Besuches in Rom im ver­gangenen Juli auf die Notwendigkeit gelenkt, eine Entspannung zwischen Oesterreich und Deutschland zu erzielen, die im Interesse der Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern und dieser Länder mit den anderen Rationen liege. Vizekanzler v. papen hat daraus die Erklärung abgegeben, daß er dem Reichskanzler darüber Be­richt erstatten werde, und ist dieser Zusage nach- gelommen.

Zwischen den diplomatischen Vertre­tern der beiden Regierungen folgten dann Unter­haltungen über diesen Gegenstand, die was eigentlich überflüssig ist, besonders zu bemerken stets einen sehr diskreten und privaten Charakter trugen.

Da die britische Regierung inzwischen die Initiative zu einem Schritt in Berlin er­griffen hatte, wies die italienische Regierung darauf hin, daß es ihr im Interesse des gewünschten Er­folges zweckmäßiger erscheine, den Ausgang der im Zuge befindlichen privaten und vertraulichen Unter­haltungen abzuwarten.

Im Verfolg dieser Unterhaltungen hat die deutsche Regierung dem italienischen Bot­schafter beruhigendeversicherungen über bie Radio-Propaganda und die Ueberfliegung öster­reichischen Gebietes abgegeben. Die italienische Re­gierung beeilte sich darauf, den Inhalt dieser Ant­wort dem englischen und dem französi­schen diplomatischen Vertreter b e k a n n t z u - geben und betonte dabei, dah sie es für zweck­mäßig erachte, den Schritt in Berlin nicht stattfinden zu lassen. Dieser Schritt hätte ver­mieden werden können, wenn Die für die ent­sprechenden Mitteilungen von London und Paris nach Berlin notwendige Zeit zur Verfügung gestan­den hätte.

Die römischen fireife sind der Ansicht, daß es in Zukunft durchaus notwendig ist, der Reihe von Zwischenfällen Einhalt zu tun, um die erbetene Rückkehr zu normalen Beziehungen zwischen Berlin und Dien herbeizuführen.

Ser österreichische Landesmspettor der AESAP im Rundfunk.

München, 9. Aug. (TU.) Landesinspektor Habicht von der Landesleitung Oesterreich der NSDAP, behandelte im Bayerischen Rund­funk den französischen und englischen Schritt in Serien und bezeichnete dabei als die Urhebe­rin dieses Schrittes die derzeitige ö st erreicht sche Regierung. Daß sie es getan habe, beweise, baß sie innerpolitisch völlig am Ende ihrer Kräfte angelangt sei. Die österreichische Regie­rung sei allerdings nicht offen heroorgetreten und mit der Bitte um Intervention nicht an die Mächte gegangen, sondern habe zunächst einmal 2 Wochen lang in der ihr dienstbaren Presse ein wahres Trommelfeuer von Leitartikeln und Sensationsmel­dungen losgelafsen, das Europa und den Völker­bund um Hilfe gegen das Reich anrief, bis dann am Ende der Bundeskanzler in Erscheinung getreten sei.

Einern französischen fiorrefponbenten gegenüber habe er der Hoffnung Ausdruck gegeben, die nationalsozialistische Bewegung in Oesterreich überwältigen zu können.Unter der voraus- feßung, daß Europa, b. h. Frankreich, ihn habet nicht im Stiche liehe." Um biefelbe Zeit unb zu bemfelben Zwecke habe er bann in Genf auch noch bie Bewilligung zur Aufstellung eines Hilfspollzeikorps von 18 000 Mann erbeten, das ihm für biefen Zweck natürlich gern bewil­ligt worben fei

Es fei nicht wahr, daß es in diesem Kamps um die Aufrechterhaltung der äußeren Freiheit und Unab­hängigkeit Oesterreichs gehe, und dieser ausgelöst worden sei durch einen Angriff des Reiches. Viel­mehr handele es sich um die Austragung eines inneröfterreichischen Kampfes zwischen der überwältigenden Mehrheit des deut­schen Volkes auf der einen und einer Minder- ßeitsgruppe auf der anderen Seite, die alle staatlichen Machtmittel habe. Die österreichische Re­gierung sei zu der Erkenntnis gelangt, daß sie sich aus eigener Kraft nicht mehr länger halten könne.

Menn bie Regierung Dollfuß immer roieber be­haupte, bah sie bas Volk hinter sich habe, so möge sie boch einmal ben Mut aufbringen zu einem Appell an bas Volk. Die nationalsozia- listische Bewegung verpflichte sich von vornher­ein bebingungslos zur Anerkennung biefes Volksurteils.

Einefreundschaftliche Vorsprache" in Wien wäre Dem Ziel Der Befriedung Europas die­nender, als eine solche in Berlin, das mit dieser innerösterreichischen Angele­genheit gar nichtszu tun habe. In einer Epoche, die mit der Proklamation des Selbst­bestimmungsrechts der Völker begann, könne man es dem deutschen Volke Oesterreichs nicht verbieten, sich im Innern d i c Regierung