Das Recht der Revolution.
Ein Vortrag des Reichsjustizkommiffars Or. Krank.
Berlin, 7. Juli. (TU.) Reichsjustizkommissar und Staatsminister Dr. Frank sprach vor dem nationalsozialistischen deutschen Juristenbund über „Das Recht der Revolution". Wir wollen, so erklärte er, nicht den juristischen Burealikraten) sondern den R i ch t e r k ö n i g , der in seinem Reich den Glauben des Volkes an Recht und Gerechtigkeit gewährleistet. Das Recht soll bestimmend sein d e n r a s s i - schen Kern des deutschen Volkes 5 u schützen. An jede Revolution der Tat schließt sich eine Revolution des Geistes, die das Volk in die neue revolutionäre Welt hineinzuziehen hat. Wir haben in Adolf Hitler an der Spitze nicht nur den Danton, sondern auch den B 0 n 0 p a r t e der Revolution, der sie gleichzeitig besiegen und führen wird. Das Recht der Revolution besteht darin, das Volk wieder zur ewigen Idee des Deutschtumes zurückzuführen, die Ordnung des Staates aufrecht zu erhalten und dem Führer gehorsam zu sein, dem die Entscheidung für die Geschicke des Deutschtumes in den nächsten Jahrzehnten anvertraut sind. Niemals darf ein deutscher Richter, Staatsanwalt oder Rechtsanwalt seinem Wollen hemmend entgegentreten. Die Objektivität im liberalisti- s ch e n Sinne liegt in einem anderen fernen Weltgebilde. Wir kennen nur die Gerechtigkeit, die dem gesunden, starken, ehrlichem deutschen Volk gegeben ist. Daraus ist der neue Begriff der Gerechtigkeit zu formulieren. Gerechtigkeit, Jnteressenanwendung des aufrechten Deutschtums gegenüber den Schädlingen im deutschen Volkskörper. Mit diesem Gesetz werden wir die Revolution siegreich erhalten können. Das Recht der Revolution wird auch dem österreichischen Volk wieder die Freiheit bringen. Wir können nicht schweigen, wenn der österreichische Justizminister Len Führer beleidigt. Wir wollen uns nicht als Amtsperson in die inneren Verhältnisse Oesterreichs einmischen. Aber wenn der österreichische Justizminister sagt, daß Hitler eigentlich zur Schande Oesterreichs in Oesterreich geboren.sei, müssen wir ihm erwidern: „Sie selbst sind eine Schande Oesterreichs geworde n." Das neue Bundespräsidium des Deutschen Richterbundes.
Nürnberg, 9. Juli. (WTB.) Die am 9. Juli 1933 in Nürnberg tagende Vertreteroersammlung des Deutschen Richterbundes als der einzigen Zentralorganisation der Richter und Staatsanwälte aller deutschen Länder und des Reiches hat einstimmig folgende Entschließung gefaßt:
Der Deutsche Richterbund, der mit seinen sämtlichen Landesvereinen dem Bund nationalsozialistischer deutscher Juri st en angehört, fühlt sich eins mit der großen Idee, die von dem Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen getragen wird und bekennt sich leidenschaftlich zu dem von dem Führer dieses Bundes, Herrn Reichsjustizkommissar Dr. Frank aufgebauten Arbeitsprogramm. Der Deutsche Richterbund sieht seine Hauptaufgabe und damit beste Standesvertretung in der Mitwirkung des gesamten Rich- tertums an der Neugestaltung des deutschen Rechts und der deutschen Rechtsordnung, die in Zukunft von einem Reichsrichtertum getragen sein {oll. Frei von Fesseln, entsprechend dem germanischen Rechtsideal, muß der Richter jeder Vergewerk- schaftung oder V e r f a ch s ch a f t u n g entzogen bleiben. Der Deutsche Richterbund dankt daher dem Volkskanzler für den an Dr. Frank gerichteten Brief vom 30. Mai 1933 als organisatorische Bevollmächtigung des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen. In treuer Ergebenheit Linz, Senatspräsident beim Reichsgericht, Bundesvorsitzender.
Der Führer des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen hataufVorschlagdesFach- leitersderRichterundStaatsanwälte
bei dem Führerstab der Reichsführung Pg. Amtsgerichtsrat Kyser in Anwendung der ihm vom Führer erteilten Vollmachten und auf Grund der einschlägigen Satzungsbestimmungen ernannt zum Bunde's vor sitzenden: Senatspräsident beim Reichsgericht Linz, Stellvertreter: Reichsgerichtsrat Dr. Schultze: Schriftführer: Amtsgerichtsrat Weis, Stellvertreter: Reichsanwalt Jörns; Kassenwart: Landgerichtsdirektor Dr. G e r t h - Nori tz s ch , Stellvertreter: Reichsgerichtsrat Linden- mayer.
Zu Mitgliedern des Bundespräsidiums: Landgerichtsdirektor Dr. S ch m i d t und Landgerichtsdirektor Burczek in Berlin vom preußischen Richteroerein, Landgerichtsdirektor Bertram (München) vom bayerischen Richteroerein, Amtsgerichtspräsident Nauck (Chemnitz) pom Verein sächsischer Richter und Staatsanwälte, Amtsgerichtsrat von. Frankenberg (Karlsruhe) als Vertreter des württembergischen, badischen, thüringischen und hessischen Richtervereins, Landgerichtsdirektor T ö w e als Vertreter sämtlicher übrigen Richtervereine, Reichsgerichtsrat Dr. S ch w a r z als kommissarischer Schriftleiter der Deutschen Richterzeitung. Diese vom Führer ernannten Herren unterstehen dem Amtsgerichtsrat Kyser als Fachleiter der Fachgruppe Richter und Staatsanwälte beim Führerstab des BnsdJ. und bilden dessen Unter« st a b.
Ein Derbändebeirai
bei der Deutschen Studentenschaft.
Berlin, 8. Juli. (TU.) Am Samstagvor- mittag begann in Potsdam eine Tagung bet studentischen Korporationsoerbände,
Berlin, 8. 3uli. (DTB. Funkspruch.) Das Gesetz über den Staatsrat, das vom preußischen Staats- minislerium beschlossen worden ist, besagt u. a.: Der Staatsrat berät das Staatsministerium bei der Führung der Staalsgeschäfte. Den Staatsrat bilden: 1. Kraft ihres Amtes der Ministerpräsident und die Staatsminister; 2. kraft Ernennung durch den Ministerpräsidenten bis zu 50 Personen. Die Mitglieder des Staatsrates führen die Amtsbezeichnung: Preußischer Staatsrat. Zum Staatsrat kann nur ernannt werden, wer unter anderem mindestens 25 Jahre alt ist und die Rechte eines deutschen Staatsbürgers besitzt.
Der Ministerpräsident ernennt die Staatsröte aus-folgenden Gruppen:
1. Gruppe: Staatssekretäre;
2. Gruppe: der Stabschef der gesamten SA., der Reichsführer der SS., der Stabsleiter der PO., die für preußische Gebietsteile zuständigen Gauleiter der RSDAP. und die eine Gruppe führenden Obergruppenführer der SA. und Gruppenführer der SS.
3. Gruppe: Vertreter der Kirchen, von Wirtschaft. Arbeit. Wissenschaft und K u n st. sowie sonstige um Staat und Volk verdiente Männer.
Der Ministerpräsident, die Staatsminister und die Staatssekretäre gehören dem Staatsrat für die Dauer ihres Amtes an, die Staatsräte der zweiten Gruppe für die Dauer der dort bezeichneten Aemter in der nationalsozialistischen Bewegung, die Staatsräte der dritten Gruppe auf Lebenszeit.
Präsident des Staatsrates ist der Ministerpräsident. Die Staatsräte äußern sich zu den Vorlagen, die dem Staatsrate zugehen, wichtige Gesetze sollen
zu der die Deutsche Studentenschaft geladen hatte. Der Führer der Deutschen Studentenschaft, Krüger, legte den Aufgaben- bereich der Korporationen im Leben der Studentenschaft dar und entwickelte aus dem Denken der Arbeitsdienstgeneration das neue Bild des Studentenbundes. Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund habe das neue Bild des politisch einsatzbereiten Studenten geschaffen und es gelte, alle Studentengemeinschaften nach diesem Bild zu formen. Das sei der einzige Weg, die Haltung des Derufsstudententums mit der des praktischen Sozialismus in naturgegebener Einheit zusammenzufassen. Anschließend zeigten die Amtsleiter der Deutschen Studentenschaft von ihren Arbeitsgebieten aus praktische Wege sozialistischer Hochschularbeit. Die Ausführungen fanden stärkste Zustimmung. Ein Verbandsbeirat, der der Führung der Deutschen Studentenschaft eingegliedert wird, wurde aus den Verbänden gebildet, die das Führerprinzip durchgeführt haben, sich zur nationalsozialistischen Weltan^ s ch a u u n g bekennen und mit deren Führung eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ermöglicht ist.
Oer EB. unter neuer Führung.
Berlin, 8. Juli. (CAB.) Die „Germania" meldet: Im Einvernehmen mit dem Bundesführer der nationalsozialistischen Studentenschaft wurde gestern der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Rechtsanwalt F 0 r s ch b a ch, Dortmund, zum Führer des gesamten Kartellverbandes der katholisch-deutschen Studentenverbindungen (CD.) bestellt. Als erste Amtshandlung hat der neue Führer des CB. den österreichischen Bundeskanzler Dr. Dollfuß und die übrigen Mitglieder der österreichischen Bundesregierung wegen ihrer reichsfeindlichen Haltung aus dem CB. ausgeschlossen.
vor ihrer Verkündung dem Staatsrat vorgelegt werden, hält ein Staatsrat die Beratung einer fon- stigenAngelegenheit für erwünscht, so teilt er dies dem Ministerpräsidenten unter Darlegung der Gründe mit; der Ministerpräsident entscheidet endgültig. ob der Anregung zu entsprechen ist.
Der Staatsrat stimmt nicht ab. Das Amt dec Staatsräte ist ein Ehrenamt. Die Staotsräte erhalten freie Eisenbahnfahrt und Aufwandsentschädigung nach Maßgabe von Vorschriften des Skaats- minifteriums.
Die Mitglieder des neuen Gtaaisrats.
Berlin, 8. Juli. (WTB.) Ministerpräsident Göring hat als Führer des neuen Slaatsrats in den Staatsrat berufen: alle preußischenMi- nister, die Staatssekretäre G r a u e r t vom Innenministerium und Koerner vom Staatsministerium, den Stabschef der SA. Hauptmann a. D. R ö h m, den Reichsführer der S^. Himmler, den Stabschef der Politischen Organisation der RSDAP. und Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley, die Gauleiter Koch (Königsberg), Karpenstein (Stettin), Kube (Berlin), Brückner (Breslau), den Gauleiter von Halle-Merseburg Jordan, den stellvertretenden Gauleiter G ö r l i tz e r (Berlin), ferner die Gauleiter Wagner (Bochum), Terboven (Essen), Florian (Düsseldorf) Simon (Koblenz), Grohe (Köln), Weirich (Kassel), T e l s ch 0 w (Hannover-Ost), Lohse (Kiel).
Für diejenigen Gauleiter der RSDAP. in Preußen, die gleichzeitig Statthalter einesanderenGebiets sind, also die Gauleiter L 0 e p e r, der Statthalter von- Anhalt und Braunschweig ist, Meyer, der Statthalter von Schaumburg-Lippe ist, den Gauleiter Sandel,
Llmbau des preußischen Gtaaisrats.
Franziskus.
Von pefer Bauer.
Aus der Hast der breiten schnurgeraden Verkehrsstraße flüchten seitwärts, oft gleich mit einem Bogen ins Gebüsch, schmale Fußgängerpfade in die Stille des Partgrundes. Es ist eine Lust, ihnen zu folgen, weil sie immerzu Versteck mit einem spielen und voller Geheimnisse und Ueberraschungen sind. Don eiligen Menschen wollen sie nichts wissen. „Radfahren verboten." Wenn leises Knirschen des frischen Äiesbelages hörbar wird, ist es ein Einsamer oder ein Pärchen Arm in Arm, das vorüberkommt. Das dicht ' übereinanderliegende Laub der hohen Buchen blendet die Sonne ab und fängt Regen auf. Nässe und Glut sind hier ebenso abgedämpft wie das lärmvolle Getue des Tages. Die Grasmücken und Finken können ungestört ihre Strophen schmettern. Kein Staubwölkchen trübt das atemreine Gemisch köstlicher Luft, die herb nach Gräsern, Erde und den schweigenden Wassern eines überschatteten Weihers riecht. Schwäne treiben mit zurückgelegten Hälsen lautlos auf ihm wie weiße pralle Luftkissen. Oder sie tragen den Hals steil, daß er aufraat wie eine Wimpelstange am Bug eines Bootes, die sich aber plötzlich in einen geschmeidigen Arm verwandelt, der in die Tiefe taucht. Dicht unter dem Wasserspiegel tummeln sich, oft mit blitzhaftem Husch aus ihm aufleuchtend, kleine finger- bis handlange Goldfische, die sich keck mit ihren Silber- und Goldschuppen brüsten und gar keine Angst zeigen, hier nichts als oufzu- fallen und Neugierige an,zulocken.
Die stehen zu allen Stunden des Tages an den Schmalseiten des länglichen Weihers, wo zum Schutze der Spaziergänger die Wege nach dem Wasser zu eingeländert sind und sich außerdem zu breiten mit Ruhbänken bestellten Plätzen erweitern. Viele sind hier nur stille Beobachter, einige aber haben immer etwas für die kleinen funkelnden Freß- bolde in der Tasche.
Lange Zeit bekamen sie in den Mittagsstunden regelmäßig von einem weißbärtigen Alten Besuch, der bedächtig seinen Krückstock ans Geländer hängte und mit zitterigen Fingern ein dickes Weißbrotstück für sie zerbröselte. Wie Pfeile schossen die Fische von allen Seiten auf die weißen schwimmenden Brocken, so daß sie sekundenlang da und dort zu vielstrahligen Sternen gruppiert erschienen, die gierig schnappenden Mäuler dicht beisammen im Mittelpunkt. „Nur nicht so stürmisch", pflegte da der Alte gutmütig zu schelten, „jeder soll etwas haben." Und danach verteilte er, bald seitwärts, bald weiter in den Weiher hinein die Bissen werfend. ,Ja, das schmeckt euch".
hörte man ihn vornübergebeugt murmeln, als sollten es nur die Fische hören. Und da waren doch die Schulknaben um ihn, die ihren Nachhauseweg durch den Park nahmen und jeden Mittag herbeihetzten, die Fütterung nicht zu versäumen. Um die kümmerte er sich gar nicht. Er tat als wäre er ganz allein bei seinen Fischen. Die Schwäne blieben stolz im Hintergrund des Weihers. Aber für sie fielen darum zum Schluß doch die dicksten Brocken ab, die Rindenstücke, die sie sich geschickt zu tunken und zu weichen verstanden. Wenn zu ihnen die Bissen im Bogen flogen, wußten die kleinen Fische, daß das der Schluß war, und sie zerstreuten sich allmählich.
Einmal sanden die Knaben den Alten in merkwürdiger Haltung am Geländer hängen. Sein Kops baumelte tief wie eine zu schwere Frucht am schwachen Ast. Sie tobten nicht wie sonst herbei, sondern schlichen still näher. Eine Zeitlang beobachteten sie herzklopkend den Regungslosen. Dann faßte einer Mut und tippte ihn an. „Tot!" schrie er auf, daß den andern Buben die Knie zitterten. Zwei rannten den Parkaufseher holen. Der „Franziskus" lehne tot am Weihergeländer. Wer der „Franziskus" sei, fragte erschreckt der Mann. Er kenne ihn doch, stammelten die kreidebleichen Knaben, der alte Goldfischfütterer. Sie hätten von einem Heiligen gelesen, dem Franziskus, der den Tieren gepredigt und sie gefüttert habe. Der Alte sei auch so einer gewesen und darum hätten sie ihn den „Franziskus" geheißen. Der Aufseher lief an den Fernsprecher und bestellte einen Wagen, dann rannte er den Knaben nach an den Weiyer. Die Haltung^ des alten Mannes war noch unverändert dieselbe. In den Konturen seines Schattens auf dem Wasser ruderten die kleinen Fische auf der Stelle und warteten. Er scheine noch nicht gefüttert zu haben, äußerte der Aufseher und hob im gleichen Augenblick die Brotschnitte aus dem Gras auf. Er gab sie einem der Knaben, er möge den.letzten Wunsch des Toten erfüllen. Und mit feierlichen, fast priesterlichen Gebärden ahmte der Knabe die Gesten des Alten nach. Die andern waren stumme andächtige Zuschauer. Da ries eine Hupe mehrmals, dann kamen harte Schritte, und kräftige Männerarme trugen den Toten davon.
Mit gesenkten Köpfen liefen die Knaben heimwärts. „Morgen stifte ich mein Frühstücksbrot den Goldfischen", sagte nach langem Schweigen der eine. „Ich übermorgen", schloß sich ein zweiter an. „Wir wollen abwechseln", rief ein anderer, „damit die Fische den „Franziskus" nicht zu missen brauchen. Dann schwiegen sie wieder. Sie trugen den Berlust des Alten schwerer, als sie es einander gestehen konnten.
Besuch beim Struwwelpeter-Hoffmann
In Anschluß an den Aufsatz „Der Ur-Struwwel- peter" (Feuilleton vom 5. Juli) wird uns aus dem Leserkreise geschrieben: ,
In dem Buche „In Deutschland und Brasilien", Lebenserinnerungen von Gustav Stutzer, befindet sich auf Seite 148 folgende Schilderung eines Besuches der Irrenanstalt von Dr. Hoffmann in Frankfurt am Main:
Wir nahmen die auf dem Sofatische liegenden Bücher zur Hand, und unter diesen fand ich in einem ausfallend schönen Prachtband — den Struwwelpeter. Bei Tisch konnte ich meine Neugier nicht unterdrücken, und Hoffmann erzählte folgendes:
Wenn er abends ermüdet in den Kreis feiner Kinder gekommen fei, hätten sie gebeten, ihnen Geschich- ten zu erzählen. Da habe er gerne den Bleistift genommen und auf irgendein Papier Figuren gezeichnet. Dann hätten sie zusammen Verse geschmiedet. Die Zettel hätten hier und da herumgelegen. Da wäre ein ihm befreundeter Verlagsbuchhändler auf der Durchreise bei ihm eingetreten, hätte so ein Blatt gefunden, die anderen in der Kinderstube zusammengesucht und ihm dann als Bündel mit der Frage vorgehalten: „Bist du zufrieden, wenn ich dir für die erste Auflage nichts, für jede folgende von tausend Exemplaren 100 Taler zahle?" Unter vielem Lachen sei der Vertrag abgeschlossen worden. Er und seine Kinder hätten also den Struwwelpeter verbrochen, und jener Prachtband sei das erste Exemplar von der (ich glaube) 25. Auflage. 1918 ist die 400. erschienen. —
Zeitschriften.
— Das Verhältnis von Politik und Wirtschaft im neuen Staate untersucht Paul Schmitt im soeben erschienenen Juliheft der „Süddeutschen Monatshefte" (München). Der neue Staat will den verantwortlichen Mann in der Wirtschaft. er gibt seinem Wirken freien Raum, will aber die Verpflichtung dieses Mannes, an welcher Stelle er auch stehen möge, auf den Geist der Nation und auf die Richtlinien der nationalen Politik. In einem grundlegenden Kapitel wird die Brücke zwischen Wirtschaft und Staat behandelt, die durch oie Kommissare und Treuhänder geschlagen wird: hier findet sich die erste weitausholende Erläuterung dieser Begriffe. Als wesentlich sieht es Schmitt an, daß das stets widerrufliche Amt des Kommissars erlischt, wenn er seine Aufgabe erfüllt hat. Als Einleitung zum Juliheft der „Süddeutschen Monatshefte" hat Leo Friedrich Hausleiter, München, der bekannte Verfasser der „Revolution der Weltwirtschaft", in packender Weise
der Statthalter von Thüringen ist, und den Gauleiter Sprenger, der Statthalter von Hessen ist, werden die stellvertretenden Gauleiter in den Staatsrat berufen.
Ferner sind folgende Obergruppenfüh- re-L der SA. in den Staatsrat berufen worden: Polizeipräsident Heines, Breslau, L i tz m a n n, Königsberg, v. 2 a g 0 w ,,Kassel, Luyken, Riederrhein und Oberpräsident Luhe- Hannover, ferner die SS.-Gruppenführer Ministerialdirektor D a I u e g e, Berlin, v. W 0 yrsch und Polizeipräsident Weitzel, Düsseldorf.
Als Vertreter der Wirtschaft ist der Industrielle Thyssen, als Vertreter des Stahlhelms Rittmeister a. D. Morozowicz, ferner aus der Gruppe der Personen, die besondere Verdi e n st e um den Staat haben, der frühere Oberpräsident von Ostpreußen Kutscher und der bisherige Oberpräsident von Pommern, 0. Halfern in den Staatsrat berufen. Die Liste ist noch nicht vollständig. Insbesondere fehlen noch die Namen der Vertreter von Kirche, Arbeit, Kunst. Diese Namen werden in deu nächsten Tagen bekanntgegeben werden.
Aus aller Welt.
Schweres Eisenbahnunglück bei Apolda.
Die Reichsbahndirektion Erfurt teilt mit: Am Sonntag, 15.10 Uhr entgleise vor Bahnhof Rieder-Treba D 15 Stuttgart—Berlin vermutlich infolge Gleisverwerfung. 6 Personenwagen fielen um und liegen an der Böschung. Bis jetzt find 3 Tote, 12 Schwerverwundete und eine Anzahl Leichtverletzte geborgen worden, deren Rainen noch nicht feststeht. Die Leichtverletzten setzten ihre Reise mit dem nichtentgleisten Zugteil fort; die Schwerverletzten wurden dem Krankenhaus in Apolda zugeführt. Beide Gleise waren gesperrt Der eingleisige Betrieb ist um 18 Uhr wieder ausgenommen worden. — Wie bisher bekannt geworden ist, kam bei dem Unglück bei Apolda eine Frau ZUarie- Cuife Behrin g-Uhla aus Mecklenburg-Schwerin ums Leben. Unter den Trümmern liegt noch ein Toter, der noch nicht geborgen werden konnte. Auf dem'Transport zum Apoldaer Krankenhaus, in dem die 12 Schwerverletzten untergebracht worden sind, st a r b eine weitere Person, deren Personalien bis zur Stunde nicht bekannt sind.
Ein Leipziger Löwe für Ministerpräsident Göring.
Dr. Gebbing, Direktor des Leipziger Zoologischen Gartens, und Herr 0. Hieben als Beauftragter des „Stahlhelm" Übergaben dem Herrn Ministerpräsidenten Göring einen jungen Löwen in Gegenwart der Vertreter des „Stahlhelm", des Bundesführers Seldte und des Bundesbevoll- mächtigten v. M 0 r 0 f z 0 w i c z. Der junge Wüstenprinz ist erst acht Wochen alt und stammt aus der bekannten Raubtierzucht des Leipziger Zoologischen Gartens. Die Eltern sind außerordentlich große Löwen,'in denen viel Blut von dem fast ausgestorbenen nordafrikanischen Berberlöwen steckt, die mit großem Erfolg in Leipzig gezüchtet werden. Ministerpräsident Göring, der als großer Tierfreund bekannt ist, hat sich über das eigenartige und schöne Geschenk sehr gefreut.
Drei Bauern beim Heuladen von Starkstrom getötet.
Drei Bauern, die bei Mornant (Rhone) einen Heuwagen geladen hatten und das Heu mit einem Draht befestigen wollten, wurden mitsamt ihrem Ochsengespann durch Starkstrom getötet, weil einer der Leute so unachtsam war, den Draht so hoch über das Heu zu werfen, Laß er mit Ler Starkstromleitung in Berührung kam.
Der dänische König besucht den Kreuzer „Leipzig".
Der König von Dänemark besichtigte den aus der Reede von Aarhus liegenden deutschen Kreuzer „Leipzig" und richtete daraufhin ein Telegramm an Len Herrn Reichspräsidenten. Am Abend lud er zehn Offiziere und den Kommandanten des Schiffes, sowie den deutschen Gesandten Freiherrn v. Richthofen mit Gemahlin und den deutschen Konsul zur Tafel auf Schloß Marselisborg.
die Manifeste aneinandergereiht, die das Zeitalter der Weltwirtschaft kennzeichnen. Vom Kreislauf-Manifest Quesnays über Adam Smith, Cobden, List, Lenin zur Sammelkundgebung der Stresemann-Aero. Dies „Gewerke" von Manifesten findet seinen anschaulichen Abschluß durch das „Manifest des lebendigen Volkes", durch den Sieg der nationalen und sozialen Revolution, nach dem Volkswirtschaft die Wertschöpfung der Volksgenossenschaft in Rasse und Geist, Blut und Boden ist.
— „Die Kunst" (Deutsche Monatshefte für Kunst und Wohnkultur. Verlag F. Bruckmann AG., München) bringt in der Juli-Rummer Bilder von Walter Deutsch — Veit Stoß' englischen Gruß — Formkultur der neuesten Malerei — Plaketten von Heinrich Moshage, darunter eine Plakette des Volkskanzlers Adolf Hitler in ausgezeichneter künstlerischer Form — Ausschnitte aus Dürers Rosenkranzfest — Werke des Malers Josef Kern. Aus dem Bereich der'Wohnkultur: Das Musterbeispiel eines modernen Eigenheims — Baukunst und Stil im Jahrhundert der Technik — neue Tapeten— neues Kunstgewerbe, Ge^ .cke, Geschirre usw. in Glas, Porzellan und Metall — wirtschaftliche Winke für den, der ein Eigenheim bauen will, alles reich illustriert und anregend beschrieben.
Hochschulnachnchten.
Dem zum Somersemester als ordentlicher Professor in die Philosophische Fakultät der Universität Frankfurt berufenen und gleichzeitig zum Rektor gewählten Professor Dr. phil. Ernst Krieck ist nunmehr die durch das Ableben von Professor Dr. Max Scheier freigewordene planmäßige Professur mit der Lehrverpflichtung für Philosophie und Pädagogik übertragen worden. Zugleich ist er zum Direktor des Philosophischen und Pädagogischen Seminars der Universität Frankfurt ernannt worden.
Der a. 0. Professor Dr. Heinrich Dannen^ bauer in Tübingen ist als Rachfolger des in den Ruhestand getretenen Professors Johannes Haller zum Ordenarius für mittelalterliche Geschichte an der Llniversität Tübingen ernannt worden.
Als Extraordinarius für Wirtschaftswissenschaften wurde Professor Dr. Walter W e d d i g e n von der ^Universität Innsbruck nach R 0 st 0 ck berufen.
— Der a. 0. Professor Gustav Jung bauer an der Deutschen Universität in Prag ist als Nachfolger des verstorbenen Professors Adolf Haussen zum Ordinarius für deutsche Volkskunde ernannt worden.


