Ausgabe 
10.6.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

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Tageskalender für Samstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Champ" und Der Sohn des Rajah".

" Wilitärperfonalie. Oberzahlmeister Dock beim l. Bataillon Infanterie-Regiment 15 in Gießen ist mit Wirkung vom 1- April ab zum Stabszahlmeister ernannt worden.

- 3n den Ruhestand verseht wurde der Gewerbelchulrat an der Gewerbeschule Worms Ludwig Schalk auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten-

Soldatenspende für d i eStiftung für Opfer d e r Arbeit". Die Angehörigen unseres I. Bataillons Inf-Regts. 15 in Gießen haben aus freiwilligen Spenden den Betrag von 1000 Mark für dieStiftung für Opfer der Arbeit" aufgebracht.

" Oberhessischer Kun st verein. Man schreibt uns: Die letzte Veranstaltung des Sommers bringt eine AusstellungVorformen künstlerischen Schaffens" aus der Sammlung des Psychologifchen Instituts der Universität (Direktor. Professor Dr. F. ©ander). Ein Teil der Ausstelluna ist den bild- nerischen Leistungen des jungen Kindes gewidmet. Eine geschlossene Entwicklungsreihe von Zeichnungen und Plastiken, die spontan unter Ausschluß jeder pädagogischen Einwirkung entstanden sind gewahrt einen Einblick in künstlerische Primitivgestaltun^ und darüber hinaus in die Stuktur der kindlichen seele. Plastische Leistungen von Hilfsschulen! ergänzen das Bild normaler Entwicklung. Zeichnungen japanischer Kinder, mit dem Pinsel zügig geschrieben, zeigen auch in den kindlichen Aeußerungen die hohe graphische Kultur dieses Volkes, andere Beispiele verraten störende westliche Einflüsie. Die Abteilung Musika. lische Graphik" bringt Ergebnisse einer Wissenschaft, lichen Untersuchung an Erwachsenen über den Ge- staliungsvorgang schöpferischer Phantasie. Die aus- gestellten Blätter sind Zeichnungen und Farbkompo- sitionen nach inneren Gesichten, wie sie unter dem Einfluß von Musik entstanden sind.

hos Milseburg, von wo aus gegen 18 Uhr mit der Eisenbahn die Heimfahrt über Fulda angetreten wurde. Hochbejriebigt und stark sonnengebräunt kam die junge Schar in Gießen an, und lange noch werden die Jungen und Mädels an diese Wände, rung zurückdenken.

Es verdient hervorgehoben zu werden, daß wah­rend der ganzen Wanderung keiner der jugend­lichen Teilnehmer und Teilnehmerinnen schlapp machte, obwohl der größte Teil von ihnen im Alter von 10 bis 14 Jahren, ja einer sogar erst 8 Jahre alt war. Es wurden tägliche Marschleistungen von etwa 20 Kilometer in diesem gebirgigen Gelände erreicht und fünf Berge erstiegen, die durchweg 900 Meter und mehr hoch waren. Während der Wan- derung wurden die jugendlichen Teilnehmer bei je­der Gelegenheit durch ihre Führer auf die Schön­heiten der Natur, des deutschen Waldes, aus alte Sitten und Gebräuche der Einwohner, sowie auf geschichtliche Erinnerungen hingewiesen und dadurch in den Herzen der Kinder die Liebe zur deutschen Heimat erweckt und gestärkt. Die viertägige Wan­derung diente nicht nur allein der körperlichen Er- tüchtigung der Teilnehmer, sondern auch im gleichen Maße einem ideellen Ziele der geistigen und sitt- lichen Ertüchtigung, sowie Pflege der Kamerad­schaft. Die Wanderung war von dem schönsten Wetter begünstigt und verlief programmäßig und ohne Unfälle.

Winke für die Volks-, Berufs- und Betriebszählung.

Für die bevorstehende Volks«, Berufs­und Betriebszählung fei kurz auf folgen­des hingewiefen:

In den nächsten Tagen werden die Zählpapiere an die Bevölkerung verteilt werden. Die gesamte, in der Nacht vom 15. auf 16. Juni 1933 anwesende Wohnbevölkerung wird durch Haushaltungs- l i ft e n , in die alle zur Haushaltung gehörigen Personen (einschl. Zimmerabmieter) aufzunehmen sind, gezählt. In Untermiete wohnende Familien haben dann eine Haushaltungsliste auszufüllen, wenn sie eine eigene, vom Hauptmieter ge­trennte Hauswirtschaft führen. In den Vordrucken sind entsprechende Erläuterungen und Beispiele an- gegeben.

Für jedes bebaute Grundstück mit Wohnstätten, Fabrikgebäuden, Amtsgebäuden, Geschäftshäusern usw. ist vom Grundstückseigentümer oder dessen Stellvertreter eine besondere Grundstücksliste auszufüllen.

Gewerbebetriebe werden durch die Haushaltungs- liste (4. Seite) gezählt. Werden jedoch außer dem Geschäftsinhaber oder Leiter noch weitere Perso­nen wie Mitinhaber, mithelsende Familienangehö­rige, Angestellte, Lehrlinge usw. beschäftigt, so ist außerdem noch eine besondere Gewerbekarte auszufüllen.

In jeder Haushaltungsliste ist außerdem aus der 4. Seite die Frage der Bodenbewirtschaftung zu beantworten, auch wenn diese in kleinstem Umfange als Acker, Wiese, Kleingarten, Schrebergarten usw. betrieben werden sollte. Ist die bewirtschaftete Bo- denfläche größer als 5000 Quadratmeter (5Q Ar ober 2 hessische Morgen), so ist außerdem noch eine besondere Land- und Forstwirtschafts, karte auszufüllen.

Unbedingte Voraussetzung für das Gelingen der Zählung ist die sorgsame und gewissenhafte Beant­wortung^ der in den ausgegebenen Vordrucken ge- stellten Fragen. , ,.

Schließlich sei noch ausdrücklich darauf hinge- wiesen, daß die Erhebungspapiere nur für statisti­sche Zwecke verwendet werden dürfen und daß nach dem Dolkszählungsgesetz eine Heranziehung zu an­deren, namentlich steuerlichen Zwecken ausgeschlos­sen ist. Die Wahrung des Amtsgeheimnisses für die gemachten Angaben' ist ebenfalls ausdrücklich fest­gelegt.

Talen für Lamstag, IV.Iuni.

1190: Kaiser Friedrich Barbarossa gestorben; 1 07: die Franzosen von den Russen und Preußen bei j)eilsberfl zurückgeschlagen. 1819: der französische Maler Gustave Corbet geboren; 1914: Gründung der Universität Frankfurt am Main.

Taten für Sonntag, 11. Juni.

1696: Der preußische Feldmarschall Jakob 0. Keith aus Schloß Inverguie in Schottland geboren; 1847: der englische Seesahrer John Franklin auf einer Polarexpedition gestorben; 1859: her öster­reichische Staatsmann Fürst von Metternich geftor- ben- 1864: der Komponist Richard Strauß tn München geboren; 1929: der österreichische Außenminister Graf Julius Andrassy in Wien ge-

Prälat D. Dr. Or. Diehl über die kirchenpolitische Lage.

Gestern mittag fand in Gießen eine Superinten- denlur Konferenz statt, die von evangelischen Pfar- rem und Kirchengemeindeoertretern aus allen lei- len der Provinz Oberhessen stark besucht war. Der vorgesehene Tagungsraum, der Iohannessaal, reichte bei weitem nicht aus zur Aufnahme aller Besucher, 1 fo daß die Tagung in die Iohanneskirche selbst ver­legt werden mußte; der weite Raum des Kirchen« fchisfes war nahezu vollständig besetzt. Der starke 1 Besuch war auf die Ankündigung eines Vortrages von Prälat D. Dr. Dr. Diehl überDie kirchen- ; politische Lage" zurückzusühren.

Nach einem kurzen Erössnungsgebet und Geleit­wort des Konserenzleiters, Superintendenten Oder- kirchenrat D. Wagner, Gießen, behandelte Prä- lat D. Dr. Dr. Diehl in etwa Inständigem Vor­träge das Thema der Tagung, Er berichtete zunächst in großen Zügen über die Bestrebungen zur Neu­ordnung im evangelischen Kirchenwcsen Deutsch­lands, die durch die nationale Revolution einen gewaltigen Austrieb erfahren und ihre Auswirkung in den längsten Verhandlungen und Beschlüssen der leitenden kirchlichen Instanzen gesunden Haden. In diesem Zusammenhang gab der Redner einen lieber- blick über den Gang der Verhandlungen zwischen den Vertretern der Kirchenregierungen und den Vertretern der GlaubensbewegungDeutsche Chri­sten" hinsichtlich der Einsetzung eines Reichsbischoss und der Schaffung einer evangelischen Reichskirche. Die anschauliche Schilderung des Vortragenden, der an den maßgebenden Verhandlungen in Berlin teilnahm, und seine Schlußfolgerungen aus den man- nigfoltigen Verhandlungsereignissen gaben den Hörern ein weithin abgerundetes Bild über das kirchengeschichtlich bedeutsame Geschehen. Aus den Darlegungen des Vortragenden hörte man die Wertschätzung des positiven Wollens der Glaubens- bewegungDeutsche Christen", Prälat Diehl machte aber auch keinen Hehl daraus, daß er sich bei der Entscheidung über die Persönlichkeit des Reichsbischoss nach strengstem Abwägen aller Ge- sichtspunkte für den Pastor D. von Sobel- schwingh entschieden hat. Die Hörer gewannen aus feinem Bericht weiterhin den Eindruck, daß ihm die aktive Mitarbeit des Wehrkreispsarrers Müller als Vertreter der Glaubenbewegung Deutsche Christen" an maßgebender Stelle neben dem Reichsbischos von Bodelschwingh im Interesse der gesamtkirchlichen Entwicklung wän- schenswert und notwendig erscheint, damit alle evangelischen Kräfte in weitestem Umfange zum Wohle der evangelischen Gesamtkirche zusammen- gefaßt werden. Im zweiten Teile seines Vor­trages behandelte Prälat D. Dr. Dr. Diehl den Vertragsabschluß zwischen den Evangelischen Lan- deskirchen von Hessen und Frankfurt a. M., über den imGießener Anzeiger" Nr. 131 vorn 8. Juni berichtet wurde, und über die Vorgeschichte dieses Vertrages, wie auch über die Verhandlungen zwi­schen den leitenden Kirchenbehörden von Kassel und Wiesbaden mit den Vertretern der Hessischen Eoan- gelischen Landeskirche Den Vertragsabschluß mit der Frankfurter Kirche bezeichnete der Redner als einen Anfang, dem die Fortsetzung folgen müsse. Er betonte dabei seinen Wunsch und (eine Hoss- nung, daß durch die Verhandlungen eine großhessi­sche Kirche zustande komme, bei der die jetzige Hes­sische Kirche nicht zerschlagen, sondern erweitert und vergrößert werde, aus dem neuen Geist heraus hin­über in eine bessere Zukunft, und daß sie immer das sein werde, was sie bisher schon gewesen ist: eine wirkliche Evangelische Dolkskirche

Im Anschluß an den Vortrag des Prälaten fand eine urnsangreiche Aussprache statt, an der sich zahl­reiche Redner beteiligten. Dabei wurden die Dar­legungen des Prälaten und die mannigfaltigen Ge­sichtspunkte des kirchenpolitifchen Zeitgeschehens von den verschiedensten Standpunkten aus beleuch­tet. Prälat D. Dr. Dr. Diehl nahm an den Er­örterungen als Redner regen Anteil. Nach etwa dreistündiger Beratungsdauer fand die Konferenz gegen 14 Uhr mit gemeinsamem Schlußgefang ihr Ende.

Wandern in der SchülerabteNung des Männer-Turnvereins Gieren.

Man berichtet uns: Der Männer-Turnverein Gie­ßen, der in (einer Jugendabteilung (djon (eit einer Reihe von Jahren regelmäßig besondere Wanderun­gen für Schäler und Schülerinnen durchsuhrt, ver­anstaltete während der Zeit vom 3. bis^ einschließ­lich 6. Juni unter der Leitung seines «chulerturn- roartes H. Freiensehner eine ^chulerwande rung in das Rhöngebirge. Zu dieser Wanderung hatten sich insgesamt 32 Schäler, Schülerinnen und Iugendturner angemeldet, hierzu traten noch 4 er­wachsene Führer und 1 Führerin

Am Samstag, 3. Juni, ging es mit dem Mittags­zug nach Fulda, dessen Sehenswürdigkeiten in den Nachmittagsstunden eingehend besichtigt wurden. In der Jugendherberge Petersberg bei Fulda wurde erstmals übernachtet, am andern Morgen ging es mit der Eisenbahn weiter bis Gersfeld. Hier be­gann die eigentliche Fußwanderung, die an die jugendlichen Teilnehmer nicht geringe Anforderung stellte Mit fliegendem Wimpel, an dem die epm- hole des erwachten Deutschlands zu sehen waren, wurde über Rodenbach und Ober-Weißenbrunn m der Richtung auf den Kreuzberg marschteri, de - sen Fuß man vor Mittag erreichte. Nach kurzer Rast begann der Aufstieg. Kurz oor dem GhpM mürbe die Hauptrast des Tages gehalten, wobei oon den Jungen ein großes Zelt aulgeschlagen und gemein- sam abgekocht wurde. Alsdann wurde der Gipfel erstiegen, das Kloster und sonstiae ^bensrourbig. feiten besichtigt, worauf der Abstieg '" Richtung Bischofsheim in Bayern gegen Abend erfolgte In der Jugendherberge des genannten Städtchens (1400 Einwohner) wurde die zweite Nacht ver bracht, und am Pfingstmontag, die Wanderung durch die überaus romantische L-chwarzbachschlucht übe? die Teuselsmühle, X^berg opf, nach Wüstensachsen fortgesetzt. Auch auf die er Wanderstrecke wurde gegen Mittag an geeigneter ! Stelle das große Wanderzelt errichtet .und grup- venweise abgekocht. Abends er olgte Emkehr in der Jugendherberge PZüstensachsen, Äm Morgen1 d-- 6. Juni begann zeitig der Ausstieg zur Wosserkupp dem höchsten Berge des Rhongebirges. .^^0 Meter.) Oben angelangt, hatte die Jugend das für Gießener seltene Schauspiel des Startes, tfluges und der Landung eines ziemlich großen Segelflugzeuge-. C wurde meiterbin auf d.r W-N-r'upp-°ll« S-H.N, werte besichtigt: das Fliegerlager, die Hallen imt den vielen Flugzeugen, das Ehrendenkmal für die gefallenen Flieger, das Fttegerkreuz und derMchen mehr. Am Nachmittag ging es weiterüber Abts roda, das Grabenhöschen, die Milseburg zum Dahn

* Platzmusik des Musikkorps unte­res Bataillons findet am morgigen Sonn­tag, von 11 bis 12 Uhr, unter Leitung von Ober­musikmeister K r a u ß e auf dem Hindenburg-Wall anläßlich des Rotkreuztages statt. Dortragssolge: 1. Pour le msrite. Marsch. Schwarz; 2. Ouvertüre zuRosamunde", Schubert, 3. a) Norwegischer Brautzug, b) Ich liebe dich!, Lied, Gricg; 4. Tau­send und eine Nacht!, Walzer, Strauß, 5. Szenen ausSiegfried", Wagner.

' Besuchszeiten der Museen. Die Museen und Sammlungen im Alten und Neuen Schloß sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.

ee Berichtigung Die Staat-Pressestelle teilt mit Der in der Verfügung vom .0 Mai 1933 mit der Bezeichnung Pensionierung alS nationale Tat" unter Rr 62 bezeichnete Lehrer heißt nicht Johann, sondern HeinrichBonberschmidt.

Der nächste Frankfurter Pferde» markt findet kommenden Montag in der Land« wirtschaftlichen Halle in Frankfurt a. RI. statt. Heber 100 junge, starke Arbeitspferde aus Ungarn werden zu billigen Preisen, etwa 500 bis 700 Mark je Pferd, zum Verkauf stehen. Die Mit­glieder der ländlichen Reitervereine werden paf­fendes Material auf diesem Markt finden. (Siehe heutige Anzeige).

WSR Darmstadt, 8. Juni. Die 29. Ta­gung des D e r e i n s deutscherDibliothe- k a r e hat 120 Bibliothekare nach Darmstadt ge­führt, die alle Leiter der wissenschaftlichen, der älniversitätS- und der großen Landesbibliotheken find.

Der Dorsihende des Vereins, Dr. H i l f e n b c d (München), hieß in der Otto-Derndt-Halle der Technischen Hochschule insbesondere den hessischen Ministerpräsidenten Prof. Dr. Werner herzlich willkommen und ging dann auf die Aufgabe der Bibliotheken und derDiblio» t h e k a r e ein.

Bel der zweifellos fortschreitenden Spezialisie­rung der Wissenschaften auch In der kommenden Zelt steigere sich der IDert der Bibliotheken. Die Forderung der Bibliothekare nachRaum und Mitteln" bestehe fort.

Oft werfe man den Bibliotheken vor, sie seien bei ihrer Verehrung für alles Gedruckte nur .Friedhöfe", aber gerade hier gebe es dauernd Auferstehungen". Kepler, Paracelsus usw. z. D. seien aus demStaube der Bibliotheken" aufer- standen. EineUmstellung" der Bibliothekare sei nicht nötig, da sie stets ein Berufsbeamtentum deutscher Art und großdeutscher Gesinnung ver­körperten.

JWurifterpräfiöenf Prof. Or. Werner, mit lebhaftem Beifall begrüßt, überbrachte die Glückwünsche der hessischen Regierung und be­tonte, der Derband der Bibliothekare stelle eine der wichtigsten Säulen im deutschen Geistesleben dar, eine geistige Auslese des B 0 1 kes. Daher unterstehe er auch, wie alles Geistige, den eigenengeistigenGesehen. Zu diesen ge­höre das Recht, in der Stille und Unberührtheit zu wirken in selbstloser und ausbauender Arbeit, wie das die Bibliothekare stets getan.

wie das Göttliche in der Stille lebt, so helfe er durch seine Arbeit in der Stille, dem deutschen Volke das Göttliche nahe zu bringen. Aus diesem

Tagung der deutschen Bibliothekare

Eine Ansprache des hessischen Ministerpräsidenten Or. Werner.

Grunde müsse nach allen (Eingriffen, die dem Barbarismus nahe kamen, entgegentreten. Man könne nicht dulden, daß wilde Räte und kleine ftonoentifel in die Grundlagen der wissenschaft­lichen Arbeit störend eingreifen und der Bestand wissenschaftlicher Bibliotheken angegriffen werbe. Auch das Regative, das wir mit gutem Recht als verdächtig und schädlich für das Bott ableh­nen. brauchen wir, wenn wir das Positive aner­kennen wollen. Die Ausführungen des Minister­präsidenten wurden mehrfach von spontanem Bei­fall unterbrochen und am Schlüsse mit starker Zu­stimmung ausgenommen.

Für den verhinderten Rektor der Technischen Hochschule sprach Prof. Liszt herzliche Worte der Begrüßung.

DieBibliothek im nationalsozialistischen Staate" behandelte dann Dr. Kirchner, Frank­furt a. M. Der Redner bezeichnete die Entwick­lung als bedauerlich, daß die Uniücrfitätislchrcr sich immer mehr in ihr Spezialgebiet einkapsel- ten und dadurch den Zusammenhang mit dem übrigen Leben verlieren.

Dem Uederangebot an Büchern, die vielfach durch einfaches Zusammentragen aus älteren werken entstunden, stünde wertmäßig nur ein kleines Plus gegenüber.

Aus dieser Tatsache leitete der Redner dann Folgerungen ab für Verwaltung und wissenschaft­lichen Betrieb der Bibliotheken.

Der Leiter der Rassauischen Landesbibliothek, Dr. Eppelsheimer. behandelte sodannDie Landesbibliotbek als Dibliothekstyp", wofür er lebhaften Beifall erntete.

Anschließend begann eine Reihe von Fachvor­trägen. in denen Einzelheiten des Bibliothekbetrie­bes behandelt wurden. Am Rachmittag erfolgte unter Führung von Oberbibliothekar Prof. Dr. Psannmüller die Desichtiguna einer Aus­wahl besonders schöner und wertvoller Bücher und Drucke der Landesbibliothek.

I

Am Tage des Endspieles werden die West­deutschen ganz unter sich sein. Bei diesem Kampf vor rund 55 000 Zuschauern im riesigen Kölner Stadion werden die besseren Rerven und die Tagcssorm der Mannschaften die ausschlaggeben­den Faktoren für den Sieg und den Meister­titel sein.

Bleibt nur zu hoffen, daß der Meisterschasts» kämpf im ritterlichen Geist geführt wird, und daß sich nach dem Schlußpfiff Sieger und Besiegte in herzlicher Sportkameradschaft trennen mögen.

Leiter des Spieles ist der Frankfurter Schieds­richter Fink, dem sich beide Mannschaften wie folgt stellen werben:

Fortuna Düsseldorf: Pesch; Trautwein, Dornefeld; Janes, Dender. Breuer: Mehl, Wi- gold. Hochgesang, Swolanowski. Kobierski-

Schalke 04: Mellage; Wohlgemuth, Zajons; Tibulski, Bornemann. Balenttn; Rosen. Szepan. Rattkämper, Kuzorra. Rochardt.

Oavispokalkampf Deutschland - Japan

Japan führt 2:0.

Am ersten Tage des Davispokalkampfes Japan gegen Deutschland auf der Berliner Rot-Weiß-An- lage konnten die Japaner eine glatte 2:0-Führung erringen. Sato schlug den Deutschen Meister von (Tramm 6:3, 2:6, 6:3, 6:4 und Nunoi besiegte Jänecke 6:2, 4:6, 6:3, 6:2.

ßinls- Kuzorra, einer der besten Spieler von Schalke 04. In der Mitte: Die Viktoria-Statue, der Wanderpreis für den Sieger in der Deutschen Fußball-Meisterschaft. Rechts: Pesch, der Torhüter von Fortuna Düsseldorf.

Zum ersten Male in der Geschichte des deutschen Fuhballsports machen zwei westdeutsche Mann­schaften. Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf, das Ende unter sich aus. Wenn auch die anderen sechs Landesverbände des DFB- diesmal nicht beteiligt find, so ist ihr Interesse an dem bevor­stehenden Meisterschaftsendkampf keineswegs geringer.

Man ist in allen Derbanden freimütig genug, um einzugestehen, daß der Westen zur Zeit über die besten deutschen Spitzenmannschaften verfügt.

Die Frage, wer das Endspiel gewinnt, inter­essiert darum weit über die Grenzen der engeren Heimat der beteiligten Clubs hinaus. Beide Mannschaften spielen einen guten Fußball. In Düsseldorf wie auch in Gelsenkirchen-Schalke haben Vie Trainer Heinz Körner und Otto syste­matisch am Aufbau der beiden Meistermann­schaften gearbeitet, eine gute Fußballkultur arge- ftrebt und sich damit auch einen größeren Erlolg verdient.

Wenn man sich durchaus entscheiden totll, bann kann man vielleicht Fortuna Düsseldorf einen kleineren Dorzug geben. Die Mannschaft aus ber rheinischen Kunststabt erscheint ausgegliche» n e r, reifet unb hat auch bei ben bisherigen Runben bie besseren Leistungen gezeigt. Schatte hat sich erst in diesem Jahre zu einer taktischen Weisterleistung ausgeschwungen. Die Knappen sind jetzt in der glücklichen Lage, sich auf jeden Gegner einstellen zu können.

SJL-'fpont

Schalke oder Fortuna?