Ausgabe 
10.3.1933 Erstes Blatt
 
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Der größte Erfolg, den der 5. März für unS gebracht hat, ist der, daß es endlich gelungen ist, das Zentrum aus seiner Schlüsselstellung zu vertreiben. Das Zentrum ist zum ersten Male nicht mehr das Zünglein an der Waage. Das Zentrum hat sich bereit erklärt, uns zu unter­stützen, und wir wollen diese Unterstützung des Zentrums gern entgegennehmen, namentlich bei der Durchdringung der vorzunehmenden Verfas­sungsänderungen. Die Zeit des Kuhhandels aber ist vorbei.

Was weiter noch erreicht wurde, ist, daß die von gewissen Seiten im Süden des Reiches immer wieder betonte M a i n l i n i e endgültig ver­schwunden ist. Es gibt keine Mainlinie mehr, die das Deutsche Reich auseinanderreißen könnte, sondern es gibt nur noch ein einziges Deutsch­land. Wir sind für einen gesunden F ö - deralismus, denn das deutsche Volk zerfällt in viele Stämme, die ihre Eigenart und ihre kulturellen Velange behalten müssen. Wir wollen keine öde Gleichmacherei. Rach außen hin aber muß das Deutsche Reich als ein festes Ganzes in die Erscheinung treten, und es darf auch nicht der Schein auftreten, als wenn im Innern des Landes eine Spannung bestände.

Schwere Verluste der Japaner nördlich von Kupeikau.

Peking, 10. März. (Reuter. Funkspruch.) Die Japaner geben jetzt zu, dah sie den kupei - kau-pah nicht genommen haben und nördlich von kupeikau auf starken Wider- stand der Streikräfte Tfchanghfue- Hangs gestohen sind. Sie haben dort in einem Gefecht schwere Verluste gehabt.

Kleine politische Nachrichten.

Reichskanzler Hitler empfing den Reichs» b a n k p r ä f i d e n t en Dr. Luther zu der ange- kündigten weiteren Besprechung. Die Verhandlungen galten vor allem den eigentlichen Fragen der Reichs­bankpolitik. Die Besprechung dauerte etwa eine Stunde.

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Von Sonntag, den 12. März ab, dem Volks- t r a u e r t a g für die Gefallenen des Weltkriegs, wir vor dem Ehrenmal Unter den Lin­den ein Doppelposten der Reichswehr aufgestellt werden. Der Doppelposten wird täglich von 8 Uhr morgens ab bis zum Eintritt der Dunkel­heit stehen.

Das Organ des Zentralvereins deut­scher Staatsbürger jüdischen Glau­bens berichtet über eine Ilnterredung zwischen Reichsminister G o e r i n g und Vertretern des Vereins- Reichsminister Goering habe dabei fest­gestellt. dah Beweise dafür, dah der Zentral­verein mit Kommunisten und staatsfeindlichen Be- strebungen Zusammenhänge, nicht Vorlagen. Weiter habe der Minister erklärt, die Sicherheit des Lebens und des Eigentums der jüdischen Staatsbürger, die sich gegenüber der Regierung loyal verhielten, fei gesetzlich gewähr­leistet.

Das Karl-Liebknecht-Haus, die bis­herige Hochburg der KPD-, das der politischen Polizei, und zwar ihrer neu gegründeten Ab­teilung zur Bekämpfung des Bolschewismus zur Verfügung gestellt worden war, ist in H or st - Wessel-Haus umbenannt worden.

Bei der Staatsanwaltschaft Berlin ist eine ne ue Strafanzeige gegen Brolat ein­gegangen. Brolat wird vorgeworfen, in dem gro­ben BVG.-Prozeß. in dem es sich um die Massenentlassung von 137 national- sozialistischen DDG. -Angestellten handelte, unter seinem Eid bekundet zu haben, daß Drolat niemals mit dem Detriebs- oder Ar­beiterrat der DBG. vereinbart habe, daß die Entlassungen nach politischen Gesichts­punkten erfolgen sollten. Diese eidliche Aus­sage Drolats wird als unwahr hingestellt.

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Der Reichskommissar des Landes Schaum­burg-Lippe hat durch eine Anordnung den Schaumburg-Lippifchen Landtag mit sofortiger Wirkung aufgelöst, ebenso die Kreistage und die kommunalen Vertretungen des Landes. Termin für die Neuwahlen ist der 30. April 1933.

3m Reichsanzeiger wird eine Dekanntmachung desBerliner Polizeipräsidenten veröffentlicht, derzufolgeDer Iungdeutsche" vom 8. März an wieder ers cheinen darf.

Wie die RSK. mitteilt, hat Reichskanzler Adolf Hitler, der an der Spitze aller national­sozialistischen Reichstagslisten kandidiert hat, das Spitzenmandat i m W a h l k r e i s e O b e r- bahern-Schwaben angenommen.

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Die Freitag-Morgenausgabe desBerliner Tageblatts" wurde foweit es noch möglich war, beschlagnahmt. Außerdem hat der Polizeipräsi­dent von Berlin ein V e r b o t für das Blatt bis zum 13. d. M. einschließlich ausgesprochen.

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Der Oberpräsident der Rheinprooinz hat das in Köln erscheinende Zentrumsblatt .Kölnische Volkszeitung" für Samstag. Sonntag und Montag verboten.

Aus oder Wett.

Chlnesifcher Dampfer gescheitert. 50 Personen ertrunken.

Der chinesische DampferAntung" ist auf der Höhe der Mofu-Spitze bei Hongkong geschei­tert. Fünfzig Menschen fino ertrunken. Die übrigen 450 konnten gerettet werden.

Dreifacher Mordversuch und Selbstmord.

3n einer Gastwirtschaft in Reuburg am Inn, wo vor kurzem ein neuer Pächter namens Wen - 8 e l eingezogen war, erschien dieser Tage plötzlich der mit einem Jagdgewehr bewaffnete frühere Pächter Oberst und gab auf die Frau des Wenzel und einen Knecht Schüsse ab, die die Angegriffenen verletzten. Dann stürmte Oberst in den ersten Stock, wo die Tochter Wenzels schlief. Da die Zimmertür verriegelt war, sprengte er diese auf. Die Tochter war hinter einen Schrank geflüchtet. Oberst gab gegen das leere Dett einen Schuh ab und steckte dann das Bett in Brand. Als einige Gäste dem Eindringling

die Waffe entreißen wollten, schoß dieser wild um sich. Dann verübte Oberst Selbstmord. Er soll wegen der Kündigung seines Pachtverhält­nisses schon vorher schwere Drohungen gegen die neuen Pächter ausgestohen und in der letzten Zeit wiederholt Spuren geistiger Verstörung ge­zeigt haben.

Die Riefenlager von Archangelsk brennen?

Rach Rachrichten aus Rorwegcn soll seit Ende Februar in den riesigen Holzlagern von Ar­changelsk ununterbrochen ein mächtiger Drand toüten.ber schon 14 Tage allen Lösch­versuchen trotzt. Das Feuer begann in einem Holzlager, das für die Ausfuhr im Hafen auf­gestapelt lag. Es verbreitete sich von hier auf

die Lager der nahegelegenen Sägewerke. Die Gefangenen der verschiedenen Straf­kolonien in Archangelsk arbeiten Tag und Rächt daran, die Holzbestände auf den anderen ebenfalls bedrohten Lagern schleunigst abzu­schleppen. Gröhe Militärabteilungen wurden von Wologda entsandt, um das Riesenseuer zu be­grenzen, was bisher nicht erreicht wurde. Die Behörden vermuten, dah der Brand von ei­nem Gegenrevolutionär angelegt worden ist. Es wurden Verhaftungen vor­genommen und 3 0 Arbeiter, die im Ver­dacht stehen, Gegenrevolutionäre zu sein, kurzer­hand erschossen.

Zuspitzung der Lage in Wien.

Einberufung des Nationalrats. - Oie Negierung protestiert. - Vor einer Mobil­machung des Bundesheeres und der Heimwehren.

Wien, 9.März. (TU.) Der Vizepräsident des Rationalrates, Dr. S t r a f f n e r, hat den Ratio- nalrat für Mittwoch, den 15. März, zur Wieder­aufnahme und Schliehung der letzten 12 5. Sitzung einberufen, um eine ord- nungsgemäße Uebergabe der präfldial-Amenden an das neu zu bildende Präsidium zu ermöglichen. In dieser Sitzung kann der geschäftsführende Präsi­dent ohne vorhergegangenes Einvernehmen mit den Parteien weder Anträge noch Anfragen irgend welcher Art entgegennehmen, noch Anträge zur Ab­stimmung bringen. Line amtliche Mitteilung besagt, die Regierung habe ihren Standpunkt, wonach sie in einer solchen Einberufung einen verfas­sungswidrigen Akt sehe, nichts hinzuzufü­gen. Sie halte sich streng an die Verfassung und sei daher pslichtgemäh verhalten, einer drohenden Ver­fassungsbeugung entgegenzuwirken.

In den inneren Bezirken der Stadt sind st a r k e Kolonnen des sozialdemokratischen Schutzbundes in voller Uniform zu sehen. Die Sozialdemokratische Partei hatte für heule 75 Ver­sammlungen über alle Bezirke einberusen, um die politische Lage zu besprechen. Die Einberufung der Versammlungen stellt eine Umgehung des

Versammlungsverbotes dar. Die Bundes- polizeidirektion hat alle Maßnahmen getroffen, um die Abhaltung dieser Versammlungen zu unterbin­den. Die Polizei befindet sich im Bereitschaftszu- sland. In der Rähe der Versammlungslokale sind starke Polizeiaufgebote, darunter be­rittene bereitgestellt, um die Versammlungsräume sofort zu schließen. Auch die G a r n i s o n ist a l ar­miert. In den Straßen der Stadt sieht man Last­kraftwagen und Motorräder mit Truppen in feld­marschmäßiger Ausrüstung. Auch Truppen aus­wärtiger Garnisonen sind nach Wien ge­zogen worden, und zwar je ein Feldjägerbataillon aus Reusiedl und Stockerei sowie eine Schnellast- kraftwagen-Kompanie der Garnison Krems an der Donau. Bei allen Bahnkassen liegen schon mili­tärische Einberufungsscheine für Freifahrten vor. Das zeigt, daß die Mobili­sierung der Reservistenjahrgänge des Bundesheeres bis auf die letzten Einzelheiten vorbereitet ist. Die der Regierung nahestehenden heimwehren sind als hilsspolizei bestimmt. Jeder heimwehrmann in Wien besitzt die Zuweisung für einen bestimm­ten Polizeibezirk. Die Ausrüstungsgegenstände für die Hilfspolizei liegen bereit

Hilfswerkes angeregt. Es wurde dabei der Hebet» zeugung Ausdruck gegeben, daß unsere Mllitär» kapelle, aber auch die Standartenkapelle der SA. und die Kapelle des Stahlhelm sich zweifellos gerne für dieses menschenfreundliche Werk zur Verfügung stellen würden. Verhandlungen nach dieser Richtung hin sollen ausgenommen werden.

Weiterhin wurde die Verwendung von sog. Wohl- fahrtsmarken bei der Bezahlung von Zechen in den Gasthäusern und bei ähnlichen Gelegenheiten er­örtert; auch nach dieser Richtung hin sind bestimmte Vorschläge zur Zeit im Mittelpunkt der Erwägungen.

Ferner ist ins Auge gefaßt Sportvereine ujro. zu Veranstaltungen anzuregen, bei denen der Ertrag ganz oder teilweise für die Zwecke des Hilfswerkes gegeben werden soll.

Einer erneuten Sitzung in der kommenden Woche wurden weitere Beratungen in dieser Hinsicht Vor­behalten. Die Verhandlungen in der gestrigen Sit- zung ließen keinen Zweifel darüber, daß man nach wie vor ernstlich gewillt ist, unter Anspannung aller Kräfte alles zu tun, um die Not unserer hilfsbedürf­tigen Mitbürger soweit wie nur irgend möglich zu lindern. ,

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadt­theater: 20 bis 22.45 Uhr:Vor Sonnenuntergang". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Ben Hur". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg:Bobby geht los".

Eine kirchenmusikalische Pas­sionsandacht veranstaltet bie Männer- und Frauen-Vereinigung der Matthäus-Gemeinde am nächsten Sonntag, 20 Uhr, in der Stadtkirche. Mit- . wirkende sind: Frau Ilse Schmidt - Wissendorf (Sopran), Frl. Gustel Kühn (Sopran), Frl. Hanna Kellner (Alt), Herr Musiklehrer Franz Bauer (Violine), Herr Pfarrassistent B. K n e l l (Violine), Frauen- und Knabenchor der Stadtkirche, Orgel: Herr Stadtorganist Heinz Simon. Die Vortrags» folge verspricht den Besuchern einige feierliche und eindrucksvolle Stunden. (Siehe gestrige Anzeige.)

Aus der provinzialhaupistadt.

Hunde-Zrühling.

Vorfrühlingswind Pfeift um die Ecken, schüttelt die Bäume, packt uns, wenn wir auf die Straßen kommen. Die Sonne steht früher auf, geht später schlafen, und aus der noch harten Erde steigt ein frischer Geruch auf.

Da recken sich viele schwarze feuchte Rasen sehnsüchtig in die Luft. Wird man uns endlich wieder losbinden? Wird es genug sein mit dem ewigen Herumliegen in den Zimmern und Vor- räumen der Menschen? Wird die Jagd über die Felder und Wiesen wieder beginnen, wird man, endlich befreit von Oefen und Teppichen, sich wieder auf den sonnenheihen Steinstufen dehnen dürfen? Vormittage lang alle Viere von sich gestreckt in der goldenen Wärme liegen?

Ach, ihr Hunde, liebe Freunde, wieviel hat man schon über euch geschrieben! Seid ihr klug, seid ihr dumm? Mir scheint, das entzieht sich unserer Beurteilung. Aber ihr seid uns, das ist gewiß, ungeheuer sympathisch!

Rur noch ein bißchen Geduld, bald kommt wie der eure Zeit. Wir sehen, daß in euren Scytaf sich immer lebhaWere Träume mischen, häufiger denn je zucken eure Beine, leise knurrt ihr, auch euch steckt der Vorfrühling in den Gliedern.

Warum sind wir eigentlich so befreundet mit euch?

Liegt es daran, daß ihr die idealsten Tugenden eines wahren Freundes in euch vereint: Aufmerk­samkeit und Verschwiegenheit, Empfindsamkeit und Stärke? Daß ihr merkt, wenn wir allein und traurig sind, auch wenn es uns gelungen ist, das vor den Menschen geheimzuhalten, daß ihr so närrischer Freude fähig seid, denn ihr seid ja nicht blasiert, und das Geringste, das Natürlichste, bringt euch vor Glück noch außer euch! Ein bißchen Essen ein bißchen Freiheit! Lieben wir euch so, weil wir vor euch ganz ohne Scham unsere heimliche kindliche Lust am Spielen zeigen können, ohne daß ihr. mit einem amüsierten Lächeln um die Mundwinkel herum er­klärt:'Na, für so kindisch hätte ich Sie aber nicht gehalten!"

Aber wahrscheinlich soll man sich über seine besten Sympathien gar nicht den Kops zerbrechen. Man liebt eben, und damit basta.

Wer von euch ist der Schönste?

Da höre ich einen Ruf aus hunderttausend Kehlen: Mein Hund ist der schönste!

Aber natürlich! Hat er keinen Stammbaum? Hat er sich ja nicht erst aus irgendeine bestimmte Rasse feftgelegt? Ist er geradezu eine Promenadenmischung? f)at er T-Beine, O-Beine, fehlt der halbe Schwanz, leidet er an Stimmbandstörung, an Asthma, an Fettsucht? Er ist trotzdem der schönste, denn keiner ist so lieb, keiner so klug, keiner so taktvoll, wie mein, nur mein Hund.

Was sagen Sie da, Sie können keine Hunde leiden?

Meine arme Dame, dann haben Sie Ihren Typ noch nicht gefunden! Das könnte Ihnen mit einem Menschen ebenso gehen; Sie waren noch nie ver­liebt ... aber um die nächste Ecke wartet das Glück auch auf Sie!

Denn warum in aller Welt sollte man die Her­ren Hunde nicht mögen*? Welches sind die schlech­ten Eigenschaften, die man ihnen zum Vorwurf machen kann?

Machen sie Lärm? Ja, aber doch bestimmt nicht so viel, wie wir mit unseren Autos und Maschinen und Telephonen ... Sind sie gefräßig? Ja, aber mit der holden Raivität eines Kindes. Sind sie bissig und bösartig? Ja, manchmal... denn war­um sollten sie, die so viel natürlicher sind als wir, nicht schlechten Einflüssen ebenso zugänglich sein wie ein Mensch, nicht ebenso reizbar sein, wenn ihnen etwas unsympathisch ist? Machen sie manch­mal ein bißchen in die Stube ... psst, darüber wol­len wir taktvoll schweigen, denn, ganz unter uns, wer hat nicht seine kleinen Schwächen?

Der Vorfrühlingswind Pfeift über die Häuser und Bäume, viele schwarze und rosige Rasen recken sich sehnsüchtig in die Lust, fahren auf­geregt schnüffelnd über den erwachenden Erdboden. 1 älnd in den klaren, dunklen, ruhigen Augen steht

eine Ditte: Laßt unsre Seinen ein wenig lockerer ... bald ist die Zeit der Liebe, bald ist es Früh­ling! Im.

Winter hilfeplöne in Gießen.

Der Werbe- und Sammelausschuh der Gießener* Winternothilfe beschäftigte sich gestern nachmittag in einer längeren Sitzung mit Plänen, die das Hilfswerk zum Besten unserer hilfsbedürftigen Gießener Familien auch während der Sommer­monate im Gang halten sollen, damit nicht nur gegen die Rot des heutigen Tages geholfen, sondern auch Vorsorge für die Hilfsaufgäben des nächsten Winters getroffen werden kann.

Insbesondere wurde u. a. der Hoffnung Aus­druck gegeben, dah unsere Hausfrauen beim Früh­jahrsputz und -aufräumen etwa überflüssig wer­dende Sachen (Kleider, Schuhe, Wäsche usw.) dem Winterhilfswerk zur Verfügung stellen möch­ten, damit die Gegenstände schon während der Sommermonate von langer Hand auf ihre Ver­wendbarkeit hin hergerichtet werden können.

Zur allmählichen Ansammlung von Geldmitteln, die im Verlaufe der diesjährigen Kartoffelernte zu frühzeitigem Einkauf von Kartoffeln für die Hilfsbedürftigen Verwendung finden sollen, wurde die Veranstaltung von Platzkonzerten mit gleich­zeitigen Strahensammlungen zum Besten des

Gestern abend hjelt der Bezirksverein R o r d - O st unter Leitung seines Vorsitzenden, Stadtratsmitgliedes Schwieder, im Saale des Cafe Leib seine diesjährige Generalversammlung ab. Da im Rahmen des Abends ein Lichtbilder­vortrag von Stadtbaurat ©rotiert vorgesehen war, hatte die Versammlung starken Besuch auf­zuweisen.

Oie geschäftliche Sitzung.

Zu Beginn der geschäftlichen Sitzung ehrte der Vorsitzende nach Begrüßungsworten an die Versammlung den Rechner des Vereins, Kauf­mann Adalbert V i n d e w a l d , der seit 25 Jah­ren dem Vorstand des Vereins angehört und zu­nächst als Schriftführer, später und bis zur Ge­genwart als Rechner den Vereinsinteressen ge­dient hat. Der Vorsitzende würdigte die großen Verdienste des Jubilars um den Verein mit herz­lichen Worten, dankte ihm für seine stets rege Mitarbeit und insbesondere für die ausgezeich­nete Kassenführung, die dem Verein eine gesi­cherte finanzielle Grundlage verschaffte. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dah die geschätzte Kraft des Jubilars dem Verein noch lange erhalten bleibe, und ernannte den treuen Mitarbeiter im Auftrage des Vorstandes zum E h r e n m i t - g I ie b des Vereins. Ein Blumenangebinde als äußeres Zeichen der dankbaren Anerkennung tat dem Jubilar die Wertschätzung des Vereins kund.

Herr B i n d e w a l d sprach seinen Dank für die Auszeichnung in herzlichen Worten aus und tier- sicherte, daß er auch weiterhin dem Verein gerne förderlich fein werde.

Anschließend erstattete der Schriftführer, Buch» Händler Otto Pfeiffer, den

Geschäflsberichl des Vorstandes.

Dem Bericht entnehmen wir folgende Darlegun­gen:

In dem Vorstandsbericht der Generalversamm­lung vom 19. Mai 1930 war dem Wunsche 2lus- örurf gegeben worden, daß die Beseitigung Der letzten alten Häuser Eck e D a m m st r a ß g - W a 11 t o r - strafe bald Wirklichkeit werden möge. Mit Genug­tuung konnten wir feststellen, daß anfangs 1931 die legten Trümmerreste endgültig verschwunden waren. Wir mochten nicht unausgesprochen lassen, daß wir den jetzigen Zustand dort noch nicht als endgültig ansehen. Uns scheint das Stadtbild durch Grün­anlagen und Abtrennung des Bürgersteiges noch verbesserungsfähig. Man kann immer wieder be­obachten, daß die Passanten nicht den Bürgersteig

Dienstjubiläum. Am morgigen Sams­tag feiert der Bühnenarbeiter beim hieFgen Stadt­theater Willi Schweitzer das Jubiläum seiner 25jährigen Tätigkeit an dieser Bühne. Während dieser 25 Jahre hat er sich durch seinen auf­rechten Charakter, gepaart mit vorbildlichem Pflichtbewußtsein, das volle Vertrauen seiner Vorgesetzten und die Wertschätzung seiner Mit» arbeitet erworben.

* Seinen 80. Geburtstag begeht am morgigen Samstag Herr Hermann S t a u h, Frankfurter Str. 136. Dor Jubilar war 46 Jahre bei der Reichsbahn als Schreiner tätig.

** 4 9 3 statt 793. Wie uns von der Provin­zialgeschäftsstelle der Deutschnationalen Volkspar- tei mitgeteilt wird, hat die Deutschnationale Dolkspartei bei der Reichstagswahl am 6. Ro- tiember v. I. im Kreise Schotten nicht wie aus unserer Wahltabelle vom vorigen Montag bei dem Vermerk der Vergleichszahlen hervor- ging 793 Stimmen, Unbern 493 Stimmen er­halten.

** Tötet bie Stubenfliege! Die warme Märzsonne strahlt an die Südwand des Hauses. Aus Balken- und Mauerritzen schlüpft vorsichtig und frech zugleich das vom Winterschlaf erwachte Weibchen der Stubenfliege. Eine Weile sonnt sich das schein­bar so harmlose Tierchen, putzt den Winterstaub von den Flügeln und überlegt wägend die kommende, schwere, todbringende Arbeit des Eierlegens. Da jedes Flieaenweibchen 100 bis 120 Eier absetzt, denen im Laufe des Sommers noch 10 bis 12 Bru­ten folgen, so vernichtet die Tötung einer einzigen übeftointerten Mutterfliege ein ganzes Milliarden­heer von Plagegeistern. Die Stubenfliege eines ein­zigen Pferdestalles genügt, einen ganzen Stadtteil mit Stubenfliegen zu bevölkern. Zugleich erfolgt mit der Vernichtung der Mutterfliege die Ausrottung eines Riesenheeres von Verbreitern und Ueberträ» gern gefährlichster Krankheitskeime. Stechen kann ja die Stubenfliege nicht, wohl aber Krankheiten übertragen, anstecken und verbreiten. Die Forde­rung: Tötet die überwinterten Fliegenweibchen! ist daher sehr berechtigt.

benutzen, sondern sich quer über den Platz einen eige­nen Weg bahnen.

Bedauert muß werden, daß trotz aller Bemühun­gen es nicht möglich war, die S t a d t p o st bei ihrer Verlegung unserem Viertel näherzubringen. Es scheint ohne weiteres klar, daß das frühereEin­horn" auf dem Lindenplatz sich mindestens ebenso gut bautechnisch zur Stadtpost geeignet Haden würde, wie die jetzt gemieteten und umgebauten Räume des früheren Easö Ernst Ludwig. Ich persönlich bin nach wie vor der Ansicht, daß es im Interesse der Stadt gelegen hätte, wenn sie das frühereEinhorn", das bekanntlich der Stadt gehört, an die Reichspost vermietet haben würde. Hierdurch hätte sie min- bestens auf längere Zeit einen guten, gesicherten Mieter gehabt.

Bedauert muß weiter werden, daß in der Fraas der Beseitigung des Engpasses zwi» sich e n Kirchenplatz und Lindenplatz keine weiteren Schritte unternommen werden konnten. Wir sind so vernünftig, einzusehen, daß derartig große Bauprojekte infolge der Finanznot der Stadt nicht ohne weiteres durchführbar sind. Wir hallen es aber nach wie vor für eine der dringlichsten Auf­gaben für unser Stadtviertel, und wir erklären ganz offen, daß wir dieses Ziel niemals aufgeben werden, Denn es geht nicht an, daß wir von anderen Hauptverkehrsstraßen der übrigen Stabt abgerie­gelt und abgeschlossen bleiben. Mit der Lösung die­ses Projektes wird aber auch Die Frage eines Neu­baues Der StaDtpoft akut werden. Wir blei­ben bei unserer Forderung, daß die Stadtpost in die Zentrallage der Stadt gehört, zumal wenn man bedenkt, daß die Hauptpost sich außerhalb des Geschäftsviertels befindet.

Der Bezirksverein Nord-Ost hat den Bau der Straßenbahn nach Wiefeck freudig be­grüßt. Hinsichtlich einer Straßenbahnverbindung nach Krofdorf bestand früher einmal die Absicht, diese über die verlängerte Ederstraße zu führen und durch Bau einer neuen Lahnbrücke die seitherige zu entlasten. Vielleicht erfahren wir bald einmal von berufener Stelle, ob dieses Projekt mit erwogen wird.

Seit der letzten Generalversammlung haben im ganzen sieben Vorstandssitzungen stattgefunden. Die Mitgliederzahl ist mit einem derzeitigen Stand von 145 ungefähr gleich geblieben. Ab- und Zugänge hielten sich die Waage.

Unser Dank gilt heute allen Mitarbeitern, Der Stadtverwaltung, aber auch den Stadträten und der Presse, die uns bisher bei der Durchführung unserer Aufgaben unterstützt haben. Wir wollen hoffen, dah

KommnnalpMcher Abend im Aord-Ost-Serein.