Gemeinschaft durch das Wunder der bedingungs- losen Sündenveraebung.
Damit hat Martin Luther uns einen neuen Glaubensbegriff, besser: eine neue Glaubensmacht geschenkt. Sie heißt Gottvertrauen, oder Einheit Des Menschen mit Gott. Dieses felsenfeste Vertrauen auf Gottes Gnade ist der. Punkt außerhalb der Well, von dem aus der Christ die Dinge dieser Welt meistert. Darum hat Martin Luther allzeit den sieghaften Satz verfochten: Ein Christenmensch ist em Herr aller Dinge durch den Glauben und niemandem untertan.
Aber er setzt hinzu: Und ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan in der Liebe. Denn aus dem seligen Erlebnis des gnädigen Gottes auillt mit Naturnotwendigkeit die Verantwortung für den Mitmenschen. Darum prägt Martin Luther den Satz: „Ein Christ tut gute Werke, nicht weil er selig werden will, sondern weil er selig worden ist." Und in solchen guten Werken tatenfroher Nächstenliebe ging Martin Luther mit leuchtendem Vorbild seinen Volksgenossen voran. Nur ein Beispiel dafür statt vieler: Als die Pest in Wittenberg wütet und viele fliehen, bleibt der Reformator zurück als Pfleger der Kranken und Tröster der Sterbenden und faßt sein selbstloses Tun in die Worte zusammen: Jetzt ist einer dem anderen auch den Tod schuldig! Und muß einer dem anderen ein Christus werden?
Von diesem heldenhaften und darum tätigen Christentum aus ergibt sich nun auch Martin Luthers positive Stellung zu Volk und Staat. Er bejaht den Staat als Gottes Ordnung. Ja, der Staat ist eine Bedingung für das Wachstum, ja, für das Bestehen des Reiches Gottes auf Erden. Der Staat, der die Guten schützt und die Bösen straft, verwirklicht selbst ein Stück von Gottes Liebe. Kommt so die Arbeit des Staates aber dem einzelnen Christen zugute, so darf nicht bloß, sondern muß gerade der Christ an ihr mithelfen. Er tut in seinem ihm vom Staat aufgetragenen Amt wie in jeder treu erfüllten Arbeit einen Gott überaus wohlgefälligen Gottesdienst. Freilich muß solcher Dienst stets die Ehre Gottes und das Wohl des Nächsten im Auge haben. Damit ist auch schon gesagt, daß Martin Luther, wie dies bei diesem urdeutschen Manne garnicht anders sein kann, mit Freudigkeit das Volkstum, die deutsche Eigenart, das deutsche Wesen bejaht. Wie er selbst gesprochen: „Für meine lieben Deutschen bin ich da, ihnen will ich bienen!" Und wie er nach diesem Wort gelebt hat, so erwartet er von jedem deutschen Christen als rechtem deutschen Volksgenossen diesen heiligen Dienst an Volk und Vaterland. Wenn wir darum heute uns wieder bewußt als Deutsche fühlen und uns mehr denn je auf deutsches Wesen und deutsche Art einstellen, dürfen wir uns in solchem Tun mit Recht auf Martin Luther berufen.
Der Luthertag wird vorübergehen, wie das irdische Leben Martin Luthers vorübergegangen ist. Aber der Luthertag wird nicht vergeblich gefeiert worden sein, wenn er in uns den heiligen Entschluß geweckt hat, im Geiste Martin Luthers aus Glauben und Liebe für unser Volk als deutscher Mann und deutsche Frau zu leben. Setzen wir diesen Entschluß im Alltag in die Tat um! Und jeder Alltag, an dem wir solch wahrhaft deutsche und christliche Tat tun, wird für uns zum Luther- tag werden.
Auszeichnung des SG-Sturmbanns IV/33 Oberheffen.
Bei der Erinnerungsfeier in München wurde der SS. - Sturmbann IV/33 Oberyessen durch die Verleihung einer Sturmbannfahne ausgezeichnet. Die Fahnenabordnung mit dem neuen Banner, das eine hohe Ehrung für die oberhessische SS. bedeutet, wird am morgigen Freitag hier eintreffen. Zum Empfang und zur feierlichen Einholung des Danners tritt der ©(©.-Sturmbann mit Musik am Bahnhof an. Es darf als selbstverständlich erwartet werden, daß unsere Bürgerschaft dem Feldzeichen -ber SS. den gebührenden ehrenden Empfang bereitet.
Verbreitung von Flugblättern.
Der Polizeibericht der Staatspolizeistelle Gießen teilt mit:
Am 7 November gegen 12.30 Uhr wurde in der Gutsleischstrahe liegend, in der Nähe des Gerichts- gebäubes, eine größere Menge kommunistischer Flugblätter oorgefunben mit ber Ueberschrift: „Die Wahrheit über ben Reichstagsbrand" unb bem Schluß: „Diese Worte sind wie für uns geschrieben. Merkt sie euch." Die Flugblätter sind mit einem Vervielfältigungsapparat hergestellt. Am Südost- ausgang der Stadt, und zwar in ber Nähe der Eisbahn, wurden noch mehr Flugblätter gleichen Inhalts zerstreut vorgefunden, ebenso auch unbeschriebenes Papier, bas bei der Herstellung der Flugblätter verwendet worden ist. Bei dem Papier lag ein Stück graubraunes Packpapier mit Aufdruck: „Folio 500" durch Stempelfarbe in blau. Schulkinder wollen das Brummen eines Fliegers gebärt haben, und kurz darauf hätten bann bie Flugblätter auf ber Wiese usw. herumgelegen. Die Maschine ber „Deutschen Jugend" war um die fragliche Zeit in der Luft. Die Insassen und der Pilot haben aber selbst bas Geräusch eines anbercn Flugzeuges gehört, jeboch bas Flugzeug selbst wegen bes berrschenben Nebels nicht gesichtet. Nach Lage des Falles ist baher anzunehmen, daß die Flugblätter aus einem noch unbefann- ten Flugzeug abgeworfen worden sind. Personen, die eventuell die Flugblätter aus der fiuft berunterfaUcn sahen, wollen bei der Staats- polizeistelle umgehend vorsprechen.
Die SPD verbreitet durch Versendung von Drucksachen Heine, gedruckte Flugblätter: „Unsere Parole am 12. November".
Der Unfug bes Kettenbriefschreibens wird von politischen Gegnern jetzt dazu benutzt, um Propaganda gegen die Wahl und Volksabstimmung zu machen. Jeder, dem ein solcher Kettenbries zu- geht ober bereits zugegangen ist, ist verpflichtet, ihn bei der Staatspolizeistelle in Gießen, ober bei ber nächsten Polizeibienststelle abzuliesem Dies gilt selbstverständlich auch non ben sonstigen Flugblättern der KPD-, SPD. usw. Wer die Kettenbriefe weiterbefördert und wer Flugblätter nicht abliefert, hat hohe Strafen zu erwarten.
Oie AuSzah ung der Arbeitslosen» Unterstützung am Freitag.
Vom Arbeitsamt Gießen wird uns mit- geteilt: Die nachmittagtägliche Auszahlung der Ar- beitslosenunterftützung für die Unterstützungsempfänger von Giehen-Stadt in ber Turnhalle am Oswaldsgarten findet am Freitag, 10. N o - ne mb er, nicht um 13.40 Uhr. sondern mit Rück- sicht auf tve nationale Feierstunde erst um 1 4 U h r statt.
Lugend fliegt über der Heimat...!
Erfreuliches Ergebnis unserer Lustfahri-preisaufgabe.
Einen über alle Erwartung hinaus großartigen Erfolg hatte unsere Luftfahrtpreisaufgabe zu verzeichnen. Trotzdem für die Lösung der Aufgabe nur etwas über 4 Tage Zeit zur Verfügung standen, sammelte sich täglich eine solche Fülle von Losun- gen im Briefkasten der Redaktion an, daß es dem Rätselonkel Angst und Bange wurde. Muhte er doch alle Lösungen bis zum Mittwochabend durchsehen und zensieren, mußte das Los walten lassen unb bann bie Preisliste aufschreiben, bamit jeber schon am Donnerstag zu wissen bekam, ob er einen Frei- flug gewonnen hatte, ober nicht. In Anbetracht ber starken Beteiligung ber Jugenb aus ganz Ober- Hessen, insbefonbere aber aus Gießen, an unserem Preisausschreiben und in Anbetracht der vielen richtigen Lösungen, nicht zuletzt aber auch als Entschädigung für die Mühe, die sich unsere jungen Freunde gegeben haben, hat sich der Rätselvnkel entschlossen, es nicht bei den ursprünglich vorgesehenen 6 Frei- lügen bewenden zu lassen, sondern 9 weitere Frei- lüge zu stiften, so daß insgesamt 15 Frei- luge zur Verteilung gelangen. (Ihr werdet »arüber sicherlich nicht böse fein!) Da aber nicht alle Einsender Freiflüge erhalten können, gelanaen auch die schon erwähnten Trostpreise zur Verteilung, bie einen Anreiz bazu bieten sollen, sich an der nächsten Preisaufgabe wieder recht rege zu beteiligen. (Schon jetzt sei verraten, daß es zu Weihnachten eine ganz eine Aufgabe gibt!) Nun aber lassen wir bie Liste »er Glücklichen folgen, bie einen Freiflug, bas ilberne Modell des Flugzeuges „Der beut- chen Jugend" ober eine Junkersnadel gewonnen haben.
Freiflüge erhalten:
Willi Boller, Gießen, Neuen Bäue 7II. Karl Möckel, Watzenborn, Bahnhofstraße 37. Thekla BindewaId, Krofdorf, Gießener Straße
314 I.
Werner Hartmann, Gießen, Wilsonstrahe 3 III. Gisela Wallenfels, Gießen, Moltkestraße 22. Willi Ulrich, Hungen, Hartigstraße 2.
Else Weller, Leihgestern, Bahnhofstraße 29. Roli H a u ß, Gießen, Neustadt 39.
Wolf Wißner, Gießen, Steinstraße 35.
Walter Hofmann, Heuchelheim, Wilhelmftr. 72. Elsbeth Linden st ruth, Gießen, Bleichstraße 8
Hinterhaus p.
Ludwig W a ck , Gießen, Schillerstraße 7 II. Lieselotte Kimmel, Gießen, Marburger Str. 75 II. Heinz Werner Fehl, Gießen, Wiesecker Straße 3. Horst Moll, Gießen, Jhringstraße 7 p.
3unfers-Jlabeln erhalten:
Richard Dölsing, Lardenbach, Bahnhofstraße 48. Margarete Seim, Gießen, Bismarckstraße 40. Herbert Wolf, Gießen, Moltkestraße 16.
Helmut Dietz, Gießen, Henselstraße 3.
Kurt Balser, Gießen, Kaiserallee 75.
Ernst Stecker, Alten-Buseck, Brandgasie 14. Adolf Wacker, Wieseck, Gießener Straße 151. Käthchen Gundrum, Reiskirchen, Hauptstraße 61. Erika Wenner, Gießen, Sonnenstraße 29.
Hermann Zentrum, Gießen, Bruchstriche 16II.
Das versilberte Dunfers-lHobeö erhält:
Otto Schwarz, Gießen, Frankfurter Straße 43,1.
Zur Beachtung!
Diejenigen Preisträger, die einen Freiflug erhalten haben, müssen sich den Freiflugschein in der Redaktion des Gießener Anzeigers, möglichst am jjreitagoormittag, abholen und dann im Laufe des Freitagnachmittags oder Samstags sich im Flughafen Gießen einfinden und sich am Flugzeug melden. Die F r e i f l ü g e können nur im Laufe bes Freitags ober Samstags, und zwar jeweils an den Nachmittagen geflogen werden; die Preisträger aus Gießen können ihre Flugscheine schon heute Donnerstag zwischen 16 und 17 Uhr abholen.
Die Preisträger aus ber Stabt Gießen, bie Junkers-Nabeln erhalten, bzw. ber Preisträger bes Junker-Mobells, können diese am heutigen Donnerstag ober morgigen Freitag zwischen 16 und 17 Uhr abholen. Den auswärtigen Preisträgern werden die Nadeln mit der Post umgehend zu- geschickt.
SinbnKlsDolleßunbflebunoberXanbesumDerfitäl
Gestern mittag vereinigten sich ber Lehrkörper und die Studentenschaft ber ß a n b e s u n i d e r f i • t ä t Gießen in der Ludwigstrahe vor dem 23ot- (efungsgebäube zu einer Kundgebung, die sich zu einem begeisterten Treugelöbnis für das neue Deutschland unb seine gerechten Forberungen gestaltete. Vom Balkon bes mit ben nationalen Flaggen unb ber Fahne ber Universität geschmückten Vor- lesungsgebäudes herab richteten Se. Magnifizenz ber Rektor Prof. D. Dr. Borntamm und der Führer der Gießener Studentenschaft, stud. jur. Adam, Ansprachen an die Versammelten mit dem Gelöbnis, unwandelbarer Treue der Ludoviciana zu Volk unb Führer unb mit ber Aufforberung, am 12. November einmütig sich zum Führer unb bem deutschen Volke zu bekennen. Mit begeisterten Sieg-Heil-Rufen unb bem Gesang des Horst- Wessel-Liedes fand die Kundgebung ihren Abschluß.
Oie Ansprache des Rektors
bei dieser denkwürdigen Kundgebung unsere Alma mater Ludoviciana hatte folgenden Wortlaut:
Deutsche Frauen unb Männer!
Adolf Hitler hat Deutschland gerufen. Wir Der- sammeln uns heute vor dem Hause unserer täglichen Arbeit — Lehrer, Beamte und Studenten der Landesuniversität — um zu bezeugen, daß wir zur Stelle sein werden. Wir sind ein waffenloses Volk, rings von roaffenftarrenben Nachbarn umgeben. Wir kommen mit bloßen Händen, ohne bie Macht ber Drohungen, mit benen politische Kämpfe ausgetragen werben. Was können wir hineinwerfen in bie Waage ber Geschichte, auf ber heute Deutsch- lanbs Existenzrecht unb Lebenskraft wieder so streng gewogen wirb wie seit bem Weltkriege nicht mehre Ein Schwert hineinzuwerfen ist uns versagt. Ja, wir wollten es selbst nicht. Denn wir sinb vom Solbaten bis zum Bauern, vom Arbeiter bis zum Akabemiker voll Sehnsucht nach Frieden. Die Blüte unserer Brüber liegt vom Schicksal zerpflückt brauhen in aller Welt. Wir haben kein Verlangen, wie es Abolf Hitler unserem Volke aus bem Her- zen gesprochen hat, bas Leben ber Menschen, bie uns teuer sinb, zu opfern, um Völker zu unterjochen, bie uns boch nie lieben werben. Aber leben wollen wir. Wir wollen frei werben von bem Druck, ber bie Kehle abschnürt, baß Tausenbe unb Aber- tausenbe von Bombenflugzeugen unserer Nachbarn unser wehrloses ßanb über Nacht in Gefilde bes Tobes verwanbeln können. Wir wollen endlich wieber bie Luft ber Ehre atmen, mit gleichem Recht im Rate ber Völker zu sitzen unb uns nicht bas Recht ber Verteibigung absprechen lassen, bas man am selben Tage, wo man es uns verweigert, bem Jrakstaat zubilligt. Was haben wir hinein- zuwerfen in bie Waage der Geschichte in diesem Kampf um das Lebensrecht, bie Ehre unb Freiheit unseres Volkes? Wenig — unb boch, wenn wir einig sinb, genug. Wir haben ben einmütigen Willen, ber in uns aufspringt aus bem Rhyth
mus ber neuen Gemeinschaft unseres Volkes. Wo einzelne schwach sinb, werben sie in ber Gemeinschaft unter einer stahlharten Führung unüberminb- lich. Wenn w i r nur bereit sinb, alles zu ertragen: Verfolgung unb Vereinsamung, Unoerftänbnis und Verleumdung, Leiden und selbst den Tod, damit bie Ehre unseres Volkes aus bem Schmutz gerissen werde, vermag uns niemand zu brechen. Wir haben unser Recht, verbrieft in Wilsons 14 Punkten und feierlich beschworen in dem Friedensdiktat, das unsere ehemaligen Gegner selbst uns aufgezwungen haben. Und wenn wir Menschen innerlich zermürben, ober mit Gewalt munbtot gemacht werben sollten, bann werben bie Steine an unseren Grenzen schreien, auf denen das Wort Traitö de Versailles geschrieben steht. Dann werden sie an un> ieren Todesvertrag erinnern, aber auch an das i e d) t auf Abrüstung der Welt und gleiche Sicherheit aller, das er uns gibt unb bas von ber Geschichte stürmisch unb immer stürmischer sein Leben forbert. Wir haben unsere Ehre. Sie ist bie große Erzieherin bes Menschen unb ber Völker zur Männlichkeit. Sie ist wachgerufen in uns und wird unser Volk aus einem entnervten Geschlecht zu einem Volk machen, das noch einmal einer großen Geschichte gewürdigt wirb. Und vor allem: wir haben ben einen Mann, auf ben bas ganze Volk mit Bewunderung unb Vertrauen blickt. Er stellt sich seinem Volk am 12. November. Vierzehn Jahre lang hat er schwerer als alle anderen um Deutschland gekämpft, mehr gelitten und gearbeitet als jeder sonst. Was sind wir ihm dafür schuldig? Treue ober Untreue? Er hat uns in unermüblichemAnsturm über alle Stänbe unb Klassen zu einem einheitlichen Volk zusammengeschweißt. Er hat uns wieder gelehrt, wie tief unsittlich es ist, unseren Kindern und Enkeln Lasten aufzuerlegen, mit denen wir selbst fertig zu werden haben. Er hat Millionen unseres Volkes wieder zur Arbeit und zu geregeltem Leben zurückgeführt, Zehntausenden von jungen Paaren ein Heim geschaffen. Er hat unsere gesamte junge Mannschaft in Zucht und Gehorsam genommen unb mit Hingabe und Vaterlandsliebe durch» glüht. Von seinen Gedanken sind geistige Kräfte ausgegangen, die jeder Gelehrte, ber nicht ein hoffnungsloser Tropf ist, bis in bie Stille seiner wissenschaftlichen Arbeit hinein spürt. Was gehört ihm bafür: Dank ober Unbank, Liebe ober Haß? Er ist unser Mund zur Welt unb spricht mit unerhörter Kraft aus, was jeden guten Deutschen im Herzen bewegt. Was soll die Welt von uns dazu hören: bas Ja ber entschlossenen Zustimmung ober bas Nein der Verwerfung?
Es ist an uns, Eichenborffs Prophezeiung wahr- zumachen:
Denn wie bie Erze vom Hammer so wirb bas lock're Geschlecht gehaun sein von Not unb Jammer zu festem Eisen recht.
Hiiler-Rede und Reichsbahn.
Die Reichsbahnbirektion Frankfurt a. M. wirb ihrem gesamten Personal bte Möglichkeit geben, am Freitag, 10. November, bie Rebe bes Volkskanzlers Adolf Hitler an allen Dienststellen zu hören. Im Betriebsdienst wird von 13 bis 13.01 Uhr bie gesamte Rangierarbeit ruhen. Alle Rangierlokomotiven geben in dieser Zeit Signal. Weiter werben in dieser Zeit und auch kurz vorher kein« Züge abgelassen; wenn möglich, sollen auch in dieser Minute Züge nicht einsahren. Wenn es die Zugfolge erlaubt, werden die Zuge anhalten. Von 13 bis 14 Uhr ruht der Rangierbetrieb, wenn durch diese Pause keine Störung der Gesamtarbeit unb im Zuglaus entsteht. Auch die Reisenden können in den Wartesälen der Bahnhöfe an Lautsprechern bie Rede hören.
Oas Mnterhil*swerl des Kreises Gießen.
An alle Ortsgruppen- unb Zellenleiter der 71 SU. bes Kreises Gießen.
Der feierliche (Empfang bes Kartoffelzuges bes Kreises Gießen in Offenbach a. M. I Unbet am Freitag, 10. November, 11 Uhr, im 1 Houptgükerbahnhof zu Offenbach statt.
Ich erwarte, daß aus allen Orten Vertreter zugegen sind. Die Bürgermeistereien werden ersucht, die Volksgenossen noch heute in ortsüblicher Weise darauf hinzuweisen.
Heil Hitler!
Kloß, Kreisführer des Winterhilfswerks.
Oie Spende vom Eintopfgericht im Kre se Gießen.
Das Ergebnis ber Oelbfpenbe aus Anlaß bes Eintopfgerichts am vorigen Sonntag beläuft sich in Stabt unb Kreis Gießen zusammen auf 10 361,49 Mark. Davon entfallen auf bie Stabt Gießen, ohne bas Ergebnis der Sammlung in den hiesigen Gastwirtschaften, 4169,57 Mark.
Langem« ck-Gedenkfeier auf dem Sch ffenberg.
Man schreibt uns: Die Gießener Landsmannschaften veranstalten am morgigen Freitag, 10. November, auf bem Schiffenberg eine Langernarck-Gedenkfeier. Die Feier, der ein Gepäckmarsch von 20 Kilometer vorausgeht, beginnt um 23 45 Uhr. Das Programm, bas mit bem Liede „Burschen heraus“ eröffnet werden wird, sieht eine Gedächtnisrede zu Ehren der Toten
von Langernarck, sowie einen Treueschwur oon Die heutige studentische Generation will in dieser weihevollen Stunde großen Gedenkens das An» denken und bie große Tat bes Opfers der Kämpfer von Langernarck in die Erinnerung wrütfrufen; denn Langernarck ist das hohe Lied Der ewigen Treue, der Liebe zu Volk und Vaterland, es ist das hohe Lied aller Deutschen. Hier offenbart sich jener große heldische Geist, der bas Tor ber neuen deutschen Zukunft machtvoll aufgestoßen hat. Aber nicht nur Der Erinnerung, sondern auch dem Gelöbnis, den Geist von Langernarck allzeit in der deutschen Jugend zu pflegen und zu heiligen, gilt die Stunde.
Die Gießener Bevölkerung wird gebeten, sich recht zahlreich an dieser Kundgebung zu beteiligen.
Bekenntnis der deutschen Jugend.
Nachstehender Vers wurde von einem zwölfjährigen Jungvolkschüler für einen «prechchor gedichtet:
9Bir fordern Gleichberechtigung auf Erden Unb wollen nicht tpimer erniwrigt werben. Wir rüsteten ab schon viele Jahr, Bei ben andern wird man nichts gewahr. Wir bleiben Adolf Hitler treu. Hell deutsches Volk, erwach aufs neu!
T ere als Hausgenossen.
Unter bem Titel „Von ber beutschen Heimat in bie weite Welt" eröffnete bie Vortragsgemeinschast bes Goethebunbes, des Kaufmännischen und des Gewerbevereins am Dienstag in der Neuen Aula der Universität bie diesjährige Reihe ber Veranstaltungen mit einem Lichtbilderoortrag ber Tierfreundin Käthe Hecht (Stralsund) über das Thema „Tiere des deutschen Waldes und ber beutschen Heimat als Hausgenossen". In ihren einleitenden Worten führte bie Vortragende u. a. aus: lier- liebe unb Naturverbunbenheit seien im Menschen vorhanden; allerdings seien diese Eigenschaften nicht ohne weiteres im Vordergrund, sie müßten vielmehr gepflegt werden. In der Gegenwart fühle der Mensch häufig das Bedürfnis, in der Natur Ruhe unb Seldstbesinnlichkeit zu finden. Im Tiere dürfe er aber nicht seinen Sklaven sehen, sondern ein vor Gott gleichberechtigtes Mesen mit allem Anspruch auf feine Existenz. Goethe nenne die Tiere seine Brüder. Tiere könnten Offenbarungen Gottes sein. Hebbel habe einem Eichhörnchen besondere Zuneigung entgegengebracht und dieser in seinem Tagebuch lebhaften Ausdruck gegeben. Wir Menschen, bie wir allein im Besitze Der Kraft feien. Die wir Verstanb nennen, sollten nicht überheblich fein, denn letzten Endes biene auch unser Verstand göttlichem Willen. Wenn uns manches am Tier geheimnisvoll erscheine, so liege doch auch über bem Menschen ein geheimnisvoller Schleier, ben bie Natur über alle Dinge breite. Auch bas Tier zeige geistige Regsamkeit, vermöge alle Gefühle (Freube, Leid, Schmerz, Treue, Dank) zum Ausdruck zu bringen, und mancher Funke des gegenseitigen Verständnisses könne vom Menschen zum Tier und vom Tier zum Menschen überspringen. Das Tier habe in der Sagen- und Märchenwelt ber Völker, insbesondere aber in unserem deutschen Volke stets eine große Rolle gespielt. Dieses Vermächtnis unserer Altvorderen sollten wir immer zu bewahren versuchen. Eine besondere Rolle spiele das Tier in Indien.
Oas Stadttheater Gießen
einzige bodenständige Bühne Oberhesfens nur denkbar und lebensfähig durch stete ITUtarbeit und feste Verbundenheit aller Männer und Frauen Oberhesfens!
Indiens Religionen gründeten auf bem fundamentalen Satz: „Das Wesen aller Wesen ist eins!" Erfreulich sei es, daß die jetzige deutsche Regierung Der Welt auf dem Gebiete Des Tierschutzes beifpieP gebend vorangegangen sei. Deutschland habe ein neues Vorbild für Den Tierschutz geschaffen. Jeder Mensch werde diese Wendung zum Besseren begrüßen. Sie selbst, die Rednerin, möge nie die Verbindung mit dem Tier missen; das was ihr in ber Jugenb spielerische Umgebung gewesen sei, sei dem gereiften Menschen Ziel unb Zweck bes Daseins geworben.
Sobann zeigte bie Vortragenbe eine Fülle von Lichtbildern. Man sah zunächst bie zierlichsten Geschöpfe bes beutschen Waldes, bie Rehe, in engster Gemeinschaft mit ihrer Pflegerin, bie bas Haus mit ihnen teilt, sah sie aber auch im Walde in mäßig beschränkter Freiheit, ferner in ber spielerischen Vereinigung mit Hunb und Katze. In Bild und Wort schilderte die Vortragende ferner Aufzucht und Mühe der Pflege dieser Tiere. Ferner sah man Hunde und Katzen in ihren verschiedensten Lebensäuherungen, erlebte die Abenteuer einer Dohle unb eines Storches mit, verfolgte bie luftigen Liebesspiele von Angorakatzen unb Eichhörnchen, die in vielen Bildern festgehasten waren, unb hörte zum Schluß noch von zwei mit unendlicher Mühe unb Gedulb aufgezogenen Fischottern, benen die Rednerin besondere Sorgfalt zugewandt batte.
Der Vortraa führte bie Zuhörer in ein Reich ein, bas dem Alltag weit entfernt liegt, und er ließ außerdem erkennen, daß eine überdurchschnittliche Tierliebe zu außerordentlichen Erfolgen führen kann. Der Rednerin wurde lebhafter Beifall zuteil.
Wicf;cncr TLochcnmarltpreise.
• Gießen, 9. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: ßanbbutter, bas Pfund 1,30 bis 1,35 Mk., Kochbuiter 1,10 bis 1,15 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10 Pf., Tier (in- ländische) 14, Wirsing, das Pfund 8 bis 10 Pf., Weißkraut, das Pfund 5 bis 8 Pf-, der Zentner 3 Mark, Rotkraut, das Pfund 8 bis 10 Pf., Gelbe Rüben, das Pfund 8 bis 10 Bf., Rote Rüben 10, Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 5 bis 7, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 100, Tomaten 20, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 6 bis 7, Kartoffeln, das Pfund 3 bis 3*/t Pf-, der Zentner 2,50 bis 2,80 Mark, Aepfel, das Pfund 10 bis 18 Pf., Birnen 10 bis 15, Nüsse 40 bis 45, junge Hähne 65 bis 75, Suppenhühner 60 bis 65, Ganse 60 bis 70, Blumenkohl, das Stück 10 bis 40, Salat 10, Endivien 5 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10, Sellerie 10 bis 25, Radieschen, Bund 10 Pfennig.
t*ornotucn
— Tageskalender für Donnerstag! Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Walzerkrieg" mit Renate Müller und Willy Fritsch. — Astoria-Licht- spiele, Settersweg: „Schüsse in der Nacht“. — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde, 20.15 Uhr, Neue Aula der Universität, Lichtbitder-Vorttag über


