Nr. 265 Drittes Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhelfen- Donnerstag, 9. November (955
Deutschlands Schicksalswege
Ium 9 November.
Von Or. Martin Spahn, o. ö Professor der Geschichte an der Universität Köln.
Unmittelbar bevor sich für uns der Tag des ersten Anlaufes Adolf Hitlers zur Befreiung des deutschen Volkes zum zehnten und der T a g des i n n e r e n N i e d e r b r u - chesamEnde desKrieges zum fünfzehnten Male jährt, feierte Mussolini den zwölften Jah- restag seines Marsches auf Nom. In einer der Reden, die er bei dieser Gelegenheit hielt, hat er sein Werk als schöpferische Hervorbringung des Genius der lateinischen Rasse in Anspruch genommen und sich selbst daraufhin als Staatsmann in eine Reihe mit Julius Cäsar und Napoleon gestellt. Der Vergleich wird nirgends Anstoß erregen. Denn Mussolini ist für unser aller Vorstellung der „Duce", hinter dem König Viktor Emmanuel trotz seiner Herkunft aus einer tausendjährigen Dynastie in den Schatten getreten ist. Er ist der einmalige Mensch, der große Mensch, genau so wie Caesar und Napoleon einmalige und große Menschen waren. Unterdessen schaut uns von den Mauerflächen und Werbesäulen unserer Städte das Bild an, auf dem für die Wahlschlacht des 12. November neben dem Feld- marschall in all seiner Würde und Ferne der „Gefreite" erscheint. Adolf Hitler ist über seinem Aufstieg an die Spitze des deutschen Volkes der Soldat und Arbeiter geblieben, der er von Ursprung an ist. Er hat das Soldatentum des deutschen gemeinen Mannes und die schlichte, kraftvolle Art des deutschen Arbeiters auf ihren typischen Ausdruck gebracht. lieber den großen Kundgebungen, auf henen er die Losung ausgab, ist e r immer und immer volksnäher geworden. Der deutsche hebt sich deutlich von dem italienischen Führer ab. Es ist der Unterschied zwischen dem Germanen und dem Lateiner, dem mitteleuropäischen und dem mit-
Eme Ehrentafel an Hitlers Gefängniszelle in Landsberg
Ueber der Tür zu der Gefängniszelle, in der Adolf Hitler die ihm zudiktierte Strafe für die Erhebung vom 9. November 1923 verbüßte, ist jetzt eine schlichte Gedenktafel angebracht worden.
telmeerischen Menschen. In dem Unterschiede der beiden Männer spiegelt sich ebenso eindrucksvoll und abgrundtief aber auch der Unterschied der Bewegungen der beiden Völker.
Als am 9. November 1918 Philipp Scheide- m a n n auf der Treppe des Reichstagsgebäudes sein frivoles Wort aussprach, daß das deutsche Volk auf der ganzen Linie gesiegt habe, empörten wir uns gegen dieses Wort in einem elementaren Empfinden. Wir spürten, daß es rein k l a s s e n k ä m p f e ° risch gemeint war. Wir konnten plötzlich den vollkommenen Mangel an nationaler Denkart ermessen, mit dem die deutsche Sozialdemokratie durch die Schuld des Marxismus behaftet war. Schauen wir aber heute zurück, so können wir nicht mehr verkennen, daß der Tag, der durch Scheidemann und die Sozialdemokratie für ewig in der deutschen Geschichte zu einem Tage der Schmach und der Unehre geworden ist, doch auch der Tag eines er ft en Erdstoßes gewesen ist, der durch das deutsche Volk und sein Volkstum hindurchging. Aus dem Erdstoß ist inzwischen ein Beben geworden, durch das eine völlige Veränderung der gesellschaftlichen Schichtung unseres Volkes herbeigeführt wurde. Wozu die großenteils verbrauchten und durchweg überalterten Führer der Gewerkschaften unfähig waren, hat Hitler mit seinen Getreuen als Aufgabe ausgenommen und bis zum Ziele vor- roärtsgetrieben.
Im Fürsten Bismarck hatte der deutsche Adel, zu einer Zeit, als er als Stand schon abgeblüht war, und nur noch eine gesellschaftliche Schicht bedeutete, oder sich aufs Land zurückgezogen und zu einem Großgrundbesitzertum verflacht hatte, den Deutschen noch einmal einen seiner ganz großen Söhne zur Erneuerung des Reiches gestellt. Bismarck wandte sich mit der Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes sofort an das Bauerntum und die Arbeiter als die Strafte, auf denen das Eigenleben des deutschen Volkes von je wesenhaft beruht, und auf die nach dem Hinwelken des Adels fortan auch feine politische Zukunft begründet werden mußte. Er griff damit rücksichtslos über das Bürgertum hinweg. Jahrhunderte hindurch tastete dieses Bürgertum um sich und vor sich in der Hoffnung, dem weichenden Adel die Zügel der Führung im Staate aus den Händen nehmen zu können. Seit 1815 war es in den Mittel- und Kleinstaaten, seit 1848 auch in Preußen und Oesterreich schon daran, diesen Staat nach seinem Ebenbilde umzuschaffen.
Als Kaiser Wilhelm II. den großen Kanzler 1890 entließ, ging er unter dem Einfluß des englischen Vorbildes auf die bürgerlichen Bestrebungen ein, und versuchte die Monarchie und das Bürgertum durch Vermitlung eines liberalen Geistes wie des Fürsten Bülow und politischer Parteien wie des Nationalliberalismus und des Zentrums einander zu verbinden. Die Probe, der dieser Versuch in dem gewaltigen Verteidigungskriege des deutschen Volkes gegen die Welt ringsum unterworfen wurde, wurde nicht bestanden. Das System verfügte nicht über die notwendige Widerstandsfähigkeit. Die Monarchie scheiterte an ihm, und das Volk versagte nach seiner ursprünglichen unerhört bereitwilligen Hingabe schließlich doch, weil es den Krieg mehr und mehr, namentlich von der wirtschaftlichen Seite her, als eine bürgerliche Angelegenheit empfand. Die Untauglichkeit der marxistischen Bonzen erzwang trotzdem, daß die Politiker des Bürgertums, mehr noch als es ihnen schon der Kaiser eingeräumt hatte, die Macht im Staate bekamen. Für ein Dutzend Jahre wurde das deutsche Bürgertum wirkleich einmal die herrschende Schicht. Die Arbeiterschaft nahm nur eine Hilfsstellung ein. Ihre Führer wurden mit der Verfügung über die preußische Verwaltung schadlos gehalten. Die zwölf Jahre haben uns in ihrem Ergebnis nach der außenpolitischen Niederlage auch wirtschaftlich und innerpolitisch in den Abgrund gerissen.
Darum mußte es zum 5. März 1933 kommen. Was Fürst Bismarck meinte, als er den jungen Kaiser im Winter 1889/90 drängte, den Reichstag immer wieder aufzulösen, bis das parlamentarische Wesen in sich brüchig wurde, haben wir in den großen Wahlkämpfen von 1930 bis zum Frühjahr 1933 in die Wirklichkeit umgesetzt und damit dem deutschen Bauern und dem deutschen Arbei
ter den Weg zum deutschen Staate frei gelegt, ihm die Möglichkeiten an die Hand geschafft, den Staat und von ihm aus die Wirtschaft und geistige Kultur zu bestimmen. Daß es bis dahin kommen konnte und in verhältnismäßig kurzer Zeit dahin kam, lag daran, daß die Inflation über uns kam und von ihr sofort wieder zur international gestützten Goldwährung übergegangen wurde. Die Arbeiterschaft erlebte wie die Volkswirtschaft selbst nur eine Scheinblüte. Der Mittelstand verfiel der Proletarisie- rung. Sie griff selbst auf den Teil der Oberschicht über, der unser Bildungsleben trägt. Der Bauer aber sah sein Eigentum, seinen bescheidenen Anteil an den Produktionsmitteln des kapitalistischen Wirtschaftssystems, nicht weniger entwertet wie der Arbeiter seine Arbeitskraft.
Die Verzweiflungsstimmung, die darüber das ganze Volk erfaßte, hat dazu beigetragen, die Energien, die seit Kriegsende im Volke hervorbrachen, aufwallten, vorwärts schossen, über jeden Widerstand und jedes Hemmnis hinweg zur vollen Auslösung zu bringen. Von da her drohte uns näher und näher der Kommunismus. Hatte die deutsche Revolution am 9. November 1918 im Zeichen des Verfalls ein erstes Mal uns ihr Gesicht gezeigt, so mußte es bei diesem Ablauf der Dinge zum Untergange des Volkes durch sie kommen. D a h a t Adolf Hitler zu gefaßt. Mit einer unvergleichlichen politischen Genialität brachte er die aufbrodelnden sozialistischen Regungen mit der Gewalt des Generationenwechsels in Berührung, der sich im deutschen Volke 1927/28 vollzog. Den Schwung einer Jugend benutzte er zum Ausgleich der zur Zerstörung eilenden Empörung der Massen. Durch die Jugend weckte er auch in den Massen das Volkserlebnis des Krieges wieder, damit es auch an ihnen von neuem seine geheimnisvolle gemeinschaftsbildende Wirkung ausübte. So ist denn die revolutionäre Bewegung des Nationalsozialismus aus den letzten Tiefen unserer völkischen Entwicklung heroorgebrochen. Wie ein dumpfes
Grollen dröhnt noch der Aufruhr der Bauern und des Täufertums in der Bewegung unserer Tage. Das Epochale, das große Zeitabschnitte Schaffende der gegenwärtigen Stunde wird uns daran offenbar.
Die Bauern der Zeit Luthers riefen nach dem Kaiser, nach dem Führer. Sie wußten nichts davon, daß der Durchbruch des Volkes im Reich auch mit dem Schicksal seiner äußeren Freiheit, ihrem außenpolitischen Einsatz verbunden war. Bauern und Arbeiter unserer Tage haben den Führer an ihrer Spitze. Er hat sie gerufen. Und ebenso ist nun mit unheimlicher Schnelligkeit wie im Brausen der Gottheit, auf den 5. März der Oktobertag gefolgt, da der Führer das Volk zwang, seines allein auf sich Gestelltseins in der Welt, seiner völligen Verlassenheit inmitten von Nachbarn, die nur Mißtrauen, Neid und Abneigung ihm gegenüber zu empfinden fähig find, sich bewußt zu werden. Seine Führung wird sich am 12. November psychologisch darin vollenden, daß er bis in die Elendsviertel der Großstädte und in das abgelegenste Dorf hinein das Volkserlebnis des Krieges wieder zu einem neuen, unmittelbaren Erlebnis für uns alle werden läßt. Die Tatsache, daß wir ewig um unsere Befreiung werden kämpfen müssen, nimmt Hitler heut in all die Gefühle mit hinein, die auf den Generationenwechsel hin unsere geistige Gesamthaltung schon zu einer beschwingten, opferbereiten, heroischen Haltung gemacht haben. Nachdem während der Frühjahrs- und Sommermonate alles aufgeboten worden ist, um die 23er- zweifelsstimmung durch Arbeitsbeschaffung wie durch Festesfreude schon in sich abzuschwächen, glaubte der Führer den Durchbruch der Bewegung weit genug fortgeschritten, um die Probe dem auf Arbeiterschaft und Bauerntum sich aufrichtenden Volksstaate zumuten zu dürfen, an der der bürgerliche Staat der kaiserlichen Zeit zerbrach. Das Vertrauen muß in uns leben, daß der Staat des deutschen Bauern und des deutschen Arbeiters auf den Ruf des Führers hin sich bewährt.
Aus öer provinzialhauptstodi.
Oer Held der Deutschen.
Ium 450. Geburtstag Martin Luthers am 10. November 1933.
Von Superintendent Lic. Vormann.
Ganz Deutschland feiert an diesem 10. November den 450. Geburtstag des großen Reformators Martin Luther. Und das mit Recht. Denn dieser urdeutsche Mann, dieser Held und Kämpfer ohnegleichen, paßt in jedem Zug feines Wesens hinein in unsere kämpferische Zeit, die — weiß Gott! — nichts so nötig braucht als wahre Helden! Luthers Heldenmut, um des Gewissens willen alles zu wagen, seine gigantische Kraft, geboren aus dem Glauben an die Gerechtigkeit seiner Sache, seine unverwüstliche Arbeitssreudig- feit sollen und müssen wieder das große Vorbild für die ganze deutsche Nation werden in unserem Kampf nach außen um Ehre und Freiheit und bei der großen Arbeitsschlacht im Innern. Ja, wenn das stolze Wort: „Deutscher sein, heißt ein Held fein!" Wahrheit werden soll im Leben des einzelnen Deutfdjen -roie des ganzen Volkes, bann wollen wir zur Erreichung dieses großen Zieles bei dem Helden der Deutschen, Martin Luther, in die Schule gehen!
Es ist kaum auszudenken, was Deutschland ohne Martin Luther wäre. Auf allen großen Gebieten des Volkslebens ist er durch den Geist, den er dem deutschen Volk aufprägte, bestimmend geworden. Wo wäre die deutsche Kultur ohne Martin Luther? Ohne ihn sind unsere Geisterheroen, ein Kant, ein Schiller und Goethe, ein Fichte und Schleiermacher nicht denkbar. Aber auch das nationale Leben unseres Volkes konnte sich so nur entwickeln, weil es einst einen Martin Luther gegeben hat. Sein Geist beseelte die Kämpfer in den Freiheitskriegen. Sein Geist lebte in dem Schmied
der deutschen Einheit, Otto von Bismarck. Und alles Heldentum deutscher Männer im Weltkrieg stand letzten Endes unter dem Einfluß des Hel? den Martin Luther. So können wir nur hoffen und wünschen, daß auch für die kommenden Entscheidungsstunden unserem Volke Martin Luthers Geist erhalten bleibt.
Woher kam dem scheuen und ängstlichen Mönch dieser Heldengeist? Er kam über ihn aus dem gewaltigen, fein ganzes Wesen umwandelnden Erlebnis: Ich habe einen gnädigen Gott! Es ist ja bekannt, daß Martin Luther in seiner Glaubensnot, um zum Frieden mit Gott zu kommen, ins Kloster ging und dort durch alle Bußübungen nur immer mehr in die Gottesferne, wie er selbst sagt: „in den Haß gegen den Gott, der dem Menschen eine unerschwingliche Forderung aufbürdet, um ihn nachher für die Nichterfüllung zu strafen" geführt wurde. Und damit wurde er in die Verzweiflung getrieben, daß er mit all seinem Ringen um Heiligkeit sich nur immer unsicherer und vor Gott immer ungerechter fühlte. Eine Lösung dieses schrecklichen Konfliktes konnte sich ihm nur so ergeben, daß ihm an Gott und dessen Stellung zu seiner Sünde eine völlig neue Seite aufging. Der Durchbruch kam ihm wie eine lieber« raschung, wie eine plötzliche Erleuchtung. Paulus hat sie ihm vermittelt. Er hat Luther die Augen darüber geöffnet, daß sein ganzes Streben, durch gute Werke Gott zy finden, schon im Ansatz verfehlt war. Nicht der Mensch sucht Gott zuerst, sondern Gott den Menschen. Was der Mensch von Gott nicht erpressen kann, das schenkt im Gott freiwillig — seine Gnade. Denn Gott will den Menschen haben trotz seiner Sünde. Darum ist der Mensch dann, wenn er sich am weitesten von Gott getrennt meint, in Wahrheit ihm am nächsten. Denn Gott sucht den Menschen gerade in der Gottesferne und zieht ihn aus dieser Ferne in seine
„Walzerkrieg."
Lichtspielhaus.
Mit diesem Film ist der Ufa eine heitere und anmutige Schöpfung gelungen, die für unser Empfinden höher zu bewerten ist als das thematisch verwandte Spiel vom Wiener Kongreß. Ob sich dessen internationaler Erfolg hier wiederholen wird, mag dahingestellt bleiben, ist aber unabhängig von der Tatsache, daß der „Walzerkrieg" sich von der üblichen Schablone der Wiener Lustspiel- und Ope- retten-Filme sympathisch abhebt: hier hat sich ein bedeutender Aufwand an szenischer Ausstattung und darstellerischem Einsatz einmal gelohnt. Weil nämlich dieser Film eine wirkliche Lustspielhandlung hat, und vor allem, weil das musikalische Leitmotiv, eben der klassische Wiener Walzer aus der Blütezeit der Lanner und Johann Strauß, nicht nur eine mehr oder minder zufällige, stimmunggebende Begleitmelodie der Szenenfolge ergibt, sondern den ganzen Film vom ersten bis zum letzten Takt dergestalt beherrscht, daß eine innere Verbundenheit von Bild und Ton entsteht, daß eben, kurz gesagt, das Musikalische nicht Ornament bleibt, sondern die Hauptsache ist. Das Motiv vom Streit der aufeinander eifersüchtigen Komponisten Lanner und Strauß das überdies einen echten Konflikt für das junge Liebespaar mit sich bringt, erscheint dramatisch nicht minder dankbar als der Einfall mit der gestohlenen Melodie, um die der Kampf bis zum guten Ende leidenschaftlich ausgefochten wird. Auch das Ueberfpringen der Handlung von Wien an den englischen Hof der Queen Victoria ist keine willkürlich und peinlr aufgepappte Erfindung des Drehbuches, sondern ergibt sich ganz zwanglos aus dem Zusammenhang und führt den Walzerkrieg auf verändertem Schauplatz sehr amüsant und pointiert zum eigentlichen Höhepunkt. Diese Zusammenhänge mit sicherem Instinkt begriffen und erfühlt zu haben, ist das große Verdienst des Re- gisseurs Ludwig Berger, der über der mufifah- schen Dominante der Fabel nicht vergaß, daß hier ein Film gedreht werden sollte. So entstand nicht nur ein musikalisches Lustspiel, sondern eben ein Walzerfilm, in dem Melodie und Rhythmus in jeder Szene eingefangen sind und die Handlung gelockert und beschwingt haben. Berger arbeitet mit Geschmack, mit Humor und mit einer großzügigen Ausstattung; er stellt volkstümliche und repräsentative Szenen in wirkungsvollem Kontrast einander gegenüber, und es gelingt ihm in der filmisch-musikalischen Ausdeutung des reizenden Motivs von der
Erfindung des Radetzky-Marsches eine überaus geschickte Kontrapunktierung des Dreivierteltaktes mit dem befeuernden Marschrhythmus dieser altösterreichischen Melodie, die dem letzten Akt des „Wal- zerkrieges" einen hinreißenden Schwung verleiht. Die Musik schrieb übrigens — nach Motiven von Strauß und Lanner — Aloys Melichar, dem auch die aparte Instrumentierung des Walzerliedes „An der Donau" zu verdanken ist. Was die Besetzung angeht, so darf (ohne lokalpatriotische Voreingenommenheit) Hanna Waag mit Fug und Recht an erster Stelle genannt werden- sie spielt Ihre Majestät die Königin Viktoria von England, und zwar bei aller zeremoniell gebotenen, vornehmen Zurückhaltung so liebenswürdig und anmutig, mit so ausdrucksvoller Natürlichkeit und versteckter Heiterkeit, daß es eine Freude ist. Für die blonde Kati Lanner hat man Renate Müller eingesetzt, die für diese Partie überaus geeignet erscheint und erfreulicherweise auch mehr Entfaltungsmöglichkeiten erhielt als letzthin auf dem Abstecher nach Aegypten. Für ihren Partner, Willy Fritsch, gilt das Gleiche: hier hat er was zu spielen (nicht nur dazustehn und auszusehn) — und er spielt diese halb traurige, halb luftige Liebhaberrolle so sympathisch und unbeschwert wie in seinen allerersten Anfängen. Die feindlichen Musikanten Lanner und Strauß werden von H ö r b i g e r und Adolf WohIbrück überzeugend charakterisiert. Dagegen kommt das überhitzte Temperament der Rose B a r = sony weniger den eigentlichen Spielszenen als ein paar Tanzeinlagen zugute. Vom Ensemble nennen wir noch Theo Lingen (S'r Philip) und Heinz von Cleve (Coburg). — Der Film lauft feit gestern im Lichtspielhaus; es lohnt sich, ihn zu sehen und zu hören. Im Beiprogramm findet man u. a. eine Reihe imposanter Bilder vom großen Deutschen Turnfest in Stuttgart. r
Was die faschistische $rou leistet.
Die faschistische Revolution wendet sich ebenso an das weibliche wie an das männliche Geschlecht, und es darf als eine besondere Großtat Musiolinis gerühmt werden, daß er die entscheidende 'Bebeutung der Frau für den Staat sofort erkannte und alle Frauen, Mütter, Schwellern und Töchter aufrief, bei dem Wiederaufbau des Staates und der Q3er- beflerung der gesellschaftlichen und sittlichen T3er- bältnifje mitzuwirken. Er erklärte den Italienerin- nen, daß sie berufen seien, eine erhabene Seite in der Geschichte zu schreiben und eine unvergängliche Spur im Leben der Station zu hinterlassen. Er hat
den Frauen im ständischen und gesellschaftlichen Aufbau volle Möglichleit gegeben, ihre Bestrebungen und Wünsche zu verwirklichen. Indem er ihnen zugleich die Verantwortung für ihr Tun auferlegte, verlieh er den Frauen den Ansporn zur eifrigen Mitarbeit, die gute Erfolge gezeitigt hat. Die Italienerin war von der Frauenrechts-Bewegung weniger berührt als etwa die deutsche Frau; das Schwergewicht ihres Wirkens lag stets in ihrem Heim, und so war es verhältnismäßig leicht, sie für die Ideen der faschistischen Weltanschauung zu gewinnen. Die faschistilche Frauenpartei ist direkt mit dem Hauptbüro der Partei verbunden und bildet Zellen in den verschiedenen Betrieben und Industrien wie dieMän- ner, nicht nur im italienischen Königreich, sondern auch in den Kolonien und im Ausland. Ihre Arbeit besteht in der Unterstützung der Propaganda und der politischen Erziehung durch die Partei und in der Organisation aller Arbeiten auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge. Die Mädchen von 18 bis 21 Jahren werden unter die „Jung-Faschistinnen' eingereiht. Alle andern Frauen, die gute Faschisten und sittlich einwandfrei sind, werden Mitglieder der Partei. Die Führerin der Bewegung ist Prinzessin Pia von Savoyen, die die Organisation über das ganze Land durcdgesührt hat. Die Italienerin zeigt ein starkes Bildungsstreben. Die Gesetzgebung gewährt den Frauen jeden berechtigten Schuh und Hilfe. Besonders reich ausgestattet ist der Mutterschutz, der der werdenden Mutter in den Fabriken allerlei Vergünstigungen und Freiheiten gewährt. Auch für die unehelichen Kinder wird gesorgt, um auf diese Weise die große Säuglingssterblichkeit zu bekämpfen. Die Gesetzgebung für Mutterschaft gipfelte in der Einrichtung der „Maternita ed Infanzia“, die teilweise durch Mittel des Staates, dann durch die Junggesellen- und einen Teil der Aufenthalts-Steuer mit Geldmitteln versorgt wird. Durch diese Schöpfung ist ein feinmaschiges Aehwerk der Fürsorge über das ganze Land gebreitet, die sich mit allem beschäftigt, was Mutterschaft und Kinderfürsorge angeht, und in das auch das Rote Kreuz und die verschiedenen katholischen Verbände einbezogen sind. Gin weiteres Gesetz hat die Mutterschafts-Lersicherung. den Schuh für verheiratete Arbeiterinnen, die Gehaltsfrage usw. geregelt. Wohltätigkeit ist in Italien nicht mehr die Sache privater Freiwilligkeit, sondern ofsiziell anerkannte und organisierte Arbeit, die sich bis in die en ferntesten Teile des Landes erstreckt. So wirken heute in Italien die Frauen aller Stände und Klassen in gemeinsamen Eifer zufammen, um die hohe Ausgabe dec Dolkswohlfahrt zu vollbringen.
Zeitschriften.
— Jrn Novernberheft von Westermanns Monatsheften (Verlag G. Westermann-Braun- schweig) greift „Papa Heck", der ehemalige Direktor des Berliner Zoologischen Gartens zur Feder, uns von feinen Lieblingen, den Tieren, zu erzählen. Geheimrat Heck regt zu verstehender Betrachtung unserer Raubvogel an. Zehn farbige Bilder nach Aquarellen von Erwin Aichele veranschaulichen den Aufsatz. Daß es immer Künstler gab, deren Schaffen Beweis ist, daß nur die Kunst, die der ganzen Volksgemeinschaft zugute kommt, lebendig wirken kann, zeigt Edith Bloem in ihrer Abhandlung „Der Bildhauer Walter von Ruckteschell". Einige Wiedergaben seiner schönsten Werke sind dem Artikel beigegeben. Der weihevolle Aufsatz „Flandrische Wallfahrt" von Hans Henning Freiherrn Grote bringt mahnend den November 1914 in Erinnerung. Dr. Günther Gründel, bekannt durch sein Werk „Die Sendung der jungen Generation", veröffentlicht einen Aufsatz „Geharnischte Ethik", der besonn dere Beachtung durch die Forderung und Ankündi- gung einer nationalen Gemeinschastsethik verdient.
— „Der Naturforsche r", vereint mit „Na^ tur und Technik". Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaft und ihre Anwendung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. Herausgeber: Dr. Oskar P r o ch n o w. Preis vierteljährlich Mk. 2,50, einzeln Mk. 1,—. Hugo Bermühler-Verlag, Berlin-Lichterfelde. — Im neuesten Heft behandelt Dr. Otto Rebmann in feinem Aufsatz „Giftgase" die verschiedenen Reizstoffe, die Lungengifte, die Blut- und Nervengifte sowie die Hautgifte und gibt zum Schluß einige vergleichende Zahlen über die Giftigkeit der Stoffe. Im Nahmen der völkischen Erbpflege spielt die Verhütung von Keimdrüsenschädigungen eine große Rolle, lieber diese Fragen saßt Dr. Ingo Krumbiegel unser Wissen in einem beachtenswerten Aufsatze zusammen. Dr. Pier von der I. G. Farbenindustrie spricht über die großen Fortschritte in der Kohlenverflüssigung. Den zahlreichen Freunden von Fischen werden die Ausführungen von Prof. Wunder über feine Beobachtungen und Versuche mit Stichlingen und Bitterlingen wertvoll sein, die reizvolle Einblicke in die Brutpflege dieser Tiere geben. Reizvoll sind wie immer die sorgfältig gedruckten Bilder, besonders die aus dem Leben kleiner Räuber: Spinnen, Kraken, Wanzen, Pferdeegel, Käferlarven, die sich oft an so große Beutetiere heranmachen und sie überwältigen Sie sind dem im Verlage der Zeitschrift demnächst erscheinenden Buche „Belauschtes Leben" von Karl Otto Bartels entnommen. »


