Ausgabe 
9.9.1933 Erstes Blatt
 
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ben ihren Zug über die Westküste Frankreichs und nicht über die Alpen nehmen, und daß z. B- der Kuckuck zuerst östlich nach Deutschland und dann erst über Italien und das Mittelmeer nach Afrika fliegt. Das Oxforder Institut soll diese Beringung für Großbritannien organisieren und die Ergebnisse einheitlich auswerten. 1909 wurden 2171 Vögel beringt und 1932 die bisherige Rekordziffer von 30593 erreicht, womit die Endsumme auf 347548 gebracht wurde.

Das kommt davon!

In einem Londoner Autobus fuhr eine Dame mit einem kleinen Jungen. Als der Schaffner kas­sieren wollte, erklärte die Dame, der Knabe sei noch nicht drei Jahre alt. Der Schaffner glaubte es zwar nicht, ließ den Jungen aber ohne Fahrschein fahren. Ein paar Haltestellen weiter muhte der Wa­gen stark bremsen, der Knabe fiel vom Sitz und brach ein Bein. Die Mutter verlangte Schaden­ersatz, wurde vom Gericht aber abgewiesen, weil Schadenersatzansprüche nur von Personen geltend gemacht werden können, die einen Fahrschein gelöst haben. Jetzt drehte die Verkehrsgesellschaft den Spieß um und zeigte die Mutter des Knaben wegen Betru­ges an, denn aus den Prozeßakten war zu ersehen, daß der Knabe am Tage des Unfalls drei Jahre und fünf Monate alt war.

Wertvolle aliillyrische Gräberfunde.

Zur Erforschung der Kultur des alten illyrischen Volkes werden zur Zeit in Südslawien nach einem wohlberechneten Plan Ausgrabungen vorgenommen, die unter Leitung eines erfahrenen Forschers, des Professors Dulitsch von der Universität in Bel­grad stehen. Der Erfolg dieser Ausgrabung ist äu­ßerst beachtenswert. Es ist unter anderem gelungen, ein altillyrisches Grab aufzudecken, das offenbar einer Prinzessin als letzte Ruhestätte gedient hat. In dem Grabe fand man eine außergewöhnlich reich­haltige Sammlung hon Gebrauchsgegenständen aus Gold und Bronze, die mit einer Kunstfertigkeit her­gestellt worden sind, wie man sie bisher in Grab- mälern des europäischen Kulturkreises noch nicht ge­funden hat. So stieß man auf einen großen bronzenen Dreifuß, der mit Löwen- und Pferdeköpfen verziert ist. Auch ein paar goldene Sandalen von gleich wertvoller Verarbeitung konnten geborgen werden. Ein Skelett wurde in dem Grabe nicht vorgefunden. Man schätzt das Alter dieses Grabes auf etwa 2000 Jahre. Von dem Volk, das einen so hohen Kultur­stand innegehabt hat, ist nichts geblieben. Die großen Gebiete des westlichen und nordwestlichen Balkans, die einst zu dem Königreich Illyrien gehörten, sind längst von slawischen Volksstämmen besiedelt worden. Mit der staatlichen Selbständigkeit der alten Illyrier war es allerdings schon früher vorbei; bereits im Jahre 300 vor Christo sind die wichtigsten Teile dieses Gebietes unter römische Herrschaft gekommen, womit auch gleichzeitig das Eindringen der latei­

nischen Kultur und das Verschwinden der einheimi­schen Sitten und Gebräuche, darunter der alten ver- erbten Kunstfertigkeit und handwerklichen Geschicklich­keit. verbunden war, von deren erstaunliche Höhe die jetzt gefundenen Gegenstände beredtes Zeugnis ab­legen.

Instandsetzung der Kaiharinenkirche in Oppenheim.

WSN. Oppenheim, 8. Sept. Die drin­gend notwendige Instandsetzung der Katharinenkirche beschäftigt schon länger die Oeffentlichkeit. Eine von Weingutsbesitzer Ernst Iungkenn in Oppenheim für den evangelischen Kirchenvorstand von Oppenheim ausgearbeitete Denkschrift hat weiten Kreisen von dem baulichen Zustand der Katharinenkirche und der lRotroenbig= leit einer durchgreifenden Instandsetzung Kenntnis gegeben. Durch die Zurverfügungstellung von Ar- eitsbeschaffungsdarleyen auch für Hochbauten ist die baldige Inangriffnahme der Jn- standsetzungsarbeiten in ein neues Stadium ge­treten. Es handelt sich darum, ob die Kirchenge­meinde Oppenheim von dieser sich bietenden Mög­lichkeit der Kapitalbeschaffung Gebrauch machen soll oder nicht. Am 28. August fand deshalb in Oppenheim auf Veranlassung des Landeskirchen­amts unter dem Vorsitz von Vizepräsident Dr. Dahlem eine Besprechung mit dem Kirchenvor­stand Oppenheim über die Instandsetzung der Katharinenkirche statt. Nach eingehender Aussprache kam man zu dem Ergebnis, daß die Instandsetzung dieses edelsten evangelischen Kirchenbauwerks in Hessen zur Verhütung weiteren Schadens alsbald in Angriff genommen werden soll, und es soll, da die Beschaffung der erforderlichen Mittel auf andere Weise nicht gut möglich sein wird, ein Arbeitsbe- schaffungsoarlehen bei dem Reich beantragt werden.

ISjäforige Oienstmagd als Brandstifterin.

Darmstadt, 8. Sept. (WSN.) In der Scheune des Landwirts Wilhelm Wagner in Groß-Bieberau bei Dieburg entstand heute Feuer, das sich schnell auf die anschließende Nach­barscheune des Landwirts Schubkegel aus­dehnte. In ganz kurzer Zeit standen auch das Wohnhaus Schubkegels und die Stallun­gen in Brand. Sämtliche vier Gebäude wurden ein Raub der Flammen, trotzdem die Wehren von Groß-Bieberau und Dieburg und die Kreismotorspritze in fieberhafter Tätigkeit ein­griffen. Vieh und Menschen kamen nicht zu Scha­den. Die Scheunen waren jedoch mit neuer Ernte gefüllt und sind restlos ver- n i ch t e t worden. Den Bemühungen der Kriminal­polizei ist es bald gelungen, als Brandursache Brandstiftung festzustellen. Zunächst war der

Landhelfer Ludwig Hofrichter aus Darmstadt der Brandstiftung dringend verdächtig. Alsbald wurde jedoch die Dienstmagd des Landwirtes Wagner, die alle Schuld auf den Landhelfer Hof­richter abwälzen wollte und sich dabei in Wider­sprüche verwickelte, der Tat überführt. Gegen abend legte sie ein v o l l k o m m e n e s G e - st ä n d n i s ab. Sie hat dem Landhelfer Hof- r i ch t e r , mit dem sie nicht gut stand, eins a u s w i s ch e n wollen und deshalb legte sie den Brand an. Es handelt sich um die 18jährige Elisabeth Schwarz aus Darmstadt. Der Schaden an den Wohngebäuden ist zum größten Teil durch Versicherung gedeckt.

Wirtschaft.

Frankfurt schwächer.

Frankfurt a. M., 9. Sept. (WTB. Draht­meldung.) Auch an der Wochenschlußbörse setzten sich die Abgaben in einigen Spezialgebieten fort, so daß die Allgemeintendenz erneut schwächer war, obwohl aus der Wirtschaft zahlreiche günstige Nach­richten Vorlagen, so ganz besonders die weitere Ab­nahme der Arbeitslosen um 207 000 in der zweiten Augusthälfte und neue Arbeitereinstellungen beim Stahlverein und der JG.-Farben-Jndustrie.

Bei der herrschenden Geschäftsstille infolge des Ordermangels und der Zurückhaltung der Kulisse fand das herauskommende Angebot nur zögernd und zu ermäßigten Kursen Aufnahme. Die durch­schnittlichen Rückgäng betrugen 0,5 bis 1 v. H. Darüber hinaus gaben IG., Reichsbank, Siemens, Klöckner, Mannesmann und Zellstoff Waldhof bis zu 1,75 v. H. nach. Elektrische Lieferungen verloren sogar 3,5 v. H., Gesfürel 2,25 v. H. und Bemberg 2 d. H. Zement Heidelberg erschienen mit Minus- Zeichen. Leicht gebessert waren Scheideanstalt, Deutsche Erdöl und Harpener, während Akkumula­toren in Nachwirkung des Bilanzberichtes 3,75 v. H. gewannen.

Auch am Rentenmarkt bröckelten die Kurse weiter ab, wobei besonders späte Reichsschuldbuchforde­rungen mit minus 0,75 v. H. gedrückt waren. Alt­besitz verloren 0,13 v. H. und gaben später weitere 0,25 v. H. nach, Stahlvereinbonds gingen um 1,13 v. H. zurück. Am Pfandbriefmarkt war die Haltung nicht ganz einheitlich. Von Goldpfandbriefen lagen Rheinische schwach und 1,13 o. H. niedriger, die übrigen zeigten Veränderungen von 0,25 v. H. nach beiden Seiten. Liquidationspfandbriefe und Kom­munalobligationen gaben überwiegend von 0,5 bis 0,75 v. H. nach. Staats- und Stadtanleihen lagen ruhig, 6prozentige Reichsanleihen von 29 plus 0,25 o. H. Auslandrenten lagen geschäftslos und nur wenig verändert.

Im Verlaufe hielt die Geschäftsstille zwar an, doch waren die Kurse kaum mehr schwächer. Man beob­achtete in den Hauptwerten etwas Kursabschläge.

Gegen den Anfang ergaben sich teilweise Erholun. gen um 0,25 bis 0,50 v. H., denen jedoch noch wei­tere Rückgänge im gleichen Ausmaß gegenüber- standen. Zement Heidelberg kamen schließlich 2,5 v. H. schwächer zur Notiz. Späte Reichsschuldbuch, forderungen waren um 0,40 v. H. erholt, während Deutsche Anleihen wenig verändert waren. Tages­geld stellte sich auf unverändert 3 o. H.

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Samstag, 16. September, von 19 bis gegen 23.30 Uhr, Festvorstellung zur Eröffnung der neuen Spielzeit. Festakt. Hierauf Don Juan, Oper in 2 Akten von W. A. Mozart. Sonntag, 17., von 18 bis 22.30 Uhr: Lohengrin.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Sonntag, 10. September. 13. Sonntag nach Trinitatis.

Stadllirche. 8 Uhr: Pfarrassistent Dörsam; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Mat- thäusgemeinde; 9.30: Pfr. Becker; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Pfr. Becker. Iohamies- kirche. 8: Pfr. Bechtolsheimer; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgemeinde; 9.30: Pfr. Ausfeld; 11: Kinderkirche für die Johannes- gemeinde; Pfr. Ausfeld; 20: Bibelbesprechung im Johcmneslaal; Pfr. Bechtolsheimer. Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrassistent Dörsam; 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfarrassistent Dörsam. Pclruskapelle. 9.45: Pfarrassistent Surfer; 11: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfarrassi­stent Surfer. Wieseck. 9.30: Hauptgottesdienst; 10.45: Christenlehre. Alten-Buseck. 13: Gottes­dienst. Großen-Buseck. 10.30: Gottesdienst. Oppenrod. 8.15: Beichte; anschließend Gottesdienst und hl. Abendmahl. Albach. 8.45. Steinbach. 10.

katholische Gemeinden.

Samstag, den 9. September.

Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte.

Sonntag, 10. September. 14. Sonntag nach Pfingsten.

Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten; 8: Kommu­nion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Pre­digt; 14: Andacht; 15: Versammlung der Jungfrauen- Kongregation.

Oeffenllicher Sonntagsdienst.

Polizei: Telefon 2751, nur in dringenden Notfällen Telefon 01.

Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Tele­fon 02.

Hauptpostamt: Beschrankter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr.

Stadtpostamtr Für Schließfachabholer 7 bis 13 Uhr.

Sanitätskolonne: Telefon 2500.

Aerzte : Dr. Steinreich, Dr. Mehl. Zahnarzt: Dr. med. deut. Haubach. Apotheke: Pelikanapotheke.

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Gießen (Goethestr. 23 p), Kiel, Chicago, Elberfeld, 9, Sept. 1933.

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Die Trauerfeier findet Montag, den 11. September 1933, nach­mittags 1% Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt

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Krahn & Co., Gießen

vom 11. bis 12. Septbr. 1933

in Gießen

5575D Frankfurter Straße 82

Die Beerdigung findet Sonntag, den 10. September, nachm. 114 Uhr,

vom Trauerhause Lützellindener Straße 8 aus statt

Im Namen aller Hinterbliebenem

Karl Oswald.

Todes-Anzeige.

Nach kurzem schweren Leiden verschied gestern früh 8% Uhr

meine liebe Mutter, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante

Frau Marie Oswald Witwe

geborene Völzel

Im Alter von 73 Jahren.

rür die wohltuenden Beweise liebevoller Teil­

nahme. die uns beim Heimgange unserer lieben,

unvergeßlichen Entschlafenen

Fm Miij Scheid IF. Witwe, geb. Balser

zuteil wurden, sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus.

Die trauernden HinterbUebenen.

Großen-Buseck, im September 1933.

Todesanzeige.

Heute entschlief sanft nach kurzer schwerer Krankheit unser lieber

Vater, Schwiegervater, Großvater und Schwager

Wilhelm Volk L, Schmied i. R

Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:

Familie Reinhold Volk

Familie Wilhelm Volk.

Klein-Linden, Treysa, den 8. September 1933.

Am 6. September entschlief sanft und unerwartet meine herzlich

geliebte, unvergeßliche Frau, meines Kindes liebevolle Mutter, unsere

teure Tochter, Schwester, Schwägerin, Schwiegertochter und Nichte

Ria Bürger, geb. Roth

im fast vollendeten 32. Lebensjahre.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Walter Bürger.

Gießen (Seltersweg 79), Neuyork, Gr.-Goltem, Frankfurt a. Main,

den 9. September 1933.

Die Beisetzung fand in aller Stille statt

wiesedr, den 9 September 1933.

Die Beerdigung findet Sonntag, den 10. September, nachmittags

2 Uhr, vom Sterbehause Philosophenstraße 15 aus statt.

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