Abschluß der deutsch-ungarischen MrtschastSverhandlungen.
Budapest, 3. 3uni. (WTB.) Amtlich wird mitgeteilt: Die zwischen den Beauftragten der ungarischen und der deutschen Regierung in äußerst freundschaftlichem Geiste geführten Ver
dat: Man muffe Deutschland durch seinen Außenhandel und durch seine Leistungen die nötigen Devisen verdienen lassen. Nur das sei es auch, was Deutschland von der Welt verlange.
Italien feiert den Abschluß des Viermächtepaktes.
Rom, 8.Juni. (TU.) Die große Senatsrede Mussolinis wurde in Rom vom Publikum auf den Hauptplätzen der Stadt mitangehört, wo Lautsprecher aufgestellt waren. Im Laufe der Nacht wurde sie ein zweites Mal durch Schallplatten im Rundfunk verbreitet. In zahlreichen Städten fanden nachts Umzüge und Kundgebungen statt, die den Schöpfer des Viermächtepaktes feierten. Die Hauptstraßen Roms waren bis tief in die Nacht hinein ungewöhnlich belebt. Die Zeitungsverkäufer, die die Spätausgaben des „Giornale d'Jtalia" mit dem Text der Rede Mussolinis verkauften, brachten in ihren Ausrufen das politische Ereignis auf die einfache Formel: „Der europäische Friede unterzeichnet". Diese Bewertung und Stimmung entspricht übrigens der des gesamten italienischen Volke?.
Die Donnerstagmorgenblätter bringen die ersten Kommentare. „Popolo di Roma" schreibt: Mussolini hat die europäische Kultur vor einer Katastrophe gerettet, die vielleicht unmittelbar bevorstand. Er hat sie gerettet für zehn Jahre. Zehn Jahre, das kann bedeuten: für immer. Jedenfalls hat niemals ein politischer Genius ein solches Recht auf die Dankbarkeit der Welt, auf die Erkenntlichkeit des ganzen Menschengeschlechts ge- habt wie Muffolini. Auch der „ M e s s a g g e r o " schreibt, daß der Friede für die Zukunft gesichert sei, daß er nicht nur Waffenstillstand, sondern Ueberwindung alles deffen bedeute, was die Völker trenne. Das liege in der Absicht des Duces und nur unter dieser Bedingung entspreche der Vie- rcrpakt völlig seinem Zwecke. Das Wort „Wiederaufbau" finde sich häufig in der denkwürdi- gen Rede Mussolinis im Senat. Zehn Jahre seien ein kleiner Tropfen in der Ewigkeit. Aber sie stellten eine genügende Atempause für die Men- schen des guten Glaubens und des ehrlichen Willens dar, an die Arbeit zu gehen.
Oie englischen (Sportflieger beim Reichskanzler.
Berlin, 8.3uni. (WTB.) Die in Berlin weilenden englischen Sportflieger liehen eine Abordnung unter Führung des Vizepräsidenten des Königlich Englischen Aero-Club Lindsay Everard am Ehrenmal Unter den Linden einen großen Eichenkranz niederlegen. Um 10.30 Uhr fand dann in der Reichskanzlei ein Empfang durch den Reichskanzler Adolf Hitler statt. Der Kanzler sprach die Hoffnung aus, dah die englischen Gäste die besten Eindrücke von Deutschland mit nach Hause nehmen würden. Als deutscher Soldat habe er persönlich während des Krieges in Flandern Gelegenheit gehabt, die Leistungen der englischen Flieger zu bewundern. Er sei überzeugt, dah auch die englischen Gäste, soweit sie damals an der Front gewesen seien, in gleicher Weise Achtung vor der Ritterlichkeit der deutschen Gegner empfunden hätten. Das aufrichtige Gefühl dieser gegenseitigen Achtung bilde die zu- verlässig st e Grundlage für die politischen Beziehungen der beiden großen germanischen Rationen in den kommenden Jahren. Rur im Geiste dieser jungen Generation könne ein neuer Anfang gemacht werden zur Behebung auch der wirtschaftlichen Röte unter den Völkern.
Don deutscher Seite aus werde alles geschehen, um dieses Ziel zu verwirklichen. Die englischen Gäste hätten sich selbst ein Bild davon machen können, daß nicht Terror das deutsche Leben beherrsche, sondern daß hier ein Volk sich wiedergefunden habe, und daß hier ein Geist walte, der aus den Idealen einer jungen deutschen Nation geboren sei. Er begrüße die englischen Gäste auch namens der großen nationalsozialistischen Bewegung, die den Willen habe, den GeistderVerbundenheit zwischen den beiden Nationen hoch zu halten
Namens der englischen Gäste dankte Mr. Lindsay Everard für die herzliche Aufnahme in Deutschland und für die Ehre des Empfanges. An den Empfang schloß sich eine Besichtigung des Zentralflughafens Tempelhof und auf besonderen Wunsch der englischen Gäste auch des Reichstagsgebäudes an. Die englischen Flieger verließen heute nachmittag Berlin, um über Schwerin und Kiel in die Heimat zurückzukehren.
Ein brasilianischer Staatsmann an den Reichskanzler.
Berlin, 3. Juni. Vor einigen Tagen übergab iin brasiliarischer Diplomac im Auftrage der Regierung des Staates Pernarn- buco (Brasilien) dem Herrn Reichskanzler Hitler ein Handschreiben des Präsidenten Cavalcanti. Das persönlich verfaßte Handschreiben hat folgenden Inhalt:
Seiner Exzellenz, dem Herrn Reichskanzler Adolf Hitler, in glühender Sympathie und auf- richtigster Bewunderung Grütze von
Carlos de Lima Cawalcanti, Präsident des Staates Pernambuco (Brasilien).
Alsdann überbrachte der brasilianische, Diplomat ein weiteres Handschreiben dem Herrn Reichsminister Dr. Goebbels. Dieser Brief, ebenfalls handschriftlich verfaht, hat folgenden Wortlaut:
Dem genialen Verkünder des jungen Deutschlands, Seiner Exzellenz Herrn Minister Dr- Goebbels mit Bewunderung und Sympathie und mit Dank für das dem „Diario da Manha" gegebene 3nterview.
Carlos de Lima Cawalcanti, Präsident des Staates Pernambuco (Brasilien).
3n den letzten Tagen verbreitete die gesamte Regierungspresse von Brasilien ein ausgezeichnetes 3nterview, das Minister Dr. Goebbels derselben vor dem Abflug des „Graf Zeppecin' durch den Berliner Handeis- attache der brasilianischen Gesandtschaft in Berlin übergeben hatte. Dasselbe, in größter Ausmachung gebracht, erregte inganzBrasilien ungeheueres Aufsehen und freudigste Zustimmung.
Die Amlseinsühmng Prinz Philipps von Hoffen.
In Kaffel fand die feierliche Einführung des Prinzen von Hessen als Oberpräsident der Provinz Hessen- Nassau durch den preußischen Ministerpräsidenten Göring statt. Unser Bild zeigt den Ministerpräsidenten bei seiner Ansprache ganz links, rechts den neuen Oberpräsidenten.
Das neue deutsche Recht.
Ein Jtunbfunfvortrag von Or. Frank.
D e r l i n, 8. 3uni. (TA.) Der Reichsjustizkommis- sar und bayerische 3ustizminister Dr. Frank hielt am Donnerstag einen Rundsunkvortrag über das neue deutsche Recht, der auf alle deutschen Sender übertragen wurde. Der Vortragende bezeichnete die Neugestaltung der Rechtsordnung des deutschen Volkes als eines der wesentlichsten Gebiete unseres völkischen Daseins. Da das Recht eine Angelegenheit des ganzen Volkes sei, müsse auch die Rechtsreform Angelegenheit eines weiter gezogenen Kreises als nur der Akademiker sein. Deshalb hätten sich dem Rationalsozialistischen Deutschen 3u- ristenbund auch jene nicht akademischen, aber doch dem Recht und der Rechtsfindung unmittelbar dienenden juristischen Derufsgruppen angeschlossen. Mit besonderem Rachdruck betonte er, dah an dieser ständischen Ausgabe desRSD3B. nicht gerüttelt werden könne. Cs bestehe keine Verpflichtung für die Mitglieder der dem RSD3B. angeschlossenen Verbände, sich darüber hinaus noch anderen Organisationen, Deamtenbund, Betriebszellen oder Fachschaften anzugliedern. Eine diesbezügliche Aeuherung des Preuhischen 3ustizministers sei mitzverstanden worden.
Dr. Frank bekannte sich voll Leidenschaft zu dem F r e i h e i t s k a m p s des deutscyen Menschentums auch im Recht. Das Wort „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" sei die Basis, auf der das neue deutsche Recht erwachse. Der deutsche Mensch wolle deutsche Richter, die ihn verstehen und seine Sprache sprechen. Die nationalsozialistische Revolution sei die große germanische Revolution
und darum werde auch die jetzt einsetzende Reform des deutschen Rechtes die Zurückführung der deutschen Rechtszustände auf das germanische S i 11 e n i d e a l in sich tragen. Der Kampf werde in weitem Umfange auch aufgenommen gegen das Eindringen jener verfälschten römisch.rechtlichen Begriffe und jener römisch-rechtlichen Methoden, die mit dem deutschen Lebensgefühl nicht vereinbar seien. Als nächstes großes Gebiet werde das deutsche Strafrecht insgesamt einer endgültigen Reform entgegengeführt. Warnen müsse er davor, zu glauben, daß die Aenderung der Lage nun mit dem deutschen Recht von heute auf morgen geschehen könnte. Es könne nicht alles als schlecht erklärt werden, was bis jetzt der deutsche Rechtsaeist geschaffen habe. Der mutige und stolze Richter, die freien und stolzen Anwälte und Justizbeamten sollten in ihrer Freiheit geschützt werden.
Zum Schluß erklärte Dr. Frank, das große Werk der Rechtsvereinheitlichung zwischen Deutschland und Oe st erreich werde als eine Angelegenheit des deutschen und österreichischen Volkes fortgesetzt werden. Man lasse sich in diesem Werke von niemanden stören, denn man wolle nichts gegen d i e internationalen Verträge und gegen die Verpflichtungen unternehmen, die das deutsche und österreichische Volk auf sich genommen hätten. Das deutsche Volk möge Vertrauen haben zu den deutschen Juristen und dabei Mitwirken, daß die Kluft zwischen Justiz und Volk sich schließe.
Handlungen über die Belebung des gegenseitigen Warenaustausch-Verkehrs wurden mit Erfolg beendet. Das zwischen den beiden Staaten bestehende Clearing-Abkommen wurde durch mehrere Beschlüsse ergänzt, die die Ausfuhr ungarischer Produkte im Rahmen von Kompensationsgeschäften wesentlich erleichtern. Die praktische Auswirkung dieser Vereinbarungen zeigte sich bereits in dem Amstand, daß von den Interessenten beider Länder Verhandlungen über konkrete Geschäftsabschlüsse eingeleitet wurden, die die sofortige Ausfuhr ungarischer Saisonartikel sichern und die wahrscheinlich die Ausfuhr auch anderer ungarischer Agrarprodukte ermöglichen werden.
Oer Katholische Gefellentag in München.
Die bayerische Landeshauptstadt steht seit Don- nerstag im Zeichen des Deutschen Gesellentages Bereit am Mittwoch waren die Gesellenvereinsver- treter aus der Schweiz, den Niederlanden, Luxemburg, Böhmen, den Donaulanden, aus Spanien und aus Ueberfee angekommen. Ferner sah man die ka- cholischen Gesellen aus Danzig, Oberschlesien, Ostpreußen, aus Eupen-Malmedy und aus Südtirol. Neben den Gesellen waren die Präsidien gleichfalls zahlreich angekommen, an der Spitze Generalpräses Monsignore Hürth. Besonders feierlich gestaltete sich am Donnerstagmittag die Ankunft des Kölner Sonderzuges mit dem Banner des Gesellenpräsidiums, das mit Girlanden geschmückt auf dem Münchner Hauptbahnhof eintraf.
Der Gesellentag wurde dann in der Hauptausstellungshalle auf der Theresienhöhe eröffnet mit einer großen Kundgebung, an der mit den Präsides und den Führern der Gesellenvereine und der KwG. (Kolpings wandernde Gesellen) Tausende von Festtteilnehmern teilnahmen. Oberbürgermeister F i e h l e r, München, hieß namens der Stadt München den Gesellentag willkommen. Er stellte dann die beiden Lebensauffassungen des Materialismus und des 3dealismus einander gegenüber und glaubte unter stürmischem Beifall feststellen zu dürfen, dah der Katholische Gesellenverein nicht der Auffassung des Materialismus huldige.
Anter Marsch- und Fanfarenklängen erfolgte dann de rEinzug der etwa 400 Fahnen und Wimpeln. Generalpräses H u e r t h führte in seiner Festansprache aus, dah der Weltkrieg am deutlichsten die Durchschlagskraft der Erziehungsarbeit der katholischen Gesellenvereine erwiesen habe. Wir sind kein Bestandteil irgendeiner Partei, unser ganzes Streben nach Betätigung im öffentlichen Leben ist einzig darauf gerichtet, dem Ausbau unseres Vaterlandes die Wege zu ebnen. Wir erlebten in Deutschland das große Fest der Arbeit, und wir danken den Männern,
die es uns gegeben haben. Wir danken ihnen auch für den Mut zur berufsständischen Aufbauarbeit unseres Volkes. Richt in Klassen-, und Partei- roeio* n, ein einig Volk soll es werden und bleiben." Der Vorschlag des Generalsekretärs zur Absendung eines Danktelegramms an Reichskanzler A d o l f H i t l e r für feine erfolgreiche Aufbauarbeit an Volk und Staat und eines Huldigungstelegramms an den Reichspräsidenten von Hindenburg wurde stürmisch bejubelt. Mit dem Gesang des Deutschlandliedes wurde die Kundgebung geschlossen.
Einschreiten
des Reichsfinarrzministeriums gegen das Kasseler Notopfer.
Berlin, 9. Juni. (CNB. Funkspruch.) Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, hat das Reichs- finanzministerium heute das Erforderliche veranlaßt, um die Erhebung d e s K a s f e l e r N o t o p f e r s, das in der Deffenb ltchkeit viel besprochen worden ist, zu oeryin - d e r n. Das Vorgehen des Reichsfinanzministeriums gründet sich auf § 2 des Finanzausgleichsgefetzes, wonach Steuern vom Einkommen nur vom Reich, nicht ab er von Ländern oder Gemeinden erhoben werden dürfen. Die Stadt Kassel hatte das Notopfer zwar als eine freiwillige Abgabe bezeichnet, gleichzeitig aber bekannt- gegeben, daß jeder, der es nicht entrichtet, durch Maueranschlag öffentlich angepran- gert werden solle.
Keine llrlanbskürzungen.
Berlin, 8. Juni. (CNB.) Der Leiter des Tarifamts der Deutschen Arbeitsfront hat angeordnet, daß für das Jahr 1933 die Urlaubsbauer gegenüber den Vereinbarungen für das 3abr 1932 nicht gekürzt werden darf. In jedem Falle ist für die Urlaubszeit, soweit nicht tariflich etwas Günstigeres vereinbart ist, der volle, unge- Mte Wochenlohn unter Zugrundelegung der 48- Stunden-Woche zu zahlen, also auch dann, wenn verkürzt gearbeitet worden ist. Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung sind unverzüglich an die zuständigen Bezirksleiter der Deutschen Arbeitsfront zu melden.
Kleine politische Nachrichten.
Der „Verband für den Schutz der
U„n des japanifchen Reichs" bat an Reichskanzler Adolf Hitler ein Sde- gramm 0efan&t, in dem ihm und dem deutschen Volk für die große Vaterlandsliebe und die mutige Haltung gegen den Kommunismus sowie gegen die unsittliche Literatur Verehrung und Hochachtung ausgesprochen wird.
Zu einer Meldung aus Amsterdam, daß der Sih des Vorstandes der deutschen Sozialdemokratie nach Prag verlegt worden sei, erklärt der Abgeordnete Löbe im Ramen der in Berlin anwesenden Mitglieder des Parteivorstandes, dah ihnen von einer solchen Verlegung nichts bekannt sei.
Die spanische Regierung ist zurück- getreten. Premierminister A z a n a hatte eine Ambesetzung verschiedener Ministerposten vor- geschlagen. Als der Präsident der Republik Alcala Zamora erklärte, er müsse sich erst mit den republikanischen Gruppen in Verbindung setzen, ehe er sich zu dem Vorschläge äußern könne, hat das Kabinett seine Demission eingereicht.
Wie der Matin berichtet, soll die Begnadigung des im Februar in Rom wegen Spionage zu zwei 3ahren Gefängnis verurteilten französischen Professors am Polytechnikum Ehdoux bevorstehen. Professor Eydoux sei aus dem Gefängnis bereits in eine Villa in Dom übergeführt worden und habe die Erlaubnis erhalten, die Stadt selbst zu besuchen.
Aus aller Welt.
Matterns Zwifchenlanbung.
Aeber die Arsache, die zu der unfreiwilligen Zwischenlandung des Weltfliegers Mattern geführt hat, wird noch bekannt, daß Mattern vier Stunden nach Verlassen von Omsk eine Andich - tigkeit in der Zuflußlei tung des Brenn st offbehälters entdeckte. Die ausströmenden Gase betäubten ihn derart, dah er sich zur Zwischenlandung gezwungen sah. Bei der Landung selbst war er nahezu ohne Bewußtsein. Mattern ist Freitagsrüh 4 Ahr in Belowo bei Prokopiewsk zum Weiterflug in Richtung Krasnojarsk aufgestiegen.
Die Bergung des Goldschatzes der „Egypt".
Das italienische Bergungsschiff „A r t i g l i o". das von neuem seine Tätigkeit, die Goldvorräte der „Eghpt" zu bergen, aufgenommen hat, hat bereits in diesen Tagen wieder Gold - und Silberbarren im Werte von 50 000 Pfund Ster lin gehoben. Schätzungsweise befinden sich an Bord des „Eghpt" jetzt noch weitere Gold- und Silbervorräte im Werte von 20J Millionen Pfund Sterling. Die Leitung der Bergungsarbeiten glaubt, den gesamten Schatz im Lause der allernächsten Zeit heben zu können. Die Dergungsergebnrsse, die der „Artiglio" mit der Wiedergewinnung des „Egypt"-Schatzes erzielte, waren im Vorjahre so groß, daß die Sorima AG. in Genua, der der „Artiglio" gehört, eine Dividende in Höhe von 100 Prozent ausschütten konnte.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Tage im Juni.
Nach einem etwas unfreundlichen Mai, der sich nur an einigen Tagen als Wonnemonat zeigte, kommt der „Heumond ober ber Rosenmonat. Die schönsten unb reichsten Tage des Jahres erleben wir nun. Die Linben unb ber Hollunder blühen Der Wald steht im schönsten Schmuck. Ueberall leuchtet unb glanzt es, bie grüne Saat ging auf, unb halb wirb der Winb bie gelben Wölkchen des Blütenstaubes bahin- tragen. Unb überall singt es in Wald unb Felb, denn bie Zeit der Liebe, in der die Vögel singen, ist noch. Der Kuckuck ruft, ber Sperling zwilcht, aber bie Finken, bie Drosseln unb bie Amseln erfreuen uns am meisten mit ihren Liebern.
Das Jnsektenvolk strömt in Scharen herbei. Es summt unb summt wie eine ferne Orgel. Wer kennt alle Käfer unb Schmetterlinge? Wie sie sich wiegen im Sonnenschein, unsere „Sommervögel , unsere Tagfalter in ihrer schimmernben Pracht! Da ist bas Tagpfauenauge, bort ber Abmiral, ba buchtet bas Gelb des Zitronenfalters, ber Schwalbenschwanz schwebt von Blume zu Blume, unb dazwischen Hun- berte unb Tausende von kleinen Bläulingen. In Scharen kommen sie, um am Tau — ober auch an heißen Tagen an einer Pfütze — ihren Durst zu löschen.
Aus bem vielstimmigen Orchester ber Insekten hören wir immer roieber schrille Geigentöne heraus. Das find bie Heuschrecken, von ben Kindern auch Heuhüpfer genannt. Wir müssen schon geschickt fein, um diese kleinen Turner fangen zu können, denn sie vollführen Sprünge von unglaublicher Hohe. Nun sitzen sie ba unb streichen mit ber einen Flügelbecke über bie anbere. Das ist ihre Musik, chre Lebensfreude. Aber auch bie Grillen gehören zu ben Musikanten. In alten Häusern sitzen sie gern als „Heimchen" in ber Küche, in irgenb einem Löchlein unb lassen in ben lauen Juninächten ihre Zirptöne hörön.
Die Wiesen sind ein schöner, bunter Teppich, auf dem die Ratur alle Farben auf das dunkle Grün der Gräser getupft hat, und am Morgen blitzt und funkelt es uns entgegen. Das ist der Morgentau, der wie Diamanten glänzt und leuchtet. 3n ihm brechen sich die ersten Sonnenstrahlen in allen Regenbogenfarben. Wie köstlich ist eine solche Morgenwiele im 3uni!
And erst der Garten! Welche Dlumenpracht! Aeber allen aber die Königin: Die Rose! Schon am Waldrand strömte uns der Duft der wilden Heckenrosen entgegen. Hier aber in den Gärten stehen sie in allen Arten und Farben. Sie sind immer schön, schon als Knospe, wenn die zarten, rot angehauchten Dlütenblättchen hervordrängen wollen aus dem grünen Kleid des Kelches. Als halb erblühte Blumen, noch leicht geneigt, gefallen sie uns am besten. Aber auch die voll entfalteten Vosen im Sonnenschein sind unser Entzücken.
Wir nähern uns der Höhe des 3ahres. Es ist, als ob die Ratur ihre ganze Liebe, ihren ganzen Duft für die Herrlichkeit der Rosen aufbewahrt hätte.
And mit heiterem Gemüt unb frohem Herzen sollen wir die Tage genießen.
Sie ist bald dahin, die Zeit der Rosen! 3.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. DHC.r Hotel Hopfelb, Monatsoersammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Champ" unb „Der Sohn bes Rajah".
— „Die Kaufmannsgehilfen im na- tionalfoziali (tischen Staat" betitelt sich das Thema einer öffentlichen Kundgebung, bie morgen, Samstag, 20 Uhr, im Saale des Caf6 Leib ftattfinben wirb. Der Deutsche Hanblungsgehilsenoer- banb läbt dazu alle Kaufmannsgehilfen ein. (Siehe heutige Anzeige.)
— Konzert unb Illumination im Flughafen. Morgen, Samstag, nachmittag finbet im Flughafen-Restaurant ein großes Gartenkonzert statt. Gleichzeitig wirb die neue Dachgartenterraffe


