Ausgabe 
9.5.1933 Frühausgabe
 
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Konferenz

-er Länderjustizminister.

Berlin, 8. Mai. ($11.) Die RSK. berichtet u. a.: Die auf Einladung des Reichsjustizkom­missars in Stuttgart tagende Konferenz der Länderjustizmini st er war von fast sämt­lichen Leitern der Justizverwaltungen beschickt. Rachdem die Versammlung durch den württem- bergischen Kultus- und Justizminister Dr. Mei­gen t h a l e r eröffnet worden war, nahmen der Reichsjustizkommissar und der Reichs­justizminister das Wort zu längeren Aus­führungen. Sie waren von der klaren Erkenntnis durchdrungen, daß sich die nationale Erhebung auf dem Gebiete des Rechts in einer grund­legenden Erneuerung und auf dem Ge­biete der Rechtsverwatung und Rechtsprechung in einer Angleichung der Verhältnisse in den einzelnen Ländern unter Wahrung ge­schichtlich gewordener Eigenart auswirkcn müsse.

In dem zweiten Teil der Arbeitstagung wandte sich die Ministerkonferenz der Vorbereitung vordringendster Aufgaben, u. a. auf dem Gebiete des Strafvollzuges, des Rotariats- und Gebührenwesens, der Freizügigkeit, der Rechtsanwaltschaft, wie der Vorbereitung der Referendare zu und kam auf all diesen Gebieten zu bestimmten festgelegten Arbeits- Plänen. Das Ergebnis wird auf einer weiteren Länderjustizministerkonferenz in Berlin verar­beitet werden.

Nationale Regierung und presse.

Berlin, 8. Mai. (WTB0 Reichskanzler Adolf H i t l e r und Reichsminister für Volksauf­klärung und Propaganda Dr. Goebbels haben an den Vorsitzenden des Reichsverbands der Deut­schen Presse Dr. Otto Dietrich folgende Tele­gramme gerichtet:

Einmütigen W i l l e n des im Reichsver­band der Deutschen Presse organisierten deut- schenIournalistenstandszur tatkräftigen Mitarbeit am Wiederaufbauwerk der Reichsregie­rung nehme dankend zur Kenntnis und wünsche Ihrer Arbeit vollen Erfolg zum Wohl des deutschen Volks. Reichskanzler Adolf Hitler."

Bekenntnis der beruflichen Vertretung des deutschen Journalistenstandes zum neuen Deutschland habe ich mit Genugtuung zur Kenntnis genommen. Din von verantwortungs­bewußter Mitarbeit journalistischen Derussstandes unter Ihrer Leitung überzeugt. Erwarte enges Zusammenarbeiten. Reichsminister Dr. G o e b b e I s."

Kunst und Wissenschaft.

Rückgängig gemachte Beurlaubungen an der Universität Kiel.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit­teilt, hat Kultusminister R u st den Strafrechtler Professor Hans v. H e n t i g und den Volkswirte schoftlcr Prosessor Bernhard Harms ersucht, ihre Tätigkeit an der Universität Kiel in vollem Umfange aufrechtzuerhalten. Beide ge­hörten ursprünglich zu den vor einigen Tagen beurlaubten Dozenten.

Oskar von Miller

legt den Vorsitz im Deutschen Museum nieder.

In der jüngsten Generalversammlung des Deut­schen Museums in München gab Generaldirektor Dr. K ö t t g e n, Berlin, einen Brief Oskar von Millers bekannt, in dem dieser seinen Rück­tritt vom Vorsitz in der Vorstandschaft des Deutschen Museums erklärt und diesen Rücktritt mit seinem Alter und einem damit verbundenen Augenleiden begründet. Auch ein erneut auf­tretendes Herzleiden erlaube ihm nicht mehr, wie bisher angestrengt tätig zu sein. Die Wahlen brachten keine wesentliche Veränderungen. In den Vorstand wurde Kommerzienrat Dr. Röchling, Völklingen, gewählt. Zum Ehrenmitglied des Deutschen Museums wurde der um die Entwick­lung des Werkes hochverdiente Gelehrte Geheim­

rat von Dyck ernannt. Das Ehrenpräsidium des Deutschen Museums seht sich gegenwärtig aus dem bayerischen Ministerpräsidenten Siebert Kulutsminister S ch e m m und Reichsmimster des Innern Dr. Frick zusammen. Der Reichskanzler hat die Annahme des Ehrenpräsidiums abgelebt, weil er grundsätzlich den überaus zahlreichen Ge­suchen um Hebernahme des Chrenvorsihes in Ver­bänden nicht nachkommen könne. Oskar von Miller beging dieser Tage seinen 78. Ge­burtstag.

Max Liebermann aus der Akademie der Künste ausgetreten.

Der Maler Professor Dr. h. c. Max Lieber­mann, der im 85. Lebensjahr steht, hat seinen Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste erklärt. Er begründet diesen Schritt damit, daß seine Auffassungen von .Kunst und Nation nicht den heute herrschenden entsprächen.

Verleihung des Schiller Preises erst wieder 1934.

Wie die Telegraphen-Union erfährt, hat der preu­ßische Kultusminister R u st die Anordnung getroffen, daß der S ch i l l e r - P r c i s , der alle sechs Jahre an einen deutschen Dramatiker verliehen wird, statt im laufenden Jahre erst im Jahre 1934 am 175. Ge­burtstag Friedrich von Schillers zur Verleihung kommt. '

Stephan kekule von Stradonih f.

Der bekannte Historiker und Genealoge Dr. Stephan Kekule von Stradonih, der am 1. Mai sein 70. Lebensjahr vollendet hatte, ist im Krankenhaus in Lichterfelde bei Berlin an den Fol­gen einer Lungenentzündung g e st o r b e n. Von Stradonih, der als Sohn des berühmten Che­mikers Dr. August Kekule von Stradonih 1863 in Genf geboren wunde, war eine Autorität auf dem Gebiete der Genealogie und Heraldik. Zunächst widmete er sich dem militärischen Beruf und nahm als Hauptmann den Abschied. Er wandte sich dann staatsrechtlichen und geschichtlichen Studien zu und war schon in jungen Jahren auf dem Gebiete der Genealogie eine unbestrittene Autorität. Besonders

heroorgetreten ist er in dem Lippischen Erbfolge­streit und in einer Reihe von Auseinandersehungen in fürstlichen Häusern. Seine genealogischen Ver­öffentlichungen sind weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt und geschätzt.

Zestgottesdienst der Berliner Studentenschaft in Anwesenheit des Reichspräsidenten.

Berlin, 8. Mai. (ERB.) Unter größter Be­teiligung der Berliner Studentenschaft fand am Sonntag in der Dreifaltigkeitskirche ein feierlicher Gottesdienst statt, dem Reichs­präsident v. Hindenburg in Begleitung des Staatssekretär Meißner beiwohnte.

Im Ramen des Arbeitsausschusses der Evan­gelischen Studentenschaft begrüßte cand. jur. Leppin den Reichspräsidenten und betonte, daß die evangelische Studentenschaft ihre ganze Kraft dafür cinsehen werde, den Kampf um die deutsche Seele im Geiste Martin Luthers zu führen. Rach der äußeren Revo­lution gelte es jetzt, unter Führung des Reichs-» Präsidenten und des Dolkskanzlers der i n n e r e n Erneuerung unseres Volkes zum Durch­bruch zu verhelfen.

Tiefbewegt dankte Reichspräsident von Hindenburg und sagte: Halten Sie, meine sungen Freunde, auch im späteren Leben fest daran, mit Gott zu arbeiten. Das wird uns über manche schwere Stunde hinwegführen und immer wieder stellen Sie über die Parteien das Vaterland. Dann werden wir auch wieder zu Ehren kommen."

Rach Beendigung des Gottesdienstes sammelten sich die Professoren und Studenten vor dem Denkmal Schleiermachers, wo cand. jur. Leppin eine Kundgebung an die evangelische Studentenschaft verlas. In diesem Aufruf wird der Bruch mit den alten Vorurteilen einer ver­gangenen Zeit gefordert und ein Gelöbnis zur Kirche der deutschen Reformation abgelegt.

Verwicklungen am Amazonas.

Brasilien vor den Wahlen.-Konflikt mit Peru.

Don unserem O. ^.-Berichterstatter.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Rio de Janeiro, im April 1933.

Der Präsident von Peru, S a n ch e z Cerro, auf den bereits achtzehn Atten­tate verübt worden sind, ist am l.Mai ermordet worden. Gleichzeitig haben peruanische Flugzeuge ein brasilianisches Wachschiff auf dem Amazonenstrom bom­bardiert. Schließlich fanden am 3. Mai in Brasilien die Parlamentswahlen statt. Zum Verständnis dieser Entwicklung in Südamerika mag der nachstehende Aufsatz dienen, der uns soeben durch Luftpost er­reichte.

Bald nach der Vertreibung des Dr. P r e st e s aus dem Präsidentensessel und nach llebernahzme der Staatsgewalt durch Dr. Getulio Vargos, verkündigte die neue Regierung ihre Absicht, das Wahlgesetz grundlegend zu ändern. Die bis­herigen Wahlen hatten unglaubliche Mißstände ausgedeckt, Fälschung von Wahllisten, der offene Raub von Urnen und blutige Gewaltakte waren zu gewohnten Erscheinungen geworden. Rachdem nun vor einigen Monaten die Wahlreform de­kretiert wurde, werden jetzt am 3. Mai in ganz Brasilien die Wahlen für die ver­fassunggebende R a t i o n a l v e r s a m m - l u ng stattfinden, die der seit der siegreichen Revolution im Jahre 1930 bestehenden provisori­schen Regierung eine gesetzmäßige Form geben soll. Mit großer Spannung sieht Brasilien dem Wahltage entgegen, von dem für die Entwick­lung des Landes und der Wirtschaft sehr viel abhängt. Ein ruhiger Verlauf des Wahltages

würde genügen, um aus die Geschäftslage be­fruchtend zu wirken. Die Geschäfte im ganzen Lande haben in der letzten Zeit wesentlich nach­gelassen. Jeder deckt sich nur mit dem Rot- wendigsten ein, er herrscht allgemeine Un­sicherheit, und jeden beschäftigt die Frage: Werden die Wahlen neue Erschütterungen brin­gen? Allzu frisch ist in aller Gedächtnis noch die Sao Paulostaner blutige Revolution vom Vor­jahre, die die Wirtschaft in allen Zweigen ge­radezu lahm legte.

Prophezeien ist auch in Brasilien eine mißliche Sache, die Meinungen über den mutmaßlichen Verlauf der Wahlen gehen zu sehr auseinander. Die besonncneren Brasilianer glauben, daß es Dr. Getulio Vargas gelingen werde, einen ruhigen Verlauf der Wahlen zu garantieren, andere, nicht weniger informierte Politiker hin­gegen meinen, daß derKlub der Tenen- t e s" (tenete heißt Leutnant) d. h. der Offiziere der Armee, der eine der Hauptstützen der jetzi­gen Militärdiktatur ist, die Wahlen sofort ver­hindern würde, sollte ihr Ausgang nicht einen vollen Sieg für Dr. Vargas vyraussehen lassen. Der Offiziersklub ist nämlich der Meinung, daß das brasilianische Volk noch lange nicht reif für eine demokratische Regierungsform ist und dik­tatorisch regiert werden müsse. Dieser An­schauung kann man im allgemeinen zustimmen, wenn auch die letzten zwei Jahre Diktaturregie­rung nicht als ein Idealzustand bezeichnet wer­den können. 1

Die Monarchie wurde in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Brasilien abge­schafft, seitdem hat es kaum eine Regierung ge°

Aschenregen über Rom?

Von Dr. Gustav W. Eberlein.

Rom, im Mai.

Ain 2. Mai d. I. spannte sich ein wolkenloser Him­mel über Mittel-Italien. Er hatte am Morgen noch das seidige Blau des Frühlings und nahm erst gegen Mittag jenen härteren metallenen Glanz an, wie er dem römischen Sommerhimmel eigen ist. Wir fuhren aus den Chiantibergen bei Siena heraus ins Elsa- tal, dem Meere zu, hatten das Verdeck zurückgeschla- gen und freuten uns der mailichen Frische, des fast nordischen Grüns. Als dasimmerblaue" thyrreni- sche Meer in der Feme aufschimmerte, war es merk­würdigerweise durchaus nicht so, sondern von einer unbestimmbaren Farbe zwischen Schiefer, Silber und Granit, ringsum am Horizont standen sonderbare, zusammengestauchte Nebelbänke, die eher ins Gelb­liche spielten. Der Himmel gab offenbar keinen Widerschein. Eine gedrückte Stimmung ergriff nun sichtlich auch die Natur, die Lerchen dagegen schrien so sonderbar, so laut, daß wir einmal über das an- deremal anhielten, im Glauben, am Wagen sei etwas nicht in Ordnung, irgendetwas müsse quietschen oder knarzen ein richtiges Wort gibt es nicht für dieses Geräusch.

In Grosseto, am Abfall der Apenninen, wurde es plötzlich schwül, die Luft stand, ein Gewitter schien aufzuziehen. Nichts Außergewöhnliches, denn in Mit­tel-Italien blitzt und donnert es nicht im Sommer, sondern im Frühling, "übrigens auch im Winter. Der Sommer ist völlige Erstarrung und Dürre. Die gelb­lichen Nebelwände stiegen langsam höher, wurden dünner, verschleiterten den Himmel, bis auch er we­der blau noch grau war. Dann bildeten sich ausge­dehnte gelbliche Flecken, bald da, bald dort ein Sektor im Süden, die wurden immer dichter und dicker, man dachte an Hagelwolken. Aber die Begleiterschei­nungen eines Wetters blieben aus, obwohl die Schwüle zunahm. Einmal forderten wir die merk­würdige Himmelserscheinung heraus, wir suchten ihr auf den Leib au rücken und jagten mit Vollgas in die schwerste Gelbschicht. Sie zog gegen die Marem- mcnberge hin und dort holten wir sie auch ein ohne ärmeres zu erleben, als ein noch unheimlicheres Farbenspiel. Dann tarn eine zweite rotgelbe Masse angekrochen, die langsam und zäh wie Schlamm die uralte Etruskerstadt Tarquinia einnahm. Es war ein Bild von unerhörter Herrlichkeit. Die wettergrauen kahlen Türme schienen sich verzweifelt au wehren, einmal rang sich der eine durch, dann ein anderer, die Zinnen "der Gürtelmauer wurden klar und dun­kel, schließlich stand das ganze Mittelalter in sand­gelbem Feuer. Die Einwohner starrten erschrocken in die Höhe und schlugen das Kreuz.

Und es begab sich, daß die Sonne am Himmel stehenblieb, doch ihre Macht und ihren Glanz verlor, sie erinnerte an den Vollmond, man konnte ruhig hineinschauen, aber diese Sonne war platinfarben.

Wenn jetzt der Samum gekommen wäre, wir hät­ten uns nicht gewundert. Jeden Augenblick wollte ein Platzregen herunter, so sah es aus, und doch fühlte man, daß das nicht sein könne. Nur sonder­bare große Tropfen quälten sich durch, die hinter­ließen rotgelbe Flecken auf dem Lack, auf der Wind­scheibe, auf den Hemdärmeln.

Am andern Tag meldeten alle Wetterwarten Ita­liens merkwürdige Dinge: Aschenregen, Blutregen, Schlammregen, Sandregen. Aus Neapel tarnen widersprechende Darstellungen. Dort geriet die Be­völkerung in Unruhe, weil sie den Aschenregen des Vulkans fürchtete, andererseits jedoch hieß es, an der Nordküste Afrikas habe ein Sandsturm gewütet, der Schirokko bringe Wüstensand mit, der allerdings ähnliche Dämmerungserscheinungen auslösen könne wie seinerzeit der Ausbruch des Krakatau. In Sizi­lien stieg Das Thermometer auf 33 Grad. In Rom waren die atmosphärischen Ablagerungen stellenweise erheblich. In den Apenninen bis hinaus nach Rimini dauerte der (Sanbregen die ganze Nacht hindurch.

Heber die saharische Herkunft der eigenartigen Er­scheinung wurden sich die Gelehrten bald einig, doch ist es immerhin auffällig, daß der Vesuv gleichzeitig leichte A-sche ausstieß. Plutarch glaubte den roten Regen auf das verdunstete Blut nach großen Schlach­ten zurücksühren zu können . . .

Teilnehmer antwortet nicht."

Bei den Kriminalfilmen haben sich im Laufe der Zeit zwei Kategorien herausgebildet: die sach­lichen Reportagen und die romantischen Phanta­siestücke ; seltener sind die Kreuzungen zwischen beiden. Dieser hier, im Metropol-Film-Verleih, Berlin, ist ein Phantasiestück, romantisch, roman- hast und raffiniert. Er beginnt piano, fast nach­denklich und endet mit dem stürmischen Motoren­geräusch einer Verbrecherjagd, deren Ausgang nicht zweifelhaft sein kann. Ganz zuletzt, nur eben angedeutet, eine idyllische Pointe. Zwischendurch muß man achtgeben, daß man bei der Schilderung dieser rätselhaften Tresoreinbruchsaffäre den Fa­den nicht verliert. Die Regie (Rudolf Kät­scher: Marc Sorkin) arbeitet sprunghaft, mit Ueberblendungen und Zwischenschaltungen, die dem Beschauer gerade Zeit lassen, flüchtige Kom­binationen anzustellen. (Ein hübscher Degieeinfall: die Auswertung des Schachbrett-Motivs: dies darf besonders erwähnt werden, weil dergleichen auch heute noch nicht allzu häufig ist.) Gute Be­

setzung: an der Spitze Gründgens, elegant, geschmeidig, gerissen, brutal: die Rolle ist ihm sozusagen auf den Leib geschrieben. Dagegen wirkt die schöne und zarte Dorothea Wieck (Mädchen in Uniform"!) ein wenig fremd und ungewohnt in dieser Umgebung. Sima ist aus der Lust­spiel- und Operettensphäre mit Glück ins seriösere Fach hinübergewechselt. Tüchtig an seinem Platz: Gustav Diessl in einer zunächst ziemlich un­durchsichtigen Rolle. Ferner: Goehke, Hal- may, Hardt, Sokoloff und Truus van Alten. Im Beiprogramm sieht man einen Vorspann, die Wochenschau mit dem dieser Tage schon erwähnten Eildienst der Ufa (Berliner Mai­seiern) und einen Bildbericht aus einem großen deutschen Gestüt. Als unterhaltsame Einlage: auf der Bühne musizieren die Akkordion-Virtuo- sen Lina und Edmond A r t n e r vom Berliner Wintergarten und finden ein dankbares und in­teressiertes Publikum. r

Was Mozart verdiente.

Bei den geringen Einkünften, mit denen sich Mo­zart in den letzten 15 Jahren seines Lebens durch­schlagen mußte, spielen die Honorare von Verlegern seiner Werke eine verschwindende Rolle. Er brachte sich mühsam durch mit Musikstunden, mit Konzerten, mit dem Honorar für bestellte Opern und Gelegen- heitskompofitionen und mit seinem bescheidenen Ge­halt als Kammerkompositeur. Es ist ja überhaupt nur von dem Gesamtwerk, das der Meister hinter­ließ, zu seinen Lebzeiten höchstens ein Sechstel im Druck erschienen. Wie Otto Erich Deutsch in neuen Mitteilungen über Mozarts Verlagshonorare im Buchhändler-Börsenblatt ausführt, besitzen wir nur in drei Fällen sichere Kunde von Summen, die er von seinen Verlegern erhalten. Für die sechs Kla- vier-Violin-Sonaten, die als Opus 1 1788 erschienen, erhielt er von dem Pariser Musik-Verleger Sieber 15 Louisd'or. Wie aus einem Brief des Vaters her­vorgeht, bekam er außerdem noch 30 Freiexemplare und behielt sich das Recht der Widmung vor, durch die auch noch etwas erzielt werden konnte. Später hat Mozart seine Werke hauptsächlich zwei Wiener Verlegern, A r t a r i a und Hoffmeister, in Druck gegeben, während die Erstdrucke bei Boß - ler in Speyer vielleicht ohne seine Autorisation erschienen sind. Für die sechs Streich-Quartette Nr. 387 usw., die als Opus 10 Haydn gewidmet sind, zahlte Artaria Mozart Anfang 1785 100 Du­katen, so viel wie man damals als Honorar für eine ganze Oper ausgab. Sodann wurde ihm noch Mitte 1790 ein sehr kleines, nicht näher bezeichnetes Honorar von Artaria für die örei Streichquartette

geben, die alle zufrieden gestellt hätte. Vielleicht wird die am 3. Mai zu wählende Rational­versammlung, die ja dem Volke eine neue Verfassung bescheren soll, die richtige Lösung finden? In der bisherigen zweijährigen Re- gierunnsveriode unter Dr. Vargas bestand die -taatsweisheit hauptsächlich darin, zu den be­stehenden Steuern neue hinzu zu dekretieren, die in allen Kreisen Empörung hervorgerufen haben. Richtig ist allerdings, daß einiges für den Arbeiterstand getan worden ist, aber auch diese Reformen tragen allzu deutlich den Stempel desgrünen Tisches", sie sind lebensfremd. Cs wird nämlich in der Arbeitergesehgebung ver­langt, daß jeder Jugendliche von 14 Jahren seinem Arbeitgeber oder Lehrherrn ein Zeugnis vorlegen muß, daß er des Lesens. Schreibens und Rechnens mächtig ist. Run sind aber in Brasilien rund 60 Prozent der Bevölke­rung Analphabeten, die Reform bedeutet also in Wirklichkeit, daß über die Hälfte der Bevölkerung zur Arbeitslosigkeit ver- u r t e i l t ist. Auch das Wahlrecht dürfen nur die des Lesens und Schreibens Kundigen aus- üben, so geschieht cs denn, daß nur der ge­ringere Teil der an sich Wahlberechtigten zu den Urnen gehen kann Schlaue Leute, die sich als Kandidaten aufstellen lassen, wenden nun den Trick an, die Analphabeten zu drillen, ihren Ramenszug in Buchstaben zu zeichnen, ohne sie im übrigen in die hohe Kunst des Lesens und Schreibens einzuweihen, damit sie sich in die ausliegenden Listen eintragen können.

Der Wahlmodus ist in Brasilien eigenartig. Auf Grund der in die Listen eingetragenen Ra­men wird in jedem Bundesstaate die Anzahl von Kandidaten bestimmt, die in die Rationa- Versammlung entsandt werden können. Der Wahl­quotient liegt zwischen 40 000 und 60 000 Ein-l tragungen für einen Kandidaten. Im Staate Rio de Janeiro sind rund 850 000 Eintragungen verzeichnet, demnach können 17 Abgeordnete ge­wählt werden. Jede Partei stellt nun 17 Kandi­daten auf, sollten nun aber am 3- Mai von den 850 000 Wählern nur die Hälfte, oder noch weni­ger an den firnen erscheinen, so bleibt es doch bei den ausgestellten 17 Abgeordneten, von denen jeder nur die Mindestzahl von 2000 Stimmen zu erhalten braucht- Zum erstenmal in Brasilien dürfen auch Frauen das Wahlrecht ausüben.

Reben den Wahlparolen wird Brasilien auch durch außenpoli-tische Fsragen bewegt. An seinen Grenzen werden zwei Krie ge ge­führt, die unwillkürlich die Interessen des Landes berühren- Brasilianische Freiwillige kämpfen im C h a c o- Allerlei Abenteurer sammeln sich an den Grenzen und beunruhigen die Anwohner. Weit mehr aber wird Brasilien durch den Kon­flikt zwischen Peru und Kolumbien in Mitleidenschaft gezogen- Ueber 5000 Kilometer weit durchströmt der gewaltige Amazonen- ström brasilianisches Gebiet, fließt durch un­durchdringliche, fieberverseuchte Urwälder mitten durch das Gebiet menschenfressender Indianer und bildet in seinem Oberlauf, beim Leticia- diftrikt, einen Grenzstrich zwischen Kolumbien und Peru. Dort stößt brasilianisches, kolumbia­nisches und peruanisches Hoheitsgebiet anein­ander. Da Peru und Kolumbien in unwegsamen Urwäldern miteinander Krieg führen, so hat sich Brasilien gezwungen gesehen, zur Wahrung seiner Reutralität Truppen und Kanonenboote an den oberen Amazonas zu senden. Die Peruaner haben nun das brasilianische Ka­nonenboot ..Emmita" mit Fliegerbomben belegt und dadurch einen Konflikt mit Brasi­lien heraufbeschworen. Rachrichten aus Lima melden eine große Erregung. Gegen das Leben des Präsidenten Sanchez-Cerro wurde eine weit verzweigte Vers chwörung ausgedeckt, einige Ossiziere wurden standrechtlich erschossen (Präsident Sanchez-Cerro ist inzwischen ermordet worden. D- Red.) und man weiß in Rio de Ja­neiro nicht, welche Verwicklungen am Amazonen­strom noch entstehen können. Präsident Dr. Var­gas hatte vergeblich zu vermitteln versucht: durch Verletzung der brasilianischen Kriegsflagge durch die Peruaner hat sich der Konflikt verschärfte

Nr. 575 usw. zuteil, die erst nach seinem Tode als Opus 18 herauskamen. In einem Pumpbrief an den Freund Pnchb erg klagte Mozart:Nun bin ich gezwungen, meine Quartetten diese mühsame Arbeit um ein Spottgeld herzugeben, nur um in meinen Umständen Geld in die Hände zu bekom­men." Bei dem damaligen Stand des Urheberrechts, das den Nachdruckern jede Freiheit ließ, war es ja bedenklich, Geld für einen rechtmäßigen Druck auf­zuwenden. Neben 70 Original-Ausgaben Mozart- scher Werke sind zu seinen Lebzeiten 50 Nachdrucke bekannt. Er zog es daher vor, Abschriften seiner Klavierkonzerte in der Zeitung zum Subskriptions- preis von 4 Dukaten anzubieten. Wie wenig der große Meister zum Geldverdienen gemacht war und sich auf Geschäfte verstand, das zeigt ein neues Zeugnis, das von Deutsch mitgeteilt wird. Im Jahre 1818 hatte ein anderer Verlag zwei Lieder Mozarts, die von Artaria veröffentlicht waren, mit einer neuen Gitarreribegleitung herausgebracht. Artaria protestierte gegen diesen Nachdruck und suchte in einer Eingabe an den Wiener Magistrat sein Recht nachzuweisen, für das kein besonderes Abkommen vorlag. Darin heißt es:Ein anderer besonders schriftlicher Vertrag zwischen Mozart und der Kunst­handlung ist nicht gemacht worden, indem Mozart viel zu generös war, um für eine solche Kleinig­keit etwas anzunehmen oder zu begehren. Selbst bei wichtigeren Manuskripten wurde keine besondere Schrift darüber ausgestellt. Doch findet sich in un­fern Büchern, daß Mozart Vorschuß von uns er­halten hatte, und es kommen mehrere andere Par­tien vor, welche zeigen, daß wir mit ihm in Ver­bindung waren."

Zeitschriften.

Zum 30. Todestage der Malwida von Meysen- bug bringen Westermanns Monatshefte einen Gedenkbeitrag von Marie Silling. Die Ver­fasserin derMemoiren einer Idealistin" hat durch ihr Leben und Wirken das Beispiel einen hohen erzieherischen Persönlichkeit gegeben. Sie war be­freundet mit Richard Wagner, Nietzsche, Romain Rolland, auf deren Schaffen sie großen, zum Teil entscheidenden Einfluß ausgeübt hat. Dora Hans- mann-Franken schreibt überSchlafende Geschichten im Moor" und schildert seine Entstehung, seine Er­scheinungsformen, seine Kultur und seine Vegetation. Ueber das Reichsehrenmal berichtet Carl Meißner, Berlin. Die eingeflochtenen vielen Abbildungen geben dem Beschauer die Möglichkeit, selbst Stellung zu den Entwürfen zu nehmen. Viele Kunstblätter und Ein­schaltbilder vervollständigen den reichen Inhalt des Heftes.