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Giehener Anzeiger (General-AnzetgerW Gberhefien)
Nr. 107 Zweiter Blatt
Dienstag, 9. IHai 1933
DieLandesuniversiiäi huldigt der nationalen Regierung
Die Unioersitäts- und Proviwzialhauptstadt Gießen bat gestern einen geschichtlich denkwürdigen Tag erlebt: die Huldigung der Landesunioersität und der Bürgerschaft vor den Mitgliedern der nationalen hessischen Regierung, gleichzeitig auch für die nationale Reichsregierung und die feierliche Verkündung des neuen hessischen Studentenrechts durch den Herrn Hess. Staatspräsidenten Dr. Werner.
Die Hauptseier des erhebenden Tages begann kurz nach 17 Uhr in der mit schworz-weiß-roten und Ha- kenkreuzfahnen, sowie mit hessischen Fahnen rot weih und der Gießener Stadtfahne reich geschmückten Volkshalle. Eine riesige Menschenmenge, die man wohl auf etwa 4500 Köpfe schätzen kann, füllte die Dolkshalle in allen Teilen. Auf der Bühne stellten SA.-Mannschaften der Ehattia, der Landsmannschaft des Herrn Staatspräsidenten, die Ehrenwache. Vor der Bühne hatten die Fahnenabordnungen der stu- dentischen Korporationen Ausstellung genommen, seitlich daoon die Chargierten in Wichs. In der Mitte der Bühne war unsere Giehener Militärkapelle unter Obermusikmeister Krauhe placiert. Die SS. versah in ausgezeichneter Weise den Ordnungsdienst in der Halle, bei dem gewaltigen Menschenandrang keine leichte Ausgabe.
Kurz nach 17 Uhr erschien der Herr Staatspräsi- den« Dr. Werner in Begleitung Sr. Magnifizenz des Rektors Prof. Dr. Ieß und eines SA.-Führers in der Volkshalle, von der Menschenmenge mit Herzlichkeit begrüht. Beim Erscheinen des Staatspräsidenten leitete die Militärkapelle die Feier mit einem Erössnungsmarsch ein. Anschliehend sprach
Se. .Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Zeß.
Er begrühte im Namen des Lehrkörpers der Universität und der Studentenschaft Herrn Staats- Präsidenten Dr. Werner und Herrn Staatsmini-
fter Dr. Müller und dankte ihnen für die durch ihr Erscheinen bekundete IBerbunbenbeit mit der Landesuniversität. Weiter begrühte er besonders die sehr zahlreich ersch, menen Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, die Offiziere unserer Garnison, die Führer der nationalen Verbände (SA., SS. und Stahlhelm), die Ehrensenatoren der Landesunioersität, die übrigen Ehrengäste, die Mitglieder der Hochschulgesettschaft, ferner die Bürger und Bürgerinnen, deren Teilnahme an der Feier Se. Magnifizenz als einen Beweis für das freundschaftliche Verhältnis zwifchen der Bürgerschaft und der Universität bezeichnete, sodann sagte Se. Magnifizenz u. a. weiter: Die Feier, die uns heute vereinigt, bedeutet eine Kundgebung zu Ehren der nationalen Regierungen.
Die hessische £anbtouniocrfitäl, ihre Dozenten und die Studentenschaft stehen geschlossen hinter der ehrwürdigen Gestalt des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg und hinter dem Herrn Reichskanzler Adolf Hitler. (Beifall.) Den Führern des neuen Reiches und den Führern unferer engeren heffifchen Heimat geloben wir treue Gefolgschaft.
Wir wünschen mit heihem Herzen, dah die Z i e l e der nationalen Regierungen, die wir aus dem Munde des Herrn Reichskanzlers vernommen haben, durch die Zusammenfassung aller nationalen Kräfte des Landes erreicht werden und dah die jetzt noch abseits stehenden Volksgenossen den Weg zur großen deutschen Volksgemeinschaft finden mögen. Wir rufen alle Akademiker auf zur Mitarbeit am Wiederaufbau des Deutschen Reiches. Jeder einzelne möge immer eingedenk sein des Wortes: „Nichts für mich, alles für Deutschland!" (Lebhafter Beifall.)
Die Festrede von Prof. Dr. Kuhn
behandelte das Thema: „‘Sic Universität im neuen R e i ch " Der Redner sagte u. a.:
Unsere heutige Feier soll das erste Semester unserer alma mater im neuen Reich einleiten und soll die Verbundenheit unserer Universität mit dem Geiste bekunden, der unsere Reichsregierung und unsere Landesregierung beseelt. Wir wollen Zeugnis dafür ablegen, daß wir ein Teil sind jener gewaltigen Kraft, die seit dem Oluf treten 21b olf Hillers immer mehr hineindringt in die deutschen Menschen aller Länder.
Sodann dankte er Sr. Magnifizenz, daß die Universität ihm diese Festrede übertragen habe. Er erinnerte an die Zeit, in der der Führer Adolf Hitler im Gefängnis sah, er (Redner) Ordinarius an der Technischen Hochschule in Dresden war und zu der entschlossenen Kämpferschar gehörte, die schon damals in Sachsen der Fahne 2ldolf Hitlers in gläubigem 23ertrauen folgte und bemüht war, die verhetzten Dolksmassen zum Vaterland zurückzuführen. Er grüßte sodann von der Weihestunde dieser Feier seine alten Freunde in Sachsen, insbesondere den Bauführer Mutsch- mann. „t>cn Mann klarer Erkenntnis und eisenharten Willens". Weiter führte der Redner u. a. aus:
Wir finden den Sinn der Nationalsozialistischen Bewegung und die hohe Mission, von der Adolf Hitler durchglüht ist, in der gewaltigen Aufgabe, alles das, was im deutschen Volke zusammengehört, zu einigen, und uns von dem zu trennen, was volksfremd, was volksschädigend und minderwertig ist, damit der Gesamtstand unseres Volkes ein hoher und die Gesamtkraft der Ration zu Glück und Zukunft verheihender Gewalt wird.
Uralte Träume und Sehnsüchte deutscher Herzen sind erfüllt, oder reifen im Siegesschritt der nationalen Erhebung ihrer Vollendung entgegen. Der M a i n hat seine Bedeutung als Trennungslinie zwischen Nord und Süd verloren. Der von ehrgci zigen und selbstsüchtigen Politikern unter Einschaltung des dynastischen Interesses genährte Parti- kularismus der Länder hat einen schweren Schlag erlitten und ist zum A b ft c r b e n verurteilt. Der Kampf zwischen den beiden Religionen in unserem Volke ist zur Ruhe gekommen, und es wird weiter daran gearbeitet, daß er nicht
wieder auflebt. Die Irrlehre von Marx weicht aus den Köpfen der deutschen Handarbeiter, die sich von ihr über zwei Menschenalter benebeln und zum Klas- I senkampf verführen ließen, der Weg zur Do l k s - gemeinschast zwifchen allen Ständen unseres Volkes ist beschritten.
Wir haben die Machtstellung des jüdischen Volkes gebrochen, welches das ihm in überreichem Maße gewährte Gastrecht dazu mißbraucht hat, viele Zweige unseres Kulturlebens zu überwuchern, und in manchen Berufen den deutschen Nachwuchs zu er- sticken. Nach dem Willen des Führers Adolf Hitler sollen die Lehren der Rassenhygiene in baldige Taten umgesetzt werden. Die kör- perfid) und seelisch Minderwertigen sollen nicht ohne Pflege bleiben, aber sie fallen aus dem Lebensstrom des Volkes ausgefchaltet werden. Die Unterwelt muß verschwinden und für die gesunden Volksgenossen soll die Möglichkeit geschaffen werden, eine blühende Kinberjdjgr aufzuziehen, wie sie für den Bestand und die Zukunft der Deutschen not- wendig ist.
Dabei soll unsere Liebe der nordischen Rasse gelten Bei diesem Ziel der Regierung höre ich noch oft den Einwand, daß solche Gedanken doch eine Trennung bedeuten, eine Scheidung in nordische und nicht-nordische Volksgenossen. Diesem Einwand möchte ich hier in dieser festlichen Stunde entgegentreten.
wir wollen niemand, der deutschen Stammes ist, vom deutschen Volkstum ausschalten, auch wenn er in seinem äußeren Bilde nicht allen Merkmalen der nordischen Rasse entspricht.
Sie ist für unsere geistigen und seelischen Kräfte der Nährboden, sie ist die Wurzel unserer Kultur, wir können sie unsere Rasse nennen, und wir haben die Pflicht dafür zu sorgen, daß der Anteil nordischer Rasse in unserem Volk nicht weiter herabsinkt.
Wir haben noch eines Gegensatzes in unserem Volk zu gedenken, der immer vorhanden war, der auf Erden besteht, so lange Menschen Gemeinschaften bilden, es ist
der Gegensatz zwischen Jugend und Alter.
Er hat in den Kampfjahren, die hinter uns liegen, auf den Universitäten eine gewisse Rolle gespielt, und wenn wir die Entwicklung der Nationalsozialistischen Bewegung und die Maßnahmen der nationalen Reichsregierung einer leidenschaftslosen Prüfung
unterziehen, so kommen wir zu l*«?* hebet >■ daß Adolf f)’t( er sich die Au sä«, gekillt hat, diesen Gegensatz nicht weiter zum Unheil treiben zu lassen, sondern ihn als Kraftquelle a «c z u - nutzen und zum Heile unseres Kolke» in das völkische Getriebe einzuschallen.
Als die studentische Generation nach hem Ziümn- menbrud) aus den Schützengraben in die Heimat zurückkehrte und wieder in die Hörsäle |rramte, da machte sie Front gegen Vieles, was alt unb.mor d) war. Sie warf sich auf die Aufgabe, eine pcstkljä Gesamtdeutsche Studentenschaft zu schaffest Sle:oer fucht ferner, den Leibesübungen ich Nahmen der Aufgaben der Hochschulen den Boden zu erobern. Es war das ihr gutes Recht und ihre Pflicht. In der nationalpolitifdjen Aufgabe des Ausbaues der Deutschen Studentenschaft wurde sie gehemmt von regierenden unvölkischen Gewalten. In der Entwicklung der Leibesübungen sand sie bei vielen der Hochschullehrer nur geringes Verständnis.
Diese Frontgeneration, aus der inzwischen mancher in den Lehrkörper der Hochschulen eingetreten ist, muß heute sehen, daß die, die damals Bübchen waren, heute in der 621. und in der SS., im Stahlhelm marschieren und über die Ziele ihrer Vorgänger hinausgewachsen sind. So sehen wir gerade auf unseren Hochschulen immer wieder neu, wie das Rauschen der Meereswellen, den Gegensatz zwischen Jugend und 2£lter. Er trägt nichts Häßliches, nichts Feindliches in sich, wenn die Jungen in Ehrfurcht und Treue derer gedenken, die vor ihnen waren. Darum ist es eine heilige Pflicht, heute der Kommilitonen zu gedenken, welche im Weltkriege und in der nationalen Bewegung für Deutschlands Ehre und Zukunft ihr Leben gelassen haben. (Die Festversammlung gedenkt stehend der Gefallenen, während die Militärkapelle einen Ders des Liedes vom guten Kameraden spielt.)
Dir Alten dürfen unsere Augen nicht vor der Raturnotwendigkeit schließen, daß auch die Jugend ihre Rechte hat, und daß die Jugend im Leben des Volkes nicht nur die Weisheit der Väter auszunehmen hat, sondern von einem bestimmten Zeitpunkt an in das Getriebe des Volkes mit eingreifen muh. von der Jugend hängt zu einem großen Teil das Schicksal eines Volkes ab.
Sie ist berufen, mit hellen Äugen und jugendlicher Frische die Scharen zu bilden, die den Bannerträgern des Volkes folgen müssen. Lind ist es nur natürlich, daß die studentische Jugend mit heißen Herzen unter ihren Lehrern diese Führer sucht, und dah sie enttäuscht ist, wenn sich diese ihrem Vorwärtsdrängen versagen. Wir wollen nicht Gegensätze, die vorhanden sind, verschleiern und dadurch unwirksam zu machen suchen, sondern wir wollen nach den Formen suchen, die für alle Zeiten die Zusammenarbeit zwischen Jugend und Alter in unserem Volke gewährleisten. Rach den Erfahrungen meines Lebens habe ich die felsenfeste Lleberzeugung gewonnen,
daß Zusammenarbeit zwischen Alter und Jugend notwendig ist,
und dah bei dieser Zusammenarbeit immer einer der Führer sein muh, dah aber der jüngere nicht ein Untergebener, sondern ein aufrechter Mitarbeiter sein muh, der das Recht und die Pflicht hat, beim gemeinsamen Wirken unverbrüchlich seine Meinung zu sagen, auch wenn sie von der des Führers abweicht. Wir werden auf diese Weise dazu kommen, die Kraftfülle der Jugend in b i e 21 r b ei t der Ration ein* zuschalten.
Lind wann ist der Zeitpunkt, zu dem die Jugend ihre 2Iufgabe übernehmen muh? Es ist der Tag. an dem sie die Hochschule betritt. Was hat es für einen Sinn, daß wir zwischen Schulen und Hochschulen einen Unterschied machen, wenn auf der Hochschule nur Schüler sein sollen? Was hat es für einen Sinn, von akademischer Freiheit zu reden, wenn keine Formen vorhanden sind, durch die es den Kommilitonen ermöglicht wird, aufrechte Studenten zu sein? Das neueStuden- t e n r e ch t, das der Herr Staatspräsident verkünden wird, ist ein Anfang z u einer neuen Studentengesinnung.
Es sind viele Vorschläge vorhanden, die Universität umzugestalten. Ich möchte es mit aller Schärfe, deren das gesprochene Wort fähig ist, aussprechen, dah eine Reformation oder gar eine
Revolution der Hochschule nicht dadurch erreicht wird, dah man weiteren Mitgliedern deS Lehrkörpers das Recht gewährt, an den Senats- und Zakultätssihungen teilzunehmen.
wir erreichen ein neue» große» Ziel für unsere Hochschule nur dadurch, daß wir den e<Bcin der Zusammenarbeit zwischen der Jugend'und dem Atter, zwischen den Studenten und den Pro- fessoren, zwischen den Assistenten und den Ordinarien auf die Grundlage der germanischen
Wahrhaftigkeit stellen.
Und dieses neue große Ziel, auf das wir den, gesamten Geist unseres Hochschulwirkens im Sinne der Mitarbeit der Jugend einstellen müssen, ist die Stählung des deutschen Willens.
Ursprünglich waren die Universitäten theologische Gelehrten^chnien, aus ihnen wurden allmählich die philosophisch.humanistischen Universitäten neben den Technischen Hochschulen. Aus den Schulen des Glaubens wurden Schulen der Weisheit, und nun müssen daraus Schulen d e s W i 11 c n s werden. Dabei sollen Glaube und Weisheit nidjt vernachlässigt werden. Es ist notwendig, daß bas gesamte Unterrichtswesen nur den einen Leitgedanken hat:
wie nützen wir unserem Volk und Vaterland, wie stählen wir die Kräfte unserer Jugend, damit sie die ungeheuren Gesahrcn, die unserem Volke aus seinem Innern und von außen drohen, meistern können, und noch starke aufrechte (0er- manen vorhanden sind, wenn die heutige Zeit und der gewaltige Aufstand der Ration wie eine Sage aus ferner Vergangenheit in den Schulen gelehrt werden.
Ich möchte ein Beispiel aus dem Fad) geben, das ich vertrete. Wenn Sie die Lehrbücher der Hygiene ausschlagen und Nachlesen, was unter Hygiene zu verstehen ist, so finden Sie zumeist die Angabe, daß Hygiene die Lehre von den Umweltsbedingungen fei, welche die Gesundheit der Menschen beeinflußen. Nirgends finden Sie einen ausdrücklichen Hinweis, daß Hygiene in allererster Linie eine K u n st sein muß, daß sie die Studenten und weiter das gesamte Volk dnhinführen muß, am eigenen Leibe und mit hartem Willen an der Gesunderhaltung des gesamten Volkes mitzuarbeiten. In dem gebräuchlichsten Lehrbuch der Hygiene wird sogar der jüngste und wichtigste Zweig der Hygiene, die Rassenhygiene, aus undeutschem Geiste heraus absichtlich mit der Begründung beiseite gelassen, daß man die Fragen der Rassenhygiene nicht experimentell bearbeiten könne, und daß sie deshalb nicht in ein Lehrbuch der Hygiene gehörten.
Mit einer Wissenschaft, die nur Weisheit vermittelt, aber keinen willen entfacht, geht ein Volk zugrunde, wenn es auch noch so hervorragende Vertreter der einzelnen wifsenschaften besitzt.
Die Hochschule des Willens wird freilich auch eine Umstellung der Wichtigkeit der Lehrfächer vornehmen inüjfen. So schmerz- lich das manchem Gelehrten fein mag, wird sie z D. den Vertretern der Leibesübungen vollen Einfluß in den Fakultäten zu gewähren haben, und sie wird ganz besonders der Rassen- Hygiene ordentliche Lehr st n hie schaffen müssen, die nicht nur die Studenten der Medizin in alle Zweige der Rassenhygiene einschließlich der nordischen Bewegung einführen, sondern die alle Studenten mit jenem Gedankengut zu durchdringen haben, das uns allein vor dem Untergange als Volk retten kann. Wer sich mit den Fragen der Bevolkerungspolitik beschäftigt, dem graust es, wenn er den Geburtenrückgang unseres Volkes in seinen Auswirkungen auf den europäischen Raum und die Lebensansprüche anderer Völker betrachtet. Wenn ich auch stolz darauf bin, daß ich feit der Begründung der deutschen Rassenhygiene durch Ploetz zu dem engeren Kreis gehört habe, der fid) dieser Wissenschaft hingegeben hat, so lastet doch die ungeheuere Verantwortung schwer auf mir, daß wir vielleicht nicht genug getan haben. Es stählt des- halb unsere Kräfte und gibt uns das Gefühl stolzer Freude, dem ich mit dankbarem Herzen Ausdruck geben muß, daß Adolf Hitler in den Mittelpunkt des Programms feiner Bewegung die Raffen- Hygiene gestellt hat, und ich darf ferner der freudigen Versicherung Ausdruck geben, daß
auch unsere Landesregierung in ihren Gedanken und in ihrem wollen diese Aufgabe als die wichtigste des neuen Staates betrachtet.
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