Aus der Provinzialhauptstadt.
vieGrippe beeinträchtigt den Postdienst
Dom Postamt (Sieben wird unS mitgeteilt. Der dem Postamt sind zur Zeit mehr als 60 Beamte k ra nk — meistens an Grippe — und dienstunfähig, darunter 19 in der Briefzustellung ; auch sind zahlreiche Beamte im Dienst, aber von Grippe betroffen. Die Einstellung zahlreicher Aushilfen für die Erkrankten macht es leider unvermeidlich, daß der Dienst sich nicht voll ordnungsmäßig abwickelt, obwohl jeder nach Kräften wirkt.
Jahresversammlung des DOA., Ortsgruppe Gießen.
Der VDA. Gießen hielt dieser Tage im Hotel „Hindenburg" seine Jahresversammlung ab. Im Anschluß an einen Lichtbildervortrag über „Ääsnten“, der als Wcrbe- vortrag für die Teilnahme an der diesjährigen Pfingstfahrt und Hauptversammlung des VDA. nach Klagenfurt gedacht war, und einen Bericht über „Öen freiwilligen Arbeitsdienst als Volk» liche Selbsthilfe bei den Außendeutschen" begrüßte — wie man uns berichtet — der l.Bor- sihende des Gießener BDA., Llniversitätspro- fessor Dr. Mayer, bi£ Erschienenen und eröffnete die Jahresversammlung. Es wurden hierauf die Tätigkeits- und Kassenberichte der verschiedenen Gruppen (Männerortsgruppe, Frauengruppe, Schulgruppen, Iugendgruppe, Akademische Ortsgruppe» verlesen.
Danach bestand die Tätigkeit im abgelaufenen Jahr einerseits in einer Aufklärung der Öffentlichkeit durch Borträge über die Ziele des BDA. und die Bedeutung des Auslandsdeutschtums und Volksdeutscher Arbeit. An solchen Borträgen wurden in den verschiedenen Gruppen gehalten: „Deutsche Arbeit in Kolumbien" (Studienrat Dr. Glöckner, Gießen), „Kirche und Bolkstum im Nationalitätenkampf" (Dr. Clemens Scherer, Berlin), „Die Lage in Oesterreich und an der unteren Donau" (Pfarrer Harth, St. Andrä), „Städte des deutschen Ostens" (Dr. Reusch, Gießen). In den verschiedenen Gruppen wurden von Teilnehmern der Pfingstfahrt Lichtbildervorträge gehalten über „Die Pfingstfahrt nach Elbing" und von einer Reise in den deutschen Osten gelegentlich dieser Fahrt, wobei aus eigenem Erleben heraus berichtet werden konnte. Ferner beschäftigten sich die Schulgruppen in interner Arbeit und an Hand von Lichtbildern mit den Deutschen im Elsaß, in der Rordrnark, in Böhmen, Südtirol usw. Dr. Götz, Darmstadt, hielt bei einem von der Pestalozzischule und Goetheschule gemeinsam veranstalteten Elternabend einen Bortrag über die Detreuungsgebiete des LB. Hessen, „Die Bukowina und Dobrudscha". Reben dieser geistigen Werbung für den Volksdeutschen Gedanken lief die materielle Werbeaktion nebenher, vor allem in Form der Werbewocbe, die vom 23. bis 29. Mai stattfand. Als Einleitung zu der Werbewoche wurde im hiesigen S^adttheatcr als geschlossene Borführung des BDA. das Stück „Dolk in Rot" von Karl Schönherr aufgeführt. Die Werbewoche bestand wieder, wie in den früheren Jahren, in einer Haussammlung und einer St' 'ßensammlung, die trotz der Rot der Zeit einen schönen Erfolg — sogar besser als in früheren Jahren — brachten, besonders in Oberhessen. Es darf als ein Zeichen dafür hingenommen wer
den. dah gerade infolge der durch die nationale Bewegung hervorgerufenen Weckung und Stärkung des nationalen Gedankens in der oberhessischen Bevölkerung auch der Volksdeutsche Gedanke in Oberhessen tiefere Wurzeln geschlagen hat. Im Zeichen der Werbung für den BDA. stand auch ein „Bunter BDA.-Abend" der Frauengruppe. Schüler der verschiedenen Gruppen beteiligten sich an der Psingstfahrt nach Elbing, am Sängerfest in Franksurt a. M. und an einer Schulungswoche des BDA. in DenSheim. Die Schiller lesen die vom BDA. herausgegebenen Blätter „Jung Roland", „Rvlandblätter" und „Bolk und Heimat". Bon verschiedenen Gruppen wurden auch persönliche Beziehungen zu außendeutschen Gruppen und deutschen Schulen im Ausland geknüpft.
So darf der BDA. Gießen auf ein arbeitsreiches Jahr zurückschauen. Der 1. Vorsitzende gab dem Ausdruck, indem er all denen, die in selbstloser Arbeit sich der Sache gewidmet haben, seinen Dank aussprach.
Das neue Jahr steht im Zeichen derPfingst » fahrt nach Klagenfurt und dem herrlichen Kärntner Alpenland. Bei der außerordentlich verbilligten Fahrt hofft auch der Gießener BDA., daß sich eine Erwachsenengruppe zusammenfindet, um diese Fahrt mitzumachen.
Vornotizen.
— 'Aus dem S t a d 11 h e a t e r b u r e a u wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, als 18. Dorstellung im Freitag-Abonnement zum erstenmal die Komödie „Bargeld lacht" von Eber- wayer und Cammerlohr: Spielleitung: Peter F a s s o 11. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22.15 Ufjr. — Für Sonntag, 12. Februar, ist 15 Uhr (Ende nach 18 Llhr) und 19 Llhr (Ende nach 22 Llhr) eine Wiederholung der Operetten-Revue „Im Weißen Rößl" angesetzt. Cßcibe Borstellungen sind außer Abonnement und zu ermäßigten Operettenpreisen. 2n beiden Borstellungen haben Dorzugsgutscheine Gültigkeit, nachmittags auch Schülerkarten. Die Kasse macht nochmals darauf aufmerksam, daß zur Vermeidung finanzieller Derluste für das Theater f ü r Sonntag („Weißes Röhl") vorbestellte Karten, sowohl von hiesigen als auch von den auswärtigen Theaterbesuchern, bis Samstag 13 LI h r abgeholt sein müssen, da sonst anderweitig darüber verfügt werden, muß. — Die Jugendverbände zugunsten des Rotwerkes der deutschen Jugend veranstalten am Montag, 13. Februar, 20 Llhr im Stadttheater einen Sing- und Spiel-Abend. — Die Komödie für Musik, „Der Rosenkavalier" von Hugo von Hof- mannstal-Richard Strauß, kommt am Dienstag, 14. Februar, als einmaliges Gastspiel des Opernensembles des Hessischen Landestheaters Darmstadt zur Ausführung. Das Gastspiel findet zu Opernpreisen statt als 19. Dorstellung im Dienstag-Abonnement. Dorzugs- und Rundfunkgutscheine haben Gültigkeit.
*
* Fristverlängerung für die Abgabe der Steuererklärungen. Die Frist für die allgemeine Abgabe der Steuererklärungen für die Veranlagung zur Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer wird über den 28. Februar 1933 hinaus bis zum 5. März 1933 verlängert.
Werk und GaS- und Wasserwerk, bedeutend ver- bessern wird.
7. Der Stadtverwaltung wird der Dorschlag unterbreitet, künftige Arbeitsbeschaf- fungspläne nicht lediglich in den Amtsstuben ausarbeiten zu lassen, sondern auch aus den Handwerkerversammlungen heraus geeignete Dorschläge für eine möglichst auf alle Gewerbezweige verteilte Erschließung neuer Arbeitsmöglichkeiten entgegenzunehmen
Q3on der Anwendung der vorstehenden Richtlinien seitens der Behörden verspricht sich das Baugewerbe aller Branchen eine merkliche Erleichterung feiner bedrängten Lage.
Zu diesen Forderungen werden nunmehr, wie wir gestern berichteten, die beteiligten städtischen Aemter und der Bauausschuh des Stadtrats Stellung nehmen.
Schach-Ecke.
Bearbeitet von W. Orbach.
Problem Nr. 337.
Don Dr. Zepler, Berlin.
Weiß 3 Steine: Ka2; De5; Tb7.
Schwarz 4 Steine: Kfl; Thl; Bf2, h3.
Weih zieht und setzt in drei Zügen matt.
Problem Nr. 338.
Don M. Barulin, Moskau.
Weih 9 Steine: Kf8; Dd2; Ta6, el; Lai, g8; Sd6, f4; Bg4.
Schwarz 11 Steine: Ke5; Ta5, e4; Lc5, hZ; Sb2; BaZ, b4, c4, f2, f6.
Weih zieht und setzt in zwei Zügen matt.
Partie Nr. 243.
Damenindisch.
Im internationalen Meisterturnier zu Bad Sliae am 25. Juni 1932 gespielt.
Weiß: Pire.
Schwarz: Opvcensk.).
I.d2-d4, Sg8-f6. 2. Sgl-f3, g7-g6 3.g2-g3, Lf8 - gl. 4.Lfl-g2,d7 - d6.5.c2 - c4,Sb8 - d7.6 Sbl - c3, 0-0. 7.0-0, Tf8—e8. 8.b2-b3, e7-e5. Q.Lcl- b2, c7-c6.10.e2-e4, Dd8-c7.11. Ddl -d2, a7-a5. 12. Sfl—el Sd7-b6. 13. Tal—dl, Lc8-g4. 14. d4x e5 (Weih hat ausgezeichnet manöveriert. indem er nun zur Besetzung des Punktes db gelangt.) 14. .. ., d6xe5.15.Lb2-a3, Ta8-d8. 16.La3-d6l, Dc7-c8. 17.Dd2-e3, Sb6-d7. 18.h2-h3, Lg4xf3.19.Lg2x f3, Lg7-f8. 20. g3-g4, LfSxdb. 21.Tdlxd6, Dc8- c7. 22. Tel -dl, Sd7—b8?? (Ein grobes Versehen, nach dem es aus ist, nach Te6 konnte Schwarz die für ihn schwachstehende Partie noch eine Zeitlang hin- schleppen.) 23. Td6xf6, TdSxdl. 24.Lf3xdl, Dc7— e7 (Schwarz sollte bester aufgeben) 25. Tf6-f3. Sb8- d7.26 Sc3 - a4, le8 - d8,27.Ld 1 - e2,Sd7-f8.28.De3 - c5, De7-g5.29. Dc5-e3, Dg5-h4 30.Sa4-c5, b7- b6.31 .Sc5 - d3,Sf8 - e6.32 Sd3xe5, Se6 - g5.33.TF3 - g3 (Schwarz gab die aussichtslose Stellung auf.)
Losung des Problems Rr. 335.
Don Dr. Sieg.
1. e5xd6!, Ke4-f5. 2. Se6-g5, beliebig. 3. e4—e5 ober Del — c5 matt.
1. . . ., g6 - g5. 2. Se6-c5-j- nebst 3. e3 —e4 ober Del -c2 matt.
1.....De2-el. 2. Del-c2+ nebst 3. Lg7-d4 ober
Seb -14 matt.
Lösung des Problems Ur. 336.
Don T. Taverner.
1. Sf4—h5! usw.
Aus der Lchachwelt.
Arn Turnier um die Meisterschaft der Stadt Franksurt a. W. für 1933 beteiligten sich folgende Spieler: Dr. Becker. Beniner. Bernardi. Bochner, Dr. Davidson. Hofmanii, Prof. Mannheimer, OH enger, Präger, Rohs. Dr. Sauer. Spinat. Stadecker, Steul. Dr. Thomae. sowie Schachmeister W. Orbach außer Konkurrenz.
Todesfälle. Die Schachwrlt hatte Ende vorigen Jahres eine Reihe schwerer Derluste zu beklagen. In Riga starb H Mathison, der Dorkämpfer Lettlands. 3n Erfurt Stadtrat a. D. Altmeister F. Riemann, ein Schüler Anderssens. In Holland Altmeister C. Lohmann. 3n Berlin B. Kagan.
Oie Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom RebakttonStisch.
Die Strunze.
In einem englischen Wörterbuch fand ich zufällig bas Wort „The Strapper", das mit „Die Strunze" Übersetzt war. Neugierig wie ich bin, wollte ich natürlich wissen, was Strunze ist. Ich sah deshalb im deutschen Teil nach, wo es hieß: Die Strunze — the Shut.
Es ging dann weiter: Im englifdjen Teil: the Shut — die Schlumpe. Im deutschen Teil: Die Schlumpe — the hussy. Im englischen Teil: the hussy — das Weibsstück.
Preisfrage: Was bedeutet „Die Strunze"?
3m Dienst.
.Hören Sie mal, Herr Schaffner. Ihr Autobus schleudert aber verheerend! Um ein Haar wäre ich herausgefallen!"
„Hatten Sie denn überhaupt schon bezahlt?'."
(Lust. Bl.)
wandel der Zeil.
Im Hafen von Malta begibt sich ein Midshipman, ein Bürschchen von vier Fuß acht Zoll, an Bord des Schiffes, in dessen Mannschaft er eingereiht werden soll. Eben hat er sich beim Kapitän vorschriftsmäßig gemeldet, als ihn ein Offizier, der, sechs Fuß zwei Zoll groß, buchstäblich auf ihn herabfieht, anfprichl:
„Na, kleiner, jetzt gehörst du zu uns, he?"
„Zu Befehl, Sir!" erwidert der Seekadett.
„Wie fteht's denn? Ist wohl die alte faule Geschichte .. der Taugenichts der Familie zur See 'geschickt, wie?"
„Nein, Sir", meint treuherzig der Kleine, „durchaus nicht, die Dinge haben sich s e i t I h r e r Zeit sehr geändert." (ßuft Bl).
Buntes Allerlei.
Baugewerbe und Gta-tverwaltung
Die Wünsche des Gießener Bauhand- Werks an die Stadtverwaltung, die in der am Montag von uns erwähnten Versammlung von Gewerbe und Handwerk und bei dem Besuche einer Kommission beim Oberbürgermeister Dr. Keller am Dienstag — wie gestern schon kurz berichtet — im Mittelpunkt der Aussprache standen, sind folgende:
1. Ls wird vorgeschlagen, künftig die Bestimmungen der Reichsoerdingungsordnung bet Ar- beitsoergebungen nur noch ohne Zusätze und Abschwächungen zugrunde zu legen, da die Reichsvcrdingungvordnung für alle erdenklichen
Vorkommnisse genügend ausgestattet ist.
Die bei städtischen Ausschreibungen bisher meist angewandten besonderen Bedingungen haben die dem Handwerk in der Reichsverdingungsordnung cingeräumten Rechte außer Kraft gesetzt und sind dadurch für die Handwerker zu einer Gefahr geworden.
2. Die Arbeitsvergebung an den Wenigst- fordernden bringt unter den heutigen Der- hältnissen besonders schwere Auswüchse. Das Bestreben, der Billigste zu fein, verleitet heute die meisten Anbieter, statt eines angemessenen Gewinnes noch nicht einmal d i e Unkosten voll in Ansatz zu bringen; hierbei ist vielfach die Lieberlegung vorhanden, daß teilweise gedeckte Linkosten erträglicher seien, als völlig ungedeckte. Wer mit seinen Preisen keine Zuschläge für Sozialleistungen, für Gewerbe- und Lirnsahsteuer, für Versicherung usw. veranschlagt, muh diese Geschäftskosten eines Tages schuldig bleiben. Das Linterbieten bringt aber auch das Preisniveau auf einen unvertretbaren Stand herab und zerstört gleichzeitig alle Geschäfts- und Steuermoral. An der Verhütung dieser Mißstände muh die Stadt starkes Interesse haben. Diese Liebelstände können nur beseitigt werden, wenn in die Kalkulation feste Faktoren eingebaut werden, die die Möglichkeit des Derzichts auf anteilige Berechnung eigener Angaben weitgehend st ausschliehen.
Dies kann erreicht werden durch die Anforderung emer Kalkulation von den Wenigstnehmenden, evtl, auch von weiteren Submittenten, und Prüfung der Angebote nach: a) Berechnung des berufsüblichen Lohnes, b) Aufrechnung des für die Handwerkergruppe festliegenden Untoffen- sahes, der zu diesem Zwecke für alle Gewerbe- Zweige gemeinsam mit einer amtlichen Stelle neu ermittelt und offiziell festgesetzt werden muß, <) die richtige Einsetzung der in Betracht kommenden TUaterialmengen und deren Preise, d) die richtige Einsetzung der Arbeitszeit (auf Verlangen der beteiligten Bieter soll eine Hinzuziehung von besonderen Sachverständigen gemäß
8 241 der RVO. erfolgen.
3- Die Vergebung städtischer Arbeiten an G e - neralunternehmer soll ausgeschaltet sein.
4. Zur Bekämpfung der Schwarzarbeit wird die Bestrafung der Schwarzarbeiter und der Auftraggeber gefordert. Die Polizeiorgane sind mit der Lleberwa« chung zu beauftragen, wie dies in anderen Städten und Kreisen schon angeordnet ist.
5. Die Ausführung von Arbeiten in eigener Regie seitens der Stadtverwaltungbzw. der stadteigenen Betriebe wirkt sich wie die Lin» terbindung von Verdienstmöglichkeiten eines Schuldners seitens seines eigenen Gläubigers aus. 3hre konsequente Ausschaltung sollte allen in Betracht kommenden Stellen zur Pflicht gemacht werden. Es kommt hierbei darauf an, dah nicht immer wieder durch die Aufstellung günstiger Vorberechnungen Schlußfolgerungen hinsichtlich der zu erzielenden Ersparnisse gezogen werden, die bei anderer Betrachtung von entgegengesetzt interessierter Seite meist als nicht ausreichend bewiesen werden könnten.
6. Die Erregung der Gewerbetreibenden bei A r b e i t s v e r g e b u n g e n an auswärtige Betriebe muh unter dem Gesichtspunkt gewürdigt werden, dah nach einigen Wochen optimistischer Grundstimmung, die zur Hoffnung auf baldige Geschäftsbelebung berechtigte, nunmehr wieder völlige Stagnation eingetreten ist. Bei dieser Sachlage muh es die Angehörigen des Gic- hener Baugewerbes erbittern, wenn die wenigen Arbeiten, die die Stadt selbst vergibt, und auf die man in den Gewerbekreisen rechnet, nach auswärts vergeben werden. Der weitaus größte Teil der hauptsächlich in privaten Bauten vorzunehmenden Arbeiten wird heute von auswärtigen Handwerkern ausgeführt. Diese sind den einheimischen Gewerbetreibenden gegenüber dadurch im Vorteil, daß sie ihre Arbeitskräfte weit geringer entlohnen, als es den Gießener Betrieben möglich ist, und dah sie für die steuerlichen und sozialen Abgaben bei weitem nicht gleichmäßig gefaßt werden können. Angebote, die bei solchen Voraussetzungen billiger sein könnten, sind nach der Entscheidung verschiedener Gerichte als unlauterer Wettbewerb zu bewerten. Zum Schuhe der ortsansässigen Betriebe gegen die Liebergriffe unlauterer Faktoren wird der Stadtverwaltung in Vorschlag gebracht:
a) alle Arbeiten und Lieferungen für städtische Aufträge grundsätzlich nur an Gießener Handels- und Gewerbetreibende, die ihr Gewerbe am Platze ausüben, zu vergeben; b) von den auswärtigen, hier arbeitenden Geschäften, deren Erfassung durch die Baupolizei möglich ist, eine dem Objekt entsprechende Gebühr zur Ent
lastung des Wohlfahrtsamtes zu erheben.
Auch aus rein kaufmännischen Betrachtungen muß jede Llnterstühung einheimischer Betriebe gefördert werden, da sie sich durch die Auswirkung auf die übrige Geschäftswelt steuerlich günstig bemerkbar machen und die Llm- sätze der stadteigenen Betriebe, wie Elektrizitäts-
Gespensterhaus 1933.
Letzthin traf ein bekannter Berliner Konfektionär, der in der Umgebung ein schönes Sommerhaus besitzt, auf der Straße einen Freund, der ihn mitten in der Unterhaltung plötzlich fragte, warum er dieses Haus denn verkauft hätte. Auf fein erstauntes Fragen erklärte der Freund, er wäre in der vorigen Woche Dorbeigetommen, und hätte es vollkommen leerstehen sehen, ohne Gardinen, und soweit er erkennen konnte, auch ohne Möbel. Dem Mann aus der Konfektion kam das spanisch vor. Er fuhr eiligst hinaus und stellte fest, daß das Haus wirklich leer stand. Einrichtung, Teppiche, Lampen, kurz alles war verschwunden. Das Haus bestand nur noch aus den Wänden, Türen, Treppen und Fenstern, so wie es der Architekt gebaut hatte. Das übrige war von einer schnell und gründlich arbeitenden „Kolonne" eines Nachts zur besseren Verwendung mitgenommen worden. Anscheinend waren sie der Meinung, daß es unpraktisch sei, die Sachen den ganzen Winter über unbenutzt stehen zu lassen.
Der Geist im Zunggesettenquariier.
Der Geist, von dem hier die Rede sein soll, hieß bei Lebzeiten Marie. Der Familienname tut ja nichts zur Sache. Marie war, bevor sie zu dem Entschluß kam, durch Selbstmord sich in einen Geist zu verwandeln, ein Mädchen, jung, vielleicht auch hübsch und mit einem liebebedürftigen Herzen. Für das liebebedürftige Herz fand sich bald auch einer, der bereit war, es auszufüllen. „Jedoch, wie man im Film singt — „einmal sagt man sich adieu, wenn man sich auch noch so liebt. Lind Marie stand eines Tages wieder da, jung, hübsch, mit liebebedürstigem Herzen. 3hr Liebhaber hatte sich in die Arme einer anderen geflüchtet, wie es im Leben so geht. Marie packte die Verzweiflung. Sie schrieb dem Ungetreuen herzzerreißende Briefe, aber vergebens. Marie konnte und konnte es nicht verwinden, denn der flüchtige Liebhaber war nebenbei ein Mann in guter Position, ein begehrenswertes Eheobjekt. Als alle Briese, die sie schrieb, unbeantwortet blieben, griff sie zu einem letzten Verzweiflungsmittel. Der Don 3uan erhielt eines Tages einen schwarz umränderten Trauerbrief, in dem ihm mitgeteilt wurde, dah Marie sich aus Verzweiflung mit Gas vergiftet habe. Die trauernden Hinterbliebenen erlaubten sich weiter, mitzuteilen, daß die Beerdigung dann und dann ftattfinöc. Ein paar Tage darauf saß dieser herzlose Mensch gemütlich beim Abendbrot. Auf einmal klopft es. Die Tür geht auf. Wer steht im Rahmen der Tür? Marie! Marie, wie sie leibt und lebt. Dem Liebhaber blieb vor Schreck der Bissen in der Kehle stecken, denn Geistererscheinungen beim Abendbrot sind nun einmal etwas durchaus Lin- gemütliches und nicht geeignet, den Appetit zu fördern. Marie ließ ihm auch keine Zeit, seine Kehle vor der drohenden Kollision mit dem steckengebliebenen Bissen zu bewahren, denn sie wetterte gleich los: „Was bist du für ein herzloser Mensch, nicht einmal zu meiner Beerdigung bist du gekommen!" Lind er stammelte, so gut er es vermochte: „Ja, bist du denn nicht tot?“ — „Das könnte dir so passen!" Lind zum Beweis ihres I leibhaftigen Daseins holte sie mit dem zarten Händchen weit aus. und rechts und links knallten I
die Ohrfeigen. Dann schlug sie auf dem Tisch alles kurz und klein, der zu Hilfe herbeieilenden Wirtin flogen Butter» und Zuckerdose an den Kops. Geister können sich solchen Höllenspuk ja auch erlauben, aber noch lebende Menschen müssen sich in allen solchen Fällen später vor dem Strafrichter verantworten. Marie machte keine Ausnahme. Sie erklärte vor Gericht, sie habe erst nach ihrem Tode eingesehen, welch einem Schuft sie ihr Herz geschenkt hatte, und sei nun heute davon überzeugt, daß cs sich nicht verlohne, wegen eines solchen Kerls sich das Leben zu nehmen, denn dieser Mensch sei nicht einmal zu ihrer Beerdigung gekommen, er habe cs auch nicht für nötig gefunden, ihr einen Kranz zu schicken. Sic nahm die Geldstrafe von hundert Mark in Raten ergeben hin.
Oer gebändigte Räuberhauptmann.
Spada, der Führer aller korsischer Banditen, machte den französischen Behörden seinerzeit viel zu schaffen. Kaum eine Woche verging, in der nicht einige Reisende von ihm und seinen Anhängern ausgeplündert wurden. Der Führer des durch Generationen vererbten Banditentums war zu einer wahren Landplage geworden: außerdem blieben alle Rachforschungen ergebnislos. Niemand verriet ihn, und nach jeder Razzia kamen dafür ein paar neue Raubüberfälle auf sein Konto. So blieb nichts anderes übrig, als vom Mutterlande ein paar hundert Polizeibeamte, eine kleine Armee, herüberkommen zu lassen, um mit ihr gemeinsam den Eindruck der Llnfähig» feit zu beseitigen. Vergebens, Spada und seine Leute waren immer da, wo die Beamten ihn nicht vermuteten. Man ging mit Maschinengewehren vor, holte Tanks und Tränengasbomben und veranstaltete einen kleinen Kriegszustand. Der Preis auf Spadas Kopf wurde von 5000 Franken auf 10 000 heraufgeseht. Niemand wollte sie verdienen. Der ganze Kleinkrieg kostete schon erheblich mehr als der Preis auf Spadas Kops, da hörten die Lleberfällc eines Tages plötzlich auf, und Spada war verschwunden. Man vermutete, ihn doch vielleicht versehentlich erschossen zu haben; die korsische Polizei war über die wiedererlangte Autorität sroh, die übrigen Beamten kehrten mit Ruhm bedeckt nach Frankreich zurück, und alle Welt atmete ersichtlich auf. Spada blieb verschwunden, und da alle Häfen sorgfältig überwacht wurden, konnte er nicht entkommen fein. Vermutlich war er tot. Mit Nichten: Spada saß in Paris und lachte über die Zei tungsmeldungen. Er war doch entkommen. Lind zwar mit Hilfe einer in ihm verliebten Engländerin, die ihn in Frauenkleidcr steckte und ihn als ihre „Zofe" einige Zeit in ihrer korsischen Wohnung unterbrachte, ehe sie in einem Motorboot zum Festland entkommen konnten. Spada fuhr als Zofe der verliebten Miß mit ihr nach Paris und weiter nach London auf ihren abgelegenen Landsitz, wo die beiden nunmehr ungestört leben können und Spada, der wieder Männerkleidung trägt, sich aus dem angebeteten Helden der Korsen zu einem frich» liebenden Bürger entwickelt hat. Die Korsen behaupten zwar, aus dem Helden sei ein Pantosiel- held geworden. Aber das ist doch wohl übertrieben.
I )
6
*, N ch s rr ie rs :ll ar >rt n» us u- tin .ir. :de an len Dec )cs rig «em den eu* zur luß hie-
ger Die end- den. Urne.
200 wirb, chsen )aus jrgs- Li ) fin- ätzen,
Ar- ichen, sorge sinken junge " sich chsten i) er-
licsige buid)
9 mit
: weit «inaus werke.
riete um “ er» 5, be» 1 Der- 1 zum ort seit chntal» -s Ge-
„ Säer, der angee» jhb da» •!te für
at hier leider . Zwei Man» lebenS» stor- i u f e n Huf- i dessen
«d toei» c Wct- rd nach Durch rrdings e über giebige «blichen en ab» i Druck eiligem ,en sich später» Nieder»
tig und trocken. Vielfach ag und n mild,
,8 Grab norgens ünimum
10 cm 9. März: 0,0 mm.


