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09/02/1933 Frühausgabe
 
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kelzug anschließt. Hm 22.30 Uhr findet auf dem FricVrichsplah eine Kundgebung statt, auf der Roland Frcisler. W. d. L. und Reichstagsabg. Lengemann sprechen. Den Abschluß des Abends bildet ein großer Zapfen st rei ch."

Geiändespori-Lehrgänge für Turnlehrer in Preußen.

Berlin, 8. Febr. (ERD.) In einem Erlaß des Kommissars des Reiches für das preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volks­bildung heißt es: Die auf die körperliche und sittliche Ertüchtigung der Ju­gend gerichteten Bestrebungen des Herrn Reichspräsidenten, die zur Gründung des Reichs­kuratoriums für Iugendertüchtigung _ geführt haben, nach besten Kräften zu unterstützen, ist Ehrenpflicht aller Teile des Volkes und zumal aller Staatsbehörden. In erster Linie sind auch die Schulen dazu berufen, an dieser Auf­gabe mitzuarbciten, die nicht nur im Turnunter­richt, sondern in der gesamten Erziehungsarbeit der Schule Berücksichtigung finden muh.

Das Reichskuratorium hat als ein besonders ge­eignetes Mittel, seine Ziele zu erreichen, den Ge­ländesport in den Vordergrund feines Wir­kens gestellt. Der Geländesport ist ein vorzüglicher Weg, um die Jugend zu Disziplin und Ka­meradschaft zu erziehen und Körper und Sinne zu schulen. Hm die Tätigkeit des Reichs­kuratoriums zu unterstützen, werden daher die Schulen nicht nur durch eifrige Pflege der allge­meinen körperlichen und sittlichen Ausbildung d i e Grundlagen und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schulung im Geländesport zu schaffen haben, sondern insbesondere die Oberklassen der höheren Schulen für die männliche Iugend werden in gewissem Um» fange auch eine Vorschulung auf Ein­zelgebieten des Geländesports ins Auge fassen können. Dazu ist es notwendig, daß vor allem die mit dem Turnunterricht betrauten Lehrer sich mit der Eigenart des Geländesports vertraut machen und die besonde­ren Wege der Iugendertüchtigung aus e i g e - nergründlicher Erfahrung kennenlernen, die der Geländesport weist, damit sie in ihrer eige­nen Hnterrichtspraxis das für die einzelnen Al­tersstufen Geeignete zweckmäßig auswählen kön­nen.

Das Reichskuratorium hat sich bereit erklärt, im kommenden Sommer besondere Gelände­sportlehrgänge für Lehrer an höhe­ren Schulen zu veranstalten. Für eine Teil­nahme kommen insbesondere Persönlichkeiten in Frage, welche die Lehrbefähigung für Leibesübun­gen und körperliche Erziehung besitzen.

Ein einheitliches berufspädagogisches Institut in Preußen.

B e r l i n, 8. Febr. (TU.) Der Reichskommissar hat die Bildung eines einheitlichen berufspädagogischen Instituts in ^reußen verfügt. Es besteht die Ab­sicht, das berufspädagogische Institut in Form einer Zentrale in Berlin mit Zweig­stellen in Frankfurt a. M.. Köln und Königsberg fortzuführen. Die Regelung im ein­zelnen hängt von örtlichen Besprechungen ab, die in nächster Zeit stattfinden. Die Verhandlungen er­strecken sich auch darauf, ob bestimmte Fach­gebiete auf bestimmte Zweigstellen, die dafür besonders geeignet sind, beschränkt werden, da sich an den verhältnismäßig jungen In­stituten gewisse Erfahrungen herausgebildet haben, die nutzbar gemacht werden sollen. Dabei spielt auch die Erwägung eine Rolle, das Studium auf sechs Semester zu verlängern.

Erhöhung derBeihilfen für dasAotwerk der deutschen Jugend.

B e r l i n, 8. Febr. (WTB.) In Abänderung seines asses vom 24. Dezember 1932 hat sich der Reichs- .eitsminister einverstanden erklärt, daß der Durchschnitt der Beihilfen, die aus Reichsmitteln für das Notwerk der deutschen Iugend gewährt werden, von 20 auf 25 Rpf. erhöht wird. Infolgedessen können höchstens je

Ganz kleines Unglück in Schwaben.

Von Victoria T. Mclf.

Es ist völlig prahlerisch und erlogen, daß in den letzten zehn Sekunden vor dem Zusammenstoß das ganze Leben am geistigen Auge vorüberzüge.

Das geistige Auge hat gar nichts mehr zu melden, und das körperliche starrt nur sehr weit aufgerissen und erstaunt; dadurch sieht es außerdem falsch.

Mir ging es jedenfalls so, und ich bin kein Aus­nahmegeschöpf. Der Radler, dem wir auf der ver­eisten Straße ausgewichen sind, kam meiner Ansicht nach uns entgegen, rutschte, kam zu Fall, und wir wichen scharf nach links aus, um den armen Mann nicht zu überfahren. Dafür fuhren wir sehend in den Kühler eines anderen Wagens.

Klirr, es tat einen großen Knall; da standen wir und sahen uns an.

Soweit war alles in Ordnung. Mein Begleiter sprang vom Steuer, ich sprang auf die glatte Straße, der Mann aus dem mutwillig angefahrenen Auto sprang auf die Straße. Der Radler kam heran­gekrochen, und ein liebenswürdiger Zeuge stellte sich uns sofort aus einem dritten Äuto zur Verfügung.

Ich hatte bis dahin nur festgestellt, daß mein Be­gleiter eine weiße Nase hatte, und daß wir alle fünf lebten. Geredet hatte ich noch kein Wort, noch nicht einmal geschimpft, und das war gut so; denn ich ver­nahm von allen anderen, daß alles ganz anders war. So. Und nun beginnt der Beitrag zur Psycho­logie der Zeugenaussagen.

Der Radler sei in unserer Richtung bergabwärts gefahren, von Entgegenkommen keine Spur, dos heißt, er sei noch nicht einmal gefahren, er hätte dem Glatteis zuliebe sein Rad geschoben; bann sei er geschlittert und hätte so getan, als fiele er; er fiel ober nicht. Er wäre nur innerlich verdattert ge­wesen, als er die vielen Autos spürte. Das erzählten sich die vier Herren in liebenswürdigster Weise. Ich schwieg natürlich; ich war eine Frau und dadurch ohnehin, was die Phantasie anbetrifft, verdächtig. Ich wunderte mich über die Fehlleistungen meiner körperlich geistigen Augen und wunderte mich über die Höflichkeit Der beiden Kotbeflügelten; ich ver­schwieg mein Erstaunen und dachte Dafür heftig an Kognak.

Aber auch das verschwieg ich und ließ mir ver- sichern, daß ich mich heldenhaft benommen hätte.

Nun griff ich mich an mein schwer versagendes körperliches Auge.

Wie sieht England die Grundlagen einer deutsch - französischen Verständigung?

Macdonald und die Brüder Chamberlain lassen sich befragen.

Paris, 8. Febr. (TU.) Die Wochenzeitschrift Marianne" hat den englischen Ministerpräsidenten Macdonald, den früheren Außen- und Marine­minister Austen Chamberlain und den Finanzmini­ster Neville Chamberlain über die französisch-eng­lischen Beziehungen befragt. Macdonald erklärte u. a., daß die Sicherheit, die auf der Macht aufge­baut sei, einem Haus gleiche, das auf Sand er­richtet sei. Der Friede sei die Sicherheit. Ferner trat Macdonald energisch für die Durchfüh­rung der Verträge von Lausanne ein und sprach die Hoffnung aus, daß die euroväischen Staaten in freundschaftlicher Zusammenarbeit den großen po­litischen Fragen ins Auge sehen würden, die der Lösung harrten und die, falls sie mit großer Weis­heit behandelt würden, Europa in einem Zustand der Unruhe belassen würden.

Austen Chamberlain sagte u. a.:Ich würde eine deutsch-französische Annäherung gern sehen. Gewiß muß auch Deutschland das Seine dazu beitragen und die Wirklichkeiten der gegenwärtigen Lage anerkennen, wenn es später irgendwelche Er­leichterungen zu finden hofft. Eine großmütige Liquidierung der Vergangenheit ist das einzige Mittel, ein annehmbares europäisches Leben wiederherzustellen. Die Deutschen haben in Locarno für immer auf Elsaß-Lothringen verzichtet. Wir können nicht von ihnen verlangen,

daß sie förmlich auf alle Hoffnungen, ihre O st - grenzen zu ändern, verzichten. Wir haben aber das Recht, sie zu bitten, daß sie loyal im Sinne der übernommenen Verpflichtungen handeln, d. h. niemals zum Kriege schreiten, um die von ihnen gewünschten Verbesserungen durchzusetzen und unsererseits müßten wir alles tun, was in unseren Kräften steht, um den Deutschen zu Hel­sen, die Vergangenheit zu vergessen und um ihnen das Leben erträglich zu machen. Man darf sie nicht in die Lage eines Spielers versetzen, der alles verloren hat, aus Verzweiflung seinen letzten Trumpf ausspielt und seine Umgebung in feinen Zusammenbruch mit» zureißen droht. Sie können nicht verlangen, daß das Leben stehen bleibt und sich um eine Formel, um einen Vertrag kristallisiert. Sie müssen die Mentalität des Siegers, die ihnen nicht zusteht, aufgeben. Man muß , so fuhr Austen Chamberlain u. a. fort,den Geist von Locarno wiederfinden."

Neville Chamberlain meinte u. a.:Ich hoffe, daß kein Franzose die Aufrechterhaltung des Lausanner Abkommens vom vergan­genen Juli in Frage stellt. Die Sicherheit und die Zukunft Europas hängen davon ab und ich bin der Ueberzeugung, Amerika wird letzten Endes anerken­nen, daß die Lösung der Kriegsschuldfrage in keiner Weise die Abkommen von Lausanne stören darf."

nach den örtlichen Verhältnissen 20 bis 30 Rpf. statt 15 bis 25 Rpf. für jeden Teilnehmer gezahlt werden. Die Siedlungen in Preußen 1932.

Berlin, 8. Febr. (WTB.) In Preußen find im Iahre 1932 7 907 neue Siedler stellen angelegt worden auf einer Fläche von 87 451,7 Hektar. Die durchschnittliche ©teilen* größe beträgt 11,1 Hektar. Für Zwecke der An­liegersiedlung wurden in 8991 Fällen 16 760 Hek­tar verwendet. Die Landzulage war durchschnitt­lich 1,9 Hektar groß.

Da für die a u ß e r p r e u h i s ch e n Länder, in denen die landwirtschaftliche Siedlung ge­fördert wird, mit einem Siedlungser­gebnis von gut 1000 Stellen z u rech­nen ist, beträgt die Gesamtzahl der im Iahre 1932 geschaffenen Siedlerstellen etwa 9000. Durch diese amtlichen Ziffern werden die von ver­schiedenen Seiten ausgesprochenen Vermutungen widerlegt, daß das Siedlungsergebnis des Iahres 1932 gegenüber dem Vorjahre erheblich abfalle und nur etwa 4500 bis 6000 Stellen betragen werde. Die Deutsche Siedlungsbank hat im Iahre 1932 an Siedlungsmitteln rund 82 Millio­nen Mark ausgezahlt gegenüber 77,5Mil­lionen Mark im Iahre 1931.

Verstaatlichung der Großbanken?

Ein nationalsozialistischer Antrag im Bayerischen Landtag.

München, 8. Febr. (TH.) Der Bayerische Landtag hat einen nationalsozialisti­schen Antrag auf Verstaatlichung der Großbanken angenommen, dagegen den sozialdemokratischen Antrag auf Heberführung der planlosen privatkapitalistischen Wirtschaft in eine planmäßige Bedarfswirtschaft abgelehnt.

Der Landtag beschloß nach heftiger Debatte mit den Stimmen der Nationalsozialisten und Sozial­demokraten die Annahme folgenden Antrags:Die Staatsregierung wird ersucht, daß baldigst eine aus­reichende staatliche Beaufsichtigung der Banken herbeigeführt wird mit dem Zweck 1. der U m - und Entschuldung der öffentlichen Wirtschäft, ferner der öffentlichen Körperschaften; 2 der Herbeiführung eines den wirtschaftlichen Ver- hältnissen entsprechenden Zinssatzes; 3. der

Sicherung der vom Reich den Banken gegebenen Subventione n."

In der teilweise sehr stürmischen Aussprache wurde auch vielfach auf die neue Regierungs­bildung im Reich Bezug genommen, wobei die Redner der Bayerischen Volkspartei bezweifelten, ob Hugenberg gewillt und in der Lage sei, den Auswüchsen des liberalen Wirtschaftssystems ent­gegenzuwirken. Es wurde auch darauf hingewie­sen, daß der neueste Wirtschaftsplan der Ratio­nalsozialisten im Reiche .-nur auf eine Ver­staatlichung der Rotenbanken abziele, nicht aber der Großbanken. Für die Rational­sozialisten erklärte der Gauleiter, Abg. Wag­ner, in einer Zeit, wie der jetzigen, in der es darauf ankomme, zu verhüten, daß der Bolsche­wismus in Deutschland Herr werde, stelle kein ver­antwortungsbewußter Parteiführer Fragen, deren Beantwortung eine Doktorarbeit darstelle, an die neue Reichsregierung. Gegen den national­sozialistischen Antrag stimmten die Bayerische Volkspartei, der Bauernbund und die Kommu­nisten. Das Abstimmungsergebnis wurde mit Heilrufen bei den Rationalsozialisten aufgenom­men.

Kleine politische Nachrichten.

Das Reichskabinett beriet eingehend eine Reihe finanz- und wirtschaftspolitischer Fragen sowie Maßnahmen zur Linderung schwerer wirtschaftlicher und sozialer Schäden. Die Beratungen hierüber wer­den in den nächsten Tagen fortgesetzt.

Das Reichsinnenministerium teilt mit, daß bei den kommenden Wahlen für den Rundfunk die­selben Richtlinien gelten, die bisher angewandt worden sind, wonach die Benutzung des Rundfunks fürund von Parteien aus­geschlossen ist. Dabei ist es selbstverständlich, daß im politischen Leden stehende Persönlichkeiten über staatspolitische und wissenschaftliche Fragen sprechen.

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In der englischen Presse sind Behauptungen im Hrnlauf, wonach bei der Bildung der gegen­wärtigen Reichsregierung Vereinbarungen dahin­gehend getroffen worden seien, daß der Reichspräsident Reichskanzler Hit­ler niemals ohne die. Begleitung des Vizekanzlers v. Papen empfangen werde und daß außerdem Vizekanzler v. Papen

als Vertreter beS Reichspräsidenten eine Befon- dere Stellung innerhalb des Kabinetts einnimmt. Diese Behauptungen werden amtlich als Un< sinn bezeichnet.

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Im Zusammenhang mit befh Ausscheiden des Staatssekretärs Dr. Ern st aus seinem Amt als kommissarischer Leiter des preußischen Handels­ministeriums wird betont, daß Dr. Ernst selbstver­ständlich sein Amt als Bankenkommissar b e i b e h ä l t.

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Der Studienassessor Haupt ist zur Bearbeitung studentischerFragenindas preußische Mini­sterium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung be­rufen worden.

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Der neugewählte Irische Landtag ist er­öffnet worden. Die Polizei hatte außerordentliche Sicherungsmaßnahmen getroffen, um Kundgebungen zu verhindern. De Valero wurde mit 82 gegen 54 Stimmen zum Ministerpräsidenten wiedergewählt. s

Das Polizeigericht in Borsad verurteilte Frau G h a n d i, die Gattin des Mahatma, wegen Nicht­befolgung der Gesetze und Nichtbezahlung der Steu­ern zu sechs Monaten Gefängnis und zu einer Geldstrafe von 500 Rupien dzw. im Nichtbei­treibungsfalle zu weiteren sechs Wochen Gefängnis.

Aus alter Welt.

Unfall des Generalmusikdirektors klemperer.

Bei der Gewandhausprobe in Leipzig hat Gene­ralmusikdirektor Otto Klemperer einenHn- fall erlitten. Er lehnte sich an das Geländer des Konzertpodiums. Dos Geländer brach und Klemperer stürzte eineinhalb Meter tief. Er war zunächst bewußtlos. Man konnte dann glück­licherweise feststellen, daß er keine Gehirnerschüt­terung erlitten hat, sondern nur leichte Verletzun­gen. Das 14. Gewandhaus-Konzert, das von Klemperer dirigiert werden sollte, wird nun von Gustav Brecher geleitet.

Der Herd des badischen Erdbebens.

Der Herd des in fast ganz Baden bemerkten Erdbebens liegt südlich bis südöstlich von Karlsruhe in einer Entfernung von kaum 50 Kilo­meter und scheint in der Rähe des Murgtal- grabens zu liegen. Infolge des Bersagens der einen Komponente ist augenblicklich eine genaue Feststellung des Herdes auf Grund der makro­seismischen Angaben noch nicht möglich. Die Mit­teilungen des Badischen makroseismischen Dien­stes werden im Verein mit den instrumentellen Ergebnissen einwandfrei. Aufschluß über die Lage des Epizentrums und die Art des Bebens geben.

Mit Tranengasbomben gegen eine wahnsinnige.

Eine Witwe in Stolp (Pommern) hat dieser Tage ihren 13jährigen Sohn vom Schulbesuch ferngehalten und dem Rektor der Schule einen Brief geschrieben, in dem sie erklärte, sie würde auf Befehl Gottes ihren Iungen opfern. Der Rektor verständigte die Polizei, die, als ihr nicht geöffnet wurde, gewaltsam in die Wohnung eindrang. Die Frau hatte sich aber in einem Zimmer verbarrikadiert und be­warf jeden, der sich der Tür näherte, durch eine Scheibe mit Blumentöpfen, Tintenfässern usw. Ein Polizeibeamter erhielt eine Handvoll Glassplitter ins Gesicht und wurde erheblich verletzt. Darauf schoß die Polizei mit Tränen­gaspatronen, was die Frau aber nicht beirrte. Erst, als mit einem Wasserschlauch vorgegangen wurde, konnte sie überwältigt werden. Wie fest- gestellt wurde, handelt es sich bei der Frau um einen Anfall religiösen Wahnsinns. Der Sohn, der wahrscheinlich vor einem schlimmen Schicksal bewahrt worden ist, wurde dem Für­sorgeamt zugeführt.

, Opfer der Grippe im Wuppertal.

Vom 30. Ianuar bis 4. Februar find in Groh- Wuppertal 250 Sterbefälle verzeichnet wor­den, eine erschreckend hohe Zahl, da die normale Sterblichkeitsziffer für diesen Zeitraum nur etwa 70 beträgt. In den meisten Fällen wurde Grippe als Todesursache festgestellt.

War ich in Deutschland oder war ich nicht? Schrei­ben wir 1933 oder tun wir das nicht? Was sich hier zutrug, war doch mehr als englisch; es war ein gentleman agreement, wie es im eigens dafür ge­gründeten Genf nicht einmal zu finden ist. Es war beinahe kitschig. Deshalb habe ich lange gezögert, ob ich es überhaupt niederschreiben darf.

So etwas von einem happy end war noch selten da. Die Herren schrieben gerade ihre Adressen in ihre Notizbücher, sie schrieben leserlich und ganz ohne böse Absicht.

Ich kann Ihnen jederzeit gerne bezeugen, daß Sie unschuldig sind und dem Radler auswichen; es war keine andere Möglichkeit bei diesem Glatteis", sagte der Zeuge, Herr Seerics aus Wangen, der späterhin erklärte, er schwärme für Frontantrieb.

»Ich bin der einzig Schuldige, ich weiß es", sagte der Radler, ein schwarzhaariger Sechzehnjähriger, bei dem sicher sonst nichts zu holen war.

»Ja, ja", sagte der Angerempelte und besah sich seinen tropfenden Kühler und die peinlich verbogene Vorderachse.Dieses verdammte Wetter ist an allem schuld."Sind Sie übrigens Casco versichert?" Nein", sagte mein Begleiter mit schon wieder ganz vergnügter Nase;nur Haftpflicht. Aber unsere bei­den Versicherungen werden schon einig werden. Wenn nicht, werden mir beide einig."

Natürlich", sagte der andere,freilich, wir roer= werden einig." Nun kam die Zeit des gegenseitigen Zigarettentausches.

Wenn man mir nicht schnell noch ein paar Kom­plimente über mein heldisches Benehmen gesagt hätte, wäre es mir jetzt schon langweilig geworden.

Unseren Schaden kannte ich nun schon. Es war kaum mehr wie beim Gegner, der ja in diesem Fall Partner war; Kühler, Vorderachse, Scheinwerfer und Kotflügel lagen im Argen; wir brauchten also nicht groß neidisch zu werden.

Aus den Wagen der Neugierigen, die an unserer Unfallstelle hielten und den Schaden beredeten, stieg auch nichts Erlebenswertes mehr auf die Chaussee.

Ich fror, ich dachte weiterhin an Kognak und an die Langeweile englischer Manieren und beschloß, den besten der entgegenkommenden Wagen aufzu­halten und in einer Abschleppgarage Hilfe zu holen.

Das wurde wiederum als richtige Tat zur rich­tigen Zeit von nunmehr nur noch zwei und einem halben Herrn bejubelt.

Und nun geschah es, daß ich zu einem entgegen­kommenden Horch noch entgegenkommender war.

Dies sei der einzige Fall, erklärte mir mein kor­rekter Begleiter, wo eine Frau die Grenzen Der weiblichen Zurückhaltung überschreiten dürfe. Mit

diesen Segenswünschen stieg ich zu einem pelzoer- brämten ehemaligen Generaldirektor in den Fond.

Ich erzählte ihm tolle Dinge von den seelischen Vorgängen in den letzten zehn Sekunden vor dem Fall!

Vor der Garage sagte er mir, er habe selten eine Frau getroffen, die psychologisch so tiefgründig beob­achten könne. Der Ärmel Dann fuhr ich in einem roten Lastauto neben dem Abschleppkranen zurück an die Unfallstelle und beschloß dort oben in der frischen Luft, künftighin die Eisenbahn nicht mehr so sehr zu verachten.

Die zweieinhalb Herren waren sehr vergnügt. Wäre ich nicht so rasch zurückgekommen, hätten sie sich sicher schon geduzt.

So erzählten sie sich gerade Autowitze. Die allerletzte Verbrüderung sand in einem CafL in Stuttgart statt bei einem dunkelroten Glühwein.

Das Schöne an dieser Geschichte ist, daß sie wahr ist. Sehen Sie, es geht auch so, wenigstens bei den Schwaben.

Aber es ist doch besser, wenn eine Frau schweigt. Nachher kann sie ja darüber schreiben.

Ein Riesenrubin.

Ein Rubin, der fast 20 Karat wiegt und als der schönste Stein dieser Art gilt, der seit mehr als einem Jahrzehnt gefunden wurde, ist von armen Eingeborenen in Birma ausgegraben worden. Es waren Leute, die mit Regierungserlaubnis in einer kleinen Grube arbeiteten. Die Bergwerksverfahren sind dort noch sehr primitiv. Ein Mann läßt sich in die Grube herunter und füllt einen Korb mit Erde, der dann emporgehoben wird. Rubine sind in dem Erdreich so svärlich verteilt und gewöhnlich so klein, daß die Arbeiter zum größten Teil nur dürftig ihr Leben fristen. Manchmal allerdings haben sie auch Glück, und das war in diesem Fall in reichem Maße vorhanden. Der Stein wurde nach dem Londoner Juwelenmarkt von Hatton Garden gebracht; er wurde dann geschliffen. Heute wiegt das Juwel nur noch VA Karat, zeigt aber jetzt erst seine ganze Schönheit. Die Farbe ist das berühmteTaubenblut", eine überaus seltene Schotterung des Rubinrotes. Diese Farbe wird am höchsten bezahlt, und man schätzt den Wert des Rubins auf etwa 150 000 Mark. Wenn die beiden Leute, die ihn gefunden haben, auch nur einen Bruchteil davon erhalten, dann ist bei den einfachen Lebensbedingungen in Birma für ihre Zukunft gesorgt.

Tonfilm: ,0er weiße Dämon".

Das ist nicht, wie manche, vom Titel irregeführt, zuvor geglaubt hatten, ein neuer Berg- und Ski- Film; sondern ein aufregender Kriminalfilm: der weiße Dämon" ist eine Umschreibung für verheeren­des Rauschgift, Morphium und Kokain, in ein-' geweihten Kreisen auch Koks genannt Es handelt sich um den Kampf gegen eine höchst gefährliche internationale Händler- und Schmugglerbande; das spielt sich ab auf einem*Ozeandampfer, im Hambur­ger Hafenviertel, hinter den Kulissen einer großen Opernbühne, im V-Zug, in Paris und zuletzt in Lissabon. In Szene gesetzt von Kurt G e r r o n mit großer Aufmachung und beträchtlicher Spannung, mit den manchmal schon verwegen anmutenden Mitteln des amerikanischen Sensationsschauspiels. Die im allgemeinen straff geführte Handlung weist übrigens einige Bruchstellen auf; es mag der Phan­tasie und der Aufmerksamkeit des Zuschauers über­lassen bleiben, sie für sich zu registrieren. Den Kampf gegen die raffiniert arbeitende Verbrecherbande führt allein (ober doch fast ganz allein) Hans Al­bers. Die erstaunliche Karriere dieses Mannes wird einem erst richtig klar, wenn man ihn (vor vielleicht acht Jahren) in ziemlich unbedeutenden Rollen auf kleineren Berliner Bühnen hat spielen sehen; damals ahnte kein Mensch, was mal aus ihm werden würde. Aber er hat nun mal etwas vom männlichen Jdealtyp, wie ihn unsere Zeit heraus­gebildet hat; und es ist eine Freude zu beobachten, wie er vom obersten Deck des Dampfers ins Was­ser springt, um einen kleinen Jungen zu retten; wie er eine verdächtige Kiste aufmacht; oder wie er in einer wüsten Kneipe im Hamburger Gängeoiertel vier Kerle auf einmal in Klump boxt. Gefuhlstöne liegen ihm, wovon man sich hier vergewissern kann, weniger. Die Besetzung ist allgemein von hohem Rang. In ein paar kleinen Szenen: Lucie Höf­lich, noch immer eine der ersten Darstellerinnen Deutschlands. Gerda Maurus, infolge der Passi­vität ihrer Rolle nicht von so starker Wirkung wie früher etwa als Frau im Mond, ober in ben Spionen" Trude von Molo, die begabte und ras­sige Tochter des Dichters. Eine Gruppe scharf profi­lierter Gestalten auf der Gegenseite der routi­nierte Filmbesucher schließt leider meist schon aus der Besetzung richtig auf die Verteilung der Kräfte in Spiel und Gegenspiel: Peter Lor re, ein unheimlich sicher erfaßter Typ; Raoul Aslan; Hubert v. Meyerinck und Alfred Abel, dem man leider lange nicht mehr begegnet ist. Der interessante und sehenswerte Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus.r